Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Schuldbetreibungs- und Konkurskammer 7B.226/2006
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7B.226/2006 /zga

Urteil vom 23. April 2007
II. zivilrechtliche Abteilung

Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichterinnen Escher, Hohl,
Gerichtsschreiber Levante.

1. Staat Belgien, vertreten durch Bruno Tuybens, Secrétaire d'Etat des
Entreprises publiques,
Adjoint au Ministre du Budget, 189, rue Royale,
BE-1000 Brüssel,
2.Société Fédérale de Participations et d'Investissement S.A.,
54, Avenue Louise, BE-1050 Brüssel,
3.S.A. Zephyr-Fin,
54, Avenue Louise, BE-1050 Brüssel,
Beschwerdeführer,
alle vertreten durch Rechtsanwalt Björn Bajan,

gegen

Obergericht des Kantons Zürich, II. Zivilkammer,
als obere kantonale Aufsichtsbehörde in Schuldbetreibungs- und Konkurssachen,
Postfach, 8023 Zürich.

Kollokationsverfügung,

SchKG-Beschwerde gegen den Beschluss des Obergerichts des Kantons Zürich, II.
Zivilkammer, als oberer kantonaler Aufsichtsbehörde in Schuldbetreibungs- und
Konkurssachen vom 16. November 2006 (NR060068/U).

Sachverhalt:

A.
Am 5. Oktober 2001 ging die SAirLines in die (provisorische)
Nachlassstundung, und am 20. Juni 2003 bestätigte das Bezirksgericht Zürich
den von der SAirLines mit ihren Gläubigern geschlossenen Nachlassvertrag mit
Vermögensabtretung. Die Nachlassliquidatoren Karl Wüthrich und Roger Giroud
wiesen mit Verfügungen vom 18. Juli 2006 die Forderungen des Staates Belgien
(Verfügung Nr. SL00161), Société Fédérale de Participations S.A. (Verfügung
Nr. SL00160), der Société Fédérale d'Investissement S.A. (Verfügung Nr.
SL00162) und S.A. Zephyr-Fin (Verfügung Nr. SL00164) ab und liessen diese in
dem am 19. Juli 2006 aufgelegten Kollokationsplan nicht zu. Hiergegen erhoben
die vier Gläubiger Beschwerde und verlangten, dass die Verfügungen aufzuheben
und ihre in der Nachlassliquidation der SAirLines angemeldeten Forderungen
von insgesamt fast 3,9 Mia. Schweizer Franken im Kollokationsplan pro memoria
mit Fr. 1.-- bis zur rechtskräftigen Erledigung der von ihnen in Belgien
anhängig gemachten Klage vorzumerken seien.

B.
Mit Beschluss vom 9. August 2006 wies das Bezirksgericht Zürich als untere
Aufsichtsbehörde die Beschwerde ab, soweit darauf eingetreten wurde. Das
Obergericht des Kantons Zürich, II. Zivilkammer, als obere kantonale
Aufsichtsbehörde in Schuldbetreibungs- und Konkurssachen wies die von den
Gläubigern erhobene Beschwerde mit Beschluss vom 16. November 2006 ebenfalls
ab.

C.
Die Gläubiger haben den Beschluss der oberen Aufsichtsbehörde mit
Beschwerdeschrift vom 18. Dezember 2006 (rechtzeitig) an die
Schuldbetreibungs- und Konkurskammer des Bundesgerichts weitergezogen und
beantragen, der angefochtene Beschluss sei aufzuheben. In der Sache verlangen
sie (wie im kantonalen Verfahren), die Verfügungen der Nachlassliquidatoren
seien aufzuheben und ihre angemeldeten Forderungen seien im Kollokationsplan
pro memoria mit Fr. 1.-- bis zur rechtskräftigen Erledigung der von ihnen in
Belgien anhängig gemachten Klage vorzumerken. Weiter verlangen sie
aufschiebende Wirkung und die Sistierung des Beschwerdeverfahrens.

Die obere Aufsichtsbehörde hat anlässlich der Aktenüberweisung auf
Gegenbemerkungen (Art. 80 OG) verzichtet. Die Nachlassliquidatoren beantragen
die Abweisung der Beschwerde.

Mit Präsidialverfügungen vom 4. Januar 2007 bzw. 25. Januar 2007 wurden die
Gesuche um aufschiebende Wirkung sowie um Sistierung des Beschwerdeverfahrens
abgewiesen.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Am 1. Januar 2007 ist das Bundesgesetz über das Bundesgericht (BGG; SR
173.110) in Kraft getreten (AS 2006 1205, 1243). Der angefochtene Entscheid
ist vorher ergangen, so dass noch die Bestimmungen des
Bundesrechtspflegegesetzes (OG) anzuwenden sind (vgl. Art. 132 Abs. 1 BGG).
Die Schuldbetreibungs- und Konkurskammer (Art. 12 Abs. 1 lit. c OG) besteht
indessen nicht mehr, und die vorliegende Beschwerde ist von der II.
zivilrechtlichen Abteilung zu beurteilen (Art. 32 Abs. 1 lit. c des
Reglements vom 20. November 2006 für das Bundesgericht [BgerR; SR
173.110.131]).

2.
2.1 Verfügungen der Liquidationsorgane bei der Durchführung des
Nachlassvertrages mit Vermögensabtretung können mit Beschwerde angefochten
werden (Amonn/Walther, Grundriss des Schuldbetreibungs- und Konkursrechts, 7.
Aufl. 2003, § 55 Rz. 27). Die vorliegende Beschwerde richtet sich nicht gegen
den Inhalt der Kollokationsverfügungen, sondern gegen das Recht der
Liquidatoren, eine solche zu treffen. Dies kann ohne weiteres Gegenstand des
Beschwerdeverfahrens sein (BGE 130 III 769 E. 1 S. 771). Die Beschwerde ist
grundsätzlich zulässig.

2.2 Die Société Fédérale d'Investissement S.A. hat nach den Angaben der
Beschwerdeführer die Société Fédérale de Participations S.A. zufolge Fusion
absorbiert und firmiert neu unter Société Fédérale de Participations et
d'Investissement S.A., so dass die Beschwerdeführerin 2 beschwerdelegitimiert
ist.

2.3 Gemäss Art. 79 Abs. 1 OG ist in der Beschwerdeschrift kurz darzulegen,
welche Bundesrechtssätze und inwiefern diese durch den angefochtenen
Entscheid verletzt worden sind (BGE 119 III 49 E. 1). Soweit die
Beschwerdeführer auf Vorbringen im kantonalen Verfahren verweisen, genügen
sie diesen Begründungsanforderungen nicht (BGE 106 III 40 E. 1 S. 42).
Insoweit kann auf die Beschwerde nicht eingetreten werden.

2.4 Auf den Vorwurf der Beschwerdeführer, die obere Aufsichtsbehörde habe mit
ihrem Beschluss Art. 29 Abs. 2 BV verletzt, weil sie sich nicht hinreichend
mit den von ihnen erhobenen Vorbringen auseinandersetze, kann nicht
eingetreten werden, da im Beschwerdeverfahren gemäss Art. 19 SchKG ein
Verstoss gegen verfassungsmässige Rechte nicht gerügt werden kann (Art. 43
Abs. 1 i.V.m. Art. 81 OG; BGE 122 III 34 E. 1 S. 35).

3.
3.1 Die obere Aufsichtsbehörde hat im Wesentlichen unter Hinweis auf BGE 130
III 769 erwogen, dass im Zeitpunkt der Konkurseröffnung bereits im Prozess
liegende Forderungen nicht - wie in Art. 63 der Verordnung des Bundesgerichts
vom 13. Juli 1911 über die Geschäftsführung der Konkursämter (KOV; SR 281.32)
vorgesehen - lediglich pro memoria vorgemerkt werden könnten, wenn der
Prozess im Ausland hängig sei. Da der ausländische - hier der belgische -
Richter nicht verpflichtet sei, den schweizerischen Konkurs zu beachten und
den Prozess gemäss Art. 207 SchKG zu sistieren, bestehe keine gesetzliche
Grundlage, um die hoheitliche Kompetenz der Konkursverwaltung gemäss Art. 245
SchKG zu beschneiden und ihre Kollokationsverfügung der Anfechtung durch eine
Klage gemäss Art. 250 SchKG zu entziehen. Daran ändere nichts, wenn der
Prozess (wie hier) in einem Vertragsstaat des Übereinkommens über die
gerichtliche Zuständigkeit und die Vollstreckung gerichtlicher Entscheidungen
in Zivil- und Handelssachen vom 16. September 1988 (Lugano-Übereinkommen,
LugÜ; SR 0.275.11) hängig sei.

3.2 Die Beschwerdeführer behaupten, bereits im Juli 2001, vor Gewährung der
provisorischen Nachlassstundung, in Belgien einen Prozess gegen die SAirLines
anhängig gemacht zu haben, dessen Gegenstand die angemeldeten Forderungen
seien. Sie machen im Wesentlichen geltend, dass die belgischen Gerichte für
die betreffende Klage gestützt auf Art. 17 LugÜ (Vereinbarung über die
Zuständigkeit) zuständig seien. Diese in Belgien anhängig gemachte Klage habe
den Bestand der Kollokationsforderung zum Gegenstand; das betreffende
Verfahren wickle sich nicht im Rahmen des schweizerischen Konkursverfahrens
ab und bestehe unabhängig vom schweizerischen Zwangsvollstreckungsverfahren.
Die obere Aufsichtsbehörde habe daher zu Unrecht die Anwendbarkeit des LugÜ
verneint. Das SchKG sage nichts über die internationale Zuständigkeit zur
Beurteilung der materiellrechtlichen Vorfrage über den Bestand der
Kollokationsforderung aus; bei Auslandsachverhalten könne die Zuständigkeit
eines ausländischen Gerichts zur Beurteilung der Kollokationsforderung
begründet sein. Die Liquidatoren müssten vorfrageweise berücksichtigen, dass
der schweizerische Kollokationsrichter sich gestützt auf Art. 21 LugÜ
(Rechtshängigkeit) zu Gunsten des belgischen Gerichts als unzuständig
erklären müsste, wobei sich diese Unzuständigkeit auf die materielle Prüfung
der im Nachlassverfahren angemeldeten Forderung beschränke. Im Falle eines
ganz oder teilweise gutheissenden Urteils der belgischen Gerichte beschränke
sich die Erwahrung im Rahmen des Kollokationsverfahrens auf die Prüfung der
Anerkennungsfähigkeit des belgischen Urteils. Das Kollokationsverfahren sei
gestützt auf Art. 21 LugÜ auszusetzen und die Forderung entsprechend Art. 63
KOV pro memoria im Kollokationsplan vorzumerken, bis der Prozess in Belgien
rechtskräftig entschieden sei.

4.
4.1 Beim Nachlassvertrag mit Vermögensabtretung haben die Liquidatoren zur
Feststellung der am Liquidationsergebnis teilnehmenden Gläubiger und ihrer
Rangstellung einen Kollokationsplan zu erstellen (Art. 321 Abs. 1 SchKG).
Hierfür gelten nicht allein die gesetzlichen Vorschriften des
Konkursverfahrens (Art. 321 Abs. 2 SchKG mit Verweisung auf Art. 244 bis 251
SchKG), sondern sinngemäss auch die einschlägigen Vorschriften der KOV (vgl.
BGE 115 III 144 E. 2 S. 145; 130 III 769 E. 3.1 S. 772).

Gemäss Art. 63 KOV sind streitige Forderungen, welche im Zeitpunkt der
Konkurseröffnung bereits Gegenstand eines Prozesses bilden, im
Kollokationsplan zunächst ohne Verfügung der Konkursverwaltung lediglich pro
memoria vorzumerken (Abs. 1). Wird der Prozess weder von der Masse noch von
einzelnen Gläubigern nach Art. 260 SchKG fortgeführt, so gilt die Forderung
als anerkannt, und die Gläubiger haben kein Recht mehr, ihre Kollokation nach
Art. 250 SchKG anzufechten (Abs. 2). Wird der Prozess dagegen fortgeführt, so
wird er zum Kollokationsprozess gemäss Art. 250 SchKG bzw. das Urteil des
Richters zum Kollokationsurteil (BGE 132 III 89 E. 1.4 S. 94; 130 III 769
E. 3.2 S. 772; Gilliéron, Commentaire de la loi fédérale sur la poursuite
pour dettes et la faillite, N. 11 zu Art. 250 SchKG) und erfolgt je nach
Ausgang des Prozesses die Streichung der Forderung oder ihre definitive
Kollokation, welche von den Gläubigern ebenfalls nicht mehr angefochten
werden kann (Abs. 3).

4.2 Die Beschwerdeführer haben nach eigenem Vorbringen im Juli 2001 gegen die
SAirLines über die streitigen Forderungen in Belgien Klage erhoben, noch
bevor diese in die Nachlassstundung ging (5. Oktober 2001) bzw. der
Nachlassvertrag bestätigt wurde (20. Juni 2003). Die obere Aufsichtsbehörde
hat erwogen, dass es keinen Grund gebe, die in Belgien im Prozess liegenden
Forderungen im Kollokationsplan lediglich pro memoria vorzumerken. Sie hat
sich dabei auf BGE 130 III 769 (E. 3.2.3 S. 773) gestützt. Das Bundesgericht
hat in diesem Urteil entschieden, dass die in Art. 63 KOV getroffene
Einschränkung der Regeln betreffend die Kollokation, wonach über
Konkursforderungen, welche Gegenstand eines Prozesses bilden, keine
Kollokationsverfügung und kein Kollokationsverfahren durchzuführen ist,
gemäss dem Territorialitätsprinzip auf das Gebiet der Schweiz beschränkt ist.
Die Beschwerdeführer behaupten zu Recht nicht, dass der belgische Richter
durch einen Staatsvertrag verpflichtet sei, den schweizerischen Konkurs zu
beachten und den Prozess gemäss Art. 207 SchKG, auf welchen sich Art. 63 KOV
stützt, zu sistieren. Das Abkommen vom 29. April 1959 zwischen der Schweiz
und Belgien über die Anerkennung und Vollstreckung von gerichtlichen
Entscheidungen und Schiedssprüchen (SR 0.276.191.721) ist auf Konkurs- und
Nachlassvertragssachen nicht anwendbar (Art. 1 Abs. 2 des Abkommens). Der
Hinweis der Beschwerdeführer auf Art. 166 ff. IPRG geht ins Leere, da diese
Bestimmungen die Anerkennung eines ausländischen Konkursdekretes in der
Schweiz betreffen. Insoweit ist keine gesetzliche Grundlage ersichtlich, um
die hoheitliche Kompetenz der Liquidatoren (Art. 245 i.V.m. Art. 321 Abs. 2
SchKG) zur Anerkennung bzw. Abweisung der angemeldeten Forderungen in Frage
zu stellen.

4.3 Die Beschwerdeführer erheben im Wesentlichen den Einwand, gestützt auf
die dem SchKG vorgehenden Regeln (Art. 30a SchKG) über die gerichtliche
Zuständigkeit gemäss LugÜ seien die in Belgien im Prozess liegenden
Forderungen lediglich pro memoria im Kollokationsplan vorzumerken. Sie machen
sinngemäss geltend, das LugÜ verpflichte die Schweiz, für die Kollokation
(Kollokationsverfügung und -klage) vom Territorialitätsprinzip abzuweichen.

4.3.1 Nach Art. 1 Abs. 2 Ziff. 2 LugÜ sind "Konkurse, Vergleiche und ähnliche
Verfahren" vom Anwendungsbereich des Übereinkommens ausgenommen. Nach der
Rechtsprechung gilt gemäss EuGH der Ausschluss allgemein nur für solche
Klagen, welche im Rahmen einer Konkursliquidation stattfinden, direkt aus dem
Konkursverfahren hervorgehen und sich eng in eine Liquidation von
Vermögenswerten oder einen gerichtlichen Vergleich einfügen. Das
Bundesgericht hielt mit Hinweis auf die Lehre allgemein fest, dass Verfahren,
die ihren Ursprung nicht im Schuldbetreibungs- und Konkursrecht haben bzw.
keine direkte Folge davon sind, und stattdessen aller Wahrscheinlichkeit nach
auch ohne den Konkurs erhoben worden wären, nicht unter den Ausschluss fallen
(BGE 131 III 227 E. 3.2 S. 231).

4.3.2 Nach überwiegender Lehre fällt die Kollokationsklage gemäss Art. 250
SchKG nicht in den Anwendungsbereich des LugÜ (Stoffel, Ausschliessliche
Gerichtsstände des Lugano-Übereinkommens und SchKG-Verfahren, insbesondere
Rechtsöffnung, Widerspruchsklage und Arrest, in: Festschrift Vogel, Freiburg
1991, S. 370; Walter, Internationales Zivilprozessrecht der Schweiz, 4. Aufl.
Bern 2007, S. 177, S. 249 Fn. 240; Brunner/Reutter, Kollokations- und
Widerspruchsklagen nach SchKG, 2. Aufl. Bern 2002, S. 50; Meier,
Internationales Zivilprozessrecht und Zwangsvollstreckungsrecht, 2. Aufl.
Zürich 2005, S. 180; Braconi, La collocation des créances en droit
international suisse de la faillite, Diss. Zürich 2005, S. 149; a.M.
Donzallaz, La Convention de Lugano, Bd. I, Bern 1996, Ziff. 965).

Zum Teil wird in der Lehre Art. 16 Ziff. 5 LugÜ als Ausnahme von Art. 1 Abs.
2 Ziff. 2 LugÜ aufgefasst und geschlossen, die Zuständigkeit der
schweizerischen Gerichte für die konkursrechtliche Kollokationsklage ergebe
sich jedenfalls aus Art. 16 Ziff. 5 LugÜ (Spühler/ Infanger, Anwendung des
LugÜ, insbesondere von Art. 16 Ziff. 5 LugÜ auf SchKG-Klagen, in: Spühler
[Hrsg.], Aktuelle Probleme des nationalen und internationalen
Zivilprozessrechts, Zürich 2000, S. 126; im Ergebnis gleich Donzallaz,
a.a.O., Bd. III, Bern 1998, Ziff. 6393). Auf Art. 16 Ziff. 5 LugÜ, welche der
Ausübung staatlicher Hoheitsrechte Rechnung trägt und die zwingende
Zuständigkeit von Verfahren auf Zwangsvollstreckung aus Entscheidungen
vorsieht (Stoffel, a.a.O., S. 365 f.), berufen sich stellenweise auch die
Beschwerdeführer.

4.3.3 Zweck des Kollokationsverfahrens im Konkurs (Art. 244 bis 251 SchKG)
ist die Feststellung der Passivmasse, d.h. der Forderungen, die am
Konkursergebnis nach Bestand, Höhe, Rang und allfälligen Vorzugsrechten am
Vermögen des Schuldners teilzunehmen haben. Der Kollokationsprozess dient
ausschliesslich der Bereinigung des Kollokationsplanes und hat so wenig wie
dieser irgendwelche Rechtskraftwirkung über das Konkursverfahren hinaus. Das
Schuldverhältnis als solches - zwischen Schuldner und Gläubiger - wird
dadurch nicht rechtskräftig festgelegt. Im Kollokationsprozess kann der
Bestand einer Forderung wohl Gegenstand gerichtlicher Prüfung, nicht aber
Gegenstand rechtskräftiger Beurteilung sein. Vielmehr ist Gegenstand des
Kollokationsurteils nur die Feststellung, inwieweit die streitigen
Gläubigeransprüche bei der Liquidationsmasse zu berücksichtigen sind. Diese
in BGE 65 III 28 (E. 1 S. 30) festgelegten Grundsätze entsprechen konstanter
Rechtsprechung (zuletzt BGE 119 III 84 E. 2b S. 85; 132 III 437, nicht publ.
E. 1) und werden von der Lehre bestätigt, welche die Kollokationsklage (Art.
250 SchKG) daher als konkursrechtliche Klage mit Reflexwirkung auf das
materielle Recht bezeichnet (Gilliéron, a.a.O., N. 44 zu Art. 250 SchKG;
Amonn/Walther, a.a.O., § 46 Rz. 62; Braconi, a.a.O., S. 119, mit weiteren
Hinweisen). Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer ist die
Kollokationsklage nicht mit der Arrestprosequierungsklage (Art. 279 SchKG)
vergleichbar, welche - als eine rein materiellrechtliche Streitigkeit - zu
einem Urteil mit voller materieller Rechtskraft führt (Amonn/Walther, a.a.O.,
§ 4 Rzn. 48 und 49).

Wohl kann - wie die Beschwerdeführer zu Recht festhalten - ein strittiges
Rechtsverhältnis, wie es in einem positiven Kollokationsprozess (Art. 250
Abs. 1 SchKG) als materielle Vorfrage zu beurteilen ist, Gegenstand eines vor
Konkurseröffnung und insoweit unabhängig vom Konkurs erhobenen Prozesses
sein. Der enge Zusammenhang mit dem Konkursverfahren ist aber dennoch gegeben
(Brunner/ Reutter, a.a.O.), weil der betreffende Prozess zu einem
Kollokationsurteil führt (E. 4.1), dessen Wirkungen nicht über das
Konkursverfahren hinausgehen. Die schweizerische Kollokationsklage
unterscheidet sich insoweit nicht von der schweizerischen Anfechtungsklage,
welche als konkursrechtliche Klage mit Reflexwirkung auf das materielle Recht
vom LugÜ ausgenommen ist (BGE 131 III 227 E. 3.3 S. 232). Auch die
Kollokationsklage ist ein Rechtsbehelf, der eng mit der Struktur des
Konkursrechts und seinen Besonderheiten verbunden ist (Gilliéron, a.a.O., N.
47 zu Art. 247 SchKG) und einen integrierenden Bestandteil der
Konkursliquidation bildet.

Ob der enge Zusammenhang mit dem Konkursverfahren dazu führt, dass die
Kollokationsklage schweizerischen Rechts im Lichte der Rechtsprechung zu den
konkursrechtlichen Verfahren gemäss Art. 1 Abs. 2 Ziff. 2 LugÜ (Ausschluss)
zu zählen ist, oder die Kollokationsklage unter den zwingenden Gerichtsstand
gemäss Art. 16 Ziff. 5 LugÜ fällt, musste im vorliegenden Verfahren, d.h. von
den Aufsichtsbehörden nicht weiter erörtert werden. Entscheidend ist, dass
sich in jedem Fall aus der verfahrensrechtlichen Natur der Auseinandersetzung
ergibt, dass das Territorialitätsprinzip gilt und die Schweiz für das
Kollokationsverfahren (Art. 244 bis 251 SchKG) im hierzulande durchgeführten
Nachlassvertrag international zuständig ist (vgl. Spühler/Gehri/Pfister,
Schuldbetreibungs- und Konkursrecht I, 3. Aufl. Zürich 2004, S. 41). Das LugÜ
bietet jedenfalls keine staatsvertragliche Grundlage, um die hoheitliche
Kompetenz der schweizerischen Konkursverwaltung zu beschneiden (Art. 245
SchKG) und ihre Kollokationsverfügung der Anfechtung vor dem schweizerischen
Kollokationsrichter zu entziehen. Der Einwand der Beschwerdeführer, die
Liquidatoren müssten "vorfrageweise berücksichtigen", dass der schweizerische
Kollokationsrichter sich wegen einer Vereinbarung über die Zuständigkeit
belgischer Gerichte, wo bereits eine Klage hängig sei, unzuständig erklären
müsse, geht daher fehl. Es ist nicht zu beanstanden, wenn die obere
Aufsichtsbehörde zum Ergebnis gelangt ist, dass die Liquidatoren die
Kollokationsverfügungen zu treffen und diese weder auszusetzen noch die
Forderungen pro memoria vorzumerken haben.

4.4 Nach dem Dargelegten ergibt sich, dass Art. 63 KOV bei Prozessen in einem
Vertragsstaat des LugÜ ebenso wenig wie in anderen Staaten anwendbar ist;
über die Kollokation entscheiden einzig die Konkursverwaltung bzw. der
Kollokationsrichter in der Schweiz. Damit fällt ausser Betracht, diese
Bestimmung im Rahmen der Durchführung des Liquidationsvergleichs analog
anzuwenden (Art. 321 Abs. 2 SchKG). Die Rüge, die obere Aufsichtsbehörde habe
einen dem SchKG vorgehenden Staatsvertrag verletzt, ist unbegründet.

5.
Aus diesen Gründen ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf eingetreten
werden kann. Das Beschwerdeverfahren ist kostenlos (Art. 20a Abs. 1 SchKG,
der hier auf Grund von Art. 132 Abs. 1 BGG noch anzuwenden ist), und es darf
keine Parteientschädigung zugesprochen werden (Art. 62 Abs. 2 GebV SchKG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Dieses Urteil wird den Beschwerdeführern, Rechtsanwalt Karl Wüthrich
(Seestrasse 39, 8700 Küsnacht) und Rechtsanwalt Dr. Roger Giroud
(Seefeldstrasse 116, Postfach, 8034 Zürich) als Liquidatoren der SAirLines in
Nachlassliquidation und dem Obergericht des Kantons Zürich, II. Zivilkammer,
als oberer kantonaler Aufsichtsbehörde in Schuldbetreibungs- und
Konkurssachen schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 23. April 2007

Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: