Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Öffentlich-rechtliche Abteilung, Staatsrecht 1P.110/2007
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1P.110/2007 /fun

Urteil vom 26. Juli 2007

I. öffentlich-rechtliche Abteilung

Bundesrichter Aemisegger, präsidierendes Mitglied,
Bundesrichter Eusebio, Ersatzrichter Rohner,
Gerichtsschreiber Haag.

X. ________, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Willy
Bolliger-Kunz,

gegen

Y.________, Beschwerdegegnerin 1, vertreten durch Rechtsanwältin Mirjam
Zwald,
Z.________, Beschwerdegegner 2, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Walter
Studer,
Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau,
Frey-Herosé-Strasse 12, Wielandhaus, 5001 Aarau,
Obergericht des Kantons Aargau, Strafgericht, 1. Kammer, Obere Vorstadt 38,
5000 Aarau.

Strafverfahren,

Staatsrechtliche Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons
Aargau, Strafgericht, 1. Kammer, vom 21. Dezember 2006.

Sachverhalt:

A.
Die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau erhob am 27. November 2003 gestützt
auf den Schlussbericht des Bezirksamtes Baden vom 28. Oktober 2003 gegen
X.________ Anklage wegen einfacher Körperverletzung, mehrfacher Nötigung und
Drohung, Gewalt und Drohung gegen Beamte, Beschimpfung sowie versuchter
schwerer Körperverletzung und überwies ihn an das Bezirksgericht Baden zur
Beurteilung. Das Bezirksgericht stellte das Verfahren wegen Körperverletzung
mangels gültigen Strafantrags und dasjenige wegen Beschimpfung wegen Rückzugs
des Strafantrags ein, sprach X.________ vom Vorwurf der Gewalt und Drohung
gegen Beamte sowie (in einem Fall) der Nötigung und Drohung frei und sprach
ihn der versuchten schweren Körperverletzung zum Nachteil von Z.________
sowie der Drohung und der Nötigung zum Nachteil seiner früheren Ehefrau
Y.________ schuldig. Es verurteilte ihn zu acht Monaten Gefängnis unter
Anrechnung von 144 Tagen Untersuchungshaft unter Gewährung des bedingten
Strafvollzugs mit einer Probezeit von drei Jahren und verbunden mit der
Weisung, die ambulante psychotherapeutische Behandlung weiterzuführen und
sich darüber halbjährlich auszuweisen. Ferner wurde er zur Leistung von
Genugtuungen und Parteientschädigungen an Z.________ und an Y.________ sowie
zur Bezahlung weiterer Kosten verurteilt.

B.
Auf Berufung von X.________ änderte das Obergericht mit Urteil vom 21.
Dezember 2006 den Kostenspruch des erstinstanzlichen Urteils insoweit ab, als
es ihm lediglich die Hälfte der Verfahrenskosten überband und die
Gerichtskasse Baden anwies, ihm seine Parteikosten zur Hälfte, d.h. mit Fr.
7'078.--, zu ersetzen. In der Sache selbst wies es die Berufung ab.

C.
Mit staatsrechtlicher Beschwerde vom 23. März 2007 beantragt X.________ im
Wesentlichen, das Urteil des Obergerichts vom 21. Dezember 2006 sei
aufzuheben. Er rügt namentlich willkürliche Beweiswürdigung in Verbindung mit
dem Grundsatz "in dubio pro reo" und beruft sich ferner auf Art. 5 Abs. 3,
Art. 8 Abs. 1, Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 BV, insbesondere auf den
Anklagegrundsatz und den Anspruch des Angeschuldigten, die ihm zustehenden
Verteidigungsrechte geltend zu machen.

D.
Staatsanwaltschaft und Obergericht des Kantons Aargau verzichten auf
Vernehmlassung. Die Beschwerdegegner schliessen auf Abweisung der Beschwerde.
Die Beschwerdegegnerin 1 stellt ein Gesuch um "vollumfängliche unentgeltliche
Rechtspflege".

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Am 1. Januar 2007 ist das Bundesgesetz vom 17. Juni 2005 über das
Bundesgericht (BGG, SR 173.110) in Kraft getreten. Dieses Gesetz ist auf ein
Beschwerdeverfahren nur anwendbar, wenn der angefochtene Entscheid nach dem
1. Januar 2007 ergangen ist (Art. 132 Abs. 1 BGG). Diese Voraussetzung ist
vorliegend nicht erfüllt, weshalb die Beschwerde nach den Bestimmungen des OG
zu beurteilen ist.

1.2 Nach Art. 90 Abs. 1 lit. b OG muss eine staatsrechtliche Beschwerde die
wesentlichen Tatsachen und eine kurz gefasste Darlegung darüber enthalten,
welche verfassungsmässigen Rechte bzw. welche Rechtssätze und inwiefern sie
durch den angefochtenen Erlass oder Entscheid verletzt worden sind. Im
Verfahren der staatsrechtlichen Beschwerde prüft das Bundesgericht nur klar
und detailliert erhobene und, soweit möglich, belegte Rügen. Auf ungenügend
begründete Rügen und bloss allgemein gehaltene, rein appellatorische Kritik
am angefochtenen Entscheid tritt das Bundesgericht nicht ein (BGE 110 la 1 E.
2a S. 3 f.; 125 I 492 E. lb S. 495, mit Hinweisen).

Die Beschwerde enthält zu erheblichen Teilen appellatorische Kritik am
angefochtenen Urteil, die zu behandeln auf eine erneute umfassende
Beweiswürdigung hinausliefe. Dies ist dem Bundesgericht im Verfahren der
staatsrechtlichen Beschwerde jedoch versagt. Soweit keine genügend
begründeten Verfassungsrügen geltend gemacht werden, ist auf die Beschwerde
nicht einzutreten.

2.
2.1 Dem Beschwerdeführer wird vorgeworfen, er habe am 25. März 2003 am Bahnhof
Dietikon gegenüber seiner kurz zuvor von ihm geschiedenen Ehefrau in einem
gläsernen Wartehäuschen (Mord-)Drohungen ausgesprochen und sie zur
Unterzeichnung verschiedener Schreiben, insbesondere einer Schuldanerkennung
mit Verpflichtung zur Zahlung von monatlich Fr. 200.-- bis zu einem
Gesamtbetrag von Fr. 16'000.-- bzw. Fr. 20'000.-- genötigt.

2.2 Das Obergericht erwägt übereinstimmend mit dem Bezirksgericht, dass die
Beschwerdegegnerin 1 den massgebenden Sachverhalt konstant und gleichbleibend
geschildert habe, desgleichen ihre Begleiterin, die vor dem Wartehäuschen
gewartet habe. Als starke Indizien der Glaubwürdigkeit ihrer Aussagen
erachtet das Obergericht namentlich gewisse von den beiden Frauen
übereinstimmend geschilderte Details. So soll die Begleitperson nach etwa
einer halben Stunde in das Wartehäuschen eingetreten sein und den
Beschwerdeführer gefragt haben, ob das Gespräch beendet sei, worauf dieser
sie "zusammengestaucht" bzw. wieder hinausgeschickt habe. Besonderes Gewicht
legt das Obergericht sodann auf die Aussage der Beschwerdegegnerin 1, sie
habe das Wartehäuschen verlassen und ihre Begleiterin um ein Stück Papier
gebeten, um die vom Beschwerdeführer verlangte
Schuldanerkennung/Zahlungsverpflichtung ausstellen zu können. Diese habe ihr
einen Briefumschlag gegeben. Die Begleiterin bestätigt ihrerseits, ein Stück
von einem Couvert abgerissen und der Beschwerdegegnerin gegeben zu haben. Das
Obergericht stellt unangefochten fest, dass die beiden Frauen diese Aussage
deponiert hatten, bevor anlässlich der Hausdurchsuchung vom 26. Mai 2003 ein
solches abgerissenes Stück eines Couverts mit einer Zahlungsverpflichtung der
Beschwerdegegnerin 1 gefunden wurde. Demzufolge folgt das Obergericht der
Darstellung der Beschwerdegegnerin 1 und der Zeugin.

2.3 Der Beschwerdeführer erhebt diverse Einwände gegen diese Beweiswürdigung.
Er rügt eine Verletzung des Willkürverbots und - in sehr allgemeiner Weise -
der Unschuldsvermutung.

2.3.1 Gemäss dem in Art. 32 Abs. 1 BV und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten
Grundsatz "in dubio pro reo" ist bis zum gesetzlichen Nachweis der Schuld zu
vermuten, dass der wegen einer strafbaren Handlung Angeklagte unschuldig ist.
Als Beweiswürdigungsregel besagt die Maxime, dass sich der Strafrichter nicht
von der Existenz eines für den Angeklagten ungünstigen Sachverhalts überzeugt
erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung erhebliche und nicht zu
unterdrückende Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat.
Inwiefern dieser Grundsatz verletzt ist, prüft das Bundesgericht unter dem
Gesichtspunkt der Willkür, d.h. es greift nur ein, wenn der Sachrichter den
Angeklagten verurteilte, obgleich bei objektiver Würdigung des
Beweisergebnisses offensichtlich erhebliche bzw. schlechterdings nicht zu
unterdrückende Zweifel an dessen Schuld fortbestanden (BGE 127 I 38 E. 2a S.
40 f.; 124 IV 86 E. 2a; 120 la 31 E. 2, je mit Hinweisen). Willkür in der
Beweiswürdigung liegt vor, wenn die Behörde in ihrem Entscheid von Tatsachen
ausgeht, die mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch stehen,
auf einem offenkundigen Fehler beruhen oder in stossender Weise dem
Gerechtigkeitsgedanken zuwiderlaufen. Dabei genügt es nicht, wenn der
angefochtene Entscheid sich nur in der Begründung als unhaltbar erweist; eine
Aufhebung rechtfertigt sich erst, wenn er auch im Ergebnis verfassungswidrig
ist (BGE 132 I 13 E. 5.1 S. 17; 127 I 38 E. 2a S. 41 f. mit Hinweisen). An
diesem aus Art. 4 aBV abgeleiteten Willkürbegriff hat sich durch den am 1.
Januar 2000 in Kraft getretenen Art. 9 BV inhaltlich nichts geändert. Im
Übrigen hat das Bundesgericht das Willkürverbot - im Gegensatz etwa zum
Legalitätsprinzip und dem Verhältnismässigkeitsprinzip - schon früher als
eigenständiges Grundrecht verstanden (BGE 126 I 81 E. 5a).

2.3.2 Was der Beschwerdeführer gegen die Beweiswürdigung des Obergerichts
vorbringt, ist überwiegend appellatorisch. Dies gilt zunächst für den
Einwand, die Sachdarstellung gemäss Anklage sei "falsch". Damit stellt der
Beschwerdeführer der Beweiswürdigung des Obergerichts lediglich seine eigene
Version gegenüber, ohne darzutun, weshalb und inwieweit die Beurteilung des
Obergerichts unhaltbar bzw. mit nicht zu unterdrückenden Zweifeln behaftet
sei. Gleiches gilt für das Vorbringen, die Beweiswürdigung des Obergerichts
bezüglich des Ablaufs sei nicht plausibel; wenn der Beschwerdeführer die
Beschwerdegegnerin 1 tatsächlich ernsthaft bedroht hätte, wäre nach der
Lebenserfahrung zu erwarten gewesen, dass die Situation eskaliert hätte, so
dass die Beschwerdegegnerin um Hilfe gerufen hätte und die Begleiterin
eingeschritten wäre. Die Behauptung, ein anderer Ablauf sei plausibler als
der vom Obergericht festgestellte, genügt nicht, um dessen Beweiswürdigung
als willkürlich bzw. als Verstoss gegen den Grundsatz "in dubio pro reo"
darzutun. Soweit der Beschwerdeführer unter pauschalem Hinweis auf
verschiedene Anklagepunkte, bezüglich welcher er freigesprochen oder das
Verfahren eingestellt wurde, ohne Auseinandersetzung mit den Erwägungen des
Obergerichts die Glaubwürdigkeit der Beschwerdegegnerin 1 bestreitet, vermag
die Beschwerde ebenfalls nicht durchzudringen, zumal praxisgemäss auf solche
pauschale Hinweise ohne Angabe konkreter Aktenstellen nach konstanter
Rechtsprechung nicht einzutreten ist (BGE 130 I 290 E. 4.10 S. 302 mit
Hinweis; Walter Kälin, Das Verfahren der staatsrechtlichen Beschwerde, 2.
Aufl., Bern 1994, S. 364). Gleiches ist zum ebenfalls nicht vertieft
begründeten Vorwurf selektiver Beweiswürdigung zu sagen. Auch der Hinweis auf
den Umstand, dass in der Strafuntersuchung die beiden anderen von der
Beschwerdegegnerin nach deren Angaben unterzeichneten Erklärungen nicht
gefunden wurden, macht die Würdigung des Obergerichts nicht willkürlich,
zumal immerhin eine solche Erklärung beim Beschwerdeführer gefunden wurde,
was die Richtigkeit der zeitlich vorausgegangenen Angaben der beiden Frauen
jedenfalls in diesem Punkt bestätigt. Soweit auf diese Vorbringen einzutreten
ist, sind sie unbegründet.

2.3.3 Näher zu prüfen bleibt das Vorbringen, die Würdigung der
Glaubwürdigkeit der Beschwerdegegnerin 1 durch das Obergericht lasse ausser
Acht, dass diese an der Hauptverhandlung vom 5. Juli 2006 vor Bezirksgericht
Baden als Zeugin falsch ausgesagt habe. Inzwischen sei sie wegen falscher
Zeugenaussage verurteilt worden. Es sei deshalb willkürlich, dass das
Obergericht sie als glaubwürdig angesehen habe und sich insbesondere mit den
im Berufungsverfahren hiezu geltend gemachten Hinweisen des Beschwerdeführers
nicht einmal auseinandergesetzt habe. Der Beschwerdeführer rügt in diesem
Zusammenhang nur willkürliche Beweiswürdigung. Der Sache nach macht er jedoch
auch geltend, das Obergericht habe wesentliche Einwendungen nicht geprüft.
Damit beruft er sich auf den aus dem allgemeinen Rechtsverweigerungsverbot
folgenden Gehörsanspruch und die damit verbundene Pflicht der Behörden,
Rechtsanwendungsakte zu begründen.

2.3.3.1 Der unbestrittenermassen in Rechtskraft erwachsene Strafbefehl des
Bezirksamtes Baden vom 23. Februar 2007, durch welchen die Beschwerdegegnerin
1 wegen falschen Zeugnisses in einem für die richterliche Entscheidung im
fraglichen Zusammenhang unerheblichen Punkt verurteilt wurde, ist erst nach
der Ausfällung des angefochtenen Entscheids ergangen. Nach konstanter
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Novenrecht im Verfahren der
staatsrechtlichen Beschwerde sind neue tatsächliche Vorbringen nur in
bestimmten Ausnahmefällen zulässig (vgl. BGE 128 I 354 E. 6c S. 358 mit
Hinweisen). Die zulässigen neuen Vorbringen dürfen sich indessen in jedem
Fall nur auf Tatsachen beziehen, die bereits im Zeitpunkt des letzten
kantonalen Entscheides existierten (BGE 107 la 187 E. 2; 99 la 113 E. 4a mit
Hinweisen; Walter Kälin, a.a.O., S. 369 f.). Nachdem der Strafbefehl des
Bezirksamts Baden vom 23. Februar 2007 erst nach dem hier angefochtenen
Entscheid vom 21. Dezember 2006 erging, ist er im staatsrechtlichen
Beschwerdeverfahren unbeachtlich.

2.3.3.2 Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör. Dieser Anspruch gibt dem Betroffenen als persönlichkeitsbezogenes
Mitwirkungsrecht das Recht, sich vor Erlass eines in seine Rechtsstellung
eingreifenden Entscheids zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen,
Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu
werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder
sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den
Entscheid zu beeinflussen. Dem Mitwirkungsrecht entspricht die Pflicht der
Behörde, die Argumente und Verfahrensanträge der Partei entgegenzunehmen und
zu prüfen sowie die ihr rechtzeitig und formrichtig angebotenen Beweismittel
abzunehmen, es sei denn, diese beträfen eine nicht erhebliche Tatsache oder
seien offensichtlich untauglich, über die streitige Tatsache Beweis zu
erbringen (BGE 122 II 464 E. 4a; 119 la 136 E. 2c und 2d; 118 la 17 E. 1c, je
mit Hinweisen). Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur. Seine
Verletzung führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache
selbst zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids (BGE 115 la 10 E. 2a mit
Hinweisen). Der Richter kann jedoch das Beweisverfahren schliessen, wenn er
in willkürfreier vorweggenommener Würdigung zum Ergebnis gelangt, dass die
Abnahme weiterer Beweise an seiner Überzeugung nichts ändern würde (BGE 131 I
153 E. 3 S. 158; 124 I 274 E. 5b S. 285, je mit Hinweisen; zum Begriff der
Willkür vgl. oben E. 2.3.1).

Aus dem Grundsatz des rechtlichen Gehörs leitet das Bundesgericht ferner in
ständiger Rechtsprechung die Pflicht der Behörden ab, ihre Verfügungen und
Entscheide zu begründen (BGE 126 I 97 E. 2b S. 102; zu Art. 4 aBV grundlegend
BGE 112 la 107 E. 2b S. 109 f.; vgl. auch Botschaft des Bundesrates über eine
neue Bundesverfassung vom 20. November 1996, BBl 1997 I 182 zu Art. 25). Der
Grundsatz des rechtlichen Gehörs als persönlichkeitsbezogenes
Mitwirkungsrecht verlangt, dass die Behörde die Vorbringen des vom Entscheid
in seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, sorgfältig und
ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt. Die urteilende
Instanz hat daher die im Rahmen der Anhörung und Mitwirkung bei der
Sachverhaltsabklärung von den Beteiligten beigebrachten Informationen,
Argumente, Beweise und Beweisanträge zu prüfen und zu würdigen, soweit sie
für die Entscheidfindung bedeutsam sind (Georg Müller, in Kommentar BV, N.
112 zu Art. 4). Daraus folgt die grundsätzliche Pflicht der Behörden, ihren
Entscheid zu begründen. Der Bürger soll wissen, warum die Behörde entgegen
seinem Antrag entschieden hat. Die Begründung eines Entscheids muss deshalb
so abgefasst sein, dass der Betroffene ihn gegebenenfalls sachgerecht
anfechten kann. Dies ist nur möglich, wenn sowohl er wie auch die
Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen
können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt
werden, von denen sich die Behörde leiten liess und auf welche sich ihr
Entscheid stützt (BGE 129 I 232 E. 3.2 S. 236; 126 I 97 E. 2b S. 102, je mit
Hinweisen). Was in diesem Sinne entscheiderheblich ist, ergibt sich aus der
Begründung des angefochtenen Entscheids oder aus einer davon abweichenden
Auffassung der Rechtsmittelinstanz (BGE 121 III 331 E. 3b S. 333).

2.3.3.3 Die Beschwerdegegnerin 1 hatte in der im Zentrum dieses Verfahrens
stehenden Schuldanerkennung/Zahlungsverpflichtung (Rück-)Zahlungen an den
Beschwerdeführer von Fr. 200.-- während zwei Jahren bestätigt. In der
erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 5. Juli 2006 wurde sie durch den
Verteidiger des Beschwerdeführers als Zeugin gefragt, ob sie dem
Beschwerdeführer "Fr. 200.-- regelmässig überwiesen" habe. Sie verneinte
dies. Der Beschwerdeführer brachte in der Folge Bankbelege bei, welche solche
mehr oder weniger regelmässig monatlich erfolgte Überweisungen zwischen März
2001 und März 2002 belegten, erhob Strafanzeige gegen die Beschwerdegegnerin
1 wegen falschen Zeugnisses und berief sich im Berufungsverfahren darauf.
Nach den Angaben der Beschwerdegegnerin 1 im Berufungsverfahren handelte es
sich dabei um Unterhaltsbeiträge der Beschwerdegegnerin 1 an die gemeinsame
Tochter. Das Obergericht ist auf das im Zeitpunkt seines Urteils noch hängige
Strafverfahren nicht explizit eingegangen, wogegen sich der Beschwerdeführer
wendet.

2.3.3.4 Gegenstand der Anklage betreffend Drohung und Nötigung zum Nachteil
der Beschwerdegegnerin 1 war das Geschehen am 25. März 2003 auf dem Bahnhof
Dietikon. Dieses Geschehen war Beweisthema, und die Beweiswürdigung
einschliesslich derjenigen der Glaubwürdigkeit der Beschwerdegegnerin 1 und
ihrer Begleiterin musste sich auf diesen Geschehensablauf bzw. auf die
Aussagen der Beteiligten in diesem Zusammenhang beziehen. Die
Glaubwürdigkeitsfrage stellte sich somit mit Bezug auf zum Teil mehr als drei
Jahre vor der erstinstanzlichen Hauptverhandlung gefallene Aussagen. Das
Obergericht durfte sich auf die wesentlichen Erwägungen beschränken. Zudem
lässt sich nicht sagen, dass das Obergericht sich mit den Zahlungen der
Beschwerdeführerin 1 überhaupt nicht auseinandergesetzt habe, erachtet es
doch die Nötigung - und damit den der Verurteilung zugrundeliegenden
Sachverhalt - unabhängig davon als gegeben, ob die Beschwerdegegnerin 1 zu
monatlichen Zahlungen von Fr. 200.-- verpflichtet war oder nicht. Kern der
obergerichtlichen Erwägungen ist die Würdigung der auf den Geschehensablauf
vom 25. März 2003 bezogenen Aussagen der Beschwerdegegnerin 1 und der Zeugin
mit ihren bereits geschilderten charakteristischen Einzelheiten, insbesondere
betreffend die Schuldanerkennung/Zahlungsverpflichtung. Wenn das Obergericht
diese konstanten, namentlich die schon drei Jahre zuvor und vor Auffinden der
Schuldanerkennung/Zahlungsverpflichtung deponierten Aussagen als schlüssig
ansah und die zur Zeit seiner Hauptverhandlung noch nicht rechtskräftig
entschiedene Frage, ob bzw. inwieweit die Beschwerdegegnerin 1 im Juli 2006
in einer erkennbar nicht auf die Hauptsache bezogenen Aussage als Zeugin
falsch ausgesagt habe, nicht zum Anlass zu Zweifeln an der Glaubwürdigkeit
dieser Aussagen nahm, ist es weder in Willkür noch in Rechtsverweigerung
verfallen. Die Rüge, das Obergericht habe sich mit der Frage der
Glaubwürdigkeit der Beschwerdegegnerin 1 im Zusammenhang mit den gegen sie
erhobenen Vorwürfen betreffend falsche Zeugenaussage nicht hinreichend
auseinandergesetzt, ist daher unbehelflich.

3.
3.1 Den Schuldspruch wegen versuchter schwerer Körperverletzung zum Nachteil
des Beschwerdegegners 2 begründet das Obergericht unter Hinweis auf die von
ihm als zutreffend erachtete Sachverhaltswürdigung des Bezirksgerichts Baden
im Wesentlichen damit, dass es die Aussagen des Beschwerdegegners 2 als
konstant und glaubwürdig erachtet, während es das Aussageverhalten des
Beschwerdeführers als widersprüchlich und unglaubhaft ansieht. Auch die
Äusserungen des als Auskunftsperson befragten A.________ wertet es sinngemäss
als Bestätigung der Angaben des Beschwerdegegners 2. Die vom Beschwerdeführer
ins Spiel gebrachte anonyme Zeugin lässt es ausser Würdigung.

3.2 Der Beschwerdeführer bezeichnet die Sachverhaltsdarstellung des
Obergerichts als "falsch" und hält dem im Wesentlichen seine eigenen
Sachverhaltsbehauptungen entgegen, so etwa, wie der Sachverhalt sich aus der
Sicht des Beschwerdeführers abspielte, was die angebliche anonyme Zeugin
wahrgenommen habe, was genau der Beschwerdeführer anlässlich der Schlägerei
gesagt habe, dass die Schlägerei vom Beschwerdegegner angezettelt worden und
ein Verletzungsvorsatz des Beschwerdeführers nicht belegt sei. Insoweit sind
seine Vorbringen rein appellatorisch. Darauf ist zum vorneherein nicht
einzutreten. Thema der staatsrechtlichen Beschwerde ist nicht eine neuerliche
Würdigung von Behauptungen, die von der letzten kantonalen Instanz gerade
verworfen worden sind; darzutun ist vielmehr, dass und inwieweit die letzte
kantonale Instanz den Sachverhalt unter Verletzung verfassungsmässiger Rechte
festgestellt hat.

3.3 Der Beschwerdeführer erachtet es als willkürlich, dass das Obergericht
die von ihm ins Spiel gebrachte anonyme Zeugin aufgrund der eingereichten
E-Mails nicht wenigstens im Sinne eines Indizes zu seinen Gunsten gewürdigt
hat.

3.3.1 Nach dem im schweizerischen Strafprozessrecht geltenden Grundsatz der
freien Beweiswürdigung entscheiden die Organe der Strafrechtspflege frei von
Beweisregeln und nur nach ihrer persönlichen Ansicht aufgrund gewissenhafter
Prüfung darüber, ob sie eine Tatsache für bewiesen halten. Dieser Grundsatz
entbindet aber nicht von der Beachtung prozessualer Formen (Robert
Hauser/Erhard Schweri/Karl Hartmann, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6.
Aufl., Basel 2005, § 54, Rz. 8, S. 246), deren Zweck es insbesondere ist, die
Rechte des Beschuldigten zu wahren und einer Verfälschung der Wahrheit
vorzubeugen (BGE 133 I 33 E. 2.1 S. 36 f. mit Hinweisen). Bei der Beschaffung
von Informationen durch Zeugen oder Auskunftspersonen sind daher die
prozessualen Formen einzuhalten. Nach den Verfahrensgarantien von Art. 6
Ziff. 1 i.V.m. Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK hat der Beschuldigte ein Recht
darauf, erhebliche Belastungs- und Entlastungszeugen laden zu lassen und zu
befragen. Die Identität der Zeugen ist grundsätzlich offenzulegen (BGE 133 I
33 E. 3.1 S. 42; 132 I 127 E. 2 S. 129; 125 I 127 E. 8c S. 148). Dies
schliesst allerdings nicht aus, die Identität des Zeugen ausnahmsweise geheim
zu halten und von einer direkten Konfrontation des Zeugen mit dem
Beschuldigten abzusehen, wenn dies zur Wahrung schutzwürdiger Interessen
erforderlich ist. Als solche gelten namentlich die Gewährleistung der
persönlichen Sicherheit des Zeugen (BGE 133 I 33 E. 3.1 S. 42; 132 I 127 E.
2; 125 I 127 E. 6c/ff und d S. 137 ff.; 121 I 306 E. 2b S. 309).

3.3.2 Der Beschwerdeführer hat nach den Akten im kantonalen Verfahren nicht
die - gegebenenfalls anonyme - Ladung der fraglichen Zeugin bzw. Zeuginnen
verlangt, und er macht auch nicht geltend, dass die fragliche Person von
Amtes wegen zu laden gewesen wäre. Insoweit wird keine Verfassungsrüge
erhoben. Im Übrigen verstiess es weder gegen das einschlägige
strafprozessuale Beweisrecht noch gegen das Willkürverbot und die
Unschuldsvermutung, sondern wäre im Lichte der dem Strafprozess
zugrundeliegenden Prinzipien gegenteils höchst problematisch gewesen, auf von
einer Partei eingereichte anonymisierte E-Mails unbekannter Herkunft
abzustellen, solange die Einvernahme der betreffenden Person an sich möglich
ist. Die Rüge willkürlicher Beweiswürdigung bzw. einer Verletzung der
Unschuldsvermutung dringt daher nicht durch.

3.4 Der Beschwerdeführer kritisiert, dass sich das Obergericht mit der
Aussage des Beschwerdegegners 2, dass dieser sich dem Beschwerdeführer als
kräftemässig überlegen erachte, nicht auseinandergesetzt habe. Der
Beschwerdeführer substanziiert diese Rüge nicht; es wird nicht ersichtlich,
weshalb und inwieweit die Würdigung des Obergerichts deshalb methodisch oder
im Ergebnis gegen verfassungsmässige Rechte verstosse. Das Obergericht durfte
sich auf die Erwägungen beschränken, die es ohne Willkür als wesentlich
ansehen durfte.

3.5 Unzutreffend ist die Rüge, das Obergericht habe dem Beschwerdeführer zu
Unrecht das Eingeständnis in den Mund gelegt, den Beschwerdegegner
vorsätzlich am Auge verletzt zu haben. Der vom Obergericht gezogene Schluss
auf vorsätzliches Handeln des Beschwerdeführers ist Ergebnis seiner
Beweiswürdigung insgesamt und nicht isolierter Verwertung eines
Geständnisses. Wo das Obergericht auf das Geständnis des Beschwerdeführers
bezüglich der Verletzung Bezug nimmt, spricht es lediglich von
"Verursachung".

3.6 Die sonstigen Vorbringen des Beschwerdeführers zur Beweiswürdigung des
Obergerichts schlagen ebenfalls nicht durch. Die Erwägung, dass der
Beschwerdegegner 2 den Kernsachverhalt konstant und im Wesentlichen
gleichlautend geschildert hat, ist nicht willkürlich, ebenso wenig die
Feststellung, dass beim Beschwerdeführer insbesondere die späte Erinnerung
daran, Verursacher der Augenverletzung zu sein, widersprüchlich erscheint.
Was die Aussage der Auskunftsperson betrifft, verkennt das Obergericht deren
begrenzten Beweiswert nicht, misst es ihr doch lediglich Indizcharakter zu,
indem es sich darauf beschränkt, dessen Eindruck über die Person des
Angreifers wiederzugeben. Immerhin fügt sich dieser Eindruck in die
Gesamtwürdigung des Obergerichts, das angesichts der situativen Stimmigkeit
der mehrfach weitgehend gleichlautend wiederholten Ablaufschilderung des
Beschwerdegegners 2, zumal auch der konstant immer wieder gemachten Aussage,
dass der Beschwerdeführer erklärt habe, er "nehme" dem Beschwerdegegner 2
"das Auge", ohne Verletzung des Willkürverbots und der Unschuldsvermutung auf
vorsätzliche Täterschaft des Beschwerdeführers schliessen durfte.

4.
Die staatsrechtliche Beschwerde erweist sich als unbegründet, soweit darauf
einzutreten ist. Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer die
Kosten des bundesgerichtlichen Verfahrens zu tragen (Art. 156 Abs. 1 OG) und
die Beschwerdegegner zu entschädigen (Art. 159 Abs. 2 OG).

5.
Die Beschwerdegegnerin 1 ersucht um "vollumfängliche" unentgeltliche
Rechtspflege. Sie hat dieses Gesuch damit begründet, dass ihr diese
Rechtswohltat bereits im kantonalen Verfahren gewährt worden sei und erklärt,
dass sich die Situation nicht verändert habe. Sie verweist auf diese Akten
und bietet an, gegebenenfalls weitere Unterlagen nachzureichen.

Die Beschwerdegegnerin 1 legt nicht dar, was sie unter "vollumfänglicher"
unentgeltlicher Rechtspflege versteht. Nach Treu und Glauben ist dieses
Begehren so zu verstehen, dass es den Antrag mitumfasst, ihr die sie
vertretende Anwältin als unentgeltliche Rechtsbeiständin beizugeben.

Die im kantonalen Verfahren eingereichten Unterlagen und auch die in den
Akten liegenden Betreibungen legen nahe, dass die Voraussetzungen jedenfalls
damals bestanden. Die Versicherung der Rechtsvertreterin der
Beschwerdegegnerin 1, dass sich die Situation nicht grundlegend geändert
habe, erscheint glaubhaft. Der Antrag auf Beschwerdeabweisung war nicht
aussichtslos, sondern dringt durch. Es rechtfertigt sich, dem Gesuch in dem
Sinne zu entsprechen, dass die zugesprochene Parteientschädigung, falls sie
sich bei zumutbaren Bemühungen als uneinbringlich erweist (in der Regel
mittels Verlustschein), aus der Bundesgerichtskasse auszurichten ist (Art.
152 Abs. 2 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die staatsrechtliche Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten
ist.

2.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.
Der Beschwerdeführer hat die privaten Beschwerdegegner für das
bundesgerichtliche Verfahren mit je Fr. 1'500.-- zu entschädigen.

4.
Das Gesuch der Beschwerdegegnerin Y.________ um unentgeltliche Rechtspflege
und Rechtsverbeiständung wird gutgeheissen, und es wird ihr Rechtsanwältin
Mirjam Zwald Gerber als unentgeltliche Rechtsvertreterin beigegeben. Im Falle
der Uneinbringlichkeit der Parteientschädigung für Y.________ gemäss Ziff. 3
hiervor wird Rechtsanwältin Mirjam Zwald Gerber aus der Bundesgerichtskasse
ein Honorar von Fr. 1'500.-- ausgerichtet.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien sowie der Staatsanwaltschaft und dem
Obergericht des Kantons Aargau schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 26. Juli 2007

Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Das präsidierende Mitglied:   Der Gerichtsschreiber: