Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Öffentlich-rechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 2A.23/2007
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
2A.23/2007

Urteil vom 19. Februar 2008
II. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Merkli, Präsident,
Bundesrichter Müller, Bundesrichterin Yersin, Bundesrichter Karlen,
nebenamtlicher Bundesrichter Locher,
Gerichtsschreiber Fux.

Parteien
X.________ AG,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Realisator Treuhand AG,

gegen

Steuerverwaltung des Kantons Zug,
Verwaltungsgericht des Kantons Zug.

Gegenstand
Quellensteuer,

Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts des
Kantons Zug, Abgaberechtliche Kammer, vom 28. November 2006.

Sachverhalt:

A.
Die im Kanton Zug domizilierte X.________ AG bezweckt insbesondere das
Ausleihen und Vermitteln von Arbeitskräften, schwergewichtig auf dem Bausektor.
Sie beschäftigt zahlreiche Temporärangestellte ausländischer Nationalität, die
unter anderem über eine 120-Tage-Kurzaufenthaltsbewilligung verfügen und für
ihr Erwerbseinkommen an der Quelle besteuert werden.

B.
Die Kantonale Steuerverwaltung Zug eröffnete der X.________ AG mit Verfügung
vom 9. Februar 2006 die Quellensteuerabrechnungen der Monate April, Mai und
Juni 2005 für die Inhaber von 120-Tage-Kurzaufenthaltsbewilligungen. Dabei
berechnete sie die Quellensteuern nicht wie die X.________ AG aufgrund der
Tarife A (für alleinstehende Steuerpflichtige) oder B (für verheiratete
Steuerpflichtige), sondern aufgrund des Tarifs D (für Nebenerwerb zu einem
festen Satz von 10 %). An dieser Veranlagung hielt sie auf Einsprache hin fest
(Entscheid vom 27. März 2006).
Rekurs und Beschwerde gegen den Einspracheentscheid wurden vom
Verwaltungsgericht des Kantons Zug am 28. November 2006 abgewiesen.

C.
Die X.________ AG hat am 9. Januar 2007 sowohl betreffend die Kantons- und
Gemeindesteuer 2005 als auch die direkte Bundessteuer 2005
Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Bundesgericht erhoben. Sie beantragt, das
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zug vom 28. November 2006 sei
aufzuheben, und die Sache sei zur Neubeurteilung an das Verwaltungsgericht
zurückzuweisen. Das Verwaltungsgericht sei anzuweisen, die
Quellensteuerveranlagungen betreffend die 120-Tage-Kurzaufenthaltsbewilligungen
der Monate April bis Juni 2005 gemäss den für den Kanton Zug geltenden
ordentlichen Tarifen A und B zu veranlagen. Die Beschwerdeführerin rügt, die
von der Steuerverwaltung vorgenommene Quellensteuerveranlagung entbehre
jeglicher gesetzlicher Grundlage und verletze die verfassungsmässigen
Grundsätze der Gleichmässigkeit der Besteuerung sowie der Besteuerung nach der
wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Zudem macht sie eine Verletzung des
einschlägigen Personenfreizügigkeitsabkommens zwischen der Schweiz und der
Europäischen Union geltend.

D.
Die Steuerverwaltung und das Verwaltungsgericht des Kantons Zug sowie die
Eidgenössische Steuerverwaltung beantragen, die Beschwerde sei abzuweisen.

Erwägungen:

1.
Das angefochtene Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zug erging am 28.
November 2006. Auf das vorliegende Verfahren findet somit noch das bis Ende
2006 geltende Bundesgesetz vom 16. Dezember 1943 über die Organisation der
Bundesrechtspflege (OG) Anwendung (vgl. Art. 132 Abs. 1 des am 1. Januar 2007
in Kraft getretenen Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht,
BGG; SR 173.110).

2.
Das Bundesgericht prüft von Amtes wegen und mit freier Kognition, welches
Rechtsmittel zulässig und in welchem Umfang darauf einzutreten ist (BGE 133 I
206 E. 2 S. 210; 132 I 140 E. 1.1 S. 142; 131 II 58 E. 1 S. 60, je mit
Hinweisen).

2.1 Sowohl mit Bezug auf die direkte Bundessteuer als auch hinsichtlich der
Kantons- und Gemeindesteuer steht gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts des
Kantons Zug die Verwaltungsgerichtsbeschwerde offen (Art. 146 des
Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte Bundessteuer, DBG; SR
642.11; Art. 73 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die
Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden, StHG; SR
642.14).

2.2 Mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde kann die Beschwerdeführerin die
Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des
Ermessens, sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts rügen (Art. 104 lit. a und lit. b OG). Hat - wie
hier - als Vorinstanz eine richterliche Behörde entschieden, ist das
Bundesgericht an deren Sachverhaltsfeststellung gebunden, wenn diese nicht
offensichtlich unrichtig oder unvollständig oder unter Verletzung wesentlicher
Verfahrensvorschriften erfolgt ist (Art. 105 Abs. 2 OG).

2.3 Das Bundesgericht wendet im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren
das Bundesrecht von Amtes wegen an, ohne an die von den Parteien vorgebrachten
Begründungen oder an die Erwägungen der Vorinstanz gebunden zu sein (Art. 114
Abs. 1 zweiter Halbsatz OG). Es kann die Beschwerde auch aus andern als den
geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen (BGE 132 II 47 E. 1.3 S.
50).

2.4 Zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist berechtigt, wer durch die
angefochtene Verfügung berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren
Aufhebung oder Änderung hat (Art. 103 lit. a OG). Diese Voraussetzungen treffen
vorliegend auf die Beschwerdeführerin zu, die zwar nicht Steuerpflichtige, wohl
aber Schuldnerin der steuerbaren Leistung ist und als solche für die
Entrichtung der Quellensteuer haftet (vgl. Art. 138 f. DBG; § 103 des
zugerischen Steuergesetzes vom 25. Mai 2000, StG/ZG). Auf ihre form- und
fristgerecht eingereichte Beschwerde ist grundsätzlich einzutreten.

3.
3.1 Wer ohne steuerrechtlichen Wohnsitz oder Aufenthalt in der Schweiz hier für
kurze Dauer oder als Grenzgänger oder Wochenaufenthalter in unselbständiger
Stellung erwerbstätig ist, unterliegt der Quellensteuer (vgl. Art. 91 DBG; Art.
35 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 36 Abs. 1 StHG; § 88 StG/ZG).
Nach den für das Bundesgericht verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz
handelt es sich vorliegend bei den Quellensteuerpflichtigen um Personen, die im
Besitz einer 120-Tage-Kurzaufenthaltsbewilligung sind und damit in der Schweiz
im Ergebnis bloss beschränkt steuerpflichtig sind. Als so genannte
"Kurzaufenthalter" gehören sie zu einer der Kategorien steuerpflichtiger
Personen, die unter die oben zitierten Gesetzesbestimmungen fallen (vgl. hierzu
Peter Locher, Kommentar zum DBG, II. Teil, Therwil/Basel 2004, Rz. 11 f. zu
Art. 91).

3.2 Für die (Quellen-)Besteuerung solcher Steuerpflichtiger wird gemäss der
zugerischen Steuerpraxis wie folgt verfahren: Die Berechnung des Steuersatzes
erfolgt vom Bruttolohn und beträgt für Ledige bis zu einem monatlichen
Einkommen von Fr. 9'050.-- einheitlich 10 % (Tarif D). Das diesen Betrag
übersteigende monatliche Einkommen wird gemäss Tarif A (ohne Kirchensteuer)
besteuert. Bei Verheirateten ist bis zu einem monatlichen Einkommen von Fr.
13'100.-- der Satz von 10 % (Tarif D) anzuwenden. Höhere monatliche Summen
werden gemäss Tarif B (ohne Kirchensteuer) besteuert (vgl. die "Wegleitung
Quellensteuertarife für ausländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer" der
Kantonalen Steuerverwaltung Zug, gültig ab 1. Januar 2005, Rz. 82 ff., sowie
das einschlägige, ab 1. Januar 2005 gültige Merkblatt der Kantonalen
Steuerverwaltung Zug/Kantonale Verwaltung für die direkte Bundessteuer Zug,
Ziff. V).
Diese Lösung wird damit gerechtfertigt, dass der Inhaber einer 90/
120-Tage-Bewilligung nur einen Teil seiner Einkünfte in der Schweiz erziele,
dass aber für die Bemessung des Steuersatzes - wie bei Schweizer Bürgern (vgl.
Art. 7 Abs. 1 DBG und § 6 Abs. 1 StG/ZG) - das weltweite Einkommen zu Grunde
gelegt werden müsse. Dies geschehe pauschal durch die Festlegung des
"Minimalsteuersatzes" von 10 % bis zur Höhe der erwähnten Monatseinkommen. Die
über diesen Einkommensgrenzen liegenden Einkommen würden zu den progressiv
ausgestalteten Tarifen A oder B besteuert, womit die gemäss Art. 127 Abs. 2 BV
verlangte Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit eingehalten
werde (vgl. Einspracheentscheid vom 27. März 2006, S. 2).

3.3 Die Beschwerdeführerin behauptet nicht, die zitierte Wegleitung oder das
Merkblatt sei in der angefochtenen Steuerverfügung nicht korrekt umgesetzt
worden. Sie rügt aber, das dem Merkblatt entsprechende Vorgehen führe in
mehrfacher Hinsicht zu einem Verstoss gegen das Gleichbehandlungsgebot von Art.
8 BV, verletze die verfassungsmässigen Besteuerungsgrundsätze von Art. 127 Abs.
2 BV, verstosse gegen das Freizügigkeitsabkommen mit der Europäischen Union vom
21. Juni 1999 [SR 0.142.112.681] und beachte das Legalitätsprinzip von Art. 127
Abs. 1 BV nicht.

4.
In grundsätzlicher Hinsicht ist betreffend die Quellenbesteuerung zunächst
Folgendes festzuhalten:
Das System der Quellenbesteuerung unterscheidet sich grundlegend von demjenigen
der ordentlichen Einkommens- und Vermögensbesteuerung. Bei der
Quellenbesteuerung werden nur einzelne Einkommensbestandteile als solche
erfasst. Dazu bedingen gewichtige Praktikabilitätsgesichtspunkte einfache und
schematische Lösungen, bei welchen die individuellen Verhältnisse des
Steuerpflichtigen nur in sehr beschränktem Umfang berücksichtigt werden können
(Urteile 2P.145/1999 und 2A.216/1999 vom 31. Januar 2000, E. 3b/aa in fine, in:
StR 55/2000, S. 438, 442 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 124 I 247 E. 6 S. 251
f.). In der Lehre ist anerkannt, dass die - sachgerechte - Quellenbesteuerung
von Personen ohne steuerrechtlichen Wohnsitz oder Aufenthalt in Schweiz mit dem
Gleichbehandlungsgebot von Art. 8 BV im Einklang steht, mit den von der Schweiz
abgeschlossenen Doppelbesteuerungsabkommen harmoniert und auch im Licht des
Freizügigkeitsabkommens mit der Europäischen Union vom 21. Juni 1999
unproblematisch ist (Locher, a.a.O., Rz. 23 f., 26 und 39 der Einführung zu
Art. 83 ff. DBG; Marco Möhr, Die Bedeutung der Staatsangehörigkeit der
natürlichen Personen im schweizerischen Steuerrecht, Diss. SG 2001, S. 129 f.,
155, 157 ff.; Jean-Marc Rivier, L'égalité devant l'impôt des travailleurs
suisses et étrangers, in: ASA 71 S. 97 ff., insbesondere S. 114 f., 120 f.;
Rainer Zigerlig/Guido Jud, Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht [I/2b],
Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer [DBG], 2. Aufl., Basel 2008, Rz. 4
ff. der Vorbemerkungen zu Art. 83-101 DBG).
Was den vorliegenden Fall im Besonderen betrifft, ist zu prüfen, ob die
angefochtene, gemäss dem erwähnten Merkblatt der zugerischen Steuerverwaltung
vorgenommene Quellenbesteuerung von Kurzaufenthaltern gegen übergeordnetes
Recht verstösst und zu unhaltbaren Ergebnissen führt, wie in der Beschwerde
gerügt wird.

5.
5.1 Für die direkte Bundessteuer gilt die Verordnung vom 19. Oktober 1993 über
die Quellensteuer bei der direkten Bundessteuer (Quellensteuerverordnung, QStV;
SR 642.118.2). Gemäss Art. 1 Abs. 1 QStV gibt es vier verschiedene Tarife,
nämlich Tarif A für alleinstehende Steuerpflichtige, Tarif B für verheiratete
Steuerpflichtige, Tarif C für Ehegatten, die beide hauptberuflich in der
Schweiz erwerbstätig sind, und schliesslich Tarif D für im Nebenerwerb tätige
Steuerpflichtige. Dabei liegen Einkünfte aus Nebenerwerb vor, wenn die
wöchentliche Arbeitszeit unter 15 Stunden liegt und das monatliche
Bruttoeinkommen weniger als 2000 Franken beträgt (Steuerinformationen der
Schweizerischen Steuerkonferenz [SSK], Bd. I, Die Besteuerung an der Quelle,
Oktober 2002, S. 8).
Sinngemäss gleich lautet für die kantonalen Steuern § 29 der zugerischen
Verordnung vom 30. Januar 2001 zum Steuergesetz (StGV/ZG). Diese Bestimmung
umschreibt den Nebenerwerb, auf welchen Tarif D anwendbar ist, analog dem
Bundesrecht: "AIs Nebenerwerb gilt eine Tätigkeit, bei der die wöchentliche
Arbeitszeit in der Regel weniger als 15 Stunden beträgt oder monatlich 60
Stunden nicht übersteigt und das Bruttoeinkommen weniger als Fr. 2'000.--
monatlich beträgt".

5.2 Wegleitung und Merkblatt der zugerischen Steuerverwaltung unterscheiden für
die Anwendung des entsprechenden Tarifs nach der Dauer der
Aufenthaltsbewilligung (vgl. oben E. 3.2).
Dieses Kriterium wird aber weder in den massgeblichen Steuergesetzen noch in
der Quellensteuerverordnung erwähnt und entbehrt insofern einer genügenden
gesetzlichen Grundlage. Hinzu kommt, dass es in der Sache nicht ersichtlich
ist, wie die Tätigkeit von Inhabern von Kurzaufenthaltsbewilligungen als
"Nebenerwerb" im Sinn des zitierten § 29 StGV/ZG qualifiziert werden kann: Ein
solcher "Nebenerwerb" tritt in der Regel zu einem Haupterwerb hinzu, und (nur)
in einem solchen Fall ist es vertretbar, der Gesamtprogression (im Sinn von
Art. 7 Abs. 1 DBG und § 6 Abs. 1 StG/ZG) schematisch - im Rahmen eines
Proportionaltarifs - Rechnung zu tragen. So verhält es sich bei den Einkünften
der hier zu beurteilenden Temporärerwerbstätigen gerade nicht, denn diese
versehen regelmässig ein volles Pensum (und nicht nur 15 Stunden wöchentlich
oder 60 Stunden monatlich) und beziehen hierfür mehr als Fr. 2'000.-- im Monat.
Bei solchen Arbeitnehmern erscheint es zudem nicht sachgerecht, hypothetisch
weitere Erwerbseinkünfte anzunehmen, die bei der Bestimmung des Steuersatzes zu
berücksichtigen wären. Damit fehlt es vorliegend auch an den Voraussetzungen,
welche die Anwendung eines Proportionaltarifs rechtfertigen könnten.

5.3 Wegleitung und Merkblatt der zugerischen Steuerverwaltung unterscheiden für
die Anwendung des entsprechenden Tarifs ferner nach der Einkommenshöhe (vgl.
oben E. 3.2).
Die Beschwerdeführerin rügt in diesem Zusammenhang - zu Recht - einen Verstoss
gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz, indem Kurzaufenthalter untereinander
rechtsungleich behandelt werden: Während bei tieferen Einkommen (Fr. 9'050.--
für Alleinstehende; Fr. 13'100.-- für Verheiratete) der Proportionalsteuersatz
von 10 % anwendbar ist, gilt für darüber liegende Einkommen je nachdem der
progressive Tarif A oder B (je ohne Kirchensteuer). Bei diesen höheren
Einkommen wird für die Bestimmung des Gesamtsteuersatzes kein weiteres
Einkommen angenommen, wohl aber bei den tieferen Bezügen. Diese rechtsungleiche
Behandlung entbehrt eines sachlichen Grundes und ist deshalb unhaltbar; sie
lässt sich insbesondere nicht durch das im Quellensteuerrecht grundsätzlich
anerkannte Bedürfnis nach einfachen, praktikablen und schematischen Lösungen
rechtfertigen (vgl. oben E. 4); sie verstösst damit gegen Art. 8 Abs. 1 BV. (Im
Übrigen sei bemerkt, dass die im Merkblatt angegebenen Einkommensgrenzbeträge
nicht mehr mit den ab dem 1. Januar 2005 geltenden Tarifen übereinstimmen.)

5.4 Einen weiteren Verstoss gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz erblickt die
Beschwerdeführerin darin, dass die hier betroffenen Kurzaufenthalter gegenüber
andern an der Quelle besteuerten Steuerpflichtigen ohne steuerrechtlichen
Aufenthalt in der Schweiz schlechter gestellt seien. Diese Ungleichbehandlung
wird in der Beschwerdeschrift (S. 9) anhand eines konkreten Falls ziffernmässig
nachgewiesen: Während das Einkommen des betreffenden Steuerpflichtigen für die
ersten zwei Monate dem Steuersatz von 10 % unterlag, weil er zunächst
120-Tage-Kurzaufenthalter war, wurde er in der Folge, nachdem er über einen
Iängeren Aufenthaltsausweis verfügte, mit zwischen rund 4 % bis 5 % seines
Bruttoeinkommens belastet.
Die zugerische Steuerverwaltung begründet diese auffallende Ungereimtheit in
ihrer Vernehmlassung (S. 2) damit, dass der fragliche Steuerpflichtige während
der ersten Monate aufgrund wirtschaftlicher Zugehörigkeit nur beschränkt
steuerpflichtig gewesen sei (Art. 5 Abs. 1 lit. a und Art. 6 Abs. 2 DBG; Art. 4
Abs. 2 lit. a StHG; § 4 Abs. 2 lit. a und § 5 Abs. 2 StG/ZG), wogegen er in der
Folge aufgrund persönlicher Zugehörigkeit (Aufenthalt und Erwerbstätigkeit) zur
unbeschränkten Steuerpflicht mutiert habe (Art. 3 Abs. 3 und Art. 6 Abs. 1 DBG;
Art. 3 Abs. 1 StHG; § 3 Abs. 3 und § 5 Abs. 1 StG/ZG).
Diese Argumentation ist offensichtlich unzutreffend: Auch
120-Tage-Kurzaufenthalter halten sich (im Unterschied zu Grenzgängern oder
Wochenaufenthaltern) regelmässig - ungeachtet vorübergehender Unterbrechung -
mehr als 30 Tage zwecks Ausübung einer Erwerbstätigkeit in der Schweiz
beziehungsweise im Kanton auf. Sie werden damit grundsätzlich aufgrund
persönlicher Zugehörigkeit unbeschränkt steuerpflichtig. Aber solche
Kurzaufenthalter dürften ihre Beziehungen zum Herkunftsstaat in der Regel nicht
abbrechen, sondern ihren steuerrechtlichen Wohnsitz dort beibehalten. Damit
resultiert in diesen Fällen eine sogenannte Doppelansässigkeit. Der
steuerrechtliche Aufenthalt in der Schweiz tritt in den meisten Fällen aufgrund
des jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommens zurück (vgl. Art. 4 Abs. 2 des
OECD-Musterabkommens), womit die Steuerpflicht hier in der Tat zu einer bloss
beschränkten wird (Locher, a.a.O., Rz. 12 zu Art. 91 DBG). Nicht wesentlich
anders verhält es sich, wenn der Steuerpflichtige über einen längeren
Aufenthaltsausweis verfügt. Erst in dem Fall, wo der Steuerpflichtige seine
Beziehungen zum Herkunftsstaat vollkommen abbrechen würde, bliebe eine
unbeschränkte Steuerpflicht aufgrund persönlicher Zugehörigkeit in der Schweiz
bestehen. Daraus erhellt, dass die Art der fremdenpolizeilichen
Aufenthaltsbewilligung noch nichts über die Art der steuerrechtlichen
Zugehörigkeit aussagt und diese jedenfalls nicht zu präjudizieren vermag (vgl.
Urteil 2P.185/1999 vom 16. Mai 2000, E. 3b/cc, in: StE 2000 A 31.1 Nr. 6).
Die quellensteuerliche Ungleichbehandlung von 120-Tage-Kurzaufenthaltern
gegenüber solchen mit längeren Aufenthaltsbewilligungen ist mithin sachlich
nicht begründet und verletzt Art. 8 Abs. 1 BV ebenfalls.

6.
Verstossen - zusammengefasst - die angefochtenen Quellensteuerabrechnungen, wie
aufgezeigt, gegen Bundes(verfassungs)recht, braucht nicht weiter geprüft zu
werden, ob sie zudem auch Völkerrecht, namentlich das Freizügigkeitsabkommen
mit der Europäischen Union vom 21. Juni 1999, verletzen.
Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde betreffend die direkte Bundessteuer ist dem
Gesagten zufolge begründet und deshalb gutzuheissen. Die Sache ist an die
Steuerverwaltung des Kantons Zug zur Festsetzung der Quellensteuern im Sinn der
Erwägungen zurückzuweisen.
Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde betreffend die Kantons- und Gemeindesteuer
ist gutzuheissen und der angefochtene Entscheid insoweit aufzuheben, als darauf
eingetreten wird. Die Sache ist an die Steuerverwaltung des Kantons Zug
zurückzuweisen.
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die Kosten des bundesgerichtlichen
Verfahrens dem Kanton Zug, der Vermögensinteressen verfolgt, aufzuerlegen (Art.
156 Abs. 1 und 2 OG in Verbindung mit Art. 153 und Art. 153a OG). Der Kanton
Zug schuldet der Beschwerdeführerin zudem eine angemessene Parteientschädigung
(Art. 159 OG). Das Verwaltungsgericht des Kantons Zug wird über die
Kostenverlegung auf kantonaler Ebene neu zu befinden haben.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde betreffend die direkte Bundessteuer wird
gutgeheissen, der angefochtene Entscheid aufgehoben und die Sache an die
Steuerverwaltung des Kantons Zug zur Festsetzung der Quellensteuern im Sinne
der Erwägungen zurückgewiesen.

2.
Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde betreffend die Kantons- und Gemeindesteuer
wird insoweit gutgeheissen, als darauf einzutreten ist. Die Sache wird an die
Steuerverwaltung des Kantons Zug zurückgewiesen.

3.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 2'500.-- wird dem Kanton Zug auferlegt.

4.
Der Kanton Zug hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von Fr.
2'000.-- zu entrichten.

5.
Dieses Urteil wird der Beschwerdeführerin, der Steuerverwaltung des Kantons
Zug, dem Verwaltungsgericht des Kantons Zug sowie der Eidgenössischen
Steuerverwaltung (Hauptabteilung Direkte Bundessteuer, Verrechnungssteuer,
Stempelabgaben) schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 19. Februar 2008

Im Namen der II. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Merkli Fux