Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Öffentlich-rechtliche Abteilung, Staatsrecht 2P.6/2007
Zurück zum Index II. Öffentlich-rechtliche Abteilung, Staatsrecht 2007
Retour à l'indice II. Öffentlich-rechtliche Abteilung, Staatsrecht 2007


Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
2P.6/2007 /zga

Urteil vom 22. Februar 2008
II. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Merkli, Präsident,
Bundesrichter Müller, Bundesrichterin Yersin, Bundesrichter Karlen,
nebenamtlicher Bundesrichter Locher,
Gerichtsschreiber Matter.

Parteien
A.________ AG,
Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt Dieter Steiger,

gegen

Steuerverwaltung des Kantons Luzern,
Kantonales Steueramt Nidwalden,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Art. 127 Abs. 3 BV (Doppelbesteuerung),

Staatsrechtliche Beschwerde gegen den Einsprache-Entscheid der Steuerverwaltung
des Kantons Luzern vom 30. November 2006 und gegen die Veranlagungsverfügung
des Kantonalen Steueramtes Nidwalden vom 31. Januar 2003.

Sachverhalt:

A.
Die im Jahre 1981 gegründete A.________ AG verfügt über ein voll liberiertes
Aktienkapital von CHF 100'000.--. Sie bezweckt gemäss ihren Statuten
insbesondere die Fabrikation, den Vertrieb und die Vertretung von
chemisch-technischen Produkten aller Art. Sie befasst sich im Wesentlichen mit
Reinigungsprodukten für Schienenfahrzeuge. Neben dem Gründer, Geschäftsführer
und Alleinaktionär Y.________ sowie dessen Ehefrau beschäftigte die
Gesellschaft anfänglich noch eine temporäre Arbeitskraft. Ab 1995 wurde ein
Betriebsmitarbeiter für die Produktion eingestellt, der heute noch für die
Firma tätig ist. Am 6. Januar 1996 gründete Y.________ die Einzelunternehmung
"B.________" in O.________ NW, welche hauptsächlich chemische Produkte der
A.________ AG vertrieb.

Im Jahre 1997, nach Abschluss seiner Lehre als kaufmännischer Angestellter,
trat der älteste Sohn, Z.________ (geb. 1978), in die A.________ AG ein und
übernahm verschiedene Funktionen in der Verwaltung. Der zweite Sohn, X.________
(geb. 1981), hatte schon als Kind und auch während seiner Lehre als
Chemielaborant (1997-2000) im Betrieb mitgeholfen. Als per 1. Januar 1998 die
Einzelunternehmung in die Kommanditgesellschaft "C.________ & Co." umgewandelt
wurde, fungierte Y.________ als Komplementär; Kommanditär war X.________, dem
die Kommanditeinlage geschenkt wurde.

Die A.________ AG, die ihre Bücher früher Ende September abgeschlossen hatte,
beschloss am 29. September 2000, ihren Sitzverlegung nach V.________ NW,
U.________strasse, zu verlegen, wo sie ab dem 1. Oktober 2000 eine 4 1/
2-Zimmerwohnung mietete. Auf das gleiche Datum meldete sich X.________ an
derselben Adresse an, wie Z.________ am 1. November 2000 und T.________ (geb.
1983) am 20. Dezember 2001. Am 9. April 2001 verlegte auch die
Kommanditgesellschaft ihren Sitz an die U.________strasse in V.________ und
wurde am 13. Dezember 2002 wieder in eine Einzelunternehmung umgewandelt, die
Y.________ seither unter der Firma "C.________" führt.

Am 2. Oktober 2000 erwarb X.________ von seinem Vater sämtliche Aktien der
A.________ AG für CHF 3,6 Mio., wobei CHF 1,2 Mio. als Schenkung erlassen und
CHF 2,4 Mio. als Darlehen begründet wurden. Am 27. Dezember 2000 beschloss die
aus X.________ bestehende Generalversammlung der A.________ AG, eine
Substanzdividende von CHF 2,15 Mio. auszuschütten. Z.________ und T.________
erhielten nach ihrem Wegzug aus W.________, nämlich am 24. Dezember 2000 bzw.
am 24. Dezember 2001, je eine Schenkung von CHF 720'000.-- durch Übertragung
von Kontokorrentguthaben von Y.________ bei der A.________ AG.

B.
Mit Verfügung vom 13. März 2003 wurde die A.________ AG von der
Steuerverwaltung des Kantons Luzern für die Steuerperiode 2001 auf einen
steuerbaren Gewinn von CHF 237'300.-- und ein steuerbares Kapital von CHF
363'000.-- veranlagt. Eine dagegen gerichtete Einsprache, in welcher die
A.________ AG eine Steuerausscheidung mit dem Kanton Nidwalden verlangte, wurde
mit Entscheid vom 30. November 2006 abgewiesen und das Hauptsteuerdomizil
unverändert in W.________ angenommen, weil die Verwaltung und Geschäftsführung
der A.________ AG weiterhin am Produktionsstandort in W.________ ausgeübt
würden. Unter dem gleichen Datum verlangten die Luzerner Steuerbehörden mit
"Ausweis-Einforderung 2002" von der A.________ AG ergänzend zur Steuererklärung
2002 diverse Unterlagen.

C.
Am 31. Januar 2003 war die A.________ AG bereits vom Kantonalen Steueramt
Nidwalden für die Steuerperiode 2001 (vom 1. Oktober 2000 bis 31. Dezember
2001, d.h. 450 Tage) auf einen steuerbaren Gewinn von CHF 187'300.-- (davon
steuerbar im Kanton Nidwalden CHF 116'100.--) und ein steuerbares Kapital von
CHF 323'000.-- (davon steuerbar im Kanton Nidwalden CHF 164'000.--) veranlagt
worden. Diese Verfügung blieb unangefochten und erwuchs in Rechtskraft. Für die
Steuerperioden 2002 bis 2005 ist die A.________ AG im Kanton Nidwalden
ebenfalls rechtskräftig eingeschätzt.

D.
Gegen den Einsprache-Entscheid der Steuerverwaltung des Kantons Luzern vom 30.
November 2006 für die Steuerperiode 2001 sowie die "Ausweis-Einforderung 2002"
gleichen Datums hat die A.________ AG am 30. Dezember 2006 staatsrechtliche
Beschwerde wegen Verletzung des Verbots interkantonaler Doppelbesteuerung
erhoben. Sie beantragt, den Einsprache-Entscheid aufzuheben. Es sei
festzustellen, dass sich das Hauptsteuerdomizil der A.________ AG seit Oktober
2000 in V.________ befinde. Eventuell sei die Sache an die Vorinstanz zur
Neubeurteilung zurückzuweisen bzw. seien die im Kanton Nidwalden für die
Steuerjahre 2000 und 2001 sowie die Folgejahre bezahlten Steuern nebst Zinsen
zurückzuerstatten.

E.
Die Steuerverwaltung des Kantons Luzern schliesst auf Abweisung der Beschwerde,
soweit sie sich gegen ihren Kanton richtet, und das Kantonale Steueramt
Nidwalden beantragt deren Gutheissung, indem es sich den Anträgen der
Beschwerdeführerin anschliesst.

Erwägungen:

1.
1.1 Am 1. Januar 2007 ist das Bundesgesetz vom 17. Juni 2005 über das
Bundesgericht (BGG; SR 173.110) in Kraft getreten (AS 2006 1205, 1243). Da die
angefochtenen Verfügungen vorher ergangen sind, richtet sich das Verfahren noch
nach dem Bundesgesetz vom 16. Dezember 1943 über die Organisation der
Bundesrechtspflege (OG; Art. 132 Abs. 1 BGG).

1.2 Eine staatsrechtliche Beschwerde wegen Verletzung des Verbots der
interkantonalen Doppelbesteuerung (Art. 127 Abs. 3 BV) ist spätestens im
Anschluss an die Geltendmachung des zweiten der einander ausschliessenden
Steueransprüche zu erheben, wobei der kantonale Instanzenzug nicht ausgeschöpft
zu werden braucht, aber gegenüber den angefochtenen Verfügungen die
dreissigtägige Beschwerdefrist einzuhalten ist (Art. 86 Abs. 2 und Art. 89 Abs.
3 OG; vgl. BGE 131 I 145 E. 2.1 S. 147). Mit der Einführung des Bundesgesetzes
vom 14. Dezember 1990 über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone
und Gemeinden (StHG, SR 642.14) wurde Art. 86 Abs. 2 OG nicht aufgehoben, so
dass trotz der neu vorgesehenen Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen Entscheide
letzter kantonaler Instanzen der Kantone (Art. 73 StHG) die staatsrechtliche
Beschwerde auf dem Gebiet der interkantonalen Doppelbesteuerung weiterhin
zulässig ist. Dabei kann das Bundesgericht zusammen mit der Aufhebung des
kantonalen Hoheitsakts auch Feststellungen treffen, den beteiligten Kantonen
verbindliche Weisungen für die verfassungskonforme Steuerausscheidung erteilen
oder die Rückerstattung ungerechtfertigt erhobener Steuern anordnen.

1.3 Die staatsrechtliche Beschwerde, mit welcher die Beschwerdeführerin sich
über eine aktuelle Doppelbesteuerung beschwert, ist somit grundsätzlich
zulässig:
Das gilt gegenüber dem Kanton Luzern insoweit, als der Einsprache-Entscheid
bezüglich der Steuerperiode 2001 angefochten wird. An sich wäre auch die
"Ausweis-Einforderung" für die Steuerperiode 2002 ein taugliches
Anfechtungsobjekt für die Doppelbesteuerungsbeschwerde (vgl. die bei Kurt
Locher/Peter Locher, Das interkantonale Doppelbesteuerungsrecht, § 12, III A, 2
Nr. 8 angegebenen Entscheide). Indessen beziehen sich die Beschwerdeanträge und
deren Begründung nicht darauf. Insofern sind die Formerfordernisse von Art. 90
OG somit nicht erfüllt und kann auf die Beschwerde nicht eingetreten werden.
Gegenüber dem Kanton Nidwalden kann die bereits rechtskräftige Veranlagung für
die Steuerperiode 2001 ebenfalls mit staatsrechtlicher Beschwerde angefochten
werden (Art. 89 Abs. 3 OG; vgl. BGE 131 I 145 E. 2.1 S. 145). Soweit diese sich
aber auch gegen die Veranlagungen 2002 bis 2005 richtet, ist darauf nicht
einzutreten. Dasselbe gilt für den Antrag, die bezahlten Steuern seien "nebst
Zinsen" zurückzuerstatten: Ein etwaiger Anspruch auf Verzinsung von zuviel
bezahlten Staats- und Gemeindesteuern wäre nicht im Doppelbesteuerungsverbot
begründet, sondern im kantonalen Recht, und könnte vor dem Bundesgericht somit
nur mit normaler staatsrechtlicher Beschwerde geltend gemacht werden. Das hätte
aber die Ausschöpfung des kantonalen Instanzenzugs vorausgesetzt (vgl. ASA 73,
420 E. 1.3 S. 423).

2.
2.1 Eine gegen Art. 127 Abs. 3 BV verstossende Doppelbesteuerung liegt vor,
wenn eine steuerpflichtige Person von zwei oder mehreren Kantonen für das
gleiche Steuerobjekt und für die gleiche Zeit zu Steuern herangezogen wird
(aktuelle Doppelbesteuerung) oder wenn ein Kanton in Verletzung der geltenden
Kollisionsnormen seine Steuerhoheit überschreitet und eine Steuer erhebt, die
einem anderen Kanton zusteht (virtuelle Doppelbesteuerung). Ausserdem darf ein
Kanton eine steuerpflichtige Person grundsätzlich nicht deshalb stärker
belasten, weil sie nicht im vollem Umfang seiner Steuerhoheit untersteht,
sondern zufolge ihrer territorialen Beziehungen auch noch in einem anderen
Kanton steuerpflichtig ist (Schlechterstellungsverbot, vgl. BGE 132 I 29 E. 2.1
S. 31 f.; 131 I 285 E. 2.1 S. 286; ASA 74, 684 E. 2.1; je mit Hinweisen).

Im vorliegenden Fall wird das Hauptsteuerdomizil der Beschwerdeführerin vom 12.
Oktober 2000 an sowohl vom Kanton Nidwalden, wo sie bereits rechtskräftig
eingeschätzt ist, als auch aufgrund der angefochtenen Einspracheverfügung 2001
vom Kanton Luzern beansprucht. Daraus ergibt sich jedenfalls in der
Steuerperiode 2001 eine aktuelle Doppelbesteuerung.

2.2 Juristische Personen sind nach Art. 20 Abs. 1 StHG steuerpflichtig, wenn
sich ihr Sitz oder ihre tatsächliche Verwaltung im Kanton befindet. Dabei sind
die Verhältnisse am Ende der Steuerperiode massgebend (Art. 22 Abs. 1 Satz 2
StHG). Sitz der juristischen Person ist der Ort, den die Statuten als Sitz
bezeichnen (vgl. Art. 56 ZGB). Aufgrund von Art. 20 Abs. 1 StHG kann es zu
Fällen kommen, wo sowohl der Sitzkanton als auch der Kanton der tatsächlichen
Verwaltung die Steuerpflicht aufgrund persönlicher Zugehörigkeit, d.h. das
Hauptsteuerdomizil, beanspruchen. Dieser Konflikt ist nach den Regeln, welche
die Praxis zum interkantonalen Steuerrecht entwickelt hat, zu lösen (vgl. Peter
Athanas/Stefan Widmer, Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, [1/1], 2.
Aufl. Basel/Genf/München 2002, N 37 ff. zu Art. 20 StHG; Peter Locher,
Einführung in das interkantonale Steuerrecht der Schweiz, 2. Aufl. Bern 2003,
S. 69).

Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung befindet sich das
Hauptsteuerdomizil einer juristischen Person im interkantonalen Verhältnis
grundsätzlich an ihrem durch die Statuten und den Handelsregistereintrag
bestimmten Sitz. Auf diesen zivilrechtlichen Sitz wird jedoch dann nicht
abgestellt, wenn ihm in einem anderen Kanton ein Ort gegenübersteht, an dem die
normalerweise am statutarischen Sitz sich abspielende Geschäftsführung und
Verwaltung, d.h. die leitende Tätigkeit, in Wirklichkeit vor sich geht. Dann
wird dieser Ort als Steuerdomizil betrachtet. Ob der Wahl des statutarischen
Sitzes fiskalische oder andere Erwägungen zugrunde liegen, ist unerheblich; es
genügt, dass dieser Sitz den wirklichen Verhältnissen in keiner Weise
entspricht und als künstlich geschaffen erscheint. Entscheidend sind die
gesamten Umstände des Einzelfalls (vgl. u.a. ASA 56 85 E. 3; StE 2002 A 24.22
Nr. 4 E. 2a; StE 1999 A 24.22 Nr. 3 E. 2a; je mit Hinweisen).

2.3 In Bezug auf die Beweisführung gilt das Folgende: Unterhält eine
juristische Person am Ort ihres neuen statutarischen Sitzes eine wesentliche
Büroinfrastruktur (Büroräumlichkeiten, Personal, etc.) für ihren
Geschäftsbetrieb, so ist anzunehmen, dass sich dort auch der effektive Sitz
befindet. Es obliegt dann dem Kanton des früheren Sitzes, den Nachweis zu
erbringen, dass sich die eigentliche Geschäftsführung und Verwaltung, d.h. die
leitende Tätigkeit, in Wirklichkeit weiterhin unter seiner Steuerhoheit
abspielt (vgl. StE 1984 A 24.22 Nr. 1 E. 2b).

3.
3.1 Vorliegend handelt es sich um einen ausgesprochenen Spezialfall. Eine erste
Besonderheit gegenüber den üblicherweise zu beurteilenden Fällen besteht darin,
dass die behauptete Sitzverlegung nicht eine Finanz- bzw. Holding-, sondern
eine Produktionsgesellschaft betrifft. Aussergewöhnlich ist weiter, dass der
neue Sitz des Unternehmens sich in der Privatwohnung des Geschäftsführers,
Alleinaktionärs und einzigen Verwaltungsrats befinden soll. Ausserdem geht es
um eine Kleinfirma, bei der die erforderliche Infrastruktur entsprechend
geringer ist und verschiedene Geschäftsfunktionen nicht immer deutlich getrennt
sind, von der gleichen Person ausgeübt werden und sich je nachdem als weniger
raumgebunden erweisen.

3.2 Es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin ihren statutarischen Sitz
aufgrund einer ausserordentlichen Generalversammlung vom 29. September 2000 von
W.________ nach V.________ in eine ab dem 1. Oktober 2000 gemietete 4 1/
2-Zimmerwohnung verlegte, was am 12. Oktober ins Handelsregister des Kantons
Nidwalden eingetragen wurde. Ende Oktober 2000 und anfangs November 2000 liess
die Gesellschaft sich von diversen Firmen Büromöbel und -material an die
U.________strasse liefern und einen Swisscom-Festnetzanschluss installieren.
Ferner eröffnete sie anfangs November 2000 ein Kontokorrentkonto bei der
Nidwaldner Kantonalbank. Aktenkundig ist weiter, dass die ordentlichen
Generalversammlungen der Beschwerdeführerin ab dem Geschäftsjahr 2001 jeweils
an der U.________strasse in V.________ stattfanden.

Es fragt sich, ob damit dem Erfordernis einer wesentlichen Büroinfrastruktur am
Ort des neuen statutarischen Sitzes Genüge getan wurde. Die Beschwerdeführerin
macht nicht geltend, dass in V.________ (abgesehen von den Geschwistern
X.________, Z.________ und T.________; vgl. dazu unten E. 3.4.2) Personal
beschäftigt worden wäre. Weiter muss die vorhandene räumliche Infrastruktur als
(sehr) schmal bezeichnet werden. Da es hier aber nur um eine vom
Alleinaktionär, Geschäftsführer und einzigen Verwaltungsrat in Personalunion
geleitete Kleinunternehmung geht, kann doch vermutet werden, dass der
statutarische Sitz der Beschwerdeführerin in V.________ nicht bloss formelle
Bedeutung hatte. Es obliegt daher dem Kanton Luzern, schlüssig darzutun, dass
sich die eigentliche Geschäftsführung und Verwaltung, d.h. die leitende
Tätigkeit der Beschwerdeführerin, in Wirklichkeit weiterhin in W.________
befand.

3.3 Zugunsten dieser Auffassung machen die Luzerner Behörden folgende Umstände
geltend:
- -:-
- Die Gemeindebehörden von W.________ seien aufgrund ihrer Beobachtungen zu der
Überzeugung gelangt, dass die beiden Brüder X.________ und Z.________ täglich
in W.________ arbeiteten, da deren Personenwagen mit NW-Kontrollschildern immer
vor der Firma A.________ AG gesehen werde.
- Der Beamte der kantonalen Steuerverwaltung habe am 19. September 2001 die
Telefonnummer des Geschäfts in V.________ gewählt und sei dank Telefonumleitung
mit Z.________ in W.________ verbunden worden.
- Die Stromkosten der Wohnung beliefen sich auf nur unbedeutende CHF 27.-- pro
Monat.
- Die Mehrheit der Lieferanten komme aus der Gegend von W.________.
- Verschiedene Rechnungen seien unverändert nach W.________ versandt worden.
- Sämtliche Geschäftsreisen der leitenden Mitarbeiter von A.________ AG würden
von W.________ aus unternommen; einzelne der Rechnungskopien seien überklebt
worden und mit der Adresse der Gesellschaft in V.________ versehen worden.
- Die beachtliche Wertschöpfung der A.________ AG sei nur der
Produktionstätigkeit in W.________ zu verdanken, weshalb diesem Werkplatz
wesentliche strategische Bedeutung zukomme.

3.4 Die für die beiden Orte vorgebrachten Umstände machen deutlich, dass es
sich hier nicht nur um einen Spezial-, sondern auch um einen Grenzfall handelt.
Den Luzerner Behörden ist auf jeden Fall der Nachweis gelungen, dass sich die
Produktions- und die übliche Verwaltungstätigkeit auch nach dem 1. Oktober 2000
weiterhin in W.________ befanden, unter der regelmässigen - wenn nicht sogar
täglichen - Führung des Alleinaktionärs. Soweit die vom Kanton Luzern
durchgeführten Ermittlungen nicht den eigenen Hoheitsbereich betreffen,
erweisen sie sich zwangsläufig als weniger schlüssig; seine verschiedenen
Erhebungen werfen aber deutlich die Frage auf, wie intensiv, zu welchem
(geschäftlichen und/oder privaten) Zweck und durch wen die Wohnung in
V.________ tatsächlich genutzt wurde:
3.4.1 Aufgrund der verfügbaren Indizien haben die Luzerner Behörden zwar
überzeugend dargelegt, dass schon die räumlichen Gegebenheiten der
Privatwohnung gewisse Tätigkeiten ausschlossen. Das betrifft namentlich die
Produktionstätigkeit der Gesellschaft, für welche die Wohnung gänzlich
ungeeignet war. Allgemein ist aber eine Trennung zwischen Produktionsstätte und
Hauptsitz für eine solche Unternehmung nicht selten und für sich allein nicht
aussagekräftig, vor allem wenn - wie hier - die Distanz zwischen den beiden
Orten nur rund 30 Kilometer beträgt (Luftlinie rund 25 km). Dasselbe gilt für
die übliche Verwaltungstätigkeit, soweit diese nicht von Aussenstehenden
wahrgenommen wurde, wie z.B. die Buchführung.

Entscheidend ist auch nicht der Umstand, dass die Privatwohnung weder dazu
bestimmt war noch dazu benutzt zu werden schien, Personalgespräche bzw.
-sitzungen durchzuführen oder Kunden zu empfangen. Dazu hebt die
Beschwerdeführerin hervor, dass ihr Betrieb nicht vom Büro aus geführt werde,
sondern dank regen Kundenbesuchen im Overall und mit Putzhandschuhen. Die
Stärke des Unternehmens liege nämlich darin, Reinigungskonzepte und die
dazugehörigen Produkte auf die sehr individuellen und konkreten
Kundenbedürfnisse abzustimmen und anzupassen. Das diesbezügliche Wissen von
X.________ werde laufend weiterentwickelt durch das Studium von Fachliteratur,
durch Praxistests und mit Hilfe von Internetrecherchen.
3.4.2 Mehrere Indizien (durch Stichproben belegte Unerreichbarkeit tagsüber,
bescheidene Stromrechnung) deuten weiter darauf hin, dass die Wohnung - selbst
für die dort möglichen Tätigkeiten - nur in beschränktem Umfang genutzt wurde.
Das ist umso bedeutender, als nicht nur der Alleinaktionär in der Wohnung
gelebt und gearbeitet haben soll, sondern auch dessen Bruder und Schwester
(seit dem 1. November 2000 bzw. dem 20. Dezember 2001). Diese Behauptung wird
zwar nicht schon durch die gegebenen Räumlichkeiten widerlegt, verfügt doch die
Wohnung über drei Schlafzimmer und - gemäss den eingereichten Plänen - über
drei Arbeitsplätze (ein Schreibtisch in einem Schlafzimmer, zwei im
Wohnzimmer). Indessen sprechen die genannten Indizien betreffend die Benutzung
zumindest gegen eine regelmässige (private und/oder geschäftliche) Anwesenheit
der Geschwister in der Wohnung. Diese Frage ist aber nicht Gegenstand des
vorliegenden Verfahrens und muss hier somit nicht weiter geprüft werden. Das
Gleiche gilt für die Verhältnisse in Bezug auf die Kommanditgesellschaft bzw.
die Einzelunternehmung des Vaters.
3.4.3 Fraglich ist ausserdem das Verhältnis zwischen der privaten und
geschäftlichen Verwendung der Wohnung durch den Alleinaktionär. Die
Übereinstimmung zwischen Gesellschaftssitz und Privatadresse des
Geschäftsführers ist - wie bereits hervorgehoben (vgl. oben E. 3.1) - schon an
sich aussergewöhnlich. Sie ist es noch mehr, wenn - wie hier - die
Privatadresse auf den gleichen Zeitpunkt zwischen den gleichen Orten verändert
wird wie der Gesellschaftssitz und ebenfalls streitig ist, insbesondere im
Zusammenhang mit der dadurch erwirkten Nichtbesteuerung der kurz danach
ausgeschütteten Substanzdividende auf kantonaler Ebene (vgl. das
Parallelverfahren 2P.5/2007). Dazu kommt, dass teilweise die gleichen Indizien
zugunsten des persönlichen Wohnsitzwechsels und der geschäftlichen
Sitzverlegung geltend gemacht werden. Vorliegend sind die Indizien aber
ausschliesslich in dem Sinne zu prüfen, ob sie - zumindest zusammengenommen -
eine effektive Leitungstätigkeit am neuen Ort zu begründen vermögen,
unbekümmert um den Stellenwert, die sie beim privaten Wohnsitzwechsel haben.
Ist der Nachweis der erforderlichen wirklichen Geschäftsführung erbracht, kann
es - wie im Parallelverfahren bezüglich des Alleinaktionärs - nicht darauf
ankommen, ob die Gesellschaft durch die Sitzverlegung steuerliche Vorteile
erzielt (vgl. oben E. 2.2).
3.4.4 Hier kann der Beweis der tatsächlichen Gesellschaftsleitung in V.________
als (gerade) noch erbracht betrachtet werden, und somit der Gegenbeweis der
Luzerner Behörden als gescheitert. Das gilt insbesondere mit Blick auf mehrere
Sonderumstände des vorliegenden Falls: In einem einzeln geführten
Kleinunternehmen besteht die effektive Betriebsleitung aus Tätigkeiten, die
hier durch die räumlichen Begebenenheiten der Privatwohnung nicht schon
ausgeschlossen wurden, nicht zuletzt dank der Verwendung moderner Informations-
und Kommunikationstechnologien (vgl. dazu u.a. oben E. 3.4.1). Soweit die
Wohnung nur beschränkt genutzt worden zu sein scheint, kann - wie schon
hervorgehoben (vgl. oben E. 3.4.2) - angenommen werden, dass dies gegen eine
regelmässige (private und/oder geschäftliche) Anwesenheit der Geschwister oder
gegen eine effektive Geschäftsführung der Kommanditgesellschaft/
Einzelunternehmung des Vaters in der Wohnung spricht, nicht aber gegen eine
genügende private Nutzung durch den Alleinaktionär oder eine effektive
Geschäftsleitung der Aktiengesellschaft (vgl. oben E. 3.4.1). Um die wichtigen
Aktivitäten und Entscheidungen der Gesellschaft vorzubereiten und
durchzuführen, bedarf es in einer einzeln geleiteten Kleinunternehmung nicht
zwangsläufig mehr Zeit, als der Geschäftsführer hier - nebst privater
Verwendung - in der Wohnung zugebracht zu haben scheint, u.a. für die
Generalversammlungen der Gesellschaft sowie die Forschungs- und
Entwicklungsarbeit (vgl. oben E. 3.4.1).

Dieses Ergebnis rechtfertigt sich auch deshalb, weil der Kanton Luzern durch
die Anerkennung einer tatsächlichen Sitzverlegung seinen Besteuerungsanspruch
gegenüber der Gesellschaft nicht vollumfänglich verliert. In W.________
befindet sich weiterhin die Produktions-Betriebsstätte. Bei der nun
erforderlichen Neuveranlagung aufgrund beschränkter Steuerpflicht werden die
Luzerner Behörden von der jeweiligen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der
beiden Standorte auszugehen haben; sie werden aber u.a. der Tatsache Rechnung
tragen dürfen, dass dem Werkplatz W.________ weiterhin grosse Bedeutung
zukommt, nicht zuletzt durch die im Wesentlichen dort erzielte Wertschöpfung
(vgl. oben E. 3.3).

4.
Nach dem Gesagten erweist sich die Beschwerde gegen den Kanton Luzern als
begründet und ist gutzuheissen, soweit darauf eingetreten werden kann. Der
Einsprache-Entscheid 2001 der Steuerverwaltung des Kantons Luzern vom 30.
November 2006 ist aufzuheben. Die sich gegen den Kanton Nidwalden richtende
Beschwerde ist demgegenüber abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann.

Bei diesem Verfahrensausgang werden die bundesgerichtlichen Kosten dem Kanton
Luzern, der Vermögensinteressen wahrnimmt, auferlegt (Art. 156 Abs. 1 und 2 OG
in Verbindung mit Art. 153 und 153a OG). Dieser hat die Beschwerdeführerin für
das bundesgerichtliche Verfahren zu entschädigen (Art. 159 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die staatsrechtliche Beschwerde gegen den Kanton Luzern wird gutgeheissen,
soweit darauf einzutreten ist. Der Einsprache-Entscheid 2001 der
Steuerverwaltung des Kantons Luzern vom 30. November 2006 wird aufgehoben.

2.
Die staatsrechtliche Beschwerde gegen den Kanton Nidwalden wird abgewiesen,
soweit darauf einzutreten ist.

3.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 3'000.-- wird dem Kanton Luzern auferlegt.

4.
Der Kanton Luzern hat der Beschwerdeführerin für das bundesgerichtliche
Verfahren eine Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- auszurichten.

5.
Dieses Urteil wird der Beschwerdeführerin, der Steuerverwaltung des Kantons
Luzern und dem Kantonalen Steueramt Nidwalden schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 22. Februar 2008
Im Namen der II. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Merkli Matter