Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Staatsrecht 6P.20/2007
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6P.20/2007
6S.54/2007 /rom

Urteil vom 17. Mai 2007
Kassationshof

Bundesrichter Schneider, Präsident,
Bundesrichter Zünd, Mathys,
Gerichtsschreiberin Arquint Hill.

Y. ________,
Beschwerdeführer, vertreten durch Fürsprecher Samuel Gruner,

gegen

Generalprokurator des Kantons Bern, Postfach 7475, 3001 Bern,
Obergericht des Kantons Bern, 1. Strafkammer, Postfach 7475, 3001 Bern.

6P.20/2007
Beweiswürdigung, Willkür, Grundsatz in dubio pro reo,

6S.54/2007
Strafzumessung; Landesverweisung (Mord),

Staatsrechtliche Beschwerde (6P.20/2007) und Nichtigkeitsbeschwerde
(6S.54/2007) gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Bern, 1.
Strafkammer, vom 17. November 2006.

Sachverhalt:

A.
Am 20./21. Mai 2002 verübten Y.________, X.________, Z.________ und
A.________ einen bewaffneten Raubüberfall auf den Bordellbetrieb "Salon
B.________" in Bern. Sie gingen auf Grund eines Tipps, den Y.________ auf
Anfrage von einem Bekannten und dessen Ehefrau erhalten hatte, davon aus,
dass im fraglichen Salon viel Geld zu "holen" sei. Die vier nicht maskierten
Angeschuldigten verschafften sich Zugang zum Salon. Im Verlaufe des Überfalls
wurden der Saloninhaber C.________ und dessen Ehefrau D.________ mit jeweils
mehreren Schüssen getötet. In beiden Fällen soll Y.________ der Schütze
gewesen sein.

B.
Das Obergericht des Kantons Bern sprach Y.________ am 17. November 2006 im
Appellationsverfahren schuldig des Mordes an C.________ und D.________ und
stellte die Rechtskraft des erstinstanzlichen Schuldspruchs u.a. wegen
qualifizierten Raubs fest. Es verurteilte Y.________ zu einer
lebenslänglichen Zuchthausstrafe, ordnete eine ambulante Psychotherapie an
und verwies ihn für 15 Jahre des Landes. Überdies beurteilte es die
Zivilansprüche der Privatklägerschaft bzw. der Gesundheits- und
Fürsorgedirektion des Kantons Bern.

C.
Y.________ legt beim Bundesgericht staatsrechtliche Beschwerde ein mit dem
Antrag, es seien die Ziffern II. (Schuld- und Strafpunkt) und VI.
(Zivilpunkt) des Urteilsdispositivs aufzuheben. Mit der ebenfalls
eingereichten Nichtigkeitsbeschwerde beantragt er die Aufhebung von Ziffer
II. des Urteilsdispositivs und die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz.
Ferner ersucht er für beide Verfahren um unentgeltliche Rechtspflege.

D.
Das Obergericht verzichtet auf eine Stellungnahme zu den Beschwerden. Die
Staatsanwaltschaft beantragt in ihren Gegenbemerkungen zur
Nichtigkeitsbeschwerde, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf
eingetreten werden könne.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Das Bundesgesetz über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 (BGG; SR 173.110)
ist am 1. Januar 2007 in Kraft getreten. Da der angefochtene Entscheid vorher
ergangen ist, richtet sich das Verfahren noch nach OG bzw. BStP (Art. 132
Abs. 1 BGG).

Am 1. Januar 2007 ist auch der revidierte Allgemeine Teil des
Strafgesetzbuches in Kraft getreten. Die neuen Bestimmungen sind hier aber
noch nicht von Bedeutung, da das Bundesgericht im Verfahren der
Nichtigkeitsbeschwerde nur prüft, ob das kantonale Gericht das eidgenössische
Recht richtig angewendet hat (Art. 269 Abs. 1 BStP), mithin das Recht,
welches im Zeitpunkt der Ausfällung des angefochtenen Entscheids noch
gegolten hat (BGE 129 IV 49 E. 5.3).

I. Staatsrechtliche Beschwerde

2.
Nach Art. 90 Abs. 1 lit. b OG muss die Beschwerdeschrift die wesentlichen
Tatsachen und eine kurz gefasste Darlegung darüber enthalten, welche
verfassungsmässigen Rechte bzw. welche Rechtssätze und inwiefern sie durch
den angefochtenen Erlass oder Entscheid verletzt worden sind. Im
staatsrechtlichen Beschwerdeverfahren prüft das Bundesgericht nur klar und
detailliert erhobene und, soweit möglich, belegte Rügen. Auf ungenügend
begründete Vorbringen und eine rein appellatorische Kritik am angefochtenen
Entscheid tritt es nicht ein. Eine blosse Behauptung von Willkür mit
pauschalen Vorbringen reicht nicht aus. Die Begründung muss in der
Beschwerdeschrift ferner selber enthalten sein; der blosse Hinweis auf andere
Rechtsschriften oder sonstige Aktenstücke ist ungenügend (BGE 130 I 258 E.
1.3; 125 I 492 E. 1b; 115 Ia 27 E. 4a; 107 Ia 186).

3.
Den Antrag auf Aufhebung des angefochtenen Urteils im Zivilpunkt begründet
der Beschwerdeführer mit keinem Wort. Darauf ist nicht einzutreten.

4.
Das Obergericht geht davon aus, dass der Beschwerdeführer sowohl C.________
als auch D.________ erschossen hat. Es stützt sich dabei im Wesentlichen auf
die seiner Ansicht nach überzeugenden Aussagen der übrigen Angeschuldigten,
die den Beschwerdeführer in beiden Fällen der Tötung bezichtigen bzw. ihn als
Schützen benennen. Der Beschwerdeführer wendet sich gegen diese nach seinem
Dafürhalten willkürliche Annahme seiner Täterschaft. In Bezug auf die Tötung
von C.________ würdige das Obergericht die objektiven Beweismittel,
insbesondere die Schmauchspuren und Schussbilder, nur unzureichend, obschon
sie beträchtliche Zweifel an seiner Täterschaft weckten, und gelange es
gestützt auf einen die Unschuldsvermutung verletzenden Umkehrschluss zum
Ergebnis, dass er der Täter sein müsse, weil A.________ als Schütze ausser
Betracht falle. In Bezug auf die Tötung von D.________ verkenne das
Obergericht, dass nicht nur er, sondern auch X.________ und A.________ als
Täter in Frage kämen, je nachdem auf welchen Todeszeitpunkt des Opfers
abgestellt werde. Nach den Feststellungen des IRM-Gutachters erfolgten die
zwei Tötungen innerhalb eines Zeitraums von einer bis ca. vier Stunden. Die
Aussagen von F.________ legten dabei nahe, dass der Tod von D.________
wesentlich früher eingetreten sein könnte als vom Obergericht angenommen,
nämlich bereits vor und nicht nach dessen Beizug zwecks Tresoröffnung. Damit
fielen als mögliche Täter aber insgesamt drei Personen in Betracht. Indem das
Obergericht die schlüssigen Aussagen F.________s als irrelevant abtue bzw.
nicht nachvollziehbar darlege, weshalb sie weniger gewichtig sein sollten als
diejenigen der Hauptangeschuldigten, verfalle es in Willkür.

4.1 Willkür im Sinne von Art. 9 BV liegt nach ständiger Rechtsprechung vor,
wenn der angefochtene Entscheid auf einer schlechterdings unhaltbaren oder
widersprüchlichen Beweiswürdigung beruht, eine Norm oder einen unumstrittenen
Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem
Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft. Die Beweiswürdigung ist insbesondere
willkürlich, wenn sie einseitig einzelne Beweise berücksichtigt. Es genügt
jedoch nicht, dass sich nur die Begründung des angefochtenen Entscheides als
unhaltbar erweist. Die Aufhebung eines Entscheides rechtfertigt sich nur,
wenn dieser auch im Ergebnis verfassungswidrig ist (BGE 127 I 38 E. 2a). Die
gerügte Verletzung der Unschuldsvermutung als Beweiswürdigungsregel hat keine
selbständige Bedeutung neben der Willkürrüge (vgl. BGE 120 Ia 31 E. 2c und
d).

4.2 Was in der Beschwerde gegen die Beweiswürdigung des Obergerichts
vorgebracht wird, erschöpft sich in einer blossen appellatorischen Kritik am
angefochtenen Entscheid. Der Beschwerdeführer be-schränkt sich im
Wesentlichen darauf, den Nachweis des Sachverhalts in Bezug auf die ihm
angelasteten Tötungen bzw. seine Täterschaft zu bestreiten, wobei er seinen
schon im obergerichtlichen Verfahren eingenommenen Standpunkt bzw. die im
kantonalen Verfahren erhobenen Einwendungen erneut darlegt und geltend macht,
wie die vorhandenen Beweise, etwa die Schussbilder oder Schmauchspuren bzw.
die Aussagen von F.________, richtigerweise zu würdigen gewesen wären. Mit
der blossen Wiedergabe der eigenen Sichtweise kann Willkür jedoch nicht
dargetan werden. Denn Willkür liegt nicht schon vor, wenn eine andere Lösung
oder Würdigung ebenfalls vertretbar erscheint oder gar vorzuziehen wäre (BGE
127 I 54 E. 2b mit Hinweisen), sondern erst, wenn das Beweisergebnis
offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situation in klarem
Widerspruch steht, auf einem offenkundigen Fehler beruht oder in stossender
Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft (BGE 129 I 8 E. 2.1, 49 E. 4).
Dass und inwiefern das Beweisergebnis, wonach der Beschwerdeführer sowohl
C.________ als auch dessen Ehefrau erschossen hat, mit vernünftigen Gründen
schlechterdings nicht mehr vertretbar sein sollte bzw. die vorhandenen
Beweise andere Schlussfolgerungen geradezu aufdrängen würden, zeigt der
Beschwerdeführer nicht auf und ist auch nicht ersichtlich.

Anzumerken bleibt, dass das Obergericht das vorhandene Beweismaterial - unter
Einschluss der objektiven Beweismittel - einer sorgfältig abwägenden
Gesamtwürdigung unterzieht. Es trägt dabei dem Umstand Rechnung, dass beide
Tötungen - die Opfer sind jeweils mit zehn bzw. neun Schüssen getötet worden
- dieselbe Handschrift tragen. Es geht deshalb davon aus, dass beide Male der
gleiche Täter am Werk war. Namentlich gestützt auf die belastenden Aussagen
der Mitangeschuldigten, welche den Beschwerdeführer in beiden Fällen als den
Schützen bezeichnen, schliesst es - auch unter Berücksichtigung der
Erkenntnisse im psychiatrischen Gutachten - auf dessen Täterschaft. Dafür,
dass die Aussagen der Mitangeschuldigten nicht glaubhaft sein könnten bzw.
diese den Beschwerdeführer zu Unrecht der Tötungen beschuldigten, findet das
Obergericht trotz eingehender Würdigung der Aussagen und des
Aussageverhaltens der Mitangeschuldigten keinerlei Anhaltspunkte. Dass solche
bestehen, wird vom Beschwerdeführer denn auch nicht rechtsgenüglich geltend
gemacht, verweist er in dieser Hinsicht doch bloss auf seinen schriftlichen
Parteivortrag vor Obergericht, was im Verfahren der staatsrechtlichen
Beschwerde unzulässig ist (BGE 118 Ia 188 E. 2). Auch wenn mit dem
Beschwerdeführer schliesslich davon ausgegangen würde, dass die objektiven
Beweismittel in Verbindung mit den Erläuterungen des IRM-Sachverständigen
einen anderen Tatablauf hinsichtlich der Schussabgabe auf C.________ nahe
legten bzw. einen früheren Tötungszeitpunkt in Bezug auf D.________ nicht
ausschlössen, vermöchte dies an der Täterschaft des Beschwerdeführers keine
schlechterdings nicht zu unterdrückenden Zweifel zu erwecken. Mit den
dahingehenden Einwendungen hat sich bereits das Obergericht eingehend befasst
und diese mit einer sachlich vertretbaren Begründung verworfen.

5.
Aus diesen Gründen ist die staatsrechtliche Beschwerde, soweit darauf
überhaupt eingetreten werden kann, als unbegründet abzuweisen.

II. Eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde

6.
Der Beschwerdeführer ficht die Schuldsprüche nicht an, wendet sich aber gegen
die Strafzumessung. Soweit er sich dabei vom verbindlich festgestellten
Sachverhalt der Vorinstanz entfernt, ist auf seine Beschwerde nicht
einzutreten (Art. 273 Abs. 1 lit. b BStP, Art. 277bis Abs. 1 BStP).

6.1 Das Bundesgericht hat in mehreren jüngeren Entscheiden die Grundsätze der
Strafzumessung und die an sie gestellten Anforderungen zusammengefasst (BGE
129 IV 6 E. 6.1 S. 20 f.; 127 IV 101 E. 2; 124 IV 286 E. 4a S. 295; 123 IV 49
E. 2a, je mit Hinweisen). Darauf ist zu verweisen.

6.2 Die Vorinstanz geht von der schwersten Straftat aus, nämlich von Mord
(Art. 112 StGB), der mit lebenslänglichem Zuchthaus oder Zuchthaus nicht
unter zehn Jahren bestraft wird. Das Verschulden beurteilt sie in objektiver
und subjektiver Hinsicht als ausserordentlich schwer. Der Beschwerdeführer
habe nie einen unblutigen Ausgang des Raubüberfalls geplant. Die beiden
direkt vorsätzlich verübten Morde nähmen sich besonders abscheulich aus. Die
Opfer seien mit mehreren Schüssen richtiggehend exekutiert worden. Sämtliche
Delikte seien aus reiner Geldgier begangen worden, bei den Tötungen komme
zusätzlich das Element des Eliminierens hinzu. An dieser maximalen objektiven
und subjektiven Tatschwere vermöchten die täterbezogenen Komponenten nichts
zu ändern. Sie seien ihrerseits insgesamt erschwerend zu berücksichtigen;
auch der gute Führungsbericht könne dies nicht ausgleichen. Denn der
Beschwerdeführer habe trotz seiner Biographie als Flüchtling, welche man
nicht negieren wolle, einen verhältnismässig guten familiären Hintergrund
gehabt und in der Schweiz Tritt fassen können. Als ausgewiesener und
hochgelobter Handwerker hätte er seine Familie versorgen können. Gestolpert
sei er über seinen Hang zum Luxus, wobei ihn auch frühere Verurteilungen
nicht von weiterer Delinquenz abgehalten hätten. Der Beschwerdeführer sei
mehrfach vorbestraft, so u.a. wegen qualifizierter einfacher Körperverletzung
und mehrfacher Gefährdung des Lebens (2001) sowie wegen Verursachung einer
Explosion (1993), und er habe Schulden. Speziell strafempfindlich sei er -
insbesondere im Blick auf die mangelnde Treue zur Familie - nicht. Ausser der
Strafschärfung nach Art. 68 Ziff. 1 StGB kämen weder Strafschärfungs- noch
Strafmilderungsgründe zur Anwendung. Eine Verminderung der
Zurechnungsfähigkeit bestehe gemäss dem psychiatrischen Gutachten vom 31.
Januar 2003 nicht. Unter Berücksichtigung all dieser Umstände sei eine
lebenslängliche Zuchthausstrafe schuldangemessen.

6.3 Die Vorinstanz setzt sich in ihren Erwägungen zur Strafzumessung mit den
wesentlichen schuldrelevanten Komponenten auseinander und würdigt sämtliche
Zumessungsgründe bundesrechtskonform. Dass sie sich dabei von rechtlich nicht
massgeblichen Gesichtspunkten hätte leiten lassen oder wesentlichen
Gesichtspunkten nicht Rechnung getragen hätte, ist nicht ersichtlich.
Insbesondere trifft entgegen einem Einwand in der Beschwerde nicht zu, dass
die Vorinstanz nur belastende, nicht aber auch entlastende täterbezogene
Elemente - wie beispielsweise die schwierige Kindheit des Beschwerdeführers
als Flüchtling mit traumatischen Erlebnissen, den guten beruflichen Leumund
oder das insgesamt recht positive Verhalten im Strafvollzug - berücksichtigt.
Vielmehr würdigt sie die täterbezogenen Komponenten in Bezug auf das
Vorleben, die persönlichen Verhältnisse und das Verhalten des
Beschwerdeführers nach der Tat unter Verweis auf die Ausführungen der ersten
Instanz umfassend, wägt die für bzw. gegen ihn sprechenden Umstände
gegeneinander ab und gelangt zum Schluss, dass die negativen täterbezogenen
Komponenten die positiven insgesamt überwiegen, weshalb sich diese im
Ergebnis straferhöhend auswirken. Diese Beurteilung hält vor Bundesrecht
stand. Jedenfalls ist nicht ersichtlich, inwiefern die Vorinstanz das ihr
dabei zustehende weite Ermessen verletzt haben sollte.

Ebenso wenig ist der Beschwerde Erfolg beschieden, soweit der
Beschwerdeführer geltend macht, ihm sei keine Verminderung der
Zurechnungsfähigkeit zugebilligt worden, obschon sich die Annahme ei-ner
solchen entgegen den Schlussfolgerungen des als voreingenommen zu
bezeichnenden Gutachters geradezu aufdränge. Wie sich aus den Erwägungen im
angefochtenen Urteil ergibt, verneint die Vorinstanz eine Verminderung der
Zurechnungsfähigkeit zur Zeit der Taten. Dies entspricht dem ärztlichen
Befund gemäss dem psychiatrischen Gutachten vom 31. Januar 2003, wonach weder
die Steuerungsfähigkeit des Beschwerdeführers noch seine Einsichtsfähigkeit
in das Unrecht der Tat bei der Deliktsbegehung eingeschränkt war. Die dagegen
erhobenen Einwände weichen von diesem Befund ab. Darauf ist im Rahmen der
Nichtigkeitsbeschwerde nicht einzutreten (Art. 273 Abs. 1 lit. b BStP; BGE
106 IV 97 E. 2, 236 E. 2a, je mit Hinweisen). Inwiefern die Vorinstanz aber
von einem unrichtigen Begriff der Zurechnungsfähigkeit ausgegangen sein
sollte, wird in der Beschwerde nicht dargetan und ist auch nicht ersichtlich.
Soweit der Beschwerdeführer im Rahmen der Beurteilung seiner
Zurechnungsfähigkeit auch die Unbefangenheit des Gutachters in Zweifel zieht,
ist er mit seiner Kritik ebenso wenig zu hören, kann doch diese Rüge nur mit
der staatsrechtlichen Beschwerde, nicht aber mit der eidgenössischen
Nichtigkeitsbeschwerde erhoben werden.

Gesamthaft ergibt sich, dass die Vorinstanz die für die Strafzumessung
massgeblichen Gesichtspunkte berücksichtigt und in nicht zu beanstandender
Weise gewichtet hat. Die ausgefällte lebenslängliche Zuchthausstrafe ist
nachvollziehbar begründet und erscheint auch im Ergebnis dem ausserordentlich
schweren Verschulden des Beschwerdeführers angemessen. Die gegen die
Strafzumessung erhobenen Rügen erweisen sich als unbegründet.

7.
Der Beschwerdeführer beanstandet schliesslich die Anordnung der unbedingten
Landesverweisung.

7.1 Die eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde setzt, wie jedes andere
Rechtsmittel, ein aktuelles Rechtsschutzinteresse voraus (BGE 128 IV 34 E. 1b
mit Hinweisen).

Seit dem 1. Januar 2007 figuriert die Landesverweisung nicht mehr als
strafrechtliche Sanktion unter den gesetzlich vorgesehenen Massnahmen und
Strafen und sind die nach bisherigem Recht auf Grund eines Strafurteils
ausgesprochenen Landesverweisungen (Art. 55 StGB) mit Inkrafttreten des neuen
Rechts aufgehoben (vgl. Ziff. 1 Abs. 2 der Schlussbestimmungen der Änderung
vom 13. Dezember 2002; AS 2006, 3535; vgl. Botschaft BBl 1999, 2185). Trotz
ihrem Dahinfallen per 1. Januar 2007 bleiben die unter altem Recht
ausgesprochenen Landesverweisungen im Strafregister eingetragen (vgl. Ziff. 3
Abs. 2 der Schlussbestimmungen der Änderung vom 13. Dezember 2002 e
contrario; Art. 4 Abs. 1 lit. b der Verordnung über das Strafregister vom 29.
September 2006; Art. 10 Abs. 1 der Verordnung über das automatisierte
Strafregister vom 1. Dezember 1999), in das verschiedene kantonale und
eidgenössische Justiz- und Verwaltungsbehörden zur Erfüllung ihrer Aufgaben
Einsicht nehmen können (Art. 365 Abs. 2 und Art. 367 Abs. 2 nStGB; Art. 21
der Verordnung über das Strafregister vom 29. September 2006). Bei dieser
Sachlage ist deshalb davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer ein
rechtlich geschütztes Interesse an der Beurteilung seiner Rüge betreffend der
angeordneten Landesverweisung beibehält (so auch Urteil des Kassationshofs
vom 6. März 2007 6S.16/2007 E. 4.1; anders noch Urteil vom 1. Februar 2007
6S.547/2006 E. 2).

7.2 Gemäss Art. 55 Abs. 1 Satz 1 StGB kann der Richter den Ausländer, der zu
Zuchthaus oder Gefängnis verurteilt wird, für 3 bis 15 Jahre aus dem Gebiete
der Schweiz verweisen. Auch ein Flüchtling kann des Landes verwiesen werden
(Art. 44 Abs. 1 AsylG). Das Bundesgericht hat die Voraussetzungen der
Anordnung einer Landesverweisung hierfür und die Anforderungen an die
Begründung wiederholt dargelegt. Darauf kann verwiesen werden (vgl. nur BGE
123 IV 107 E. 1; 121 IV 3 E. 1a, je mit Hinweisen; Urteil vom 7. Februar
2003, 6S.412/2002 E. 3.2).
7.3 Der mehrfach vorbestrafte Beschwerdeführer hat sich des zweifachen Mordes
im Sinne von Art. 112 StGB und des qualifizierten Raubs im Sinne von Art. 140
Ziff. 1 und 3 StGB schuldig gemacht. Wie die Vorinstanz im Rahmen der
Zumessung der Hauptstrafe unter Verweisung auf die Erwägungen der ersten
Instanz ausführt, wurde der Beschwerdeführer am 12. Oktober 1968 in Vietnam
geboren und reiste 1981 als 13-Jähriger in die Schweiz ein. Das Bundesamt für
Flüchtlinge gewährte ihm mit Entscheid vom 24. August 1981 Asyl. 1997
verheiratete er sich mit einer Schweizerin. Die zwei gemeinsamen, in den
Jahren 1997 und 1998 geborenen Töchter sind in der Schweiz aufgewachsen.

Im Rahmen ihrer Erwägungen zur Nebenstrafe kommt die Vorinstanz zum Schluss,
dass der Beschwerdeführer durch die Ermordung von C.________ und D.________
die innere Sicherheit der Schweiz gefährdet und die öffentliche Ordnung in
schwerwiegender Weise verletzt hat. Angesichts seines maximalen Verschuldens,
seines impulsiv-kränkbaren Charakters und seiner Gewaltausübung, die "nebst
archaisch-impulsiven Wurzeln auch etwas Berechnendes und Kontrollierbares"
habe, überwiege das Sicherheitsbedürfnis der Allgemeinheit die beim
Beschwerdeführer trotz seiner "Schweizer Familie" geringen Bindungen an die
Schweiz bei weitem. Die Landesverweisung sei entsprechend dem maximalen
Verschulden auf 15 Jahre festzusetzen.

7.4 Die Vorinstanz hat die Landesverweisung und deren Dauer unter
zutreffender Berücksichtigung der Rechtsprechung des Bundesgerichts wenn auch
knapp so doch nachvollziehbar unter Einbezug aller wesentlichen Aspekte
begründet. Nicht zu beanstanden ist insbesondere die vorgenommene
Interessensabwägung zwischen dem öffentlichen Interesse an der Verhütung
weiterer Delikte und dem privaten Interesse des Beschwerdeführers am Verbleib
in der Schweiz unter Berücksichtigung seines Flüchtlingsstatus sowie des
Rechts auf Achtung des Privat- und Familienlebens. Angesichts der sehr
schweren Anlasstaten (Mord und qualifizierter Raub) durfte die Vorinstanz in
Abwägung der auf dem Spiele stehenden Interessen ohne Verletzung von
Bundesrecht auf ein überwiegendes Sicherungsbedürfnis der Schweiz schliessen
und eine unbedingte Landesverweisung anordnen. Auf die Erwägungen im
angefochtenen Urteil kann verwiesen werden.

8.
Die Nichtigkeitsbeschwerde ist demnach abzuweisen, soweit darauf eingetreten
werden kann.

III. Kosten- und Entschädigungsfolgen

9.
Wegen Aussichtslosigkeit der Beschwerden sind die Gesuche um unentgeltliche
Rechtspflege für beide Verfahren abzuweisen (Art. 152 OG). Die
bundesgerichtlichen Kosten sind daher dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art.
156 Abs. 1 OG und Art. 278 Abs. 1 BStP). Bei der Festsetzung der
Gerichtsgebühr ist den finanziellen Verhältnissen des Beschwerdeführers
Rechnung zu tragen (Art. 153a Abs. 1 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die staatsrechtliche Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten
ist.

2.
Die eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde wird abgewiesen, soweit darauf
einzutreten ist.

3.
Die Gesuche um unentgeltliche Rechtspflege werden abgewiesen.

4.
Die Gerichtsgebühr von insgesamt Fr. 1'600.-- wird dem Beschwerdeführer
auferlegt.

5.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, dem Generalprokurator des Kantons
Bern und dem Obergericht des Kantons Bern, 1. Strafkammer, schriftlich
mitgeteilt.

Lausanne, 17. Mai 2007

Im Namen des Kassationshofes
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Die Gerichtsschreiberin: