Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, NB in Strafsachen 6S.127/2007
Zurück zum Index Strafrechtliche Abteilung, NB in Strafsachen 2007
Retour à l'indice Strafrechtliche Abteilung, NB in Strafsachen 2007


6S.127/2007 /rom

Urteil vom 6. Juli 2007
Kassationshof

Bundesrichter Schneider, Präsident,
Bundesrichter Wiprächtiger, Ferrari, Favre Zünd,
Gerichtsschreiber Stohner.

X. ________,
Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Markus Spielmann,

gegen

Generalprokurator des Kantons Bern, Postfach 7475, 3001 Bern.

Gefährdung des Lebens (Art. 129 StGB), grobe Verletzung von Verkehrsregeln
(Art. 90 Abs. 2 SVG),

Nichtigkeitsbeschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Bern, 2.
Strafkammer, vom 28. März 2006.

Sachverhalt:

A.
Am 21. März 2004 lieferten sich X.________ und A.________ auf der Autobahn A1
zwischen den Ausfahrten Niederbipp und Wangen an der Aare um 03.30 Uhr ein
Autorennen.

B.
Mit Urteil vom 15. Juni 2005 erklärte der Gerichtspräsident 3 des
Gerichtskreises IV Aarwangen-Wangen X.________ namentlich der groben und der
einfachen Verkehrsregelverletzung, beides mehrfach begangen, schuldig und
verurteilte ihn zu einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten, bedingt
vollziehbar bei einer Probezeit von drei Jahren. Vom Vorwurf der Gefährdung
des Lebens sprach das Gericht X.________ hingegen frei.

C.
Auf Appellation der Staatsanwaltschaft II Emmental-Oberaargau hin befand das
Obergericht des Kantons Bern, 2. Strafkammer, X.________ mit Urteil vom 28.
März 2006 der Gefährdung des Lebens und der groben Verkehrsverletzung -
mehrfach begangen durch unbegründetes brüskes Bremsen (Schikanestopp),
ungenügendes Abstandhalten beim Hintereinanderfahren, Missachtung der
allgemeinen Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn um 24 km/h, ungenügendes
Rechtsfahren und unnötige Abgabe von Warnsignalen - schuldig und bestrafte
ihn mit einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten, bedingt vollziehbar bei
einer Probezeit von drei Jahren.

D.
X.________ führt eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde, mit welcher er
beantragt, das Urteil des Obergerichts des Kantons Bern, 2. Strafkammer, vom
28. März 2006 sei aufzuheben.

Das Obergericht hat auf Gegenbemerkungen zur Beschwerde verzichtet.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Das angefochtene Urteil ist vor dem Inkrafttreten des Bundesgesetzes vom
17. Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110)
am 1. Januar 2007 ergangen. Auf das dagegen erhobene Rechtsmittel ist deshalb
noch das bisherige Verfahrensrecht anwendbar (Art. 132 Abs. 1 BGG, e
contrario), hier somit dasjenige der eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde
(Art. 268 ff. BStP).

Am 1. Januar 2007 ist auch der revidierte Allgemeine Teil des
Strafgesetzbuches in Kraft getreten. Die neuen Bestimmungen sind hier aber
noch nicht von Bedeutung, da das Bundesgericht im Verfahren der
Nichtigkeitsbeschwerde nur prüft, ob das kantonale Gericht das eidgenössische
Recht richtig angewendet hat (Art. 269 Abs. 1 BStP), mithin das Recht,
welches im Zeitpunkt der Ausfällung des angefochtenen Entscheids noch
gegolten hat (BGE 129 IV 49 E. 5.3 mit Hinweisen). Gleiches gilt in Bezug auf
die per 1. Januar 2007 in Kraft getretenen revidierten Bestimmungen des
Strassenverkehrsgesetzes.

1.2 Die Nichtigkeitsbeschwerde kann nur damit begründet werden, die
angefochtene Entscheidung verletze eidgenössisches Recht (Art. 269 Abs. 1
BStP). Ausführungen, die sich gegen die tatsächlichen Feststellungen des
Entscheides richten, sowie das Vorbringen neuer Tatsachen sind unzulässig
(Art. 273 Abs. 1 lit. b BStP). Der Kassationshof ist im Verfahren der
Nichtigkeitsbeschwerde an den von der kantonalen Behörde festgestellten
Sachverhalt gebunden (Art. 277bis Abs. 1 BStP). Auf die Beschwerde kann somit
nicht eingetreten werden, soweit der Beschwerdeführer von einem abweichenden
Sachverhalt ausgeht oder die Beweiswürdigung der Vorinstanz rügt (vgl. etwa
Beschwerdeschrift S. 9 f.).

2.
2.1 Die Vorinstanz stellt verbindlich fest, dass der Beschwerdeführer
A.________ auf der Autobahn bei einer Geschwindigkeit von 144 km/h durch
einen Schwenker gezwungen hat, nach rechts auf den Pannenstreifen
auszuweichen.

Hieraus folgert die Vorinstanz, das Abdrängmanöver des Beschwerdeführers und
der knappe seitliche Abstand zwischen seinem Fahrzeug und jenem von
A.________ hätten mit grosser Wahrscheinlichkeit zu einer Kollision mit
tödlichen Folgen führen können. Ferner sei jederzeit mit einem
"Kontrollverlust" von A.________ zu rechnen gewesen. Die objektiven
Tatbestandsvoraussetzungen von Art. 129 StGB seien damit erfüllt
(angefochtenes Urteil S. 14 f.).

Die Vorinstanz führt weiter aus, wer wie der Beschwerdeführer seinen
"Renngegner" mit hoher Geschwindigkeit mehrmals überhole und teilweise
abdränge, der handle rücksichts- und hemmungslos. Dies gelte unabhängig
davon, ob der Abstand zwischen den Fahrzeugen einen oder zehn bis fünfzehn
Meter betragen habe. Hinzu komme ein unbegründetes brüskes Abbremsen des
Beschwerdeführers. Bei solch halsbrecherischen Fahrmanövern mit seitlichem
Abdrängen und Ausbremsen sei der direkte Vorsatz in Bezug auf die
unmittelbare Lebensgefahr erstellt, denn der Beschwerdeführer habe in dieser
Situation vernünftigerweise mit der Verwirklichung der Risiken rechnen müssen
(angefochtenes Urteil S. 15).

2.2 Der Beschwerdeführer bringt hiergegen vor, es habe keine konkrete Gefahr
für das Rechtsgut Leben bestanden. Zwar habe er unbegründet brüsk abgebremst
und damit A.________ ausgebremst, eine schikanöse Vollbremsung habe er jedoch
nicht vorgenommen. Dementsprechend sei der vorliegende Sachverhalt entgegen
der Auffassung der Vorinstanz nicht mit jenem zu vergleichen, der dem
Bundesgerichtsurteil 6S.563/1995 vom 24. November 1995 (Pra 1996 Nr. 173 S.
638) zu Grunde liege. Sein Bremsmanöver erfülle mithin den objektiven
Tatbestand von Art. 129 StGB nicht (Beschwerde S. 4 f.).

Zudem habe er nicht mit direktem Vorsatz hinsichtlich der unmittelbaren
Lebensgefährdung gehandelt. Die objektiven Umstände der Tathandlung legten
angesichts der allgemeinen Lebenserfahrung zwar eine gewisse
Risikofreudigkeit seinerseits nahe. Gestützt darauf könne jedoch nicht auf
seinen direkten Willen geschlossen werden, sich selber oder andere in
unmittelbare Lebensgefahr zu bringen. Wenn die Vorinstanz im Übrigen
argumentiere, er habe jederzeit mit einem "Kontrollverlust" des damals
20-jährigen A.________, welcher erst seit knapp zwei Wochen im Besitz des
Führerausweises gewesen sei, rechnen müssen, so verkenne sie, dass ihm
insoweit deshalb kein Vorwurf gemacht werden könne, weil ihm diese Umstände
gar nicht bekannt gewesen seien (Beschwerde S. 6).

Zu würdigen sei des Weiteren, dass er sich durch sein Fahrverhalten selber
der gleichen Gefahr ausgesetzt habe wie A.________. Die Behauptung der
Vorinstanz, er habe mit seiner Handlung das Ziel verfolgt, sich selbst in
unmittelbare Lebensgefahr zu bringen, sei nicht haltbar, würde ihm doch
hierdurch "eine lebensmüde Einstellung, die an Selbstmordgedanken grenzt",
unterstellt (Beschwerde S. 7).

Zu beachten sei schliesslich, dass Fahrzeuglenker erfahrungsgemäss dazu
neigten, einerseits die Gefahren zu unterschätzen und andererseits ihre
eigenen Fähigkeiten zu überschätzen, weshalb ihnen unter Umständen das Risiko
der Tatbestandsverwirklichung nicht bewusst sei. Dementsprechend sei ein
Eventualvorsatz in Bezug auf Verletzungs- und Todesfolgen bei Unfällen im
Strassenverkehr nur in krassen Fällen anzunehmen. Bei ihm könne folglich im
zu beurteilenden Fall nicht auf einen Eventualvorsatz, geschweige denn auf
einen direkten Vorsatz geschlossen werden (Beschwerde S. 8 f.).
2.3 Nach Art. 129 StGB wird mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren oder mit
Gefängnis bestraft, wer einen Menschen in skrupelloser Weise in unmittelbare
Lebensgefahr bringt.

Objektiv ist eine konkrete Lebensgefahr erforderlich. Nach der Rechtsprechung
ist eine unmittelbare Lebensgefahr anzunehmen, wenn nach dem gewöhnlichen
Lauf der Dinge die Wahrscheinlichkeit oder nahe Möglichkeit der Verletzung
des Lebens besteht. Diese liegt nicht erst vor, wenn die Wahrscheinlichkeit
des Todes grösser ist als die Wahrscheinlichkeit seiner Vermeidung, sondern
schon bei einer nahen Möglichkeit des Todeseintritts. Das Element der
Unmittelbarkeit beinhaltet neben der ernsthaften Wahrscheinlichkeit der
Verwirklichung der Gefahr, dass die unvermittelte, akute Gefahr direkt dem
Verhalten des Täters zuzuschreiben ist (BGE 121 IV 67 E. 2b; 111 IV 51 E. 2).

Subjektiv ist direkter Vorsatz in Bezug auf die unmittelbare Lebensgefahr
erforderlich; Eventualvorsatz genügt nicht (siehe zum Ganzen BGE 133 IV 1 E.
5; 121 IV 67 E. 2b/aa). Direkter Vorsatz ist nach der Rechtsprechung gegeben,
wenn der Täter den deliktischen Erfolg, mag ihm dieser auch gleichgültig oder
sogar unerwünscht sein, als notwendige Folge oder als Mittel zur Erreichung
des verfolgten Zwecks in seinen Entschluss miteinbezogen hat. Er braucht
nicht das vom Täter erstrebte Ziel zu sein; es genügt, dass er mitgewollt ist
(BGE 119 IV 193 E. 2b/cc). Demgegenüber liegt Eventualvorsatz vor, wenn der
Täter den Eintritt des Erfolgs bzw. die Tatbestandsverwirklichung für möglich
hält, aber dennoch handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts
in Kauf nimmt (BGE 125 IV 242 E. 3c mit Hinweisen).

Sicheres Wissen um die unmittelbare Lebensgefahr, also um die Möglichkeit des
Erfolgseintritts (Tod), ist mit sicherem Wissen um den Erfolgseintritt gerade
nicht identisch, kann also sowohl mit (eventuellem) Tötungsvorsatz wie mit
bewusster Fahrlässigkeit bezüglich der Todesfolge einhergehen. Art. 129 StGB
erlangt aber nur in diesem zweiten Fall praktische Bedeutung, denn bei
Tötungsvorsatz greifen Art. 111 ff. StGB ein (Günter Stratenwerth/Guido
Jenny, Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil I, 6. Auflage Bern 2003, §
4 N. 12). Art. 129 StGB kommt somit die Funktion eines Auffangtatbestands zu,
wenn der Tötungsvorsatz nicht nachzuweisen ist (Stefan Trechsel,
Kurzkommentar, 2. Auflage Zürich 1997, Art. 129 StGB N. 1). Eine Verurteilung
wegen Art. 129 StGB fällt mit anderen Worten in Betracht, wenn der Täter
trotz der erkannten Lebensgefahr handelt, aber darauf vertraut, die Gefahr
werde sich nicht realisieren (Jürg Boll, Grobe Verkehrsregelverletzung, Davos
1999, S. 113).

Des Weiteren verlangt der subjektive Tatbestand von Art. 129 StGB, dass die
Möglichkeit des Todeseintritts so wahrscheinlich erscheint, dass sich
wissentlich darüber hinwegzusetzen als skrupellos erscheint (BGE 121 IV 67 E.
2b/aa; 106 IV 12 E. 2a und b, je mit Hinweisen). Gemeint ist damit ein
qualifizierter Grad der Vorwerfbarkeit, eine besondere Hemmungs- oder
Rücksichtslosigkeit des Täters (Stratenwerth/Jenny, a.a.O., § 4 N. 13;
Bernard Corboz, Les infractions en droit suisse, vol. I, Bern 2002, Art. 129
StGB N. 28 ff.). Zu berücksichtigen sind die Tatmittel, die Tatmotive sowie
die konkrete Tatsituation. Die Skrupellosigkeit muss sich mithin als
Qualifikation der Tat ergeben; ein Rückgriff auf Persönlichkeitsmerkmale oder
auf das Vorleben des Täters ist zur Begründung nicht zulässig (Peter
Aebersold, Basler Kommentar, Strafgesetzbuch II, Art. 129 StGB N. 33).

2.4 Sowohl die Vorinstanz als auch der Beschwerdeführer beziehen sich auf den
Bundesgerichtsentscheid 6S.563/1995 vom 24. November 1995 (Pra 1996 Nr. 173
S. 638), in welchem der Tatbestand von Art. 129 StGB bejaht worden ist. Zu
beurteilen war der Fall eines Fahrzeuglenkers, der auf der Autobahn bei einer
Geschwindigkeit von 100 km/h nachts und bei nasser Fahrbahn grundlos und ohne
Blinkzeichen auf die Überholspur wechselte und bei einem Abstand von zwanzig
Metern zum hinter ihm fahrenden Fahrzeug unvermittelt voll auf die Bremsen
trat (E. 2).

Schuldig gesprochen wegen Gefährdung des Lebens hat das Bundesgericht zudem
einen Fahrzeuglenker, welcher nachts auf der Autobahn bei nasser Fahrbahn mit
185 km/h fuhr und ein Überholmanöver ausführte, bei welchem der Abstand zum
überholten Fahrzeug beim Fahrspurwechsel nur einen bis zwei Meter betrug
(Urteil des Bundesgerichts 6S.164/2005 vom 20. Dezember 2005 E. 2.3.1).

Im Fall einer absichtlich herbeigeführten seitlichen Kollision bei einer
Geschwindigkeit von 120 - 130 km/h auf der Autobahn schliesslich verneinte
das Bundesgericht zwar den Eventualvorsatz in Bezug auf allfällige
Todesfolgen und hob die vorinstanzliche Verurteilung wegen versuchter
vorsätzlicher Tötung gemäss Art. 111 StGB auf; den Tatbestand von Art. 129
StGB hat das Gericht hingegen als erfüllt angesehen (BGE 133 IV 1 E. 4.7 und
E. 5.2).
2.5 Im Lichte dieser Rechtsprechung stellt sich die Rechtslage vorliegend wie
folgt dar:

Wie die Vorinstanz in sachverhaltlicher Hinsicht verbindlich festgestellt
hat, drängte der Beschwerdeführer A.________ bei hoher Geschwindigkeit durch
einen Schwenker ab, so dass dieser nach rechts auf den Pannenstreifen
ausweichen musste. Erstellt ist zudem, dass der Beschwerdeführer A.________
mehrmals mit übersetzter Geschwindigkeit seitlich knapp überholte und ihn
ausbremste, d.h. zum Abbremsen auf rund 70 km/h zwang.

Solche Ausweich-, Überhol- und Ausbremsmanöver bergen grosse Unfallrisiken.
Angesichts des knappen Abstands zwischen dem Fahrzeug des Beschwerdeführers
und jenem von A.________ war die Wahrscheinlichkeit einer gravierenden
Kollision sehr hoch. Ebenso bestand die Gefahr, dass einer der beiden Lenker
die Herrschaft über sein Fahrzeug hätte verlieren können. Berücksichtigt man
des Weiteren, dass der Beschwerdeführer mit übersetzter Geschwindigkeit fuhr,
so war es letztlich einzig dem Zufall zu verdanken, dass sich vorliegend kein
fataler Unfall ereignete. Durch seine diversen sehr riskanten Fahrmanöver
schuf der Beschwerdeführer somit eine Situation, aufgrund derer nach dem
gewöhnlichen Lauf der Dinge die Wahrscheinlichkeit oder nahe Möglichkeit
eines tödlichen Unfalls bestand.

Da bereits das Ausbremsmanöver als solches sehr gefährlich war, führt der
Umstand, dass der Beschwerdeführer keine eigentliche Vollbremsung vollzog, zu
keiner abweichenden Beurteilung. Nichts Entscheidendes ändert sich zudem,
wenn zugunsten des Beschwerdeführers von einem Nachfahrabstand von fünfzehn
Metern ausgegangen wird, denn selbst in diesem Fall ist die Gefahr eines
tödlichen Unfalls weiterhin als hoch einzustufen.

Der objektive Tatbestand von Art. 129 StGB ist demnach erfüllt.

2.6 Der Beschwerdeführer bestreitet mit direktem Vorsatz gehandelt zu haben.
Grundsätzlich kann bei fehlendem Geständnis in Fällen, in welchen die
objektiven Umstände angesichts der allgemeinen Lebenserfahrung das Vorliegen
eines direkten Vorsatzes nahelegen, auch eine indirekte Beweisführung für
eine Verurteilung genügen (Urteil des Bundesgerichts 6S.563/1995 vom 24.
November 1995 E. 2c, in Pra 1996 Nr. 173 S. 638).

In Anbetracht der diversen sehr risikobehafteten Ausweich-, Überhol- und
Ausbremsmanöver, welche der Beschwerdeführer bei hoher Geschwindigkeit nachts
ausführte, drängt sich vorliegend der Schluss auf das sichere Wissen des
Beschwerdeführers um die unmittelbare Lebensgefahr auf. Der Beschwerdeführer
hat diese Gefahr - mochte sie ihm auch unerwünscht sein und mochte er auch
darauf vertraut haben, sie werde sich nicht realisieren - als notwendige
Folge oder Mittel zur Erreichung des von ihm verfolgten Zwecks mitgewollt. Er
hat seine Ziele - sprich sein fahrerisches Können zu beweisen und das
Autorennen für sich zu entscheiden bzw. sein Gesicht zu wahren und nicht
klein beizugeben - höher gewichtet als die Risiken für die eigene und fremde
Sicherheit. Der Beschwerdeführer hat demzufolge mit direktem
Gefährdungsvorsatz gehandelt.

Der vom Beschwerdeführer erhobene Einwand, bei Selbstgefährdungen sei der
Eventualvorsatz hinsichtlich eines Tötungs- oder Verletzungserfolgs nicht
leichthin anzunehmen (vgl. hierzu BGE 133 IV 9 E. 4.2.5), geht an der Sache
vorbei. Dem Beschwerdeführer wird vorliegend nicht der Vorwurf gemacht, er
habe zugleich seinen eigenen Tod oder jenen von A.________ in Kauf genommen.

Nicht stichhaltig ist des Weiteren das Vorbringen des Beschwerdeführers, er
habe nicht gewusst, dass A.________ zum Tatzeitpunkt 20-jährig war und erst
seit knapp zwei Wochen über einen Führerausweis verfügte. Auch bei einem
Lenker mit mehr Erfahrung wäre angesichts der riskanten Fahrmanöver die
Gefahr einer tödlichen Kollision bzw. eines Verlusts der Kontrolle über das
Fahrzeug sehr gross gewesen. Die fehlende Kenntnis der persönlichen Umstände
von A.________ ist folglich nicht von Entscheidungsrelevanz und entlastet den
Beschwerdeführer nicht.

Schliesslich hat die Vorinstanz das Verhalten des Beschwerdeführers zu Recht
als skrupellos bewertet. Sein Tatmittel und seine Tatmotive zeugen von einer
besonderen Hemmungslosigkeit. Der Beschwerdeführer hat in der konkreten
Situation durch seine Manöver, welche die sehr nahe Möglichkeit der
Verwirklichung der Lebensgefahr schufen, jede Rücksicht auf das Leben anderer
Menschen vermissen lassen.

Der subjektive Tatbestand von Art. 129 StGB ist damit ebenfalls zu bejahen.

2.7 Die Vorinstanz hat den Beschwerdeführer somit zu Recht der Gefährdung des
Lebens für schuldig befunden. Die Nichtigkeitsbeschwerde ist insoweit
abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.

3.
3.1 Die erste Instanz qualifizierte das unbegründete brüske Bremsen
(Schikanestopp) und das ungenügende Abstandhalten beim Hintereinanderfahren
(Art. 34 Abs. 4 SVG i.V.m. Art. 12 Abs. 1 und 2 der Verkehrsregelnverordnung
[VRV; SR 741.11]) als grobe Verkehrsregelverletzungen. Unter den Tatbestand
der einfachen Verkehrsregelverletzung subsumierte sie dagegen die Missachtung
der allgemeinen Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn um 24 km/h (Art. 32
Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 4a Abs. 1d und 4 VRV), das ungenügende Rechtsfahren
(Art. 34 Abs. 1 und 4 SVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 VRV) und die unnötige Abgabe
von Warnsignalen (Art. 40 SVG i.V.m. Art. 29 Abs. 1 und 3 VRV).

Die Vorinstanz stufte demgegenüber sämtliche Verkehrsregelverletzungen des
Beschwerdeführers als grob im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG ein. Sie hat
erwogen, das Autorennen zwischen dem Beschwerdeführer und A.________ stelle
ein einheitliches Geschehen dar, weshalb die erstinstanzliche Aufteilung der
einzelnen Widerhandlungen in einfache und grobe Verkehrsverletzungen
künstlich anmute (angefochtenes Urteil S. 18). Durch das ständige
gegenseitige Überholen und den damit verbundenen Fahrbahnwechsel habe sich
die Gefährdung um ein Vielfaches erhöht. Eine Geschwindigkeitsüberschreitung
von 24 km/h, welche im Rahmen eines Rennens mit gegenseitigem
Sich-Provozieren und Sich-Schikanieren geschehe, sei als objektiv schwer und
damit als grobe Verkehrsregelverletzung zu bewerten (angefochtenes Urteil S.
19). Gleiches gelte für das unnötige Abgeben von Warnsignalen, welches bei
geringstem Nachfahrabstand schikanierenden Charakter habe und den vorderen
Fahrzeuglenker erschrecken und hierdurch in Gefahr bringen könne
(angefochtenes Urteil S. 19 f.). Schliesslich sei auch die Missachtung des
Gebots des Rechtsfahrens in der konkreten Situation als grobe
Verkehrsregelverletzung zu beurteilen, da dieses Fahrverhalten eine
ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer bewirkt habe (angefochtenes
Urteil S. 20). Zusammenfassend sei deshalb das ganze Verhalten des
Beschwerdeführers während des Rennens objektiv als mehrfache grobe
Verkehrsregelverletzung zu würdigen. Diese Widerhandlungen habe der
Beschwerdeführer rowdyhaft mit Wissen und Willen begangen; demzufolge sei
auch der subjektive Tatbestand erfüllt (angefochtenes Urteil S. 21).

3.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, es sei nicht haltbar sämtliche
Verkehrsregelverstösse einheitlich als grobe Verkehrsregelverletzungen
anzusehen. Indem die Vorinstanz die Abgabe von Warnsignalen im Zusammenhang
mit dem nahen Auffahren als grobe Verkehrsregelverletzung geahndet habe, habe
sie eine unzulässige Doppelbestrafung statuiert, da sie das zu nahe Auffahren
als solches bereits als schweren Regelverstoss unter Strafe gestellt habe.
Die gleiche Kumulation der Strafen sei auch in Bezug auf das Gebot des
Rechtsfahrens und betreffend die Übertretung der Höchstgeschwindigkeit
unzulässig. In Übereinstimmung mit dem erstinstanzlichen Urteil sei er
folglich bezüglich der Missachtung der Höchstgeschwindigkeit, des
ungenügenden Rechtsfahrens und des unnötigen Abgebens von Warnsignalen wegen
einfacher Verkehrsregelverletzungen zu verurteilen (Beschwerde S. 10 f.).
3.3 Die einfache Verkehrsregelverletzung wird gemäss Art. 90 Ziff. 1 SVG als
Übertretung mit Haft oder mit Busse bestraft. Nach Art. 90 Ziff. 2 SVG wird
mit Gefängnis oder mit Busse bestraft, wer durch grobe Verletzung der
Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft
oder in Kauf nimmt.

Der Tatbestand der groben Verkehrsregelverletzung ist nach der Rechtsprechung
objektiv erfüllt, wenn der Täter eine wichtige Verkehrsvorschrift in objektiv
schwerer Weise missachtet und die Verkehrssicherheit ernstlich gefährdet.
Eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer im Sinne von Art. 90 Ziff.
2 SVG ist bereits beim Vorliegen einer erhöhten abstrakten Gefährdung
gegeben. Ob eine konkrete, eine erhöhte abstrakte oder nur eine abstrakte
Gefahr geschaffen wird, hängt von der Situation ab, in welcher die
Verkehrsregelverletzung begangen wird. Wesentliches Kriterium für die Annahme
einer erhöhten abstrakten Gefahr ist die Nähe der Verwirklichung, d.h. die
erhöhte abstrakte Gefahr setzt die naheliegende Möglichkeit einer konkreten
Gefährdung oder Verletzung voraus (BGE 131 IV 133 E. 3.2.).

Subjektiv erfordert der Tatbestand von Art. 90 Ziff. 2 SVG nach der
Rechtsprechung ein rücksichtsloses oder sonst schwerwiegend verkehrswidriges
Verhalten, mithin ein schweres Verschulden. Bei fahrlässigem Handeln wird
mindestens grobe Fahrlässigkeit verlangt (BGE 130 IV 32 E. 5.1; 126 IV 192 E.
3).

3.4 Nicht Gegenstand des bundesgerichtlichen Verfahrens ist die bereits im
vorinstanzlichen Verfahren unangefochten gebliebene erstinstanzliche
Qualifikation des unbegründeten brüsken Bremsens (Schikanestopp) und des
ungenügenden Abstandhaltens beim Hintereinanderfahren als grobe
Verkehrsregelverletzungen. Beide Verhaltensweisen begründeten eine konkrete
Gefahr und gefährdeten somit die Verkehrssicherheit ernstlich.

Die Vorgehensweise der Vorinstanz, auch die weiteren Verkehrsregelverstösse
des Beschwerdeführers im Kontext des Autorennens zu würdigen, verletzt kein
Bundesrecht. Eine sachgerechte Beurteilung im Einzelfall gebietet vielmehr
den Einbezug der konkreten Umstände und führt nicht zu einer unzulässigen
Doppelbestrafung.

Die Geschwindigkeitsüberschreitung von 24 km/h auf der Autobahn wiegt bei
nahem Auffahren und diversen gewagten Ausweich-, Überhol- und
Ausbremsmanövern sehr schwer und hat - wie die Vorinstanz zutreffend ausführt
- die Gefährdung um ein Vielfaches erhöht. Gleiches gilt für das unbegründete
Linksfahren, welches als Teil eines Rennens mit gegenseitigen Provokationen
die Verkehrssicherheit erheblich gefährdet hat. Der Vorinstanz ist zudem
beizupflichten, dass das unnötige Abgeben von Warnsignalen bei einem solch
geringen Nachfahrabstand geeignet gewesen ist, A.________ zu erschrecken und
diesen hierdurch zu gefährden.

Der Beschwerdeführer hat vorliegend durch sein rücksichtsloses Fahrverhalten
wichtige Verkehrsvorschriften in objektiv schwerer Weise missachtet und
hierdurch die Verkehrssicherheit ernstlich gefährdet, indem er A.________ und
seinen Beifahrer konkret gefährdet und für weitere Verkehrsteilnehmer
jedenfalls eine erhöhte abstrakte Gefährdung geschaffen hat, welche die
naheliegende Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder Verletzung in sich
barg.

3.5 Die Vorinstanz hat zutreffend sämtliche Widerhandlungen als mehrfache
grobe Verkehrsregelverletzungen bewertet. Die Nichtigkeitsbeschwerde ist auch
in diesem Punkt abzuweisen.

4.
Die Nichtigkeitsbeschwerde ist vollumfänglich abzuweisen, soweit darauf
einzutreten ist. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer
die bundesgerichtlichen Kosten zu tragen (Art. 278 Abs. 1 BStP).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Nichtigkeitsbeschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, dem Generalprokurator des Kantons
Bern und dem Obergericht des Kantons Bern, 2. Strafkammer, schriftlich
mitgeteilt.

Lausanne, 6. Juli 2007

Im Namen des Kassationshofes
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: