Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, NB in Strafsachen 6S.2/2007
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Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
6S.2/2007
6B_23/2008/bri

Urteil vom 23. Mai 2008
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Schneider, Präsident,
Bundesrichter Wiprächtiger, Mathys,
Gerichtsschreiber Näf.

Parteien
X.________,
Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Claudia Giusto,

gegen

Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich, Florhofgasse 2, 8001 Zürich,
Beschwerdegegnerin,
Geschworenengericht des Kantons Zürich, Postfach, 8090 Zürich,
Kassationsgericht des Kantons Zürich, Postfach, 8022 Zürich,

Gegenstand
Versuchte vorsätzliche Tötung (Art. 111 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 aStGB),
Putativnotwehrexzess (Art. 19 und Art. 33 aStGB); willkürliche Beweiswürdigung
(Art. 9 BV), Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV).

Eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde gegen das Urteil des Geschworenengerichts
des Kantons Zürich vom 25. August 2006 (6S.2/2007) und Beschwerde in
Strafsachen gegen den Entscheid des Kassationsgerichts des Kantons Zürich vom
12. November 2007 (6B_23/2008).

Sachverhalt:

A.
Das Geschworenengericht des Kantons Zürich sprach X.________ am 25. August 2006
der versuchten eventualvorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 in Verbindung
mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig. Es bestrafte ihn - unter Zubilligung einer
Verminderung der Schuldfähigkeit in schwerem Grade - mit zwei Jahren Gefängnis,
unter Anrechnung von 120 Tagen erstandener Polizei- und Untersuchungshaft. Es
ging davon aus, dass X.________ den Geschädigten, der in Tat und Wahrheit ein
Polizeibeamter war, irrtümlich für einen Einbrecher hielt und somit
sachverhaltsirrtümlich (Art. 19 Abs. 1 StGB) eine Notwehrsituation (Art. 33
Abs. 1 StGB) annahm, wobei er aber durch die bewusste und gewollte Abgabe eines
Schusses in Richtung des am Hauseingang stehenden vermeintlichen Einbrechers,
wodurch allerdings niemand getroffen wurde, die Grenzen der Notwehr überschritt
(Art. 33 Abs. 2 Satz 1 StGB).

Mit Beschluss vom gleichen Tag ordnete das Geschworenengericht die Einziehung
der Tatwaffe sowie die Verwertung von mehreren weiteren Schusswaffen samt
Munition und die Verwendung des Verwertungserlöses zur Kostendeckung an.

B.
X.________ erhebt mit Eingabe vom 31. Dezember 2006 eidgenössische
Nichtigkeitsbeschwerde mit den Anträgen, das Urteil des Geschworenengerichts
sei aufzuheben und die Sache zu seiner Freisprechung, eventualiter zu seiner
Verurteilung wegen versuchter Gefährdung des Lebens (im Sinne von Art. 129 in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB), subeventualiter zu seiner Verurteilung zu
einer bedingt vollziehbaren Gefängnisstrafe von höchstens 18 Monaten wegen
versuchter vorsätzlicher Tötung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zudem ersucht
er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege.

C.
X.________ focht das Urteil des Geschworenengerichts auch mit kantonaler
Nichtigkeitsbeschwerde an. Das Kassationsgericht des Kantons Zürich wies mit
Zirkulationsbeschluss vom 12. November 2007 die kantonale
Nichtigkeitsbeschwerde ab, soweit es darauf eintrat.

D.
X.________ erhebt gegen des Beschluss des Kassationsgerichts mit Eingabe vom 7.
Januar 2008 Beschwerde in Strafsachen mit den Anträgen, der Beschluss sei
aufzuheben, und er sei vom Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung
freizusprechen; eventualiter sei die Sache zur Einholung eines ballistischen
Ergänzungsgutachtens an das Geschworenengericht zurückzuweisen. Er ersucht
zudem um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und beantragt ferner, der
Beschwerde in Strafsachen sei, insbesondere auch in Bezug auf die
zivilrechtlichen Ansprüche, die aufschiebende Wirkung zu erteilen.

E.
Mit einer weiteren Eingabe vom 7. Januar 2008 erhebt X.________ unter Hinweis
auf die Rechtsmittelbelehrung im Entscheid des Kassationsgerichts sowie auf
Art. 100 Abs. 6 BGG auch Beschwerde in Strafsachen gegen das Urteil des
Geschworenengerichts vom 25. August 2006, welches er bereits am 31. Dezember
2006 mit eidgenössischer Nichtigkeitsbeschwerde angefochten hat. Er stellt
darin im Wesentlichen dieselben Anträge wie in der eidgenössischen
Nichtigkeitsbeschwerde. Er bezeichnet seine Eingabe vom 7. Januar 2008 als
Ergänzung zur eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde, welche er zum
integrierenden Bestandteil der neuen Eingabe erklärt.

Erwägungen:

1.
1.1 Am 1. Januar 2007 ist das Bundesgesetz vom 17. Juni 2005 über das
Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) in Kraft getreten. Dieses
ist auf Beschwerdeverfahren vor dem Bundesgericht nur anwendbar, wenn auch der
angefochtene Entscheid nach dem Inkrafttreten des Bundesgerichtsgesetzes
ergangen ist (Art. 132 Abs. 1 BGG). Das Urteil des Geschworenengerichts ist
vor, der Entscheid des Kassationsgerichts nach dem Inkrafttreten des
Bundesgerichtsgesetzes ergangen.

Der Beschwerdeführer hat gegen das Urteil des Geschworenengerichts nach
Massgabe des damals geltenden Verfahrensrechts mit Eingabe vom 31. Dezember
2006 eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde gemäss Art. 268 ff. BStP erhoben. Er
hat gegen den Entscheid des Kassationsgerichts nach Massgabe des neuen
Verfahrensrechts mit Eingabe vom 7. Januar 2008 Beschwerde in Strafsachen
eingereicht. Mit einer weiteren Eingabe vom gleichen Tag hat er zudem unter
Berufung auf Art. 100 Abs. 6 BGG und auf eine entsprechende
Rechtsmittelbelehrung im Entscheid des Kassationsgerichts auch Beschwerde in
Strafsachen gegen das Urteil des Geschworenengerichts erhoben, welches er am
31. Dezember 2006 bereits mit eidgenössischer Nichtigkeitsbeschwerde
angefochten hatte. Er stellt in der Eingabe vom 7. Januar 2008 gegen das Urteil
des Geschworenengerichts im Wesentlichen dieselben Anträge wie in der
eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde und bezeichnet sie als Ergänzung zur
eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde, die er zum integrierenden Bestandteil
der neuen Eingabe erklärt.

1.2 Wenn der Entscheid eines oberen kantonalen Gerichts mit einem Rechtsmittel,
das nicht alle Rügen nach den Artikeln 95-98 BGG zulässt, bei einer
zusätzlichen kantonalen Gerichtsinstanz angefochten worden ist, so beginnt die
Beschwerdefrist erst mit der Eröffnung des Entscheids dieser Instanz (Art. 100
Abs. 6 BGG). Das Urteil des Geschworenengerichts ist im Sinne dieser Bestimmung
ein Entscheid eines oberen kantonalen Gerichts, der mit einem Rechtsmittel, das
nicht alle Rügen gemäss Art. 95-98 BGG zulässt, bei einer zusätzlichen
kantonalen Gerichtsinstanz, nämlich dem Kassationsgericht, angefochten worden
ist.

Allerdings ist das Urteil des Geschworenengerichts vor dem Inkrafttreten des
Bundesgerichtsgesetzes ergangen und daher übergangsrechtlich für sich genommen
mit eidgenössischer Nichtigkeitsbeschwerde anfechtbar (Art. 132 Abs. 1 BGG e
contrario), welche der Beschwerdeführer denn auch mit Eingabe vom 31. Dezember
2006 erhoben hat. Dies ist indessen nicht entscheidend. Massgebend ist, dass
der Entscheid des Kassationsgerichts nach dem Inkrafttreten des
Bundesgerichtsgesetzes ergangen ist, das Verfahren der Beschwerde gegen diesen
Entscheid sich somit nach dem Bundesgerichtgsgesetz richtet und dieses in Art.
100 Abs. 6 BGG die Mitanfechtung des Obergerichtsurteils zulässt. Art. 100 Abs.
6 BGG ist mithin auch anwendbar, wenn der mit einem ausserordentlichen
kantonalen Rechtsmittel angefochtene Entscheid des oberen kantonalen Gerichts
vor dem Inkrafttreten des Bundesgerichtsgesetzes ergangen ist. Mit der
Beschwerde gegen einen nach dem Inkrafttreten des Bundesgerichtsgesetzes
ergangenen Entscheid des kantonalen Kassationsgerichts kann somit auch das vor
dem Inkrafttreten des Bundesgerichtsgesetzes ergangene Obergerichtsurteil, das
Gegenstand des kantonalen Kassationsverfahrens bildete, mitangefochten werden
(BGE 133 III 687 E. 1.3 und E. 1.4; Urteil 6B_51/2007 vom 3. September 2007, E.
1).
1.3
1.3.1 Der Beschwerdeführer hat allerdings bereits mit Eingabe vom 31. Dezember
2006 das Urteil des Geschworenengerichts vom 25. August 2006 nach Massgabe des
damals geltenden Verfahrensrechts mit eidgenössischer Nichtigkeitsbeschwerde
wegen Verletzung eidgenössischen Rechts angefochten. Er hat sodann nach der
Zustellung des begründeten Entscheids des Kassationsgerichts, durch welchen
seine kantonale Nichtigkeitsbeschwerde abgewiesen wurde, mit zwei Eingaben vom
7. Januar 2008 einerseits den Entscheid des Kassationsgerichts und andererseits
das Urteil des Geschworenengerichts mit Beschwerde in Strafsachen angefochten,
wobei er die gegen das Urteil des Geschworenengerichts erhobene Eingabe als
Ergänzung der eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde bezeichnet, die er zum
integrierenden Bestandteil der neuen Eingabe erklärt. Es stellt sich somit die
Frage, wie unter derartigen Umständen prozessual zu verfahren ist.
1.3.2 Hätte der Beschwerdeführer, nachdem ihm der begründete Entscheid des
Kassationsgerichts zugestellt worden war, einzig diesen Entscheid und nicht
auch erneut das Urteil des Geschworenengerichts beim Bundesgericht angefochten,
so müsste die eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde, die er bereits am 31.
Dezember 2006 nach Massgabe des damals geltenden Verfahrensrechts gegen das
Urteil des Geschworenengerichts erhoben hat, vom Bundesgericht behandelt
werden. Aus den vorstehend zitierten Bundesgerichtsentscheiden ergibt sich
nicht, dass ein vor dem Inkrafttreten des Bundesgerichtsgesetzes ergangenes
Urteil des oberen kantonalen Gerichts im Falle der Einreichung einer dagegen
erhobenen kantonalen Nichtigkeitsbeschwerde allein mit einer Beschwerde gegen
den Entscheid des kantonalen Kassationsgerichts beim Bundesgericht (mit-)
angefochten werden kann und daher die bereits vorher erhobene eidgenössische
Nichtigkeitsbeschwerde gegen das Urteil des oberen kantonalen Gerichts
unzulässig wird. Andererseits kann es einem Beschwerdeführer, der bereits das
Urteil des oberen kantonalen Gerichts nach dem damals geltenden Verfahrensrecht
mit eidgenössischer Nichtigkeitsbeschwerde angefochten hat, nicht verwehrt
sein, in einer Beschwerde in Strafsachen gegen den Entscheid des
Kassationsgerichts auch das Urteil des oberen kantonalen Gerichts nochmals
anzufechten, zumal die Begründung des Kassationsgerichtsentscheids Anlass geben
kann, bestimmte Einwände gegen das Urteil des oberen kantonalen Gerichts nicht
mehr zu erheben und statt dessen andere Rügen vorzutragen.
1.3.3 Allerdings kann es gegebenenfalls nicht in Betracht kommen, die beiden
Eingaben eines Beschwerdeführers gegen ein vor dem Inkrafttreten des
Bundesgerichtsgesetzes ergangenes Urteil eines oberen kantonalen Gerichts als
zwei eigenständige Beschwerden in selbständigen Verfahren zu beurteilen.
Vielmehr sind die beiden Eingaben als eine einzige Beschwerde zu behandeln.
Dabei ist in der Regel die erste, als eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde
eingereichte Eingabe als Bestandteil der zweiten, als Beschwerde in Strafsachen
eingereichte Eingabe zu betrachten und ist diese Beschwerde, soweit auch der
Entscheid des Kassationsgerichts mit Beschwerde in Strafsachen angefochten
wird, als Bestandteil dieses Rechtsmittels anzusehen, durch welches somit neben
dem Entscheid des Kassationsgerichts das Urteil des oberen kantonalen Gerichts
mitangefochten wird.
1.3.4 Dies bedeutet im vorliegenden Fall Folgendes: Die eidgenössische
Nichtigkeitsbeschwerde vom 31. Dezember 2006 gegen das Urteil des
Geschworenengerichts ist als Bestandteil der Beschwerde in Strafsachen vom 7.
Januar 2008 gegen das Urteil des Geschworenengerichts zu betrachten, und diese
Beschwerde ist als Bestandteil der Beschwerde in Strafsachen vom 7. Januar 2008
gegen den Entscheid des Kassationsgerichts zu behandeln, durch welchen das
Urteil des Geschworenengerichts mitangefochten wird. Alle drei Eingaben des
Beschwerdeführers an das Bundesgericht sind somit verfahrensrechtlich als
Bestandteile einer einzigen Beschwerde in Strafsachen anzusehen, die sich zum
einen gegen den Entscheid des Kassationsgerichts vom 12. November 2007 und zum
andern gegen das Urteil des Geschworenengerichts vom 25. August 2006 richtet.
Gleichwohl werden die drei Eingaben zum besseren Verständnis in den folgenden
Erwägungen teilweise separat behandelt.

2.
2.1
2.1.1 Gemäss der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft begab sich der
Polizeibeamte A.________ gemeinsam mit drei weiteren Polizeibeamten am 8. April
2004, um ca. 04.00 Uhr, zum Wohnort des Beschwerdeführers, nachdem bei der
Polizei eine Meldung einer Drittperson betreffend dessen Suizidabsichten
eingegangen war. Dem Beschwerdeführer wird vorgeworfen, er habe, nachdem der
Polizeibeamte A.________, der Zivilkleidung trug, mehrmals geklingelt, gerufen
und an die Haustüre geklopft habe, aus einem Fenster im ersten Stock des von
ihm bewohnten Hauses mit einer Pistole in Richtung der Hauseingangstüre gezielt
und bewusst und gewollt eine Patrone in Richtung des dort stehenden
Polizeibeamten A.________, den er für einen Einbrecher hielt, abgefeuert, wobei
das Geschoss allerdings niemanden traf.
2.1.2 Der Beschwerdeführer stellte im kantonalen Verfahren nicht in Abrede,
dass er bewusst und gewollt einen Schuss abgab. Er machte aber geltend, er habe
aus dem Fenster geradeaus schiessen wollen, doch sei er unmittelbar bei der
Schussabgabe vom Podest, auf dem er gestanden sei, auf den ersten Treppenabsatz
abgerutscht, so dass er anstatt geradeaus ungewollt in Richtung der Lärmquelle,
d.h. die am Hauseingang stehende Person, geschossen habe. Der Beschwerdeführer
beantragte vor dem Geschworenengericht zur Untermauerung dieser Darstellung
sowie zur Bestimmung der Flugbahn des Projektils die Einholung eines
ballistischen Ergänzungsgutachtens.

Das Geschworenengericht hat die Darstellung des Beschwerdeführers als völlig
unglaubhaft qualifiziert und festgestellt, dass er nicht abgerutscht war,
sondern den Schuss mit Wissen und Willen in Richtung der am Hauseingang
stehenden Person abgefeuert hatte. Es stützte diese Feststellung im
Wesentlichen auf die Zeugenaussagen der vier Polizeibeamten einerseits sowie
auf das Aussageverhalten des Beschwerdeführers andererseits. Die Einholung des
beantragten ballistischen Ergänzungsgutachtens lehnte es ab.
2.1.3 In seiner kantonalen Nichtigkeitsbeschwerde an das Kassationsgericht des
Kantons Zürich machte der Beschwerdeführer geltend, dass die Beweiswürdigung
des Geschworenengerichts willkürlich sei, teilweise auf aktenwidrigen Annahmen
beruhe und gegen die Maxime "in dubio pro reo" verstosse. Zudem sei sein
Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt worden.

Das Kassationsgericht hat alle Rügen, soweit sie überhaupt ausreichend
substantiiert waren, als unbegründet erachtet und daher die kantonale
Nichtigkeitsbeschwerde abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden konnte.

2.2 Der Beschwerdeführer macht in seiner Beschwerde in Strafsachen gegen den
Entscheid des Kassationsgerichts allgemein geltend, dieses habe eine Verletzung
seines Anspruchs auf rechtliches Gehör durch das Geschworenengericht zu Unrecht
verneint, damit die willkürliche Beweiswürdigung seitens des
Geschworenengerichts nicht korrigiert und den Grundsatz "in dubio pro reo"
weiterhin verletzt. Somit stütze sich der Entscheid des Kassationsgerichts auch
auf eine unrichtige Feststellung des Sachverhalts, da in Verletzung von Art. 29
BV nicht alle notwendigen Beweise zur Klärung des Sachverhalts abgenommen
worden seien. Der Beschwerdeführer macht in diesem Zusammenhang konkret
geltend, das Geschworenengericht habe seinen Beweisantrag auf Einholung eines
ballistischen Ergänzungsgutachtens zu Unrecht abgelehnt und das
Kassationsgericht habe die in der kantonalen Nichtigkeitsbeschwerde dagegen
erhobenen Einwände zu Unrecht als unbegründet beziehungsweise nicht ausreichend
substantiiert erachtet. Im Weiteren macht der Beschwerdeführer geltend, das
Kassationsgericht habe eine willkürliche Beweiswürdigung seitens des
Geschworenengerichts, namentlich eine willkürliche Würdigung der Aussagen des
Polizeibeamten A.________ und seines eigenen Aussageverhaltens, zu Unrecht
nicht korrigiert.
2.3
2.3.1 Das Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes der Stadtpolizei Zürich vom
21. Dezember 2005 kam gestützt auf zahlreiche Schiessversuche zum Ergebnis,
dass der Schuss, welchen der Beschwerdeführer vom Fenster aus abgab, aufgrund
der Position der dessen Waffe zuzuordnenden Patronenhülse in Richtung der
Haustüre abgefeuert worden war (kant. Akten act. 16/7 S. 7, 13). Das Gutachten
war von B.________ und C.________ erstellt worden. Die Staatsanwaltschaft und
die Verteidigung beantragten übereinstimmend deren Befragung als Zeugen in der
Hauptverhandlung. Dem Antrag wurde stattgegeben. C.________ und B.________
konnten jedoch wegen Auslandabwesenheit nicht an der Hauptverhandlung
erscheinen. Deshalb wurde das ballistische Gutachten mit dem Einverständnis des
Geschworenengerichtspräsidenten von D.________ erläutert. Dieser konnte
allerdings verschiedene Fragen, die ihm von der Verteidigung gestellt wurden,
nicht beantworten. Im Anschluss an die Befragung von D.________ beantragte die
Verteidigung in der Hauptverhandlung die Einholung eines ballistischen
Ergänzungsgutachtens, was abgelehnt wurde.
2.3.2 Der Beschwerdeführer legt nicht dar, welche konkreten Fragen, die seines
Erachtens rechtlich erheblich sind, D.________ mangels eines speziellen
Expertenwissens auf dem Gebiet der Ballistik nicht habe beantworten können. Er
legt auch nicht dar, weshalb und inwiefern für die Beantwortung der ihn
interessierenden Frage, ob die Hand, in welcher er die Pistole hielt, im
Augenblick der Schussabgabe - wie er behauptete - unmittelbar am Fenstersims
angelehnt gewesen sein musste, damit das abgeschossene Projektil überhaupt die
Abprallstelle treffen konnte, im konkreten Fall unter den gegebenen Umständen
ein spezielles Expertenwissen auf dem Gebiet der Ballistik erforderlich sei.

Die Rüge der Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör ist daher insoweit
nicht rechtsgenüglich begründet.
2.3.3
2.3.3.1 Der Beschwerdeführer wollte mit dem von ihm beantragten ballistischen
Ergänzungsgutachten den Beweis erbringen, dass seine Hand, in welcher er die
Pistole hielt, im Augenblick der Schussabgabe unmittelbar am Fenstersims
gewesen sei. Dieser Umstand würde nach seiner Meinung die Darstellung stützen,
dass er im Moment der Schussabgabe vom Podest, auf dem er stand, auf den ersten
Treppenabsatz abgerutscht sei.

In tatsächlicher Hinsicht ist unstreitig davon auszugehen, dass das Projektil
zwischen der Hauswand und einem Geländer passieren musste, um auf die bekannte
Abprallstelle zu treffen. Unstreitig ist das Geländer 8 cm und die
Abprallstelle 3 cm von der Hauswand entfernt. Fest steht zudem, dass das
Fenstersims ca. 8 cm über die Hauswand hinausragt und dass das Fenster, von dem
aus der Beschwerdeführer unstreitig den Schuss abgab, ca. 150 cm (linker
Fensterrand aus der Sicht des Schützen) bis 240 cm (rechter Fensterrand) von
der Abprallstelle entfernt ist. Aufgrund dieser Daten ermittelte das
Geschworenengericht, dass die Hand, in welcher der Beschwerdeführer die Pistole
hielt, im Augenblick der Schussabgabe - je nach dem Standort des
Beschwerdeführers am Fenster - ca. 20 - 35 cm über das Fenstersims hinausragen
konnte und somit entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers nicht am
Fenstersims angelehnt sein musste, damit das Projektil die Abprallstelle
treffen konnte (siehe Urteil des Geschworenengerichts S. 45-47).
2.3.3.2 Der Beschwerdeführer wandte in seiner kantonalen Nichtigkeitsbeschwerde
ein, die diesbezüglichen Berechnungen, welche das Geschworenengericht in seinem
Urteil (S. 45 ff.) anstellte und durch eine Skizze veranschaulichte, seien
nicht nachvollziehbar und nicht überprüfbar. Das Kassationsgericht hielt dazu
fest, dass die Beschwerde insoweit den Begründungsanforderungen nicht genüge.
Es wäre Sache des Beschwerdeführers gewesen darzulegen, welche konkreten
Überlegungen des Geschworenengerichts nicht nachvollziehbar seien. Eine bloss
pauschale Behauptung genüge nicht, weshalb insoweit auf die Beschwerde nicht
einzutreten sei (Entscheid des Kassationsgerichts S. 20 f.).
2.3.3.3 Dagegen wird in der Beschwerde in Strafsachen eingewendet, die
Verteidigerin sei mathematisch zu wenig versiert, um die Berechnungen des
Geschworenengerichts nachvollziehen und sich damit konkret auseinander setzen
zu können, und aus diesem Grunde habe sie die Berechnungen des
Geschworenengerichts auch in der kantonalen Nichtigkeitsbeschwerde nicht
substantiiert widerlegen können. Das Kassationsgericht werfe ihr daher zu
Unrecht vor, nicht im Detail dargelegt zu haben, welche konkreten Überlegungen
bei den Berechnungen des Geschworenengerichts nicht überprüfbar seien, und es
schütze damit die willkürliche Beweiswürdigung seitens des
Geschworenengerichts.

Die Rüge ist unbegründet. Die mit einer Skizze veranschaulichten Berechnungen
des Geschworenengerichts sind verständlich und nachvollziehbar. Einer
mathematischen Versiertheit bedarf es hiefür nicht. Es ging dabei allein um die
Behauptung des Beschwerdeführers, dass die Hand, in welcher er die Pistole
hielt, im Augenblick der Schussabgabe unmittelbar am Fenstersims angelehnt
gewesen sein musste, damit das Projektil überhaupt zwischen der Hauswand und
dem Geländer hindurch auf die unbestrittene Abprallstelle gelangen konnte. Das
Geschworenengericht hat diese Behauptung verständlich und nachvollziehbar
widerlegt.

Die diesbezüglichen Feststellungen des Geschworenengerichts beruhen insoweit
entgegen den weiteren Einwänden des Beschwerdeführers auch nicht auf blossen
Schätzungen beziehungsweise hypothetischen Annahmen. Es steht fest, dass die
Entfernung zwischen der Abprallstelle und dem Fenster, aus welchem der
Beschwerdeführer unstreitig den Schuss abgab, ca. 150 cm (linker Fensterrand
aus der Sicht des Schützen) bis ca. 240 cm (rechter Fensterrand) beträgt.
Unbekannt ist allerdings, ob sich die Hand des Beschwerdeführers im Augenblick
der Schussabgabe eher in der Nähe des linken oder aber des rechten
Fensterrandes oder allenfalls in der Mitte des Fensters befand. Dies ist
indessen unerheblich, weil unabhängig davon die Hand im Augenblick der
Schussabgabe nicht unmittelbar am Fenstersims gewesen sein musste, sondern, je
nachdem, bis ca. 35 cm beziehungsweise bis ca. 20 cm vom Fenstersims entfernt
gewesen sein konnte, damit das abgeschossene Projektil zwischen der Hauswand
und dem Geländer hindurch auf die Abprallstelle treffen konnte.

2.4 Das Geschworenengericht hat die Darstellung des Beschwerdeführers, dass er
im Moment der Schussabgabe vom Podest auf den ersten Treppenabsatz abgerutscht
sei und daher statt geradeaus ungewollt in Richtung des Hauseingangs und der
dort stehenden Person geschossen habe, als völlig unglaubhaft qualifiziert. Es
hat diese Würdigung ausführlich begründet und unter anderem darauf hingewiesen,
dass die diesbezüglichen Schilderungen des Beschwerdeführers im Verlauf des
Verfahrens bis zur Hauptverhandlung immer detaillierter geworden seien, was
unter anderem deshalb befremdend wirke, weil der Beschwerdeführer sich an die
übrigen Umstände meist nicht einmal ansatzweise habe erinnern können.

Auf die in der kantonalen Nichtigkeitsbeschwerde dagegen erhobenen Einwände ist
das Kassationsgericht mangels ausreichender Begründung nicht eingetreten. Der
Beschwerdeführer legt in seiner Beschwerde in Strafsachen nicht dar, inwiefern
dadurch verfassungsmässige Rechte verletzt worden seien. Was er dazu vorbringt
(Beschwerde S. 11 f. Ziff. 7), erschöpft sich im Übrigen in einer
appellatorischen Kritik, die zur Begründung einer Willkürrüge nicht genügt.

2.5 Der Beschwerdeführer hatte in seiner kantonalen Nichtigkeitsbeschwerde die
Würdigung der Zeugenaussagen des Polizeibeamten A.________ durch das
Geschworenengericht als willkürlich kritisiert. Das Kassationsgericht hat diese
Kritik als unbegründet abgewiesen. Dass der Beschwerdeführer seinen rechten Arm
mit der Schusswaffe, den er zunächst geradeaus aus dem Fenster hielt, gemäss
einer Aussage des Zeugen A.________ "ziemlich schnell" nach links (in Richtung
des Hauseingangs) drehte, spricht nach der Auffassung des Kassationsgerichts
nicht für die Darstellung des Beschwerdeführers, dass er abgerutscht sei. Auch
eine kontinuierliche Bewegung könnte "ziemlich schnell" erfolgt sein (Entscheid
des Kassationsgerichts S. 6).

Der Beschwerdeführer macht geltend, das Kassationsgericht verkenne dabei den
Umstand, dass er stark alkoholisiert gewesen sei. Es sei gerichtsnotorisch,
dass eine stark alkoholisierte Person eher verlangsamt als zügig
beziehungsweise sehr schnell reagiere. Damit habe das Kassationsgericht den
Sachverhalt willkürlich zu seinen Ungunsten ausgelegt (Beschwerde S. 11 Ziff.
6).

Der Einwand ist nicht ohne weiteres verständlich, nachdem der Beschwerdeführer
selber im Verfahren vor dem Kassationsgericht gerade daraus, dass er gemäss
einer Aussage des Zeugen A._______ den Arm "ziemlich schnell" bewegt habe,
etwas zu seinen Gunsten ableiten wollte (siehe kantonale Nichtigkeitsbeschwerde
S. 4 Ziff. 3 dritter Absatz). Möglicherweise will der Beschwerdeführer aber zum
Ausdruck bringen, dass die ziemlich schnelle Armbewegung deshalb für das
behauptete Abrutschen spreche, weil eine alkoholisierte Person normalerweise,
ohne Abrutschen, eher verlangsamt handle. Wie es sich damit verhält, kann
indessen dahingestellt bleiben, da sich der Einwand ohnehin in einer blossen
appellatorischen Kritik erschöpft, die zur Begründung der Rüge der
willkürlichen Beweiswürdigung nicht genügt.

2.6 Der Beschwerdeführer macht in seiner Beschwerde vom 7. Januar 2008 gegen
den Entscheid des Kassationsgerichts abschliessend geltend, die
Notwehrsituation habe sich entgegen den Ausführungen im Urteil des
Geschworenengerichts (S. 58) nicht nur auf das Haus (und somit auf das
Eigentum), sondern auch auf seine körperliche Integrität bezogen, da er, falls
er aus dem Fenster geschaut hätte, woran er sich allerdings nicht mehr
erinnere, am Hauseingang zwei bewaffnete Männer gesehen hätte, die
möglicherweise ihre Schusswaffe gar gegen ihn gerichtet haben konnten
(Beschwerde S. 12 f. Ziff. 8).

Auf die Beschwerde ist in diesem Punkt schon deshalb nicht einzutreten, weil
der Beschwerdeführer in seiner kantonalen Nichtigkeitsbeschwerde vom 22. Januar
2007 keine entsprechende Rügen vorgetragen und das Kassationsgericht sich denn
auch in seinem Entscheid mit solchen Fragen nicht befasst hat, so dass es
insoweit an einem letztinstanzlichen kantonalen Entscheid fehlt.

3.
Der Beschwerdeführer ficht das Urteil des Geschworenengerichts erstens in
seiner als (eidgenössische) "Nichtigkeitsbeschwerde" bezeichneten Eingabe vom
31. Dezember 2006 und zweitens in seiner als "Beschwerde in Strafsachen"
bezeichneten Eingabe vom 7. Januar 2008 beim Bundesgericht an.

3.1 Der Beschwerdeführer erhebt in seiner Beschwerde in Strafsachen vom 7.
Januar 2008 gegen das Urteil des Geschworenengerichts unter den Ziffern II.1 -
9 (S. 6-15) im Wesentlichen dieselben Rügen wie in seiner Beschwerde in
Strafsachen vom gleichen Tag gegen den Entscheid des Kassationsgerichts. Die
beiden Beschwerden stimmen insoweit grösstenteils wörtlich miteinander überein.
Der Beschwerdeführer wirft dem Geschworenengericht willkürliche Beweiswürdigung
sowie Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör vor. Diese Rügen sind
unzulässig, da sie mit der kantonalen Nichtigkeitsbeschwerde an das
Kassationsgericht des Kantons Zürich erhoben werden konnten und daher das
Urteil des Geschworenengerichts insoweit kein letztinstanzlicher kantonaler
Entscheid ist. Der Beschwerdeführer muss vielmehr in der Beschwerde in
Strafsachen gegen den Entscheid des Kassationsgerichts darlegen, weshalb und
inwiefern dieses eine willkürliche Beweiswürdigung und eine Verletzung seines
Anspruchs auf rechtliches Gehör durch das Geschworenengericht zu Unrecht
verneint habe beziehungsweise auf entsprechende Rügen in der kantonalen
Nichtigkeitsbeschwerde zu Unrecht nicht eingetreten sei. Der Beschwerdeführer
hat derartige Rügen denn auch in seiner Beschwerde in Strafsachen vom 7. Januar
2008 gegen den Entscheid des Kassationsgerichts erhoben (siehe dazu E. 2
hievor). Auf die in der Eingabe vom 7. Januar 2008 unter den Ziffern II.1-9 (S.
6-15) gegen das Urteil des Geschworenengerichts erhoben Rügen ist daher nicht
einzutreten.
3.2
3.2.1 Der Beschwerdeführer macht in seiner Beschwerde in Strafsachen vom 7.
Januar 2008 gegen das Urteil des Geschworenengerichts unter den Ziffern II.
10-12 (S. 15-18) geltend, er habe entgegen der Auffassung des
Geschworenengerichts nicht mit dem Eventualvorsatz der Tötung gehandelt.
Allenfalls sei ihm vorzuwerfen, in pflichtwidriger Unvorsichtigkeit zur Abwehr
eines vermeintlich unrechtmässigen Angriffs gegen die Lärmquelle bei der
Hauseingangstür geschossen und dabei gehofft zu haben, niemanden zu töten oder
zu verletzen. Sein Verhalten hätte bloss mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit
zu einer Verletzung, aber nicht zwingend zur Tötung des Geschädigten führen
können, auch wenn die Schussabgabe aus relativ naher Distanz erfolgt sei. Er
habe auch überhaupt kein Motiv gehabt, einen sich ausserhalb seines Hauses
aufhaltenden (vermeintlichen) Einbrecher zu töten. Er habe die mutmasslichen
Einbrecher mit einem Warnschuss aus dem Fenster verjagen wollen. Er habe sie
nicht töten wollen und eine allfällige Tötung auch nicht in Kauf genommen.
Daher habe er sich nicht des eventualvorsätzlichen Tötungsversuchs schuldig
gemacht. Allenfalls sei ihm eine versuchte Gefährdung des Lebens oder eventuell
eine versuchte fahrlässige Tötung anzulasten. Er wirft dem Geschworenengericht
vor, dass es sich mit der Frage der Abgrenzung zwischen Eventualvorsatz und
bewusster Fahrlässigkeit überhaupt nicht befasst und sich mit den hiefür
relevanten Umständen nicht auseinander gesetzt habe. Im Zeitpunkt der
Schussabgabe habe er eine Blutalkoholkonzentration von 2 o/oo aufgewiesen. Der
psychiatrische Gutachter habe ihm in Bezug auf den Vorwurf der versuchten
vorsätzlichen Tötung eine Beeinträchtigung der Steuerungsfähigkeit in hohem
Grade attestiert. Zu den für die Abgrenzung von Eventualvorsatz und bewusster
Fahrlässigkeit erheblichen Umständen gehöre auch das Handlungsmotiv, das allein
darin bestanden habe, die vermeintlichen Einbrecher zu verjagen.

Der Beschwerdeführer bestreitet auch in seiner eidgenössischen
Nichtigkeitsbeschwerde vom 31. Dezember 2006 unter den Ziffern II.4-8 (S. 6-9)
den Eventualvorsatz der Tötung. Das Geschworenengericht habe sich darauf
beschränkt, den Eventualvorsatz aus dem "erstellten äusseren Sachverhalt"
abzuleiten, der sich allerdings darin erschöpfe, dass er aus kurzer Distanz
einen Schuss in Richtung eines Menschen abgegeben habe. Richtigerweise müssten
aber nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts die gesamten Umstände
berücksichtigt werden, was das Geschworenengericht zu Unrecht ausser Acht
gelassen habe. Zu diesen Umständen gehöre neben dem Handlungsmotiv auch das
"Nachtatverhalten". Er habe sich nach der Schussabgabe ins Haus zurückgezogen,
ohne irgendwelche Massnahmen zu ergreifen. Dies spreche offensichtlich dafür,
dass er nicht damit gerechnet habe, bei der Schussabgabe jemanden tödlich
getroffen zu haben. Hätte er in Kauf genommen, jemanden zu verletzen oder zu
töten, so hätte er sich - wovon nach der allgemeinen Lebenserfahrung auszugehen
sei - anschliessend über den Erfolg seines Handelns vergewissert und sicher
nicht in Kauf genommen, einen sterbenden oder getöteten Menschen vor seiner
Haustür liegen zu lassen.
3.2.2 Das Geschworenengericht hat sich in der Tat nicht eingehend mit dem
subjektiven Tatbestand und somit mit der Frage befasst, ob dem Beschwerdeführer
in Bezug auf einen allfälligen Tötungserfolg Eventualvorsatz oder aber
lediglich bewusste Fahrlässigkeit vorzuwerfen sei. Es hat den
Tötungseventualvorsatz mit einer knappen Begründung bejaht (siehe Urteil des
Geschworenengerichts S. 52, 53, 57), im Wesentlichen mit dem Argument, wer wie
der Beschwerdeführer bewusst und gewollt aus kürzester Distanz in Richtung
einer Person schiesse, nehme dabei zweifellos in Kauf, dass er diese tödlich
verletze. Diese knappe Begründung ist indessen in einem Fall der vorliegenden
Art nicht zu beanstanden. Der Beschwerdeführer hat mit Wissen und Willen aus
einer kurzen Entfernung von ca. 2 - 3 Metern aus dem Fenster im ersten Stock
seines Hauses in Richtung der "Lärmquelle" beim Hauseingang und damit in
Richtung des dort stehenden Menschen, den er für einen Einbrecher hielt, einen
Schuss aus einer Pistole abgegeben. Indem er dies tat, nahm er eine tödliche
Verletzung im Falle ihres Eintritts im Sinne des Eventualvorsatzes in Kauf,
mochte ihm eine solche allenfalls auch unerwünscht sein. Bei der Abgabe eines
Schusses aus so naher Entfernung in Richtung eines Menschen kann angesichts der
Art der Tathandlung nicht ernsthaft in Betracht gezogen werden, dass in Bezug
auf einen allfälligen Tötungserfolg lediglich bewusste Fahrlässigkeit
vorgelegen und sich der Vorsatz höchstens allenfalls auf eine Gefährdung des
Lebens gerichtet habe. Der vorliegende Fall unterscheidet sich wesentlich von
dem in der Beschwerde (Ziffer II.11 S. 10) erwähnten Fall eines Mannes, der auf
eine Türe schoss im Wissen darum, dass sich im dahinterliegenden Raum Menschen
aufhielten, was das Geschworenengericht des Kantons Zürich in einem Urteil vom
4. November 1997 (ZR 97/1998 Nr. 53) als versuchte Gefährdung des Lebens
qualifiziert hat. Die schwere Verminderung der Zurechnungsfähigkeit, welche das
Geschworenengericht, dem psychiatrischen Gutachten folgend, dem
Beschwerdeführer zugebilligt hat (Urteil des Geschworenengerichts E. IV.3.4.4
S. 68), berührt die Frage des Eventualvorsatzes nicht.

Die Bejahung des Eventualvorsatzes in Bezug auf eine allfällige Tötung, der
unstreitig auch für einen Schuldspruch wegen vollendeten Tötungsversuchs
genügt, verstösst daher nicht gegen Bundesrecht.
3.3
3.3.1 Das Geschworenengericht ging entsprechend der Anklage davon aus, dass der
Beschwerdeführer den Menschen am Hauseingang, in dessen Richtung er einen
Schuss abgab, für einen Einbrecher hielt. Es billigte dem Beschwerdeführer
daher zu, er habe mit Notwehrwillen gehandelt. Dem Beschwerdeführer sei es bei
der Schussabgabe um eine Abwehr gegangen, um die "Verteidigung seines Hauses"
(Urteil des Geschworenengerichts S. 58). Objektiv habe allerdings
offensichtlich keine Notwehrlage bestanden (Urteil des Geschworenengerichts S.
59), doch habe der Beschwerdeführer sachverhaltsirrtümlich eine solche
angenommen (Urteil des Geschworenengerichts S. 60). Die Abgabe eines Schusses
in Richtung des vermeintlichen Einbrechers beim Hauseingang stelle indessen
eine Überschreitung der Grenzen der Notwehr und somit einen Notwehrexzess dar.
Der (vermeintliche) Angriff der Einbrecher habe sich bloss gegen das Eigentum
des Beschwerdeführers gerichtet, während dessen Abwehr auf die körperliche
Integrität (Leib und Leben) gezielt gewesen sei. Die Schussabgabe in Richtung
des vermeintlichen Einbrechers sei daher völlig unverhältnismässig gewesen
(Urteil des Geschworenengerichts S. 60 f.).
3.3.2 Der Beschwerdeführer macht in seiner eidgenössischen
Nichtigkeitsbeschwerde vom 31. Dezember 2006 geltend, entgegen der Auffassung
der Vorinstanz liege kein Notwehrexzess vor. Es sei nämlich in tatsächlicher
Hinsicht zu seinen Gunsten davon auszugehen, dass die am Hauseingang stehende
Person, die er für einen Einbrecher gehalten habe, eine Schusswaffe gegen ihn
gerichtet habe und er somit auch mit einem Angriff gegen sein Leben bedroht
gewesen sei. Zwar habe er im Verfahren konstant ausgesagt, dass er niemanden
bei der Hauseingangstür gesehen beziehungsweise gar nicht in jene Richtung
geschaut habe. Er habe indessen von Anfang an eine Erinnerungslücke bezüglich
des Geschehens geltend gemacht. Er könne gemäss den Erkenntnissen des
psychiatrischen Gutachters am fraglichen Morgen alles Mögliche gesehen haben,
nur wisse er es nicht mehr. Der Beschwerdeführer meint, unter Berücksichtigung
dieser Erinnerungslücke sei zu seinen Gunsten davon auszugehen, dass er bei
seinem Blick aus dem Fenster in Richtung Hauseingang zwei Männer in
Zivilkleidern, nämlich (vermeintliche) Einbrecher, gesehen haben müsse, von
welchen mindestens einer die Schusswaffe aus der kurzen Distanz von 1 ½ - 2
Metern direkt gegen ihn gerichtet habe. Er habe unter anderem in Anbetracht der
durch das heftige Poltern gegen die Haustüre signalisierten Gewaltbereitschaft
der vermeintlichen Einbrecher davon ausgehen müssen, dass ein Angriff mit der
gegen ihn gerichteten Schusswaffe unmittelbar bevorgestanden habe. Bei dieser
Sachlage habe er einen Schuss in Richtung des vermeintlichen Angreifers abgeben
dürfen (eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde vom 31. Dezember 2006, Ziffern
II.13 ff. S. 11 ff.).

Diese Einwände hat der Beschwerdeführer auch vor dem Geschworenengericht
eventualiter vorgetragen. Das Geschworenengericht ist diesem Eventualstandpunkt
nicht gefolgt. Der Beschwerdeführer hätte bei der behaupteten Sachlage nämlich
auch den uniformierten Polizeibeamten E.________ sehen müssen, was er aber
stets bestritten habe. Ebenso spreche der ganze Handlungsablauf, wie der
Beschwerdeführer seine Waffe zuerst geradeaus und dann auf den Hauseingang
gerichtet habe, gegen die Annahme, er habe zuerst eine Waffe wahrgenommen und
sich erst dann zur Schussabgabe entschlossen (Urteil des Geschworenengerichts
S. 62).

Das Geschworenengericht stellt damit fest, der Beschwerdeführer habe den Schuss
nicht erst abgegeben, nachdem er eine auf ihn gerichtete Schusswaffe
wahrgenommen habe. Diese Feststellung ist tatsächlicher Natur. Der
Beschwerdeführer hätte sie in seiner kantonalen Nichtigkeitsbeschwerde an das
Kassationsgericht anfechten können. Dies hat er jedoch unterlassen (siehe E.
2.6 hievor).

3.4 Der Beschwerdeführer ficht in seiner eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde
vom 31. Dezember 2006 gegen das Urteil des Geschworenengerichts abschliessend
die Strafzumessung an (Ziffer II.16 ff. S. 13 ff.). Er nennt einige Umstände,
die seines Erachtens zu seinen Gunsten sprechen. Das Geschworenengericht habe
gewisse Strafzumessungskriterien ausser Acht gelassen beziehungweise zu wenig
zu seinen Gunsten gewichtet.

Zur Hauptsache macht der Beschwerdeführer geltend, dass es überhaupt nur wegen
des "ungeschickten" Verhaltens der Polizeibeamten zur Schussabgabe gekommen sei
und dieses "Mitverschulden" der Polizeibeamten strafmindernd hätte
berücksichtigt werden müssen. Dem Beschwerdeführer wurde indessen gerade auch
wegen des von ihm kritisierten Vorgehens der Polizeibeamten zugebilligt, er
habe irrtümlich angenommen, es mit Einbrechern zu tun zu haben, womit
grundsätzlich eine Notwehrlage gegeben war. Andererseits hat der
Beschwerdeführer offensichtlich nichts unternommen, um sich Klarheit zu
verschaffen, dass in Tat und Wahrheit Polizeibeamte vor seinem Haus standen,
was nicht schwierig gewesen wäre.

Der Beschwerdeführer meint, dass sich die ihm vom psychiatrischen Gutachter
bescheinigte geringe kriminelle Energie ebenfalls strafmindernd auswirken
sollte. Damit legt er indessen nicht rechtsgenüglich dar, inwiefern das
Geschworenengericht Umstände, welche die Frage der kriminellen Energie
betreffen, bei der Bemessung der Strafe zu seinen Lasten offensichtlich falsch
gewichtet habe.

Der Beschwerdeführer macht schliesslich geltend, sein Verschulden werde durch
die ihm zugebilligte schwere Verminderung der Schuldfähigkeit stark
relativiert. Dies ist richtig. Das Geschworenengericht hat denn auch erwogen,
dass die schwere Verminderung der Schuldfähigkeit eine Reduktion der Strafe um
drei Viertel rechtfertigt (Urteil des Geschworenengerichts S. 71/72). Inwiefern
bei der gebotenen Berücksichtigung der gesamten Umstände die vom
Geschworenengericht ausgefällte Strafe von zwei Jahren Gefängnis
bundesrechtswidrig zu hoch sei, ist nicht ersichtlich.

4.
Die vom Beschwerdeführer in insgesamt drei Eingaben erhobene Beschwerde in
Strafsachen gegen den Entscheid des Kassationsgerichts des Kantons Zürich vom
12. November 2007 und gegen das Urteil des Geschworenengerichts des Kantons
Zürich vom 25. August 2006 ist somit abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.

Der Beschwerdeführer ersucht um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. Das
Gesuch ist abzuweisen, da die Eingaben des Beschwerdeführers keine Aussicht auf
Erfolg hatten. Der Beschwerdeführer hat daher die bundesgerichtlichen Kosten zu
zahlen. Bei deren Bemessung ist seinen angespannten finanziellen Verhältnissen
Rechnung zu tragen.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde gegen den Entscheid des Kassationsgerichts des Kantons Zürich
vom 12. November 2007 und gegen das Urteil des Geschworenengerichts des Kantons
Zürich vom 25. August 2006 wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abgewiesen.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 4'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, der Staatsanwaltschaft des Kantons
Zürich, dem Geschworenengericht des Kantons Zürich und dem Kassationsgericht
des Kantons Zürich schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 23. Mai 2008
Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Schneider Näf