Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, NB in Strafsachen 6S.7/2007
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{T 0/2}
6S.7/2007
6P.9/2007 /rom

Urteil vom 24. April 2007
Kassationshof

Bundesrichter Schneider, Präsident,
Bundesrichter Mathys, Ferrari,
Gerichtsschreiberin Binz.

Y. ________,
Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Dölf Wyss,

gegen

Staatsanwaltschaft des Kantons Graubünden, Sennhofstrasse 17, 7001 Chur,
Kantonsgericht von Graubünden, Kantonsgerichtsausschuss, Poststrasse 14,
7002 Chur.

6P.9/2007
Strafverfahren; Willkür, Grundsatz in dubio pro reo, rechtliches Gehör,

6S.7/2007
Fahrlässige schwere Körperverletzung,

Staatsrechtliche Beschwerde (6P.9/2007) und Nichtigkeitsbeschwerde
(6S.7/2007) gegen das Urteil des Kantonsgerichts von Graubünden,
Kantonsgerichtsausschuss, vom 21. Juni 2006.
Sachverhalt:

A.
Am 1. Februar 2003 führte der Skiklub A.________ auf der FIS-Rennpiste der
Bergbahnen B.________ AG einen alpinen Riesenslalom durch. Der Start befand
sich bei der Bergstation der Gondelbahn. Der Startbereich und die
anschliessende Rennstrecke lagen abseits der öffentlichen Skipiste und waren
mit sogenannten Schafszäunen abgesperrt. Im zweiten Teil der Strecke wurde
rechtsseitig zur angrenzenden öffentlichen Skipiste durchgehend mit diesen
Netzen abgesichert. Diese Absperrung reichte bis ca. 50 Meter unter die
Ziellinie, wobei der Zielraum nach unten hin offen gelassen wurde. Die Breite
des Zielgeländes betrug ca. 50 bis 60 Meter. Der gesamte Zielbereich lag in
steilem, nicht flach auslaufendem Gelände. Anlässlich der
Streckenbesichtigung vor dem Rennen wurde auf Anweisung des Schiedsrichters
unter anderem die Zieleinfahrt um ca. 15 Meter nach oben verschoben, damit
die Rennläufer nicht über die sich ca. 25 Meter nach der Ziellinie befindende
kleine Kuppe, welche die Sicht auf den folgenden Steilhang einschränkte,
springen würden.
Am Rennen beteiligten sich 53 Fahrer. Kurz vor 14.20 Uhr startete C.________,
geb. 23. Juni 1987, als einer der letzten Rennläufer. Er passierte das Ziel,
richtete sich auf, machte vorerst einen leichten Linksschwung und leitete
anschliessend einen langgezogenen Rechtsschwung ein. In der Folge kollidierte
er ca. 150 Meter nach dem Ziel bzw. rund 100 Meter unterhalb des
Absperrnetzes heftig mit dem 8 ? Jahre alten D.________, der diagonal von
rechts kommend hinunter Richtung Mittelstation fuhr. Dieser zog sich schwere
Verletzungen mit zum Teil bleibenden Schäden zu (Schädelhirntrauma mit
Fraktur der vorderen Schädelgrube, Blut in Nasennebenhöhlen und Lufteinflüsse
im Gehirn, Augenverletzung links mit Sehkraftverlust und einen
Trommelfellriss).

B.
Am 10. November 2005 verurteilte der Bezirksgerichtsausschuss Hinterrhein die
für das Rennen Verantwortlichen W.________, X.________, Y.________ und
Z.________ wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung zu bedingt löschbaren
Bussen zwischen Fr. 1'000.-- und Fr. 3'000.--. W.________ war als Pisten- und
Rettungschef der Bergbahnen B.________ AG für die erforderlichen Sicherheits-
und Schutzmassnahmen zuständig. Die anderen gehörten der für das Rennen
verantwortlichen Jury an. X.________ war bei Swiss Ski als regionaler
Schiedsrichter-Chef tätig und hatte den Vorsitz der Jury. Er war
Hauptverantwortlicher für die Abnahme und Freigabe der Rennstrecke. Als
Wettkampfleiter und OK-Präsident amtete Y.________, während als Streckenchef
Z.________ zuständig war.
Alle vier Verurteilten gelangten an das Kantonsgericht Graubünden
(Kantonsgerichtsausschuss), welches die Berufungen am 21. Juni 2006 abwies.

C.
Y.________ erhebt staatsrechtliche Beschwerde und eidgenössische
Nichtigkeitsbeschwerde. Mit beiden Rechtsmitteln beantragt er, der Entscheid
des Kantonsgerichtes Graubünden (Kantonsgerichtsausschuss) sei aufzuheben und
die Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen.

D.
Die Vorinstanz hat auf Gegenbemerkungen verzichtet.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Das angefochtene Urteil ist vor dem Inkrafttreten des Bundesgesetzes vom 17.
Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) am
1. Januar 2007 ergangen. Auf die dagegen erhobenen Rechtsmittel ist noch das
bisherige Verfahrensrecht anwendbar (Art. 132 Abs. 1 BGG, e contrario), hier
somit dasjenige der eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde nach Art. 268 ff.
BStP und der staatsrechtlichen Beschwerde gemäss Art. 84 ff. OG.
Am 1. Januar 2007 ist auch der revidierte Allgemeine Teil des
Strafgesetzbuches in Kraft getreten. Die neuen Bestimmungen sind hier aber
noch nicht von Bedeutung, da das Bundesgericht im Verfahren der
Nichtigkeitsbeschwerde nur prüft, ob das kantonale Gericht das eidgenössische
Recht richtig angewendet hat (Art. 269 Abs. 1 BStP), mithin das Recht,
welches im Zeitpunkt der Ausfällung des angefochtenen Urteils noch gegolten
hat (BGE 129 IV 49 E. 5.3 S. 51 f., mit Hinweisen).

I. Staatsrechtliche Beschwerde

2.
Nach Art. 90 Abs. 1 lit. b OG ist in der Beschwerdeschrift darzulegen, welche
verfassungsmässigen Rechte inwiefern durch den angefochtenen Entscheid
verletzt worden sind. Rügt der Beschwerdeführer Willkür in der
Tatsachenfeststellung, so genügt es nicht, in rein appellatorischer Kritik
des angefochtenen Entscheids darzulegen, wie die Beweise seiner Ansicht nach
richtigerweise zu würdigen gewesen wären. Es gilt vielmehr aufzuzeigen,
inwiefern der angefochtene Entscheid schlechterdings unhaltbar ist (BGE 129 I
113 E. 2.1; 127 I 38 E. 3c und 4; 125 I 492 E. 1b; 110 Ia 1 E. 2a).
Willkürlich ist eine Tatsachenfeststellung erst, wenn der Richter den Sinn
und die Tragweite eines Beweismittels offensichtlich verkennt, wenn er ein
solches ohne ernsthafte Gründe ausser Acht lässt, obwohl es erheblich ist,
und schliesslich, wenn er aus getroffenen Beweiserhebungen unhaltbare
Schlüsse zieht (BGE 129 I 8 E. 2.1).
Willkür liegt nach ständiger Rechtsprechung nicht schon vor, wenn eine andere
Lösung vertretbar oder gar vorzuziehen wäre. Das Bundesgericht hebt einen
Entscheid vielmehr nur auf, wenn dieser mit der tatsächlichen Situation in
offensichtlichem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen
Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem
Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft. Dabei rechtfertigt sich die Aufhebung
des angefochtenen Entscheids nur, wenn er auch im Ergebnis verfassungswidrig
ist (BGE 129 I 49 E. 4 S. 58 mit Hinweis). Dem Sachgericht steht insbesondere
bei der Würdigung der Beweise ein grosser Ermessensspielraum zu. Willkür ist
hier nur zu bejahen, wenn das Gericht offensichtlich den Sinn und die
Tragweite eines Beweismittels verkannt, ohne vernünftigen Grund ein wichtiges
und erhebliches Beweismittel unberücksichtigt gelassen oder aus den
vorhandenen Elementen offensichtlich unhaltbare Schlüsse gezogen hat (BGE 129
I 8 E. 2.1. S. 9 mit Hinweisen).

3.
3.1
3.1.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, das Kantonsgericht habe hinsichtlich
der Schneelage die Aussagen des gerichtlichen Gutachters willkürlich
gewürdigt. Dieser sei fälschlicherweise von einer prekären Schneelage am
Renntag ausgegangen. Das Kantonsgericht nehme demgegenüber an, dass aufgrund
des Schneemangels am ursprünglichen Austragungsort kurzfristig eine für diese
Rennkategorie geeignete Rennstrecke gefunden werden musste, welche den
technischen Anforderungen gemäss Wettkampfreglement zu genügen vermochte.
Wenn das Gericht die Aussagen des gerichtlichen Gutachters entgegen seiner
klaren Äusserungen und ohne sich auf die weiteren Aussagen in den Gutachten
oder den Akten stützen zu können, anders interpretiere, so wolle es dem
Gutachten (nachträglich) Überzeugungskraft vermitteln.

3.1.2 Der Beschwerdeführer zeigt nicht auf, inwiefern die seiner Ansicht nach
falsche Interpretation durch das Kantonsgericht das Ergebnis der
Beweiswürdigung und die rechtliche Beurteilung des Sachverhaltes beeinflusst.
Das Kantonsgericht wirft dem Beschwerdeführer entsprechend der Anklageschrift
vor, seiner Verantwortung durch eine ungenügende Absicherung der Rennpiste
nicht nachgekommen zu sein. Die Schneeverhältnisse sind für die Beurteilung
der Fahrlässigkeit nicht wesentlich. Soweit überhaupt auf die Willkürrüge
eingetreten werden kann, ist sie abzuweisen.

3.2
3.2.1 Der Beschwerdeführer rügt, das Kantonsgericht gehe zu Unrecht davon aus,
dass der Rennläufer auf der Rennpiste mit dem Opfer zusammengestossen sei.
Der Zusammenstoss habe sich etwa 150 Meter nach der Zieldurchfahrt, in
Fahrtrichtung rechts des Zielauslaufs auf der Publikumspiste ereignet.

3.2.2 Es ist nicht entscheidend, wo genau sich der Kollisionsort befindet.
Das Kantonsgericht hält im Zusammenhang mit der Voraussehbarkeit des
Erfolgseintrittes fest, das Verhalten des Rennläufers sei nicht ungewöhnlich,
zumal dieser wegen der fehlenden Absperrung und Abgrenzung nicht veranlasst
worden sei, die Fahrt abzubremsen. Somit habe während der gesamten Dauer des
Rennens die Gefahr eines Zusammenstosses bestanden. Diese Beurteilung ist
durchaus vertretbar. Von einer falschen Sachverhaltsfeststellung, die für die
rechtliche Beurteilung wesentlich ist, kann deshalb nicht gesprochen werden.
Die Rüge ist unbegründet.

3.3 Entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers geht das Kantonsgericht
nicht davon aus, der am Unfall beteiligte Rennläufer habe nach der
Zieldurchfahrt anhalten wollen. Es weist darauf hin, dass die erforderliche
talseitige Abgrenzung des Zielraums zur Publikumspiste den Fahrer zum
Abbremsen veranlasst hätte und es für ihn nicht möglich gewesen wäre, an den
Pistenrand oder sogar darüber hinaus zu gelangen. Auf die Rüge ist nicht
einzutreten.

3.4
3.4.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, das Kantonsgericht habe entgegen
Art. 146 Abs. 1 StPO GR das erstinstanzliche Urteil in tatsächlicher und
rechtlicher Hinsicht nicht frei überprüft. Es erwähne nämlich, es sei zu
beurteilen, ob die Ausführungen des Bezirksgerichtsausschusses überzeugend
erschienen. Damit nehme das Kantonsgericht lediglich eine
Plausibilitätsprüfung des erstinstanzlichen Urteils vor, was eine
willkürliche Einschränkung seiner Kognition darstelle.

3.4.2 Die Rüge ist unbegründet. Das Kantonsgericht hat die vorhandenen
Beweismittel umfassend gewürdigt und sich mit den rechtlichen Fragen
eingehend auseinandergesetzt. Von einer blossen Plausibilitätsprüfung kann
keine Rede sein.

3.5
3.5.1 Der Beschwerdeführer rügt im Zusammenhang mit der Steilheit des
Zielgeländes, das Kantonsgericht habe eine willkürliche
Sachverhaltsfeststellung vorgenommen und den Grundsatz "in dubio pro reo"
verletzt. Das gerichtliche Gutachten gehe von einer Steilheit des
Zielgeländes von 48% aus. Das offizielle Pistenprofil dieser Piste weise
jedoch ein maximales Gefälle von bloss 28% aus. Das Kantonsgericht erachte
die genaue Feststellung der Steilheit des Geländes nicht für
entscheidrelevant und lasse diese Frage offen. Es begnüge sich mit
subjektiven Aussagen wie "relativ steil", "verhältnismässig steil" und
"gewiss steil". Damit fehle die objektive Grundlage, um Aussagen zum Bremsweg
bzw. zur Anhaltedistanz machen zu können, was wiederum Auswirkungen auf die
erforderlichen Massnahmen im Bereich des Zielraumes habe. Das Kantonsgericht
habe es auch nicht für nötig befunden, Berechnungen zum Bremsweg anzustellen,
die sich auf den offiziellen Pistenplan stützen.

3.5.2 Das Kantonsgericht hält fest, die genaue Hanglage sei für den Entscheid
nicht relevant. Der Beschwerdeführer unterlässt es darzutun, inwiefern sich
die beanstandete Annahme im angefochtenen Urteil zu seinen Ungunsten
ausgewirkt hat. Die genaue Geschwindigkeit der Rennläufer bei der
Zieldurchfahrt ist ebenso wenig von Bedeutung wie die benötigte
Anhaltedistanz. Im Vordergrund steht nicht die Frage, wie der Zielraum im
Interesse der Rennfahrer zu sichern ist. Es geht vielmehr darum, auf welche
Weise die Rennpiste von der öffentlichen Skipiste abzutrennen war. Die Rüge
zielt deshalb ins Leere. Soweit der Beschwerdeführer die Beweiswürdigung
durch das Kantonsgericht als verfassungswidrig beanstandet, ist seine
Beschwerde abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann.

3.6
3.6.1 Der Beschwerdeführer rügt, das Kantonsgericht habe sich nicht vertieft
mit dem Privatgutachten auseinandergesetzt, was gegen das Willkürverbot
verstosse und gleichzeitig seinen Anspruch auf rechtliches Gehör verletze.
Denn der Privatgutachter komme im Gegensatz zum gerichtlichen Gutachter zum
Schluss, dass eine vollständige, talseitige Absperrung der Rennpiste nicht
notwendig gewesen sei.

3.6.2 Welche Absicherungsmassnahme nötig war, ist eine Rechtsfrage, die vom
Gericht zu entscheiden ist. Der Meinung der Gutachter kommt deshalb keine
wesentliche Bedeutung zu. Das Kantonsgericht begründet eingehend, weshalb
eine talseitige Abgrenzung der Rennpiste erforderlich war. Wenn es erwähnt,
in den rechtserheblichen Punkten sei den Schlussfolgerungen des gerichtlichen
Gutachters zu folgen, bedeutet dies nicht, dass sich das Gericht keine eigene
Meinung gebildet hätte. Ungeachtet einzelner missverständlicher
Formulierungen im angefochtenen Urteil hat es sich mit den wesentlichen
rechtlichen Fragen selbstständig auseinandergesetzt. Mit dem Hinweis, dass
die davon abweichenden Ausführungen des Privatgutachters die Auffassung des
gerichtlichen Gutachters - und damit auch die Schlussfolgerung des Gerichtes
- nicht zu erschüttern vermöchten, ist das Kantonsgericht seiner
Begründungspflicht ausreichend nachgekommen. Es hat zum Ausdruck gebracht,
dass es die Einwände des Privatgutachters, soweit sie überhaupt relevant
sind, für nicht überzeugend erachtet. Das rechtliche Gehör verlangt nicht,
dass sich das Gericht mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem
rechtlichen Einwand auseinandersetzen müsste. Vielmehr kann es sich auf die
für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 126 I 97 E. 2b
S. 102 f. mit Hinweisen). Eine Verfassungswidrigkeit liegt deshalb nicht vor.

3.7
3.7.1 Der Beschwerdeführer macht eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches
Gehör geltend, weil er nicht am Augenschein und der Experteninstruktion vom
23. Dezember 2003 teilnehmen konnte. Er sei dazu nicht eingeladen worden,
weil er zu jenem Zeitpunkt weder Angeklagter noch Auskunftsperson war.

3.7.2 Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, mit erheblichen
Beweisen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise
mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses
geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 129 II 497 E. 2.2 S. 505;
127 I 54 E. 2b S. 56). Der Beschwerdeführer begründet nicht näher, inwiefern
der Augenschein oder die Experteninstruktion für die Entscheidfindung
wesentlich ist. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs ist nicht dargetan,
weshalb auf die entsprechende Rüge nicht einzutreten ist.

3.8 Der Beschwerdeführer macht weiter eine Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör geltend, weil er keine Gelegenheit gehabt habe, sich zur
Annahme des Kantonsgerichts zu äussern, bei einer talseitig erkennbaren
Abgrenzung von der Publikumspiste wäre der Unfall vermieden worden. Dieser
neu vorgebrachte Vorwurf sei weder in den beiden Gutachten noch in der
Anklageschrift oder im erstinstanzlichen Urteil enthalten. Er habe deshalb
weder Veranlassung noch Gelegenheit gehabt, zu dieser ihm vorgeworfenen
Sorgfaltspflichtverletzung Stellung zu nehmen.

3.8.1 In der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 18. Januar
2005 wird unter anderem ausgeführt, dass im Zielauslauf der Absicherungszaun
wesentlich nach unten zu verlängern und der Zielraum nach unten hin
abzuschliessen gewesen wäre. Damit war dem Beschwerdeführer klar, welche
Unterlassung ihm in rechtlicher Hinsicht vorgeworfen wurde. Es kann deshalb
keine Rede davon sein, er habe sich mit einer Rechtsnorm oder einem
Rechtsgrund konfrontiert gesehen, mit deren Erheblichkeit er nicht rechnen
musste (vgl. BGE 115 Ia 96). Die Rüge ist unbegründet.

3.9
3.9.1 Der Beschwerdeführer rügt, das Kantonsgericht sei von den beiden
Expertenmeinungen zur Frage der Zielraumgestaltung durch die Wahl eines
Mittelweges abgewichen. Damit werde implizit gesagt, dass beide Gutachten
falsch seien. Ein Abweichen sei allerdings nur zulässig, wenn diese
offensichtlich widersprüchlich erschienen oder auf irrtümlichen tatsächlichen
Feststellungen beruhten. Das Kantonsgericht habe sich einerseits auf das
gerichtliche Gutachten, welches von aktenwidrigen Tatsachen ausgehe
(Steilheit des Geländes), abgestützt und anderseits eine schlicht unhaltbare
Zwischenlösung für die talseitige Absperrung angenommen. Damit erweise sich
das gerichtliche Gutachten als unglaubwürdig. Wenn dem Privatgutachter nicht
gefolgt werde, dränge sich ein Obergutachten nicht nur auf, sondern erscheine
als zwingend. Wenn das Kantonsgericht den entsprechenden Beweisantrag
ablehne, verstosse es gegen den Gehörsanspruch des Beschwerdeführers nach
Art. 29 Abs. 2 BV.

3.9.2 Die Frage, wie der Zielraum auszugestalten ist, um eine Ge-fährdung
Dritter zu verhindern, betrifft die Rechtsanwendung. Es geht um die
Sorgfaltspflicht, deren Verletzung eine Fahrlässigkeit begründen kann. Dies
ist im Rahmen der eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde zu beurteilen. Daran
ändert nichts, dass das Kantonsgericht dem Gutachter Fragen rechtlicher Natur
unterbreitet und die entsprechenden Antworten bei der Entscheidfindung
mitberücksichtigt hat. Auf die Rüge ist nicht einzutreten.

4.
Die staatsrechtliche Beschwerde ist deshalb abzuweisen, soweit darauf
einzutreten ist.

II. Eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde

5.
Die Nichtigkeitsbeschwerde kann nur damit begründet werden, dass die
angefochtene Entscheidung eidgenössisches Recht verletze (Art. 269 Abs. 1
BStP). Der Kassationshof ist im Verfahren der Nichtigkeitsbeschwerde an den
von der kantonalen Behörde festgestellten Sachverhalt gebunden (Art. 277bis
Abs. 1 BStP). Soweit der Beschwerdeführer tatsächliche Feststellungen im
angefochtenen Entscheid beanstandet, ist auf die Beschwerde nicht
einzutreten. Ebenfalls ist auf Rügen nicht einzutreten, welche die Frage der
willkürlichen Beweiswürdigung betreffen (Art. 269 Abs. 2 BStP).

6.
6.1 Der Beschwerdeführer rügt zu Unrecht, das Kantonsgericht hätte angesichts
der beiden Gutachten, welche sich über die Frage der nötigen Absicherung der
Rennpiste widersprächen, ein Obergutachten einholen müssen. Er übersieht,
dass es sich bei der Beurteilung der Sorgfaltspflichtverletzung gemäss Art.
125 Abs. 2 i.V.m. Art. 18 Abs. 3 StGB um eine Rechtsfrage handelt. Auch wenn
ein Gutachten vorliegt, welches sich zur rechtlichen Qualifikation eines
Sachverhaltes äussert, obliegt es ausschliesslich dem Richter, die sich
stellenden Rechtsfragen zu beantworten. Er ist deshalb nicht an
gutachterliche Meinungen über rechtliche Fragen gebunden. Bei der umfassenden
rechtlichen Würdigung wird der Richter diese jedoch zwangsläufig
miteinbeziehen. Das hat die Vorinstanz denn auch getan, worauf zurückzukommen
sein wird.

6.2 Der Beschwerdeführer wendet ein, er habe die Sorgfalt, welche vor, aber
auch während des Rennens geboten war, entgegen der Ansicht der Vorinstanz
angewandt. Wenn im angefochtenen Entscheid eine talseitige Absperrung des
Zielraumes spätestens 100 Meter nach der Zieldurchfahrt verlangt werde,
bedeute dies indirekt, dass alle Rennläufer in der Lage gewesen wären, bis
spätestens zu jener Stelle nicht nur die Geschwindigkeit zu reduzieren,
sondern gar zum Stillstand zu kommen. Die Vorinstanz verkenne, dass die
durchschnittlich gefahrenen Geschwindigkeiten bei einem Regionalrennen nicht
mit denjenigen bei Weltcuprennen zu vergleichen seien. Die Vorinstanz gehe
aber von ähnlich hohen Geschwindigkeiten aus. Diese seien indessen nicht
bekannt. Man müsse sich deshalb allenfalls auf Hinweise abstützen, die sich
während des Rennens ergeben. Die vom Beschwerdeführer vorzunehmende
Beurteilung habe vor dem ersten Rennen stattgefunden. Der Unfall habe sich
hingegen erst nach dem dritten Lauf jedes Teilnehmers ereignet. Jeder Lauf
sei von über 50 Teilnehmern befahren worden. Entgegen der Ansicht der
Vorinstanz hänge das Mass der anzuwendenden Sorgfalt auch von den
persönlichen Voraussetzungen des Täters ab. Es sei daher zu berücksichtigen,
dass der Beschwerdeführer die Aufgabe lediglich in seiner Freizeit und nicht,
wie beispielsweise der gerichtliche Gutachter, hauptberuflich ausübe. Zudem
habe er an jenem Rennen zum ersten Mal in der Funktion als Jurymitglied
geamtet. Wenn selbst die Vorinstanz dem gerichtlichen Gutachter betreffend
talseitiger Absperrung in einer ex post vorgenommenen Beurteilung nicht
folge, so könne den damaligen Rennorganisatoren erst recht keine
Sorgfaltspflichtverletzung vorgeworfen werden.

6.2.1 Fahrlässig begeht der Täter ein Verbrechen oder Vergehen, wenn die Tat
darauf zurückzuführen ist, dass er die Folge seines Verhaltens aus
pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedacht oder darauf nicht Rücksicht
genommen hat (Art. 18 Abs. 3 Satz 1 StGB). Ein Schuldspruch wegen
fahrlässiger schwerer Körperverletzung setzt somit voraus, dass der Täter den
Erfolg durch Verletzung einer Sorgfaltspflicht verursacht hat.
Sorgfaltswidrig ist die Handlungsweise, wenn der Täter zum Zeitpunkt der Tat
aufgrund der Umstände sowie seiner Kenntnisse und Fähigkeiten die damit
bewirkte Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers hätte erkennen können und
müssen und wenn er zugleich die Grenzen des erlaubten Risikos überschritten
hat (Art. 18 Abs. 3 Satz 2 StGB).
Wo besondere, der Unfallverhütung und der Sicherheit dienende Normen ein
bestimmtes Verhalten gebieten, richtet sich das Mass der im Einzelfall zu
beachtenden Sorgfalt in erster Linie nach diesen Vorschriften. Das Gleiche
gilt für entsprechende allgemein anerkannte Verhaltensregeln, auch wenn diese
von einem privaten oder halböffentlichen Verband erlassen wurden und keine
Rechtsnormen darstellen (BGE 130 IV 7 E. 3.3 S. 11). Das schliesst nicht aus,
dass der Vorwurf der Fahrlässigkeit auch auf allgemeine Rechtsgrundsätze wie
etwa den allgemeinen Gefahrensatz gestützt werden kann (BGE 127 IV 62 E. 2d
S. 65 mit Hinweis). Denn nicht jeder Verstoss gegen eine gesetzliche oder für
bestimmte Tätigkeiten allgemein anerkannte Verhaltensnorm begründet den
Vorwurf der Fahrlässigkeit. Umgekehrt kann ein Verhalten sorgfaltswidrig im
Sinne von Art. 18 Abs. 3 StGB sein, auch wenn nicht gegen eine bestimmte
Verhaltensnorm verstossen wurde. Die Vorsicht, zu der ein Täter verpflichtet
ist, wird letztlich durch die konkreten Umstände und seine persönlichen
Verhältnisse bestimmt, weil naturgemäss nicht alle tatsächlichen
Gegebenheiten in Vorschriften gefasst werden können (Urteil 6S.638/1999, in:
Pra 2000 Nr. 188 S. 1148 mit Hinweis auf BGE 106 IV 80 E. 4b).

6.2.2 Zunächst kann nicht fraglich sein, dass der Veranstalter des Skirennens
verpflichtet war, die Rennstrecke deutlich sichtbar von der allgemeinen -
unmittelbar anschliessenden - öffentlichen Skipiste abzugrenzen. Diese
Pflicht ergibt sich bereits aus dem allgemeinen Gefahrensatz, wonach
derjenige, welcher einen gefährlichen Zustand schafft, im Rahmen des
Zumutbaren dafür verantwortlich ist, dass sich diese Gefahr nicht
verwirklicht. Entscheidend ist die Frage, in welchem Umfang der
Sicherungspflicht nachzukommen war. Die Vorinstanz geht vorab zu Recht davon
aus, dass die seitliche Absperrung zwischen Rennpiste und Publikumspiste mit
einem sog. Schafszaun auf einer Strecke von bloss 50 Metern über die
Ziellinie hinaus nicht genügte, was der Beschwerdeführer grundsätzlich auch
nicht in Frage stellt. Sie hält dafür, bei einem Skirennen müsse darüber
hinaus der Zielraum talwärts zwar nicht in jedem Fall mittels einer
speziellen Vorrichtung (beispielsweise mit Netzen oder Matten) vollständig
abgesperrt, jedoch für jedermann erkennbar von der Publikumspiste zumindest
abgegrenzt sein (je nach Steilheit des Geländes etwa mit einem Absperrseil
oder einem Plastikband). Diese Auffassung ist keineswegs zu beanstanden. Die
Vorinstanz stützt sich für die Begründung im Wesentlichen auf das
Wettkampfreglement 2000 von SwissSki, welches in Ziffer 619.1 die
Anforderungen an den Zielraum eines Rennkurses umschreibt. Danach soll sich
der Zielraum in gut sichtbarer Lage befinden, angemessen breit und lang
angelegt sein und nach Möglichkeit eine sanft auslaufende Zielausfahrt
aufweisen. Jedes Betreten des Zielraumes durch unbefugte Personen ist
verboten. Zielanlagen und Absperrung sollen so gestaltet oder durch geeignete
Schutzmassnahmen abgesichert werden, dass die Wettkämpfer so gut wie möglich
geschützt werden. Dieses Reglement dient dem Anliegen alpiner Skiwettkämpfe,
worauf der Beschwerdeführer zu Recht hinweist. Dementsprechend ist die
erwähnte Reglementsbestimmung im Interesse namentlich des Rennläufers zu
verstehen. Dieser soll vor bestimmten Gefahren geschützt werden, die für ihn
in der Schlussphase des Rennens auftreten können. Der Rennläufer passiert die
Ziellinie - auch im Riesenslalom - mit hoher Geschwindigkeit. Er ist auf das
Rennen konzentriert, steht unter Stress und ist allenfalls bereits ermüdet.
Deshalb ist er auf einen Zielraum angewiesen, in welchem er genügend Platz
und Zeit zur Verfügung hat, um seine Fahrt abzubremsen und zum Stillstand zu
kommen. Wichtig ist, dass sich ihm dabei keine Hindernisse in den Weg
stellen, denen er in dieser letzten Rennphase zu wenig Aufmerksamkeit
schenken kann. Dazu sind im Zielbereich bestmögliche Voraussetzungen zu
schaffen. Dies kann insbesondere nach einer - vollständigen - Abschrankung
des Zielraumes verlangen, welche einigermassen sicherstellt, dass es nicht zu
einer Kollision mit einem Unbeteiligten kommt. Nicht zu beantworten ist in
diesem Zusammenhang die Frage, wie diese Abgrenzung im Einzelnen
auszugestalten ist, um den Rennfahrer keinem Verletzungsrisiko auszusetzen.

6.2.3 Ein offener Zielauslauf gefährdet nicht nur den Rennfahrer, sondern
auch den Benützer der angrenzenden öffentlichen Skipiste. Dieser muss nicht
damit rechnen, sich innerhalb oder im Nahbereich eines Pistenabschnittes zu
befinden, der als Auslauf eines Skirennens dient. Seine Aufmerksamkeit wird
sich dementsprechend im üblichen Rahmen halten, was angesichts der besonderem
Umstände, namentlich der hohen Geschwindigkeit der Rennfahrer bei der
Zielpassage, unzureichend sein kann. Auch unter diesem Gesichtspunkt ist es
unerlässlich, dass der gesamte Rennbereich, also auch der Zielraum, optisch
deutlich abgegrenzt ist. Für die Benützer der öffentlichen Piste muss klar
erkennbar sein, welcher Bereich noch zur Rennstrecke gehört, den sie aus
Sicherheitsgründen nicht befahren dürfen. Die Richtlinien für Anlage, Betrieb
und Unterhalt von Schneesportanlagen der Schweizerischen Kommission für
Unfallverhütung auf Schneesportabfahrten (SKUS) enthalten denn auch in den
Ziffern 28 - 30 Regeln zum Schutz vor künstlichen und natürlichen
Hindernissen. Daraus ergibt sich, dass auf Pisten alle von Menschenhand
geschaffenen Hindernisse, welche die Benützer bei Anwendung der gebotenen
Sorgfalt nicht zu erkennen vermögen, grundsätzlich zu signalisieren sind.
Allgemein lässt sich sagen, dass atypische Gefahren, die für den Skifahrer
nicht ohne Weiteres erkennbar sind, kenntlich gemacht werden müssen (BGE 130
III 193 E. 2.3 S. 196 mit Hinweisen). Fehlen solche Signale, muss der
Skifahrer auf einer öffentlichen Skipiste keine entsprechende zusätzliche
Gefahr annehmen, die ihn zu einer erhöhten Aufmerksamkeit veranlassen müsste.

6.2.4 Dass im vorliegenden Fall eine bloss seitliche Abgrenzung der Rennpiste
von der öffentlichen Skipiste nach der Ziellinie nicht ausreichte, folgt
bereits aus dem allgemeinen Gefahrensatz. Daraus ergibt sich die Pflicht, den
Zielraum auch talseitig abzusperren. Aus der Sicht des Publikums spielt an
sich keine Rolle, wie gross der Zielraum ist. Entscheidend ist, dass der
Benützer der öffentlichen Piste klar zu erkennen vermag, wo der Rennbereich
beginnt, in welchem er sich nicht aufhalten darf. Zudem muss er sich darauf
verlassen können, dass kein Teilnehmer des Rennens unkontrolliert in den
Bereich der öffentlichen Piste gelangt. Dies bedeutet wiederum, dass für den
Rennfahrer klar ersichtlich sein muss, wann er den Zielraum und damit die
Rennpiste verlässt und seine Eigenverantwortung beginnt, indem er nunmehr wie
alle anderen den allgemeinen Verhaltensregeln auf Skipisten unterliegt. Es
versteht sich von selbst, dass ihm genügend Raum und Zeit zur Verfügung
stehen muss, um den Wettkampf unbehelligt abzuschliessen und sich auch mental
auf die neue Situation eines normalen Skipistenbenützers umzustellen. Dabei
ist nicht von Bedeutung, ob es sich um ein internationales oder regionales
Skirennen handelt. Die unterschiedliche Geschwindigkeit der Rennläufer vermag
an der grundsätzlichen Gefährdung Dritter nichts zu ändern. Die Vorinstanz
weist im Übrigen zu Recht darauf hin, dass auch jugendliche Rennfahrer ein
hohes, von Ehrgeiz getriebenes Tempo fahren, weshalb nicht einzusehen sei,
wieso allenfalls tiefere Sicherheitsstandards anzuwenden sind. Ein
ausreichender Zielraum ist in jedem Fall erforderlich. Wenn die Vorinstanz
angesichts der Beschaffenheit des Geländes in Übereinstimmung mit der Meinung
der beiden Gutachter davon ausgeht, der Zielbereich hätte rund 100 Meter lang
sein müssen, ist dies nicht zu beanstanden, zumal - wie erwähnt - diesem
Umstand allein aus der Sicht des Geschädigten noch keine entscheidende
Bedeutung zukommt.

6.2.5 Es kann keinem vernünftigen Zweifel unterliegen, dass der
Beschwerdeführer aufgrund seiner individuellen Kenntnisse und Fähigkeiten in
der Lage war, die bestehende Gefährdung und die nötigen Massnahmen zu deren
Abwendung zu erkennen, und zwar bereits vor dem Rennen. Immerhin war er
Mitglied des Skiclubs und amtete beim fraglichen Rennen als Wettkampfleiter
und OK-Präsident. Zusammen mit dem Streckenchef und in Absprache mit dem
damaligen Pisten- und Rettungschef hatte er am Vortag die Rennpiste
eingerichtet. Am Schluss befand er gemeinsam mit den anderen Jurymitgliedern
die Strecke für in Ordnung und den Sicherheitsvorschriften entsprechend.
Dabei ist weder von Bedeutung, dass er an jenem Rennen zum ersten Mal als
Mitglied der Jury amtete, noch dass er diese Aufgabe in seiner Freizeit
erfüllte. Hätte er sich ausserstande gefühlt, die Risiken zu beurteilen, für
die er die Verantwortung übernahm, hätte er die fragliche Funktion nicht
ausüben dürfen. Denn wer eine Aufgabe übernimmt, obschon ihm die fachlichen
Voraussetzungen zu ihrer Bewältigung in erkennbarer Weise fehlen, handelt
fahrlässig (BGE 106 IV 312).

6.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, der Unfall sei weder voraussehbar
noch vermeidbar gewesen. Er habe nicht damit rechnen müssen, dass der
Rennfahrer - 150 Meter unterhalb der Ziellinie - seine Fahrt in eigener
Verantwortung fortsetzte, anstatt wie andere möglichst schnell wieder "nach
oben" zu fahren. Unabhängig davon habe er davon ausgehen dürfen, dass die
Fahrer nach der Zieldurchfahrt die Geschwindigkeit reduzierten, um dann
kontrolliert und nach den allgemeinen FIS-Regeln weiterzufahren. Die
Verantwortung sei an jener Stelle von den Veranstaltern wieder zurück an den
einzelnen Rennläufer gegangen. Dessen Fehlverhalten könne unterhalb dieser
Stelle somit nicht mehr den Organisatoren des Rennens angelastet werden. Der
Beschwerdeführer habe aber auch nicht damit rechnen müssen, dass ein
Rennläufer seine Fahrt mit kaum verringerter Geschwindigkeit fortsetze. Zum
Unfall hätten somit derart aussergewöhnliche Umstände geführt, mit denen der
Beschwerdeführer nicht habe rechnen müssen.

6.3.1 Erkennbar bzw. voraussehbar ist die Gefahr des Erfolgseintritts für den
Täter, wenn sein Verhalten geeignet ist, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge
und den Erfahrungen des Lebens einen Erfolg wie den eingetretenen
herbeizuführen oder mindestens zu begünstigen. Dabei müssen die zum Erfolg
führenden Geschehensabläufe für den konkreten Täter mindestens in ihren
wesentlichen Zügen voraussehbar sein. Zunächst ist daher zu fragen, ob der
Täter eine Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers hätte voraussehen bzw.
erkennen können und müssen. Für die Beantwortung dieser Frage gilt der
Massstab der Adäquanz. Danach muss das Verhalten geeignet sein, nach dem
gewöhnlichen Lauf der Dinge und den Erfahrungen des Lebens einen Erfolg wie
den eingetretenen herbeizuführen oder mindestens zu begünstigen. Die
Vorhersehbarkeit der zu beurteilenden Ursache für den Erfolg ist nur zu
verneinen, wenn ganz aussergewöhnliche Umstände, wie das Mitverschulden eines
Dritten oder Material- oder Konstruktionsfehler, als Mitursache hinzutreten,
mit denen schlechthin nicht gerechnet werden musste und die derart schwer
wiegen, dass sie als wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache des Erfolgs
erscheinen und so alle anderen mitverursachenden Faktoren - namentlich das
Verhalten des Angeschuldigten - in den Hintergrund drängen.
Damit der Eintritt des Erfolgs auf das pflichtwidrige Verhalten des Täters
zurückzuführen ist, genügt seine blosse Vorhersehbarkeit nicht. Vielmehr
stellt sich die weitere Frage, ob der Erfolg auch vermeidbar war. Dabei wird
ein hypothetischer Kausalverlauf untersucht und geprüft, ob der Erfolg bei
pflichtgemässem Verhalten des Täters ausgeblieben wäre. Dabei genügt es für
die Zurechnung des Erfolgs, wenn das Verhalten des Täters mindestens mit
einem hohen Grad der Wahrscheinlichkeit oder mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit die Ursache des Erfolges bildete (BGE 130 IV 7 E. 3.2 S.
10 f. mit Hinweisen).

6.3.2 Die Vorinstanz weist darauf hin, es sei im konkreten Fall nicht
aussergewöhnlich gewesen, dass die Rennläufer nach absolviertem Durchgang
versuchten, die Geschwindigkeit auszunützen, um wieder so weit wie möglich
nach oben zu den Kollegen zu fahren und dort - wie der involvierte
Wettkämpfer geltend machte - die Startnummern abzugeben. Ein solches
Verhalten kann umso weniger überraschen, als von den Organisatoren keine
Hinweise oder Weisungen ergingen, wie die Wettkampfteilnehmer ihr Rennen zu
beenden hätten. Was der Beschwerdeführer dagegen einwendet, ist unbehelflich.
Damit ist die Voraussehbarkeit des Erfolges, nämlich des Zusammenstosses mit
dem Geschädigten und den daraus resultierenden Verletzungen, zu bejahen. Von
aussergewöhnlichen Umständen, mit denen nicht zu rechnen war, kann keine Rede
sein. Wäre der Zielbereich vollständig abgesperrt und abgegrenzt gewesen,
wären die Rennläufer gezwungen worden, ihre Fahrt abzubremsen und den
Rennbereich etwa durch den Athletenausgang zu verlassen. Damit wäre die
Gefahr eines Zusammenstosses auf der öffentlichen Piste auf ein Minimum
reduziert und der Unfall in rechtlicher Hinsicht vermeidbar gewesen. Die
Unterlassung des Beschwerdeführers, der für die Sicherungspflicht
unbestrittenermassen (mit)verantwortlich war, ist deshalb zumindest mit hoher
Wahrscheinlichkeit für den Zusammenstoss und damit für die Körperverletzung
des Geschädigten als ursächlich anzusehen.

7.
Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Beschwerdeführer zu Recht der
fahrlässigen schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 und 2
StGB schuldig gesprochen. Die dagegen gerichtete Nichtigkeitsbeschwerde ist
deshalb abzuweisen, soweit auf sie einzutreten ist.

III. Kosten

8.
Bei diesem Ausgang hat der Beschwerdeführer die Kosten des
bundesgerichtlichen Verfahrens zu tragen (Art. 156 Abs. 1 OG und Art. 278
Abs. 1 BStP).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die staatsrechtliche Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten
ist.

2.
Die eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde wird abgewiesen, soweit darauf
einzutreten ist.

3.
Die Gerichtsgebühr von insgesamt Fr. 4'000.-- wird dem Beschwerdeführer
auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, der Staatsanwaltschaft des Kantons
Graubünden und dem Kantonsgericht von Graubünden, Kantonsgerichtsausschuss,
schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 24. April 2007

Im Namen des Kassationshofes
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Die Gerichtsschreiberin: