Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.131/2007
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8C_131/2007

Urteil vom 3. Januar 2008

I. sozialrechtliche Abteilung

Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichterin Leuzinger,
nebenamtlicher Bundesrichter Weber,
Gerichtsschreiberin Hofer.

W. ________, 1965, Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt Markus
Roos, Postgasse 5, 9620 Lichtensteig,

gegen

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA), Fluhmattstrasse 1, 6004
Luzern, Beschwerdegegnerin.

Unfallversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St.
Gallen vom 14. Februar 2007.

Sachverhalt:

A.
Die 1965 geborene W.________ arbeitete seit Oktober 1999 in der Firma
O.________ AG als kaufmännische Angestellte und war damit bei der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) unfallversichert. Am 11.
September 2002 erlitt sie einen Autounfall, als sie mit dem von ihr
gesteuerten Fahrzeug vor einem Fussgängerstreifen anhielt und die darauf
folgende Lenkerin auf ihren Wagen auffuhr. Ab dem 12. September 2002 liess
sie sich zunächst in einer Praxis für Atlaslogie behandeln. Der am 17.
September 2002 konsultierte Dr. med. Z.________ fand ein Verspannungssyndrom
der ganzen Halswirbelsäule cervicocephal und cervicobrachial. Die
Halswirbelsäule war verspannt, Kopfrotation, Seitneigung, Re- und Inklination
waren vor allem endphasig schmerzhaft, jedoch weitgehend aktiv durchführbar.
Zudem klagte die Versicherte über Kribbeln im Gesicht, eine auffallende
Müdigkeit und Konzentrationsstörungen. Die Röntgenaufnahmen zeigten keine
Frakturen oder prävertebrale Weichteilschwellungen. Anlässlich der
kreisärztlichen Untersuchung vom 22. Oktober 2002 gab die Versicherte Dr.
med. R.________ an, am meisten sei sie durch eine vermehrte Ermüdbarkeit und
Übelkeit gestört. Zudem würden Kribbelparästhesien im Gesicht und ein
gelegentliches Stechen im linken Ohr auftreten. Die Beweglichkeit der
Halswirbelsäule war nicht eingeschränkt. Bei der Reklination reagierte sie
mit Übelkeit. Die SUVA liess durch Prof. Dr. med. A.________ eine
Biomechanische Kurzbeurteilung durchführen (Bericht vom 5. Dezember 2002).
Vom 11. Dezember 2002 bis 29. Januar 2003 weilte W.________ in der Klinik
B.________. Dort wurden laut Bericht vom 14. Februar 2003 ein
Heckauffahrunfall mit HWS-Distorsion, ein linksbetontes
Cervicothoracovertebralsyndrom, eine überwiegend durch Schmerzen und
übermässige vegetative Reaktionen bedingte, leichte Hirnfunktionsstörung und
ein leichtes Lumbovertebralsyndrom diagnostiziert. Bei der kreisärztlichen
Untersuchung vom 22. Juli 2003 fand Dr. med. R.________ eine höchstens
geringe Druckdolenz an C6 und C7, während die Schulter- und
Halswirbelsäulenfunktionen gut waren. Hingegen bestand weiterhin eine
verminderte Belastbarkeit. Der Neurologe Dr. med. S.________ konnte laut
Bericht vom 23. Dezember 2003 kein organneurologisches Leiden zentraler oder
peripherer Art erkennen oder diagnostizieren. Da die Versicherte das
Arbeitspensum nicht über 50 % steigern und wegen den
Konzentrationsschwierigkeiten die angestammte Arbeit nur noch teilweise
erledigen konnte, wurde das Arbeitsverhältnis bei der Firma O.________ AG auf
den 31. Januar 2004 aufgelöst. In der Folge meldete sie sich bei der
Arbeitslosenversicherung zum Leistungsbezug an. Die Schwindelabklärung bei
Dr. med. D.________, Facharzt FMH für Otorhinolaryngologie, ergab normale
otoneurologische Befunde. Mit Verfügung vom 25. November 2004 teilte die SUVA
der Versicherten die Einstellung der Taggeldleistungen auf den 29. November
2004 mit, da die Arbeitsfähigkeit nunmehr 75 % betrage und sie daher gestützt
auf Art. 25 Abs. 3 UVV keine Leistungspflicht mehr treffe. Dagegen liess
W.________ Einsprache erheben. Mit Zwischenverfügung vom 28. April 2005
sistierte die SUVA das Einspracheverfahren bis zum Entscheid der
Invalidenversicherung über die Arbeitsfähigkeit. Die dagegen erhobene
Beschwerde wies das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit Entscheid
vom 13. September 2005 ab. Die Medizinische Abklärungsstelle (Medas)
erstellte im Auftrag der Invalidenversicherung das interdisziplinäre
Gutachten vom 5. Januar 2006, welches auch die Akten der SUVA und deren
unfallspezifischen Fragenkatalog berücksichtigte. Die Hauptdiagnosen lauteten
auf leichte depressive Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F 32.0),
leichte bis mittelschwer reichende kognitive Funktionsstörungen (ICD-10
F0.67) und chronisches cerviko-cephales Schmerzsyndrom. Die Arbeitsfähigkeit
als kaufmännische Angestellte wurde aufgrund der kognitiven
Funktionsbeeinträchtigungen und der psychischen Störungen als zu 50 %
eingeschränkt betrachtet. In einer anderen Tätigkeit betrage die
Arbeitsunfähigkeit 30 %. Mit Eingabe an die SUVA vom 20. Februar 2006 nahm
der Rechtsvertreter der Versicherten zum Gutachten Stellung und unterbreitete
Zusatzfragen. Die SUVA wies die Einsprache gegen die Verfügung vom 25.
November 2004 mit Einspracheentscheid vom 6. März 2006 ab, da auf jeden Fall
die Adäquanz eines allfälligen Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall vom
11. September 2002 und den noch bestehenden, nicht auf einem objektivierbaren
organischen Substrat beruhenden Beschwerden zu verneinen sei.

B.
Die hiegegen erhobene Beschwerde wies das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen mit Entscheid vom 14. Februar 2007 ab.

C.
Mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten lässt W.________ die
Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids und eventuell die Rückweisung der
Sache zu neuer Beurteilung an die Vorinstanz beantragen.

Die SUVA schliesst auf Abweisung der Beschwerde. Das Bundesamt für Gesundheit
verzichtet auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:

1.
Weil die angefochtene Entscheidung nach dem Datum des Inkrafttretens des
Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110), dem 1. Januar 2007
(AS 2006 1243), ergangen ist, untersteht die Beschwerde dem neuen Recht
(Art. 132 Abs. 1 BGG).

Im Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von
Geldleistungen der Militär- oder Unfallversicherung ist das Bundesgericht
nicht an die vorinstanzliche Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts
gebunden (Art. 97 Abs. 2 und Art. 105 Abs. 3 BGG).

2.
Die Beschwerdeführerin beantragt die Aufhebung des vorinstanzlichen
Entscheids vom 14. Februar 2007 oder eventuell die Rückweisung an die
Vorinstanz. Sie stellt jedoch keinen Antrag zu einem neuen Entscheid in der
Sache (Feststellungs-, Leistungs-, Gestaltungs- oder begründetes
Rückweisungsbegehren). Nach dem mit Art. 107 Abs. 2 BGG im Wesentlichen
gleich lautenden Art. 114 Abs. 2 OG entschied das Bundesgericht selbst in der
Sache oder wies diese zu neuer Beurteilung an die Vorinstanz zurück, wenn es
einen Entscheid aufhob. Beide Rechtsfolgen wurden in Anwendung der Regel von
Art. 114 Abs. 2 OG vom Antrag auf Aufhebung des angefochtenen Entscheids
mitumfasst. Verzichtete ein Beschwerdeführer auf einen anderslautenden
Antrag, so gab er damit zu verstehen, dass er die konkreten materiellen
Rechtsfolgen der Aufhebung des angefochtenen Entscheids in das Ermessen des
Gerichts stellte. Das Bundesgericht verlangte in seiner Praxis zur
Verwaltungsgerichtsbeschwerde unter Vorbehalt der Fälle nach Art. 108 Abs. 3
OG in der Regel keinen zusätzlichen Antrag zur Sache. Im eine Beschwerde in
öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten auf dem Gebiet des Raumplanungs- und
Baurechts betreffenden BGE 1C_86/2007 vom 31. Oktober 2007 befand das
Bundesgericht, es bestehe kein Anlass, von der früheren Praxis zur
Verwaltungsgerichtsbeschwerde abzuweichen. Dasselbe hat auch mit Bezug auf
das vorliegende sozialversicherungsrechtliche Verfahren zu gelten, zumal sich
aus der Beschwerdebegründung ergibt, dass die Beschwerdeführerin die
Ausrichtung von Versicherungsleistungen für die Folgen des Unfalls vom 11.
September 2002 anstrebt. Auf das Rechtsmittel ist daher einzutreten.

3.
3.1 In formeller Hinsicht rügt die Beschwerdeführerin, sie sei bei der
Einholung des medizinischen Gutachtens vom 5. Januar 2006 im Anspruch auf das
rechtliche Gehör verletzt worden. Zur Begründung führt sie aus, die SUVA
hätte sie im Sinne von Art. 44 ATSG anfragen müssen, ob sie mit einem
Gutachten und den vorgeschlagenen Experten einverstanden sei. Sie hätte diese
alsdann aus triftigen Gründen ablehnen und Gegenvorschläge unterbreiten
können.

3.2 Muss der Versicherungsträger zur Abklärung des Sachverhaltes ein
Gutachten einer oder eines unabhängigen Sachverständigen einholen, so gibt er
der Partei deren oder dessen Namen bekannt. Diese kann den Gutachter aus
triftigen Gründen ablehnen und kann Gegenvorschläge machen (Art. 44 ATSG).
Nach der zu Art. 96 UVG (in der bis 31. Dezember 2002 in Kraft gestandenen
Fassung) in Verbindung mit Art. 19 VwVG und Art. 57 ff. BZP ergangenen
Rechtsprechung hatte der Unfallversicherer, wenn er von dritter Seite in
Auftrag gegebene Gutachten beizog und verwertete, die Parteirechte der
Versicherten im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs und der
Beweiswürdigung zu wahren. Denn die Mitwirkung kann nur von derjenigen
Instanz oder Behörde beachtet werden, welche das Gutachten selber einholt, da
andern eine Beteiligung am Verfahren gar nicht möglich ist. Allfällige unter
Verletzung von Mitwirkungsrechten eingeholte Beweismittel aus andern
Verfahren waren jedoch nicht einfach ohne Beweiswert. Vielmehr waren die
Rechte der Betroffenen dahingehend zu wahren, dass vor der nun entscheidenden
Behörde umfassend Gelegenheit eingeräumt werden musste, dazu Stellung zu
nehmen (BGE 125 V 332). An dieser Rechtslage hat sich mit dem Inkrafttreten
des ATSG am 1. Januar 2003 nichts geändert. Auch die in Art. 44 ATSG
vorgesehenen Mitwirkungsrechte sind durch jenen Versicherungsträger zu
wahren, der das medizinische Gutachten in Auftrag gibt. Mängel bei der
Einholung des Beweismittels sind in jenem Verfahren geltend zu machen. Die
SUVA durfte somit das von der IV-Stelle in Auftrag gegebene Medas-Gutachten
vom 5. Januar 2006 unabhängig von allfälligen Verfahrensmängeln zu den Akten
nehmen.

3.3 Im vorliegenden Fall hat sich die SUVA der von der Invalidenversicherung
veranlassten Begutachtung der Versicherten durch die Medas insofern
angeschlossen, als sie in diesem Rahmen am 24. Mai 2005 Ergänzungsfragen
unterbreitet hat. Wie dem Schreiben des Rechtsvertreters der
Beschwerdeführerin vom 20. Februar 2006 zu entnehmen ist, hat ihr die SUVA
mit Fax vom 1. Juni 2005 ihren Fragenkatalog an die Ärzte der Medas
unterbreitet. Dazu hat sie sich nicht vernehmen lassen. Am 13. Januar 2006
stellte die SUVA dem Rechtsvertreter das Gutachten zu und forderte ihn auf,
allfällige Bemerkungen einzureichen. Davon machte er mit Schreiben vom 20.
Februar 2006 Gebrauch, indem er inhaltliche Kritik am Gutachten anbrachte und
Zusatzfragen unterbreitete. Gesetzliche Ausstands- oder Ablehnungsgründe
(Art. 36 Abs. 1 ATSG; Art. 10 VwVG) gegenüber den am Gutachten beteiligten
Fachärzten im Sinne von triftigen Gründen gemäss Art. 44 ATSG wurden zu
keiner Zeit geltend gemacht. Formellrechtliche Einwendungen im Sinne einer
Verletzung von Art. 44 ATSG durch die SUVA hat die Beschwerdeführerin auch im
erstinstanzlichen Gerichtsverfahren nicht vorgebracht. Es fragt sich daher,
ob der Anspruch nicht als verwirkt zu gelten hat (vgl. BGE 119 II 386 E. 1a
S. 388, 116 Ia 135 E. 4 S. 142). Da sachliche Gründe vorliegen, weshalb die
SUVA der Versicherten die Mitwirkungsrechte nicht bereits vor Erteilung des
Gutachtens zu gewähren hatte (vgl. E. 3.2 hievor) und sie ihr unmittelbar
nach Vorliegen des Gutachtens Gelegenheit gab, sich umfassend zu äussern,
erweist sich der Beizug dieses Rechtsmittels im Verfahren des
Unfallversicherers auch unter dem Gesichtspunkt des rechtlichen Gehörs als
zulässig.

4.
4.1 Weiter macht die Beschwerdeführerin geltend, sie habe in der Stellungnahme
vom 20. Februar 2006 zum Gutachten der Medas vom 5. Januar 2006
Ergänzungsfragen unterbreitet, welche in der Folge den Gutachtern nicht
weitergeleitet worden seien. Die Beantwortung der Zusatzfragen wäre nach
Ansicht der Versicherten zur Klärung ihres Gesundheitszustandes notwendig
gewesen. Des Weitern wird gerügt, dass weder im Einspracheentscheid der SUVA
noch im kantonalen Gerichtsentscheid auf diesen Punkt Bezug genommen worden
sei. Darin liege eine Verletzung von Art. 29 Abs. 2 BV begründet. Zur Frage
der Organizität der Beschwerden müsse ein neues Gutachten eingeholt werden.

4.2 Die SUVA hielt im Einspracheentscheid vom 6. März 2006 fest, es bestehe
keine Veranlassung, der Medas die vom Rechtsvertreter der Versicherten in der
Stellungnahme vom 20. Februar 2006 formulierten Zusatzfragen zu unterbreiten,
da diese nicht auf die Frage der Organizität der von ihr geklagten
Beschwerden abzielen würden. Das kantonale Gericht hat im Rahmen der
Beweiswürdigung festgehalten, den Beschwerden könne kein unfallbedingtes
organisches Substrat zugeordnet werden, worüber die Akten umfassend und
zuverlässig Aufschluss geben würden. Zum Einwand, das Gutachten sei lediglich
zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erstellt worden und bezüglich der
Unfallkausalität daher nicht aussagekräftig, hat die Vorinstanz ausgeführt,
die Gutachter hätten den Fragenkatalog der SUVA ausführlich beantwortet,
organische Verletzungen verneint und die Beschwerden mit neuropsychologischen
Funktionsstörungen und psychischen Leiden begründet. Von medizinischen
Beweisergänzungen sah das kantonale Gericht in antizipierter Beweiswürdigung
ab. Weder der SUVA noch der Vorinstanz kann daher zum Vorwurf gemacht werden,
sie seien in Verletzung des rechtlichen Gehörs auf die Einwände der
Versicherten nicht eingegangen.

4.3 Eine Rückweisung der Sache zur Beantwortung der von der
Beschwerdeführerin unterbreiteten Ergänzungsfragen durch die Fachärzte drängt
sich nur dann auf, wenn diese nicht ohnehin bereits im Medas-Gutachten vom 5.
Januar 2006 beantwortet worden sind und überdies nicht allein vom Gericht zu
beantwortende Rechtsfragen betreffen. Was die in der Stellungnahme vom 20.
Februar 2006 unter 3.3.1 und 3.3.2 Seite 2 aufgeführten Fragen zur Ursache
der neuropsychologischen Funktionsstörungen betrifft, gilt es zunächst
festzuhalten, dass allein massgebend ist, ob unfallbedingte Ursachen für den
Gesundheitsschaden gegeben sind. Das Fehlen des natürlichen
Kausalzusammenhangs muss nicht durch den Nachweis unfallfremder Ursachen
erbracht werden. Es ist daher nicht Aufgabe der Mediziner, zu möglichen
unfallfremden Erklärungen für das Beschwerdebild Stellung zu nehmen (Urteil U
147/05 vom 8. Juni 2006). Zudem ergibt sich aus dem Gutachten folgende
Antwort: "Die neuropsychologisch gemessenen Funktionsstörungen sind nicht
typisch für Funktionsstörungen im Rahmen eines chronischen Beschwerdebildes
nach craniocervikalem Beschleunigungstrauma. Insbesondere kann die sekundäre
Verschlechterung des neuropsychologischen Befundes nicht unfallbedingt
hirnorganisch, sondern im Rahmen der psychischen Problematik erklärt werden"
(vgl. S. 24 Ziff. 3.1). Damit sind auch die Fragen 3.4.1 bis 3.4.4 Seite 5
der erwähnten Stellungnahme zur fehlenden Erklärbarkeit der
neuropsychologischen Störungen im Rahmen eines HWS-Traumas beantwortet. Die
Fragen 2.2.1 bis 2.2.3 auf Seite 6 der Stellungnahme bezüglich der
psychotherapeutischen Behandlung beschlagen nicht die Unfallkausalität und
sind daher irrelevant. Dasselbe gilt für die Fragen 3.5.1 und 3.5.2 auf Seite
8 der Stellungnahme zum typischen Beschwerdebild nach Schleudertrauma. Da in
der Regel bei einem diagnostizierten Schleudertrauma der HWS eine Häufung von
Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und
Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, Visusstörungen,
Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung usw. gemäss BGE
117 V 359 E. 4b S. 360 genügt, um den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen
dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit
anzunehmen und diese Kriterien gemäss Medas-Gutachten weitgehend erfüllt sind
(cerviko-cephale Schmerzen, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, rasche
Ermüdbarkeit, depressive Symptomatik, Kopfschmerzen, Schwindel gemäss Antwort
2.1 Seite 24 des Gutachtens), erübrigen sich diesbezüglich ergänzende
Abklärungen. Auf die Fragen Ziff. 4.3.1 und 4.3.2 Seite 9 der Stellungnahme
zum gesundheitlichen Vorzustand ergibt sich die Antwort aus Seite 24 Ziff. 4
und 5 des Gutachtens. Dort wird auf eine akzentuierte Persönlichkeit mit
perfektionistischen Zügen hingewiesen. Zur Arbeitsfähigkeit in einer
leidensangepassten Tätigkeit haben sich die Gutachter auf Seite 26 Ziff. 9.2
geäussert und damit auch die Fragen der Versicherten auf Seite 10 Ziff. 6.3.1
bis 6.3.3 der Stellungnahme vom 20. Februar 2006 beantwortet. Zusammenfassend
besteht daher kein Anlass zur Durchführung ergänzender medizinischer
Abklärungen.

5.
Wie bereits im vorinstanzlichen Verfahren rügt die Beschwerdeführerin weiter
eine Verletzung des Grundsatzes von Treu und Glauben, welche sie darin
erblickt, dass die SUVA entgegen früherer Aussage das sistierte Verfahren
wieder aufgenommen und einen Entscheid gefällt hat, ohne den Entscheid der
Invalidenversicherung über die Arbeitsfähigkeit abzuwarten. Dieser Einwand
ist unberechtigt. Zum einen entfaltet die Invaliditätsschätzung der
Invalidenversicherung gegenüber dem Unfallversicherer keine Bindungswirkung
(BGE 131 V 362). Zum andern hat die SUVA ihre Sistierung vom 28. April 2005
damit begründet, dass die Invalidenversicherung eine Verfügung nach
Durchführung von weiteren medizinischen Abklärungen in Aussicht gestellt
habe. Nach dem Vorliegen des von der Invalidenversicherung in Auftrag
gegebenen Gutachtens der Medas vom 5. Januar 2006 bestand für die SUVA daher
kein Anlass mehr, das Einspracheverfahren weiterhin sistiert zu halten, zumal
der Entscheid der Invalidenversicherung zur Rentenhöhe auf die Beurteilung,
ob die Leistungseinstellung der SUVA auf den 29. November 2004 zu Recht
erfolgte, keinen Einfluss hat. Eine Verletzung von Treu und Glauben im Sinne
von Art. 5 Abs. 3 BV ist damit nicht zu erblicken.

6.
In materieller Hinsicht streitig und zu prüfen ist, ob die ab 28. November
2004 noch vorhandenen Beschwerden in einem natürlichen und adäquaten, also
leistungsbegründenden Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 11. September
2002 stehen.

6.1 Die Vorinstanz hat die Grundsätze zu dem für die Leistungspflicht des
Unfallversicherers vorausgesetzten natürlichen Kausalzusammenhang zwischen
dem Unfall und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod; BGE
129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen) sowie zum Erfordernis des adäquaten
Kausalzusammenhangs im Allgemeinen (vgl. BGE 125 V 456 E. 5a S. 461 mit
Hinweisen) und bei psychischen Unfallfolgen (BGE 115 V 133) oder
HWS-Schleudertrauma, diesem äquivalenten Verletzungen und Schädel-Hirntrauma
(BGE 117 V 359 E. 6a S. 366 und 369 E. 4b S. 382) im Besonderen, zutreffend
dargelegt. Darauf wird verwiesen.

6.2 Ein Unfall mit Schleudertrauma der HWS kann in der charakteristischen
Erscheinungsform einer Häufung typischer Beschwerden eine Arbeits- bzw.
Erwerbsunfähigkeit verursachen, auch wenn die festgestellten Störungen
organisch nicht nachweisbar sind (BGE 117 V 359 E. 5 d/aa S. 363). Aufgrund
des Unfallhergangs sowie der initial aufgetretenen Beschwerden ist mit den
Verfahrensbeteiligten davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei der
Auffahrkollision vom 11. September 2002 eine Distorsion der HWS erlitten hat
und das Unfallereignis zumindest eine Teilursache der bestehenden Beschwerden
bildet, was für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs genügt (BGE
121 V 326 E. 2a S. 329 mit Hinweisen).

6.3 Die medizinischen Akten, die das kantonale Gericht einlässlich gewürdigt
hat, weisen keine organischen Befunde nach, welche die geltend gemachten
Beschwerden zu erklären vermöchten. Diese sind nicht struktureller, sondern
funktioneller Natur. So konnte der erstbehandelnde Dr. med. Z.________ gemäss
Arztzeugnis vom 1. Oktober 2002 keine nennenswerte Pathologie feststellen. Er
erwähnte Verspannungen in der ganzen HWS und endphasige Schmerzen bei aktiv
durchführbarer Kopfrotation, Seitenneigung und Re- sowie Inklination.
Anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 22. Juli 2003 wurde als
Befund eine höchstens geringe Druckdolenz an C6 und C7 erhoben, während die
Schulter- und Halswirbelsäulenfunktion als gut bezeichnet wurde. Der von der
SUVA beigezogene Dr. med. S.________ hielt im Bericht vom 23. Dezember 2003
einen normalen Neurostatus fest. Ein organneurologisches Leiden zentraler
oder peripherer Art konnte er nicht erkennen. Er wies zudem auf die recht
unbestimmten Angaben zu den verschiedenen Beschwerden hin, welche zum Teil
ausgesprochen funktionell und/oder stressinduziert wirken würden. Weder die
von der Versicherten als Migräne bezeichneten Kopfschmerzen noch das
anfallsartige intensive Unwohlsein konnte der Neurologe genau einordnen. Die
radiologischen Untersuchungen vom 15. Dezember 2003 zeigten keinen
pathologischen Befund. Die im MRI des Schädels aufgezeigten punktförmigen
Signalunregelmässigkeiten bezeichnete Dr. med. S.________ als mit praktischer
Sicherheit nicht posttraumatisch und ohne klinisches Korrelat. Die
otoneurologischen Untersuchungen des Dr. med. D.________ zeigten laut Bericht
vom 13. Februar 2004 normale otoneurologische Resultate und insbesondere
keine objektivierbaren Folgen einer früher erwähnten Lärmüberempfindlichkeit
oder Übelkeit bei Kopfreklination. Anhaltspunkte für eine Otolithenstörung
fanden sich nicht. Es wurden lediglich Zeichen einer kraniomandibulären
Dysfunktion mit verhärteter Schläfenmuskulatur und Wangensaumleisten
festgehalten. Auch im Rahmen der Abklärungen der Medas konnte gemäss
Gutachten vom 5. Januar 2006 weder in der orthopädischen noch in der
neurologischen Untersuchung eine organische Genese der Beschwerden aufgezeigt
werden. Weder liessen sich fokalneurologische Ausfälle objektivieren, noch
ergaben sich Hinweise für eine cervicale Radikulopathie oder Myelopathie und
für eine peripher-vestibuläre oder zentrale Schwindelursache. Auch am
Bewegungsapparat konnte kein pathologischer Befund aufgezeigt werden. Ein
klar ausgewiesenes organisches Substrat der Beschwerden, bei welchem sich der
natürliche und der adäquate Kausalzusammenhang im praktischen Ergebnis
weitgehend decken würden, ist somit nicht ausgewiesen. Dies gilt auch mit
Bezug auf das diagnostizierte cervico-cephale Schmerzsyndrom, welches zwar
als fassbare somatische, nicht aber als organische Gesundheitsstörung gilt.

6.4 Aus neuropsychologischer Sicht ergaben sich laut Medas-Gutachten leicht
bis mittelschwer reichende kognitive Funktionsstörungen. Im Vordergrund stand
eine erheblich reduzierte allgemeine Belastbarkeit aufgrund von vegetativen
und unspezifisch psychischen sowie körperlichen Symptomen. Das klinische Bild
wurde aus neuropsychologischer Sicht als nicht typisch für Funktionsstörungen
bei einem chronifizierten HWS-Trauma beurteilt. Im Rahmen des erlittenen
Unfalls sei dieses nicht oder nur teilweise erklärbar. Die im Vergleich zu
den in der Klinik B.________ erhobenen neuropsychologischen Befunden (Bericht
vom 11. September 2002) eingetretene Verschlechterung ist nach Ansicht der
Gutachter nicht unfallbedingt, sondern auf die psychische Problematik
zurückzuführen. Die psychische Problematik stuften sie als Unfallfolge ein.
Diesbezüglich lauteten die Diagnosen auf leichte depressive Episode ohne
somatisches Syndrom (ICD-10 F 32.00) und akzentuierte Persönlichkeit mit
perfektionistischen und anankastischen Zügen (ICD-10 Z 73.1).

7.
Zu prüfen bleibt, wie es sich mit der adäquaten Kausalität der organisch
nicht nachweisbaren Beeinträchtigungen verhält.

7.1 SUVA und Vorinstanz verneinen den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen
den im Zeitpunkt der Leistungseinstellung noch vorhandenen Beschwerden und
dem Unfallereignis nach den Regeln der in BGE 117 V 359 E. 6a S. 366 und 369
E. 4b S. 382 dargelegten Schleudertrauma-Rechtsprechung, gemäss welcher nicht
zwischen organischen und psychisch bedingten Beschwerden unterschieden wird.
Sie konnten daher offen lassen, ob die zum typischen Beschwerdebild eines
HWS-Schleudertraumas gehörenden Beeinträchtigungen im Vergleich zur
psychischen Problematik unmittelbar nach dem Unfall ganz in den Hintergrund
getreten sind, die physischen Beschwerden im Verlaufe der ganzen Entwicklung
vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt gesamthaft nur eine sehr
untergeordnete Rolle gespielt haben oder die psychischen Beeinträchtigungen
nicht mehr als Symptome der Distorsionsverletzung, sondern als selbstständige
sekundäre Gesundheitsstörung zu qualifizieren sind, was die Prüfung der
adäquaten Kausalität unter dem Gesichtspunkt der Kriterien gemäss BGE 115 V
133 E. 6c/aa S. 140 nach sich gezogen hätte. Dies lässt sich nicht
beanstanden.

7.2 Die Vorinstanz hat den Unfall vom 11. September 2002 in Übereinstimmung
mit der SUVA zu Recht als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten
Unfallereignissen eingestuft. Die Adäquanz wäre daher zu bejahen, wenn ein
einziges der in die Beurteilung einzubeziehenden Kriterien in besonders
ausgeprägter Weise erfüllt wäre oder mehrere der zu berücksichtigenden
Kriterien gegeben wären (BGE 117 V 359 E. 6b S. 367). Der Unfall vom 11.
September 2002 hat sich weder unter besonders dramatischen Begleitumständen
ereignet, noch ist das Geschehen als besonders eindrücklich zu qualifizieren.
Ferner kann weder von einer schweren noch von einer im Hinblick auf die in
Frage stehende Adäquanzbeurteilung besonders gearteten Verletzung gesprochen
werden. Für eine ärztliche Fehlbehandlung fehlen jegliche Hinweise. Des
Weitern kann nicht von einer ungewöhnlich langen, sondern lediglich von einer
im Rahmen des bei Schleudertraumen der HWS oder ähnlichen
Verletzungsmechanismen liegenden Dauer der ärztlichen Behandlung ausgegangen
werden. Dasselbe gilt auch bezüglich des Heilungsverlaufs. Erhebliche
Komplikationen finden sich nicht. Dauerbeschwerden sind bei der
Beschwerdeführerin sicher anzunehmen. Mit diesen hängen auch Grad und Dauer
der Arbeitsunfähigkeit zusammen. Diese beiden Kriterien sind indessen nicht
in einem auffallenden Masse erfüllt. Die praxisgemäss vorzunehmende
Gesamtwürdigung führt nach dem Gesagten zu einer Verneinung des adäquaten
Kausalzusammenhangs, weshalb die Einstellung der Leistungen auf den 29.
November 2004 nicht zu beanstanden ist.

8.
Das Verfahren ist kostenpflichtig (Art. 65 Abs. 4 BGG). Dem Prozessausgang
entsprechend sind die Gerichtskosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen
(Art. 66 BGG). Der Beschwerdegegnerin ist keine Parteientschädigung
zuzusprechen, da sie in ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegt (Art. 68 Abs. 3
BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen und dem Bundesamt für Gesundheit schriftlich mitgeteilt.

Luzern, 3. Januar 2008

Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Ursprung Hofer