Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.13/2007
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8C_13/2007

Urteil vom 28. Januar 2008

I. sozialrechtliche Abteilung

Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichterin Widmer, Bundesrichter Lustenberger, Bundesrichterin
Leuzinger, Bundesrichter Frésard,
Gerichtsschreiber Flückiger.

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA), 6002 Luzern,
Beschwerdeführerin,

gegen

Pensionskasse X.________, Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Evalotta Samuelsson, Seefeldstrasse 45, 8008 Zürich,

betreffend C.________, Frankreich.

Unfallversicherung,

Beschwerde gegen den Beschluss des Sozialversicherungsgerichts des Kantons
Zürich
vom 10. Januar 2007.

Sachverhalt:

A.
Der 1950 geborene C.________ war bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (SUVA) unfall- sowie bei der Pensionskasse
X.________ berufsvorsorgeversichert, als er am 2. April 2001 einen Unfall
erlitt. In der Folge wurde ihm durch die IV-Stelle für Versicherte im Ausland
mit Wirkung ab 1. April 2002 eine ganze Rente (Invaliditätsgrad 83 %)
zuerkannt (Verfügung vom 25. Februar 2005). Die SUVA sprach dem Versicherten
mit Verfügung vom 29. August 2005 eine Invalidenrente auf Grund eines
Invaliditätsgrades von 24 % (ab 1. Januar 2005) sowie eine
Integritätsentschädigung von 15 % zu. Die dagegen vom Versicherten und von
der Pensionskasse X.________ erhobenen Einsprachen wies die Anstalt mit
Entscheid vom 24. November 2005 ab.

B.
Die Pensionskasse X.________ focht den Einspracheentscheid mit Beschwerde
beim Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich an. Sie stellte das
Rechtsbegehren, die dem Versicherten durch die obligatorische
Unfallversicherung auszurichtende Rente sei auf 83 % zu erhöhen. Nachdem die
SUVA beantragt hatte, es sei nicht auf das Rechtsmittel einzutreten,
beschränkte das Gericht das Verfahren auf diese Frage. Mit Beschluss vom
10. Januar 2007 trat es auf die Beschwerde ein.

C.
Die SUVA führt Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, "der Beschluss vom
10. Januar 2007 sei aufzuheben und die fehlende Legitimation der
Beschwerdegegnerin zur Einsprache und Beschwerde zu bestätigen".
Die Pensionskasse X.________ lässt auf Abweisung der Beschwerde schliessen.
Das Bundesamt für Gesundheit verzichtet auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:

1.
1.1 Indem das kantonale Gericht einzig über die Eintretensfrage entschied und
diese bejahte, hat es nach der Terminologie des Bundesgesetzes über das
Bundesgericht vom 17. Juni 2005 (BGG) einen Vorentscheid gefällt (vgl. BGE
133 V 477 E. 4.1.3 S. 481 mit Hinweisen). Dessen selbstständige Anfechtung
ist unter anderem dann zulässig, wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort
einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit
oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93
Abs. 1 lit. b BGG). Diese Voraussetzung ist hier erfüllt, sodass auf das
Rechtsmittel einzutreten ist.

1.2 Anfechtungsgegenstand bildet der Entscheid vom 10. Januar 2007, mit dem
das kantonale Gericht auf das bei ihm erhobene Rechtsmittel eingetreten ist.
In dieser Konstellation hat das Bundesgericht einzig zu prüfen, ob die
Eintretensvoraussetzungen im vorinstanzlichen Verfahren erfüllt sind.
Bezüglich der weitergehenden Rechtsbegehren ist auf die Beschwerde nicht
einzutreten (BGE 132 V 74 E. 1.1 S. 76 mit Hinweis).

2.
Der Rechtsstreit betrifft die Frage, ob die Beschwerdegegnerin, welche dem
Versicherten eine Invalidenrente der beruflichen Vorsorge auszurichten hat,
berechtigt ist, den Rentenentscheid der obligatorischen Unfallversicherung
mit dem Antrag auf Erhöhung der Leistungen auf dem Rechtsmittelweg
anzufechten.

3.
3.1 Die Legitimation zur Anfechtung einer Verfügung bzw. eines
Einspracheentscheids durch Beschwerde an das kantonale Gericht richtet sich
nach Art. 59 ATSG. Gemäss dieser Bestimmung ist zur Beschwerde berechtigt,
wer durch die angefochtene Verfügung oder den Einspracheentscheid berührt ist
und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat. Für
das Einspracheverfahren nach Art. 52 ATSG gelten inhaltlich dieselben
Legitimationsvoraussetzungen (BGE 132 V 74 E. 3.1 S. 77, 131 V 298 E. 2
S. 299 f., 130 V 560 E. 3.2 S. 562 f.). Diese waren auch für die
Beschwerdebefugnis im Verfahren vor dem Eidgenössischen Versicherungsgericht
gemäss dem bis Ende 2006 in Kraft gestandenen Art. 103 lit. a OG massgebend
(BGE 133 V 188 E. 4.1 S. 190 f., 131 V 298 E. 2 S. 299 f.; zur Rechtslage
unter dem BGG vgl. Ueli Kieser, Dritte als Partei im
Sozialversicherungsprozess, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.],
Sozialversicherungsrechtstagung 2006, S. 79 ff., 85 f.; derselbe,
Auswirkungen des Bundesgesetzes über das Bundesgericht auf die
Sozialversicherungsrechtspflege, in: Ehrenzeller/Schweizer [Hrsg.], Die
Reorganisation der Bundesrechtspflege - Neuerungen und Auswirkungen in der
Praxis, St. Gallen 2006, S. 439 ff., 456 f.).
3.2 Erlässt ein Versicherer eine Verfügung, welche die Leistungspflicht eines
anderen Trägers berührt, so hat er auch ihm die Verfügung zu eröffnen. Dieser
kann die gleichen Rechtsmittel ergreifen wie die versicherte Person (Art. 49
Abs. 4 ATSG). Der Begriff des Berührtseins nach dieser Norm stimmt wiederum
mit demjenigen des schutzwürdigen Interesses (an der Aufhebung oder Änderung
der angefochtenen Verfügung) im Sinne von aArt. 103 lit. a OG und damit auch
der übrigen vorerwähnten Normen überein (BGE 133 V 549 E. 3 S. 551, 132 V 74
E. 3.1 S. 77).

3.3 Der Entwurf der Kommission des Ständerates zum Gesetz über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 27. September 1990 (BBl
1991 II 186 ff.) sah in Art. 78 eine dem heutigen Art. 49 Abs. 4 ATSG
entsprechende Verpflichtung der Versicherer vor, eine Verfügung, welche die
Leistungspflicht eines anderen Trägers berührt, diesem zu eröffnen (a.a.O.,
S. 207). Innerhalb der Gesetzessystematik war die Norm im Kapitel
"Koordinationsregeln" (Art. 69 ff.) am Schluss der Vorschriften über die
Leistungskoordination eingeordnet. Den Zweck, der materiellen
Leistungskoordination zu dienen, hat die Bestimmung durch die letztliche
Einordnung bei der Verfügungseröffnung nicht verloren (Susanne
Leuzinger-Naef, Der Wegfall der Unfallkausalität, in: Schaffhauser/Schlauri
[Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2007, St. Gallen 2007, S. 9 ff.,
32).
Eine mit dem heutigen Art. 59 ATSG identische Vorschrift fand sich als
Art. 65 lit. a des erwähnten Entwurfs (a.a.O., S. 201) im dritten Abschnitt
"Rechtspflegeverfahren" (Art. 62 ff.) des Kapitels "Allgemeine
Verfahrensbestimmungen" (Art. 35 ff.). Die Bestimmung blieb in der Folge
inhaltlich unverändert; einzig der in lit. b des damaligen Art. 65 enthaltene
Hinweis auf die Möglichkeit spezialgesetzlich begründeter
Rechtsmittelbefugnisse wurde durch die nationalrätliche Kommission gestrichen
(BBl 1999 4622; zum Ganzen Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, Zürich 2003, S. 585,
Art. 59 N 1).

3.4 Das ATSG ist auf die berufliche Vorsorge grundsätzlich nicht anwendbar
(BGE 130 V 78 E. 1.2 S. 79). Ob eine Vorsorgeeinrichtung in einem
unfallversicherungsrechtlichen Verfahren unter den Begriff "anderer Träger"
nach Art. 49 Abs. 4 ATSG fällt, hat das Eidgenössische Versicherungsgericht
im Urteil U 36/05 vom 16. Januar 2006, E. 2.3 (RKUV 2006 Nr. U 580 S. 186)
offen gelassen. Unabhängig von der Frage nach der (direkten) Anwendbarkeit
von Art. 49 Abs. 4 ATSG besteht jedoch eine Verpflichtung des
Unfallversicherers, einen anfechtbaren Entscheid der betroffenen
Vorsorgeeinrichtung zu eröffnen, falls diese im Sinne von Art. 52 oder 59
ATSG zur Erhebung eines Rechtsmittels befugt ist. Dies folgt, analog zum
Verhältnis zwischen Invalidenversicherung und beruflicher Vorsorge, direkt
aus dem verfassungsrechtlichen Anspruch auf rechtliches Gehör und den damit
verbundenen Mitwirkungsrechten (vgl. BGE 129 V 73 E. 4.1 S. 74 f.). Da die
Voraussetzungen für die Anwendbarkeit der erwähnten Vorschriften mit
denjenigen übereinstimmen, welche für die Umschreibung des Geltungsbereichs
von Art. 49 Abs. 4 ATSG massgebend sind, kommt der Frage, ob die
Vorsorgeeinrichtungen als Versicherungsträger im Sinne dieser Bestimmung zu
gelten haben, nur untergeordnete Bedeutung zu.

4.
4.1 Der Entscheid eines Sozialversicherers über einen ihm gegenüber geltend
gemachten Anspruch kann die Leistungspflicht anderer Versicherungsträger -
welchen in diesem Zusammenhang auch die Einrichtungen der beruflichen
Vorsorge zuzurechnen sind - im Wesentlichen auf folgende Arten beeinflussen
(vgl. auch Ueli Kieser, Dritte als Partei im Sozialversicherungsverfahren,
in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2006,
St. Gallen 2006, S. 79 ff., 101 ff.):
4.1.1 Möglich ist zunächst, dass die Verneinung einer Leistungspflicht des
verfügenden Versicherungsträgers unmittelbar jene des anfechtungswilligen
Trägers begründet. Es liegt in dem Sinne ein negativer Zuständigkeitskonflikt
vor, als derselbe Sachverhalt Ansprüche gegenüber dem einen oder, falls dies
zu verneinen ist, gegenüber dem anderen Träger auslöst.

4.1.2 Die Anspruchsbeurteilung durch den einen Versicherer kann für den
anderen Träger Bindungswirkung entfalten. Wenn dieser anschliessend über
seine eigene Leistungspflicht zu befinden hat, ist ihm eine selbstständige
Prüfung einzelner Elemente verwehrt und er hat stattdessen - unter Vorbehalt
eines unter engen Voraussetzungen (offensichtliche Unrichtigkeit) zulässigen
Abweichens - die Feststellungen des erstverfügenden Versicherungsträgers
(beispielsweise zur Höhe des Invaliditätsgrades) zu übernehmen.

4.1.3 In einer dritten Fallgruppe wirkt sich die strittige Verfügung nicht
auf die grundsätzliche materiellrechtliche Leistungspflicht des
anfechtungswilligen Sozialversicherungsträgers aus; sie zeitigt aber
diesbezüglich unmittelbare quantitative Auswirkungen. Diese Variante kommt
insbesondere in Frage bei möglichen Kürzungen wegen Überentschädigung oder
bei der Zusprechung einer Komplementärrente der Unfallversicherung.

4.1.4 Die vierte Konstellation ist durch eine Vorleistungspflicht des
anfechtenden Sozialversicherungsträgers im Verhältnis zum verfügenden
gekennzeichnet. Dies trifft gemäss Art. 70 ATSG zu für die
Krankenversicherung im Verhältnis zur Unfall-, Militär- und
Invalidenversicherung, für die Arbeitslosenversicherung im Verhältnis zur
Kranken-, Unfall- und Invalidenversicherung, für die Unfall- im Verhältnis
zur Militärversicherung sowie für die Vorsorgeeinrichtungen im Verhältnis zu
Unfall- und Militärversicherung. Der Vorleistungspflicht kann
materiellrechtlich entweder eine nachrangige ausschliessliche
Leistungspflicht des anfechtenden Sozialversicherungsträgers
(Prioritätsprinzip) oder eine kumulative Leistungspflicht beider Versicherer
mit Kürzungsmöglichkeit (Kumulationsprinzip) zugrunde liegen (vgl. die
Zusammenstellung bei Ueli Kieser, Leistungsrechtliche Koordination im
Sozialversicherungsrecht - einige Anfragen an die Rechtsetzung, in:
Schaffhauser/Kieser [Hrsg.], Sozialversicherungsrechtliche
Leistungskoordination, St. Gallen 2006, S. 251 ff., 273).

4.2 Der Rentenentscheid des obligatorischen Unfallversicherers wirkt sich
nicht unmittelbar auf den grundsätzlichen Anspruch der versicherten Person
gegenüber der Berufsvorsorgeeinrichtung aus (eine Ausnahme ist immerhin
insoweit gegeben, als im überobligatorischen Bereich das Unfallrisiko
ausgeschlossen werden kann [BGE 123 V 122 E. 3a S. 123 f.]). Insbesondere ist
diese nicht an die Invaliditätsbemessung durch den Unfallversicherer
gebunden. Dessen Entscheid entfaltet jedoch als Folge der
materiell-koordinationsrechtlichen Regelung Auswirkungen auf die
Vorsorgeeinrichtung: Art. 66 Abs. 2 ATSG findet im Bereich des BVG Anwendung,
wenn dessen Leistungen mit gleichartigen Leistungen anderer
Sozialversicherungen zusammentreffen (Art. 34a Abs. 2 BVG). Demnach werden
Renten in erster Priorität durch die Alters- und Hinterlassenenversicherung
oder die Invalidenversicherung, in zweiter Priorität durch die Militär- oder
die Unfallversicherung und schliesslich in dritter Priorität durch die
Einrichtungen der beruflichen Vorsorge gewährt. Entsprechend dieser Rangfolge
kann die Vorsorgeeinrichtung die Hinterlassenen- und Invalidenleistungen
kürzen, soweit diese zusammen mit anderen anrechenbaren Einkünften 90 Prozent
des mutmasslich entgangenen Verdienstes übersteigen (Art. 34a Abs. 1 BVG in
Verbindung mit Art. 24 Abs. 1 BVV 2). Dies gilt auch, wenn die obligatorische
Unfallversicherung für den gleichen Versicherungsfall leistungspflichtig ist
(Art. 25 Abs. 1 BVV 2). Überdies statuiert Art. 70 Abs. 2 lit. d BVG
(anwendbar gemäss Art. 34a Abs. 3 BVG) eine Vorleistungspflicht der
Vorsorgeeinrichtung "für Renten, deren Übernahme durch die Unfall-
beziehungsweise Militärversicherung oder die berufliche Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge nach BVG umstritten ist." Als
vorleistungspflichtiger Träger hat die Vorsorgeeinrichtung diesfalls die
Leistungen nach den für sie geltenden Bestimmungen zu erbringen. Wird der
Fall von einem anderen Träger übernommen, hat dieser die Vorleistungen im
Rahmen seiner Leistungspflicht zurückzuerstatten (Art. 71 ATSG).

5.
Die Frage, ob die dargestellten Auswirkungen des UV-Rentenentscheids ein
Berührtsein der Vorsorgeeinrichtung im Sinne von Art. 59 ATSG zu begründen
vermögen, ist wie folgt zu beurteilen:
5.1 Nach der Rechtsprechung erfüllen Personen sowie grundsätzlich auch
Versicherungsträger oder Behörden, welche nicht Adressaten der Verfügung
sind, die Legitimationsvoraussetzungen nach Art. 59 ATSG, wenn sie
(kumulativ) einerseits ein tatsächliches, beispielsweise wirtschaftliches
Interesse und andererseits eine hinreichende Beziehungsnähe respektive eine
Betroffenheit von genügender Intensität aufweisen (BGE 133 V 188 E. 4.3.1
S. 192, 130 V 560 E. 3.4 S. 564, mit Hinweisen). Bei der Beurteilung dieser
Voraussetzung wird danach unterschieden, ob das Rechtsmittel gegen eine den
Verfügungsadressaten begünstigende Verfügung gerichtet ist (Drittbeschwerde
"contra Adressat") oder ob es zu dessen Gunsten erhoben werden soll
(Drittbeschwerde "pro Adressat"; BGE 131 V 298 E. 4 S. 300, 130 V 564
E. 3.5).
5.2 Im Fall einer Beschwerdeerhebung "contra Adressat" ist die hinreichende
Beziehungsnähe gegeben und damit die Legitimation des anfechtungswilligen
Versicherungsträgers zu bejahen, wenn ihm gegenüber die dem Rentenentscheid
zugrunde liegende Invaliditätsbemessung Verbindlichkeitswirkung entfaltet
(E. 4.1.2 hiervor). Dies trifft zu für die Berufsvorsorgeeinrichtung
gegenüber einer Rentenverfügung der Eidgenössischen Invalidenversicherung
(BGE 132 V 1, 129 V 73), nicht dagegen im gegenseitigen Verhältnis zwischen
Invaliden- und Unfallversicherung (BGE 133 V 549 E. 6.4 S. 556 f., 131 V 362
E. 2.2 S. 366 f.; AHI 2004 S. 181, I 564/02). Auch vorliegend ist diese
Konstellation, wie bereits dargelegt, nicht gegeben.

5.3 Eine Legitimation Dritter zur Anfechtung "pro Adressat" kommt, wenn der
Verfügungsadressat selbst kein Rechtsmittel ergreift, ausserhalb förmlicher
gesetzlicher Anerkennung nur in Betracht, wenn sie ein selbstständiges,
eigenes Rechtsschutzinteresse an der Beschwerdeführung für sich in Anspruch
nehmen können (BGE 131 V 300 E. 4, 130 V 564 E. 3.5, je mit Hinweisen). Die
Rechtsprechung hat sich dazu wie folgt geäussert:
5.3.1 Ohne weiteres bejaht werden die Legitimationsvoraussetzungen, wenn der
einen Anspruch verneinende Entscheid des verfügenden Versicherers unmittelbar
die prinzipielle Leistungspflicht des anfechtungswilligen Trägers begründet
(E. 4.1.1 hiervor). Gegeben ist diese Konstellation insbesondere im
Verhältnis zwischen obligatorischer Unfall- und obligatorischer
Krankenpflegeversicherung bezüglich Heilbehandlungsleistungen (vgl. BGE 126 V
183 ff.), aber beispielsweise auch zwischen zwei Gemeinwesen, welche über die
Zuständigkeit für die Ausrichtung von Ergänzungsleistungen im Streit liegen
(BGE 132 V 74 ff.; diese Konstellation betrifft einen einzigen
Versicherungszweig und damit nicht die durch Art. 49 Abs. 4 ATSG erfasste
intersystemische Koordination, ist jedoch im gleichen Sinn zu beurteilen).

5.3.2 Falls sich der anzufechtende Entscheid nicht auf die grundsätzliche
Leistungspflicht eines Dritten auswirkt, diese jedoch in quantitativer
Hinsicht beeinflusst, ist für die Rechtsmittellegitimation über das daraus
resultierende wirtschaftliche Interesse hinaus erforderlich, dass dem Dritten
aus der angefochtenen Verfügung ein unmittelbarer Nachteil erwächst (BGE 130
V 560 E. 3.5 S. 565, 125 V 339 E. 4a S. 343, mit Hinweisen). Dieses Kriterium
wurde in jüngeren Urteilen wie folgt beurteilt:
5.3.2.1Mehrere Entscheide befassten sich mit der Rechtsmittellegitimation des
Arbeitgebers zu Gunsten der versicherten Person. Diese wurde verneint in
Bezug auf eine Rente der Invalidenversicherung (BGE 130 V 560 ff.) und eine
Rente der obligatorischen Unfallversicherung (BGE 131 V 298 E. 5.3.3 S. 302
f. und E. 6 S. 303 f.), aber bejaht in Bezug auf das Vorliegen eines Unfalls
oder einer unfallähnlichen Körperschädigung sowie den Anspruch auf Taggelder
der obligatorischen Unfallversicherung (Urteil U 519/06 vom 28. September
2007 E. 5 und 6; vgl. auch BGE 131 V 298 E. 5.3.2 S. 302). Einen
entscheidenden Gesichtspunkt bildete jeweils der typischerweise fehlende oder
gegebene Zusammenhang der konkreten Leistung mit der gesetzlichen
Lohnfortzahlungspflicht nach Art. 324a und 324b OR. Im Sinne eines Argumentes
für eine zurückhaltende Umschreibung der Legitimation trug das Gericht
überdies dem Aspekt des Datenschutzes Rechnung.

5.3.2.2 Auch das Gemeinwesen, welches die versicherte Person durch
wirtschaftliche Sozialhilfe unterstützt, ist nach der Rechtsprechung nicht
ohne weiteres legitimiert, auf dem Rechtsmittelweg die Ausrichtung höherer
oder zusätzlicher Sozialversicherungsleistungen zu beantragen. Darüber hinaus
ist eine unmittelbare und konkrete Betroffenheit oder qualifizierte
Beziehungsnähe zur Streitsache erforderlich. Diese Voraussetzung wurde als
erfüllt erachtet in Bezug auf die Anfechtung eines durch den obligatorischen
Krankenpflegeversicherer verfügten Leistungsaufschubs sowie die
Geltendmachung von Leistungen der Invalidenversicherung und von
Ergänzungsleistungen. Sie wurde verneint hinsichtlich der Geltendmachung von
Ansprüchen gegenüber der Arbeitslosenversicherung sowie der Anfechtung einer
IV-Rentenverfügung, welche nach dem Tod der unterstützten Person ergangen war
(BGE 133 V 188 E. 4.4 ff. S. 194 ff., mit Rechtsprechungsübersicht).

5.3.2.3 Die Eigenschaft als Gläubiger der versicherten Person begründet für
sich allein kein schutzwürdiges Interesse (BGE 130 V 560 E. 3.5 S. 565 mit
Hinweisen). An einem solchen fehlt es auch dem Privatversicherer, welcher
seine Leistungen um diejenigen der obligatorischen Unfallversicherung kürzen
könnte, denn der ihm erwachsende Nachteil ergibt sich nicht unmittelbar aus
der Verfügung, sondern stellt eine blosse Reflexwirkung dar (BGE 125 V 339
E. 4d S. 345).

5.3.2.4 In Bezug auf die hier zu beurteilende Konstellation erachtete das
Eidgenössische Versicherungsgericht unter dem früheren Recht (aArt. 129 UVV,
in Kraft gewesen bis Ende 2002) im Urteil U 60/94 vom 28. Oktober 1994, E. 1
(veröffentlicht in RKUV 1995 Nr. U 212 S. 63, nicht in BGE 120 V 352), die
Pensionskasse als legitimiert, eine durch den obligatorischen
Unfallversicherer verfügte Leistungsablehnung mittels Einsprache und
Beschwerde anzufechten. Es begründete dies mit dem koordinationsrechtlichen
Zusammenhang zwischen Unfallversicherungs- und Berufsvorsorgeleistungen.
Später liess das Gericht die Frage jedoch offen (Urteil U 217/02 vom
29. Oktober 2003, RKUV 2004 Nr. U 506 S. 252). Unter der Herrschaft des ATSG
hielt es im Urteil U 36/05 vom 16. Januar 2006, E. 2.5 (RKUV 2006 Nr. U 580
S. 186), fest, die Vorsorgeeinrichtung sei durch eine Verfügung des
Unfallversicherers, mit welcher dieser seine Leistungen für ein bestimmtes
Ereignis einstellt, im Sinne von Art. 59 ATSG in ihrer Leistungspflicht
berührt. Es bezog sich dabei sowohl auf die Vorleistungspflicht (E. 4.1.4
hiervor) als auch auf die Kürzungsmöglichkeit bei Überentschädigung (E. 4.1.3
hiervor). Der Unfallversicherer, welcher eine Komplementärrente zur
Invalidenrente der Invalidenversicherung ausrichtet und sich damit in einer
vergleichbaren Situation befindet wie ein zur Kürzung wegen Überentschädigung
befugter Versicherungsträger, wurde im Urteil I 249/06 vom 2. August 2007
(HAVE 2007 S. 274) seinerseits als legitimiert angesehen, die revisionsweise
Herabsetzung der (bereits laufenden) IV-Rente anzufechten.

5.4 In der Lehre spricht sich Ueli Kieser (Dritte als Partei im
Sozialversicherungsverfahren, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.],
Sozialversicherungsrechtstagung 2006, St. Gallen 2006, S. 79 ff., 102 f.)
grundsätzlich dafür aus, ein Berührtsein im Sinne von Art. 49 Abs. 4 ATSG
anzunehmen, wenn sich aus der Verneinung der Leistungspflicht des einen
Sozialversicherungszweigs unmittelbar die Vorleistungspflicht eines anderen
ergibt. Massgebend könnten jedoch nur Tatbestände sein, welche eigentliche
Vorleistungen (und nicht nur kumulativ zu erbringende und durch eine
Überentschädigung begrenzte Leistungen) betreffen. Deshalb fällt nach Ansicht
dieses Autors insbesondere die Vorleistungspflicht der Vorsorgeeinrichtungen
nach Art. 70 Abs. 2 lit. d BVG (gemeint: ATSG) nicht in diese Kategorie, da
eine bloss quantitative Auswirkung des anzufechtenden Entscheids
(Kürzungsmöglichkeit) kein Berührtsein nach Art. 49 Abs. 4 ATSG zu begründen
vermöge. Im gleichen Sinne äussert sich auch Stefan A. Dettwiler, BGG - Sicht
des Sozialversicherers, SZS 2007 S. 259 ff., 263 f. Bejaht wird die
Legitimation des vorleistungspflichtigen Versicherers demgegenüber durch
Jean-Louis Duc, Le tiers dans la procédure administrative non contentieuse
des assurances sociales, in: Tanquerel/ Bellanger (Ed.), Les tiers dans la
procédure administrative, Zürich 2004, S. 125 ff., 139 f. (vgl. auch Susanne
Leuzinger-Naef, Die Leistungskoordination gemäss Art. 63-71 ATSG, in:
Schaffhauser/ Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG], St. Gallen 2003, S. 155 ff., 164).

5.5 Infolge der materiell-koordinationsrechtlichen Regelung (E. 4.2 hiervor)
ist der Entscheid des Unfallversicherers über seine Leistungspflicht
regelmässig ausschlaggebend dafür, in welchem Umfang die Vorsorgeeinrichtung
Leistungen zu erbringen hat. Daran ändert die dem Prinzip der gesetzlichen
Mindestvorschriften (Art. 6 BVG) entsprechende "Kann-Formulierung" in Art. 24
Abs. 1 und 25 Abs. 1 BVV 2 nichts. Damit ist die Berufsvorsorgeeinrichtung
auf Grund der von Gesetz und Verordnung geschaffenen Ordnung durch die
unfallversicherungsrechtliche Anspruchsbeurteilung direkter berührt als
beispielsweise das für die Ausrichtung von Sozialhilfe zuständige
Gemeinwesen, dessen mögliche Beanspruchung davon abhängt, ob die
Leistungseinstellung den Existenzbedarf der versicherten Person gefährdet.
Dasselbe gilt im Vergleich mit anderen Dritten, deren
Rechtsmittellegitimation durch die Gerichtspraxis verneint wurde (vgl. auch
die weiteren Beispiele in BGE 114 V 94 E. 3b S. 97 f.). So ergibt sich die
Möglichkeit zur Leistungskürzung für einen Privatversicherer nicht
unmittelbar aus der Verfügung in Verbindung mit Gesetz und Verordnung,
sondern aus der konkreten Vereinbarung über Voraussetzungen, Umfang und
Grenzen der Leistungspflicht. Ebenso ist der Arbeitgeber insoweit zur
Anfechtung eines Entscheids des Unfallversicherers legitimiert, als sich
dessen zur Diskussion stehende Leistung typischerweise auf die gesetzliche
Lohnfortzahlungspflicht nach Art. 324a und 324b OR auswirkt, was beim
UVG-Taggeld, nicht aber bei der UVG-Rente zutrifft (vgl. BGE 131 V 298
E. 5.3.2 und 5.3.3 S. 302 f.). Ähnliche Überlegungen lassen sich zur
Legitimation des obligatorischen Krankenpflegeversicherers im Verfahren der
Invalidenversicherung anführen (vgl. Art. 88quater IVV und BGE 114 V 94 E. 3e
S. 100). Mit Blick auf diese in der bisherigen Rechtsprechung zum Ausdruck
gelangenden allgemeinen Kriterien, aber auch unter Berücksichtigung
derjenigen Urteile, welche die hier zu beurteilende Konstellation oder
vergleichbare Sachverhalte betrafen, ist die Frage, ob der
Vorsorgeeinrichtung, welche eine Invalidenrente nach BVG auszurichten hat,
aus der (ganzen oder teilweisen) Leistungsverweigerung durch den
Unfallversicherer ein unmittelbarer Nachteil erwachse (E. 5.3.2 hiervor), zu
bejahen. Die aus dieser Beurteilung folgende Einräumung einer
Beschwerdelegitimation gewährleistet die materiellrechtliche
Leistungskoordination unter Wahrung der Interessen der
nachleistungspflichtigen Vorsorgeeinrichtung und verhindert widersprüchliche
Beurteilungen zum Nachteil der versicherten Person. Nicht entscheidend kann
in diesem Zusammenhang sein, ob die Vorsorgeeinrichtung bereits Leistungen
erbringt oder ob die erstmalige Leistungsfestsetzung zur Diskussion steht
(vgl. mit Bezug auf Komplementärrenten der Unfallversicherung Jean-Maurice
Frésard/Margit Moser-Szeless, L'assurance-accidents obligatoire, in:
Schweizerisches Bundessozialversicherungsrecht [SBVR], Soziale Sicherheit,
2. Auflage, Basel 2007, Rz. 694 S. 1027).

5.6 Wenn die Beschwerdeführerin einwendet, der Unfallversicherer sei trotz
seiner Verpflichtung zur Ausrichtung einer Komplementärrente (nach Art. 20
oder 31 UVG) nicht befugt, den Rentenentscheid der Invalidenversicherung
anzufechten, weil dieser ihm gegenüber keine Bindungswirkung entfalte (vgl.
BGE 131 V 362), übersieht sie, dass sich diese Rechtsprechung auf die
Befugnis zur Erhebung eines Rechtsmittels "contra Adressat" bezieht (vgl.
E. 5.2 hiervor). Die Beschwerdelegitimation "pro Adressat" unter Berufung
darauf, dass sich die Herabsetzung der laufenden IV-Rente auf die
Komplementärrente auswirke, wurde inzwischen bejaht (Urteil I 249/06 vom
2. August 2007, E. 3, HAVE 2007 S. 274). Die praktischen Probleme, welche
sich aus der Notwendigkeit ergeben, die Rentenverfügung den betroffenen
Vorsorgeeinrichtungen zu eröffnen (E. 3.4 hiervor), erscheinen als lösbar,
zumal auch die IV-Stellen eine entsprechende Verpflichtung trifft (Art. 73bis
Abs. 2 lit. f IVV).

5.7 Es ist hinreichend erstellt, dass die Beschwerdegegnerin dem Versicherten
eine Invalidenrente auszurichten hat. Sie ist daher zur beschwerdeweisen
Anfechtung des Einspracheentscheids befugt. Diese Feststellung führt zur
Abweisung der Beschwerde.

6.
6.1 Das Verfahren ist kostenpflichtig (Art. 65 BGG). Als unterliegende Partei
hat die Beschwerdeführerin die Gerichtskosten zu tragen (Art. 66 Abs. 1 BGG;
BGE 133 V [8C_158/2007], E. 5). Da sich zwei Versicherer gegenüberstehen,
gilt für die Gerichtsgebühr der ordentliche Rahmen nach Art. 65 Abs. 3 BGG,
während Art. 65 Abs. 4 lit. a BGG keine Anwendung findet (Seiler/von
Werdt/Güngerich, Bundesgerichtsgesetz [BGG], Bern 2007, S. 223, Art. 65 N 28;
Thomas Geiser, Basler Kommentar zum Bundesgerichtsgesetz, Basel 2008, S. 575,
Art. 65 N 20; vgl. BGE 126 V 183 E. 6 S. 192).

6.2 Als Organisation mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben, welche in ihrem
amtlichen Wirkungskreis handelt, hat die Beschwerdegegnerin keinen Anspruch
auf Parteientschädigung (Art. 68 Abs. 3 BGG; vgl. BGE 126 V 143 E. 4a
S. 150).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 3000.- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Sozialversicherungsgericht des Kantons
Zürich, dem Bundesamt für Gesundheit und Jean-Pierre Chatel schriftlich
mitgeteilt.
Luzern, 28. Januar 2008

Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Ursprung Flückiger