Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.152/2007
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Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
8C_152/2007

Urteil vom 26. Mai 2008
I. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichterin Widmer, Bundesrichter Lustenberger, Bundesrichterin Leuzinger,
Bundesrichter Frésard,
Gerichtsschreiber Lanz.

Parteien
K.________,
Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt
Dr. Max Sidler, Untermüli 6, Postfach 2555, 6302 Zug,

gegen

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA), Fluhmattstrasse 1, 6004
Luzern,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Unfallversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Zug vom 29.
März 2007.

Sachverhalt:

A.
Der 1980 geborene K.________ arbeitete ab August 2000 als Angelernter in der
Produktion der Firma P.________ und war dadurch bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen Unfallfolgen versichert.
Am 7. Juli 2004 erlitt er einen Verkehrsunfall, als er mit seinem Personenwagen
abbremsen musste und ein nachfolgendes Fahrzeug in das Heck seines Wagens fuhr.
Wegen Nackenschmerzen suchte er tags darauf Dr. med. I.________, Facharzt für
Allgemeine Medizin, auf, welcher ein leichtes Distorsionstrauma der
Halswirbelsäule (HWS) diagnostizierte und eine medikamentöse Behandlung
anordnete. Die SUVA erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung,
Taggeld). Nach einem gescheiterten Arbeitsversuch zu einem Pensum von 50 % im
Juli 2004 nahm der Versicherte die Arbeit am 14. August 2004 wieder voll auf.
Ab Anfang September 2004 arbeitete er wegen erneuter Beschwerden nur noch zu 50
% und stellte die Erwerbstätigkeit in der Folge ein. Am 12. November 2004
kündigte der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis auf Ende Januar 2005. Nach
Anordnung einer Biomechanischen Kurzbeurteilung durch die Arbeitsgruppe für
Unfallmechanik, Zürich, vom 18. Februar 2005, einer Untersuchung der
Wirbelsäule mittels Magnetresonanztomographien (MRT) sowie einer
psychiatrischen Abklärung erliess die SUVA am 14. Oktober 2005 eine Verfügung,
mit welcher sie die Versicherungsleistungen auf den 31. Oktober 2005
einstellte. Zur Begründung wurde ausgeführt, die noch geklagten Beschwerden
seien nicht mit einer organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolge zu erklären
und stünden nicht in einem kausalen Zusammenhang mit dem versicherten Ereignis.
Die vom Krankenversicherer des K.________ vorsorglich eingereichte Einsprache
wurde wieder zurückgezogen. Die Einsprache des Versicherten wies die SUVA ab
(Einspracheentscheid vom 24. November 2005).

B.
Beschwerdeweise beantragte K.________, in Aufhebung des Einspracheentscheids
seien ihm die gesetzlichen Leistungen, insbesondere Heilbehandlung und Taggeld,
eventuell eine Rente, zuzusprechen. Mit der Beschwerde reichte er u.a. einen
Bericht des Dr. med. V.________, Facharztpraxis für Diagnostische Radiologie,
Deutschland, vom 18. November 2005 über einen mit funktionellen
Magnetresonanztomographien (fMRT) erhobenen Befund im Bereich des
kraniozervikalen Übergangs ein. Gestützt darauf liess er geltend machen, es
liege ein unfallbedingtes organisches Substrat vor, welches für die bestehenden
Beschwerden ursächlich sei. Die SUVA sei daher leistungspflichtig.

Das Verwaltungsgericht des Kantons Zug führte einen zweifachen Schriftenwechsel
durch, in dessen Rahmen sich die Parteien insbesondere zur Frage äusserten,
inwieweit Untersuchungen mit fMRT geeignet sind, organische Unfallfolgen
nachzuweisen. Mit der Feststellung, dass die fMRT der HWS hinsichtlich der hier
zur Diskussion stehenden Problematik der Kausalität von Unfallfolgen noch nicht
allgemein anerkannt sei und auch keine Möglichkeit bestehe, die Zuverlässigkeit
dieser Methode adäquat zu prüfen, gelangte das kantonale Gericht zum Schluss,
es müsse ihr die Geeignetheit als Beweismittel für die Unfallkausalität
abgesprochen werden. Es stellte sodann fest, dass kein hinreichend
objektivierbarer somatischer Befund für die geklagten Kopf-, Nacken- und
Schulterschmerzen bestehe, es an dem für ein Schleudertrauma typischen
Beschwerdebild fehle und auch kein psychisches Leiden vorliege, und verneinte
den Anspruch auf die streitigen Leistungen mangels eines Kausalzusammenhangs
zwischen dem Unfallereignis und den geklagten Beschwerden (Entscheid vom 29.
März 2007).

C.
K.________ lässt Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten führen
sinngemäss mit dem Rechtsbegehren, in Aufhebung des angefochtenen Entscheids
und des Einspracheentscheids vom 24. November 2005 seien ihm die gesetzlichen
Leistungen zuzusprechen. Eventuell sei die Sache zur Vornahme weiterer
Beweiserhebungen und zu neuem Entscheid zurückzuweisen.

Das Verwaltungsgericht des Kantons Zug äussert sich zur erhobenen Rüge einer
Verletzung der Abklärungspflicht und beantragt Abweisung der Beschwerde. Die
SUVA beantragt in formeller Hinsicht, die Beschwerde sei zur Verbesserung
zurückzuweisen; materiell lässt sie sich mit dem Antrag auf Abweisung
vernehmen. Das Bundesamt für Gesundheit verzichtet auf eine Vernehmlassung.

D.
Den Parteien wurde die Gelegenheit eingeräumt, ihre Vorbringen im Hinblick auf
das zwischenzeitlich ergangene Urteil BGE 134 V 109 zu ergänzen. Davon liess
K.________ mit Eingabe vom 9. April 2008 Gebrauch machen.

Erwägungen:

1.
Im Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von Geldleistungen
der Militär- oder Unfallversicherung ist das Bundesgericht nicht an die
vorinstanzliche Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gebunden (Art.
97 Abs. 2 und Art. 105 Abs. 3 BGG).

2.
Die SUVA beantragt, die Beschwerde sei wegen ungebührlicher Äusserungen zur
Verbesserung zurückzuweisen (Art. 42 Abs. 6 BGG) und es sei der Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers mit einem Verweis zu ahnden (Art. 33 BGG). Die gerügten
Äusserungen des Rechtsvertreters betreffend SUVA-Arzt Dr. med. X.________
lassen zwar den von einem Rechtsanwalt zu erwartenden Anstand vermissen, sind
jedoch nicht in einem Masse ungebührlich, dass Massnahmen nach Art. 33 und 42
Abs. 6 BGG anzuordnen wären.

3.
Im kantonalen Entscheid sind die nach der Rechtsprechung für den Anspruch auf
Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung (Art. 6 Abs. 1 UVG) geltenden
Voraussetzungen des natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen dem
Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (BGE 129 V 177 E. 3.1 u. 3.2 S.
181), insbesondere bei Schleudertraumen und schleudertraumaähnlichen
Verletzungen der HWS (BGE 117 V 359; RKUV 2000 Nr. U 395 S. 316, U 160/98, E.
3; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67), zutreffend dargelegt. Das Gleiche gilt
hinsichtlich der Grundsätze der Beweiswürdigung, namentlich auch in Bezug auf
ärztliche Berichte und Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352). Darauf wird
verwiesen mit der ergänzenden Feststellung, dass das Bundesgericht jüngst die
sog. Schleudertrauma-Praxis präzisiert hat (BGE 134 V 109).

4.
Streitig und zu prüfen ist, ob die vom Beschwerdeführer geklagten Kopf-,
Nacken- und Schulterschmerzen noch in einem natürlichen und adäquaten
Kausalzusammenhang mit dem versicherten Unfall vom 7. Juli 2004 stehen.

4.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, es lägen organisch nachweisbare
Unfallfolgen in Form pathologischer Veränderungen im Bereich des
kraniozervikalen Übergangs vor, welche für die bestehenden Beschwerden
ursächlich seien. Er stützt sich dabei auf den Bericht des Radiologen Dr. med.
V.________ vom 18. November 2005, welcher Untersuchungen der oberen HWS in
Rechts- und Linksneigung sowie der Kopfgelenksbänder in Links- und
Rechtsrotation mittels fMRT durchgeführt und folgende Pathologien im
Funktionsverhalten des Kopf-Gelenksverbandes festgestellt hat (Hervorhebungen
durch den Radiologen):
1. Zeichen einer densnahen Gelenkkapselpathologie mit narbigen Gewebekonturen
nach einem Dens-Kapsel-Bursa-Trauma mit Zeichen einer Ruptur der synovialen
Kapsel/Bursa und einer posttraumatischen Bursa-Genese. Deutliche synoviale
Veränderungen in den C0-C1 und C1-C2-Gelenken links und rechts mit Druckusuren
C0-C1 und C1-C2.
2. Posttraumatische Strukturveränderungen mit narbigen Konturen entlang der
densnahen Insertion der Ligamenta alaria bds. und deutliche Konturveränderungen
mit Faserstrukturauftreibungen links und rechts (Typ IIb) mit einem deutlich
resultierenden instabilen Dens rechtsbetont. Insgesamt Zeichen eines
ligamentären Densspitzentraumas.
3. Keine komplette Aufbrauchung des schützenden subarachnoidalen Pufferraumes
und keine Tangierung des Rückenmarks in den Rotationsbewegungspositionen,
lediglich eine laterale Myelontangierung in der Rechtsrotation.
Der Beschwerdeführer schliesst daraus, dass die bestehenden Schmerzen ihren
Grund in klar fassbaren organischen Befunden hätten, die mittels radiologischer
Methoden objektiviert worden seien.

4.2 Die SUVA ist der Auffassung, nach dem heutigen Stand der medizinischen
Erkenntnis sei offen, ob die von Dr. med. V.________ durchgeführten
fMRT-Aufnahmen effektiv eine Pathologie der HWS aufzuzeigen vermöchten. Selbst
wenn dem so wäre, bliebe fraglich, ob es sich dabei um Unfallfolgen nach
leichtem Schleudertrauma handle und ob sich damit im Einzelfall das
unspezifische Beschwerdebild ganz oder teilweise bildgebend erklären lasse.
Gestützt auf Stellungnahmen ihres orthopädischen Chirurgen Dr. med. X.________
und die medizinische Literatur macht die Anstalt geltend, die fraglichen
Strukturen am kraniozervikalen Übergang könnten aller Erfahrung nach bei
biomechanisch leichten Belastungen nicht in relevantem Ausmass beschädigt
werden. Auch radiologische Verfahren wie die fMRT liessen entsprechende
Schlussfolgerungen nicht zu. Der Aussagewert dieser Untersuchungsmethode bei
HWS-Distorsionen sei in Fachkreisen jedenfalls noch umstritten, sodass nicht
von einem gesicherten medizinischen Wissensstand gesprochen werden könne. Im
Übrigen stellt die SUVA den von Dr. med. V.________ erhobenen Befund insofern
in Frage, als es sich bei der erwähnten Dens-nahen Gelenkskapselpathologie mit
narbigen Gewebekonturen nach einem Dens-Kapsel-Bursa-Trauma um eine in der
Literatur unbekannte diagnostische Umschreibung handle.

5.
5.1 Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistungsansprüche bedarf es
verlässlicher medizinischer Entscheidsgrundlagen. Wie die einzelnen
Beweismittel zu würdigen sind, ist in BGE 125 V 351 E. 3 S. 352 ff. festgelegt.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob
dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet
und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a
S. 352 mit Hinweis).

Die Frage des Beweiswertes stellt sich auch bei den anzuwendenden
medizinisch-diagnostischen Methoden. Diese müssen wissenschaftlich anerkannt
sein, damit der mit ihnen erhobene Befund eine zuverlässige
Beurteilungsgrundlage zu bieten vermag. Als wissenschaftlich anerkannt gilt
eine Untersuchungsart, wenn sie von Forschern und Praktikern der medizinischen
Wissenschaft auf breiter Basis anerkannt ist (RKUV 2000 Nr. U 395 S. 316, U 160
/98, E. 5 und 6 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 7.2 S. 119).

5.2 Bei der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT; englisch: functional
magnetic resonance imaging, fmri) handelt es sich um eine neuere Form der
Kernspintomographie, welche sich von der herkömmlichen MRT dadurch
unterscheidet, dass Aufnahmen in verschiedenen Funktionsstellungen (oder
Aktivierungszuständen) durchgeführt werden. Bei Beschleunigungsverletzungen der
HWS werden neben Aufnahmen in der Normalstellung in der Regel solche in
unterschiedlicher Rechts- und Linksrotation sowie in Flexions- und
Extensionsstellung des Schädels vorgenommen.

Über die diagnostische Bedeutung der mittels fMRT erhobenen Befunde und deren
Eignung für die Beurteilung der Unfallkausalität von Beschwerden nach
HWS-Distorsionen gehen die ärztlichen Meinungen auseinander. Dies gilt auch
hinsichtlich der hier zur Diskussion stehenden Läsionen der Kopfgelenkbänder,
insbesondere der Ligamenta alaria (nachfolgend Ligg. alaria). Eine Durchsicht
der von den Parteien eingereichten Auszüge aus der medizinischen Literatur und
ein Blick auf das weitere Schrifttum (vgl. hiezu auch die Literaturhinweise in:
Hans Schmidt/Jürg Senn [Hrsg.], Schleudertrauma - neuester Stand, Zürich 2004)
zeigt ein uneinheitliches Bild. Teils wird der Aussagewert von fMRT-Befunden
grundsätzlich in Frage gestellt, weil Untersuchungen ergeben haben, dass auch
bei Personen ohne HWS-Distorsionstrauma Breitenasymmetrien der Ligg. alaria
ausgesprochen häufig sind und die Bänder oft unregelmässige Konturen aufweisen,
weshalb entsprechende Befunde in der Regel keinen zuverlässigen Schluss auf
durch Schleudertrauma bewirkte Bandläsionen zulassen (C.W. Pfirrmann et al.,
Functional MR imaging of the craniocervical junction. Correlation with alar
ligaments and occipito-atlantoaxial joint morphology: a study in 50
asymptomatic subjects, in: Schweizerische Medizinische Wochenschrift 2000 S.
645-651). Verschiedene Autoren weisen auf Schwierigkeiten bei der
Interpretation der fMRT-Befunde hin, insbesondere wenn es um den Nachweis
leichterer Läsionen und die Beurteilung des Schweregrades von Bandverletzungen
geht (S. Roy et al., Pitfalls of magnetic resonance imaging of alar ligament,
in: Neuroradiology 2004 S. 392-398; J.T. Wilmink/J. Patijn, MR imaging of alar
ligament in whiplash-associated disorders: an observer study, in:
Neuroradiology 2001 S. 859-63). Teils wird die Signifikanz des Befundes für
eine durch Schleudertrauma verursachte Läsion generell oder unter bestimmten
Voraussetzungen (hohe Signalintensität, Rotation des Kopfes, Schwere des
Traumas) bejaht (so etwa: B.H. Johansson, Whiplash injuries can be visible by
functional magnetic resonance imaging, in: Pain Res Manage 2006 S. 197-199; J.
Krakenes/B.R. Kaale, Magnetic resonance imaging assessment of craniovertebral
ligaments and membranes after whiplash trauma [deutsch: MRT-Darstellung der
craniovertebralen Ligamente und Membranen nach einem Schleudertrauma], in:
Spine 2006 S. 2820-2826).

5.3 Zur medizinischen Kontroverse und den diesbezüglichen Vorbringen der
Parteien hat das Gericht nicht näher Stellung zu nehmen. Es besteht auch kein
Anlass zur Einholung eines Grundsatzgutachtens, da hievon unter den gegebenen
Umständen kaum abschliessende Ergebnisse zu erwarten wären (BGE 124 V 90 E. 4b
S. 94, 122 V 157 E. 1d S. 162). Es ist zudem nicht Sache des
Sozialversicherungsgerichts, medizinisch-wissenschaftliche Kontroversen zu
klären; seine Aufgabe beschränkt sich darauf, die Unfallkausalität aufgrund der
im konkreten Fall gegebenen Verhältnisse und unter Berücksichtigung der
medizinischen Lehrmeinung zu beurteilen (Urteile U 294/01 vom 13. Februar 2003,
E. 2.5.1, und U 4/00 vom 18. August 2000, E. 3c).

Es ist daher festzustellen, dass die fachärztlichen Meinungen hinsichtlich des
Aussagewertes von fMRT-Untersuchungen des kraniozervikalen Übergangs,
insbesondere auch der Ligg. alaria, stark auseinandergehen. Ein breit
abgestützter Konsens, welcher gestatten würde, diese Abklärungsmethode als
zuverlässige Grundlage für die Beurteilung der Unfallkausalität von Beschwerden
nach HWS-Traumen zu betrachten, liegt nicht vor. Es verhält sich somit wie bei
den SPECT-Untersuchungen, bei denen das damalige Eidgenössische
Versicherungsgericht (seit 1. Januar 2007: I. und II. sozialrechtliche
Abteilung des Bundesgerichts) zum Schluss gelangt ist, dass diese
wissenschaftlich nicht allgemein anerkannte Untersuchungsmethode nicht geeignet
ist, den Nachweis der Unfallkausalität für hirnorganische Schädigungen zu
erbringen (RKUV 2000 Nr. U 395 S. 326, U 160/98, E. 6; Urteil U 186 und 213/06
vom 29. Oktober 2007, E. 5.3).

5.4 Zu einer andern Beurteilung besteht umso weniger Anlass, als die Frage,
welche Bedeutung fMRT-Befunden bei Beschleunigungstraumen der HWS beizumessen
ist, Gegenstand von Diskussionen in der Kommission "Whiplash-associated
Disorder" der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft gebildet hat. Dabei
wurde festgestellt, dass funktionsradiologische Methoden von der Kooperation
des Patienten abhängig sind und unter günstigen Untersuchungsbedingungen
Hinweise auf eine Instabilität geben können. Deren Zusammenhang mit klinischen
Beschwerden (z.B. Nackenschmerzen) wurde nach Meinung der Kommission bisher
aber nicht hinreichend untersucht (vgl. A. Schnider et al., Beschwerdebild nach
kraniozervikalem Beschleunigungstrauma ["whiplash-associated disorder"], in:
Schweizerische Ärztezeitung 2000 S. 2218-2220). Unter Hinweis u.a. auf diese
Stellungnahme werden in den aktuellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für
Neurologie zum Beschleunigungstrauma der HWS funktionell bildgebende Verfahren
(SPECT, PET, fMRT) als diagnostische Mittel generell nicht empfohlen (http://
www.dgn.org/182.0.htm, Abfrage vom 5. Mai 2008). Zum Nachweis von Verletzungen
der Ligg. alaria mittels fMRT äussern sich die Leitlinien nicht konkret. Es
wird aber darauf hingewiesen, dass solche Verletzungen nach neueren
Erkenntnissen in der Vergangenheit überbewertet worden seien.

Im Lichte dieser Stellungnahmen ist SUVA und Vorinstanz darin beizupflichten,
dass fMRT-Untersuchungen jedenfalls nach dem heutigen Stand der medizinischen
Wissenschaft kein geeignetes Beweismittel zur Beurteilung der Unfallkausalität
von Beschwerden nach HWS-Traumen darstellen (vgl. auch BGE 134 V 109 E. 7.2 S.
119). Der diesbezüglich etwa von Christian Thöny (Richter foutieren sich um
medizinische Fortschritte, in: Plädoyer 2007 S. 20) geäusserten Kritik an der
Rechtsprechung kann daher nicht gefolgt werden.

5.5 Zu keinem anderen Ergebnis führt der Hinweis des Beschwerdeführers auf das
vom Schweizerischen Nationalfonds geförderte Nationale Forschungsprogramm
"Muskuloskelettale Gesundheit - chronische Schmerzen" (NFP 53). Teil dieses
Programms bildet das Projekt "Frühzeitige Diagnose des Schleudertraumas mit
Magnetresonanztomographie", in welchem Patienten, welche nach einem
Schleudertrauma an Nackenschmerzen leiden, zunächst kurz nach dem Unfall und
später erneut mittels MRT untersucht werden. Die Durchführung dieser Studie
zeigt vielmehr auf, dass in medizinischen Fachkreisen hinsichtlich der
Diagnosestellung und Kausalitätsbeurteilung derartiger Verletzungen noch Fragen
offen sind. In der auf Internet zugänglichen Beschreibung findet sich zudem
kein Hinweis, wonach das erwähnte oder ein anderes Projekt des
Forschungsprogramms auch die Aussagekraft von Untersuchungen mittels
funktioneller MRT beschlagen soll (http://www.nfp53.ch/d.cfm?Slanguage=d;
http://www.nfp53.ch/d_module.cfm?Projects.Command=details&get=16, Abfragen vom
5. Mai 2008). Abgesehen davon bedürfte es jedenfalls auch nach Vorliegen eines
entsprechenden Studienergebnisses zuerst einer vertieften Diskussion in
fachmedizinischen Kreisen, bevor die fMRT als wissenschaftlich anerkannte
Untersuchungsform und als verlässliche Grundlage für die Beurteilung der sich
hier stellenden Kausalitätsfragen in Betracht kommen könnte.

5.6 Nach dem Gesagten kann den von Dr. med. V.________ erhobenen Befunden für
die Beurteilung der Unfallkausalität der geklagten Beschwerden nicht
entscheidende Bedeutung beigemessen werden. Insbesondere kann daraus nicht
geschlossen werden, dass die geltend gemachten Kopf-, Nacken- und
Schulterschmerzen auf organisch (hinreichend) nachweisbare Unfallfolgen
zurückzuführen sind. Eine andere Betrachtungsweise drängt sich im vorliegenden
Fall umso weniger auf, als auch Dr. med. V.________ keine eindeutige Läsion der
Ligg. alaria, sondern lediglich Strukturveränderungen mit narbigen Konturen
sowie Faserstrukturauftreibungen rechts und links feststellen konnte. Die
erhobenen Befunde werden von Dr. med. X.________ unter Hinweis auf die
medizinische Literatur als Normvarianten und nicht als posttraumatische
Veränderungen gewertet, was von Dr. med. V.________ in der Stellungnahme vom
16. Juni 2006 nicht ausdrücklich bestritten wird. Im Übrigen hat er lediglich
Zeichen einer Ruptur der synovialen Kapsel/Bursa sowie eines ligamentären
Densspitzentraumas festgestellt, was für den Nachweis organischer Unfallfolgen
nicht genügt. Ungeachtet der von Dr. med. V.________ festgestellten
Instabilität im Bereich des Dens kann nicht mit der erforderlichen
überwiegenden Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass der Unfall zu einer
relevanten Verletzung im Bereich des kraniozervikalen Übergangs geführt hat. Es
muss daher bei der Feststellung bleiben, dass der Unfall vom 7. Juni 2004 zu
keinen organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen geführt hat.

6.
SUVA und Vorinstanz haben eine Leistungspflicht des Weiteren mit der Begründung
verneint, dass weder eine Verletzung im Sinne der Schleudertrauma-Praxis noch
ein unfallbedingtes psychisches Leiden vorliegen und es an einem kausalen
Zusammenhang zwischen dem Unfall und den geklagten Beschwerden fehlt. Der
Beschwerdeführer bringt gegen diese, im Lichte der bisherigen wie auch der mit
BGE 134 V 109 präzisierten Rechtsprechung zutreffenden Erwägungen nichts
Konkretes vor, weshalb sich weitere Ausführungen erübrigen.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Zug und dem
Bundesamt für Gesundheit schriftlich mitgeteilt.
Luzern, 26. Mai 2008
Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

i.V. Widmer Lanz