Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.162/2007
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8C_162/2007

Urteil vom 5. Dezember 2007

I. sozialrechtliche Abteilung

Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichterinnen Widmer, Leuzinger,
Gerichtsschreiberin Schüpfer.

Winterthur Schweizerische Versicherungs-Gesellschaft, General-Guisan-Strasse
40, 8400 Winterthur, Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwältin
Marianne I. Sieger, Kuttelgasse 8, 8001 Zürich,

gegen

F.________, Beschwerdegegnerin, vertreten durch Rechtsanwalt Christian Thöny,
Bahnhofstrasse 8, 7000 Chur.

Unfallversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden
vom 2. Februar 2007.

Sachverhalt:

A.
Die 1954 geborene F.________ war im Rahmen ihrer Anstellung als
Psychotherapeutin an der Klinik X.________ in Y.________ bei der Winterthur
Schweizerische Versicherungs-Gesellschaft (nachfolgend: Winterthur)
obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen
versichert, als sie am 18. September 2001 Opfer eines Verkehrsunfalles wurde.
Die Ärzte des erstbehandelnden Spitals Z.________ stellten die Diagnosen
einer HWS-Distorsion und einer Thoraxkontusion. Die Winterthur anerkannte
ihre Leistungspflicht, kam für die Heilbehandlung auf und richtete Taggelder
aus. Mit Verfügung vom 17. November 2004 teilte die Unfallversicherung
F.________ mit, sie stelle ihre Leistungen rückwirkend auf den 13. März 2002
ein, da ab jenem Zeitpunkt zwischen dem Unfall und den weiterhin geklagten
gesundheitlichen Beschwerden kein adäquater Kausalzusammenhang mehr bestehe.
Die dagegen erhobene Einsprache wies sie mit Entscheid vom 7. Juni 2005 ab.

B.
Dagegen erhob F.________ Beschwerde und reichte lite pendente eine
interdisziplinäre Expertise der medizinischen Gutachterstelle Q.________, vom
23. August 2006 ein. Das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden hiess die
Beschwerde in dem Sinne gut, als es die Sache in Aufhebung des
Einspracheentscheides vom 7. Juni 2005 zur Einholung eines Obergutachtens und
neuer Entscheidung - inklusive betreffend Übernahme der Kosten von
Fr. 15'205.- für das medizinische-Gutachten - an die Unfallversicherung
zurückwies (Entscheid vom 2. Februar 2007).

C.
Die Winterthur führt  Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten
mit dem Antrag, in Aufhebung des angefochtenen Entscheides sei der
Einspracheentscheid zu bestätigen.

F. ________ lässt auf Abweisung der Beschwerde schliessen. Das Bundesamt für
Gesundheit verzichtet auf Vernehmlassung.
Erwägungen:

1.
Weil die angefochtene Entscheidung nach dem Datum des Inkrafttretens des
Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110), dem 1. Januar 2007
(AS 2006 1242) ergangen ist, untersteht die Beschwerde dem neuen Recht (Art.
132 Abs. 1 BGG).

2.
2.1 Der als Vor- oder Zwischenentscheid im Sinne des BGG zu qualifizierende
kantonale Rückweisungsentscheid vom 2. Februar 2007 kann unter den
Voraussetzungen des Art. 93 Abs. 1 BGG angefochten werden. Gemäss Art. 93
Abs. 1 BGG ist die Beschwerde gegen andere (d.h. nicht die Zuständigkeit oder
Ausstandsbegehren betreffende [vgl. Art. 92 BGG]) selbstständig eröffnete
Vor- und Zwischenentscheide zulässig: a) wenn sie einen nicht wieder
gutzumachenden Nachteil bewirken können; oder b) wenn die Gutheissung der
Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden
Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen
würde (vgl. BGE 133 V 477 insb. E. 4.2 S. 481 und in 133 V 504 nicht
publizierte E. 1.1 [I 126/07]).

2.2 Der Zulässigkeitstatbestand gemäss Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG ist erfüllt,
wenn der Rückweisungsentscheid durch materielle Vorgaben den
Beurteilungsspielraum der unteren Instanz wesentlich einschränkt und davon in
der Folge nicht mehr abgewichen werden kann (BGE 133 V 477 E. 5.2 S. 483 und
erwähntes Urteil I 126/07, E. 1.2; vgl. auch BGE 129 I 313 E. 3.2 S. 317). So
verhält es sich hier nicht, da keine materiellrechtlichen Erwägungen
angefochten bzw. strittig sind. Die Vorinstanz hat die Beschwerdeführerin nur
wegen unvollständiger Sachverhaltserhebung angewiesen, ergänzende Abklärungen
zu treffen (vgl. E. 2.3 hienach), ohne materielle Vorgaben zu machen. Im
Weiteren bewirkt der kantonale Rückweisungsentscheid, mit dem die Sache zur
neuen Abklärung und Entscheidung an die Unfallversicherung zurückgewiesen
wird, vorliegend keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil im Sinne von
Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG, führt er doch bloss zu einer dieses Kriterium
nicht erfüllenden Verlängerung des Verfahrens (erwähntes Urteil I 126/07, E.
1.2 mit Hinweis).

2.3 Zu prüfen bleibt, ob der Eintretensgrund von Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG
gegeben ist.

2.3.1 Nach der Rechtsprechung bildet die selbstständige Anfechtbarkeit von
Zwischenentscheiden aus prozessökonomischen Gründen eine Ausnahmebestimmung,
die restriktiv auszulegen ist. Dies umso mehr, als die Parteien keiner Rechte
verlustig gehen, wenn sie einen Zwischenentscheid nicht selbstständig
anfechten, können sie ihn doch mit dem Endentscheid anfechten, soweit er sich
auf dessen Inhalt auswirkt (Art. 93 Abs. 3 BGG). Das Bundesgericht prüft nach
freiem Ermessen, ob die Voraussetzung von Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG, dass bei
einer Gutheissung der Beschwerde ein bedeutender Aufwand an Zeit und Kosten
für ein weitläufiges Beweisverfahren erspart werden kann, erfüllt ist (Urteil
8C_224/2007 E. 2.3.1 mit Hinweisen; Seiler/von Werdt/Güngerich,
Bundesgerichtsgesetz [BGG], Bern 2007, S. 390 Rz. 11 zu Art. 93).

2.3.2 Die Vorinstanz hat die Winterthur im angefochtenen Entscheid
angewiesen, sie habe angesichts der Widersprüche und Ungereimtheiten zwischen
den Fachattesten der Spezialisten der medizinischen Gutachterstelle
Q.________ einerseits und den Berichten der Vertrauensärzte des
Unfallversicherers andererseits ein ärztliches Obergutachten über die
natürliche Kausalität der Gesundheitsschäden der Versicherten mit dem Unfall
vom 18. September 2001 einzuholen. Es kann nicht gesagt werden, dass dies
einen bedeutenden Aufwand an Zeit und Kosten für ein weitläufiges
Beweisverfahren im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG erfordert (vgl. auch
erwähntes Urteil I 126/07, E. 1.2). Der Argumentation der Winterthur, die
Frage nach der natürlichen Kausalität könne letztlich offen bleiben, da es an
der Adäquanz der geklagten Beschwerden mit dem versicherten Ereignis mangle,
weshalb es auch keines Obergutachtens bedürfe, kann dabei nicht gefolgt
werden. Die Unfallversicherung verkennt, dass die Gutachter der medizinischen
Gutachterstelle Q.________ ihre Beurteilung auf "ganz klar somatische
Probleme im Bereiche des Bewegungsapparates" stützen, welche Einschätzung sie
auch auf die von ihnen mittels eines Funktions-CT's im Bereiche der HWS
gefundene Segmentstörung in Höhe C 0/1 und C 1/2 stützen. Im psychiatrischen
Teilgutachten werden keine Befunde erhoben und entsprechend keine Diagnose
gestellt. Liegen aber - was durch das mit der Rückweisung angeordnete
Obergutachten zu verifizieren sein wird - ausschliesslich somatische
Unfallfolgen vor, stellt sich die Frage nach der Adäquanz dieser Beschwerden
rechtsprechungsgemäss gar nicht (BGE 118 V 286 E. 3a S. 291).

2.4 Nach dem Gesagten ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.

3.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerdeführerin
aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Der durch einen Rechtsanwalt vertretenen
Beschwerdegegnerin steht eine Parteientschädigung zu (Art. 68 Abs. 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Die Beschwerdeführerin hat Rechtsanwalt Christian Thöny, Chur, für das
bundesgerichtliche Verfahren mit Fr. 2'500.- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden und dem Bundesamt für Gesundheit schriftlich mitgeteilt.

Luzern, 5. Dezember 2007

Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Ursprung Schüpfer