Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.163/2007
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8C_163/2007

Urteil vom 6. Februar 2008

I. sozialrechtliche Abteilung

Bundesrichterin Widmer, präsidierendes Mitglied,
Bundesrichterin Leuzinger, Bundesrichter Frésard,
Gerichtsschreiber Hochuli.

J. ________,
Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt
Michael Ausfeld, Weinbergstrasse 18, 8001 Zürich,

gegen

"Zürich" Versicherungs-Gesellschaft, Litigation UVG & Prozesse, 8085 Zürich,
Beschwerdegegnerin.

Unfallversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons
Zürich
vom 22. März 2007.

Sachverhalt:

A.
J. ________, geboren 1949, war seit der Firmengründung 1996
einzelzeichnungsberechtigter Verwaltungsratspräsident der Firma X.________
AG, für welche er als Werbeberater arbeitete. In dieser Eigenschaft war er
bei der "Zürich" Versicherungs-Gesellschaft (nachfolgend: "Zürich" oder
Beschwerdegegnerin) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert.
Kurz bevor die Arbeitgeberfirma aus wirtschaftlichen Gründen per 1. April
2005 die Geschäftstätigkeit einstellen musste, war der Versicherte am 24.
März 2005 (Donnerstag vor Karfreitag) mit der Demontage eines Bürotisches
beschäftigt, als sich die Tischplatte löste und ihm auf den Hinterkopf fiel
(Unfallmeldung UVG vom 19. Mai 2005). Am 4. April 2005 begab er sich zu Dr.
med. G.________, Spezialarzt FMH für physikalische Medizin, Rehabilitation
und Rheumatologie, in ärztliche Erstbehandlung. Gestützt auf die Ergebnisse
einer computertomographischen Abklärung (CT-Untersuchung vom 12. Mai 2005)
diagnostizierte Dr. med. G.________ gemäss Bericht vom 9. Juni 2005 eine
Distorsion der Halswirbelsäule (HWS) mit lumbospondylogenem Syndrom, einer
flachen Diskushernie C6/7, einer C7 Symptomatik links sowie einer leichten
generellen cervicalen Degeneration. Er bejahte die Unfallkausalität der
geklagten gesundheitlichen Einschränkungen, verneinte anamnestisch
vorbestehende Nacken- oder Armbeschwerden und attestierte dem Versicherten ab
29. April 2005 eine volle Arbeitsunfähigkeit. Mit Verfügung vom 14. Oktober
2005, bestätigt durch Einspracheentscheid vom 29. Juni 2006, verneinte die
"Zürich" ihre Leistungspflicht für die als Folgen des Ereignisses vom 24.
März 2005 geltend gemachten Beschwerden und Beeinträchtigungen der
Arbeitsfähigkeit mangels eines anspruchsbegründenden Kausalzusammenhanges.

B.
Die hiegegen erhobene Beschwerde des J.________ wies das
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich ab (Entscheid vom 22. März
2007).

C.
Mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten lässt J.________
unter Aufhebung des angefochtenen Gerichtsentscheides beantragen, die
"Zürich" habe ihm für die Folgen des Unfalles vom 24. März 2005 die
gesetzlichen Leistungen nach UVG zu erbringen.

Während die "Zürich" auf Abweisung der Beschwerde schliesst, verzichtet das
Bundesamt für Gesundheit auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:

1.
1.1 Die Beschwerde kann wegen Rechtsverletzung gemäss Art. 95 und Art. 96 BGG
erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an
(Art. 106 Abs. 1 BGG). Es ist somit weder an die in der Beschwerde geltend
gemachten Argumente noch an die Erwägungen der Vorinstanz gebunden; es kann
eine Beschwerde aus einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen und es
kann sie mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden
Begründung abweisen (vgl. BGE 130 III 136 E. 1.4 S. 140). Das Bundesgericht
prüft grundsätzlich nur die geltend gemachten Rügen; es ist nicht gehalten,
wie eine erstinstanzliche Behörde alle sich stellenden rechtlichen Fragen zu
untersuchen, wenn diese vor Bundesgericht nicht mehr vorgetragen wurden. Es
kann die Verletzung von Grundrechten und von kantonalem und interkantonalem
Recht nur insofern prüfen, als eine solche Rüge in der Beschwerde vorgebracht
und begründet worden ist (Art. 106 Abs. 2 BGG).

1.2 Im Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von
Geldleistungen der Militär- oder Unfallversicherung ist das Bundesgericht
nicht an die vorinstanzliche Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts
gebunden (Art. 97 Abs. 2 und Art. 105 Abs. 3 BGG).

2.
Das kantonale Gericht hat die Bestimmungen und Grundsätze zum Unfallbegriff
(Art. 4 ATSG), zu den nach der Rechtsprechung für den Anspruch auf Leistungen
der obligatorischen Unfallversicherung (Art. 6 Abs. 1 UVG) geltenden
Voraussetzungen des natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen
dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (BGE 129 V 177 E. 3.1 und
3.2 S. 181) sowie zu dem im Sozialversicherungsrecht bei der Beantwortung von
Tatfragen üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 129 V
177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen) zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen.

3.
3.1 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Dieser Grundsatz
gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den
Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2 S. 195, 122 V 157 E. 1a
S. 158, je mit Hinweisen; vgl. BGE 130 I 183 E. 3.2).

Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne einer
Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess
tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im
Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt,
die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese
Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist,
im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer Beweiswürdigung einen
Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat,
der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b S. 263 mit Hinweisen).

3.2 Zwar statuiert Art. 43 Abs. 1 ATSG die Sachverhaltsabklärung von Amtes
wegen, wobei es im Ermessen des Versicherungsträgers liegt, darüber zu
befinden, mit welchen Mitteln diese zu erfolgen hat. Im Rahmen der
Verfahrensleitung kommt ihm ein grosser Ermessensspielraum bezüglich der
Notwendigkeit, den Umfang und die Zweckmässigkeit von medizinischen
Erhebungen zu. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage.
Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz hat der Unfallversicherer den
Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass er über den Leistungsanspruch zumindest
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. dazu BGE 126 V
353 E. 5b S. 360) entscheiden kann. Dabei kommt im Abklärungsverfahren des
Unfallversicherers Sachverständigengutachten eine massgebende Rolle zu (vgl.
Art. 55 Abs. 2 UVV; SVR 2007 UV Nr. 33 S. 112 E. 4.1, U 571/06).

3.3 Der Untersuchungsgrundsatz weist enge Bezüge zum - auf Verwaltungs- und
Gerichtsstufe geltenden - Grundsatz der freien Beweiswürdigung auf. Führen
die im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes von Amtes wegen vorzunehmenden
Abklärungen den Versicherungsträger oder das Gericht bei umfassender,
sorgfältiger, objektiver und inhaltsbezogener Beweiswürdigung (BGE 132 V 393
E. 4.1 S. 400) zur Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei als
überwiegend wahrscheinlich (BGE 126 V 353 E. 5b S. 360, 125 V 193 E. 2 S.
195, je mit Hinweisen) zu betrachten und es könnten weitere Beweismassnahmen
an diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so liegt im Verzicht auf
die Abnahme weiterer Beweise keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches
Gehör (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. SVR 2001 IV Nr. 10 S. 27 E. 4 S.
28; zu Art. 4 Abs. 1 aBV ergangene, weiterhin geltende Rechtsprechung: BGE
124 V 90 E. 4b S. 94, 122 V 157 E. 1d S. 162, je mit Hinweisen). Bleiben
jedoch erhebliche Zweifel an Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher
getroffenen Tatsachenfeststellung bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit
von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue wesentliche Erkenntnisse zu
erwarten sind (Urteil 8C_364/2007 vom 19. November 2007 E. 3.2 mit Hinweis).

4.
Vorweg ist festzuhalten, dass der vorinstanzlichen Auffassung (angefochtener
Entscheid E. 5.1), wonach nicht glaubhaft und nicht mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit dargelegt sei, dass es am 24.
März 2005 zu einem grundsätzlich anspruchsbegründenden Unfallereignis
gekommen sei, nicht gefolgt werden kann. Zwar existieren teils
widersprüchliche Beschreibungen des fraglichen Ereignisses. Soweit laut
Diagnose auf der Leistungsabrechnung der behandelnden Homöopathin von einem
"Überhebe-Trauma" die Rede ist und der Rechtsvertreter des Versicherten
letztinstanzlich geltend macht, der Beschwerdeführer habe am 24. März 2005
"allermindestens ein Verhebetrauma" erlitten, zeugen diese Aussagen von einem
offensichtlich ungenügenden medizinischen Sachverständnis. Der Unfallmeldung
UVG vom 19. Mai 2005, den Angaben des Versicherten auf dem Fragebogen vom 31.
Mai 2005, dem Bericht zum Patientenbesuch vom 15. Juli 2005 durch eine
Mitarbeiterin der "Zürich" sowie dem Schreiben des Dr. med. G.________ vom 9.
Juni 2005 ist inhaltlich im Wesentlichen übereinstimmend zu entnehmen, dass
sich der Beschwerdeführer am 24. März 2005 überwiegend wahrscheinlich bei der
Demontage eines Bürotisches unter die Schreibtischplatte begab, die
Halterungen löste und ihm dabei die Tischplatte aus einer Höhendifferenz zum
Kopf von wenigen Zentimetern auf den Hinterkopf fiel. Die teilweise
unterschiedlichen Beschreibungen des immer gleichen Ereignisses vermögen
nichts daran zu ändern, dass der Versicherte am 24. März 2005 mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit einen grundsätzlich
anspruchsbegründenden Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG erlitten hat.

5.
Steht fest, dass der Beschwerdeführer am 24. März 2005 verunfallte, bleibt
die Frage zu prüfen, ob und in welchem Ausmass die in der Folge geklagten
Beschwerden des Versicherten und die damit verbundene Arbeitsunfähigkeit in
einem anspruchsbegründenden natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang mit
diesem Ereignis standen. Gemäss Angaben des Dr. med. G.________ vom 2.
Februar und 15. Mai 2006 schloss er die Behandlung der Unfallfolgen am 4.
Oktober 2005 ab und attestierte dem Beschwerdeführer ab Januar 2006 wieder
eine volle Arbeitsfähigkeit.

5.1 Vorinstanz und Verwaltung verneinten den natürlichen Kausalzusammenhang
zwischen dem Unfall und den in der Folge geklagten gesundheitlichen
Beeinträchtigungen. Objektivierbare somatische Gesundheitsstörungen seien
medizinisch nicht festgestellt worden. Die geklagten Beschwerden beschränkten
sich auf eine segmentale Dysfunktion im Bereich der HWS (Einschränkung der
Rotation) und eine Hypomobilität im zervikothorakalen Übergang mit in den
linken Arm beziehungsweise in die linke Hand bis in den Daumen und den
Zeigefinger ausstrahlenden Schmerzen. Die für ein Schleudertrauma der HWS
typische Häufung von Beschwerden im Sinne von BGE 117 V 359 E. 4b S. 360 sei
beim Versicherten nicht vorhanden. Auf Grund der zehntägigen Zeitspanne
zwischen angeblichem Unfall und ärztlicher Erstbehandlung erscheine auch
fraglich, ob die geltend gemachten gesundheitlichen Einschränkungen
tatsächlich innerhalb der praxisgemäss vorausgesetzten Dauer von 72 Stunden
nach dem Ereignis aufgetreten seien. Angesichts der besonderen Umstände des
vorliegenden Falles stelle sich die Frage, ob die ab 4. April 2005 ärztlich
behandelten Beschwerden nicht allenfalls auf die degenerativen Veränderungen
im Bereich der HWS zurückzuführen seien, hätten diese doch - auch ohne
explizite Bestätigung in Arztberichten - durchaus Schmerzen verursacht.

5.2 Für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhanges im Falle eines
Schleudertraumas der HWS oder eines äquivalenten Verletzungsmechanismus
müssen nach der Rechtsprechung einzig Beschwerden in der Halsregion oder an
der Wirbelsäule innerhalb der Latenzzeit von maximal 72 Stunden seit dem
versicherten Ereignis aufgetreten sein (SVR 2007 UV Nr. 23 S. 75 [U 215/05]
und RKUV 2000 Nr. U 359 S. 29 [U 264/97]). Der Beschwerdeführer hat stets
geltend gemacht, unmittelbar nach dem Unfall Schmerzen im Bereich der HWS
verspürt zu haben. Gleichentags kam es zu einer schmerzhaften Einschränkung
der HWS-Rotation nach links. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass sich
der Unfall am Donnerstag vor Karfreitag ereignete, dass die Lebenspartnerin
des Versicherten ausgebildete Physiotherapeutin ist und sich der Verunfallte
anfänglich durch Schonung und Anwendung von Salben selber zu behandeln
versuchte, ist es entgegen der Einschätzung der Beschwerdegegnerin und des
kantonalen Gerichts nicht unglaubwürdig, dass sich der Beschwerdeführer erst
nach Ostern um einen Termin bei seinem behandelnden Spezialarzt Dr. med.
G.________ bemühte und sich schliesslich am 4. April 2005 (erster Montag nach
Ostermontag) in ärztliche Erstbehandlung begab.

5.3 Soweit Dr. med. G.________ gestützt auf die Ergebnisse der
CT-Untersuchung vom 12. Mai 2005 eine "flache Diskushernie C6/7 mediolateral
und intraforaminär links mit C7 Symptomatik links" diagnostizierte (Bericht
vom 9. Juni 2005), steht nach der Rechtsprechung mit Blick auf den hier als
Ursache geltend gemachten Unfall vom 24. März 2005 fest, dass dieses Ereignis
die praxisgemäss erforderlichen Voraussetzungen für die ausnahmsweise
Bejahung der Unfallkausalität einer Diskushernie offensichtlich nicht erfüllt
(RKUV 2000 Nr. U 379 S. 193 E. 2a i.f. [U 138/99] mit Hinweisen). Dies
schliesst jedoch mit Blick auf den durch Dr. med. G.________ beschriebenen
Beschwerdeverlauf nicht aus, dass grundsätzlich ein stummer degenerativer
Vorzustand an der Wirbelsäule durch den Unfall vom 24. März 2005
vorübergehend symptomatisch geworden sein kann und gegebenenfalls - bei
anfänglicher Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhanges - bis zum
Erreichen des Status quo sine vel ante (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b
180/93] und 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b [U 61/91], je mit Hinweisen) einen
Anspruch auf Unfallversicherungsleistungen zu begründen vermag.

5.4 Es fällt auf, dass weder die "Zürich" noch das kantonale Gericht im
Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes (E. 3 hievor) - trotz ausdrücklich
geäusserter erheblicher Zweifel am wahren Sachverhalt und effektiv
vorhandenen Gesundheitsschaden - einen ergänzenden Abklärungsbedarf in
tatsächlicher Hinsicht erkannt haben. Obwohl die Beschwerdegegnerin offenbar
bei den zuständigen Krankenpflegeversicherern einen allfälligen krankhaften
Vorzustand abzuklären versucht hatte, fehlen in den Akten Hinweise darauf,
dass diese die ihnen unterbreiteten Fragen jemals beantwortet hätten. Aus dem
Kurzbericht des Hausarztes Dr. med. L.________ vom 8. August 2005 geht
lediglich hervor, dass er den Beschwerdeführer sporadisch behandelte (unter
anderem im Nachgang an eine radikale Prostatektomie im Juni 2003 wegen eines
Karzinoms mit seither vermehrt depressiven Stimmungsschwankungen), dass die
letzten Konsultationen bei ihm angeblich jeweils ohne Erhebung "abnormer
Befunde" verliefen und dass er keine Kenntnis von einem Unfallereignis vom
24. März 2005 hatte. Abgesehen von diesem Bericht des Dr. med. L.________ und
den Angaben des Spezialarztes Dr. med. G.________, welcher die
Unfallkausalität der von ihm behandelten gesundheitlichen Beeinträchtigungen
bejahte, findet sich in den Akten keine unabhängige medizinische Expertise zu
den effektiv vorhandenen Beschwerden des Versicherten und zur Beurteilung der
natürlichen Kausalität eines allenfalls objektivierbaren Gesundheitsschadens.
Insbesondere haben es Verwaltung und Vorinstanz in Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes bisher versäumt, Dr. med. G.________ ausdrücklich
nach Befund und Behandlung des Vorzustandes an der Wirbelsäule zu befragen.
Eine konsequente ergänzende Sachverhaltsabklärung - gegebenenfalls durch
Anordnung einer neutralen Begutachtung - hätte sich um so mehr aufgedrängt,
als der Beschwerdeführer anlässlich der Befragung durch eine
Schadeninspektorin der "Zürich" in Bezug auf "frühere Nacken-, Kopf-,
Schulter- oder Rückenbeschwerden" ausdrücklich darauf hinwies, schon vor dem
Unfall nicht nur unter "Kalkablagerungen" in der linken Schulter vor zwei bis
drei Jahren gelitten zu haben, sondern auch wegen Blockaden auf Höhe der
Brustwirbelsäule (BWS) "seit unbekannter Zeit" bei Dr. med. G.________ in
Behandlung zu stehen. Eine diesbezüglich gezielte ergänzende Abklärung bei
diesem, schon vor dem Unfall behandelnden Spezialarzt wäre auch deshalb
angezeigt gewesen, weil dieser Mediziner in seinem Bericht vom 9. Juni 2005
unter anderem ausdrücklich den Befund einer Hypomobilität im
cervicothorakalen Übergang zwischen HWS und BWS erwähnt hatte.

5.5 Angesichts der erheblichen Zweifel an Vollständigkeit und Richtigkeit der
bisher getroffenen Tatsachenfeststellungen haben die "Zürich" und das
kantonale Gericht den Untersuchungsgrundsatz (vgl. E. 3 hievor) verletzt,
indem sie, obwohl von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue wesentliche
Erkenntnisse zu erwarten waren, basierend auf der unklaren Sachverhaltslage
ohne Durchführung ergänzender Abklärungen darauf schlossen, der natürliche
Kausalzusammenhang zwischen Unfall und den von Dr. med. G.________ seit 4.
April 2005 behandelten Beschwerden sowie der ab (8/1+2) 29. April 2005
attestierten vollen Arbeitsunfähigkeit sei nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt. Die Sache ist deshalb zur weiteren
Sachverhaltsabklärung im Sinne der Erwägungen und anschliessender
Neuverfügung über den Anspruch auf Unfallversicherungsleistungen an die
"Zürich" zurückzuweisen.

6.
Das Verfahren ist kostenpflichtig (Art. 65 Abs. 4 BGG). Da die
Beschwerdegegnerin, welche unterliegt, in ihrem Vermögensinteresse handelt
(vgl. Art. 66 Abs. 4 BGG; BGE 8C_158/2007 vom 13. November 2007), sind ihr
die Gerichtskosten aufzulegen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Sie hat dem
Beschwerdeführer ausserdem eine Parteientschädigung zu bezahlen (Art. 68 Abs.
2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der Entscheid des
Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 22. März 2007 und der
Einspracheentscheid der "Zürich" Versicherungs-Gesellschaft vom 29. Juni 2006
aufgehoben werden und die Sache an die "Zürich" Versicherungs-Gesellschaft
zurückgewiesen wird, damit sie, nach erfolgter Abklärung im Sinne der
Erwägungen, über den Anspruch auf Versicherungsleistungen für die Folgen des
Unfalles vom 24. März 2005 neu verfüge.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt.

3.
Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 2500.- zu entschädigen.

4.
Die Sache wird zur Neuverlegung der Parteientschädigung des vorangegangenen
Verfahrens an das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
zurückgewiesen.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Sozialversicherungsgericht des Kantons
Zürich und dem Bundesamt für Gesundheit schriftlich mitgeteilt.

Luzern, 6. Februar 2008

Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Das präsidierende Mitglied: Der Gerichtsschreiber:

Widmer Hochuli