Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.175/2007
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
8C_175/2007

Urteil vom 6. Oktober 2008
I. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichterin Leuzinger, Bundesrichter Frésard,
Gerichtsschreiber Flückiger.

Parteien
L.________, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwältin Dr. Sonja Gabi,
Albisriederstrasse 361, 8047 Zürich,

gegen

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA), Fluhmattstrasse 1, 6004
Luzern, Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Unfallversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden
vom 2. Februar 2007.

Sachverhalt:

A.
Der 1961 geborene L.________ war seit 1991 als Schichtarbeiter bei der Firma
X.________ AG angestellt und damit bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Unfall und
Berufskrankheit versichert. Am 14. März 2001 meldete die Arbeitgeberin der
SUVA, der Versicherte leide an einem Ekzem an Händen und Beinen beidseits. Dr.
med. O.________, Allgemeine Medizin FMH, diagnostizierte im Arztzeugnis UVG vom
10. April 2001 ein Berufsekzem bei Sensibilisierung durch Hexamethylendiamin
(HMD) und Metaxylendiamin (MXDA). Entsprechend einer Empfehlung von Dr. med.
R.________, Dermatologie, Venerologie und Arbeitsmedizin FMH, SUVA-Abteilung
Arbeitsmedizin, vom 19. April 2001 anerkannte die SUVA eine Berufskrankheit
aufgrund des Listenstoffes Alkylamine. Am 12. Oktober 2001 erliess sie eine
Nichteignungsverfügung für Arbeiten mit Kontakt zu Metaxylendiamin. Ab 1.
Oktober 2001 war der Versicherte bei der Firma Y.________ AG im Bereich
Pyrotechnik angestellt. Der Vertrag war befristet und wurde nach Ablauf eines
Jahres am 30. September 2002 nicht verlängert. Dr. med. O.________ berichtete
am 5. Juni 2002 und 8. Januar 2003 über die Entwicklung während dieser
Anstellung.

Nach Beizug mehrerer Berichte von Dr. med. F.________, Dermatologie und
Venerologie FMH, sowie Einholung eines Gutachtens des Spitals A.________,
Dermatologische Klinik, datiert vom 30. Juli 2003, und weiterer Stellungnahmen
von Dr. med. R.________ anerkannte die SUVA mit Schreiben vom 24. Oktober 2003
ihre Leistungspflicht für erneute volle Arbeitsunfähigkeit ab 1. Januar 2003.
In der Folge richtete die Anstalt Taggelder aus und kam für die Heilbehandlung
auf. Sie zog Stellungnahmen des Spitals A.________ vom 14. September 2004
(Aufenthalt vom 23. August bis 2. September 2004) sowie der Psychiatrischen
Klinik Z.________ vom 16. August 2005 (über einen in Verbüssung einer
Freiheitsstrafe erfolgten stationären Aufenthalt vom 1. November 2004 bis 10.
Juni 2005) bei. Ausserdem liess sie durch Dr. med. E.________, Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, Versicherungspsychiatrischer Dienst der SUVA, am 16.
September 2005 eine Beurteilung vornehmen. Weil der Versicherte weiterhin an
einer entzündlichen Dermatose litt, wobei Dr. med. R.________ den Zusammenhang
mit dem ursprünglichen Kontaktekzem aufgrund des Verlaufs als zweifelhaft
erachtete, gab die SUVA beim Spital C.________, Klinik und Poliklinik für
Dermatologie und Venerologie, ein Gutachten in Auftrag, welches am 18. Oktober
2005 erstattet wurde. Anschliessend stellte die Anstalt mit Verfügung vom 20.
Januar 2006 ihre Leistungen (Taggeld und Heilbehandlung) auf dasselbe Datum hin
ein. Daran hielt sie mit Einspracheentscheid vom 22. Mai 2006 fest.

B.
Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden ab (Entscheid vom 2. Februar 2007, eröffnet am 9. März 2007). Im
Verlauf des Verfahrens liess der Versicherte ein der SWICA
Gesundheitsorganisation erstattetes Gutachten der Institut B.________ GmbH vom
24. Mai 2006 und eine Stellungnahme von Dr. med. G.________ vom 3. April 2006
einreichen. Die SUVA ihrerseits legte eine Beurteilung von Dr. med. R.________
vom 6. November 2006 auf.

C.
L.________ lässt Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten erheben
mit dem Rechtsbegehren, es seien ihm die gesetzlichen UVG-Leistungen
zuzusprechen. Mit der Beschwerdeschrift werden eine Bestätigung von Dr. med.
F.________ vom 23. April 2007 und ein Schreiben von Dr. med. G.________ vom 16.
April 2007 eingereicht.

Die SUVA schliesst auf Abweisung der Beschwerde. Das Bundesamt für Gesundheit
verzichtet auf eine Vernehmlassung.

Mit Schreiben vom 7. Mai 2008 lässt der Beschwerdeführer ein der IV-Stelle des
Kantons Graubünden erstattetes Gutachten des ärztlichen Begutachtungsinstituts
D.________ vom 26. September 2007 einreichen.

Erwägungen:

1.
1.1 Mit der Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten kann
insbesondere die Verletzung von Bundesrecht gerügt werden (Art. 95 lit. a BGG).
Richtet sich die Beschwerde gegen einen Entscheid über die Zusprechung oder
Verweigerung von Geldleistungen der Militär- oder Unfallversicherung, so kann
überdies jede unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts gerügt werden (Art. 97 Abs. 2 BGG).

1.2 Das Bundesgericht hat bisher offen gelassen, ob im Bereich der erweiterten
Kognition nach Art. 97 Abs. 2 BGG im letztinstanzlichen Verfahren neue
Beweismittel eingereicht werden dürfen (vgl. Urteile 8C_260/2007 vom 31.
Oktober 2007, E. 2; 8C_619/2007 vom 29. Januar 2008, E. 3.2.6; 8C_806/2007 vom
7. August 2008, E. 3). Unabhängig von der Beantwortung dieser Frage können neue
Dokumente jedenfalls dann keine Berücksichtigung mehr finden, wenn sie erst
nach Ablauf der Beschwerdefrist und nicht im Rahmen eines zweiten
Schriftenwechsels eingereicht werden und keine Revision des Urteils im Sinne
von Art. 123 Abs. 2 lit. a BGG zu begründen vermöchten (vgl. BGE 127 V 353).
Das mit dem Schreiben vom 8. Mai 2008 eingereichte Gutachten des ärztlichen
Begutachtungsinstituts D.________ bildet keine Basis für eine Revision. Es ist
daher als unzulässiges Beweismittel zu qualifizieren und kann keine
Berücksichtigung finden.

2.
2.1 Die obligatorische Unfallversicherung erbringt Leistungen bei Unfällen und
Berufskrankheiten (Art. 6 Abs. 1 UVG). Als Berufskrankheiten gelten unter
anderem Krankheiten (Art. 3 ATSG), die bei der beruflichen Tätigkeit
ausschliesslich oder vorwiegend durch schädigende Stoffe oder bestimmte
Arbeiten verursacht worden sind. Der Bundesrat erstellt die Liste dieser Stoffe
und Arbeiten sowie der arbeitsbedingten Erkrankungen (Art. 9 Abs. 1 UVG). Nach
der Rechtsprechung ist eine vorwiegende Verursachung von Krankheiten durch
schädigende Stoffe oder bestimmte Arbeiten gegeben, wenn diese mehr wiegen als
alle anderen mitbeteiligten Ursachen, mithin im gesamten Ursachenspektrum mehr
als 50 % ausmachen (BGE 119 V 200 E. 2a S. 200 f.).

2.2 Die schädigenden Stoffe und arbeitsbedingten Erkrankungen im Sinne von Art.
9 Abs. 1 UVG sind im Anhang 1 zur UVV aufgeführt (Art. 14 UVV). Zum in der
entsprechenden Liste (Anhang 1 Ziff. 1) genannten Stoff Alkylamine zählt auch
Metaxylendiamen (bzw. Metaxylylendiamin).

2.3 Soweit nichts anderes bestimmt ist, sind Berufskrankheiten von ihrem
Ausbruch an einem Berufsunfall gleichgestellt. Sie gelten als ausgebrochen,
sobald der Betroffene erstmals ärztliche Behandlung bedarf oder arbeitsunfähig
(Art. 6 ATSG) ist (Art. 9 Abs. 3 UVG). Ab diesem Zeitpunkt besteht demnach
unter denselben Voraussetzungen wie bei einem Berufsunfall Anspruch auf
Versicherungsleistungen, insbesondere in Form von Heilbehandlung (Art. 10 UVG)
und Taggeld (Art. 16 UVG). Diese Leistungen werden auch für Rückfälle und
Spätfolgen gewährt (Art. 11 UVV).

2.4 Sind die tatsächlichen Voraussetzungen für die Leistungspflicht des
obligatorischen Unfallversicherers einmal mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
erstellt und hat der Versicherer dies anerkannt, trägt er die Beweislast für
den nachträglichen Wegfall der Kausalität (vgl. RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45 E. 2
S. 46, U 355/98, mit Hinweisen; Urteil U 455/05 vom 29. November 2006, E. 3.1
[nicht veröffentlicht in BGE 133 V 57]).

2.5 Für den Beweiswert eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet
und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a
S. 352; 122 V 157 E. 1c S. 160).

3.
3.1 Es ist erstellt und unbestritten, dass das im März 2001 aufgetretene Ekzem
auf den während der Arbeit in der Versuchsanlage der Firma X.________ AG
erfolgten Kontakt mit der Substanz Metaxylendiamin oder Metaxylylendiamin
(MXDA) zurückzuführen ist, welche unter den Listenstoff Alkylamine fällt. Damit
lag eine Berufskrankheit vor, welche die Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin begründete. Nach der Versetzung in die Firma Y.________ AG,
wo der Beschwerdeführer von 1. Oktober 2001 bis 30. September 2002 tätig war,
berichteten die Ärzte zunächst über einen günstigen Ekzemverlauf. Im Sommer
2002 traten jedoch erneut Ekzemveränderungen auf. Dr. med. R.________ hielt in
einer Notiz an die SUVA vom 19. November 2002 fest, rückblickend betrachtet
habe die interne Versetzung keine Abheilung gebracht. Dr. med. F.________
attestierte dem Versicherten im Unfallschein ab 11. Dezember 2002 wieder volle
Arbeitsfähigkeit und bestätigte dies in einem Bericht vom 10. Januar 2003. Er
fügte bei, die Ekzemreaktion bestehe weiterhin, obwohl der Patient mit dem
Allergen MXDA nicht mehr in Kontakt sei. Am 6. Juni 2003 erklärte der Arzt, er
habe den Patienten wegen des generalisierten Exanthems und des starken Ekzems
im Bereich der Hände ab 25. April 2003 wieder zu 100 % arbeitsunfähig schreiben
müssen. In der Folge persistierten entsprechende Beschwerden.

3.2 Zur Frage nach dem Zusammenhang zwischen der anerkannten Berufskrankheit,
welche durch den Kontakt mit dem Listenstoff Alkylamine (in Form von
Metaxylendiamin) hervorgerufen wurde, und dem aktuellen Leidensbild wurden
verschiedene Abklärungen durchgeführt.
3.2.1 Am 3. Juli 2003 erteilte die SUVA dem Spital A.________, Dermatologische
Klinik, den Auftrag zur Erstellung eines Gutachtens. Der Klinik wurden
verschiedene Fragen unterbreitet. Insbesondere sollte sie sich zur Diagnose und
zur wahrscheinlichen Ursache der aktuellen Hautveränderungen äussern. Überdies
wurde sie gebeten, die Frage zu beantworten, ob noch Folgen der früher als
Berufskrankheit anerkannten Kontaktdermatitis vorliegen würden. Das Gutachten
der Klinik datiert vom 30. Juli 2003. Die Experten führen aus, es bestehe eine
berufsrelevante Typ IV-Sensibilisierung auf Metaxylendiamin. Die Ekzeme seien
anfänglich arbeitsabhängig gewesen und hätten zu einem späteren Zeitpunkt einen
eigengesetzlichen Verlauf (ohne Besserung an den Wochenenden und in den Ferien)
gezeigt. Die erniedrigte UVA-/UVB-Schwelle erkläre die akute Exazerbation unter
Lichttherapie bei Dr. med. F.________. Die negativen Photopatch-Testungen und
ausgedehnte Epikutantestungen mit Eigenproben hätten eine photoallergische und
eine berufsfremde Komponente der Ekzeme weitgehend ausschliessen können. Der
Patient leide an einem generalisierten Ekzem mit eigengesetzlichem Verlauf bei
berufsrelevanter Sensibilisierung gegen Metaxylendiamin, verminderter
Alkaliresistenz und erniedrigter UVA-/UVB-Schwelle. Nach Ausschluss anderer
Ursachen liege ein eigengesetzlicher Verlauf bei beruflich bedingten
generalisierten Ekzemen vor. Nach Abheilung der Hautveränderungen sei unter
Beachtung der Nichteignungsverfügung eine 100%ige Arbeitsfähigkeit anzustreben.
3.2.2 Vom 23. August bis 2. September 2004 war der Versicherte erneut im Spital
A.________, Dermatologische Klinik, hospitalisiert. In ihrem Bericht vom 14.
September 2004 diagnostizieren die behandelnden Ärzte u.a. ein Ekzem an Händen,
Unterarmen und Unterschenkeln mit eigengesetzlichem Verlauf bei
berufsrelevanter Sensibilisierung gegen Metaxylendiamin Juli 2003, verminderter
Alkaliresistenz Juli 2003 sowie verminderter UVA- und UVB-Lichtschwelle Juli
2003. Überdies wird eine Urtikaria factitia erwähnt. Der Patient sei mit
lokalen Steroiden und desinfizierenden Bädern behandelt worden. Da bei Eintritt
ein Ekzem auch kubital bestanden habe und im Verlauf ein weisser
Dermographismus nach Kratzen an den Unterschenkeln aufgefallen sei, habe
differenzialdiagnostisch auch an ein atopisches Ekzem gedacht werden müssen.
Aus diesem Grund sei eine Pricktestung durchgeführt worden, welche negativ
ausgefallen sei. Eine Epikutantestung mit Eigenproben sei ebenfalls ohne
pathologische Befunde durchgeführt worden. Um bei Unterschenkelekzem ein
chronisches Stauungsekzem bei venöser Insuffizienz auszuschliessen, seien die
Venen untersucht worden, wobei sich mittels Doppler und Duplex ein suffizientes
oberflächliches Venensystem habe nachweisen lassen. Die Urtikaria factitia
müsse als mögliche Aggravationsursache bei chronischem Kratzen ins Auge gefasst
werden und könne somit zu einer Verschlechterung des Hautzustandes bzw. zu
einer Verzögerung der Heilung führen.
3.2.3 Dr. med. F.________ hält in einem Schreiben vom 13. September 2005 fest,
der Versicherte habe während seiner Arbeit in der Firma X.________ AG eine
Sensibilisierung gegen Metaxylendiamin entwickelt. Das jetzige Ekzem sei durch
ihn, Dr. med. F.________, als eigengesetzlicher Verlauf interpretiert worden.
Seit 2002 arbeite der Patient nicht mehr, die Intensität des Ekzems nehme aber
weiter zu. Zusätzlich habe der Patient eine zunehmende Lichtsensibilisierung
entwickelt, die während der Hospitalisation auch dokumentiert worden sei. Diese
habe auch auf die Augen übergegriffen, so dass der Patient immer eine
Sonnenbrille tragen müsse. Es bestehe auch eine verstärkte Schmerzhaftigkeit
der Haut bei Berührung.
3.2.4 Vom 29. September bis 4. Oktober 2005 hielt sich der Versicherte
stationär im Spital H.________, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und
Venerologie, auf. Er verliess die Klinik vorzeitig. Der Grund lag gemäss seinen
Angaben darin, dass eine Assistenzärztin, welche nicht Augenärztin ist, seine
Augen medikamentös behandeln wollte. Im Gutachten vom 18. Oktober 2005 wird
ausgeführt, unabhängig von der Vorgeschichte handle es sich bei den aktuell
bestehenden generalisierten Hautveränderungen mit Armbeugen-betonten, teils
lichenifizierten Ekzemen, begleitet von einer Konjunktivitis mit ausgeprägter
Photophobie, um ein atopisches Ekzem. Der Patient erfülle zahlreiche Kriterien
nach Hanifin und Rajka. Untermauert werde die Diagnose eines atopischen Ekzems
durch das erhöhte Total-IgE (1032 kU/l) sowie durch den erhöhten Phadiatop-Wert
(0.36 kU/l). Die geplanten Prick-Testungen hätten aufgrund des vorzeitigen
Spitalaustrittes nicht durchgeführt werden können. Auch der Verlauf mit
Fortbestehen der Hautproblematik trotz Arbeitskarenz/ohne offensichtliche
Allergenexposition spreche dafür, dass die ekzematösen Veränderungen nicht von
der zuvor durchgeführten Arbeitstätigkeit abhängig seien. Eine nachträgliche
Streuung des Kontaktekzems sei nach Auffassung der begutachtenden Ärztinnen
ausgeschlossen. Die Wiederholung/Ergänzung der Epikutantestung habe aufgrund
des vorzeitigen Austritts nicht durchgeführt werden können. Auch die
histologische Aufarbeitung von zwei entnommenen Hautproben (Schulter rechts,
Unterschenkel links) unterstütze die Diagnose eines Ekzems.
3.2.5 Dr. med. G.________ führt in seiner Stellungnahme vom 3. April 2006 aus,
aufgrund der klinischen Untersuchung könne die Hauterkrankung zweifelsfrei
einem chronischen Ekzem zugeordnet werden. Die alleinige klinische Untersuchung
lasse keine Rückschlüsse auf die Ursache des Ekzems zu. Beim Patienten sei
während der Arbeit ein gemäss Unterlagen initial arbeitsabhängiges Ekzem
aufgetreten. Es sei eine Typ-IV-Sensibilisierung auf eine Arbeitssubstanz
(Metaxylendiamin) nachgewiesen worden und der Patient leide seither an einem
chronischen Ekzem. Vor dem 2001 einsetzenden aktuellen Leiden fänden sich keine
Hinweise auf frühere Hautleiden oder generell auf eine atopische Diathese. Auch
die Familienanamnese sei diesbezüglich bland. Erlanger Score (5) und
Pricktestung, durchgeführt in der Klinik A.________, stützten die Diagnose
einer atopischen Dermatitis nicht. Der in der Klinik C.________ durchgeführte
Phadiatrop, der die Diagnose einer atopischen Dermatitis stützen solle, sei
absolut grenzwertig ausgefallen (in der Klinik A.________ negativ). Die
erhöhten IgE-Werte seien nicht beweisend für die Diagnose einer atopischen
Dermatitis. Die abschliessende Beurteilung der Klinik C.________, wonach dem
chronischen Ekzem ein endogenes Ekzem (atopische Dermatitis oder Neurodermitis)
zugrunde liege, lasse Fragen offen, insbesondere auch im Hinblick auf die
divergente Beurteilung durch die Klinik A.________ in den Vorjahren. Ob eine
vorbestehende atopische Erkrankung vorliege, ob eine Atopie durch eine
berufsbedingte Dermatose getriggert worden sei und jetzt einen
eigengesetzlichen Verlauf zeige oder ob eine Berufsdermatose mit
eigengesetzlichem Verlauf vorliege, könne nach seiner, Dr. med. G.________,
Einschätzung zur Zeit nicht abschliessend beurteilt werden. Vielleicht werde
der weitere Verlauf der Hauterkrankung Aufschluss geben.
3.2.6 Laut der ärztlichen Beurteilung durch Dr. med. R.________ vom 6. November
2006 war die Diagnose einer eigengesetzlichen Kontaktdermatitis, welche die
Dermatologische Klinik A.________ im Jahr 2003 in den Vordergrund stellte, in
Berücksichtigung der damaligen Befunde nachvollziehbar. Bei dieser Diagnose
handle es sich in der Regel um eine Ausschlussdiagnose, die sich weder auf
eindeutige klinische Befunde noch auf Laborbefunde abstützen lasse. Die
grundlegenden Pathomechanismen seien weitgehend unbekannt, und entsprechend sei
auch die Fachliteratur spärlich. Im vorliegenden Fall sei diese Diagnose
rückblickend als vorläufige Arbeitshypothese zu betrachten. Die Möglichkeit des
Vorliegens einer atopischen Dermatitis als Differenzialdiagnose sei nicht oder
zu wenig in Betracht gezogen worden. Bei der zweiten Hospitalisation seien
explizit sehr typische Merkmale eines atopischen Ekzems (Beugenekzeme,
Kratzspuren mit weissem Demographismus) beschrieben worden; ferner habe sich
wiederum ein erhöhter IgE-Wert gefunden. Dennoch sei ohne Differenzialdiagnose
an der bisherigen Diagnose eines eigengesetzlichen Kontaktekzems festgehalten
worden. Auch sei die Ursache der klinisch bedeutsamen Lichtempfindlichkeit
vorerst unerklärt geblieben. Die Arbeitshypothese des eigengesetzlichen
Kontaktekzems sei bei der späteren Untersuchung in der Berner
Universitätsklinik in voller Kenntnis der früheren Befunde gänzlich fallen
gelassen worden, weil damals eine klassische atopische Dermatitis im Schub
vorgelegen habe. Bei dieser Krankheit handle es sich um eine so genannte
endogen verursachte Hautproblematik. Die Diagnose sei durch zahlreiche
Atopie-Kriterien nach Hanifin und Rajka gestützt. Zudem werde sie durch das
Vorliegen hoch signifikanter Laborbefunde bestätigt, die bei früheren
Untersuchungen nie in gleicher Weise ausgeprägt gewesen seien. Der gegenüber
früher gar fünfmal höhere IgE-Wert sei ein schwergewichtiger Hinweis auf die
atopische Veranlagung. Bei einem IgG-Wert von über Tausend kU/l könne zusammen
mit dem typischen Hautbefund, einem chronischen Ekzemverlauf und einer
Eosinophilie schwerlich am Vorliegen eines atopischen Ekzems gezweifelt werden.
Der IgG-Wert und die Eosinophilie hingen mit dem Krankheitsverlauf zusammen und
seien vor allem im Schub ausgeprägt. Ein atopisches Ekzem könne in einem nicht
unbedeutenden Anteil im Erwachsenenalter, ohne Vorbefunde und anamnestische
Hinweise, plötzlich ausbrechen und einen schubförmigen oder chronisch
persistierenden Verlauf nehmen. Die Diagnose des atopischen Ekzems vermöge
zudem die Lichtempfindlichkeit der Haut und der Augen zu integrieren. Die
Lichtempfindlichkeit der Augen und die Konjunktivitis seien auch Bestandteil
des Atopie-Scores nach Diepgen. Beides sei für das eigengesetzliche
Kontaktekzem atypisch. Dasselbe gelte für die 15 Monate, welche zwischen der
Aufgabe der Tätigkeit in der Versuchsanlage und dem Auftreten grossflächiger
Ekzeme lägen.
3.3
3.3.1 Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, das Spital A.________
habe im Gutachten vom 30. Juli 2003 und im Bericht vom 14. September 2004 ein
Kontaktekzem mit eigengesetzlichem Verlauf diagnostiziert. Im zweiten Bericht
hätten die Ärzte ein atopisches Ekzem ausgeschlossen. Auch Dr. med. F.________
habe das jetzige Ekzem als eigengesetzlichen Verlauf einer bei der Arbeit
entwickelten Sensibilisierung gegen Metaxylendiamin beurteilt. Das gegenteilig,
im Sinne eines atopischen Ekzems, lautende Gutachten des Spitals C.________ vom
18. Oktober 2005 werde den Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische
Stellungnahme nicht gerecht. Dr. med. G.________ vertrete denn auch die
Auffassung, die Ursache für das Ekzem sei offen. Dr. med. R.________ habe in
seiner Beurteilung vom 6. November 2006 insbesondere das Gutachten und den
Bericht des Spitals A.________ nicht hinreichend gewürdigt.
3.3.2 Die SUVA stellt sich auf den Standpunkt, das im Jahr 2001 aufgetretene
berufsbedingte Kontaktekzem sei praktisch abgeheilt, nachdem der Versicherte
den schädigenden Stoffen nicht mehr ausgesetzt war. Die in der Folge ohne
Stoffexposition aufgetretenen Hautprobleme seien ärztlicherseits zunächst auf
das berufsbedingte Kontaktekzem zurückgeführt und mit einem eigengesetzlichen
Verlauf erklärt worden. Im Laufe der weiteren Krankheitsentwicklung hätten sich
indessen immer mehr Merkmale gezeigt, welche auf eine berufsfremde Erkrankung
hinwiesen. So seien dem zur Diskussion stehenden Kontaktekzem chronisch
rezidivierende Verläufe fremd, die aufgetretene Lichtsensibilisierung, welche
auch die Augen befallen habe, spreche gegen ein berufsbedingtes,
eigengesetzliches Kontaktekzem und die im Jahr 2004 aufgetretenen
Hautveränderungen in der Ellenbeuge stellten einen klassischen Befund für eine
atopische Dermatitis dar. Die Diagnose des Spitals A.________ im Jahr 2003 sei
rückblickend als vorläufige Arbeitshypothese zu verstehen, welche aber durch
den weiteren Verlauf der Krankheit widerlegt worden sei. Die neuen
Untersuchungswerte des Spitals A.________ vom Oktober 2005, welche von den
früheren Ergebnissen erheblich abwichen, belegten zweifelsfrei eine klassische
atopische (endogene) Dermatitis, welche sich bei den Untersuchungen als Schub
manifestiert habe. Damit habe die weitere Krankheitsentwicklung
unmissverständlich eine endogene Ursache bestätigt und frühere Vermutungen
eines kausalen Zusammenhangs zu den berufsbedingten Stoffexpositionen des
Jahres 2001 widerlegt.
3.3.3 Die SUVA hat im Verlauf der Abklärungen zunächst das Spital A.________
(Gutachten vom 30. Juli 2003) und später das Spital C.________ (Gutachten vom
18. Oktober 2005) mit einer Expertise beauftragt, welche insbesondere klären
sollte, inwieweit die aktuell vorhandenen Ekzeme durch den Kontakt mit der
unter den Listenstoff Alkylamine fallenden Substanz Metaxylendiamin verursacht
wurde. Die beiden Institute gelangen zu gegensätzlichen Ergebnissen: Während
das Spital A.________ eine derartige Verursachung bejaht, verneint das Spital
C.________ einen Zusammenhang und interpretiert die Symptome stattdessen im
Rahmen eines atopischen Ekzems. Nach der Ansicht der SUVA, welche gestützt wird
durch die Beurteilung von Dr. med. R.________ vom 6. November 2006, hat der
weitere Verlauf nach der Erstattung des ersten Gutachtens zusätzliche
Erkenntnisse geliefert. Diese hätten es den Gutachterinnen des Spital
C.________ ermöglicht, in Kenntnis der früheren Befunde die zuverlässige
Diagnose eines generalisierten exazerbierten Ekzems bei Atopie zu stellen. Dem
Gutachten vom 18. Oktober 2005 ist jedoch nicht zu entnehmen, inwiefern die
früheren, gegenteilig lautenden Stellungnahmen Berücksichtigung fanden. Gemäss
der einleitenden Bemerkung wurde die Expertise gestützt auf die Hospitalisation
vom 29. September bis 4. Oktober 2005 verfasst. Sie enthält keine explizite
Auseinandersetzung mit den Vorakten. Verschiedene zunächst in Aussicht
genommene Tests konnten zudem nicht durchgeführt werden. Es handelt sich dabei
um diejenigen Untersuchungen, aufgrund welcher das Spital A.________ in seinem
Bericht vom 14. September 2004 ein atopisches Ekzem verneint hatte. Unter
diesen Umständen kann dem Gutachten des Spitals C.________ kein voller
Beweiswert zuerkannt werden. Die Stellungnahme von Dr. med. R.________ vom 6.
November 2006 liefert zwar eine nachvollziehbare Erklärung für die abweichenden
Einschätzungen in den beiden Expertisen und den weiteren ärztlichen
Stellungnahmen; sie vermag jedoch ihrerseits nicht den Nachweis für das
Vorliegen eines atopischen Ekzems zu liefern. Damit ist der rechtserhebliche
Sachverhalt nicht hinreichend geklärt. Da die SUVA bereits zwei Expertisen
eingeholt hat, welche zu unterschiedlichen Ergebnissen gelangten, lässt sich
die erforderliche beweismässige Klärung nur durch ein Gerichtsgutachten
erreichen. Die Sache ist an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit sie ein
solches einhole und anschliessend über die Beschwerde neu entscheide.

4.
Bei diesem Verfahrensausgang gilt der Beschwerdeführer als obsiegend (vgl. BGE
132 V 215 E. 6.1 S. 235). Er hat daher Anspruch auf eine Parteientschädigung zu
Lasten der SUVA (Art. 68 Abs. 1 und 2 BGG). Die Verfahrenskosten sind der SUVA
als der unterliegenden Partei aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der Entscheid des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden vom 2. Februar 2007 aufgehoben und
die Sache an die Vorinstanz zurückgewiesen wird, damit sie, nach erfolgter
Abklärung im Sinne der Erwägungen, über die Beschwerde neu entscheide.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt.

3.
Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 2500.- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
und dem Bundesamt für Gesundheit schriftlich mitgeteilt.

Luzern, 6. Oktober 2008

Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Ursprung Flückiger