Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.17/2007
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Tribunale federale
Tribunal federal

8C_17/2007
{T 0/2}

Urteil vom 17. Juni 2008
I. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichterin Leuzinger, Bundesrichter Frésard,
Gerichtsschreiberin Weber Peter.

Parteien
H.________, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Albert Müller,
Baumackerstrasse 42, 8050 Zürich,

gegen

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA), Fluhmattstrasse 1, 6004
Luzern, Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Unfallversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons
Zürich vom 9. Januar 2007.

Sachverhalt:

A.
Der 1964 geborene H.________ arbeitete seit 28. Juni 2004 als Storenmonteur bei
der Firma X.________ GmbH, und war dadurch bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen
versichert, als er am 19. August 2004 einen Verkehrsunfall erlitt, bei dem er
als Beifahrer eines Lieferwagens mit einem nicht vortrittsberechtigten
Personenwagen kollidierte. Der erstbehandelnde Dr. med. S.________, Arzt für
Allgemeine Medizin FMH, diagnostizierte eine traumatisierte Spondylolisthesis
bei Spondylolyse (Bericht vom 7. September 2004). Die SUVA erbrachte die
gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung und Taggelder). Es folgten diverse
medizinischen Abklärungen und Behandlungen der Rückenproblematik, insbesondere
auch eine Untersuchung in der Uniklinik V.________, deren Ärzte im Schreiben
vom 24. November 2004 eine (vorbestehende) isthmische Spondylolisthesis L4/5
mit degenerativen Veränderungen, eine Foramenstenose beidseits sowie eine
sekundäre Schmerzauslösung durch ein vorangegangenes Trauma (keine Korrelation
zwischen vorbestehender Erkrankung und Trauma) diagnostizierten. Vom 19. Januar
bis 15. Februar 2005 weilte der Versicherte zur stationären Behandlung in der
Uniklinik Y.________ (Austrittsbericht vom 3. März 2005). Nach Beizug weiterer
medizinischer Unterlagen und nach einer erneuten Untersuchung durch den
Kreisarzt Dr. med. M.________, Facharzt FMH für Chirurgie (vom 27. Juli 2005),
stellte die SUVA mit Verfügung vom 9. August 2005 die gewährten
Versicherungsleistungen per 31. August 2005 ein, da die heute noch bestehenden
Beschwerden nicht mehr unfallbedingt, sondern ausschliesslich krankhafter Natur
seien und mithin der Zustand, wie er auch ohne Unfall sich eingestellt hätte
(Status quo sine), am 27. Juli 2005 erreicht gewesen sei. Daran hielt sie mit
Einspracheentscheid vom 17. Februar 2006 fest.

B.
Die dagegen erhobene Beschwerde, mit welcher ein Bericht des Prof. Dr. med.
G.________, Chefarzt Wirbelsäulenchirurgie an der Klinik Z.________ (vom 23.
Mai 2006), eingereicht worden war, wies das Sozialversicherungsgericht des
Kantons Zürich mit Entscheid vom 9. Januar 2007 ab.

C.
Mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten lässt der Versicherte
beantragen, in Aufhebung des angefochtenen Gerichtsentscheides habe ihm die
SUVA mit Wirkung ab 1. September 2005 weiterhin die gesetzlichen Leistungen zu
erbringen.

Während die SUVA auf Abweisung der Beschwerde schliesst, verzichtet das
Bundesamt für Gesundheit auf eine Vernehmlassung.

D.
Mit Eingabe vom 19. März 2007 lässt der Versicherte unter Verweis auf ein
Schreiben des Prof. Dr. med. G.________ (vom 7. März 2007) das in der
Beschwerde vorbehaltene Gesuch um Einholung einer Gerichtsexpertise erneuern.

Erwägungen:

1.
1.1 Die Beschwerde kann wegen Rechtsverletzung gemäss Art. 95 und Art. 96 BGG
erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106
Abs. 1 BGG). Es ist somit weder an die in der Beschwerde geltend gemachten
Argumente noch an die Erwägungen der Vorinstanz gebunden; es kann eine
Beschwerde aus einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen und es kann
sie mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden Begründung
abweisen (vgl. BGE 130 III 136 E. 1.4 S. 140). Das Bundesgericht prüft
grundsätzlich nur die geltend gemachten Rügen; es ist nicht gehalten, wie eine
erstinstanzliche Behörde alle sich stellenden rechtlichen Fragen zu
untersuchen, wenn diese vor Bundesgericht nicht mehr vorgetragen wurden. Es
kann die Verletzung von Grundrechten und von kantonalem und interkantonalem
Recht nur insofern prüfen, als eine solche Rüge in der Beschwerde vorgebracht
und begründet worden ist (Art. 106 Abs. 2 BGG).

1.2 Im Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von
Geldleistungen der Militär- oder Unfallversicherung ist das Bundesgericht nicht
an die vorinstanzliche Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gebunden
(Art. 97 Abs. 2 und Art. 105 Abs. 3 BGG).

2.
2.1 Das kantonale Gericht hat die gesetzlichen Bestimmungen über den Anspruch
auf Leistungen der Unfallversicherung im Allgemeinen sowie die Rechtsprechung
zu dem für die Leistungspflicht des Unfallversicherers vorausgesetzten
natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem eingetretenen
Schaden (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen), zu den anwendbaren
Beweisgrundsätzen und der für den Beweiswert ärztlicher Berichte und Gutachten
geltenden Regeln (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352, 122 V 157 E. 1c S. 160 ff. mit
Hinweisen) richtig dargelegt. Darauf wird verwiesen.

2.2 Überdies hat es zutreffend erwogen, dass für den Fall, dass durch einen
Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest
wird, die Leistungspflicht des Unfallversicherers entfällt, wenn entweder der
(krankhafte) Zustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status
quo ante), oder aber derjenige Zustand, der sich nach dem schicksalsmässigen
Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne den Unfall früher oder später
eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328
E. 3b [180/93] und 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b [U 61/91], je mit Hinweisen). Wie
der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss auch der Wegfall
eines ursächlichen Zusammenhangs zwischen dem Unfallereignis und den
bestehenden Beschwerden mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen sein. Weil es sich dabei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage
handelt, liegt die Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein
leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht beim
Versicherten, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45 [U 355/
98]). Dabei hat der Unfallversicherer nicht den Beweis für unfallfremde
Ursachen zu erbringen. Welche Ursachen (Krankheit, Geburtsgebrechen oder
degenerative Veränderungen) ein nach wie vor geklagtes Leiden hat, ist an sich
unerheblich. Entscheidend ist allein, ob die unfallbedingten Ursachen eines
Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben, also dahingefallen
sind (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 329 E. 3b [U180/93]; Urteil des EVG U 285/00 vom
31. August 2001). Ebenso wenig muss der Unfallversicherer den negativen Beweis
erbringen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliege oder dass die versicherte
Person nun bei voller Gesundheit sei (Urteil des EVG U 66/04 vom 14. Oktober
2004 mit Hinweisen).

3.
3.1 Nach überzeugender Würdigung der umfassenden medizinischen Aktenlage
gelangte das kantonale Gericht insbesondere gestützt auf den Bericht der
Uniklinik V.________ vom 24. November 2004 und die ausführliche Stellungnahme
des Kreisarztes Dr. med. M.________ vom 27. Juli 2005 zum Schluss, dass im
Zeitpunkt der Einstellung der Leistungen (31. August 2005) nach über einem Jahr
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine mit dem Unfall vom 19. August 2004
in Zusammenhang stehenden körperlichen Beschwerden mehr vorlagen und mithin der
Zustand wieder eingetreten war, welcher sich auch ohne den Unfall ergeben hätte
(Status quo sine). Dies ist nicht zu beanstanden.

3.2 Nach derzeitigem medizinischen Wissensstand kann das Erreichen des Status
quo sine bei posttraumatischen Lumbalgien und Lumboischialgien nach drei bis
vier Monaten erwartet werden, wogegen eine allfällige richtungsgebende
Verschlimmerung röntgenologisch ausgewiesen sein und sich von der
altersüblichen Progression abheben muss. Handelt es sich um einen Unfall ohne
strukturelle Läsionen am Achsenskelett, ist die Chronifizierung der Beschwerden
zunehmend auf andere (unfallfremde) Faktoren zurückzuführen (Urteil des EVG U
60/02 vom 18. September 2002, mit Hinweisen auf die medizinische Literatur).
Überdies entspricht es einer medizinischen Erfahrungstatsache, dass eine
traumatische Verschlimmerung eines (klinisch stummen) degenerativen
Vorzustandes an der Wirbelsäule in der Regel nach sechs bis neun Monaten,
spätestens aber nach einem Jahr als abgeschlossen zu betrachten ist (Urteil des
EVG U 354/04 vom 11. April 2005 E. 2.2 mit Hinweisen). Vorliegend steht fest
und wird nicht bestritten, dass der Versicherte im Zeitpunkt des Unfalls
bereits an massiven Abnormitäten der Wirbelsäule litt und mithin einen
erheblichen krankhaften Vorzustand aufwies. Wie sich aus der Krankengeschichte
ergibt, musste der Beschwerdeführer seit dem Jahre 1981 wiederkehrend wegen
Rückenbeschwerden behandelt werden und es waren schon im Jahre 2000 u.a. eine
Spondylolisthesis L4/5 bei Spondylolyse sowie eine Skoliose festgestellt
worden. Bereits damals war eine ventrale Verschiebung des 4. Lendenwirbels um
17 mm nachweisbar. Die Bandscheibe war praktisch vollständig aufgebraucht. Wie
die Vorinstanz zutreffend erkannte, ist aufgrund der medizinischen Akten davon
auszugehen, dass ausser einer geringen Verschiebung des Wirbels L4 um 2 mm auf
ca. 19 mm, wie der Kreisarzt Dr. med. M.________ in seinem überzeugenden und
schlüssigen Bericht vom 27. Juli 2005 feststellte, keine darstellbare
Veränderung an der Wirbelsäule objektivierbar war und sich dem subjektiv
ausgeprägten Schmerzsyndrom gemäss übereinstimmender ärztlicher Beurteilung
kein unfallbedingtes organisches Substrat gegenüberstellen liess. Entgegen der
Auffassung des Beschwerdeführers wurde dieser minimalen Verschiebung - auch
ohne ergänzende medizinische Stellungnahme - zu Recht keine entscheidende
Bedeutung beigemessen. Weder Dr. med. M.________ noch der vom Versicherten
beigezogenen Prof. Dr. med. G.________, der in seiner Stellungnahme vom 23. Mai
2006 nach vorgängiger Untersuchung von einer Dislokation von rund 1 - 1,5 cm
sprach, sind auf diese minimale Abweichung, die als systembedingte
Messungenauigkeit (Hilfslinienkonstruktion) zu sehen ist, eingegangen. Wie die
Vorinstanz zudem zu Recht erwog, kann auch den Ausführungen des Hausarztes Dr.
med. U.________, auf den sich der Beschwerdeführer stützt, nicht entnommen
werden, inwiefern dieser minimalen Verschiebung die Qualität einer derartigen
Schmerzursache zukommen soll. Überdies hat das Unfallereignis gemäss Dr. med.
M.________ nachweislich keine strukturellen Läsionen in Form einer knöchernen
oder ligamentären Verletzung an der Wirbelsäule gesetzt, was durch die
kernspintomografische Untersuchung der Lendenwirbelsäule (LWS) acht Tage nach
dem Unfallereignis belegt werde. Auf diesen Aufnahmen seien weder strukturelle
Läsionen, welche auf den Unfall zurückzuführen sind, erkennbar, noch seien als
indirekte Hinweise auf Verletzungen in dieser Region Blutergüsse vorhanden. Dr.
med. M.________ ging daher von einer vorübergehenden Verschlimmerung des
Vorzustandes durch das Unfallereignis aus, was im Uebrigen der Einschätzung der
Klinik O.________ vom 24. November 2004 entspricht. Dies wird auch durch die
Ausführungen von Prof. Dr. med. G.________ nicht in Zweifel gezogen. So hielt
er fest, dass ursächlich für die Veränderungen der LWS keine Unfallursache
erhoben werden könne und es sich um einen traumatisierten Vorzustand handle,
der durch den Aufprall im Jahre 2004 symptomatisch geworden sei. Er sah eine
Mitbeteiligung des Unfalls am Schmerzgeschehen. Zur Dauer der unfallbedingten
Symptomatik äusserte er sich jedoch nicht.

Mit Blick auf die vorstehenden Ausführungen besteht im konkreten Fall kein
Anlass, von der oben erwähnten medizinischen Erfahrungstatsache abzugehen, umso
weniger, als die Kontusion nicht besonders schwer war (Arztzeugnis vom 7.
September 2004). Mithin steht fest, dass nachdem sich der Unfall am 19. August
2004 ereignete, die Terminierung der Versicherungsleistungen per 31. August
2005, also rund ein Jahr nach dem Ereignis, nicht zu beanstanden ist.

3.3 Auch die weitern Einwendungen des Beschwerdeführers, soweit relevant (geht
es doch nicht um die ursprüngliche Kausalität bzw. die grundsätzliche
Leistungspflicht des Unfallversicherers, sondern um deren Fortdauer) vermögen
an diesem Ergebnis nichts zu ändern. Insbesondere hat die Vorinstanz aufgrund
der klaren medizinischen Aktenlage in zulässiger antizipierter Beweiswürdigung
(BGE 130 II 425 E. 2.1 S. 428) auf weitere Abklärungen verzichtet. Eine
Verletzung des rechtlichen Gehörs kann darin nicht gesehen werden, zumal der
Versicherte von Bundesrechts wegen keinen formellen Anspruch auf Beizug eines
versicherungsexternen Gutachtens hat, wenn Leistungsansprüche streitig sind
(BGE 122 V 157 E. 1d S. 162 f. mit Hinweisen). Damit erübrigt sich auch das
Einholen des beantragten Gerichtsgutachtens im vorliegenden Verfahren.

4.
Bei diesem Verfahrensausgang sind die Gerichtskosten dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 Satz 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Sozialversicherungsgericht des Kantons
Zürich und dem Bundesamt für Gesundheit schriftlich mitgeteilt.
Luzern, 17. Juni 2008
Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Ursprung Weber Peter