Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.323/2007
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8C_323/2007
Urteil vom 25. Februar 2008

I. sozialrechtliche Abteilung

Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichterinnen Widmer, Leuzinger,
Gerichtsschreiber Hochuli.

D. ________, Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Bruno
Häfliger, Schwanenplatz 7, 6004 Luzern,

gegen

Zürich Versicherungs-Gesellschaft, Postfach, 8085 Zürich, Beschwerdegegnerin.

Unfallversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Luzern vom
10. Mai 2007.

Sachverhalt:

A.
D. ________, geboren 1953, arbeitete seit 1. Oktober 1990 mit einem
Vollzeitpensum am Spital X.________ in der Abteilung Zentralsterilisation und
war in dieser Eigenschaft bei der Alpina Versicherungs-Aktiengesellschaft
(seit 2004: "Zürich" Versicherungs-Gesellschaft; nachfolgend: "Zürich" oder
Beschwerdegegnerin) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen und
Berufskrankheiten versichert. Am 28. Juni 2000 wurde sie als Fussgängerin auf
dem Weg zur Arbeitsstelle beim Beschreiten eines Fussgängerstreifens von
einem Personenwagen seitlich von links angefahren. Durch den Aufprall kam es
zu einer Kontusion der Hüfte links, des Oberschenkels distal links und der
Grosszehe links (Bericht der Chirurgischen Klinik des Spitals X.________ vom
28. Juni 2000), wobei die Versicherte den Aufprall durch Abstützen beider
Hände auf der Motorhaube des Personenwagens abzufangen vermochte, ohne zu
Boden zu stürzen. Nach dem Unfall setzte sie ihren Arbeitsweg selbstständig
fort. Die Polizei wurde nicht an den Unfallort beigezogen (erst am 23. August
2000 erstattete die Versicherte Anzeige bei der Stadtpolizei Luzern). Der
nach dem Unfall beim Eintreffen am Arbeitsort aufgesuchte Arzt Dr. med.
H.________, schloss anhand von Röntgenaufnahmen vom Becken, linken Knie und
linken Vorfuss ossäre Läsionen aus, fand dabei jedoch Anzeichen für
degenerative Veränderungen und attestierte der Versicherten eine volle
Arbeitsunfähigkeit. Ab 12. Juli 2000 vermochte sie in ihrer angestammten,
stehend zu verrichtenden Tätigkeit wieder eine 50%-ige Arbeitsfähigkeit zu
verwerten. Eine computertomographische Untersuchung der Lendenwirbelsäule
(LWS) ergab gemäss Bericht vom 3. November 2000 des Dr. med. R.________, eine
Einengung der Recessus lateralis beidseits, links stark betroffen, einerseits
ossär bedingt durch Intervertebralgelenksarthrose und andererseits
weichteilbedingt durch zirkuläre Discusprotrusion des Segmentes L5/S1. Seit
Sommer 2002 beklagte sich die Versicherte zusätzlich über
Handgelenksbeschwerden auf der linken, nicht dominanten Seite.

Von der Invalidenversicherung bezieht D.________ mit Wirkung ab 1. Juni 2001
bei einem Invaliditätsgrad von 50% eine halbe Invalidenrente. Nach einem
stationären Aufenthalt in der Klinik U.________ vom 25. September bis 16.
Oktober 2001 und weiteren medizinischen Abklärungen stellte die "Zürich"
sämtliche Leistungen per 30. Juni 2003 ein (Verfügung vom 19. Mai 2005) und
hielt daran mit Einspracheentscheid vom 28. November 2005 fest.

B.
Die hiegegen erhobene Beschwerde der D.________ wies das Verwaltungsgericht
des Kantons Luzern, Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, mit Entscheid
vom 10. Mai 2007 ab.

C.
Mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten lässt D.________
insbesondere die Aufhebung des kantonalen Gerichtsentscheids und die
Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen aus dem Unfall vom 28. Juni 2000
(Taggeld bei voller Arbeitsunfähigkeit ab 1. Juli 2003 und Heilbehandlung)
beantragen.

Während die "Zürich" auf Abweisung der Beschwerde schliesst, verzichtet das
Bundesamt für Gesundheit (BAG) auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:

1.
1.1 Die Beschwerde kann wegen Rechtsverletzung gemäss Art. 95 und Art. 96 BGG
erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an
(Art. 106 Abs. 1 BGG). Es ist somit weder an die in der Beschwerde geltend
gemachten Argumente noch an die Erwägungen der Vorinstanz gebunden; es kann
eine Beschwerde aus einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen und es
kann sie mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden
Begründung abweisen (vgl. BGE 130 III 136 E. 1.4 S. 140). Das Bundesgericht
prüft grundsätzlich nur die geltend gemachten Rügen; es ist nicht gehalten,
wie eine erstinstanzliche Behörde alle sich stellenden rechtlichen Fragen zu
untersuchen, wenn diese vor Bundesgericht nicht mehr vorgetragen wurden. Es
kann die Verletzung von Grundrechten und von kantonalem und interkantonalem
Recht nur insofern prüfen, als eine solche Rüge in der Beschwerde vorgebracht
und begründet worden ist (Art. 106 Abs. 2 BGG).

1.2 Im Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von
Geldleistungen der Militär- oder Unfallversicherung ist das Bundesgericht
nicht an die vorinstanzliche Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts
gebunden (Art. 97 Abs. 2 und Art. 105 Abs. 3 BGG).

2.
Das kantonale Gericht hat die Bestimmungen über den Anspruch auf Leistungen
der obligatorischen Unfallversicherung im Allgemeinen (Art. 6 Abs. 1 UVG)
sowie die Grundsätze zu dem für die Leistungspflicht des Unfallversicherers
vorausgesetzten natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem
eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod; BGE 129 V 177 E. 3.1
S. 181, 123 V 43 E. 2a S. 45, je mit Hinweisen) und zur vorausgesetzten
Adäquanz des Kausalzusammenhangs im Allgemeinen (BGE 129 V 177 E. 3.2 S. 181
mit Hinweis) sowie im Besonderen bei psychischen Unfallfolgen (BGE 115 V 133
ff.) zutreffend dargelegt. Gleiches gilt in Bezug auf die Ausführungen zum
Wegfall des ursächlichen Zusammenhangs und damit des Leistungsanspruchs der
versicherten Person bei Erreichen des Status quo sine vel ante und zu den
sich dabei stellenden Beweisfragen (BGE 117 V 261 E. 3b in fine S. 264;
RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45, 1994 Nr. U 206 S. 328; Urteil des Bundesgerichts
U 241/06 vom 26. Juli 2007, E. 2.2.2). Richtig sind sodann die Hinweise zu
dem im Sozialversicherungsrecht bei der Beantwortung von Tatfragen üblichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181
mit Hinweisen) sowie zur Beweiswürdigung (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352, SVR
2006 IV Nr. 27 S. 92 E. 3.2.4, I 3/05, je mit Hinweisen). Darauf wird
verwiesen.

3.
3.1 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Dieser Grundsatz
gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den
Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2 S. 195, 122 V 157 E. 1a
S. 158, je mit Hinweisen; vgl. BGE 130 I 180 E. 3.2 S. 183).

Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne einer
Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess
tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im
Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt,
die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese
Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist,
im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer Beweiswürdigung einen
Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat,
der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b S. 263 mit Hinweisen).

3.2 Zwar statuiert Art. 43 Abs. 1 ATSG die Sachverhaltsabklärung von Amtes
wegen, wobei es im Ermessen des Versicherungsträgers liegt, darüber zu
befinden, mit welchen Mitteln diese zu erfolgen hat. Im Rahmen der
Verfahrensleitung kommt ihm ein grosser Ermessensspielraum bezüglich der
Notwendigkeit, den Umfang und die Zweckmässigkeit von medizinischen
Erhebungen zu. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage.
Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz hat der Unfallversicherer den
Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass er über den Leistungsanspruch zumindest
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. dazu BGE 126 V
353 E. 5b S. 360) entscheiden kann. Dabei kommt im Abklärungsverfahren des
Unfallversicherers Sachverständigengutachten eine massgebende Rolle zu (vgl.
Art. 55 Abs. 2 UVV; SVR 2007 UV Nr. 33 S. 112 E. 4.1, U 571/06).

3.3 Der Untersuchungsgrundsatz weist enge Bezüge zum - auf Verwaltungs- und
Gerichtsstufe geltenden - Grundsatz der freien Beweiswürdigung auf. Führen
die im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes von Amtes wegen vorzunehmenden
Abklärungen den Versicherungsträger oder das Gericht bei umfassender,
sorgfältiger, objektiver und inhaltsbezogener Beweiswürdigung (BGE 132 V 393
E. 4.1 S. 400) zur Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei als
überwiegend wahrscheinlich (BGE 126 V 353 E. 5b S. 360, 125 V 193 E. 2 S.
195, je mit Hinweisen) zu betrachten und es könnten weitere Beweismassnahmen
an diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so liegt im Verzicht auf
die Abnahme weiterer Beweise keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches
Gehör (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. SVR 2001 IV Nr. 10 S. 27 E. 4 S.
28; zu Art. 4 Abs. 1 aBV ergangene, weiterhin geltende Rechtsprechung: BGE
124 V 90 E. 4b S. 94, 122 V 157 E. 1d S. 162, je mit Hinweisen). Bleiben
jedoch erhebliche Zweifel an Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher
getroffenen Tatsachenfeststellung bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit
von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue wesentliche Erkenntnisse zu
erwarten sind (Urteil 8C_364/2007 vom 19. November 2007 E. 3.2 mit Hinweis).

4.
Vorweg zu prüfen ist, ob Verwaltung und Vorinstanz bei gegebener Aktenlage zu
Recht darauf geschlossen haben, dass im Zeitpunkt des folgenlosen
Fallabschlusses per 30. Juni 2003 keine somatischen Unfallfolgen mehr
vorhanden waren.

4.1 Fest steht, dass bei der Beschwerdeführerin an der Wirbelsäule, am linken
Hüftgelenk, am linken Kniegelenk und am linken Vorfuss Hinweise auf
degenerative Veränderungen gefunden wurden, welche nicht in einem natürlichen
Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 28. Juni 2000 stehen. Unbestritten
blieb sodann, dass dieser Vorzustand vor dem Unfall keine
behandlungsbedürftigen Beschwerden zur Folge hatte. Mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit ist sodann erstellt, dass die Versicherte am
28. Juni 2000 von einem Personenwagen (Hyundai Accent) seitlich von links
angefahren wurde, sie den Aufprall durch Abstützen der Hände auf der
Motorhaube abfangen konnte und es beim Aufprall zu einer Kontusion der linken
Hüfte, des linken Oberschenkels und der linken Grosszehe kam. In Bezug auf
den unfallbedingt traumatisierten, degenerativen Vorzustand ist also die
Frage zu beantworten, ob und gegebenenfalls in welchem Zeitpunkt der Status
quo sine wieder erreicht wurde.

4.2 Hinsichtlich der erst ab Ende Juni 2002 aufgetretenen linksseitigen
Handgelenksbeschwerden stellt sich die Frage, ob die "Zürich" hiefür
leistungspflichtig ist. Während Verwaltung und Vorinstanz einen natürlichen
Kausalzusammenhang dieser Handgelenksbeschwerden mit einem bei der "Zürich"
versicherten Unfallereignis verneinten, macht die Beschwerdeführerin geltend,
der Status quo sine sei im Zeitpunkt der Leistungseinstellung per 30. Juni
2003 noch nicht erreicht gewesen und die linksseitige Handgelenksverletzung
sei durch den Unfall vom 28. Juni 2000 verursacht worden.

4.2.1 Der Hausarzt der Versicherten, Dr. med. B.________, überwies diese zur
Abklärung der Handgelenksbeschwerden an die Abteilung für Hand- und
Plastische Chirurgie des Spitals X.________ (das Überweisungsschreiben des
Dr. med. B.________ liegt nicht bei den Akten). Dr. med. E.________,
diagnostizierte "chronische Handgelenksschmerzen über dem linken Ulnastyloid
ohne bekanntes Trauma" (Bericht vom 29. August 2002). Dr. med. M.________,
beurteilte die anlässlich einer magnetresonanztomographischen Untersuchung
vom 10. September 2002 am linken Handgelenk erhobenen Befunde als eine
infolge posttraumatischer Ossikel bedingte ulnarseitige TFCC-Insertionsläsion
bei einem "Verdacht auf alte Fraktur des Ulnastyloids mit Abriss des
Processus styloideus". Der leitende Handchirurg am Spital X.________, Dr.
med. von W.________, führte am 14. Oktober 2002 eine Handgelenksarthroskopie
durch. Er fand intraoperativ eine C-Läsion des TFCC mit abgerissener
Aufhängung, wobei das radiologisch sichtbare grosse Fragment des Processus
styloideus ulnae nicht frei im Gelenk lag, sondern mit Resten des TFCC
behaftet war. Zur Operationsindikation hielt er einleitend fest, "offenbar
hat die Patientin nie ein Trauma gehabt". Der Bericht des Dr. med. von
W.________ datiert vom 13. Dezember 2002.

4.2.2 Am 9. Dezember 2002 hatte die Beschwerdegegnerin bei Dr. med. von
W.________ eine Stellungnahme zur Unfallkausalität der Handgelenksbeschwerden
einverlangt. Dabei wies sie darauf hin, dass laut Hausarzt die seit August
2002 geklagten Handgelenksbeschwerden "nicht im Zusammenhang mit dem Unfall
vom 28. Juni 2000 stehen". Für diese angebliche Aussage des Dr. med.
B.________ findet sich in den Akten keine Grundlage. Mit Blick auf die Dr.
med. von W.________ am 9. Dezember 2002 von der "Zürich" unterbreitete
Suggestivfrage nach der Unfallkausalität verwundert der einleitende Hinweis
zur Operationsindikation nicht, wonach "offenbar [...] die Patientin nie ein
Trauma gehabt" habe (Bericht des Dr. med. von W.________ vom 13. Dezember
2002). Entgegen den Ausführungen des kantonalen Gerichts im angefochtenen
Entscheid (S. 5) hat Dr. med. von W.________ die Handgelenksbeschwerden nicht
nach seiner eigenen fundierten Beurteilung "keiner klaren Ätiologie zuordnen"
können, sondern bei seiner Aussage zur Kausalität auf die Angaben der
Beschwerdegegnerin im Schreiben vom 9. Dezember 2002 abgestellt, wonach die
Versicherte gemäss Hausarzt - jedoch ohne aktenkundigen Nachweis einer
entsprechenden Stellungnahme seitens des Dr. med. B.________ - nie ein Trauma
erlitten habe. Es trifft daher im Gegensatz zur positiven Formulierung im
vorinstanzlichen Entscheid (S. 5) nicht zu, dass Dr. med. von W.________ aus
eigener Überzeugung die Handgelenksbeschwerden "nicht auf das Unfallereignis
vom 28. Juni 2000 zurückführte". Dem genannten Bericht ist vielmehr in aller
Deutlichkeit zu entnehmen, dass die intraoperativ anlässlich der
Handgelenksarthroskopie vom 14. Oktober 2002 festgestellten Befunde der
Beurteilung des Dr. med. M.________ vom 25. September 2002 entsprachen,
wonach von einem "Verdacht auf alte Fraktur des Ulnastyloids mit Abriss des
Processus styloideus" auszugehen war. Auch kann dem kantonalen Gericht nicht
gefolgt werden, soweit es im angefochtenen Entscheid (S. 5) behauptet,
Dr. med. Y.________, habe "die Handgelenksproblematik in seiner Expertise vom
24. Mai 2003 als unfallfremd bezeichnet". Dieser warf im genannten Bericht
vielmehr die entscheidende Frage auf, wonach weiterhin unklar sei, "wann sich
die radiologisch sichtbare inveterierte Fraktur des processus styloideus
ulnae ereignet" habe. Immerhin hat die Beschwerdeführerin anlässlich des
Unfalles vom 28. Juni 2000 den drohenden Sturz nach dem von links
einwirkenden Aufprall des Autos durch Abstützen mit beiden Händen (also auch
der linken Hand) auf der Motorhaube des Personenwagens abzufangen versucht.
Zudem wies Dr. med. Y.________ in seinem Bericht vom 24. Mai 2003
ausdrücklich darauf hin, dass die Versicherte (knapp drei Jahre nach dem
Unfall vom 28. Juni 2000) nicht genau sagen könne, ob sie schon damals
Schmerzen am linken Handgelenk verspürt habe. Es sei schon möglich, dass sie
sich anlässlich dieses Ereignisses auch die linke Hand (wegen einer links
getragenen Tasche) durch Prellung verletzt habe. Diese Aussage deckt sich
insofern mit dem Protokoll zur Befragung der Beschwerdeführerin durch die
Stadtpolizei Luzern vom 23. August 2000, als die Versicherte im Sinne eines
erlittenen Sachschadens bereits damals geltend machte, dass ihre Handtasche
beim linksseitigen Aufprall des Autos vom 28. Juni 2000 auf der vorderen
Seite zerschnitten worden sei. Demnach ist mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass es am 28. Juni 2000
auch zu einer erheblichen Krafteinwirkung auf das linke Handgelenk kam.

4.2.3 Sodann ist festzuhalten, dass der von der Vorinstanz im angefochtenen
Entscheid (S. 5) angeführte Bericht des Dr. med. Z.________, vom 5. Februar
2004 zur Begründung der fehlenden Unfallkausalität der linksseitigen
Handgelenksbeschwerden gänzlich ungeeignet ist. Angesichts der schon vor dem
Unfall vorhanden gewesenen, jedoch bis zum Ereignis vom 28. Juni 2000
beschwerdefrei gebliebenen degenerativen Veränderungen an der Wirbelsäule und
am Bewegungsapparat war Dr. med. Z.________ bisher der einzige orthopädisch
chirurgisch qualifizierte Facharzt, welcher die somatischen Unfallfolgen der
Beschwerdeführerin im Auftrag der "Zürich" spezialmedizinisch untersucht hat.
Dabei ist zum einen festzustellen, dass die Handchirurgen des Spitals
X.________ die am linken Handgelenk der Versicherten erhobenen Befunde
eindeutig einer traumatischen Genese zugeordnet haben, ohne jedoch das
Unfallereignis vom 28. Juni 2000 als konkrete Ursache zu bezeichnen. Zum
anderen ist dem Bericht des Dr. med. Z.________ vom 5. Februar 2004 zu
entnehmen, dass ihm die "Zürich" offensichtlich nicht sämtliche Akten
vorgelegt hatte und ihm insbesondere die Berichte der behandelnden
Handchirurgen des Spitals X.________ bei der Begutachtung nicht zur Verfügung
standen. Unter diesen Umständen kommt dem Bericht des Dr. med. Z.________ mit
Blick auf die Frage nach der Kausalität der linksseitigen
Handgelenksbeschwerden keine Beweiskraft zu. Im Übrigen hat Dr. med.
Z.________ auch die hinsichtlich allfälliger somatischer Unfallfolgen
entscheidende Frage nicht beantwortet. Denn ob der Status quo sine in Bezug
auf die Rücken- und linksseitigen Beinbeschwerden tatsächlich im Zeitpunkt
des folgenlosen Fallabschlusses per 30. Juni 2003 mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erreicht worden war, ist dem Bericht des Dr.
med. Z.________ nicht zu entnehmen. Diesbezüglich fehlt es auch an einer
konkreten Aussage in der dreiseitigen Aktenbeurteilung des Prof. Dr. med.
V.________, vom 12. November 2004. Auch in diesem Bericht findet sich keine
eigenständige und nachvollziehbare Begründung dafür, weshalb die von den
Handchirurgen des Spitals X.________ als Befunde traumatischer Genese
erhobenen Beeinträchtigungen am linken Handgelenk nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit in einem ursächlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfall
vom 28. Juni 2000 stünden.

4.2.4 Im Weiteren bleibt unklar, ob ein sich anlässlich des Unfalles vom 28.
Juni 2000 zugezogenes Handgelenkstrauma während zwei Jahren bis im Sommer
2002 im Wesentlichen asymptomatisch bleiben konnte. Selbst wenn es jedoch
erst nach dem 28. Juni 2000 zu einem (erneuten) Handgelenkstrauma kam, wäre
die entsprechende Leistungspflicht von der "Zürich" im Rahmen der anhaltend
bis zum 30. Juni 2003 mit einem Teilzeitpensum von 50% ausgeübten
angestammten Tätigkeit und der somit fortbestehenden obligatorischen
Unfallversicherungsdeckung grundsätzlich nach Massgabe des
Untersuchungsgrundsatzes zu prüfen gewesen. In Bezug auf den fachärztlich
festgestellten, eindeutig als traumatisch bezeichneten Befund eines Abrisses
des Processus styloideus ulnae kommt eine Leistungspflicht des
obligatorischen Unfallversicherers nicht nur unter dem Aspekt eines
(allenfalls erneut) erlittenen Unfalles, sondern gegebenenfalls auch mit
Blick auf die Anspruchsgrundlage einer unfallähnlichen Körperschädigung im
Sinne von Art. 9 Abs. 2 lit. f und g UVV in Frage. Es fehlen jedoch Hinweise
darauf, dass Verwaltung und Vorinstanz bisher einen Anspruch auf
Versicherungsleistungen hinsichtlich der linksseitigen Handgelenksbeschwerden
unter diesem Blickwinkel geprüft haben. Die "Zürich" wird dies im Rahmen der
ergänzenden Abklärungen nachzuholen haben.

4.3
4.3.1 Dr. med. Z.________ brachte in seinem Bericht vom 5. Februar 2004
abschliessend zum Ausdruck, dass er die Frage nach dem Erreichen des Status
quo sine angesichts der eingetretenen Somatisierung hinter dem
psychiatrischen Problem "in seinem ganzen Umfang nicht beurteilen" könne. Dem
anfangs 2003 begutachtenden Psychiater Dr. med. F.________, war die Ätiologie
der Handgelenksbeschwerden ausdrücklich nicht bekannt. Die "Zürich" hatte
auch diesem Spezialarzt die Berichte der Handchirurgen offensichtlich nicht
zugestellt. Demgegenüber beschaffte sich der Psychiater selber beim Hausarzt
einen Bericht der Chirurgischen Klinik A des Spitals X.________ vom 31.
Januar 2003, welcher jedoch ebenfalls nicht bei den Akten liegt.

4.3.2 Bei Mitbeteiligung körperlich ausgewiesener Beschwerden hat der
Psychiater seine eigene Stellungnahme zur zumutbaren Arbeitsfähigkeit
gestützt auf die gesamthafte medizinische Beurteilungsgrundlage, welche
vorgängig bezüglich Relevanz der somatischen (unter Umständen
rheumatologischen, neurologischen, orthopädischen sowie internistischen)
Aspekte geklärt sein muss, abzugeben. Optimal ist, wenn bei polydisziplinärer
Begutachtung die abschliessende, gesamthafte Stellungnahme zur
Arbeitsfähigkeit auf der Grundlage eines Konsiliums der Teilgutachter
erfolgt, in welchem die Ergebnisse aus den einzelnen Fachrichtungen
diskutiert werden können (Meyer-Blaser, Arbeitsunfähigkeit, in:
Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Schmerz und Arbeitsunfähigkeit, St. Gallen
2003, S. 89 mit Hinweisen; Urteile des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
I 299/04 vom 12. Oktober 2004 [E. 3 i.f.] und I 87/04 vom 13. Juli 2004 [E.
3]).

4.3.3 Gestützt auf welche - insbesondere medizinischen - Akten die
Invalidenversicherung der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Juni 2001 bei
einem Invaliditätsgrad von 50% eine halbe Invalidenrente zugesprochen hat,
ist unklar. Soweit ersichtlich, fehlt es bisher an einer polydisziplinären
Begutachtung unter umfassender Berücksichtigung aller geklagter Beschwerden
(einschliesslich einer nachvollziehbaren Beurteilung der Unfallkausalität der
linksseitigen Handgelenksbeschwerden aus orthopädisch chirurgischer Sicht)
sowie an einer ausdrücklichen Beantwortung der Fragen, ob - und
gegebenenfalls in welchem Zeitpunkt - der Status quo sine in Bezug auf jede
natürlich kausale somatische Unfallfolge mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit erreicht worden sei. Angesichts dieser, bei gegebenem
Aktenstand nicht abschliessend zu beantwortenden Fragen, ist die Sache zur
Einholung einer neutralen polydisziplinären Begutachtung an die "Zürich"
zurückzuweisen. Dabei wird die Beschwerdegegnerin die medizinischen
Unterlagen vervollständigen und sodann für eine lückenlose Dokumentation der
Gutachter sorgen.

5.
Das Verfahren ist kostenpflichtig (Art. 65 Abs. 4 BGG). Da die
Beschwerdegegnerin, welche unterliegt, in ihrem Vermögensinteresse handelt
(vgl. Art. 66 Abs. 4 BGG; BGE 133 V 642 E. 5), sind ihr die Gerichtskosten
aufzulegen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Sie hat der Beschwerdeführerin ausserdem
eine Parteientschädigung zu bezahlen (Art. 68 Abs. 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der Entscheid des
Verwaltungsgerichts des Kantons Luzern, Sozialversicherungsrechtliche
Abteilung, vom 10. Mai 2007 und der Einspracheentscheid der "Zürich"
Versicherungs-Gesellschaft vom 28. November 2005 aufgehoben werden und die
Sache an die "Zürich" Versicherungs-Gesellschaft zurückgewiesen wird, damit
sie, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, über den Anspruch auf
Versicherungsleistungen ab 1. Juli 2003 neu verfüge.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt.

3.
Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 2500.- zu entschädigen.

4.
Die Sache wird zur Neuverlegung der Parteientschädigung des vorangegangenen
Verfahrens an das Verwaltungsgericht des Kantons Luzern,
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung zurückgewiesen.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Luzern,
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, und dem Bundesamt für Gesundheit
schriftlich mitgeteilt.

Luzern, 25. Februar 2008

Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Ursprung Hochuli