Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.328/2007
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Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
8C_328/2007

Urteil vom 5. Juni 2008
I. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichterin Leuzinger, Bundesrichter Frésard,
Gerichtsschreiber Flückiger.

Parteien
D.________, 1956, Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Giuseppe Dell'Olivo-Wyss, Stadtturmstrasse 10,
5401 Baden,

gegen

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA), Fluhmattstrasse 1, 6004
Luzern, Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Unfallversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons Aargau vom
25. April 2007.

Sachverhalt:

A.
Der 1956 geborene D.________ war seit 1985 als Fahrleitungsmonteur bei der
Firma K.________ AG angestellt und damit bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch unfallversichert. Am 3. Februar
1998 erlitt er einen Arbeitsunfall (der Versicherte sprang bei der Revision
einer Tramoberleitung aus einer Höhe von viereinhalb Metern auf den Boden, weil
der Rollwagen, in dem er sich befand, aus den Schienen sprang und zu kippen
drohte). Dabei zog er sich eine bilaterale Pilontibialfraktur zu. Trotz einer
Reihe medizinischer Massnahmen, darunter der Implantierung einer Prothese am
oberen Sprunggelenk am 30. Mai 2000, klagte der Versicherte weiterhin über
erhebliche Beschwerden. Die SUVA liess am 3. Mai 2001 eine kreisärztliche
Untersuchung durch Dr. med. O.________, Orthopädische Chirurgie FMH,
durchführen. Ausserdem holte sie Stellungnahmen des behandelnden Psychiaters
med. pract. R.________, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 19. Juli 2001
und 11. Juli 2002 sowie der SUVA-internen Spezialärztin Dr. med. H.________,
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, SUVA-Ärzteteam Unfallmedizin, vom 1. März
2002 ein. Anschliessend sprach die Anstalt dem Versicherten mit Verfügung vom
23. September 2002 eine Invalidenrente aufgrund eines Invaliditätsgrades von 80
% sowie eine Integritätsentschädigung von Fr. 34'020.-, entsprechend einer
Integritätseinbusse von 35 %, zu.

Auf Anfrage der SUVA erklärte med. pract. R.________ mit Schreiben vom 5.
September 2003, der Versicherte habe die psychiatrische Behandlung per 1. Juni
2003 abgeschlossen. Der Versicherer holte daraufhin bei Dr. med. L.________,
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, ein "Kurzgutachten" vom 5. Mai 2004 ein.
Dr. med. H.________ nahm am 11. Juni 2004 erneut Stellung. Am 30. September
2004 wurde der Versicherte nochmals durch den Kreisarzt Dr. med. O.________
untersucht. Gleichentags fand eine separate psychiatrische Abklärung durch den
Kreisarzt Dr. med. W.________ statt. In der Folge setzte die SUVA - nach
Gewährung des rechtlichen Gehörs und Beizug einer Stellungnahme des Dr. med.
S.________, Allgemeine Medizin FMH, vom 6. April 2005 - die laufende Rente mit
Wirkung per 1. April 2005 auf 44 % herab und sprach dem Versicherten
gleichzeitig eine zusätzliche Integritätsentschädigung aus psychiatrischer
Sicht von 15 % zu (Verfügung vom 15. April 2005). In teilweiser Gutheissung der
vom Versicherten erhobenen Einsprache wurde die Rente mit Einspracheentscheid
vom 18. Mai 2006 auf 55 % erhöht.

B.
Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Versicherungsgericht des Kantons
Aargau ab (Entscheid vom 25. April 2007). Im Verlauf des Rechtsmittelverfahrens
liess der Beschwerdeführer unter anderem einen Bericht von med. pract.
R.________ vom 12. August 2006 sowie handschriftliche Notizen desselben Arztes
(Beantwortung von Fragen des Rechtsvertreters des Versicherten) vom 12.
September 2006 einreichen.

C.
D.________ lässt Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten führen
mit dem Rechtsbegehren, es sei ihm eine Invalidenrente auf der Basis eines
Invaliditätsgrades von mindestens 80 % zuzusprechen. Eventuell sei "eine
medizinische Gesamtbeurteilung durchzuführen mit folgenden Aspekten:
Durchführung einer praktischen Berufserprobung, Durchführung einer Evaluation
der funktionellen Leistungsfähigkeit, Vornahme einer interdisziplinären
Gesamtbeurteilung bzw. Beurteilung betreffend somatischer und psychischer
Einschränkung der Erwerbsfähigkeit".

Die SUVA schliesst auf Abweisung der Beschwerde. Das Bundesamt für Gesundheit
verzichtet auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:

1.
Das kantonale Gericht hat die Bestimmungen und Grundsätze über den Begriff der
Invalidität (Art. 8 Abs. 1 ATSG), den Anspruch auf eine Invalidenrente der
obligatorischen Unfallversicherung (Art. 18 Abs. 1 UVG), die Bestimmung des
Invaliditätsgrades nach der Einkommensvergleichsmethode (Art. 16 ATSG; BGE 114
V 310 E. 3a S. 313; vgl. auch BGE 130 V 343 E. 3.4 S. 348; 128 V 29 E. 1 S. 30;
104 V 135 E. 2a und b S. 136), die Rentenrevision (Art. 17 Abs. 1 ATSG; BGE 112
V 371 E. 2b S. 372 und 387 E. 1b S. 390; vgl. auch BGE 130 V 343 E. 3.5 S. 349;
113 V 273 E. 1a S. 275) sowie die Aufgabe des Arztes oder der Ärztin im Rahmen
der Invaliditätsbemessung (BGE 125 V 256 E. 4 S. 261; 115 V 133 E. 2 S. 134;
114 V 310 E. 3c S. 314; 105 V 156 Erw. 1 S. 158) zutreffend dargelegt. Darauf
wird verwiesen.

2.
Strittig und zu prüfen ist, ob die SUVA mit dem vorinstanzlich bestätigten
Einspracheentscheid vom 18. Mai 2006 zu Recht die dem Versicherten mit der
Verfügung vom 23. September 2002 zugesprochene Rente von 80 % mit Wirkung ab 1.
April 2005 auf 55 % herabgesetzt hat. Dies entscheidet sich danach, ob eine
anspruchserhebliche Veränderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist.
Massgebend hierfür ist ein Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt der
Rentenzusprechung (Verfügung vom 23. September 2002) mit jenem im Zeitpunkt der
Neubeurteilung (BGE 130 V 343 E. 3.5.2 S. 351).

3.
In ihrer Verfügung vom 23. September 2002 führte die SUVA aus, von Seiten der
organischen Unfallrestfolgen sei dem Versicherten eine rein sitzend auszuübende
Tätigkeit ganztags zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht sei dabei mit einer
Leistung von maximal 20 % zu rechnen. Man erachte den Versicherten somit in
seiner Erwerbsfähigkeit um 80 % eingeschränkt. In medizinischer Hinsicht
basierte diese Einschätzung in erster Linie auf den Stellungnahmen von Dr. med.
O.________ vom 3./8. Mai 2001 und med. pract. R.________ vom 11. Juli 2002.

3.1 Dr. med. O.________ gelangte zum Ergebnis, der Versicherte könne die
bisherige Tätigkeit als Fahrleitungsmonteur nicht mehr ausüben. Bezogen auf den
Bewegungsapparat komme nur noch eine sitzend auszuübende Tätigkeit in Frage.
Eine Zwangsstellung der Füsse sei dabei zu vermeiden, auch dürfe höchstens eine
gelegentliche Pedalbedienung verlangt werden. Hierbei dürfe berücksichtigt
werden, dass der Versicherte ein handgeschaltetes Auto über kürzere Strecken
nach wie vor lenken könne. Die Gehfähigkeit sei auch ausreichend, um allenfalls
mit Stockhilfe an den Arbeitsplatz zu gelangen. Auch öffentliche Verkehrsmittel
könnten benutzt werden. Die gelegentlich absolvierbare Gehstrecke sei auf
wenige 100 Meter beschränkt. Bei einer derartigen Aufgabe dürfe - bezogen auf
die somatische Situation - von einem ganztägigen Einsatz ausgegangen werden.

3.2 Der Psychiater med. pract. R.________ diagnostiziert in seinem Bericht vom
11. Juli 2002 eine rezidivierende depressive Störung (ICD-10: F33) und eine
andauernde Persönlichkeitsveränderung bei Schmerzsyndrom (ICD-10: F62.8).
Erläuternd führt der Arzt aus, es sei keine wesentliche Besserung des
psychischen Zustandes möglich gewesen, so dass weder eine Erwerbsfähigkeit von
über 20 % noch andere Wiedereingliederungschancen hätten erreicht werden
können. Das Reaktivierungspotenzial habe sich als äusserst gering erwiesen und
dürfte auch nicht wesentlich ausgebaut werden können. Aus psychiatrischer Sicht
solle der Druck nicht weiter erhöht werden.

4.
Zu prüfen bleibt, ob sich der Gesundheitszustand in der Folge erheblich
verändert hat.

4.1 Zur weiteren Entwicklung der Arbeitsunfähigkeit aus somatischer Sicht ist
dem Bericht des Kreisarztes Dr. med. O.________ vom 30. September 2004 zu
entnehmen, an der orthopädischen Situation habe sich in den letzten Jahren
nichts geändert, auch nicht an der zumutbaren Belastbarkeit.
4.2
4.2.1 Was den psychiatrischen Aspekt anbelangt, geht aus dem Bericht von med.
pract. R.________ vom 5. September 2003 hervor, dass der Versicherte die
Behandlung per 10. Juni 2003 abschloss. Der Arzt diagnostiziert eine andauernde
Persönlichkeitsveränderung bei Schmerzsyndrom (ICD-10: F62.8) und eine
rezidivierende depressive Störung in Remission (ICD-10: F33). Weiter wird
erklärt, die Behandlung der depressiven Störung sei erfolgreich gewesen. Der
Patient habe gelernt, kognitiv angemessen mit seinen gesundheitlichen
Einschränkungen umzugehen, und so eine Besserung seines psychischen Zustandes
erfahren. Die Prognose bezüglich Wiedereingliederung sei weiterhin ungünstig,
jene "bezüglich einer den Beschwerden entsprechenden ansonsten psychisch
stabilen Lebensführung" sei günstig.
4.2.2 Dr. med. L.________ gelangt in seinem durch die SUVA veranlassten
Gutachten vom 5. Mai 2004 zum Ergebnis, es sei im Anschluss an den Unfall vom
3. Februar 1998 zu einer wechselhaft verlaufenden depressiven Anpassungsstörung
gekommen. Der Versicherte habe diese während der Behandlungszeit bei med.
pract. R.________ zu überwinden vermocht. Unterdessen gebe es keine Befunde
mehr, welche für eine klinisch relevante depressive Störung sprächen. Die bei
aller persistierenden Traurigkeit über das erlittene Schicksal feststelllbaren
angenehm fröhlichen Verhaltenselemente sprächen klar gegen eine
Wesensveränderung im Rahmen des Schmerzsyndroms. Es könne deshalb lediglich
folgende Diagnose nach DSM-IV gestellt werden: Schmerzstörung in Verbindung mit
sowohl psychischen Faktoren wie einem medizinischen Krankheitsfaktor (307.89).
Die heute vorliegenden psychischen Auffälligkeiten seien im Wesentlichen auf
die Schmerzstörung zurückzuführen. Die Gesamtbeeinträchtigung, vor allem, was
die Gehfähigkeit anbelange, sei unter Berücksichtigung sämtlicher somatischer
Funktionseinbussen schwerwiegend. Die rein psychiatrisch begründbare
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei - mit der Einschränkung, dass es
schwierig sei, die Schmerzproblematik isoliert von der somatisch begründbaren
Beeinträchtigung der Gehfähigkeit zu betrachten - als eher geringgradig
anzusehen. In Prozentwerten ausgedrückt, dürfte der rein psychiatrisch
begründete Anteil der Arbeitsunfähigkeit "max. 30 %" betragen.
4.2.3 Dr. med. H.________ hält in der psychiatrischen Beurteilung vom 11. Juni
2004 fest, es müsse von dauerhaften und erheblichen Beschwerden ausgegangen
werden. Die Zumutbarkeit sei dabei wesentlich von somatischer Seite zu
beurteilen. Von psychiatrischer Seite sei aufgrund des Gutachtens Dr. med.
L.________ eine Arbeitsfähigkeit von 70 % zumutbar.
4.2.4 Dr. med. W.________ gelangt in seiner Stellungnahme vom 30. September
2004 zum Ergebnis, die vorgefundenen Befunde bestätigten die im Gutachten Dr.
med. L.________ gestellte Diagnose. Zusammenfassend liege beim Versicherten ein
komplexes, anhaltendes und von somatischen Faktoren wesentlich mitbeeinflusstes
psychiatrisches Krankheitsbild in leichter bis mittelschwerer Ausprägung vor.
Dieses habe eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit um 20 % zur Folge. Die
Einschränkung möglicher Tätigkeiten sei somatisch begründet.
4.2.5 Dr. med. S.________ hält in seinem Schreiben vom 6. April 2005 fest, in
der letzten Zeit habe sich die depressive, seines Erachtens auf die langjährige
Schmerzproblematik zurückzuführende Stimmungslage ausgeprägt verschlechtert. Er
habe den Patienten deshalb erneut dem Psychiater med. pract. R.________
zugewiesen. Dieser führt in seinem Bericht vom 12. August 2006 aus, seines
Erachtens sei zu wenig berücksichtigt worden, dass der Patient unter einer
rezidivierenden depressiven Störung leide. Es sei möglich, dass er sich im
Zeitpunkt der Untersuchungen durch Dr. med. L.________ und Dr. med. W.________
jeweils in Remission befunden habe. Eine erneute relevante depressive
Manifestation habe zur Wiederaufnahme der psychiatrischen Behandlung im 10.
März 2005 geführt. Beim Eintrittsgespräch hätten sich deutlich depressive
Symptome mit Bedrücktheit, verminderter Aufmerksamkeit und Konzentration,
vermindertem Selbstwertgefühl, Schuldgefühlen gegenüber der Familie, negativer
und pessimistischer Zukunftsperspektive sowie Schlafstörungen gezeigt. Die
ganze Situation habe sich zugespitzt, als der Patient im Frühsommer 2006 einen
psychischen Ausnahmezustand mit massiver Angst sowie fremd- und
selbstgefährdenden Äusserungen erlitten habe. Er sei notfallmässig ins Spital
M.________ und anschliessend, nach Ausschluss einer somatischen Ursache, in die
psychiatrische Klinik N.________ eingewiesen worden. In Beantwortung einer
entsprechenden Frage des Vertreters des Beschwerdeführers hält med. pract.
R.________ am 12. September 2006 handschriftlich fest, der Versicherte sei seit
10. März 2005 zu 100 % arbeitsunfähig.

4.3 Das kantonale Gericht erwog, aus somatischer Sicht sei gestützt auf den
Bericht des Dr. med. O.________ von einer unveränderten Belastbarkeit
(Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer leidensangepassten Tätigkeit) auszugehen.
Was den psychiatrischen Aspekt anbelange, sei die durch die SUVA angenommene
Arbeitsunfähigkeit von 25 % nicht zu beanstanden. Den Berichten von Dr. med.
L.________ und Dr. med. W.________ könne diesbezüglich volle Beweiskraft
beigemessen werden. Angesichts des zwischen den beiden Stellungnahmen liegenden
Zeitraums von knapp fünf Monaten bei sich verbesserndem Gesundheitszustand
sowie der Wendung "maximal 30 %" im Bericht des Dr. med. L.________ liessen
sich die beiden Berichte vereinbaren. Wenn die SUVA entgegen den Anträgen des
Beschwerdeführers keinen neuen Bericht des med. pract. R.________ eingeholt
habe, sei dies ebenfalls nicht zu beanstanden: Zunächst äussere sich der
nunmehr eingereichte Bericht dieses Arztes (vom 12. August 2006) lediglich zur
Situation im Frühjahr [gemeint: Frühsommer] 2006, also nach Erlass des
Einspracheentscheids vom 18. Mai 2006. Des weiteren sei der medizinische
Sachverhalt in psychiatrischer Hinsicht durch die vorhandenen Berichte
hinreichend geklärt gewesen, so dass in antizipierter Beweiswürdigung auf
weitere Abklärungen habe verzichtet werden können. Schliesslich habe der
Versicherer gemäss Art. 43 Abs. 3 ATSG aufgrund der Akten entscheiden dürfen,
denn der Beschwerdeführer habe ihn nicht über die Wiederaufnahme der Behandlung
bei med. pract. R.________ informiert und dadurch seine Mitwirkungspflicht
(Art. 28 Abs. 2 ATSG) verletzt.
4.4
4.4.1 Was den somatischen Aspekt anbelangt, ist mit dem kantonalen Gericht auf
den Bericht des Kreisarztes Dr. med. O.________ vom 30. September 2004
abzustellen.
4.4.2 In psychiatrischer Hinsicht liegen zunächst das Gutachten von Dr. med.
L.________ vom 5. Mai 2004 sowie die Stellungnahmen von Dr. med. H.________ vom
11. Juni 2004 und Dr. med. W.________ vom 30. September 2004 vor. Dem Gutachten
von Dr. med. L.________ ist nach der Rechtsprechung volle Beweiskraft
beizumessen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der
Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb S. 353). Dr. med. L.________
beziffert die psychiatrisch begründete Arbeitsunfähigkeit im damaligen
Zeitpunkt mit maximal 30 %. Dies ist vorliegend, entsprechend der Stellungnahme
von Dr. med. H.________ vom 11. Juni 2004, im Sinne von 30 % zu interpretieren.
Dr. med. W.________ begründet nicht näher, warum er trotz Bestätigung der
Diagnose von der Einschätzung durch Dr. med. L.________ abweicht. Sein Bericht
ist daher nicht geeignet, die Zuverlässigkeit der Expertise in Zweifel zu
ziehen. Deshalb ist von einer psychisch begründeten Arbeitsunfähigkeit in einer
den somatischen Einschränkungen (gemäss Bericht des Dr. med. O.________)
gerecht werdenden Tätigkeit von 30 % auszugehen. Für die Annahme einer höheren
Arbeitsunfähigkeit besteht dagegen - bezogen auf den damaligen Zeitpunkt -
keine Grundlage. So sind die Hinweise von Dr. med. W.________ auf ein
vermindertes Arbeitstempo als Begründung für die von ihm postulierte Reduktion
der Arbeitsfähigkeit und nicht als zusätzlicher Gesichtspunkt zu verstehen.
4.4.3 Was die weitere Entwicklung des medizinischen Sachverhalts aus
psychiatrischer Sicht anbelangt, kann den vorinstanzlichen Erwägungen in
verschiedenen Punkten nicht zugestimmt werden: Der Beschwerdeführer teilte der
SUVA bereits durch das Schreiben seines Vertreters vom 12. April 2005 und den
diesem beigelegten Bericht des Dr. med. S.________ vom 6. April 2005 mit, er
habe die Behandlung bei med. pract. R.________ (am 10. März 2005) wieder
aufgenommen. Eine Verletzung der Mitwirkungspflicht liegt somit nicht vor. Dem
Bericht von Dr. med. S.________ ist zu entnehmen, dass dieser Arzt von einer
deutlichen Verschlechterung der psychischen Verfassung des Versicherten
ausging. Diese Darstellung wird durch den im vorinstanzlichen Verfahren
aufgelegten Bericht von med. pract. R.________ vom 12. August 2006 sowie dessen
kurze handschriftliche Bemerkungen vom 12. September 2006 grundsätzlich
bestätigt. Diese Dokumente werden zwar den rechtsprechungsgemässen
Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Stellungnahme (BGE 125 V 351
E. 3a S. 352) nicht gerecht und bilden daher für sich allein keine hinreichende
Beurteilungsgrundlage. Aus ihnen ergeben sich jedoch Anhaltspunkte für eine
mögliche Veränderung des Gesundheitszustandes des Versicherten, welche nach der
Erstattung der Stellungnahmen vom 5. Mai, 11. Juni und 30. September 2004, aber
vor dem Erlass des Einspracheentscheids vom 18. Mai 2006 eingetreten wäre.
Unter diesen Umständen waren SUVA und Vorinstanz aufgrund des
Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG) gehalten,
zusätzliche Abklärungen vorzunehmen. Es kann und konnte nicht mit der für eine
antizipierte Beweiswürdigung vorauszusetzenden (hohen) Gewissheit (vgl. Ueli
Kieser, ATSG-Kommentar, Zürich 2003, S. 438, Art. 43 N 30) ausgeschlossen
werden, dass daraus zusätzliche relevante Erkenntnisse resultieren könnten.
Dies gilt, wie der Beschwerdeführer mit Recht darlegt, umso mehr, nachdem die
SUVA bei der seinerzeitigen Rentenzusprechung massgeblich auf die Stellungnahme
von med. pract. R.________ vom 11. Juli 2002 abgestellt hatte.

4.5 Zusammenfassend hat der medizinische Sachverhalt in somatischer Hinsicht
durch die Stellungnahme des Dr. med. O.________ vom 30. September 2004 insofern
als hinreichend geklärt zu gelten, als diesbezüglich keine erhebliche
Veränderung des Gesundheitszustandes oder seiner erwerblichen Auswirkungen
erstellt ist. Was den psychiatrischen Aspekt anbelangt, kann bezogen auf die
Situation bei Erstattung der Berichte von Dr. med. L.________, Dr. med.
H.________ und Dr. med. W.________ von einer Arbeitsunfähigkeit (in einer
geeigneten Tätigkeit) von 30 % ausgegangen werden. Nicht zuverlässig beurteilen
lässt sich demgegenüber die Entwicklung der Situation ab der allfälligen, durch
Dr. med. S.________ und med. pract. R.________ postulierten Verschlechterung,
welche Anlass zur Wiederaufnahme der psychiatrischen Behandlung im März 2005
gab. Die Sache ist zur Ergänzung der diesbezüglichen Abklärungen an die SUVA
zurückzuweisen. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen.

5.
Das Verfahren ist kostenpflichtig (Art. 65 Abs. 1 und Abs. 4 lit. a BGG). Die
Gerichtskosten sind der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG;
BGE 133 V 462). Der Beschwerdeführer gilt als obsiegend (BGE 132 V 215 E. 6.1
S. 235) und hat deshalb Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten der
SUVA (Art. 68 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons Aargau vom 25. April 2007 und der
Einspracheentscheid der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) vom
8. Mai 2006 aufgehoben werden und die Sache an die Schweizerische
Unfallversicherungsanstalt (SUVA) zurückgewiesen wird, damit sie, nach
erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, über den Rentenanspruch neu
verfüge.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt.

3.
Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 2500.- zu entschädigen.

4.
Die Sache wird zur Neuverlegung der Parteientschädigung des vorangegangenen
Verfahrens an das Versicherungsgericht des Kantons Aargau zurückgewiesen.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Versicherungsgericht des Kantons Aargau
und dem Bundesamt für Gesundheit schriftlich mitgeteilt.
Luzern, 5. Juni 2008
Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Ursprung Flückiger