Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.350/2007
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Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
8C_350/2007

Urteil vom 18. April 2008
I. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichterin Widmer,
nebenamtlicher Bundesrichter Brunner,
Gerichtsschreiberin Polla.

Parteien
Staatssekretariat für Wirtschaft, 3003 Bern,
Beschwerdeführer,

gegen

M.________, Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Arbeitslosenversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons Aargau
vom 5. Juni 2007.

Sachverhalt:

A.
Die 1965 geborene, verheiratete M.________, Mutter von vier Kindern (Jahrgänge
1996, 2001, 2002 und 2004) war ab 1. Oktober 2005 bis zu ihrer Kündigung per
16. Dezember 2005 teilzeitlich als Tierärztin in der Praxis bei Dr. med. vet.
X.________ tätig. Seit 1. Oktober 2003 arbeitet sie ausserdem als Sekretärin
bei ihrem Ehemann in dessen Einzelfirma Y.________ mit einem Pensum von 30
Stunden in der Woche (Arbeitgeberbescheinigung Firma Y.________ vom 17. Februar
2006). Am 19. Dezember 2005 meldete sie sich bei der Wohngemeinde zur
Arbeitsvermittlung an; gegenüber dem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum
(RAV) gab sie am 22. Dezember 2005 an, ein Teilzeitpensum als Tierärztin von 20
- 40 % zu suchen. Mit Verfügung vom 17. Mai 2006 bejahte das Amt für Wirtschaft
und Arbeit des Kantons Aargau die Vermittlungsfähigkeit der Versicherten und
wies sie darauf hin, dass sie sich um eine Vollzeitstelle zu bemühen habe,
wobei die unselbstständige Erwerbstätigkeit beim Ehegatten als
Zwischenverdienst anzurechnen sei. Mit Verfügung vom 13. Juni 2006 lehnte die
Öffentliche Arbeitslosenkasse des Kantons Aargau den Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung infolge Vorliegens einer lohnmässig zumutbaren Arbeit
ab. Die dagegen gerichtete Einsprache wies sie mit Entscheid vom 26. September
2006 ab.

B.
Die hiegegen erhobene Beschwerde, mit welcher die Zusprechung einer
Arbeitslosenentschädigung ab 19. Dezember 2005 verlangt wurde, hiess das
Versicherungsgericht des Kantons Aargau mit Entscheid vom 5. Juni 2007 gut und
wies die öffentliche Arbeitslosenkasse an, die Taggeldberechtigung der
Versicherten ab 19. Dezember 2005 im Sinne der Erwägungen neu festzulegen und
über deren Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung zu entscheiden.

C.
Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) führt Beschwerde in
öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten und beantragt, unter Aufhebung des
Entscheides des Versicherungsgerichts des Kantons Aargau vom 5. Juni 2007 sei
der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung zu verneinen. Des Weiteren sei der
Beschwerde aufschiebende Wirkung zu erteilen.

Während M.________ sich zur Beschwerde nicht vernehmen lässt, verzichten
Vorinstanz und Arbeitslosenkasse auf eine inhaltliche Stellungnahme.

Erwägungen:

1.
Die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten (Art. 82 ff. BGG) kann
wegen Rechtsverletzung gemäss Art. 95 und 96 BGG erhoben werden. Das
Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die Vorinstanz
festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Es kann die Sachverhaltsfeststellung
der Vorinstanz nur berichtigen oder ergänzen, wenn sie offensichtlich unrichtig
ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht (Art. 105
Abs. 2 BGG).

2.
In prozessualer Hinsicht beantragt der Beschwerdeführer, der Beschwerde sei die
aufschiebende Wirkung zu erteilen. Gemäss Art. 103 BGG hat die Beschwerde
vorbehältlich der in Abs. 2 der Bestimmung genannten, hier nicht gegebenen
Verfahren in der Regel keine aufschiebende Wirkung (Abs. 1). Der
Instruktionsrichter oder die Instruktionsrichterin kann von Amtes wegen oder
auf Antrag einer Partei jedoch eine andere Anordnung treffen (Abs. 3). Dazu
besteht im vorliegenden Fall angesichts des hiermit in der Hauptsache
ergehenden Entscheides kein Anlass mehr, womit das Gesuch um aufschiebende
Wirkung gegenstandslos wird.

3.
Gemäss Art. 90 BGG ist die Beschwerde zulässig gegen Entscheide, die das
Verfahren abschliessen. Im angefochtenen Entscheid wird die öffentliche
Arbeitslosenkasse angewiesen, die Taggeldberechtigung im Sinne der Erwägungen
neu festzulegen und über den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung zu
entscheiden. Indem das Dispositiv auf die Erwägungen Bezug nimmt, nehmen diese
an der Rechtskraft des Entscheides teil. Insofern enthält der angefochtene
Entscheid eine endgültige materielle Festlegung, wie vom Beschwerdeführer
ausgeführt. Massgeblich für die Unterscheidung zwischen End- oder
Zwischenentscheid ist aber ein prozessuales Kriterium: Als Endentscheid gilt
jeder Akt, der das Verfahren abschliesst. Der angefochtene Entscheid ist als
Rückweisungsentscheid deshalb ein Vor- oder Zwischenentscheid im Sinne von Art.
93 BGG (vgl. BGE 133 V 477, E. 4.2 S. 481). Voraussetzung für die
selbstständige Anfechtbarkeit von Zwischenentscheiden ist gemäss Art. 93 Abs. 1
BGG zunächst, dass sie selbstständig eröffnet worden sind. Dies trifft im
vorliegenden Fall zu. Erforderlich ist sodann alternativ, dass der angefochtene
Entscheid einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken kann (lit. a)
oder dass die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen
und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges
Beweisverfahren ersparen würde (lit. b). Ob die zweite Voraussetzung erfüllt
ist, kann offenbleiben. Jedenfalls ist davon auszugehen, dass der angefochtene
Entscheid einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirkt. Ein solcher wird
nach der Rechtsprechung dann angenommen, wenn durch materiellrechtliche
Anordnungen im Rückweisungsentscheid der Beurteilungsspielraum der unteren
Instanz wesentlich eingeschränkt wird. Dies trifft vorliegend zu, bejaht doch
die Vorinstanz den grundsätzlichen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung. Die
öffentliche Arbeitslosenkasse wird aufgrund des angefochtenen Entscheides
verpflichtet, eine Taggeldberechnung auf einer Grundlage vorzunehmen, die sie
als rechtswidrig erachtet. In dieser Konstellation führt der
Rückweisungsentscheid deshalb zu einem nicht wieder gutzumachenden Nachteil,
weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist (vgl. BGE 133 V 477, E. 5.2.4 S.
484).

4.
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf Leistungen der
Arbeitslosenversicherung ab 19. Dezember 2005, wobei insbesondere die Frage
interessiert, ob und inwieweit bei Aufgabe oder Verlust einer
Teilzeitarbeitsstelle der Verdienst aus einem (oder mehreren) verbleibenden
(Teilzeit-)Arbeitsverhältnissen bei der Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen
und der Bemessung der Arbeitslosenentschädigung zu berücksichtigen ist.

4.1 Die Arbeitslosenkasse verneinte den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung
im Wesentlichen mit der Begründung, das im Zwischenverdienst erzielte Einkommen
übersteige den versicherten Verdienst, weshalb kein Leistungsanspruch bestehe
(Verfügung vom 13. Juni 2006). Zu diesem Ergebnis gelangte die Kasse in
Aufrechnung des in der Firma Y.________ effektiv erzielte Einkommens bis zum
berufs- und ortsüblichen Verdienst für die betreffende, in einem 75 %-Pensum
ausgeübte Tätigkeit, woraus ein Betrag von Fr. 4370.- resultierte. Dieses
Betreffnis überstieg den mit Fr. 2725.- berechneten versicherten Verdienst.
Letzterer wurde aufgrund des Lohnes errechnet, den die Versicherte einerseits
aus ihrer Teilzeittätigkeit als Tierärztin, andererseits als Sekretärin im
Betrieb ihres Ehegatten erzielte. Dabei wurde für die Zeit vom 1. Oktober bis
16. Dezember 2005 sowohl das monatliche Bruttoeinkommen von Fr. 2332.20
(einschliesslich Anteil 13. Monatslohn) aus der Tierarzttätigkeit wie auch der
effektiv in diesem Zeitraum ausbezahlte Lohn von Fr. 1200.- für die
Sekretariatsarbeit eingesetzt. Berücksichtigt wurde im Weiteren der Lohn von
Fr. 2100.-, welcher zwischen März bzw. September 2004 bis Dezember 2004 für die
Sekretariatsarbeit ausbezahlt worden war. Weil der dergestalt ermittelte
versicherte Verdienst niedriger war, als der mit einem berufs- und ortsüblichen
Ansatz aufgerechnete Verdienst für die Sekretariatsarbeit, ging die
Arbeitslosenkasse vom Vorliegen einer lohnmässig zumutbaren Arbeit aus.

4.2 Das kantonale Gericht gelangte demgegenüber zu einer grundsätzlichen
Bejahung des Anspruchs auf Arbeitslosenentschädigung. Dabei stellte es in den
Vordergrund, dass die Versicherte Taggeldleistungen einzig wegen des Wegfalls
der bis anhin ausgeübten Teilzeittätigkeit als Tierärztin beanspruche. Das
Einkommen aus der Tätigkeit in der Firma des Ehegatten dürfe deshalb nicht als
Zwischenverdienst angerechnet werden. Unter Hinweis auf die (frühere)
bundesgerichtliche Rechtsprechung (BGE 112 V 229) und Lehre (vgl. Thomas
Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, 2. Auflage, Bern 2007, Rz. 418) vertritt es
die Auffassung, die Entschädigung der teilweise Arbeitslosen sei auf der
Grundlage des versicherten Verdienstes zu bemessen, welcher sich aus der bisher
ausgeübten, weggefallenen Teilzeitarbeit als Tierärztin ergebe. Dementsprechend
wies es im Rückweisungsentscheid vom 5. Juni 2007 diese an, die Taggeldhöhe
ohne Anrechnung des in der Einzelfirma erzielten Einkommens zu ermitteln. Dabei
ging die Vorinstanz ohne weiteres von einer erfüllten Beitragszeit aus, da die
Versicherte unbestrittenermassen in der Rahmenfrist für die Beitragszeit
während mehr als zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt
hat, war sie doch während der ganzen Rahmenfrist in der Firma Y.________
erwerbstätig.

4.3 Das Beschwerde führende SECO hält vorab fest, es sei zumindest nicht
offensichtlich unrichtig, wenn das kantonale Gericht davon ausgehe, dass sich
die Versicherte um einen Ersatz ihrer (weggefallenen) Teilzeitstelle bis zu
einem Pensum von 40 % mit entsprechender Reduktion der verbleibenden 75
%-Stelle auf 60 % bemühe und dementsprechende Leistungen der
Arbeitslosenversicherung anbegehre. In rechtlicher Hinsicht bezeichnet es die
Erwägungen des kantonalen Gerichts über die Schwächen der Regelung über den
Zwischenverdienst und der damit verbundenen Rechtsprechung im Zusammenhang mit
der Berücksichtigung einer von einer teilarbeitslosen Person weiterhin
ausgeübten (anderen) teilzeitlichen Erwerbstätigkeit als zutreffend. Diese
Erwägungen würden aber gleichzeitig zeigen, dass die Regelung über den
Zwischenverdienst nicht unbesehen der Anspruchsvoraussetzungen angewendet
werden dürfe. Der Beschwerdeführer weist insbesondere darauf hin, dass es sich
bei der Regelung über den Zwischenverdienst (Art. 24 AVIG) um eine Bemessungs-
und nicht um eine Anspruchsnorm handle. Eine solche könne aber nur insoweit zur
Anwendung gelangen, als die versicherte Person die Anspruchsvoraussetzungen
gemäss Art. 8 AVIG erfülle, wozu unter anderem der anrechenbare Arbeitsausfall
(Art. 8 Abs. 1 lit. b AVIG) sowie die Beitragszeit (Art. 8 Abs. 1 lit. e AVIG)
gehöre; diese beiden Anspruchsvoraussetzungen ständen untereinander insofern in
einem Zusammenhang, als die Beitragszeit in Bezug auf den geltend gemachten
Arbeitsausfall erfüllt sein müsse. Weil im Weiteren die Regelung betreffend den
versicherten Verdienst eine Bemessungsnorm darstelle, komme sie nur insofern
zum Zuge, als jeweils die Anspruchsvoraussetzungen - anrechenbarer
Arbeitsausfall und Erfüllung der Beitragszeit - gegeben seien. Werde deshalb
ein Ausfall an Arbeit geltend gemacht, für welchen die erforderliche
Mindestbeitragszeit nicht erfüllt worden sei, könne das diesbezüglich erzielte
- und nun weggefallene - Einkommen bei der Bestimmung des versicherten
Verdienstes nicht berücksichtigt werden.
Der Beschwerdeführer kommt zum Schluss, die Versicherte habe die Beitragszeit
hinsichtlich der weggefallenen Teilzeitarbeit als Tierärztin im Umfang von 35 %
nicht erfüllt. Innert der ordentlichen Rahmenfrist für die Beitragszeit vom 19.
Dezember 2003 bis 18. Dezember 2005 könne sie sich lediglich über eine
ungenügende Beitragszeit von rund zweieinhalb Monaten ausweisen. Aufgrund des
zur Anwendung gelangenden Art. 9b AVIG würde sich die Rahmenfrist für die
Beitragszeit zwar verlängern. Diese Bestimmung sei aber erst auf den 1. Juli
2003 in Kraft getreten, weshalb für die Beschwerdegegnerin erst ab diesem Datum
die Möglichkeit bestanden habe, sich für eine beschränkte Zeit zur Erziehung
ihrer Kinder aus dem Arbeitsmarkt zurückzuziehen, ohne den in diesem Zeitpunkt
erworbenen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung zu gefährden. Daraus ergebe
sich, dass unter der Herrschaft des neuen Rechts und damit frühestens am 1.
Juli 2003, ein potentieller Anspruch bestanden haben müsse, welcher gemäss Art.
9b AVIG über eine beschränkte Dauer der Kindererziehung erhalten bleibe. Weil
sonst eine unzulässige Rückwirkung gegeben wäre, könne sich die Rahmenfrist für
die Beitragszeit längstens bis 1. Juli 2001 verlängern. Innerhalb dieser
verlängerten Rahmenfrist habe die Beschwerdegegnerin lediglich während rund
neuneinhalb Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt, weshalb die
Beitragszeit nach Art. 13 AVIG für den geltend gemachten Arbeitsausfall nicht
erfüllt sei, womit kein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung bestehe.
4.4
4.4.1 Nach Art. 8 Abs. 1 AVIG hat Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung, wer
unter anderem ganz oder teilweise arbeitslos ist (lit. a), einen anrechenbaren
Arbeitsausfall erlitten (lit. b) und die Beitragszeit erfüllt hat oder von der
Erfüllung der Beitragszeit befreit ist (lit. e). Gemäss ausdrücklicher
gesetzlicher Regelung gilt sodann als teilweise arbeitslos, wer eine
Teilzeitbeschäftigung hat und eine Vollzeit- oder eine weitere
Teilzeitbeschäftigung sucht (Art. 10 Abs. 2 lit. b AVIG). Die ausdrückliche
Regelung der Teilarbeitslosigkeit spricht dafür, dass die einzelnen
Anspruchsvoraussetzungen jeweils hinsichtlich der teilweisen Arbeitslosigkeit,
für welche Arbeitslosenentschädigung geltend gemacht wird, erfüllt sein müssen;
insofern erweisen sich die Ausführungen des Beschwerdeführers als einleuchtend.
Auch die Erwägungen des kantonalen Gerichts führen - zu Ende gedacht - zum
Ergebnis, dass die Anspruchsvoraussetzungen mit Blick auf die weggefallene
Teilzeitbeschäftigung zu prüfen sind. Wird eine versicherte Person, welche
neben einer fortlaufenden Teilzeitbeschäftigung eine (weitere)
Teilzeitbeschäftigung sucht, nicht als ganzarbeitslos, sondern - wie von der
Vorinstanz postuliert - als teilarbeitslos gesehen, so geht es schwerlich an,
dass nur die Bemessung des Anspruchs, nicht aber die vorgängig zu erfüllenden
Anspruchsvoraussetzungen mit Blick auf die in Frage stehende
Teilzeitbeschäftigung geprüft wird. Die Rechtsprechung hält denn auch fest,
dass die Beitragszeit für jenen Teil der Zeit erfüllt sein muss, für den ein
Arbeitsausfall geltend gemacht wird (BGE 121 V 336, 341, E. 4). Die
Beitragszeit ist also nur erfüllt, wenn innert der Beitragzeit eine
beitragspflichtige Teilzeitbeschäftigung ausgeübt wird, welche sich auf den
geltend gemachten Arbeitsausfall bezieht (Thomas Nussbaumer, a.a.O., Rz. 216;
vgl. auch ARV 2003 Nr. 17 E. 3).
4.4.2 Es ist somit zu prüfen, ob die Versicherte aus ihrer
Teilzeitbeschäftigung als Tierärztin eine genügende Beitragszeit aufweist. Sie
übte neben oder vor ihrer Tätigkeit in der Einzelfirma ab 1. Oktober 2003
zwischen 1. Januar 1998 bis 30. April 1999 eine Teilzeitbeschäftigung von 50 %,
zwischen 1. Juni und 31. Dezember 2003 eine solche von 20 % sowie zwischen 1.
Oktober 2005 bis 16. Dezember 2005 eine weitere von 35 % aus; in dieser Zeit
gebar sie auch ihr zweites, drittes und viertes Kind. Damit ergibt die in die
ordentliche, zweijährige Rahmenfrist fallende Erwerbsphase unbestrittenermassen
lediglich eine ungenügende Beitragzeit. Diese wäre nur dann erfüllt, wenn die
beiden früheren Erwerbsphasen ebenfalls anzurechnen wären.
4.4.3 Nach der am 1. Juli 2003 in Kraft getretenen neuen Regelung der
Rahmenfristen im Falle von Erziehungszeiten verlängert sich die Rahmenfrist für
die Beitragszeit für Versicherte, die sich der Erziehung ihrer Kinder widmen,
unter hier erfüllten Voraussetzungen auf vier Jahre (Art. 9b Abs. 2 AVIG).
Durch jede weitere Niederkunft wird die Rahmenfrist um jeweils höchstens zwei
Jahre erstreckt (Art. 9b Abs. 3 AVIG). Nach Auffassung des Beschwerdeführers
kommt eine Rahmenfristverlängerung allerdings nur bis zum 1. Juli 2001 in
Frage, weil eine weitere Verlängerung eine unzulässige Rückwirkung darstellen
würde. Von einer solchen spricht man, wenn neues Recht auf einen Sachverhalt
angewendet wird, der sich abschliessend vor Inkrafttreten dieses Rechts
verwirklicht hat (Häfelin/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Auflage, Rz.
329). Eine an sich zulässige unechte Rückwirkung liegt demgegenüber vor, wenn
das neue Recht nur für die Zeit nach seinem Inkrafttreten zur Anwendung
gelangt, dabei aber in einzelnen Belangen auf Sachverhalte abstellt, die
bereits vor Inkrafttreten vorlagen (Häfelin/Müller, a.a.O. Rz. 341; BGE 114 V
150). Ob die vorliegende Konstellation der echten oder eher der unechten
Rückwirkung oder sog. Rückanknüpfung zuzuordnen ist, kann letztlich aber
offenbleiben. Auch wenn die Beitragszeit tatsächlich erfüllt wäre, besteht -
wie anschliessend zu zeigen sein wird (E. 4.5.2) - wegen der Regelung über den
Zwischenverdienst ohnehin kein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung.
4.5
4.5.1 Bei der Bemessung der Arbeitslosenentschädigung ist der Verdienst aus
einer Teilzeitbeschäftigung gemäss Art. 24 Abs. 1 AVIG als Zwischenverdienst
anzurechnen (BGE 120 V 233 E. 5b). Als Zwischenverdienst wird von der
Rechtsprechung insbesondere auch die von der versicherten Person weiterhin
ausgeübte Teilzeitbeschäftigung qualifiziert (BGE 127 V 479 E. 2 S. 480 mit
Hinweisen; Thomas Nussbaumer, a.a.O., Rz. 418). Vom Bundesgericht wurde bei der
Beurteilung dieser Frage zwar auf die durch die Revision von Art. 24 AVIG
geschaffene Inkonsistenz der gesetzlichen Regelung hingewiesen; angesichts der
eindeutigen Gesetzesmaterialien konnte es solchen gesetzessystematischen
Bedenken gegenüber der Behandlung eines Verdienstes aus einer fortlaufenden
Teilzeitarbeit als Zwischenverdienst aber nicht Rechnung tragen (vgl. BGE 120 V
233 E. 5). Entgegen der Auffassung der Vorinstanz besteht keine Veranlassung,
von dieser mittlerweile gefestigten Praxis abzuweichen.
4.5.2 Die Versicherte übte während der Zeit, für die sie
Arbeitslosenentschädigung beansprucht, (weiterhin) eine Teilzeitbeschäftigung
aus, die als Zwischenverdienst zu erfassen ist, wobei sich dieser
Zwischenverdienst nach dem berufs- und ortsüblichen Ansatz für die betreffende
Arbeit berechnet (Art. 24 Abs. 3 AVIG). Die Arbeitslosenkasse hat das
monatliche Einkommen als Sekretärin im Betrieb ihres Ehegatten auf Fr. 4370.-
veranschlagt, welche Aufrechnung bezüglich des Umfangs auch im vorinstanzlichen
Verfahren nicht gerügt wurde und - mit Blick auf die eingeschränkte Kognition -
nicht zu beanstanden ist. Die Verwaltung ermittelte sodann einen versicherten
Verdienst von Fr. 2725.-, wobei sie sowohl die Einkommen aus der
Teilzeittätigkeit als Tierärztin wie auch aus derjenigen als Sekretärin,
erfasste. Dies erscheint als gerechtfertigt, weil der Verdienst aus der
weiterhin ausgeübten Teilzeitbeschäftigung als Zwischenverdienst angerechnet
wird. Der Betrag ist etwas niedriger als das addierte Monatseinkommen aus den
beiden Tätigkeiten (Fr. 3523.20), weil zur Berechnung des versicherten
Verdienstes der Durchschnittslohn der letzten sechs oder zwölf Monate
massgeblich ist (vgl. Art. 37 Abs. 1 und 2 AVIV), mithin auch Monate
berücksichtigt wurden, in welchen die Versicherte einzig im Betrieb ihres
Ehegatten erwerbstätig war. Übersteigt aber der anzurechnende Zwischenverdienst
den versicherten Verdienst, besteht kein Anspruch auf Ersatz des
Verdienstausfalls (Art. 24 Abs. 3 AVIG), es bleibt für die Annahme eines
Zwischenverdienstes kein Raum, womit der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung
zu verneinen und die Beschwerde im Ergebnis gutzuheissen ist.

5.
Das Verfahren ist kostenpflichtig (Art. 65 Abs. 4 BGG). Auf die Erhebung von
Gerichtskosten wird ausnahmsweise verzichtet (Art. 66 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen und der Entscheid des Versicherungsgerichts
des Kantons Aargau vom 5. Juni 2007 aufgehoben.

2.
Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Versicherungsgericht des Kantons Aargau,
der Öffentlichen Arbeitslosenkasse des Kantons Aargau und dem Amt für
Wirtschaft und Arbeit (AWA) des Kantons Aargau schriftlich mitgeteilt.
Luzern, 18. April 2008

Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Bundesgerichts

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Ursprung Polla