Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.366/2007
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8C_366/2007

Urteil vom 14. Januar 2008

I. sozialrechtliche Abteilung

Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichterin Leuzinger, Bundesrichter Frésard,
Gerichtsschreiber Holzer.

C. ________, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwältin Susanne
Friedauer, Ulrichstrasse 14, 8032 Zürich,

gegen

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA), Fluhmattstrasse 1, 6004
Luzern,
Beschwerdegegnerin.

Unfallversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Obergerichts des Kantons Schaffhausen vom
1. Juni 2007.

Sachverhalt:

A.
Der 1954 geborene C.________ arbeitete ab 13. Juli 1976 bei der Firma
X.________ AG. Der zuletzt als Serviceleiter eingesetzte Versicherte war von
seiner Arbeitgeberin per Anfang April 2002 freigestellt und per 31. Oktober
2002 gekündigt worden, jedoch weiterhin über die Firma X.________ AG bei der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von
Unfällen versichert, als er am 6. Mai 2002 im Ausland in einem Badezimmer
ausrutschte. Beim Sturz brach er sich das linke Handgelenk und verletzte sich
an den Vorderzähnen. Die SUVA anerkannte ihre Leistungspflicht für die Folgen
dieses Ereignisses und erbachte die gesetzlichen Leistungen. Mit Verfügung
vom 1. Februar 2006 sprach sie dem Versicherten eine Invalidenrente in der
Höhe von 19 % ab 1. August 2005 und eine Integritätsentschädigung von 7,5 %
zu. Mit Einspracheentscheid vom 19. Mai 2006 bestätigte die SUVA die Höhe der
zugesprochenen Rente.

B.
Die von C.________ hiegegen erhobene Beschwerde wies das Obergericht des
Kantons Schaffhausen mit Entscheid vom 1. Juni 2007 ab.

C.
Mit Beschwerde beantragt C.________, der Einsprache- und der kantonale
Gerichtsentscheid seien insoweit anzupassen, als dem Versicherten eine Rente
ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 66,8 % eventualiter von 36 %
zuzusprechen sei.

Während die SUVA die Abweisung der Beschwerde beantragt, verzichtet das
Bundesamt für Gesundheit auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:

1.
1.1 Die Beschwerde kann wegen Rechtsverletzung gemäss Art. 95 und Art. 96 BGG
erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art.
106 Abs. 1 BGG). Es ist somit weder an die in der Beschwerde geltend
gemachten Argumente noch an die Erwägungen der Vorinstanz gebunden; es kann
eine Beschwerde aus einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen und es
kann sie mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden
Begründung abweisen (vgl. BGE 130 III 136 E. 1.4 S. 140). Das Bundesgericht
prüft grundsätzlich nur die geltend gemachten Rügen; es ist nicht gehalten,
wie eine erstinstanzliche Behörde alle sich stellenden rechtlichen Fragen zu
prüfen, wenn diese vor Bundesgericht nicht mehr vorgetragen wurden. Es kann
die Verletzung von Grundrechten und von kantonalem und interkantonalem Recht
nur insofern prüfen, als eine solche Rüge in der Beschwerde vorgebracht und
begründet worden ist (Art. 106 Abs. 2 BGG).

1.2 Im Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von
Geldleistungen der Militär- oder Unfallversicherung ist das Bundesgericht
nicht an die vorinstanzliche Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts
gebunden (Art. 97 Abs. 2 und Art. 105 Abs. 3 BGG).

2.
Das kantonale Gericht hat die Bestimmungen zum Anspruch auf eine
Invalidenrente der Unfallversicherung (Art. 18 Abs. 1 UVG, Art. 8 ATSG ) und
die Grundsätze zu den Aufgaben der medizinischen Fachpersonen bei der
Invaliditätsbemessung (BGE 125 V 256 E. 4 S. 261) zutreffend wiedergegeben.
Darauf wird verwiesen.

Zu ergänzen ist Folgendes: Für den Beweiswert ärztlicher Berichte und
Gutachten ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben
worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlaggebend ist grundsätzlich weder
die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung als Bericht oder
Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352, 122 V 157 E. 1c S. 160 mit Hinweisen).
In Bezug auf Berichte von Hausärzten darf und soll das Gericht der
Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf
ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten
ihrer Patienten aussagen. Was Parteigutachten anbelangt, rechtfertigt der
Umstand allein, dass eine ärztliche Stellungnahme von einer Partei eingeholt
und in das Verfahren eingebracht wird, nicht Zweifel an ihrem Beweiswert (BGE
125 V 351 E. 3b S. 353 mit Hinweisen).

3.
Es steht fest und ist unbestritten, dass sich der Beschwerdeführer am 6. Mai
2002 einen Bruch des Kronenfortsatzes der linken Elle und eine Verletzung des
Ellennerves zugezogen hat. Einigkeit besteht auch darüber, dass nach dem 1.
August 2005 von weiteren medizinischen Massnahmen keine wesentliche Besserung
des Gesundheitszustandes mehr zu erwarten war. Unbestritten ist im Weiteren,
dass der Versicherte keine schweren Tätigkeiten mit dem linken Arm mehr
ausüben kann. Einigkeit besteht schliesslich darüber, dass die psychischen
Beschwerden des Versicherten keine adäquat kausale Folge des Unfalles vom 6.
Mai 2002 sind. Streitig und zu prüfen ist jedoch der Grad der
Arbeitsfähigkeit in einer leichten Tätigkeit und die erwerblichen
Auswirkungen der Einschränkungen in der Leistungsfähigkeit.

4.
4.1 Vorinstanz und Beschwerdegegnerin gingen gestützt auf das Gutachten des
Dr. med. S.________ (FMH für Rheumatologie, für Physikalische Medizin und
Rehabilitation sowie für Innere Medizin), vom 26. Juli 2005 davon aus, dass
der Versicherte bei einer zumutbaren ganztägigen Präsenz am Arbeitsplatz in
einer angepassten Tätigkeit, welche den linken Arm höchstens mit Gewichten
bis zwei Kilogramm belastet, voll arbeitsfähig ist.

4.2 Der Beschwerdeführer macht unter Hinweis auf den Schlussbericht der
beruflichen Abklärungsstelle Y.________ vom 16. Februar 2006 geltend,
aufgrund des verlangsamten Arbeitstempos und eines erhöhten Pausenbedarfes
könne er auch bei einer ganztägigen Präsenz am Arbeitsplatz nur ein Rendement
von 80 % erzielen. Diese 20%ige Einbusse sei umso mehr zu berücksichtigen,
als PD Dr. med. H.________ (FMH Orthopädische Chirurgie), in seinem Schreiben
vom 22. Dezember 2005 gar von einer völligen Arbeitsunfähigkeit ausgehe.

4.3 Bezüglich des erwähnten Schreibens des Dr. med. H.________ ist
festzuhalten, dass auch dieser Arzt grundsätzlich alle Aktivitäten,
insbesondere auch Büroarbeiten, welche den linken Arm nicht belasten, als
möglich bezeichnet. Wenn er den Versicherten trotzdem für arbeitsunfähig
hält, dann aufgrund des allgemeinen unbefriedigenden Zustandes. Damit bezieht
Dr. med. H.________ die unbestrittenermassen nicht unfallkausalen psychischen
Beschwerden des Versicherten in seine Würdigung ein; aus ihr kann daher für
die vorliegend zu beurteilende Frage nichts abgeleitet werden.
Insofern im Schlussbericht der beruflichen Abklärungsstelle Y.________ vom
16. Februar 2006 eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit von 20 % in
sämtlichen Verweisungstätigkeiten postuliert wird, erscheint der Bericht als
nicht nachvollziehbar. Es ist nicht ersichtlich, weshalb der Beschwerdeführer
in einer Tätigkeit, in welcher der linke Arm überhaupt nicht benötigt wird,
eine Leistungseinbusse hinzunehmen hätte. Es ist daher davon auszugehen, dass
diese Einschränkung lediglich für Tätigkeiten gilt, welche zwar innerhalb des
Zumutbarkeitsprofil des Dr. med. S.________ liegen, welche aber - wie etwa
der bei der beruflichen Abklärungsstelle Y.________ durchgeführte Versuch,
Bohrarbeiten unter Einbezug beider Hände zu erledigen - trotzdem mit einer
gewissen Belastung des linken Armes verbunden sind.

4.4 Somit ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer jedenfalls in einer
leidensangepassten Tätigkeit, welche den linken Arm nicht belastet, zu 100 %
arbeitsfähig ist.

5.
Aufgrund dieses medizinischen Zumutbarkeitsprofils ist zu prüfen, ob der
Invaliditätsgrad des Versicherten mehr als 19 % beträgt.

5.1 Entgegen der Darstellung des Beschwerdeführers rechnete die SUVA stets
mit einem Valideneinkommen von Fr. 105'330.-. Sie stützte sich hierbei auf
die Meldung der ehemaligen Arbeitgeberin des Versicherten vom 7. Februar
2005. Die Beschwerdegegnerin ging mithin davon aus, dass der
Beschwerdeführer, dem die Stelle bereits vor dem Unfall und somit aus
unfallfremden Gründen gekündigt worden war, ohne den Unfall wieder eine
gleichwertige Stelle gefunden hätte. Das gestützt auf diese Annahme
ermittelte Valideneinkommen ist daher nicht zu beanstanden. Selbst wenn man,
wie der Versicherte geltend macht, davon ausgehen würde, dass er ohne Unfall
bei der Lift AG tätig wäre und dabei ein Einkommen von Fr. 90'000.- plus
Überstundenentschädigung zu erzielen vermöchte, so ist nicht nachvollziehbar,
weshalb das Valideneinkommen deswegen auf Fr. 106'498.- erhöht werden müsste.

5.2 Vorinstanz und Verwaltung haben das Invalideneinkommen gestützt auf den
Tabellenlohn der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2002 und unter
Gewährung eines 10%igen Abzuges auf Fr. 85'166.- festgesetzt.

5.2.1 Der Beschwerdeführer anerkennt zu Recht (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 S.
475), dass grundsätzlich von den Tabellenlöhnen der LSE auszugehen ist.
Allerdings wendet er gegen die Bemessung des Invalideneinkommens ein, es sei
nicht korrekt, bei ihm von den Tabellenlöhnen im Anforderungsniveau 1 und 2
(Verrichtung höchst anspruchsvoller und schwierigster bzw. selbstständiger
und qualifizierter Arbeiten) auszugehen. Sein Invalideneinkommen sei gestützt
auf den Tabellenlohn im Anforderungsniveau 4 (einfache und repetitive
Tätigkeiten) festzusetzen. Dem kann nicht gefolgt werden. Der Versicherte hat
bei seiner früheren Arbeitgeberin bewiesen, dass er in der Lage ist,
selbstständige und qualifizierte Arbeiten zu verrichten und insbesondre auch
Leitungsaufgaben zu übernehmen; er wurde auch dementsprechend entlöhnt.
Insofern er nun geltend macht, der hohe Lohn sei ihm einzig aufgrund von
Spezialwissen, welches er über die Jahrzehnte bei seiner Arbeitgeberin
erworben habe und welches er bei einem anderen Arbeitgeber nicht verwerten
könne, ausbezahlt worden, so erscheint dies wenig plausibel. Zudem wäre, da
der Beschwerdeführer seine Arbeit aus unfallfremden Gründen verloren hat,
dieser Umstand auch bei der Festlegung des Valideneinkommens zu
berücksichtigen. Validen- und Invalideneinkommen wären diesfalls ausgehend
von demselben Tabellenlohn zu bestimmen. Der daraus resultierende
Prozentvergleich (vgl. BGE 104 V 135 E. 2b S. 137) würde indessen vorliegend
zu Ungunsten des Versicherten ausfallen.

5.2.2 Der Beschwerdeführer verlangt weiter, der Abzug vom Tabellenlohn sei
auf 15 % zu erhöhen. Die Frage nach der Höhe eines grundsätzlich angezeigten
Abzuges vom Tabellenlohn ist eine Ermessensfrage (BGE 132 V 393 E. 3.3 S.
399). Da nach dem anwendbaren Prozessrecht das Bundesgericht die
Angemessenheit des vorinstanzlichen Entscheides nicht überprüft (Ulrich
Meyer, in: Basler Kommentar zum Bundesgerichtsgesetz, Basel 2008, N. 30 zu
Art. 105 BGG) und vorliegend weder ein Ermessensmissbrauch, noch eine
Ermessensüber- oder -unterschreitung ersichtlich ist, muss es beim 10%igen
Abzug gemäss vorinstanzlichem Entscheid sein Bewenden haben.

5.2.3 Anzumerken bleibt, dass bei einem Rentenbeginn am 1. August 2005 das
Invalideneinkommen grundsätzlich ausgehend von den Zahlen der LSE 2004 zu
bestimmen gewesen wäre und dass auf die Rundung von Zwischenresultaten zu
verzichten ist (vgl. BGE 130 V 121). Da sich die Vorgehensweise der
Verwaltung jedoch zu Gunsten des Versicherten ausgewirkt hat, ist nicht näher
darauf einzugehen.

6.
Die Gerichtskosten sind dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen
(Art. 66 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Obergericht des Kantons Schaffhausen und
dem Bundesamt für Gesundheit schriftlich mitgeteilt.

Luzern, 14. Januar 2008

Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

i.V. Widmer Holzer