Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.380/2007
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8C_380/2007

Urteil vom 14. November 2007

I. sozialrechtliche Abteilung

Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichterin Widmer, Bundesrichter Frésard,
Gerichtsschreiber Holzer.

Helsana Versicherungen AG, Versicherungsrecht, Postfach, 8081 Zürich,
Beschwerdeführerin,

gegen

E.________, 1952, Beschwerdegegner, vertreten durch Rechtsanwalt Dieter
Studer, Hauptstrasse 11a, 8280 Kreuzlingen.

Unfallversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Thurgau
vom 16. Mai 2007.

Sachverhalt:

A.
Der 1952 geborene E.________ wurde am 30. März 2004 auf seinem Roller von
einem aus einer Nebenstrasse einbiegenden Personenwagen angefahren und
stürzte auf die linke Seite. Die La Suisse Unfall-Versicherungsgesellschaft
bzw. ihre Rechtsnachfolgerin, die Helsana Versicherungen AG (nachstehend:
Helsana) erbrachte in der Folge ihre gesetzlichen Leistungen. Mit Verfügung
vom 3. Mai 2006 lehnte die Helsana die Übernahme der Heilbehandlung in Bezug
auf die Schulterbeschwerden ab, da diese nicht überwiegend wahrscheinlich
durch den Unfall verursacht worden seien. Mit Einspracheentscheid vom
23. Januar 2007 hielt die Helsana an ihrer Verfügung fest, nunmehr mit der
Begründung, in der Schulter sei der Status quo sine erreicht worden.

B.
Die von E.________ hiegegen erhobene Beschwerde hiess das Verwaltungsgericht
des Kantons Thurgau mit Entscheid vom 16. Mai 2007 teilweise gut und wies die
Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen, insbesondere zur Durchführung einer
Arthroskopie und Einholung eines Gutachtens, an die Helsana zurück.

C.
Mit Beschwerde beantragt die Helsana, ihr Einspracheentscheid vom 23. Januar
2007 sei unter Aufhebung des kantonalen Gerichtsentscheides zu bestätigten,
eventuell seien die mit angefochtenem Entscheid geforderten Abklärungen auf
die Einholung eines Gutachtens zu beschränken.

Während E.________ und die Vorinstanz auf Abweisung der Beschwerde
schliessen, verzichtet das Bundesamt für Gesundheit auf eine Stellungnahme.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Das kantonale Gericht hat die Sache zur Vornahme weiterer medizinischer
Abklärungen an die Beschwerdeführerin zurückgewiesen. Ein solcher Entscheid
stellt rechtsprechungsgemäss einen Zwischenentscheid dar, der nur unter den
eingeschränkten Voraussetzungen der Art. 92 f. BGG selbstständig anfechtbar
ist (BGE 133 V 477 E. 4.2 S. 481 f. mit Hinweisen). Da der kantonale
Entscheid selbstständig eröffnet wurde, die Gutheissung der Beschwerde sofort
einen Endentscheid herbeiführen und damit ein bedeutender Aufwand an Zeit und
Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren erspart würde, ist auf die
Beschwerde einzutreten (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG).

2.
2.1 Die Beschwerde kann wegen Rechtsverletzung gemäss Art. 95 und Art. 96 BGG
erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art.
106 Abs. 1 BGG). Es ist somit weder an die in der Beschwerde geltend
gemachten Argumente noch an die Erwägungen der Vorinstanz gebunden; es kann
eine Beschwerde aus einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen und es
kann sie mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden
Begründung abweisen (vgl. BGE 130 III 136 E. 1.4 S. 140). Das Bundesgericht
prüft grundsätzlich nur die geltend gemachten Rügen; es ist nicht gehalten,
wie eine erstinstanzliche Behörde alle sich stellenden rechtlichen Fragen zu
prüfen, wenn diese vor Bundesgericht nicht mehr vorgetragen wurden. Es kann
die Verletzung von Grundrechten und von kantonalem und interkantonalem Recht
nur insofern prüfen, als eine solche Rüge in der Beschwerde vorgebracht und
begründet worden ist (Art. 106 Abs. 2 BGG).

2.2 Streitig ist, ob der Beschwerdegegner Anspruch auf Übernahme der
Heilbehandlung der Schulterbeschwerden durch die Unfallversicherung hat. Da
damit eine Sachleistung (Heilbehandlung; vgl. Art. 14 ATSG) und nicht
Geldleistungen der Unfallversicherung Gegenstand des Verfahrens bildet, ist
das Bundesgericht an die vorinstanzliche Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhaltes gebunden (Art. 97 Abs. 2 und Art. 105 Abs. 3 BGG e contrario).
Es kann daher die Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz nur dann
berichtigen oder ergänzen, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf
einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht (Art. 105 Abs. 2 BGG).

3.
Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers für Heilbehandlung setzt unter
anderem Voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und den zu behandelnden
Beschwerden ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ob zwischen einem
schädigendem Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher
Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung bzw. im
Beschwerdefall das kantonale Gericht im Rahmen der ihm obliegenden
Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat (BGE 129 V 177 E. 3.1 S.
181).

4.
4.1 Das kantonale Gericht bejahte bezüglich der AC-Gelenksarthrose in der
linken Schulter das Erreichen des Status quo sine. Demgegenüber erachtete es
den Sachverhalt in medizinischer Hinsicht mit Blick auf dieselbe linke
Schulter bezüglich einer allfälligen Oberflächenpartialruptur der
Supraspinatussehne und bezüglich einer möglichen Impressionsfraktur des
Humuskopfes für zu wenig abgeklärt. Es hiess daher die gegen den
Einspracheentscheid erhobene Beschwerde in dem Sinne teilweise gut, als es
die Sache zur Abklärung einer allfälligen Hill-Sachs-Läsion mittels
linksseitiger Schulter-Arthroskopie sowie zur Erstellung eines unabhängigen
Gutachtens betreffend der Unfallkausalität der Läsion der Supraspinatussehne
an die Helsana zurück wies.

4.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Vorinstanz habe zu Unrecht
angenommen, der Sachverhalt sei in medizinischer Hinsicht zu wenig abgeklärt.
Es würden mehrere Arztbericht in ausreichender Qualität vorliegen. Wie die
Helsana jedoch selber einräumt, vertreten die verschiedenen Ärzte teilweise
unterschiedliche Meinungen in der entscheidenden Frage der Ursache der
Schulterbeschwerden. Bei dieser Ausgangslage erscheint die vom kantonalen
Gericht angeordnete Rückweisung der Sache an die Beschwerdeführerin nicht als
offensichtlich unrichtig, weshalb sie nicht zu beanstanden ist.

4.3 Insofern die Beschwerdeführerin geltend macht, die angeordnete
Arthroskopie sei unverhältnismässig, ist zu beachten, dass die nicht
offensichtlich unrichtige Feststellung des kantonalen Gerichts, durch diese
Massnahme sei ein entscheidender Erkenntnisgewinn zu erzielen, insbesondere
auf der spezialärztlichen Beurteilung des Orthopäden Dr. med. N.________
beruht und für das Bundesgericht verbindlich ist. In der Beschwerde wird
nicht dargetan, inwiefern die Abklärung unter diesem Vorzeichen
unverhältnismässig wäre.

4.4 Der angefochtene Entscheid ist somit von der Beschwerdeführerin weder
unter dem Gesichtspunkt einer offensichtlich unrichtigen vorinstanzlichen
Beweiswürdigung noch unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit zu
beanstanden. Sollten die Ergebnisse der weiteren Abklärungen mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf anhaltende unfallkausale
gesundheitliche Beeinträchtigungen an der linken Schulter schliessen lassen,
wird die Helsana gestützt auf die neuen Erkenntnisse und aufgrund des engen
Sachzusammenhanges auch über die Frage des Status quo sine der AC-Arthrose
neu zu befinden haben.

5.
Da die Beschwerde offensichtlich unbegründet ist, wird sie im Verfahren nach
Art. 109 Abs. 2 lit. a BGG erledigt. Bei diesem Verfahrensausgang sind die
Gerichtskosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 Satz 1
BGG).

erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden der Beschwerdeführerin auferlegt und
mit dem geleisteten Kostenvorschuss verrechnet.

3.
Die Beschwerdeführerin hat dem Beschwerdegegner für das Verfahren vor dem
Bundesgericht eine Parteientschädigung von Fr. 1500.- (einschliesslich
Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau
und dem Bundesamt für Gesundheit zugestellt.

Luzern, 14. November 2007

Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

i. V. Widmer Holzer