Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.400/2007
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8C_400/2007

Urteil vom 3. Januar 2008

I. sozialrechtliche Abteilung

Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichterinnen Widmer, Leuzinger,
Gerichtsschreiberin Heine.

carena schweiz, Schulstrasse 3, 8355 Aadorf,
Beschwerdeführerin,

gegen

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA), Fluhmattstrasse 1, 6004
Luzern, Beschwerdegegnerin,

betreffend S.________.

Unfallversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St.
Gallen
vom 15. Juni 2007.

Sachverhalt:

A.
Die 1977 geborene S.________ absolvierte ihre Lehre in der Firma Q._________
und war bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die
Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten versichert. Im Frühjahr 1994 erlitt
sie bei einem Volleyballspiel am kleinen Finger der rechten Hand eine
Verletzung, die zu einer zunehmenden Beugekontraktur im proximalen
Interphalangealgelenk (PIP) führte. Nach verschiedenen Behandlungen und einer
Arthrolyse mit Check rein-release, bestand ab 27. Januar 1997 eine teilweise
und ab 10. Februar 1997 eine volle Arbeitsfähigkeit. Mit Kontrolle vom
24. Februar 1997 endigte die ärztliche Behandlung. Nach verschiedenen
weiteren Unfallmeldungen zur Nachbehandlung des Unfalls meldete die
Arbeitgeberin der SUVA am 5. April 2006 einen Rückfall. Gestützt auf den
Bericht des Dr. med. B.________, FMH Physikalische Medizin, vom 22. Mai 2006
lehnte die SUVA mit Verfügung vom 7. August 2006 einen Rückfall ab. Daran
hielt sie mit Einspracheentscheid vom 25. Oktober 2006 fest.

B.
Die hiegegen erhobene Beschwerde wies das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen mit Entscheid vom 15. Juni 2007 ab.

C.
Die carena schweiz als Krankenversicherer der S.________ führt Beschwerde mit
dem Antrag, es sei, unter Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids, die SUVA
zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen nach UVG für die Behandlungen
der rechten Hand, des rechten Arms und der Schulter zu übernehmen;
eventualiter sei die Sache an die Vorinstanz oder an die SUVA zur nochmaligen
Beweiswürdigung unter Einbezug des Gutachtens von Dr. med. U.________ vom
17. Juni 2007 zurückzuweisen.
Die SUVA schliesst mit Hinweis auf die ärztliche Beurteilung des Dr. med.
C.________, Facharzt für Chirurgie, SUVA, auf Abweisung der Beschwerde,
während das Bundesamt für Gesundheit auf Vernehmlassung verzichtet.

Erwägungen:

1.
Es steht einem Versicherten jederzeit frei, einen Rückfall oder Spätfolgen
eines rechtskräftig beurteilten Unfalls geltend zu machen und erneut
Leistungen der Unfallversicherung zu beanspruchen (vgl. Art. 11 UVV;
RKUV 1994 Nr. U 189 S. 139 E. 3a). Bei einem Rückfall handelt es sich um das
Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, sodass es zu
ärztlicher Behandlung, möglicherweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit
kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im
Verlaufe längerer Zeit organische oder psychische Veränderungen bewirkt, die
zu einem andersgearteten Krankheitsbild führen können. Rückfälle und
Spätfolgen können eine Leistungspflicht des (damaligen) Unfallversicherers
nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der
seinerzeit unfallbedingten Gesundheitsschädigung ein natürlicher und
adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 118 V 293 E. 2c S. 296). Eine
allfällige hinsichtlich des natürlichen Kausalzusammenhangs bestehende
Beweislosigkeit wirkt sich zum Nachteil des Versicherten aus, da dieser aus
dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (RKUV 1994
Nr. U 206 S. 328 E. 3b).

2.
Streitig ist, ob die Beschwerden in der rechten Hand, des rechten Arms und
der Schulter unfallbedingt und in natürlich kausaler Weise auf den
versicherten Unfall aus dem Jahr 1994 zurückzuführen sind.

2.1 Laut angefochtenem Entscheid schliessen die medizinischen
Fachspezialisten aus den Bereichen Handchirurgie und Rheumatologie einen
natürlichen Kausalzusammenhang zwischen den Beschwerden im rechten Unterarm
und im Schulterbereich mit dem Unfall im Jahr 1994 aus. Die Berichte würden
auch nicht nur ansatzweise die Möglichkeit offen lassen, es könnte sich bei
den Beschwerden um Spätfolgen des Unfalls handeln, weshalb mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit ein natürlicher Kausalzusammenhang ausgeschlossen sei.

2.2 Die Beschwerdeführerin behauptet demgegenüber, es sei anhand ihres
Vertrauensarztes und den Berichten des Dr. med. U.________ der natürliche
Kausalzusammenhang erstellt. Ferner sei auch die adäquate Kausalität gegeben.

2.3 Sowohl Frau Dr. med. A.________, Leitende Ärztin Handchirurgie, Spital
X.________ (Bericht vom 23. Februar 2000), wie auch PD Dr. med. E.________,
FMH Handchirurgie, Zentrum Y.________ (Bericht vom 1. Februar 2000), stellen
einen minimalen Streckausfall im PIP zwar fest, empfehlen jedoch lediglich
eine konservative und konsequente Ergotherapie, da die Versicherte im
täglichen Leben in keinster Weise behindert sei noch unter Schmerzen leide.
Im Arztzeugnis UVG für Rückfall vom 27. April 2006 attestiert Dr. med.
H.________, Allgemeine Medizin FMH, im PIP des rechten kleinen Fingers ein
Extensionsdefizit. Im Bericht vom 22. Mai 2006 hält Dr. med. B.________ fest,
die geklagten Schmerzen im Rücken und Nacken-Schultergürtelbereich würden mit
der PIP-Problematik in keinem Zusammenhang stehen. Dies bestätigt auch Dr.
med. O.________, Leitender Arzt Handchirurgie, Spital X.________, anlässlich
der Sprechstunden vom 2. Mai und vom 21. Juni 2006. Dabei schliesst er
explizit einen Zusammenhang zwischen den geklagten Schmerzen und dem
Extensionsdefizit im PIP des rechten kleinen Fingers aus. Die Aussagen des
Vertrauensarztes der Beschwerdeführerin, Dr. med. R.________, Arzt für
Allgemeine Medizin FMH, im Schreiben vom 15. November 2006, vermögen die
eindeutigen Ausführungen der Fachärzte nicht zu entkräften. Zumal er in
seinem Schreiben lediglich die Hand- und Vorderarmschmerzen in Zusammenhang
mit dem Unfall bringt, dabei jedoch bekennt, dass die Ursache für muskuläre
und sehnenbedingte Verspannungen vieldeutig seien.
Unter Berücksichtigung sämtlicher für die Beurteilung massgebenden Faktoren
kann der natürliche Kausalzusammenhang zwischen den vorhandenen Beschwerden
und dem erlittenen Unfall nicht als mehr denn eine blosse Möglichkeit
erscheinen, was für die Begründung der Leistungspflicht der
Unfallversicherung nicht genügt (Urteil vom 8. Juni 2006 [U 147/05]). Sodann
wurde der rechtserhebliche Sachverhalt durch die Vorinstanz richtig und
vollständig festgestellt. Daran ändert auch das letztinstanzlich eingereichte
Gutachten des Dr. med. U.________, Chirurgie FMH, Spezialist Handchirurgie,
vom 17. Juni 2007 nichts. Bezüglich des aufgelegten ärztlichen Berichts ist
festzuhalten, dass für die Beurteilung derjenige Sachverhalt massgebend ist,
welcher sich bis zum Erlass des Einspracheentscheids verwirklicht hat (BGE
129 V 1 E. 1.2 S. 4). Das Gutachten erging im Juni 2007, somit mehrere Monate
nach dem Einspracheentscheid vom 25. Oktober 2006. Soweit sich diese
ärztlichen Einschätzungen zum Gesundheitszustand zur Zeit der
Berichterstattung äussern, sind sie vorliegend unerheblich. Hinzu kommt, dass
Dr. med. U.________ die geklagten Beschwerden und Befunde zwar ausführlich
beschreibt und sie als objektivierbar erachtet, die Schlussfolgerung, es
bestehe ein Zusammenhang zwischen den Beschwerden und dem Unfall, jedoch
nicht begründet, sondern sich begnügt, andere Ursachen auszuschliessen. Es
kann daher offenbleiben, ob das Beweismittel überhaupt noch eingereicht
werden durfte ( Art. 99 BGG). Eine unfallbedingte Verschlechterung des
Gesundheitszustandes ist unter diesen Umständen nicht mit dem erforderlichen
Beweisgrad nachgewiesen. Das Vorliegen eines die Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin begründenden Rückfalls ist deshalb zu verneinen.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 3000.- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen, dem Bundesamt für Gesundheit und S.________ schriftlich
mitgeteilt.
Luzern, 3. Januar 2008

Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Ursprung Heine