Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.44/2007
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8C_44/2007

Urteil vom 11. September 2007

I. sozialrechtliche Abteilung

Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichterin Leuzinger, Bundesrichter Frésard,
Gerichtsschreiberin Heine.

B. ________, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Roland Ilg,
Rämistrasse 5, 8001 Zürich,

gegen

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA), Fluhmattstrasse 1, 6004
Luzern, Beschwerdegegnerin.

Unfallversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom
18. Januar 2007.

Sachverhalt:

A.
Der 1959 geborene B.________ war seit 17. März 1987 als angelernter Maurer in
der Firma F.________ tätig und bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Unfällen und
Berufskrankheiten versichert. Am 16. April 1999 meldete die Arbeitgeberin der
SUVA eine Hautveränderung an den Händen als Berufskrankheit an. Nach einem
Gutachten der Dermatologischen Universitätsklinik und Poliklinik des Spitals
I.________ vom 17. August 1999 anerkannte die SUVA ihre Leistungspflicht und
erbrachte vom 19. Januar 1998 bis 29. Juni 1999 (Aufgabe des Maurerberufs)
Versicherungsleistungen. Des Weiteren erliess sie am 17. Dezember 1999 eine
Verfügung, mit welcher sie dem Versicherten vom 1. Januar bis 30. April 2000
Übergangstaggelder zusprach und ihn als nicht geeignet für Arbeiten mit
Kontakt zu Zement und Chromverbindungen erklärte. Diese Verfügung erwuchs
unangefochten in Rechtskraft.

Mit Schreiben vom 1. Oktober 2004 liess B.________ eine Verschlechterung
seines Gesundheitszustands geltend machen und die Ausrichtung von Taggeldern
sowie die Zusprechung einer ganzen Invalidenrente im Rahmen einer
Rentenrevision beantragen. Die SUVA holte einen Bericht des Dr. G.________,
Facharzt Dermatologie FMH, vom 2. März 2005 sowie zwei Berichte des Dr. med.
C.________, Facharzt FMH für Innere Medizin und Arbeitsmedizin, SUVA
Abteilung Arbeitsmedizin, vom 27. Mai und vom 15. Juni 2005 ein. Mit
Verfügung vom 25. August 2005 lehnte sie einen Rückfall ab, weshalb der Fall
mit dem 30. Juni 1999 abgeschlossen bleibe. Daran hielt sie mit
Einspracheentscheid vom 12. Januar 2006 fest.

B.
Die hiegegen erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons Bern
mit Entscheid vom 18. Januar 2007 ab.

C.
Mit Beschwerde lässt B.________ beantragen, es sei ihm, unter Aufhebung des
vorinstanzlichen Entscheids, eine leidensangepasste Rente, unter
gleichzeitiger Ausrichtung einer angepassten Integritätsentschädigung,
zuzusprechen. Eventualiter sei der Fall zur weiteren medizinischen Abklärung
zurückzuweisen und ein Gutachten einzuholen, ferner sei ihm die
unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung zu gewähren.

D.
Mit Zwischenverfügung vom 17. Juli 2007 ist das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege abgewiesen worden.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Ein verfügter Fallabschluss durch Einstellung sämtlicher Leistungen steht
unter dem Vorbehalt einer Anpassung an geänderte Verhältnisse. Dieser in der
Invalidenversicherung durch das Institut der Neuanmeldung (Art. 87 Abs. 4
IVV) geregelte Grundsatz gilt auch im Unfallversicherungsrecht, indem es
einem Versicherten jederzeit freisteht, einen Rückfall oder Spätfolgen einer
rechtskräftig beurteilten Berufskrankheit geltend zu machen und erneut
Leistungen der Unfallversicherung zu beanspruchen (vgl. Art. 11 UVV; RKUV
1994 Nr. U 189 S. 139 E. 3a).

1.2 Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer
vermeintlich geheilten Krankheit, sodass es zu ärztlicher Behandlung,
möglicherweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; von Spätfolgen
spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit
organische oder psychische Veränderungen bewirkt, die zu einem
andersgearteten Krankheitsbild führen können. Rückfälle und Spätfolgen können
eine Leistungspflicht des (damaligen) Unfallversicherers nur auslösen, wenn
zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit durch
die berufliche Tätigkeit verursachten Gesundheitsschädigung ein natürlicher
und adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 118 V 293 E. 2c S. 296). Eine
allfällige hinsichtlich des natürlichen Kausalzusammenhangs bestehende
Beweislosigkeit wirkt sich zum Nachteil des Versicherten aus, da dieser aus
dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (RKUV 1994 Nr.
U 206 S. 328 E. 3b).

2.
2.1 Ab 1. Januar 2000 arbeitete der Beschwerdeführer mit einem Pensum von 100
% in der Firma D.________ als Lagerist, bis er im August 2004
krankheitsbedingt zu 50 % arbeitsunfähig wurde. Die in der Folgezeit
vorgenommene Untersuchung am Spital I.________ durch Dr. med. O.________,
Assistenzarzt, und Prof. Dr. H.________, Leitender Arzt, Dermatologische
Universitäts-Klinik und -Poliklinik, ergab als Diagnose eine palmare
Psoriasis (3. September 2004). Dr. med. C.________, Facharzt für Innere
Medizin und Arbeitsmedizin, SUVA, Abteilung Arbeitsmedizin, hielt im Bericht
vom 15. Juni 2005 ebenfalls fest, es läge mit Wahrscheinlichkeit die
Hauterkrankung einer Psoriasis vor. Die Erkrankung habe 1994 ihren Beginn.
Auch die Histologie aus einer Hautbiopsie der linken Hand vom 1. Juli 1998
sei mit einer Psoriasis palmaris vereinbar. Dabei handle es sich um eine
endogene chronisch verlaufende Hauterkrankung, deren Ursache unbekannt sei.
Bei einem multifaktoriellen Geschehen käme einem einzelnen Faktor nicht das
versicherungsrechtlich notwendige Gewicht der vorwiegenden oder stark
vorwiegenden Verursachung zu. Warum bei gleicher Tätigkeit (Lagerist) der
Verlauf günstig gewesen sei und nun eine Verschlechterung stattgefunden habe,
könne nicht auf eine einzelne Ursache zurückgeführt werden. Die manuelle
Tätigkeit sei keine Listenerkrankung, weshalb diese manuelle berufliche
Tätigkeit und die damit verbundene mechanische Belastung der Haut die
ausschliessliche oder stark überwiegende Ursache sein müsste. Dieser hohe
Grad eines Kausalzusammenhanges sei bei einer multifaktoriellen und
vorwiegend endogenen Erkrankung nicht möglich. Im Bericht des Spitals
I.________ vom 20. Mai 2005 (Prof. Dr. med. Y.________ und Dr. med.
P.________) wie auch im Bericht vom 5. Januar 2006 bestätigen Prof. Dr. med.
H.________ und Dr. med. S.________ die Diagnose einer palmoplantaren
Psoriasis. Es handle sich um eine Hautveränderung mit einem schubweisen
Verlauf, ohne ersichtliche Abhängigkeit von bestimmten Faktoren. Die
begutachtenden Ärzte des Spitals I.________ gelangten zum Ergebnis (Schreiben
vom 5. Juli 2006), es bestehe gegenüber Kaliumdichromat und
N-Isopropyl-N-Phenyl-p-Phenylendiamin keine Kontaktsensibilisierung mehr.
Hingegen könne neu eine Kontaktsensibilisierung gegenüber Propolis
nachgewiesen werden. Es handle sich überwiegend wahrscheinlich um eine
Psoriasis, welche in keinem Zusammenhang mit der früheren Exposition im
Baugewerbe mit Kontakt zu Zement stehe.

2.2 Die neu aufgetretene Psoriasis ist gemäss den medizinischen Unterlagen
nicht als berufsbedingt anzusehen. Was in der Beschwerde dagegen behauptet
wird, insbesondere die Kontaktallergie zu Zement- und Chromverbindungen,
vermag zu keinem anderen Ergebnis zu führen. Die medizinischen Unterlagen
gehen von einer multifaktoriellen Hauterkrankung aus, was eine Zuordnung nach
dem Massstab der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht zulässt, zumal die
erneut durchgeführten Tests keine Kontaktsensibilisierung zu den damals
identifizierten Materialien ergaben. Es ist sodann weder ausschliesslich noch
stark überwiegend ein Zusammenhang mit der 1999 gestellten Zement- und
Chromverbindungen-Unverträglichkeit noch mit der heutigen Tätigkeit als
Lagerist feststellbar. Eine berufsbedingte Verschlechterung des
Gesundheitszustandes ist unter diesen Umständen nicht mit dem erforderlichen
Beweisgrad nachgewiesen (vorliegend entgegen den Ausführungen in der
Beschwerde mindestens 75 %). Das Vorliegen eines die Leistungspflicht des
Beschwerdegegners begründenden Rückfalls ist deshalb zu verneinen.

3.
Ein Anspruch auf eine Integritätsentschädigung besteht bei dieser Sachlage
ebenfalls nicht, da nach dem Gesagten keine hinreichenden Anhaltspunkte für
eine berufsbedingte, dauernde und erhebliche Schädigung der körperlichen oder
geistigen Integrität vorliegen.

4.
Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung wurde mit
Zwischenentscheid vom 17. Juli 2007 abgewiesen, sodass der unterliegende
Beschwerdeführer die Gerichtskosten zu tragen hat.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden dem Beschwerdeführer auferlegt und
mit dem geleisteten Kostenvorschuss verrechnet.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Bern,
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, und dem Bundesamt für Gesundheit
zugestellt.

Luzern, 11. September 2007
Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: