Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.460/2007
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Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
8C_460/2007

Urteil vom 5. Juni 2008
I. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichterin Leuzinger, Bundesrichter Frésard,
Gerichtsschreiberin Durizzo.

Parteien
H.________,
Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Bruno Häfliger,
Schwanenplatz 7, 6004 Luzern,

gegen

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA), Fluhmattstrasse 1, 6004
Luzern,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Unfallversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Luzern vom
21. Juni 2007.

Sachverhalt:

A.
H.________, geboren 1945, erlitt am 4. Dezember 2003 einen Autounfall. Gemäss
Zeugnis des erstbehandelnden Arztes Dr. med. D.________ den er am folgenden Tag
aufsuchte, zog er sich dabei Kontusionen/Distorsionen der Lendenwirbelsäule und
an der rechten Schulter zu. Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
(SUVA) stellte die bis dahin erbrachten Leistungen mit Verfügung vom 25. Juli
2005 und Einspracheentscheid vom 9. Januar 2006 per 31. August 2005 ein mit der
Begründung, dass es sich bei den noch geklagten Rückenbeschwerden nicht um eine
Unfallfolge handle.

B.
Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons Luzern
mit Entscheid vom 21. Juni 2007 ab.

C.
H.________ lässt Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten führen
mit dem Antrag, unter Aufhebung des angefochtenen Entscheides seien ihm
weiterhin die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen, insbesondere Taggelder
entsprechend einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit sowie Heil- und Pflegekosten.

Während die SUVA auf Abweisung der Beschwerde schliesst, verzichtet das
Bundesamt für Gesundheit auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:

1.
1.1 Die Beschwerde kann wegen Rechtsverletzung gemäss Art. 95 und Art. 96 BGG
erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106
Abs. 1 BGG). Es ist somit weder an die in der Beschwerde geltend gemachten
Argumente noch an die Erwägungen der Vorinstanz gebunden; es kann eine
Beschwerde aus einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen und es kann
sie mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden Begründung
abweisen (vgl. BGE 130 III 136 E. 1.4 S. 140). Gemäss Art. 42 Abs. 1 BGG ist
die Beschwerde hinreichend zu begründen, andernfalls wird darauf nicht
eingetreten (Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG). Das Bundesgericht prüft grundsätzlich
nur die geltend gemachten Rügen; es ist nicht gehalten, wie eine
erstinstanzliche Behörde alle sich stellenden rechtlichen Fragen zu prüfen,
wenn diese vor Bundesgericht nicht mehr vorgetragen wurden. Es kann die
Verletzung von Grundrechten und von kantonalem und interkantonalem Recht nur
insofern prüfen, als eine solche Rüge in der Beschwerde vorgebracht und
begründet worden ist (Art. 106 Abs. 2 BGG).

1.2 Im Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von
Geldleistungen der Militär- oder Unfallversicherung ist das Bundesgericht nicht
an die vorinstanzliche Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gebunden
(Art. 97 Abs. 2 und Art. 105 Abs. 3 BGG).

2.
Das kantonale Gericht hat die Rechtsprechung zu dem für die Leistungspflicht
des Unfallversicherers gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG vorausgesetzten natürlichen und
adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen
Schaden (BGE 129 V 177 E. 3.1 und 3.2 S. 181), zur Beweislast des
Unfallversicherers, wenn durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand
verschlimmert oder überhaupt erst manifest wird (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326 E.
3b S. 328, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b, je mit Hinweisen) sowie zum Beweiswert
von Arztberichten und medizinischen Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3 S. 352 ff.,
122 V 157 E. 1c S. 160 ff.) zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen.

3.
Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, dass das kantonale Gericht
zu Unrecht von einem leichten Unfallereignis ausgegangen sei, dementsprechend
eine relativ leichte Verletzung angenommen habe und deshalb auch den ärztlichen
Berichten gefolgt sei, wonach wissenschaftlichen Studien gemäss solche
Verletzungen nach wenigen Wochen oder Monaten abheilten, ohne danach zu fragen,
wie die erst nach dem Unfall aufgetretenen und weiterhin andauernden
Rückenbeschwerden anders - wenn nicht durch den Unfall - zu erklären seien. Die
anfänglichen Schmerzen an der rechten Schulter sind nicht streitig, da der
Beschwerdeführer diesbezüglich nunmehr beschwerdefrei ist.

4.
Im Zusammenhang mit dem Einwand der Bagatellisierung des Unfalls beantragt der
Beschwerdeführer die Einvernahme von Zeugen und Einholung eines
verkehrsdynamischen und biomechanischen Gutachtens. Entscheidend ist jedoch,
dass aktenmässig durch den Bericht des erstbehandelnden Hausarztes Dr. med.
D.________ (nicht datiert, bei der SUVA eingegangen am 7. Januar 2004) erstellt
ist, dass sich der Beschwerdeführer beim Unfall keine gravierenden Verletzungen
zugezogen, sondern lediglich eine (leichte) Rückenkontusion erlitten hat. Des
Weiteren geht auch aus dem Polizeirapport hervor, dass der Beschwerdeführer
unmittelbar nach dem Unfall nur über leichte Rückenschmerzen klagte. Wie die
Vorinstanz richtig ausführt, kann mangels entsprechenden objektivierbaren
pathologischen Befunden nicht von einer massiven Kräfteeinwirkung auf die
Wirbelsäule gesprochen werden. Weitere Abklärungen erübrigen sich deshalb.

5.
Wie in Urteil U 8/05 vom 12. April 2005 (ebenfalls betreffend nach einem Unfall
aufgetretene Lumbalbeschwerden) ausgeführt wurde, ist eine allgemeine
Erfahrungsregel - auch hier die Erkenntnis, dass eine einfache Kontusion
innerhalb kurzer Zeit folgenlos abheilt - für sich allein genommen nicht
geeignet, den erforderlichen Nachweis für das Dahinfallen jeder kausalen
Bedeutung des Unfalls zu erbringen. Die Geltung einer solchen abstrakten
Vermutung im konkreten Fall muss anhand der einzelnen Umstände nachvollziehbar
dargetan sein (E. 4.2).

Das kantonale Gericht führt dazu richtig aus, dass die nach dem Unfall
geklagten Lumbalbeschwerden zunächst auf die erlittene Kontusion zurückgeführt
werden konnten, da ein Befund (paravertebraler Muskelhartspann) klinisch
nachweisbar war. Indessen wurden gleichzeitig radiologisch degenerative und
somit unfallfremde spondylarthrotische Veränderungen ohne wesentliche
spondylophytäre Appositionen festgestellt (Berichte des Dr. med. E.________,
Facharzt für Radiologie, sowie des Dr. med. G.________, Facharzt für
Neurochirurgie, beide Klinik S.________, vom 28. Januar 2004 bzw. vom 24.
November 2004); gemäss ärztlicher Beurteilung des Dr. med. P.________ vom 30.
Dezember 2005 gab es - aufgrund der vorliegenden Röntgenbilder - keine
objektiven Anhaltspunkte für eine Verschlimmerung des altersentsprechenden
degenerativen Vorzustandes durch das erlittene Trauma. Da somit bei der
Abklärung nach dem Unfall keine organischen Schädigungen erhoben wurden, die
als Folge des erlittenen Traumas der Wirbelsäule hätten identifiziert werden
können, zugleich aber degenerative - latent bestehende, wenn auch nicht zu
Beschwerden führende - Veränderungen im Bereich der Lendenwirbelsäule bekannt
waren, durfte auf die zitierte Erfahrungsregel, gemäss welcher bei Prellungen
innerhalb weniger Wochen oder höchstens Monaten der "Status quo sine" (d.h. der
mutmassliche Zustand, wie er sich auch ohne Unfall eingestellt hätte), erreicht
ist, abgestellt werden. Schliesslich spricht weder die Tatsache, dass es sich
bei der ärztlichen Beurteilung des Dr. med. P.________ vom 30. Dezember 2005 um
ein Aktengutachten handelt, noch dass dieser wie auch der Bericht von
SUVA-Kreisarzt Dr. med. A.________ vom 10. März 2005 von anstaltsinternen
Ärzten verfasst wurde, gegen deren Beweiswert (Urteil U 260/04 vom 12. Oktober
2005, E. 5b, mit Hinweis auf RKUV 1988 Nr. U 56 S. 371 E. 5b; BGE 125 V 351 E.
3b/ee S. 353 f., AHI 2001 S. 112 [I 128/98] E. 3b/ee mit Hinweisen).

6.
Damit ist die Leistungseinstellung durch die SUVA per 31. August 2005 - somit
21 Monate nach dem Unfall - nicht zu beanstanden.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Luzern,
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, und dem Bundesamt für Gesundheit
schriftlich mitgeteilt.
Luzern, 5. Juni 2008
Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Ursprung Durizzo