Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.469/2007
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8C_469/2007

Urteil vom 10. März 2008

I. sozialrechtliche Abteilung

Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichterin Widmer, Bundesrichter Frésard,
Gerichtsschreiberin Fleischanderl.

IV-Stelle Obwalden, Brünigstrasse 144, 6061 Sarnen,
Beschwerdeführerin,

gegen

G.________, Beschwerdegegnerin, vertreten durch Rechtsanwalt Alex Beeler,
Frankenstrasse 3, 6003 Luzern.

Invalidenversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Obwalden
vom 27. Juni 2007.

Sachverhalt:

A.
Mit Verfügung vom 10. Oktober 2001 lehnte die IV-Stelle Obwalden einen
Rentenanspruch der 1958 geborenen G.________ mangels anspruchsbegründender
Invalidität ab. Nachdem das Verwaltungsgericht des Kantons Obwalden die
hiegegen erhobene Beschwerde mit Entscheid vom 11. Februar 2003 abgewiesen
hatte, hiess das daraufhin angerufene Eidgenössische Versicherungsgericht die
Verwaltungsgerichtsbeschwerde teilweise gut, hob den angefochtenen kantonalen
Entscheid sowie die Verfügung der IV-Stelle auf und wies die Sache an die
Verwaltung zurück, damit sie im Sinne der Erwägungen verfahre und über das
Leistungsbegehren neu befinde (Urteil vom 29. August 2003).

Gestützt auf in der Folge veranlasste weitere medizinische und haushaltliche
Abklärungen beschied die IV-Stelle das Rentenersuchen wiederum abschlägig;
der Verfügung vom 22. April 2005 lag die Annahme einer hypothetischen
Aufteilung der Bereiche Erwerb und Haushalt im Validitätsfall von 80 %/20 %,
einer Arbeitsfähigkeit im Rahmen leichter Tätigkeiten von 100 %, einer
Erwerbsunfähigkeit von 23 % und einer Einschränkung im Haushalt von 55,1 %,
d.h. einer Invalidität von gewichtet gesamthaft 29 % ([0,8 x 23 %] + [0,2 x
55,1 %]) zugrunde. Mit Einspracheentscheid vom 17. Januar 2006 entsprach die
Verwaltung dem Ansinnen von G.________ insofern teilweise, als sie ihr -
ausgehend von einer ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen im Umfang von 40
% ausgeübten Erwerbstätigkeit, einer Arbeitsfähigkeit in einer
leidensangepassten Tätigkeit von 100 %, einer Erwerbsunfähigkeit von 33,8 %
und einer Behinderung im Haushalt von 45,1 % - auf der Grundlage eines
Invaliditätsgrades von 41 % ([0,4 x 33,8 %] + [0,6 x 45,1 %]) rückwirkend ab
1. April 2001 eine Viertelsrente bzw. - bei Vorliegen der entsprechenden
Voraussetzungen - bis längstens 31. Dezember 2003 eine Härtefallrente
zusprach.

B.
Die dagegen eingereichte Beschwerde hiess das Verwaltungsgericht des Kantons
Obwalden, indem es basierend auf einer Arbeitsfähigkeit von
behinderungsangepasst 40 %, einer Erwerbsunfähigkeit von 74,43 % und einer
Beeinträchtigung im Haushaltsbereich von 55,1 % bei im übrigen unveränderten
Verhältnissen von einer Invalidität von 63 % ([0,4 x 74,43 %] + [0,6 x 55,1
%]) ausging, mit Entscheid vom 27. Juni 2007 teilweise gut und hob den
Einspracheentscheid der IV-Stelle vom 17. Januar 2006 auf (Dispositiv-Ziffer
1); ferner sprach es der Versicherten mit Wirkung ab 1. April 2001 eine halbe
Rente sowie ab 1. Januar 2004 eine Dreiviertelsrente zu (Dispositiv-Ziffer 2)
und verpflichtete die IV-Stelle zur Bezahlung einer Parteientschädigung von
Fr. 1800.- an die Versicherte (Dispositiv-Ziffer 4).

C.
Die IV-Stelle führt Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten mit
dem Rechtsbegehren um Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids.

G. ________ lässt beantragen, es sei auf die Beschwerde nicht einzutreten,
eventualiter sei diese abzuweisen; subeventualiter sei ihr auf der Basis
eines Invaliditätsgrades von mindestens 58 % jedenfalls eine halbe Rente
auszurichten. Während das kantonale Gericht auf Abweisung des Rechtsmittels
schliesst, lässt sich das Bundesamt für Sozialversicherungen nicht vernehmen.

Erwägungen:

1.
1.1 Die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten (Art. 82 ff.
BGG) kann wegen Rechtsverletzung gemäss Art. 95 f. BGG erhoben werden. Das
Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die Vorinstanz
festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG), und kann deren
Sachverhaltsfeststellung von Amtes wegen nur berichtigen oder ergänzen, wenn
sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von
Art. 95 BGG beruht (Art. 105 Abs. 2 BGG).

1.2
1.2.1 Mit Blick auf diese Kognitionsregelung ist auf Grund der Vorbringen in
der Beschwerde ans Bundesgericht zu prüfen, ob der angefochtene kantonale
Gerichtsentscheid in der Anwendung der massgeblichen materiell- und
beweisrechtlichen Grundlagen (u.a.) Bundesrecht, Völkerrecht oder kantonale
verfassungsmässige Rechte verletzt (Art. 95 lit. a-c BGG), einschliesslich
einer allfälligen rechtsfehlerhaften Tatsachenfeststellung (Art. 97 Abs. 1,
Art. 105 Abs. 2 BGG). Hingegen hat unter der Herrschaft des BGG eine freie
Überprüfung des vorinstanzlichen Entscheids in tatsächlicher Hinsicht zu
unterbleiben (ausser wenn sich die Beschwerde gegen einen - im hier zu
beurteilenden Fall indessen nicht anfechtungsgegenständlichen - Entscheid
über die Zusprechung oder Verweigerung von Geldleistungen der Militär- oder
Unfallversicherung richtet; Art. 97 Abs. 2 BGG). Ebenso entfällt eine Prüfung
der Ermessensbetätigung nach den Grundsätzen zur Angemessenheitskontrolle
(BGE 126 V 75 E. 6 S. 81 zu Art. 132 lit. a OG [in der bis 30. Juni 2006
gültig gewesenen Fassung]).

1.2.2 Im Rahmen der Invaliditätsbemessung - insbesondere bei der Ermittlung
von Gesundheitsschaden, Arbeitsfähigkeit und Zumutbarkeitsprofil sowie bei
der Festsetzung der Vergleichseinkommen - sind zwecks Abgrenzung der (für das
Bundesgericht grundsätzlich verbindlichen) Tatsachenfeststellungen von den
(letztinstanzlich frei überprüfbaren) Rechtsanwendungsakten der Vorinstanz
weiterhin die kognitionsrechtlichen Grundsätze heranzuziehen, wie sie in BGE
132 V 393 E. 3 S. 397 ff. für die ab 1. Juli bis 31. Dezember 2006 gültig
gewesene Fassung von Art. 132 des nunmehr aufgehobenen OG entwickelt wurden.

2.
Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdegegnerin eine höhere als die ihr
mit Einspracheentscheid der Beschwerdeführerin vom 17. Januar 2006
rückwirkend ab 1. April 2001 zugesprochene Viertelsrente bzw. - bei Vorliegen
der entsprechenden Voraussetzungen bis längstens 31. Dezember 2003
auszurichtende - Härtefallrente zusteht. Auf die vom kantonalen Gericht
zutreffend dargelegten, hierfür massgeblichen Bestimmungen und Grundsätze
wird verwiesen.

3.
Gerügt wird letztinstanzlich durch die Beschwerdeführerin einzig die
Ermittlung der Erwerbsunfähigkeit durch das kantonale Gericht. Die übrigen in
Anwendung der gemischten Methode erhobenen Faktoren der Invaliditätsbemessung
lassen im Lichte der in E. 1.2.2 angeführten grundsätzlichen Verbindlichkeit
der vorinstanzlichen Tatsachenfeststellungen für das Bundesgericht keinen
Raum für eine abweichende Betrachtungsweise (zur Bindungswirkung der auf
einer Würdigung konkreter Umstände basierenden - und damit eine Tatfrage
darstellenden - Festsetzung des hypothetischen Umfanges der Erwerbstätigkeit
durch die Vorinstanz: Urteil I 693/06 vom 20. Dezember 2006, E. 4.1) und
werden denn auch zu Recht von keiner Seite mehr begründet in Zweifel gezogen.

4.
4.1 Das kantonale Gericht hat das hypothetische Einkommen, welches die
Beschwerdegegnerin im Jahr 2001 trotz Gesundheitsschädigung im Rahmen eines
40 %igen Arbeitspensums zumutbarerweise noch zu erzielen vermocht hätte
(Invalideneinkommen), wie folgt ermittelt (vgl. E. 5c/cc des angefochtenen
Entscheids, S. 15 unten): "Fr. 6'379.87 (Fr. 3658.- [LSE 2000,
Anforderungsniveau 4, Zentralwert Frauen] x 12 : 40 x 41,7 [betriebsübliche
Arbeitszeit im Jahre 2001] x 40 % [40 %-Pensum] x 85 % [Leidensabzug] : 2'190
x 2'245 [Nominallohnindex 2000/2001] x 40 % [Arbeitsfähigkeit])".

4.2 Dieser Berechnungsweise, welche ein Leistungsvermögen von 40 % bezogen
auf ein 40 %iges Arbeitspensum, d.h. eine Arbeitsfähigkeit von 16 % eines
Vollpensums, suggeriert, kann nicht gefolgt werden. Unbestrittenermassen
enthalten die medizinischen Akten (vgl. Gutachten der Medizinischen
Abklärungsstelle [MEDAS] Universitätsklinik Basel vom 21. Juli 2004, S. 11
f.) keine Anhaltspunkte, die eine derartige Schlussfolgerung nahe legen
würden, noch geht die Vorinstanz selber von einer Beurteilung der
verbliebenen Arbeitsfähigkeit in diesem Sinne aus (E. 4g des Entscheids, S.
13 oben). Vielmehr ist, wie die Beschwerdeführerin korrekt dartut, auf den
Teilfaktor "x 40 % [Arbeitsfähigkeit]" zu verzichten, sodass sich das
massgebliche Invalideneinkommen auf Fr. 15'949.70 beläuft. Daraus ergibt sich
in Gegenüberstellung zum hypothetischen Verdienst von Fr. 24'950.95, den die
Versicherte ohne Behinderung erzielt hätte (Valideneinkommen), eine
Erwerbsunfähigkeit von 36,07 % und - gewichtet - ein Invaliditätsgrad von
insgesamt 47 % ([0,4 x 36,07 %] + [0,6 x 55,1 %]; zu den Rundungsregeln: BGE
130 V 121). Dass der Einwand der Beschwerdeführerin, eine allfällige
verminderte Leistungsfähigkeit in einem Teilbereich infolge der Beanspruchung
im anderen Tätigkeitsfeld habe grundsätzlich unberücksichtigt zu bleiben, vor
dem Hintergrund der in BGE I 246/05 vom 30. Oktober 2007 erwogenen Grundsätze
fehl geht, ändert an diesem Ergebnis nichts. Die Voraussetzungen, deren es
für die Berücksichtigung von solchen Wechselwirkungen bedürfte, sind im
vorliegenden Fall ohne weiteres zu verneinen (vgl. dazu etwa die in E. 7.3.4
und 7.3.5 des Urteils festgehaltenen Kriterien).

Die vorinstanzlichen Erwägungen erweisen sich in diesem Punkt als
offensichtlich unrichtig und sind entsprechend zu berichtigen.

5.
Die Gerichtskosten werden der Beschwerdegegnerin als unterliegender Partei
auferlegt (Art. 66 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass Dispositiv-Ziffern 1 und
2 des Entscheids des Verwaltungsgerichts des Kantons Obwalden vom 27. Juni
2007 insoweit abgeändert werden, als der Beschwerdegegnerin bei einem
Invaliditätsgrad von 47 % rückwirkend ab 1. April 2001 eine Viertelsrente
bzw. - bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen - bis längstens 31.
Dezember 2003 eine halbe Härtefallrente zusteht, und Dispositiv-Ziffer 4
aufgehoben wird.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Obwalden,
der Ausgleichskasse Obwalden und dem Bundesamt für Sozialversicherungen
schriftlich mitgeteilt.

Luzern, 10. März 2008

Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Ursprung Fleischanderl