Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.503/2007
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8C_503/2007

Urteil vom 22. Februar 2008

I. sozialrechtliche Abteilung

Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichterin Widmer, Bundesrichter Frésard,
Gerichtsschreiber Holzer.

L. ________, Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt Markus
Bischoff, Walchestrasse 17,     8006 Zürich,

gegen

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA), Fluhmattstrasse 1, 6004
Luzern, Beschwerdegegnerin.

Unfallversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons
Zürich vom 27. Juni 2007.

Sachverhalt:

A.
Die 1968 geborene L.________ war als Angestellte der Firma X.________ bei der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von
Unfällen versichert, als sie am 11. April 2004 einen Verkehrsunfall
(seitliche Kollision) erlitt und sich dabei ein Dezelerationstrauma der
Halswirbelsäule (HWS) und eine Schädelkontusion zuzog. Die Versicherte konnte
ihre Arbeit am 19. April 2004 zu 50 % und am 21. April 2004 in vollem Umfang
wieder aufnehmen. Nachdem die Versicherte nach eigenen Angaben am 5. Oktober
2004 zum ersten Mal wieder Schmerzen verspürte und sie vom 14. Oktober bis
zum 24. Oktober 2004 erneut arbeitsunfähig war, lies sie am 4. November 2004
der SUVA einen Rückfall melden. Mit Verfügung vom   12. August 2005 lehnte
diese eine Leistungspflicht ab, da die gemeldeten Beschwerden nicht durch den
Unfall verursacht worden seien. Mit Einspracheentscheid vom 29. Mai 2006
hielt die SUVA an der Leistungsablehnung fest.

B.
Die von L.________ hiegegen erhobene Beschwerde wies das
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit Entscheid vom 27. Juni 2007
ab.

C.
Mit Beschwerde beantragt L.________, die SUVA sei unter Aufhebung des
Einsprache- und des kantonalen Gerichtsentscheides zu verpflichten, auch über
den 14. Oktober 2004 hinaus die gesetzlichen Leistungen zu erbringen.

Während die SUVA auf Abweisung der Beschwerde schliesst, verzichtet das
Bundesamt für Gesundheit auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:

1.
1.1 Die Beschwerde kann wegen Rechtsverletzung gemäss Art. 95 und Art. 96 BGG
erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art.
106 Abs. 1 BGG). Es ist somit weder an die in der Beschwerde geltend
gemachten Argumente noch an die Erwägungen der Vorinstanz gebunden; es kann
eine Beschwerde aus einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen und es
kann sie mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden
Begründung abweisen (vgl. BGE 130 III 136 E. 1.4 S. 140). Das Bundesgericht
prüft grundsätzlich nur die geltend gemachten Rügen; es ist nicht gehalten,
wie eine erstinstanzliche Behörde alle sich stellenden rechtlichen Fragen zu
prüfen, wenn diese vor Bundesgericht nicht mehr vorgetragen wurden. Es kann
die Verletzung von Grundrechten und von kantonalem und interkantonalem Recht
nur insofern prüfen, als eine solche Rüge in der Beschwerde vorgebracht und
begründet worden ist (Art. 106 Abs. 2 BGG).

1.2 Im Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von
Geldleistungen der Militär- oder Unfallversicherung ist das Bundesgericht
nicht an die vorinstanzliche Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts
gebunden (Art. 97 Abs. 2 und Art. 105 Abs. 3 BGG).

2.
Die Zusprechung von Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung setzt
grundsätzlich das Vorliegen eines Berufsunfalles, eines Nichtberufsunfalles
oder einer Berufskrankheit voraus (Art. 6 Abs. 1 UVG). Wie die Vorinstanz
zutreffend erwogen hat, haftet der Unfallversicherer für einen
Gesundheitsschaden jedoch nur insoweit, als dieser nicht nur in einem
natürlichen, sondern auch in einem adäquaten Kausalzusammenhang zu einem
versicherten Ereignis steht (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181).

3.
Es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin am Abend des 11. April 2004
einen Autounfall erlitten hat, in deren Folge sie in der Zeit vom 12. April
bis zum 18. April 2004 ihre Arbeit vollständig, zwischen dem 19. April und
dem 21. April 2004 teilzeitlich niederlegen musste. Ebenfalls ist
unbestritten, dass die Versicherte zwischen dem 22. April und dem 13. Oktober
2004 vollzeitlich arbeitsfähig war. Streitig und zu prüfen ist hingegen, ob
die Beschwerden, welche ab dem  5. Oktober 2004 auftraten und ab dem 14.
Oktober 2004 zu einer erneuten Arbeitsunfähigkeit führten, als Folgen des
Unfallereignisses vom 11. April 2004 anzusehen sind.

4.
4.1 Gemäss der Erklärung der Beschwerdeführerin gegenüber dem
Schadenspezialisten der SUVA vom 20. Mai 2005 nahmen die Beschwerden in den
ersten Tagen nach dem Unfall vom 11. April 2004 zu, so dass sie am 14. April
2004 das Medical Center des Flughafens aufsuchte. Nach dem Einsetzen der
medizinischen Behandlung bildeten sich die Beschwerden schnell zurück, so
dass sie nach etwa zehn Tagen ihre Tätigkeit als Angestellte wieder aufnehmen
und die Behandlung abgeschlossen werden konnte. Innerhalb kurzer Zeit habe
sie eine praktische Beschwerdefreiheit erreicht; in den folgenden Monaten
bestanden keine eingeschränkte Kopfbeweglichkeit, keine Nackenbeschwerden und
keine Gefühlsstörungen in Arm und Finger mehr. Die Versicherte vermochte sich
auch nicht an vermehrte Kopfschmerzen zu erinnern. Auch in der
Rückfallmeldung vom 4. November 2004 liess sie erklären, dass sie am 5.
Oktober 2004 erstmals wieder Schmerzen verspürt habe. Somit ist für die Zeit
zwischen Ende April und dem 4. Oktober 2004 von einer Beschwerdefreiheit
auszugehen. Daraus folgt, dass die Unfallversicherung für die nach dem 5.
Oktober 2004 aufgetretenen Beschwerden nur dann haftet, wenn diese als
Rückfall zu qualifizieren sind.

4.2  Als Rückfall wird ein Wiederaufflackern vermeintlicher ausgeheilter
Beschwerden, welche zu Arbeitunfähigkeit führen oder zu medizinischer
Behandlung Anlass geben, bezeichnet (RKUV 1997 Nr. 275     S. 188 E. 1c [U
93/96]). Wie die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, besteht eine
Leistungspflicht der Unfallversicherung indessen nur dann, wenn zwischen den
erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten
Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher und adäquater
Kausalzusammenhang besteht (BGE 118 V 293 E. 2c 296).

4.3 Die Unfallkausalität der nach dem 5. Oktober 2004 aufgetretenen
Beschwerden wird von den medizinischen Fachpersonen kontrovers beurteilt:
Während der SUVA-Arzt Dr. med. Y.________ (Facharzt für Neurologie und
Psychiatrie) ein Kausalzusammenhang für möglich, nicht aber für überwiegend
wahrscheinlich hält, sind die übrigen beteiligten Fachpersonen der Ansicht,
die Unfallkausalität sei zu bejahen.

4.3.1 Dr. med. T.________ (Neurologie FMH) führt in seinem Bericht vom 29.
Mai 2006 die Cervicobrachialgien und die ulnaren Handparästhesien auf die im
MRI nachgewiesene und seiner Meinung nach unfallkausale Diskushernie C7/Th1
zurück. Wie Dr. med. Y.________ in seiner neurologischen Beurteilung vom 9.
Oktober 2006 festhält, kann diese Diskushernie jedoch nicht als durch den
Unfall ausgelöst betrachtet werden. Tatsächlich entspricht es einer
medizinischen Erfahrungstatsache im Bereich des Unfallversicherungsrechts,
dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer
Bandscheibenveränderungen entstehen und der Unfall nur ausnahmsweise, unter
besonderen Voraussetzungen - welche vorliegend nicht erfüllt sind - als
eigentliche Ursache in Betracht fällt (RKUV 2000 Nr. U 379 S. 192 E. 2a [U
138/99]). Soweit die Beschwerden auf die Diskushernie zurückzuführen sind,
sind sie somit degenerativer Genese und nicht auf den Unfall zurückzuführen.

4.3.2 Zu beachten ist ferner Folgendes: Die muskuläre Dysbalance im Bereich
von Nacken und Schulter und ihre typischen Folgen (wie Instabilität und
Hypomobilität der Halswirbelsäule, Spannungskopfschmerzen) sind - auch unter
jüngeren Personen - überaus weitverbreitet, dies speziell als Folge sitzender
Tätigkeiten ohne Wechselbelastung. Die latente Gegenwart einer solchen
alternativen Ätiologie des Zervikalsyndroms stellt - in Verbindung mit der im
Einzelfall fehlenden Objektivierbarkeit unfallspezifischer Verletzungen - den
Kausalzusammenhang mit einem Unfall, welcher den Zervikalbereich in
Mitleidenschaft zieht, zunehmend in Frage, sobald dieser infolge wachsender
zeitlicher Distanz nicht mehr als dominanter Grund oder zumindest als
auslösender Faktor erscheint (Urteil U 344/03 vom       9. Dezember 2004, E.
3.2.1 mit weiteren Hinweisen).

Bei Symptomen, die gleich oder ähnlich geartet sind wie ein früheres,
zwischenzeitlich weitgehend abgeklungenes oder verschwundenes Beschwerdebild,
hält sich die kausale Signifikanz des Unfallereignisses beim Fehlen einer
erkennbaren unfallspezifischen Schädigung nur solange, als potentiell
konkurrierenden Ursachen vernünftigerweise keine vorrangige Bedeutung
zugewiesen werden kann. Nachdem eine längerdauernde Beschwerdefreiheit
eingetreten ist, entfällt die Massgeblichkeit des Unfalls mit Bezug auf das
Vorhandensein der gesundheitlichen Beeinträchtigung regelmässig.
Beschwerdefreiheit allein ist freilich nicht grundsätzlich mit dem Erreichen
des Status quo sine gleichzusetzen, ansonsten Rückfälle schon rein
begrifflich ausgeschlossen wären.

4.3.3 Der Heilungsverlauf nach dem Ereignis vom 11. April 2004 war überaus
zufriedenstellend, so dass sich bereits nach kurzer Zeit eine
Beschwerdefreiheit einstellte. Diese dauerte anschliessend mehrere Monate. Da
die Tätigkeit der Versicherten als Angestellte gemäss den Ausführungen von
Dr. med. Y.________ einen Risikofaktor für das spontane Auftreten von Nacken-
oder Schulterschmerzen (und auch von Kopfschmerzen) darstellt, sie bereits
vor dem Unfall an einer Bandscheibenproblematik im Kreuzbereich litt und bei
ihr zudem nachträglich degenerative Veränderungen im Bereich der
Halswirbelsäule nachgewiesen wurden, erscheint ein Kausalzusammenhang
zwischen dem Unfall und den nach dem 5. Oktober 2004 wieder aufgetretenen
Beschwerden zwar als möglich, nicht jedoch als überwiegend wahrscheinlich.

4.4 Fehlt es an einem überwiegend wahrscheinlichen natürlichen
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den geklagten Beschwerden, so hat
die SUVA ihre Leistungspflicht zu Recht abgelehnt.

5.
Die Gerichtskosten sind der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen
(Art. 66 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Sozialversicherungsgericht des Kantons
Zürich und dem Bundesamt für Gesundheit schriftlich mitgeteilt.

Luzern, 22. Februar 2008

Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Ursprung Holzer