Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.510/2007
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
8C_510/2007

Urteil vom 3. Oktober 2008
I. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichter Lustenberger,
Bundesrichterin Leuzinger, Bundesrichter Frésard,
nebenamtlicher Bundesrichter Bühler,
Gerichtsschreiber Jancar.

Parteien
S.________, Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Max Sidler, Untermüli 6, 6302 Zug,

gegen

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA), Fluhmattstrasse 1, 6004
Luzern, Beschwerdegegnerin, vertreten durch Rechtsanwalt Prof. Dr. Walter
Fellmann, Zinggentorstrasse 4, 6006 Luzern.

Gegenstand
Unfallversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Zug
vom 19. Juli 2007.

Sachverhalt:

A.
A.a Die 1946 geborene S.________ war seit 1989 in der Firma Q.________ AG,
einer Unternehmung ihres damaligen Ehegatten, vorwiegend in der administrativen
Geschäftsführung tätig und erledigte zusätzlich auch gewisse manuelle Arbeiten.
Gestützt auf dieses Arbeitsverhältnis war sie bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Betriebs- und
Nichtbetriebsunfällen versichert. Anlässlich eines Marktes am 10. September
1997 griff K.________ ihren damaligen Ehemann tätlich an und drehte S.________
den rechten Arm mit einer ruckartigen Bewegung auf den Rücken, als sie
versuchte, den Angreifer von ihrem Ehemann zu trennen, indem sie sich an den
rechten Arm von K.________ hängte und daran zerrte. Am 11. September 1997 begab
sich S.________ wegen einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung des rechten
Schultergelenkes in ärztliche Behandlung bei ihrem Hausarzt Dr. med.
H.________, Arzt für Allg. Medizin FMH, der in seinem Formularbericht vom 25.
September 1997 die Diagnose einer AC-Gelenksdistorsion rechts stellte, der
Versicherten ab 11. September 1997 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % attestierte
und als Therapie "vorerst Schonung, später Bewegungstherapie" verordnete.
Der Kreisarzt der SUVA, Dr. med. W.________, liess bei Dr. med. H.________ die
Röntgenbilder anfordern und bestellte S.________ zur kreisärztlichen
Untersuchung auf den 3. Oktober 1997 ein. Im Bericht gleichen Datums gab er als
Untersuchungszweck "allgemeine(n) Orientierung" an und hielt anamnestisch u.a.
Folgendes fest:
"Bei Tätlichkeit Retroversionstrauma des rechten Armes im Schultergelenk, mit
Diagnose einer AC-Distorsion rechts Tossy I, gemäss Bericht von Dr. H.________
vom 25.9.97 und heutiger zusätzlicher telefonischer Besprechung, zumal die
Röntgenbilder noch nicht angekommen sind."
1. Die bei der Untersuchung der rechten Schulter erhobenen klinischen Befunde
beschrieb Dr. med. W.________ wie folgt:
"Äusserlich unauffällig. Bei vorsichtiger Untersuchung ist die
Schultermotilität an sich frei. Forcierte Abduktion und Horizontaladduktion
sind dolent, mit Schmerzlokalisation im AC-Gelenk. Hier auch leichte
Druckempfindlichkeit. Klinisch ist das AC-Gelenk stabil, auch beim Zug auf den
rechten Arm im Vergleich zu links gleicher Befund. Neurologie und Trophik am
rechten Arm sind in Ordnung."

1.
Bezüglich der Arbeitsfähigkeit hielt Kreisarzt Dr. med. W.________ in seinem
Bericht vom 3. Oktober 1997 fest, wegen der noch bestehenden,
belastungsabhängigen Beschwerden und unter Berücksichtigung der teilweise
körperlichen Arbeit habe er "mit der Patientin die Wiederaufnahme der Arbeit zu
100 % erst ab dem 13. Oktober 1997 festgelegt".
Am folgenden Tag, Samstag 4. Oktober 1997, konsultierte S.________ wegen nicht
mehr aushaltbaren Schmerzen in der rechten Schulter den Notfallarzt. Dieser
veranlasste eine nochmalige röntgenologische Untersuchung, beurteilte das
Röntgenbild aber als verschwommen, weshalb er die Schulter ruhigstellte und
Schmerzmittel rezeptierte. Der von S.________ in den nächsten Tagen
konsultierte Physiotherapeut lehnte eine Behandlung ab, worauf Hausarzt Dr.
med. H.________ die Versicherte an den orthopädischen Spezialarzt Dr. med.
U.________ überwies. Dieser diagnostizierte am 14. Oktober 1997 röntgenologisch
eine ausgedehnte, ossäre Bankart-Laesion bzw. eine Glenoidrand-Fraktur und
liess die rechte Schulter von S.________ wegen des Verdachts auf eine Ruptur
der Subscapularissehne in der Orthopädischen Klinik X.________ auch noch
arthro-magnetresonanz- sowie computertomographisch untersuchen. Am 24. Oktober
1997 führte Dr. med. U.________ im Spital und Pflegezentrum eine Arthroskopie
der rechten Schulter sowie eine Schulterstabilisation mit Spanplastik durch.
Wegen anhaltender Schmerzen in der rechten Schulter ventral behandelte Dr. med.
U.________ die Versicherte am 20. August 1998 erneut operativ und nahm
arthroskopisch eine partielle Limbusresektion, eine Teilsynovektomie und eine
Narbenrevision ventral mit Coracoidreduktion vor. Da S.________ in der Folge
weiterhin unter Schmerzen bei Abduktion und Elevation des rechten Armes litt
und nach wiederholten Intervallen von vollständiger Arbeitsunfähigkeit nur noch
eine Teilarbeitsfähigkeit zwischen 50 % und 20 % erreicht werden konnte, wurde
sie am 16. Februar und 2. November 1999 von Prof. Dr. med. G.________, Direktor
und Chefarzt Orthopädie der Orthopädischen Klinik X.________ ein drittes und
viertes Mal operativ behandelt. Nach einer diagnostischen Arthroskopie vom 28.
Januar 2003 empfahl schliesslich PD Dr. med. E.________,
Chefarzt-Stellvertreter an der Universitätsklinik für Orthopädische Chirurgie
des Spitals Y.________, bei Progression der bestehenden Arthrose und Zunahme
der Beschwerden die Implantation einer Schulterprothese rechts. Die
entsprechende Operation führte der Facharzt FMH für Chirurgie Dr. med.
T.________ am 14. September 2004 durch.
A.b Mit Eingabe vom 15. September 1998 hatte S.________ bei der SUVA ein
Begehren auf Leistung von Schadenersatz und Genugtuung stellen lassen, weil
Kreisarzt Dr. med. W.________ die Untersuchung vom 3. Oktober 1997 ohne
vorgängige Konsultation der Röntgenbilder durchgeführt habe. Die SUVA holte
gemeinsam mit dem Bezirksamt, welches gegen Kreisarzt Dr. med. W.________ ein
schliesslich wegen Eintritts der Verfolgungsverjährung mit Verfügung vom 13.
Oktober 2004 eingestelltes Strafverfahren durchführte, bei Prof. Dr. med.
I.________, Leitender Arzt der Abteilung Orthopädie-Traumatologie am Spital
Z.________, ein Gutachten vom 9. Mai 2002 ein. Der Gutachter erstattete dem
Bezirksamt ausserdem zwei Ergänzungsgutachten vom 8. Dezember 2003 und 21.
Januar 2004. Mit Verfügung vom 26. April 2005 wies die SUVA die Schadenersatz-
und Genugtuungsforderung ab.

B.
S.________ liess am 27. Mai 2005 beim Verwaltungsgericht des Kantons Zug
Beschwerde erheben mit den Rechtsbegehren, es sei unter Aufhebung der Verfügung
vom 26. April 2005 festzustellen, dass die SUVA für den anlässlich der
kreisärztlichen Untersuchung vom 3. Oktober 1997 entstandenen Schaden hafte,
und es sei ihr Schadenersatz und Genugtuung nach richterlichem Ermessen
zuzusprechen. Das Verwaltungsgericht des Kantons Zug führte einen doppelten
Schriftenwechsel sowie am 14. Mai 2007 eine öffentliche Verhandlung durch. Mit
Entscheid vom 19. Juli 2007 wies es die Beschwerde ab.

C.
Mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten vom 12. September 2007
lässt S.________ ihr vorinstanzliches Feststellungsbegehren erneuern und
Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Bestimmung von Schadenersatz und
Genugtuung nach richterlichem Ermessen beantragen.
Das kantonale Gericht und die SUVA schliessen auf Abweisung der Beschwerde. Das
Bundesamt für Gesundheit verzichtet auf eine Vernehmlassung. Zur Vernehmlassung
des kantonalen Gerichts liess S.________ am 18. Dezember 2007 eine
Stellungnahme einreichen; hiezu nahm die SUVA am 14. Januar 2008 Stellung.

D.
Mit Verfügungen vom 5./6. Juni 2008 wurde die Beschwerdeführerin aufgefordert,
zum bereits bezahlten Kostenvorschuss von Fr. 500.- bis 23. Juni 2008 einen
solchen von Fr. 14'500.- nachzuzahlen. Innert dieser Frist beantragte die
Beschwerdeführerin die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege.

Erwägungen:

1.
Das Bundesgericht prüft seine Zuständigkeit und die Eintretensvoraussetzungen
von Amtes wegen und mit freier Kognition (Art. 29 Abs. 1 BGG; BGE 134 V 138 E.
1 Ingress S. 140).

1.1 Der angefochtene Entscheid betrifft eine Angelegenheit des öffentlichen
Rechts im Sinne von Art. 82 lit. a BGG (vgl. E. 4 hienach).
1.2
1.2.1 In vermögensrechtlichen Angelegenheiten ist die Beschwerde unzulässig auf
dem Gebiet der Staatshaftung, wenn der Streitwert weniger als 30'000 Franken
beträgt (Art. 85 Abs. 1 lit. a BGG). Der Streitwert bemisst sich bei
Beschwerden gegen Endentscheide nach den Begehren, die vor der Vorinstanz
streitig geblieben waren (Art. 51 Abs. 1 lit. a BGG). Lautet ein Begehren nicht
auf Bezahlung einer bestimmten Geldsumme, so setzt das Bundesgericht den
Streitwert nach Ermessen fest (Art. 51 Abs. 2 BGG).
1.2.2 Vorliegend liegt ein Haftungsfall im Sinne von Art. 85 Abs. 1 lit. a BGG
im Streit (E. 4 hienach; BGE 134 V 138 E. 1.2.2 S. 141 f. mit Hinweisen). Aus
der vorinstanzlichen Beschwerde und dem angefochtenen Entscheid lässt sich ohne
Zweifel entnehmen, dass der Streitwert Fr. 30'000.- übersteigt. Damit ist auf
die Beschwerde einzutreten (vgl. auch BGE 117 IV 270 E. 3b S. 273, 109 II 491
E. 1c/ee S. 493; nicht publ. E. 1 des Urteils BGE 127 IV 215; Urteil 6S.470/
2002 vom 5. Mai 2003, E. 1.2).

2.
Streitgegenstand bilden Schadenersatz- und Genugtuungsansprüche gegenüber der
SUVA für den von einem ihrer Funktionäre der Beschwerdeführerin widerrechtlich
zugefügten Schaden bzw. für die dadurch verursachte immaterielle Unbill. Im
Streit um solche Verantwortlichkeitsansprüche geht es nicht um die Zusprechung
oder Verweigerung von Geldleistungen der Unfallversicherung im Sinne von Art.
97 Abs. 1 BGG (vgl. auch BGE 133 V 14 E. 4 S. 17). Das Bundesgericht hat daher
seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde zu legen, den die Vorinstanz
festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Die vorinstanzliche
Sachverhaltsfeststellung kann nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich
unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht
und wenn die Behebung des Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend
sein kann (Art. 97 Abs. 1 BGG). Mit Bezug auf die zulässigen Sachverhaltsrügen
sind strenge Anforderungen an die Begründungspflicht gerechtfertigt (BGE 133 II
249 E. 1.4.3 S. 255). Es genügt nicht, einen von den tatsächlichen
Feststellungen der Vorinstanz abweichenden Sachverhalt zu behaupten. Vielmehr
ist in der Beschwerdeschrift nach den erwähnten gesetzlichen Erfordernissen
darzulegen, inwiefern die vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellungen unter
Verletzung einer Rechtsnorm im Sinne von Art. 95 BGG zustande gekommen sind und
die Behebung des gerügten Sachverhaltsmangels entscheidrelevant ist. Diese
strengen Begründungsanforderungen gelten namentlich auch dann, wenn die
Beweiswürdigung gerügt wird, auf welcher die vorinstanzlichen
Sachverhaltsfeststellungen beruhen.

3.
3.1 Die SUVA erhebt vor Bundesgericht erneut die Einrede der sachlichen
Unzuständigkeit der Vorinstanz, erneuert aber den dem Fehlen einer
Sachurteilsvoraussetzung entsprechenden Nichteintretensantrag nicht mehr. Sie
macht geltend, intertemporalrechtlich seien die am 3. Oktober 1997, d.h. im
Zeitpunkt der widerrechtlichen Schadenszufügung in Kraft gewesenen
Zuständigkeits- und Verfahrensbestimmungen des Bundesgesetzes über die
Verantwortlichkeit des Bundes sowie seiner Behördenmitglieder und Beamten
(Verantwortlichkeitsgesetz, VG) vom 14. März 1958 (SR 170.32) massgebend.
Danach hätte die Beschwerde vom 27. Mai 2005 gegen die Verfügung der SUVA vom
26. April 2005 bei der damals noch zuständigen Eidgenössischen Rekurskommission
erhoben werden müssen. Hingegen seien die Zuständigkeits- und
Verfahrensbestimmungen von Art. 78 Abs. 2 und 4 des am 1. Januar 2003 in Kraft
getretenen Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 (SR 830.1) nicht
anwendbar, weil sich diese auf die Verantwortlichkeitsansprüche nach Art. 78
Abs. 1 ATSG und damit eine Haftungsnorm des materiellen Rechts bezögen.

3.2 Das kantonale Gericht ist von der allgemeinen intertemporalrechtlichen
Regel ausgegangen, wonach neue Verfahrensbestimmungen unter Vorbehalt
abweichender Übergangsbestimmungen mit dem Tag ihres Inkrafttretens in der
Regel sofort und in vollem Umfang anwendbar sind (BGE 131 V 314 E. 3.3 S. 316
mit Hinweisen). Diese Regel greife unabhängig davon Platz, dass
materiellrechtlich nach Rechtsprechung und Lehre diejenigen Rechtssätze
massgebend sind, die im Zeitpunkt der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden
Tatbestandes Geltung haben (BGE 129 V 167 E. 1 S. 169 und E. 5 S. 175, 127 V
466 E. 1 S. 467 mit Hinweisen).

3.3 Der vorinstanzlichen Rechtsauffassung ist beizupflichten, weil der
Grundsatz der sofortigen Anwendbarkeit von neuem Verfahrensrecht auf der
relativen Wertneutralität des Prozessrechts beruht und jedenfalls dann
zweckmässig sowie geboten erscheint, wenn mit dem neuen Recht keine grundlegend
neue Verfahrensordnung geschaffen wird, mithin zwischen neuem und altem Recht
eine Kontinuität des verfahrensrechtlichen Systems besteht (vgl. BGE 132 V 93
E. 2.2 S. 96, 112 V 356 E. 4a S. 360; Kölz, Intertemporales Verwaltungsrecht,
ZSR 1983, 2. Halbband, S. 222). Das trifft im vorliegenden Fall zu. Indem Art.
78 Abs. 2 ATSG die zuständige Behörde verpflichtet, über streitige
"Ersatzforderungen" mittels Verfügung zu entscheiden und Art. 78 Abs. 4 Satz 1
ATSG für das Beschwerdeverfahren auf die entsprechenden Bestimmungen des ATSG
(Art. 56-62) verweist, knüpfen die neuen, am 1. Januar 2003 in Kraft getretenen
Verfahrens- und Zuständigkeitsbestimmungen von Art. 78 ATSG an die allgemeine
Verfahrensregelung in Art. 10 Abs. 1 VG an. Für das
sozialversicherungsrechtliche Haftungsrecht wurde somit mit dem ATSG keine
grundlegend neue Verfahrens- und Zuständigkeitsordnung geschaffen, weshalb sich
die Vorinstanz gestützt auf Art. 78 Abs. 4 Satz 1 in Verbindung mit Art. 57 und
Art. 58 Abs. 1 ATSG zu Recht als sachlich zuständig erachtet hat.

4.
4.1
4.1.1 Materiellrechtlich ist die Vorinstanz davon ausgegangen, dass Art. 19
Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 3-6 VG und nicht die am 1. Januar 2003 in
Kraft getretene Bestimmung von Art. 78 Abs. 1 ATSG die für den Schadenersatz-
und Genugtuungsanspruch der Beschwerdeführerin intertemporalrechtlich
massgebende materiellrechtliche Haftungsgrundlage bildet. Danach haften die mit
öffentlich-rechtlichen Aufgaben des Bundes betrauten Organisationen für den
Schaden, den eines ihrer Organe oder einer ihrer Angestellten in Ausübung der
mit diesen Aufgaben verbundenen Tätigkeiten einem Dritten zufügt (Art. 19 Abs.
1 lit. a in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1 VG). Bei Tötung eines Menschen oder
Körperverletzung kann die zuständige Behörde unter Würdigung der besonderen
Umstände dem Verletzten oder den Angehörigen des Getöteten ausserdem eine
angemessene Geldsumme als Genugtuung zusprechen, sofern den Beamten ein
Verschulden trifft (Art. 6 Abs. 1 VG).
4.1.2 Art. 3 Abs. 2 VG hält fest, dass die Haftung des Bundes (bzw. seiner
Organisationen) bei Tatbeständen, die unter die Haftpflichtbestimmungen anderer
Erlasse fallen, sich nach jenen besonderen Bestimmungen richtet. Derartige
besondere Entschädigungsregelungen sind ausschliesslich und abschliessend; sie
verdrängen in ihrem Anwendungsbereich die betreffende allgemeine Regelung des
Verantwortlichkeitsgesetzes. Dieses kommt auch nicht etwa ergänzend zur
Anwendung; es kann demnach nicht als Auffangregelung angerufen werden, wenn
eine Spezialhaftungsordnung für bestimmte Schäden keinen oder keinen
vollständigen Ersatz vorsieht. Das Verantwortlichkeitsgesetz steht im
Verhältnis zu den besonderen Entschädigungsregelungen auf dem Boden der
sogenannten exklusiven Gesetzeskonkurrenz und ist in diesem Sinne subsidiär
(BGE 133 V 14 E. 5 S. 17, in BGE 129 V 394 E. 4 S. 394 f. summarisch
publizierte E. 4.1 des Urteils vom 17. Juli 2003, K 86/2001; Urteil 5A.27/1999
vom 18. Februar 2000, E. 3a; BGE 115 II 237 E. 2a S. 242 f. mit weiteren
Hinweisen, namentlich auf die Entstehungsgeschichte von Art. 3 Abs. 2 VG).
Entscheidend für die Anwendung des Verantwortlichkeitsgesetzes ist demzufolge,
ob ein Tatbestand vorliegt, der unter eine Haftpflichtbestimmung eines anderen
Erlasses fällt. Im vorliegenden Fall kommt als solcher insbesondere das
Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 (SR 832.20) in
Betracht.
4.2
4.2.1 Gemäss Art. 6 Abs. 3 UVG hat der obligatorische Unfallversicherer seine
Leistungen auch für Schädigungen zu erbringen, die dem Verunfallten bei einer
Heilbehandlung (Art. 10 UVG) zugefügt werden. Ferner bestimmt Art. 10 UVV, dass
der Versicherer seine Leistungen auch für Körperschädigungen erbringt, welche
der Versicherte durch von ihm angeordnete oder sonst wie notwendig gewordene
medizinische Abklärungsmassnahmen erleidet. Diese Haftung erstreckt sich auch
auf Gesundheitsschädigungen, die auf Behandlungsmassnahmen im Anschluss an
einen Unfall zurückzuführen sind. Es muss weder ein Behandlungsfehler vorliegen
noch der Unfallbegriff erfüllt noch ein Kunstfehler oder auch nur objektiv eine
Verletzung der ärztlichen Sorgfaltspflicht gegeben sein. Der Unfallversicherer
hat aber nur für Schädigungen aufzukommen, die in einem natürlichen und adäquat
kausalen Zusammenhang mit den durch den versicherten Unfall erfolgten
Heilbehandlungen und medizinischen Abklärungsuntersuchungen stehen (BGE 128 V
169 E. 1c S. 172 mit Hinweisen).
4.2.2 Nach dem Wortlaut von Art. 6 Abs. 3 UVG und Art. 10 UVV sind unter den zu
erbringenden "Leistungen" sowie nach der systematischen Einordnung und dem
Zweck dieser beiden Bestimmungen nur die im dritten Teil des
Unfallversicherungsgesetzes und der Verordnung dazu (Art. 10-50 UVG/Art. 15-66
UVV) geregelten Versicherungsleistungen zu verstehen. Die Leistung von
Schadenersatz oder Genugtuung für einen Schaden (oder immaterielle Unbill), der
einem Versicherten im Anschluss an einen Unfall im Zuge von Heilbehandlungen
oder der Durchführung von Abklärungsmassnahmen zugefügt wird, wird demgegenüber
von Art. 6 Abs. 3 UVG und Art. 10 UVV nicht erfasst. Ebenso wenig schliessen
diese unfallversicherungsrechtlichen Bestimmungen weitergehende, die
Versicherungsleistungen übersteigende Ersatzansprüche aus (Maurer,
Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, Bern 1985, S. 259; Bühlmann, Die
rechtliche Stellung der Medizinalpersonen im Bundesgesetz über die
Unfallversicherung vom 20. März 1981, Diss. Bern 1985, S. 198). Da im
vorliegenden Fall Haftpflichtansprüche streitig sind, welche über die
Versicherungsleistungen der SUVA für die Folgen des Unfalles der
Beschwerdeführerin vom 10. September 1997 hinausgehen, hat das kantonale
Gericht somit zutreffend Art. 19 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1
und Art. 6 Abs. 1 VG als massgebende materiellrechtliche Haftungsgrundlage
erachtet.

5.
5.1 Die Haftung der mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben des Bundes betrauten
und ausserhalb der ordentlichen Bundesverwaltung stehenden Organisationen
gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1 VG für den von
einem ihrer Organe oder ihrer Angestellten einem Dritten zugefügten Schaden ist
eine Kausalhaftung, die kein Verschulden auf Seiten des betreffenden Organs
oder eines Angestellten voraussetzt. Für den Anspruch auf Schadenersatz genügt
es demgemäss, dass die drei Haftungsvoraussetzungen eines Schadens, eines
widerrechtlichen Verhaltens und des natürlichen sowie adäquaten
Kausalzusammenhanges zwischen dem Schaden und dem widerrechtlichen Verhalten
erfüllt sind.

5.2 Die Vorinstanz hat von diesen drei Haftungsvoraussetzungen diejenige des
Vorliegens eines Schadens in Form einer Körperverletzung und eines natürlichen
sowie adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dieser und dem Verhalten von
Kreisarzt Dr. med. W.________ anlässlich der Untersuchung der
Beschwerdeführerin vom 3. Oktober 1997 bejaht, hingegen die Widerrechtlichkeit
der fraglichen Untersuchungshandlungen verneint. Die Beschwerdeführerin ficht
das vorinstanzliche Urteil im letzteren Punkt an, währenddem die SUVA
bestreitet, dass die beiden ersteren Haftungsvoraussetzungen erfüllt seien. Es
sind somit alle drei Haftungserfordernisse zu prüfen.

6.
6.1 Die Frage, ob ein Schaden in Form einer Körperverletzung vorliegt, welcher
der Beschwerdeführerin anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 3.
Oktober 1997 zugefügt wurde, hat das kantonale Gericht zwar systematisch nicht
getrennt behandelt, sondern mit der Prüfung der Kausalitätsfrage verbunden. In
der Sache hat das kantonale Gericht aber die Tatfrage, ob und welcher Schaden
anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 3. Oktober 1997 verursacht
worden ist, bejaht. Im Einzelnen hat es dargelegt, aus dem Gutachten von Prof.
Dr. med. I.________ vom 9. Mai 2002 und dem Bericht von Dr. med. T.________,
Facharzt FMH für Chirurgie, an das Untersuchungsrichteramt vom 28. November
2003 gehe übereinstimmend hervor, dass die Glenoidrandfraktur in der rechten
Schulter der Beschwerdeführerin beim Unfallereignis vom 10. September 1997
entstanden sei und diese Fraktur auf dem vom Hausarzt Dr. med. H.________ am
11. September 1997 angefertigten Röntgenbild erkennbar gewesen sei. Prof. Dr.
med. I.________ habe ausserdem ausführlich und nachvollziehbar dargelegt, dass
der Beschwerdeführerin ebenfalls bereits am 10. September 1997 eine
Subscapularis-Abriss-Verletzung mit gleichzeitiger Schädigung der passiven
ventro-caudalen Haltestrukturen der rechten Schulter zugefügt worden sei.
Ebenfalls schlüssig und gut nachvollziehbar sei die Argumentation des
Gutachters sowie die von ihm im zweiten Ergänzungsgutachten vom 21. Januar 2004
gezogene und von Dr. med. K.________, Spezialarzt für Orthopädie FMH, bereits
am 21. Mai 1999 bestätigte Schlussfolgerung, dass die vorbestehende
Schulterverletzung durch die forcierten Untersuchungsmanöver anlässlich der
kreisärztlichen Untersuchung vom 3. Oktober 1997 zu einer schweren
Retraumatisierung mit signifikanter Schädigung der in Abheilung begriffenen
Strukturen geführt habe und damit die initial bestehende Schulterverletzung
zumindest richtungsweisend verschlimmert worden sei. Es sei mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass das nachfolgend bei der
Beschwerdeführerin bestehende invalidisierende Schmerzsyndrom mit
Funktionsverlust der rechten Schulter im Alltag und Beruf durch die
Retraumatisierung vom 3. Oktober 1997 verursacht worden sei.

6.2 An diese Sachverhaltsfeststellungen ist das Bundesgericht - unter den
dargelegten Vorbehalten (E. 2 hievor) - gebunden. Mit dem, was die
Beschwerdegegnerin dagegen vorbringen lässt, vermag sie namentlich die
offensichtliche Unrichtigkeit der vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellungen
in keiner Weise darzutun.
Im Wesentlichen macht die Beschwerdegegnerin geltend, der erste Operateur Dr.
med. U.________ habe aufgrund der röntgenologischen Untersuchung vom 14.
Oktober 1997 eine Ruptur der Subscapularissehne nur für möglich erachtet, dann
aber in seinem Operationsbericht vom 27. Oktober 1997 eine intakte
Subscapularissehne festgehalten. Ferner habe die Vorinstanz nicht
berücksichtigt, dass der Hausarzt Dr. med. H.________ der Beschwerdeführerin
nach dem Ereignis vom 10. September 1997 Bewegungstherapie verordnet habe und
sie bis zum 3. Oktober 1997 sechs Mal physiotherapeutisch behandelt worden sei.
Dabei seien unzählige passive Bewegungen der rechten Schulter durchgeführt
worden. Die Dislokation der Glenoidrandfraktur sei daher nicht durch die
kreisärztliche Untersuchung vom 3. Oktober 1997 verursacht worden. Ebenso wenig
habe eine Subscapularis-Verletzung vorgelegen, die von Kreisarzt Dr. med.
W.________ am 3. Oktober 1997 hätte retraumatisiert werden können.
Mit diesen Vorbringen macht die Beschwerdegegnerin zwei isolierte einzelne
medizinische Aktenstücke zur alleinigen und ausschlaggebenden Grundlage ihrer
eigenen Beweiswürdigung, welche sie derjenigen des kantonalen Gerichts
gegenüberstellt. Letztere beruht auf einer einlässlichen und sorgfältigen
Auseinandersetzung mit dem gesamten medizinischen Aktenmaterial. Im Rahmen
dieser Gesamtwürdigung hat die Vorinstanz im Einzelnen dargelegt, weshalb sie
auf die medizinischen Auffassungen und Schlussfolgerungen des Gutachters Prof.
Dr. med. I.________ sowie der Spezialärzte Dr. med. T.________ und Dr. med.
K.________ abgestellt hat. Für die Rüge einer offensichtlich unrichtigen
Sachverhaltsfeststellung (Art. 97 Abs. 1 BGG) genügt es nicht, gestützt auf
einzelne aus dem Zusammenhang gerissene Aktenstellen einen von den
tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz abweichenden Sachverhalt zu
behaupten.

In Übereinstimmung mit den vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellungen ist
somit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin anlässlich der
kreisärztlichen Untersuchung vom 3. Oktober 1997 eine Körperverletzung durch
eine schwere Retraumatisierung mit signifikanter Schädigung der in Abheilung
begriffenen Strukturen der rechten Schulter und damit eine zumindest
richtungsweisende Verschlimmerung der vorbestehenden Schulterverletzung
zugefügt worden ist.

7.
7.1 Die Frage der Widerrechtlichkeit hat das kantonale Gericht zutreffend nach
Massgabe des objektiven Widerrechtlichkeitsbegriffs (sog. Erfolgsunrecht)
geprüft. Danach gilt jede Verletzung eines absoluten Rechts wie der
körperlichen Integrität grundsätzlich als rechtswidrig. Eine Körperverletzung
stellt demnach grundsätzlich auch dann eine Rechtswidrigkeit dar, wenn keine
Amts- oder Dienstpflicht verletzt worden ist (BGE 123 II 577 E. 4d/bb S. 581
f., 120 Ib 411 E. 4a S. 414 je mit Hinweisen).
7.2
7.2.1 Die Vorinstanz hat ferner richtig festgehalten, dass beim ärztlichen
Eingriff in die körperliche Integrität eines Patienten in der Regel der
Rechtfertigungsgrund einer Einwilligung (des aufgeklärten Patienten) vorliegt
(BGE 123 II 577 E. 4d/ee S. 583 mit Hinweisen). Indessen deckt die tatsächliche
oder hypothetische Einwilligung des Patienten bloss den nach den Regeln der
ärztlichen Kunst vorgenommenen Eingriff ab, nicht aber den unsorgfältigen.
Insofern erlangt das Verhaltensunrecht (subjektiver Widerrechtlichkeitsbegriff)
auch bei der Verletzung absolut geschützter Rechtsgüter wie der körperlichen
Integrität Bedeutung, wenn das Erfolgsunrecht in einer Sonderbeziehung durch
einen Rechtfertigungsgrund nur teilweise gedeckt ist. Eine Haftung des Staates
oder der mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben betrauten Organisationen kann sich
insoweit nur dann ergeben, wenn die ärztliche Behandlung unsorgfältig erfolgte
(BGE 123 II 577 E. 4d/ee S. 583; Hausheer, Unsorgfältige ärztliche Behandlung,
in: Münch/Geiser [Hrsg.], Handbücher für die Anwaltspraxis V,
Schaden-Haftung-Versicherung, Basel e.a. 1999, § 15 Rz. 15.73; Kuhn, Arzt und
Haftung aus Kunst- bzw. Behandlungsfehlern, in: Kuhn/Poledna [Hrsg.], Arztrecht
in der Praxis, 2. Aufl. Zürich 2007, 12. Kap. S. 619; Fellmann, Arzt und das
Rechtsverhältnis zum Patienten, in: Kuhn/ Poledna [Hrsg.], a.a.O., 3. Kap. S.
164 in Verbindung mit S. 120).
7.2.2 Die Anforderungen an die ärztliche Sorgfaltspflicht - welche objektiv zu
verstehen und vom Verschulden zu trennen ist - lassen sich nicht
allgemeingültig festlegen. Sie richten sich vielmehr nach den Umständen des
Einzelfalles, namentlich nach der Art des Eingriffs oder der Behandlung, den
damit verbundenen Risiken, dem Beurteilungs- und Bewertungsspielraum, der dem
Arzt zusteht, sowie den Mitteln und der Dringlichkeit der medizinischen
Massnahme. Die Haftung des Arztes beschränkt sich dabei nicht auf grobe
Verstösse gegen die Regeln der ärztlichen Kunst. Vielmehr hat er Kranke stets
fachgerecht zu behandeln, zum Schutze ihres Lebens oder ihrer Gesundheit
insbesondere die nach den Umständen gebotene und zumutbare Sorgfalt zu
beachten, grundsätzlich folglich für jede Pflichtverletzung einzustehen (BGE
130 IV 7 E. 3.3 S. 11, 120 Ib 411 E. 4a S. 413, 120 II 248 E. 2c S. 249 f., je
mit Hinweisen).
7.3
7.3.1 Zu beachten ist ferner, dass die Staatshaftung und die Haftung von mit
öffentlich-rechtlichen Aufgaben betrauten Organisationen eine
Amtspflichtverletzung voraussetzt, falls die Widerrechtlichkeit aus einer
Unterlassung hergeleitet wird. Denn für Schädigungen infolge einer Unterlassung
kann sich eine Haftpflicht nicht aus einer natürlichen Kausalität ergeben,
sondern nur dadurch, dass eine Garantenpflicht verletzt worden ist. Eine solche
kann aber nur durch rechtliche Vorschriften begründet werden (BGE 133 V 14 E.
8.1 S. 19, 126 III 113 E. 2a S. 114/115, 123 II 577 E. 4d/ff S. 583, 118 II 502
E. 3 S. 506/507, 115 II 15 E. 3b und c S. 19 f. mit weiteren Hinweisen; Urteil
9C_92/2007 vom 30. April 2008, E. 1.4, zitiert in Plädoyer 2008/4 S. 68; Urteil
2A.402/2000 vom 23. August 2001, E. 2c).
7.3.2 Für den Bereich der obligatorischen Unfallversicherung bestimmt Art. 48
Abs. 1 UVG, dass der Versicherer "unter angemessener Rücksichtnahme auf den
Versicherten und seine Angehörigen die nötigen Anordnungen zur zweckmässigen
Behandlung des Versicherten treffen" kann. Art. 61 Abs. 3 UVV in der hier
massgebenden, bis zum Inkrafttreten des ATSG am 1. Januar 2003 gültigen Fassung
deklarierte zudem unter dem Marginale "Zumutbare Behandlung oder
Eingliederungsmassnahme" jene "Behandlungen..., die eine Gefahr für Leib und
Gesundheit darstellen", als nicht zumutbar. Sowohl das Gebot der Rücksichtnahme
auf den Versicherten (Art. 48 Abs. 1 UVG) als auch der Grundsatz, dass nur
zumutbare Behandlungen angeordnet werden dürfen (Art. 61 Abs. 2 UVV in der bis
31. Dezember 2002 in Kraft gewesenen Fassung), gelten auch dann, wenn der
obligatorische Unfallversicherer eine Untersuchung durch eigene Ärzte anordnet.
Auch die versicherungsinternen Ärzte dürfen nur diagnostische Mittel einsetzen,
die zumutbar, d.h. beinahe ungefährlich sind und nicht übermässige Schmerzen
verursachen (Maurer, a.a.O., S. 302). Die damit gesetzlich festgelegte
Garantenpflicht der versicherungsinternen Ärzte ist daher auch dann verletzt,
wenn ein Arzt von mehreren diagnostischen Mitteln vorerst nicht das praktisch
schmerzfrei zu beschaffende oder jedenfalls schmerzlos auswertbare
Diagnosemittel wie z.B. Röntgenaufnahmen wählt, sondern die Untersuchung eines
Versicherten sogleich nach einer je nach den Umständen schmerzhaften oder
riskanteren (z.B. invasiven oder klinischen) Methode durchführt.
7.4
7.4.1 Mit Bezug auf die Überprüfungsbefugnis des Bundesgerichtes ist
festzuhalten, dass die Frage, welche Anforderungen an die Sorgfaltspflicht des
Arztes zu stellen sind, Rechtsfrage ist. Das gilt selbst dann, wenn bei Prüfung
dieser Frage, wie bei der Arzthaftpflicht, die Regeln eines bestimmten Berufes
mitzuberücksichtigen sind und der Richter eines Sachverständigen bedarf, um
sich über die Voraussetzungen der Haftung die notwendigen Aufschlüsse zu
verschaffen. Auch in diesem Fall ist es nicht Sache des Experten, Rechtsfragen
abschliessend zu beantworten (BGE 113 II 429 E. 3a S. 431 f., 108 II 422 E. 2b
S. 425 f. mit weiteren Hinweisen).
7.4.2 Der äussere Ablauf der Geschehnisse und das konkrete Verhalten des
verantwortlichen Arztes ist demgegenüber Tatfrage und gehört zum Beweisthema
des Geschädigten, welcher auch die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen hat
(BGE 120 Ib 411 E. 4a in fine S. 414, 115 Ib 175 E. 2b S. 181 mit weiteren
Hinweisen; Walter, Tat- und Rechtsfragen, in: Fellmann/Weber [Hrsg.], Der
Haftpflichtprozess Tücken der gerichtlichen Schadenerledigung, Zürich 2006, S.
18; Hausheer, a.a.O., § 15 Rz. 15.80). Das Bundesgericht hat ferner
entschieden, dass der Arzt, soweit die Möglichkeit von negativen Auswirkungen
einer ärztlichen Behandlung erkennbar ist, alle Vorkehren treffen muss, um
deren Eintritt zu verhindern. Deren Eintritt begründet dann eine tatsächliche
Vermutung, dass nicht alle Vorkehren getroffen worden sind und somit eine
objektive Sorgfaltspflichtverletzung vorliegt. Diese Vermutung dient der
Beweiserleichterung, hat aber keine Umkehr der Beweislast zur Folge (BGE 120 II
248 E. 2c S. 250).
7.4.3 Rechtsfrage ist schliesslich, ob und in welchem Umfang den Arzt eine
Garantenpflicht trifft, wenn die Rechtswidrigkeit einer Unterlassung im Streit
liegt (Walter, a.a.O., S. 18).
7.5
7.5.1 Das kantonale Gericht hat eine Verletzung der ärztlichen Sorgfaltspflicht
und damit die Widerrechtlichkeit der von Kreisarzt Dr. med. W.________ am 3.
Oktober 1997 durchgeführten Untersuchung im Wesentlichen mit folgender
Begründung verneint:
Aufgrund der vorhandenen medizinischen Unterlagen könne nicht bereits aus der
Art und Weise, wie Dr. med. W.________ die klinische Funktionsprüfung der
rechten Schulter der Beschwerdeführerin durchgeführt habe, eine
Sorgfaltspflichtverletzung abgeleitet werden. Gestützt auf das Gutachten von
Prof. Dr. med. I.________ sei zwar davon auszugehen, dass Kreisarzt Dr. med.
W.________ hätte erkennen können, dass bereits beim ursprünglichen Ereignis vom
10. September 1997 ein ossärer Pfannenrand-Ausriss entstanden sei, wenn ihm die
Röntgenaufnahme von Dr. med. H.________ vom 11. September 1997 vorgelegen oder
wenn er vor der (klinischen) Untersuchung vom 3. Oktober 1997 eigene
Röntgenaufnahmen angefertigt hätte. Indessen habe Dr. med. W.________ nicht
damit rechnen müssen, dass der Hausarzt Dr. med. H.________ die auf dem
Röntgenbild erkennbare Bankart-Läsion nicht erkannt hatte. Da sich der genaue
ursprüngliche Unfallhergang auch im Nachhinein nicht mehr eindeutig habe
nachvollziehen lassen, habe Dr. med. W.________ auch nicht zwingend von einem
Retroversionstrauma ausgehen müssen, sodass die hausärztliche Diagnose einer
AC-Gelenksdistorsion zumindest ebenso begründet gewesen sei wie diejenige einer
schwereren Schulterverletzung. Es könne daher Dr. med. W.________ nicht zum
Vorwurf gemacht werden, dass er sich primär an der zuvor vom Hausarzt
gestellten Diagnose orientiert habe, welche durch den bisherigen Heilverlauf
jedenfalls nicht widerlegt gewesen sei. Ebenfalls nicht entscheidend sei, dass
die Röntgenaufnahmen vom 11. September 1997 Kreisarzt Dr. med. W.________
selbst bei seiner Untersuchung vom 3. Oktober 1997 noch nicht vorgelegen
hätten. Es liege im pflichtgemässen Ermessen des Arztes, ob er sich auf die
Beurteilung von Röntgenbildern durch einen andern Arzt verlassen könne, ob er
die betreffenden Bilder selbst sehen und beurteilen oder ob er eigene
Röntgenbilder anfertigen wolle. Da Dr. med. W.________ die Diagnose einer
Distorsion des AC-Gelenkes (Tossy I) aufgrund des bisherigen Verlaufes durchaus
als zutreffend habe erachten dürfen, diese Verletzung aber auf einem
Röntgenbild gar nicht zur Darstellung gelange, sei der Entscheid, sich auf die
Beurteilung des Röntgenbefundes durch Dr. med. H.________ zu verlassen,
jedenfalls vertretbar gewesen. Auch der Gutachter Prof. Dr. med. I.________
habe dieses Vorgehen nicht als Verletzung der ärztlichen Kunst bezeichnet.
7.5.2 Was zunächst die Beantwortung der Frage nach dem Vorliegen eines
Kunstfehlers durch den Gutachter Prof. Dr. med. I.________ betrifft, hat die
Vorinstanz nicht beachtet, dass dem Gutachter damit eine Rechtsfrage
unterbreitet wurde (vorne E. 7.4.1). Deren Beurteilung ist ausschliesslich
Sache des Gerichts, weshalb es der diesbezüglichen Stellungnahme des Gutachters
keine ausschlaggebende Bedeutung beimessen darf.
7.5.3 Sodann hat das kantonale Gericht in seiner Widerrechtlichkeitsbeurteilung
unberücksichtigt gelassen, dass der Massstab an die ärztliche Sorgfalt
unterschiedlich ist, je nachdem ob es um die diagnostischen und therapeutischen
Mittel geht, die einem Allgemeinpraktiker oder einem Spezialarzt zur Verfügung
stehen (Hausheer, a.a.O., § 15 Rz. 15.19). Sorgfalt und Können eines Arztes
bemessen sich beim Facharzt anders als beim Allgemeinmediziner. Verfügt ein
Arzt über den allgemein üblichen Standard hinaus über medizinische
Spezialkenntnisse, so hat er sie auch zugunsten seines Patienten einzusetzen
(Laufs, Arztrecht, 5. Aufl. München 1993, S. 273 Rz. 474; Laufs/Uhlenbruck,
Handbuch des Arztrechts, 3. Aufl. München 2002, § 99 Rz. 11 und 15;
Katzenmaier, Arzthaftung, Tübingen 2002, S. 283 mit Hinweisen auf in NJW 1988,
1511, NJW 1989, 2321 und NJW 1994, 1596 publizierte BGH-Urteile). Das gilt
insbesondere auch für die versicherungsinternen Ärzte der obligatorischen
Unfallversicherer, die der dargelegten gesetzlichen Garantenpflicht unterstehen
(vorne E. 7.3.2).
7.5.4 Die Kreisärzte der SUVA sind nach ihrer Funktion und beruflichen Stellung
Fachärzte im Bereich der Unfallmedizin. Da sie ausschliesslich Unfallpatienten,
unfallähnliche Körperschädigungen und Berufskrankheiten diagnostisch beurteilen
und therapeutisch begleiten, verfügen sie über besonders ausgeprägte
traumatologische Kenntnisse und Erfahrungen. Im Verhältnis zu den
Allgemeinpraktikern kommt ihnen eine spezialärztliche Stellung zu, wobei diese
neben überwachenden und korrigierenden auch beratende Funktionen umfasst.

Es stellt daher entgegen der Auffassung der Vorinstanz keine vertretbare
ärztliche Ermessensentscheidung dar, wenn Dr. med. W.________ sich anlässlich
der Untersuchung vom 3. Oktober 1997 auf die Richtigkeit der von Hausarzt Dr.
med. H.________ in seinem Formularbericht vom 25. September 1997 gestellten
Diagnose "Distorsion des AC-Gelenkes (Tossy I)" verlassen hat und ohne
Konsultation der von ihm angeforderten hausärztlichen Röntgenbilder vom 11.
September 1997, auf denen - wie von der Vorinstanz festgestellt - die
vorbestehende Glenoidrandfraktur und der Abriss der Subscapularissehne
erkennbar war, eine klinische Funktionsprüfung des rechten Schultergelenkes der
Beschwerdeführerin mit forcierter Abduktion und Horizontaladduktion
durchgeführt hat; und zwar aus drei Gründen:
(1) Dr. med. H.________ hat im Formularbericht vom 25. September 1997 seine
eigene Diagnose beim klinischen Befund ausdrücklich mit "Verdacht auf ..." und
beim Röntgenbefund mit der Abkürzung "V.a." als Verdachtsdiagnose deklariert.
Die diagnostische Unsicherheit des Hausarztes war daher für Dr. med. W.________
augenfällig. Von einem traumatologischen Facharzt muss diesfalls eine
ergänzende diagnostische Klärung der medizinischen Sachlage unbedingt erwartet
werden.
(2) Das kantonale Gericht hat festgehalten, dass der Hergang des ursprünglichen
Unfalles der Beschwerdeführerin vom 10. September 1997 ex post nicht mehr genau
habe rekonstruiert werden können und Kreisarzt Dr. med. W.________ deshalb
nicht zwingend von einem Retroversionstrauma habe ausgehen müssen. Das
Vorliegen der von Dr. med. H.________ diagnostizierten AC-Gelenksdistorsion sei
demgemäss ebenso begründet gewesen wie eine schwerere Schulterverletzung.
Falls ein bestimmter Hergang des Unfalles vom 10. September 1997 und eine
diesem entsprechende typische Schulterverletzung als Unfallfolge für Dr. med.
W.________ bereits am 3. Oktober 1997 tatsächlich nicht eindeutig feststand,
ergibt sich daraus nicht die von der Vorinstanz gezogene, sondern gerade die
gegenteilige Schlussfolgerung. Bei einer nicht eindeutigen tatsächlichen und
medizinischen Sachlage durfte sich nämlich Kreisarzt Dr. med. W.________ als
traumatologischer Spezialarzt gerade nicht auf die Richtigkeit der
hausärztlichen Diagnose verlassen.
(3) Es steht fest, dass Dr. med. W.________ die am 11. September 1997
erstellten Röntgenbilder beim Hausarzt Dr. med. H.________ angefordert hat, der
sie am 1. Oktober 1997 an die SUVA-Agentur verschickt hat. Dr. med. W.________
hat somit eine eigene Beurteilung jener Röntgenbilder als notwendig erachtet.
Andernfalls wäre es sinn- und zwecklos gewesen, den Hausarzt um deren
Zustellung ersuchen zu lassen. Im Widerspruch dazu verzichtete Dr. med.
W.________ dann aber auf eine Konsultation jener Röntgenbilder sowie auf deren
eigene Beurteilung. Damit hat er auf ein für jeden traumatologischen
Spezialarzt unerlässliches und für den Patienten schmerzfreies Diagnosemittel
verzichtet. Stattdessen hat er als primäre diagnostische Methode eine im
vorliegenden Fall riskante klinische Untersuchung durchgeführt, die zu einer
schwerwiegenden und richtunggebenden Verschlimmerung der vorbestandenen
Schulterverletzung führte. Damit hat er - wie dargelegt (vorne E. 7.3.2) -
seine Garantenpflicht verletzt.
7.6
7.6.1 Bereits im Jahre 1908, als Röntgenapparate erst in städtischen Zentren
zur Verfügung standen, hat das Bundesgericht einem Landarzt als
Sorgfaltspflichtverletzung angelastet, dass er von Anfang an eine "Verstauchung
und Quetschung" der Schulter diagnostizierte und als solche behandelte, statt
eine "Röntgenphotographie" zwecks Feststellung der tatsächlich vorliegenden
Schulterluxation anzuordnen (BGE 34 II 32 E. 5 S. 40).
7.6.2 In BGE 57 II 196 E. 3 S. 205 hat das Bundesgericht festgehalten, dass
einem Arzt die Unrichtigkeit der von ihm gestellten Diagnose für sich allein
noch nicht zum Vorwurf gereicht, es hingegen eine Sorgfaltspflichtverletzung
darstellt, wenn "er die Diagnose vollendet, bevor er alle gebotenen
Untersuchungsmethoden angewandt hat". Dieser Rechtssatz gilt nach wie vor,
zumal im vorliegenden Fall die Garantenpflicht eines traumatologischen
Spezialarztes und nicht - wie in BGE 57 II 196 ff. - das Verhalten eines
Allgemeinpraktikers zur Diskussion steht.
7.6.3 In BGE 130 IV 7 E. 3.3 S. 12 wurde ausgeführt, der Arzt verletze seine
Pflichten nur dort, wo er eine Diagnose stelle bzw. eine Therapie oder ein
sonstiges Vorgehen wähle, das nach dem allgemeinen fachlichen Wissensstand
nicht mehr als vertretbar erscheine und daher den objektivierten Anforderungen
der ärztlichen Kunst nicht genüge. Im vorliegenden Fall ist daher umso eher von
einer Sorgfaltspflichtverletzung des Kreisarztes Dr. med. W.________
auszugehen, weil eine solche in BGE 130 IV 7 E. 4.2 f. S. 13 ff. bejaht wurde,
obwohl in jenem Fall im Unterschied zur hier gegebenen Konstellation das
Verhalten eines jungen Assistenzarztes auf der Notfallstation eines Landspitals
mitten in der Nacht und nicht dasjenige eines erfahrenen traumatologischen
Spezialisten in seiner Praxis zu einer normalen Tagesarbeitszeit zu beurteilen
war; besagter Assistenzarzt seit 20 Stunden ununterbrochen Dienst geleistet
hatte sowie unter grösstem Zeitdruck stand, weil er einen bewusstlosen,
alkoholisierten Patienten zu beurteilen bzw. zu behandeln hatte und mit dem
jederzeitigen Eintreffen weiterer Notfälle rechnen musste; dem besagten
Assistenzarzt als Sorgfaltspflichtsverletzung angelastet wurde, dass er für die
Anamnese auf die Falschangaben des in die Klinik mitgereisten Freundes des
stark alkoholisierten Patienten statt auf das Notfallprotokoll der
Rettungssanitäter abstellte.
Hätte Dr. med. W.________ vorgängig seiner klinischen Untersuchung der
Beschwerdeführerin die vom Hausarzt Dr. med. H.________ erstellten
Röntgenbilder beachtet oder selber solche angefertigt, hätte er objektive und
damit verlässlichere Informationen gehabt als sie die subjektiven
Verdachtsbefunde und die Fehldiagnose des Hausarztes darstellten (vgl. E. 7.5.4
hievor).

7.7 Zusammenfassend ist entgegen der vorinstanzlichen Rechtsauffassung die
Widerrechtlichkeit der von Kreisarzt Dr. med. W.________ am 3. Oktober 1997
durchgeführten Untersuchung der Beschwerdeführerin zu bejahen, weil er sich auf
die Richtigkeit der vom Hausarzt Dr. med. H.________ gestellten Diagnose einer
AC-Gelenksdistorsion rechts verliess und eine klinische Funktionsprüfung des
rechten Schultergelenkes mit forcierter Abduktion und Horizontaladduktion
durchführte, ohne vorgängig die beim Hausarzt angeforderten, von diesem
unmittelbar nach dem Unfall vom 10. September 1997 angefertigten Röntgenbilder
vom 11. September 1997 zu konsultieren und diese zwecks Ausschlusses der darauf
erkennbaren Glenoidrandfraktur sowie des Abrisses der Subscapularissehne selbst
zu beurteilen.
Als widerrechtlich vorzuwerfen ist Dr. med. W.________ nicht nur die
Unterlassung der vorgängigen Konsultation der Röntgenbilder vom 11. September
1997 oder Anfertigung eigener Röntgenbilder, sondern im Sinne eines aktiven
Handelns auch die forcierte Abduktion und Horizontaladduktion der rechten
Schulter.

8.
Das kantonale Gericht hat die natürliche Kausalität der von Kreisarzt Dr. med.
W.________ am 3. Oktober 1997 durchgeführten "forcierten Untersuchungsmanöver"
für die schwere Retraumatisierung und richtungsweisende Verschlimmerung des
Gesundheitsschadens in der rechten Schulter der Beschwerdeführerin bejaht. Dem
ist beizupflichten. Nicht gefolgt werden kann der Rüge der Beschwerdegegnerin,
die Vorinstanz habe bezüglich der von Dr. med. W.________ im Sinne eines
aktiven Tuns vorgenommenen Untersuchungshandlungen den Sachverhalt
offensichtlich unrichtig festgestellt.

9.
Nicht geprüft hat die Vorinstanz den hypothetischen Kausalverlauf, wenn Dr.
med. W.________ eine eigene Prüfung und Beurteilung der beim Hausarzt Dr. med.
H.________ angeforderten Röntgenbilder vom 11. September 1997 vorgenommen
hätte. Dabei handelt es sich um eine vom Bundesgericht frei zu prüfende
Rechtsfrage (vgl. E. 9.1 hienach).

9.1 Für die Frage des natürlichen Kausalzusammenhanges zwischen dem
widerrechtlichen Verhalten von Kreisarzt Dr. med. W.________ anlässlich der
Untersuchung vom 3. Oktober 1997 und dem eingetretenen Gesundheitsschaden ist
das kantonale Gericht an sich zutreffend davon ausgegangen, dass es sich im
Falle einer widerrechtlichen, auf der Verletzung einer Garantenpflicht
beruhenden Unterlassung stets um einen hypothetischen Zusammenhang zwischen der
unterlassenen Handlung und dem eingetretenen Erfolg geht, den der Richter nach
der allgemeinen Lebenserfahrung beurteilt. Gestützt auf allgemeine
Erfahrungssätze bejaht der Richter im Falle einer widerrechtlichen Unterlassung
bestimmte als überwiegend wahrscheinlich erachtete (hypothetische)
Geschehensabläufe oder lässt sie als unwahrscheinlich ausser Betracht. Damit
ist unausweichlich eine wertende Betrachtungsweise verbunden, welche sonst erst
bei der Prüfung des adäquaten Kausalzusammenhanges zum Tragen kommt. Es
erübrigt sich deshalb eine zusätzliche Adäquanzprüfung, wenn die natürliche
Kausalität einer Unterlassung aufgrund einer wertenden Beurteilung des
hypothetischen Geschehensablaufes bejaht wird (BGE 124 III 155 E. 3d S. 165,
121 III 358 E. 5 S. 363, 115 II 440 E. 5a S. 448 mit Hinweisen; Rey,
Ausservertragliches Haftpflichtrecht, 4. Aufl., Zürich 2008, S. 139 Rz. 601).

Die gestützt auf die allgemeine Lebenserfahrung zu beantwortende Frage der
natürlichen Kausalität einer Unterlassung ist Rechtsfrage (BGE 127 III 453 E.
5d S. 456, 115 II 440 E. 5b S. 448 f.; Walter, a.a.O., S. 19).

9.2 Nach dem normalen Verlauf von kreisärztlichen Untersuchungen von
unfallbedingten Gesundheitsschäden erscheint es überwiegend wahrscheinlich,
dass Dr. med. W.________ die auf den Röntgenbildern vom 11. September 1997
erkennbare Glenoidrandfraktur erkannt und eine forcierte Funktionsprüfung der
rechten Schulter der Beschwerdeführerin unterlassen hätte, wenn er vorgängig
die röntgenologische Verdachtsdiagnose von Dr. med. H.________ anhand der
unmittelbar nach dem Unfall vom 10. September 1997 angefertigten
Röntgenaufnahmen überprüft hätte. Falls sich die hausärztlichen Röntgenbilder
bei dieser Überprüfung als nicht schlüssig oder nicht regelkonform erstellt
erwiesen hätten, wäre Kreisarzt Dr. med. W.________ aufgrund seiner
Garantenpflicht gehalten gewesen, eigene und schlüssiger beurteilbare
Röntgenbilder zwecks Ausschlusses einer ossären Verletzung anzufertigen, bevor
er eine klinische Untersuchung mit forcierter Funktionsprüfung des
Schultergelenkes durchführte. Für diese Bewertung des hypothetischen
Geschehensablaufes ist - gleich wie für die Frage der Widerrechtlichkeit - von
Bedeutung, dass die Kreisärzte der SUVA als traumatologische Spezialärzte
tagtäglich mit unfallbedingten Körperverletzungen befasst sind und daher über
wesentlich grössere Erfahrung namentlich auch in der Interpretation von
Röntgenaufnahmen des Skeletts verfügen als Hausärzte. Sie sind daher besser in
der Lage, auch nicht leicht zu erkennende Veränderungen der ossären oder
ligamentären Strukturen röntgenologisch richtig zu beurteilen. Gerade bei
röntgenologischen Verdachtsdiagnosen von Hausärzten gehört es zu den
spezialärztlichen Pflichten der Kreisärzte, entweder selbst oder durch
Veranlassung weiterführender bildgebender Untersuchungen für eine diagnostische
Klärung zu sorgen, um so zu den geeigneten weiteren therapeutischen Vorkehren
und zur zumutbaren Arbeitsfähigkeit der Versicherten verbindlich Stellung
nehmen zu können.
Gestützt auf diese Erfahrungssätze ist daher mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass Dr. med. W.________ die forcierten
Funktionstests am 3. Oktober 1997 unterlassen und es nicht zu einer schweren
Retraumatisierung der rechten Schulter der Beschwerdeführerin gekommen wäre,
wenn er vorgängig die angeforderten Röntgenbilder vom 11. September 1997
studiert und selbst beurteilt oder eigene, neue Röntgenaufnahmen veranlasst
hätte. Der natürliche Kausalzusammenhang zwischen seiner Unterlassung und dem
als Folge davon eingetretenen Gesundheitsschaden der Beschwerdeführerin ist
daher mit dem erforderlichen Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu
bejahen.

10.
Zusammenfassend ist die Beschwerde insoweit gutzuheissen, als die Vorinstanz
die Haftungsvoraussetzung der Widerrechtlichkeit der Untersuchung der
Beschwerdeführerin vom 3. Oktober 1997 durch Kreisarzt Dr. med. W.________
verneint hat. Hingegen ist der angefochtene Entscheid - im Ergebnis - zu
bestätigen, soweit das kantonale Gericht die beiden weiteren
Haftungserfordernisse des Vorliegens eines (Gesundheits-)Schadens und eines
natürlichen Kausalzusammenhanges bejaht hat. Die Streitsache ist daher an die
Vorinstanz zurückzuweisen, damit sie den Umfang des streitigen
Schadenersatzanspruches prüft und bemisst. Hinsichtlich des von der
Beschwerdeführerin zusätzlich geltend gemachten Genugtuungsanspruches hat das
kantonale Gericht auch noch das Verschulden von Dr. med. W.________ zu
beurteilen (Art. 6 Abs. 1 VG) und je nachdem die Höhe der Genugtuungsforderung
festzusetzen.

11.
Die unterliegende SUVA hat die Gerichtskosten zu tragen (Art. 66 Abs. 1 BGG;
vgl. BGE 133 V 642, 132 V 215 E. 6.1 S. 235), welche auf Fr. 15'000.-
festgesetzt werden (Art. 65 Abs. 3 lit. b BGG; Ziff. 1 des Tarifs für die
Gerichtsgebühren im Verfahren vor dem Bundesgericht vom 31. März 2006). Die
SUVA hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von Fr. 5000.- zu
entrichten (Art. 68 Abs. 2 BGG; Art. 3 Abs. 2 und 3 sowie Art. 4 des Reglements
über die Parteientschädigung und die Entschädigung für die amtliche Vertretung
im Verfahren vor dem Bundesgericht vom 31. März 2006). Das Gesuch der
Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege erweist sich
damit als gegenstandslos.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der Entscheid des Verwaltungsgerichts des
Kantons Zug vom 19. Juli 2007 wird aufgehoben und die Sache an das
Verwaltungsgericht des Kantons Zug zu neuem Entscheid im Sinne von Erwägung 10
zurückgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 15'000.- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt.

3.
Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 5000.- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Zug,
Sozialversicherungsrechtliche Kammer, und dem Bundesamt für Gesundheit
schriftlich mitgeteilt.

Luzern, 3. Oktober 2008

Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Ursprung i.V. Hochuli