Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.51/2007
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8C_51/2007

Urteil vom 20. November 2007

I. sozialrechtliche Abteilung

Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichter Frésard, Ersatzrichter Maeschi,
Gerichtsschreiberin Hofer.

G. ________, 1969, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Rémy
Wyssmann, Hauptstrasse 36, 4702 Oensingen,

gegen

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA), Fluhmattstrasse 1, 6004
Luzern, Beschwerdegegnerin.

Unfallversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons
Solothurn vom 25. Januar 2007.

Sachverhalt:

A.
A.a Der 1969 geborene türkische Staatsangehörige G.________ erlitt am 15.
Juni 1998 ein Verhebetrauma mit akutem Lumbovertebralsyndrom. Am 14. Oktober
2000 zog er sich bei einem Treppensturz rücklings eine Kontusion von Thorax
und Halswirbelsäule (HWS) zu. Nach kurz dauernder ärztlicher Behandlung
bestand jeweils wieder volle Arbeitsfähigkeit. Ab dem 2. April 2001 arbeitete
G.________ für die J.________ GmbH, bei der P.________ AG. Gemäss
Unfallmeldung vom 18. Juli 2001 schlug er sich am 27. Juni 2001 beim Ziehen
von Harassen den Rücken an. Am 6. Juli 2001 suchte er Dr. med. S.________,
Innere Medizin FMH, auf, welcher im Arztzeugnis UVG vom 27. Juli 2001
berichtete, der Patient verspüre seit etwa zehn Tagen zunehmende Schmerzen im
Rücken mit Ausstrahlung ins linke Bein. Er habe täglich ca. 150 Flaschen von
5 bis 7 kg mit Acetylen abzufüllen und glaube, die Beschwerden seien
arbeitsbedingt. Gestützt auf eine computertomographische Untersuchung der
Lendenwirbelsäule (LWS) diagnostizierte Dr. med. S.________ eine Diskushernie
L5/S1 mit Tangierung der Wurzel S1 rechts und bestätigte eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% ab 2. Juli 2001. Gegenüber dem
Aussendienstmitarbeiter der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA)
gab der Versicherte an, er habe anfangs Juni 2001 bei der Firma A.________
gearbeitet und dort Stahlflaschen mit Acetylen abgefüllt. Beim Rückwärtsgehen
mit einem Rolli habe er den Rücken am Rand einer Harasse mit abgefüllten
Flaschen angeschlagen. Er habe diesem Vorfall keine Bedeutung beigemessen und
weiter gearbeitet. Ungefähr ab dem 25. Juni 2001 habe er zunehmend
Rückenschmerzen verspürt, welche er auf die strenge, sich wiederholende
Arbeit zurückgeführt habe. Anlässlich eines weiteren Abklärungsgesprächs vom
8. August 2001 gab er an, zwischen dem Ereignis von anfangs Juni 2001, als er
den Rücken angeschlagen habe, und den Rückenschmerzen ab dem 25. Juni 2001
sei er beschwerdefrei gewesen. Ob zwischen den erneuten Beschwerden und dem
Unfall von anfangs Juni 2001 ein Zusammenhang bestehe, sei vom Arzt zu
entscheiden. Persönlich glaube er, die Ursache liege eher in der körperlich
strengen Arbeit. Am 15. August 2001 verneinte SUVA-Kreisarzt Dr. med.
I.________ einen Kausalzusammenhang zwischen den Rückenbeschwerden und dem
gemeldeten Unfallereignis. Auf das Begehren des behandelnden Arztes um
Neuüberprüfung der Unfallkausalität hin verneinte er einen Kausalzusammenhang
zwischen dem Anschlagen des Rückens und der Diskushernie L5/S1 sowie den
dadurch verursachten Rückenschmerzen (Ärztliche Beurteilung vom 1. November
2001). Mit Verfügung vom 30. November 2001 lehnte die SUVA eine
Leistungspflicht mangels Unfallkausalität der Beschwerden ab. Daran hielt sie
mit Einspracheentscheid vom 4. Dezember 2002 fest. Nachdem sie Kenntnis davon
erhalten hatte, dass der Versicherte am 18. Dezember 2001 erneut einen Unfall
erlitten hatte, hob sie den Einspracheentscheid auf und sistierte das
Verfahren "bis zum Abschluss des Integrationsprozesses".

A.b Am 18. Dezember 2001 hatte G.________ einen Verkehrsunfall erlitten, als
er mit seinem Personenwagen vor einer Strassenkreuzung anhalten musste, ein
nachfolgendes Fahrzeug nicht mehr rechtzeitig bremsen konnte und in das Heck
des von ihm gelenkten Wagens stiess, welcher in das vor ihm stehende Fahrzeug
geschoben wurde. Im Spital X.________ wurde eine HWS-Distorsion ohne ossäre
Läsionen oder neurologische Ausfälle diagnostiziert. Der Versicherte klagte
über Nackenschmerzen und vermehrte Schmerzen im Lumbalbereich mit
Ausstrahlung in das rechte Bein (Bericht Dr. med. S.________ vom 17. Januar
2002). In der Folge kam es auch zu Kopfschmerzen, Gedächtnisstörungen,
Schlaf- und Sehstörungen. Laut Bericht des Dr. med. M.________, Facharzt für
Neurologie FMH, zog sich der Versicherte beim Unfall eine Abknickverletzung
der HWS, eine milde traumatische Hirnverletzung sowie eine Retraumatisierung
der Diskushernie lumbal zu. Die Rehaklinik E.________, wo sich der
Versicherte vom 4. März bis 12. April 2002 in stationärer Abklärung und
Behandlung befand, gelangte im Austrittsbericht vom 2. Mai 2002 zum Schluss,
der Unfall vom 18. Dezember 2001 habe lediglich zu einer vorübergehenden
Traumatisierung des lumbalen Vorzustandes geführt, und es seien dem
Versicherten leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeiten ganztags
zumutbar. Vom 18. bis 27. Februar 2003 hielt sich G.________ im Rehazentrum
U.________ auf, wo ein chronisches zervikospondylogenes sowie ein
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom im Rahmen einer somatoformen Schmerzstörung
diagnostiziert und eine Psychotherapie als dringend erforderlich bezeichnet
wurden (Bericht vom 31. März 2003). Die IV-Stelle des Kantons Solothurn, bei
welcher G.________ sich am 17. September 2001 wegen Lumboischialgien zum
Leistungsbezug angemeldet hatte, beauftragte die Medizinische
Abklärungsstelle (MEDAS) mit einem Gutachten, welches am 30. Dezember 2003
erstattet wurde und worin die Diagnosen eines chronischen zervikozephalen und
intermittierend zervikospondylogenen Syndroms, eines chronischen
lumbospondylogenen Syndroms sowie einer depressiven Störung leichten Grades
gestellt wurden. Ferner wurden eine mögliche undifferenzierte
Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.1) sowie - anamnestisch - Hinweise auf eine
milde traumatische Hirnverletzung mit chronisch persistierenden Kopfschmerzen
erwähnt. Zur Arbeitsfähigkeit wurde ausgeführt, diese betrage mindestens 50%
in der bisherigen und 80% in einer angepassten leichten bis mittelschweren
Tätigkeit. Mit Verfügung vom 16. Februar 2004 stellte die SUVA die Leistungen
auf den 29. Februar 2004 mit der Begründung ein, dass keine organischen
Unfallfolgen mehr vorlägen und die psychischen Beeinträchtigungen nicht
(adäquat) unfallkausal seien. Auf die dagegen erhobene Einsprache erliess die
SUVA am 25./31. Mai 2005 einen Einspracheentscheid, mit dem sie an den
Verfügungen vom 30. November 2001 und 16. Februar 2004 festhielt.

B.
Die von G.________ erhobene Beschwerde wies das Versicherungsgericht des
Kantons Solothurn unter Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung ab
(Entscheid vom 25. Januar 2007).

C.
G.________ lässt Beschwerde führen mit dem Rechtsbegehren, in Aufhebung des
angefochtenen Entscheids sei die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen
(multidisziplinäre Begutachtung) und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz
oder die SUVA zurückzuweisen, wobei ihm für die Zeit ab der
Leistungseinstellung und während der Abklärung Unfalltaggelder für eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% zuzusprechen seien. Eventuell seien ihm "ab wann
rechtens" die gesetzlichen Leistungen nach Massgabe einer Erwerbsunfähigkeit
von mindestens 28% sowie eines fachärztlich noch zu bestimmenden
Integritätsschadens, zuzüglich Verzugszins von 5% "ab wann rechtens",
zuzusprechen. Ferner sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege und
Verbeiständung zu gewähren.

Die SUVA beantragt Abweisung der Beschwerde. Das Bundesamt für Gesundheit
(BAG) verzichtet auf eine Vernehmlassung.

D.
Mit Beschluss vom 27. Juli 2007 hat die I. sozialrechtliche Abteilung des
Bundesgerichts dem Begehren um unentgeltliche Rechtspflege entsprochen und
Rechtsanwalt Rémy Wyssmann, Oensingen, zum Offizialanwalt bestimmt.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Weil die angefochtene Entscheidung nach dem Datum des Inkrafttretens des
Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110), dem 1. Januar 2007
(AS 2006 1243), ergangen ist, untersteht die Beschwerde dem neuen Recht
(Art. 132 Abs. 1 BGG).
Die gegen den kantonalen Entscheid gerichtete Eingabe ist als Beschwerde in
öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten (Art. 82 ff. BGG) entgegenzunehmen.

2.
Im angefochtenen Entscheid werden die nach der Rechtsprechung für den
Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung (Art. 6 Abs. 1
UVG) geltenden Voraussetzungen des natürlichen und adäquaten
Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden
(BGE 129 V 177 E. 3.1 und 3.2 S. 181), insbesondere bei Schleudertraumen und
schleudertraumaähnlichen Verletzungen der HWS (BGE 117 V 359 ff.; RKUV 2000
Nr. U 395 S. 317; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67) sowie psychischen Unfallfolgen
(BGE 115 V 133 ff.), zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen.

3.
Streitig und zu prüfen ist zunächst, ob SUVA und Vorinstanz den Anspruch auf
Versicherungsleistungen in Zusammenhang mit dem gemeldeten Unfall vom Juni
2001 zu Recht verneint haben.

3.1 Die Angaben zum Unfallereignis vom Juni 2001 sind widersprüchlich.
Während die arbeitsvermittelnde J.________ GmbH in der Unfallmeldung vom 18.
Juli 2001 angab, der Versicherte habe am 27. Juni 2001 beim Ziehen einer
Harasse im Betrieb der P.________ AG den Rücken angeschlagen, äusserte sich
der Versicherte gegenüber der SUVA in dem Sinne, der Unfall habe sich anfangs
Juni 2001 bei der Firma A.________ ereignet. Seinen Angaben zufolge verspürte
er zunächst keine Beschwerden. Diese traten erst um den 25. Juni 2001 auf und
wurden vom Versicherten in Verbindung mit der körperlich schweren Arbeit
gebracht. Der am 6. Juli 2001 erstmals konsultierte Dr. med. S.________
machte im Bericht vom 27. Juli 2001 keine Angaben über Unfallverletzungen und
diagnostizierte eine Diskushernie L5/S1. Unter diesen Umständen ist fraglich,
ob und gegebenenfalls wann sich überhaupt ein für die geltend gemachten
Beschwerden relevanter Unfall ereignet hat. Wie es sich damit verhält, kann
indessen offen bleiben, wie sich aus dem Folgenden ergibt.

3.2
3.2.1 Es entspricht einer medizinischen Erfahrungstatsache, dass praktisch
alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer Bandscheibenveränderungen
entstehen und ein Unfallereignis nur ausnahmsweise, unter besonderen
Voraussetzungen als eigentliche Ursache in Betracht fällt. Als weitgehend
unfallbedingt kann eine Diskushernie betrachtet werden, wenn das
Unfallereignis von besonderer Schwere und geeignet war, eine Schädigung der
Bandscheibe herbeizuführen, und die Symptome der Diskushernie (vertebrales
oder radikuläres Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsunfähigkeit
auftreten (RKUV 2000 Nr. U 378 S. 190 und Nr. U 379 S. 192 mit Hinweisen).

3.2.2 Im vorliegenden Fall sind die genannten Voraussetzungen nicht erfüllt.
Wahrscheinlich ist, dass die Diskushernie vorbestanden hat und durch den
Unfall traumatisiert worden ist. Wie der Neurologe Dr. med. M.________ im
Bericht vom 12. März 2002 festgehalten hat, handelte es sich indessen nur um
eine vorübergehende Verschlimmerung. Zum gleichen Schluss gelangten die Ärzte
der Rehaklinik E.________, welche aufgrund einer MRI-Untersuchung vom 21.
März 2002 eine kleine, nicht neurokompressive Diskushernie L5/S1
feststellten. Die Ärzte der MEDAS vertreten die Auffassung, dass ein erstmals
im Rahmen eines Verhebetraumas lumbospondylogenes Syndrom bei degenerativen
Veränderungen der LWS (Diskushernie L5/S1 ohne Nervenwurzelkompression) durch
den Unfall vom Juni 2001 exazerbiert habe, die Folgen dieses Unfalls heute
jedoch als abgeheilt erschienen. Aufgrund dieser ärztlichen Beurteilungen ist
mit der erforderlichen überwiegenden Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass -
soweit überhaupt - schon kurz nach dem Ereignis vom Juni 2001 keine
Unfallfolgen mehr bestanden haben, weshalb die Verfügung vom 30. November
2001 und der Einspracheentscheid vom 25./31. Mai 2005 in diesem Punkt zu
Recht bestehen. Daran vermag der vom Beschwerdeführer eingereichte Bericht
des Dr. med. H.________ vom 11. März 2005 nichts zu ändern. Zwar wird darin
ein Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom Juni 2001 und dem
Lumbovertebralsyndrom bejaht. Es fehlt aber jegliche Auseinandersetzung mit
den übrigen Arztberichten und insbesondere der Feststellung, wonach
degenerative Veränderungen in Form einer vorbestehenden Diskushernie
bestanden haben, welche durch den Unfall lediglich vorübergehend verstärkt
worden sind. Es besteht daher kein Anlass zur Anordnung ergänzender
Abklärungen.

4.
Zu prüfen ist des Weiteren, ob die SUVA aufgrund des Unfalls vom 18. Dezember
2001 nach dem 29. Februar 2004 weiterhin leistungspflichtig ist.

4.1 Nach den medizinischen Akten hat der Unfall vom 18. Dezember 2001 zu
einer erneuten Traumatisierung der Diskushernie und des
Lumbovertebralsyndroms geführt. Die Ärzte der Klinik E.________ schliessen
jedoch auf eine bloss vorübergehende Traumatisierung des lumbalen
Vorzustandes ohne richtunggebende Verschlimmerung. Etwas anderes ergibt sich
weder aus dem Gutachten der MEDAS noch aus den übrigen Arztberichten. Im
Bericht vom 12. März 2002 geht auch Dr. med. M.________ von einer
Retraumatisierung der lumbalen Diskushernie durch den Unfall vom 18. Dezember
2001 aus. Als Unfallfolgen im Zeitpunkt der Untersuchung vom 6. März 2002
erwähnt er indessen lediglich ein zumindest mässig ausgeprägtes
Zervikalsyndrom mit zervikozephalen Beschwerden, eine leichte vestibuläre
Störung, eine Sehstörung sowie - anhand der Anamnese - kognitive Störungen,
eine verminderte Belastbarkeit und vermehrte Ermüdbarkeit sowie
Schlafstörungen, jedoch keine Beeinträchtigungen der LWS. Es lässt sich daher
nicht beanstanden, wenn die SUVA zum Schluss gelangt ist, dass der Unfall vom
18. Dezember 2001 nur zu einer vorübergehenden Traumatisierung des lumbalen
Vorzustandes geführt hat und der Vorzustand bereits anlässlich des
Aufenthaltes in der Rehaklinik E.________ wieder erreicht war.

4.2 Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer beim Unfall vom 18. Dezember
2001 ein Distorsionstrauma der HWS im Form eines sog. Schleudertraumas
erlitten hat. Er hat denn auch zumindest teilweise das Beschwerdebild
gezeigt, wie es für solche Verletzungen typisch ist (BGE 117 V 359 E. 4b S.
360). Aufgrund der medizinischen Akten, insbesondere des MEDAS-Gutachtens vom
30. Dezember 2003, ist mit der erforderlichen überwiegenden
Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass das typische Beschwerdebild im Zeitpunkt
der Leistungseinstellung zumindest teilweise noch bestanden hat, was für die
Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs (Teilkausalität) genügt (BGE 119
V 335 E. 1 S. 338, 117 V 359 E. 4b S. 360).

4.2.1 Für die geltend gemachten Beschwerden liessen sich trotz zahlreicher
Untersuchungen keine objektiv (hinreichend) nachweisbaren organischen
Funktionsausfälle feststellen. Dies gilt sowohl für das Zervikalsyndrom bzw.
das zervikozephale und zervikospondylogene Syndrom als auch für die
(lediglich vermutungsweise diagnostizierte) milde traumatische Hirnverletzung
und die kognitiven Störungen sowie die Sehstörung, wie im MEDAS-Gutachten
näher dargelegt wird. Es hat daher grundsätzlich eine spezifische
Adäquanzprüfung nach den für Schleudertraumen und schleudertraumaähnliche
Verletzungen der HWS ohne nachweisbare Funktionsausfälle geltenden
Rechtsprechung zu erfolgen (BGE 117 V 359 ff.). Zu prüfen ist, ob allenfalls
die für psychische Unfallfolgen massgebenden Kriterien (BGE 115 V 133 ff.)
anzuwenden sind, weil die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas
der HWS gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise gegeben sind, im
Vergleich zur bestehenden psychischen Problematik aber ganz in den
Hintergrund treten (BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103, 123 V 98 E. 2a S. 99).
Beizufügen ist, dass entgegen den Einwendungen des Beschwerdeführers die
Adäquanzprüfung durch die SUVA nicht zu früh erfolgt ist. Im Zeitpunkt der
Beurteilung (Februar 2004) war der normale, unfallbedingt erforderliche
Heilungsprozess längst abgeschlossen. Dass von einer psychiatrischen
Behandlung noch eine Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden
konnte (Psychiatrisches Fachgutachten der MEDAS vom 13. Oktober 2003), ist
unerheblich, zumal der Beschwerdeführer sich früheren Behandlungsversuchen
teilweise entzogen hatte.

4.2.2 Den medizinischen Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer
schon kurz nach dem Unfall psychische Beeinträchtigungen aufgewiesen hat und
ab Sommer 2002 eine antidepressive Therapie durchgeführt worden ist. Neben
der depressiven Entwicklung, welche als Teil des typischen Beschwerdebildes
nach Schleudertraumen der HWS betrachtet werden kann, stellte Dr. med.
W.________ anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 22. Februar 2002
eine Somatisierungstendenz fest und schloss auf eine Chronifizierung der
Beschwerden bei starkem Vermeidungsverhalten. Die Ärzte der Rehaklinik
E.________ erwähnten erhebliche psychosoziale Belastungsfaktoren und
empfahlen eine psychosomatische Beurteilung, welche vom Versicherten jedoch
abgelehnt wurde.

Im Dezember 2002 wurde der Beschwerdeführer von Dr. med. F.________, Institut
für Psychotraumatologie, untersucht, welcher eine (unfallbedingte) psychische
Störung, bestehend aus einer Angststörung und depressiven Elementen, fand und
differentialdiagnostisch eine psychotische Entwicklung in Betracht zog. Die
Ärzte der Rehaklinik U.________ diagnostizierten eine somatoforme
Schmerzstörung (Bericht vom 31. März 2003) und die Psychologen der Praxis zum
Adler, Olten, eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) sowie
eine leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0; Bericht vom 27. Juli 2003). In
dem im Rahmen der MEDAS-Begutachtung erstatteten psychiatrischen
Fachgutachten vom 13. Oktober 2003 stellte Dr. med. V.________ die Diagnose
einer depressiven Störung leichten Grades ohne somatisches Syndrom (ICD-10
F32.00), vorwiegend reaktiv bedingt bei psychosozialen Belastungen und
veränderter Lebenssituation. Differentialdiagnostisch schloss er eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung nicht aus, erachtete jedoch eine
undifferenzierte Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.1) als wahrscheinlicher.
Aufgrund dieser im Hauptgutachten nicht näher diskutierten Äusserungen bleibt
fraglich, ob der Beschwerdeführer an einer selbstständigen psychischen
Gesundheitsschädigung leidet, welche zu einer Adäquanzbeurteilung nach den
für psychische Unfallfolgen geltenden Kriterien Anlass geben würde (RKUV 2001
Nr. U 412 S. 80). Ebenso wenig lässt sich zuverlässig beurteilen, ob - wie
die Vorinstanz annimmt - die Adäquanzbeurteilung nach den für psychische
Unfallfolgen geltenden Regeln zu erfolgen hat, weil die psychische
Problematik im Sinne der Rechtsprechung eindeutig im Vordergrund stand (BGE
123 V 98 E. 2a S. 99; RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437). Wie es sich damit verhält,
bedarf indessen keiner weiteren Abklärung, weil die Adäquanz selbst dann zu
verneinen ist, wenn die Prüfung nach den für Schleudertraumen und
schleudertraumaähnliche Verletzungen der HWS geltenden Regeln erfolgt, wie
nachfolgend darzulegen ist.

4.3
4.3.1 Nach der Rechtsprechung werden einfache Auffahrunfälle in der Regel als
mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen qualifiziert (RKUV 2005
Nr. U 549 S. 237 mit Hinweisen). Davon ist auch dann auszugehen, wenn es sich
um eine Doppelkollision mit primärer Heckkollision und sekundärer
Frontkollision handelt (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 237). Im vorliegenden Fall
bestehen keine Besonderheiten, welche zu einer anderen Beurteilung zu führen
vermöchten. Nach den Angaben in der biomechanischen Kurzbeurteilung von Prof.
Dr. med. L.________/Dr. sc. tech. R.________ vom 31. Juli 2002 belief sich
die kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung (delta-v) des vom
Beschwerdeführer gesteuerten Personenwagens bei der Heckkollision knapp
innerhalb oder oberhalb der für den Normalfall geltenden Harmlosigkeitsgrenze
von 10 - 15 km/h. Bei der Frontkollision lag der Wert deutlich unterhalb
eines Bereiches von 20 - 30 km/h und damit unter der Harmlosigkeitsgrenze für
HWS-Beschwerden bei frontalen Kollisionen. Auch die laut Gutachten für das
Eintreten eines die Unfallfolgen aus biomechanischer Sicht verstärkenden sog.
Resonanzeffektes vorausgesetzte Zeitspanne zwischen der Heck- und der
Frontkollision von weniger als 0,5 Sekunden war nicht eindeutig gegeben. Den
Akten ist des Weiteren zu entnehmen, dass nach polizeilicher Feststellung am
Personenwagen des Beschwerdeführers ein Totalschaden bei einem Verkehrswert
von Fr. 7'000.- entstanden ist und der Schaden am Fahrzeug des
Unfallverursachers auf ca. Fr. 2'000.-, am beteiligten dritten Fahrzeug auf
ca. Fr. 2'500.- (Fr. 2'179.70 gemäss nachträglicher Fahrzeugexpertise)
geschätzt wurde. Der Unfall hatte auch keine schweren Verletzungen zur Folge.
Der Beschwerdeführer konnte nach ambulanter Untersuchung ohne gravierende
Befunde nach Hause entlassen werden. Die anderen Unfallbeteiligten blieben
unverletzt. Bei dieser Sachlage hat die Vorinstanz den Unfall zu Recht als
mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen qualifiziert. Die
Adäquanz des Kausalzusammenhangs wäre daher zu bejahen, wenn ein einzelnes
der in die Beurteilung einzubeziehenden Kriterien in besonders ausgeprägter
Weise erfüllt wäre oder die zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder
auffallender Weise gegeben wären (BGE 117 V 359 E. 6b S. 367 f.).
4.3.2 Der Unfall vom 18. Dezember 2001 hat sich nicht unter besonders
dramatischen Begleitumständen ereignet noch war er - objektiv betrachtet
(RKUV 1999 Nr. U 335 S. 209 E. 3b/cc; vgl. auch RKUV 2000 Nr. U 394 S. 313) -
von besonderer Eindrücklichkeit. Der Unfall hatte auch keine schweren
Verletzungen oder Verletzungen besonderer Art zur Folge. Die Diagnose eines
Schleudertraumas oder einer schleudertraumaähnlichen Verletzung der HWS
vermag die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung für sich
allein nicht zu begründen. Es bedarf hiezu einer besonderen Schwere der für
das Schleudertrauma typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche
das Beschwerdebild beeinflussen können. Diese können beispielsweise in einer
beim Unfall eingenommenen besonderen Körperhaltung und den dadurch bewirkten
Komplikationen bestehen (RKUV 2003 Nr. U 489 S. 361 E. 4.3 mit Hinweisen).
Solche Umstände sind hier nicht gegeben, woran die Tatsache nichts ändert,
dass es sich um eine Doppelkollision handelte (RKUV 2005 Nr. U 549 E. 5.2.3
S. 238). Es liegt auch keine besondere Schwere der für das Schleudertrauma
typischen Beschwerden vor. Dass der Beschwerdeführer aufgrund der früheren
Unfälle an der Wirbelsäule vorgeschädigt war, ist ohne Bedeutung, weil
ausschliesslich die Folgen der HWS-Distorsion zu beurteilen sind und
diesbezüglich kein Vorzustand bestanden hat. Nicht erfüllt ist sodann das
Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung. Nach der
ambulanten Erstbehandlung im Spital X.________ erfolgte eine medikamentöse
Behandlung durch den Hausarzt. In der Folge wurde ambulante Physiotherapie
durchgeführt. Zudem trug der Beschwerdeführer einen Halskragen (Bericht
Kreisarzt Dr. med. W.________ vom 22. Februar 2002). Während des Aufenthaltes
in der Rehaklinik E.________ vom 4. März bis 12. April 2002 wurden
physiotherapeutische Massnahmen sowie Massnahmen zur Schmerzlinderung und
Detonisierung durchgeführt, welche jedoch zu keiner wesentlichen Besserung
führten. Im Austrittsbericht vom 2. Mai 2002 erachteten die Klinikärzte eine
Fortsetzung der ambulanten Physiotherapie als nicht erforderlich. Während der
Hospitalisation im Spital X.________ vom 17. bis 24. Juli 2002 wurde erneut
eine physiotherapeutische Behandlung durchgeführt und eine anschliessende
kurzfristige ambulante Therapie angeordnet. Eine am 18. Februar 2003 im
Rehazentrum U.________ begonnene stationäre physikalisch-balneologische
Behandlung wurde vom Beschwerdeführer vorzeitig abgebrochen. Die behandelnden
Ärzte empfahlen, vorerst keine physikalischen Therapien mehr durchzuführen,
und bezeichneten eine Psychotherapie als dringend indiziert. Die MEDAS-Ärzte
erachteten aus rheumatologischer und neurologischer Sicht eine weitere
Behandlung nicht mehr als indiziert und sprachen sich für eine konsequente
Wiederaufnahme bzw. Weiterführung der Psychotherapie aus. Inwieweit eine
solche in der Folge durchgeführt wurde, lässt sich den Akten nicht entnehmen.
Insgesamt handelt es sich indessen nicht um eine kontinuierliche, mit einer
gewissen Planmässigkeit auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes
gerichtete ärztliche Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer. Eine
Behandlungsbedürftigkeit von zwei bis drei Jahren nach einem Schleudertrauma
oder einer schleudertraumaähnlichen Verletzung der HWS ist im Allgemeinen
noch als im üblichen Rahmen liegend zu betrachten (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 239
E. 5.2.4 mit Hinweisen). Von einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die
Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, kann ebensowenig gesprochen werden,
wie von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen.
Entgegen dem, was der Beschwerdeführer unter Hinweis auf das Urteil U 12/03
vom 28. Mai 2003 anzunehmen scheint, genügt es nicht, dass der Versicherte
während längerer Zeit über praktisch die gleichen Schmerzen klagt. Es bedarf
hiezu besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben. Solche
Gründe sind hier nicht gegeben. Vielmehr war es zu einem wesentlichen Teil
die psychosoziale Problematik und das zeitweise wenig kooperative Verhalten
des Versicherten, welche zu einem protrahierten Heilungsverlauf geführt
haben. Zum Kriterium von Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit ist
festzustellen, dass der Beschwerdeführer von den Ärzten der Rehaklinik
E.________ ab 15. April 2002 "im Rahmen des Zumutbaren" als arbeitsfähig
erklärt wurde; leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeiten wurden
als ganztags zumutbar bezeichnet. Im MEDAS-Gutachten wird für angepasste
leichte bis mittelschwere Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 80% ab 2. Mai
2002 angenommen. Aufgrund dieser Angaben, von welchen abzugehen kein Anlass
besteht, ist somatisch von einer vollen Arbeitsunfähigkeit während rund
viereinhalb Monaten und einer dauernden Arbeitsunfähigkeit von 20% ab Mai
2002 auszugehen. Auch wenn vorübergehend Perioden vollständiger
Arbeitsunfähigkeit bestanden haben, kann das Kriterium von Grad und Dauer der
Arbeitsunfähigkeit nicht als erfüllt gelten (vgl. hiezu RKUV 2001 Nr. U 442
S. 544 ff.). Jedenfalls ist es nicht in besonders ausgeprägter Weise erfüllt.
Das Gleiche gilt für das Kriterium der Dauerbeschwerden. Da somit weder eines
der für die Adäquanzbeurteilung massgebenden Kriterien in besonders
ausgeprägter Weise erfüllt ist noch die zu berücksichtigenden Kriterien in
gehäufter oder auffallender Weise gegeben sind, ist die Unfalladäquanz der
geltend gemachten Beschwerden zu verneinen.

5.
Ohne dass es weiterer Abklärungen bedürfte, muss es daher bei der
Feststellung bleiben, dass die SUVA den Leistungsanspruch mangels
Unfallkausalität der vorhandenen Beschwerden für die Zeit ab 1. März 2004 zu
Recht verneint hat. Es besteht auch kein Anspruch auf
Integritätsentschädigung, weil keine erhebliche Beeinträchtigung der
körperlichen Integrität besteht und die Beeinträchtigung der psychischen
Integrität nicht adäquat unfallkausal ist.

6.
Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. Bei diesem Ausgang wird der
Beschwerdeführer grundsätzlich kostenpflichtig (Art. 66 BGG). Da jedoch sein
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung am 27. Juli 2007
bewilligt worden ist, sind keine Gerichtskosten zu erheben. Ferner ist dem
Rechtsvertreter eine angemessene Entschädigung auszurichten (Art. 64 BGG). Es
wird indessen ausdrücklich auf Art. 64 Abs. 4 BGG verwiesen, wonach die
begünstigte Partei der Gerichtskasse Ersatz zu leisten haben wird, wenn sie
später dazu in der Lage ist.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden dem Beschwerdeführer auferlegt, indes
vorläufig auf die Gerichtskasse genommen.

3.
Rechtsanwalt Rémy Wyssmann, Oensingen, wird aus der Gerichtskasse eine
Entschädigung von Fr. 2500.- ausgerichtet.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Versicherungsgericht des Kantons
Solothurn und dem Bundesamt für Gesundheit zugestellt.

Luzern, 20. November 2007

Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Ursprung Hofer