Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.540/2007
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Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
8C_540/2007

Urteil vom 27. März 2008
I. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichterin Widmer,
nebenamtlicher Bundesrichter Andreas Brunner,
Gerichtsschreiber Jancar.

Parteien
G.________, Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt Silvan Meier
Rhein, Ankerstrasse 24, 8004 Zürich,

gegen

Zürich Versicherungs-Gesellschaft, Rechtsdienst, Generaldirektion Schweiz, 8085
Zürich,
Beschwerdegegnerin, vertreten durch Rechtsanwalt Hermann Rüegg, Kronenstrasse
9, 8712 Stäfa.

Gegenstand
Unfallversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Thurgau vom
30. Mai 2007.

Sachverhalt:

A.
Die 1970 geborene G.________ war als Haushaltshilfe bei der Familie X.________
angestellt und damit bei der Zürich Versicherungsgesellschaft (nachfolgend:
Zürich) gegen Berufs- und Nichtberufsunfälle versichert. Am 12. Dezember 1998
erlitt G.________ als Lenkerin eines Fahrzeuges einen Verkehrsunfall
(Unfallmeldung UVG vom 21. Januar 1999). Ein entgegenkommendes Fahrzeug geriet
auf ihre Fahrbahnseite, sodass es zu einer heftigen Streifkollision kam. Im
Kantonsspital Y.________, in welches die Versicherte eingeliefert wurde und wo
sie sich bis zum 19. Dezember 1998 aufhielt, wurde eine Commotio cerebri und
ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule (HWS) diagnostiziert; im Weiteren wurde
eine Amnesie für das Ereignis sowie mit einiger Latenz plötzlich auftretende
heftige Nacken- und Kopfschmerzen festgehalten. Der weiterbehandelnde Dr. med.
A.________, Arzt für Allgemeine Medizin, stellte im ärztlichen Zwischenbericht
UVG vom 15. April 1999 einen sehr wechselhaften Verlauf mit rezidivierenden
Schmerzen im Bereich der HWS sowie Schwindel- und Konzentrationsstörungen fest;
er attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % vom 5. Januar bis 14. Februar
1999, von 25 % zwischen dem 15. Februar und dem 11. April 1999 sowie wiederum
von 50 % ab 12. April 1999. Wegen persistierender Beschwerden im Bereich des
Kopfes und der HWS meldete der behandelnde Arzt die Versicherte zuerst in der
Rehaklinik B.________ und später in der Klinik C.________ zu einem stationären
Aufenthalt an. In der Klinik C.________ verbrachte sie vom 22. Juli 1999 bis
zum 19. August 1999 einen Rehabilitationsaufenthalt, bei welchem nach vor allem
physiotherapeutischer Behandlung eine Besserung festgestellt und die Steigerung
der Arbeitsfähigkeit auf 100% in wenigen Wochen erwartet wurde
(Austrittsbericht Klinik C.________ vom 23. Juli 1999). Weil nach einem
Arbeitsversuch jedoch eine Schmerzverstärkung auftrat, wurde die Versicherte
vom 15. Dezember 1999 bis zum 8. Januar 2000 für eine stationäre Rehabilitation
in der Klinik D.________ erneut hospitalisiert (Austrittsbericht vom 11.
Februar 2000). Gleichenorts wurden eine Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit (EFL) vorgenommen und ein Gutachten erstellt. Die Gutachter
stellten die Diagnosen eines chronischen zervikozephalen und rechtsseitigen
zervikobrachialen Syndroms sowie eines sekundären Lumbovertebralsyndroms mit
pseudoradikulärer Ausstrahlung ins rechte Bein; die Unfallkausalität der
Beschwerden wurde bejaht, das Vorliegen von unfallfremden Faktoren verneint und
die Fortführung einer medizinischen Trainingstherapie und Physiotherapie
empfohlen; hinsichtlich der angestammten Tätigkeit als Haushaltshilfe wurde
eine auf sechs Monate terminierte Arbeitsunfähigkeit von 10 % ab
Klinikentlassung angenommen (Gutachten der Klinik D.________ vom 14. April
2000; im Folgenden: "Gutachten D.________"). In der Folge wurden weitere
neurologische, allgemein medizinische oder internistische und rheumatologische
Abklärungen durchgeführt sowie ein Bericht der Klinik E.________ vom 2. März
2001, wo die Versicherte ab dem 12. September 2000 ambulant betreut wurde,
eingeholt. Am 8. Juni 2001 erstellte die MEDAS Zentralschweiz im Auftrag der
IV-Stelle Thurgau ein Gutachten vom 8. Juni 2001 (im Folgenden:
MEDAS-Gutachten), welches der Zürich im Rahmen des Beizuges der IV-Akten zur
Kenntnis gelangte.

Nachdem die Zürich für die Heilbehandlung aufgekommen war und anfänglich
Taggeldleistungen erbrachte hatte, stellte sie mit Schreiben vom 10. April 2000
ihre Leistungen vorläufig auf Ende Januar 2000 ein. Mit Schreiben vom 4.
Februar 2004 teilte die Zürich der Versicherten mit, ab dem 1. Juli 2000 könne
sie keine weiteren Versicherungsleistungen mehr erbringen, weil insbesondere
die Adäquanz der Unfallkausalität zu verneinen sei. Am 27. September 2004
erliess die Zürich eine Verfügung, mit welcher an der in Aussicht gestellten
Leistungseinstellung per 1. Juli 2000 festgehalten wurde. Nachdem die
Versicherte dagegen Einsprache erhoben hatte, holte die Zürich bei Prof. Dr.
med. F.________, Chefarzt, Psychiatrische Klinik H.________, Abteilung für
Psychiatrische Forschung, ein psychiatrisches (Akten-)Gutachten vom 3. August
2005 ein. Mit Entscheid vom 2. Februar 2006 wies die Zürich die Einsprache ab.

B.
Hiegegen reichte die Versicherte beim Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau
Beschwerde ein. Replikweise legte sie ein Gutachten des PD Dr. med. I.________,
Spezialarzt FMH Psychiatrie Psychotherapie, Zürich, vom 30. August 2006 auf.
Mit Entscheid vom 30. Mai 2007 hiess das kantonale Gericht die Beschwerde im
Sinne der Erwägungen teilweise gut und wies die Sache zur Einholung eines
Gutachtens und zum Neuentscheid an die Zürich zurück.

C.
Mit Beschwerde lässt G.________ beantragen, in Aufhebung des kantonalen
Entscheides seien ihr rückwirkend über den 9. Januar 2000 hinaus Taggelder auf
der Basis eines Arbeitsunfähigkeitsgrades von mindestens 61 %, im Anschluss an
die Taggeldleistungen eine Invalidenrente gestützt auf einen Invaliditätsgrad
von 63 % auszurichten und eine Integritätsentschädigung zu gewähren. Die
Angelegenheit sei zur Festlegung von Taggelddauer und Rentenbeginn sowie der
Höhe der Integritätsentschädigung an die Zürich zurückzuweisen.

Das kantonale Gericht und die Zürich schliessen auf Abweisung der Beschwerde,
die Zürich soweit darauf einzutreten sei. Das Bundesamt für Gesundheit
verzichtet auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:

1.
Die letztinstanzlich als "Verwaltungsgerichtsbeschwerde" bezeichnete, gegen den
Entscheid des Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau vom 30. Mai 2007
gerichtete Beschwerde erfüllt die seit dem 1. Januar 2007 (Datum des
Inkrafttretens des Bundesgesetzes über das Bundesgericht [BGG; SR 173.110])
geltenden Anforderungen an eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen
Angelegenheiten (vgl. Art. 82 BGG).

2.
2.1 Das BGG unterscheidet in Art. 90 bis 93 zwischen End-, Teil- sowie Vor- und
Zwischenentscheiden und schafft damit eine für alle Verfahren einheitliche
Terminologie.

Ein Endentscheid ist ein Entscheid, der das Verfahren prozessual abschliesst
(Art. 90 BGG), sei dies mit einem materiellen Entscheid oder Nichteintreten,
z.B. mangels Zuständigkeit. Der Teilentscheid ist eine Variante des
Endentscheids. Mit ihm wird über eines oder einige von mehreren Rechtsbegehren
(objektive und subjektive Klagehäufung) abschliessend befunden. Es handelt sich
dabei nicht um verschiedene materiellrechtliche Teilfragen eines
Rechtsbegehrens, sondern um verschiedene Rechtsbegehren. Vor- und
Zwischenentscheide sind alle Entscheide, die das Verfahren nicht abschliessen
und daher weder End- noch Teilentscheid sind; sie können formell- und
materiellrechtlicher Natur sein. Materiellrechtliche Zwischenentscheide sind
unter den alternativen Voraussetzungen von Art. 93 lit. a oder b BGG
anfechtbar. Namentlich mit der Voraussetzung gemäss lit. b ("wenn die
Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit
einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges
Beweisverfahren ersparen würde") kann dem prozessökonomischen Anliegen Rechnung
getragen werden, welches bisher mit der Qualifikation von Entscheiden über
materielle Teilfragen als Teilendentscheide verfolgt wurde. Ein
Rückweisungsentscheid schliesst das Verfahren nicht ab und ist somit nach der
Regelung des BGG kein Endentscheid. Auch Rückweisungsentscheide, mit denen eine
materielle Grundsatzfrage entschieden wird, sind keine Teilentscheide im Sinne
von Art. 91 lit. a BGG, da es sich dabei nicht um Entscheide über Begehren
handelt, die unabhängig von den anderen Fragen beurteilt werden können. Es
handelt sich dabei um Zwischenentscheide, die (nur, aber immerhin) unter den
Voraussetzungen von Art. 93 Abs. 1 BGG selbstständig angefochten werden können
(BGE 133 V 477 E. 4.1 und 4.2 S. 480 mit Hinweisen).

2.2 Voraussetzung für die selbstständige Anfechtbarkeit von Zwischenentscheiden
ist gemäss Art. 93 Abs. 1 BGG zunächst, dass sie selbstständig eröffnet worden
sind. Erforderlich ist sodann alternativ, dass der angefochtene Entscheid einen
nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken kann (lit. a) oder dass die
Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit
einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges
Beweisverfahren ersparen würde (lit. b; BGE 133 V 477 E. 5.1 S. 482).

2.3 Die Vorinstanz hat mit ihrem Entscheid unter Aufhebung des
Einspracheentscheids die Sache zur ergänzenden Abklärung an die Zürich
zurückgewiesen. Damit ist ein Rückweisungsentscheid gemäss E. 2.1 gegeben,
welcher als Zwischenentscheid nur gestützt auf die Voraussetzungen von Art. 93
Abs. 1 BGG anfechtbar ist. Das Vorliegen dieser Voraussetzungen wurde von der
Beschwerdeführerin weder dargetan, noch sind diese offensichtlich erfüllt. Im
Sozialversicherungsverfahren bestand nun allerdings eine langjährige Praxis,
dass ein (kantonaler) Rückweisungsentscheid einen Endentscheid darstellt (BGE
133 V 477, E. 3.1, S. 479 mit Hinweisen). Diese Praxis wird nach Inkrafttreten
des BGG nicht weitergeführt. Der die Rechtslage klärende BGE 133 V 477 erging
am 25. Juli 2007, ist seit dem 6. September 2007 im Internet abrufbar und wurde
in dem am 8. November 2007 erschienenen 10. Heft der Amtlichen Sammlung
publiziert. Unter diesen Umständen kann nicht gesagt werden, die
Beschwerdeführerin hätte bei Einreichung der Beschwerde am 14. September 2007
Kenntnis haben müssen von der neuen, sich durch das Inkrafttreten des BGG
ergebenden Rechtslage, insbesondere hinsichtlich des Erfordernisses der
Darlegung weiterer Eintretenserfordernisse. Falls sie darum gewusst hätte,
hätte sie diese allenfalls überzeugend darlegen können, wovon im Sinne einer
rechtsschonenden Einführung des neuen Bundesrechtspflegegesetzes auszugehen ist
(vgl. Urteil 8C_37/2007 vom 8. Januar 2008, E. 2.3). Es ist somit auf die
Beschwerde einzutreten.

3.
3.1
3.1.1 Die Vorinstanz hat die Bestimmung über den Anspruch auf Leistungen der
obligatorischen Unfallversicherung im Allgemeinen (Art. 6 Abs. 1 UVG) sowie die
Grundsätze zu dem für die Leistungspflicht des Unfallversicherers
vorausgesetzten natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem
eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod; BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181
mit Hinweisen), zur vorausgesetzten Adäquanz des Kausalzusammenhangs im
Allgemeinen (BGE 129 V 177 E. 3.2 S. 181 mit Hinweis), bei psychischen
Unfallfolgen (BGE 129 V 177 E. 4.1 S. 183, 123 V 98, 115 V 133 ff.) sowie
Folgen eines Unfalls mit Schleudertrauma der HWS bzw. einer diesem äquivalenten
Verletzung (BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103, 122 V 415, 117 V 359 ff.; SVR 2007
UV Nr. 8 S. 27 E. 2 [U 277/04], 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 2) ohne organisch
nachweisbare Funktionsausfälle zutreffend dargelegt. Gleiches gilt zu dem im
Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen). Darauf wird
verwiesen.
3.1.2 Im jüngst ergangenen, noch nicht in der Amtlichen Sammlung
veröffentlichten Urteil U 394/06 vom 19. Februar 2008 hat das Bundesgericht die
Praxis zur Kausalitätsprüfung bei Unfall mit Schleudertrauma, äquivalenter
Verletzung der HWS oder Schädel-Hirntrauma ohne organisch objektiv ausgewiesene
Beschwerden (sog. Schleudertrauma-Praxis) in mehrfacher Hinsicht präzisiert.
Gemäss diesem Urteil ist am Erfordernis einer besonderen Adäquanzprüfung bei
Unfällen mit solchen Verletzungen festzuhalten (E. 7-9 des erwähnten Urteils).
Auch besteht keine Veranlassung, die bewährten Grundsätze über die bei dieser
Prüfung vorzunehmende Einteilung der Unfälle nach deren Schweregrad und den
abhängig von der Unfallschwere gegebenenfalls erforderlichen Einbezug weiterer
Kriterien in die Adäquanzbeurteilung zu ändern (E. 10.1). Das Bundesgericht hat
aber die Anforderungen an den Nachweis einer natürlich unfallkausalen
Verletzung, welche die Anwendung der Schleudertrauma-Praxis rechtfertigt,
erhöht (E. 9) und die adäquanzrelevanten Kriterien teilweise modifiziert (E.
10).

3.2 Im Weiteren hat die Vorinstanz die Grundsätze über die Anforderungen an
einen ärztlichen Bericht (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 mit Hinweis; SVR 2007 UV
Nr. 33 S. 111 E. 4.2, U 571/06) sowie hinsichtlich des Beweiswertes eines
Parteigutachtens (BGE 125 V 351 E. 3b S. 353) zutreffend dargelegt. Zu ergänzen
ist in diesem Zusammenhang, dass dem reinen Aktengutachten voller Beweiswert
zukommen kann, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen
nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen
Sachverhalts geht (RKUV 1993 Nr. U 167 S. 95; nicht publ. E. 5b des Urteils BGE
114 V 109, veröffentlicht in RKUV 1988 Nr. U 56 S. 366; vgl. auch Urteile U 181
/06 vom 21. Juni 2007, E. 2.3, und U 223/06 vom 8. Februar 2007, E. 5.1.2).
Aktengutachten sind insbesondere dann von Belang, wenn die relevanten Befunde
mehrfach und ohne wesentlichen Widerspruch bereits erhoben worden sind, aber
die Zuordnung zu einer Diagnose oder der Kausalzusammenhang und das Ausmass der
Behinderung verschieden bewertet werden. In diesen Fällen kann sehr wohl in
einem Aktengutachten das Für und Wider der verschiedenen Meinungen erwogen und
die überwiegende Wahrscheinlichkeit für eine bestimmte Beurteilung deutlich
gemacht werden (Hans Kind, So entsteht ein medizinisches Gutachten, in: René
Schaffhauser/Franz Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der medizinischen
Begutachtung in der Sozialversicherung, Veröffentlichungen des Schweizerischen
Instituts für Verwaltungskurse an der Universität St. Gallen/Band 42, St.
Gallen 1997, S. 52).

4.
Strittig ist, ob die Vorinstanz zu Recht die Sache zur ergänzenden
Sachverhaltsabklärung an die Verwaltung zurückgewiesen hat.

4.1 Die Vorinstanz geht davon aus, dass die Beschwerdeführerin initial am
typischen bunten Beschwerdebild nach einem Schleudertrauma der HWS gelitten
habe und teilweise heute noch leide. Nach Auffassung der Vorinstanz wäre die
Adäquanzfrage zu bejahen, wenn sie im heutigen Zeitpunkt nach der
Rechtsprechung gemäss BGE 117 V 359 ff. beurteilt würde. Voraussetzung für eine
Leistungspflicht sei allerdings, dass der invalidisierende Gesundheitsschaden
in einem natürlichen Kausalzusammenhang zum Unfall stehe. Aufgrund der
(älteren) Gutachten lasse sich aber nicht feststellen, ob im massgeblichen
Zeitpunkt des Einspracheentscheides die vorhandenen Beschwerden (noch) auf das
Schleudertrauma zurückzuführen seien. Im Weiteren vertritt die Vorinstanz der
Auffassung, aufgrund der widersprüchlichen psychiatrischen Beurteilungen sei es
nicht möglich zu entscheiden, ob die notwendige Adäquanzprüfung nach der
Rechtsprechung gemäss BGE 115 V 133 ff. oder gemäss BGE 117 V 359 ff.
vorzunehmen sei. Angesichts der veralteten und unvollständigen medizinischen
Abklärungen im somatischen Bereich und der widersprüchlichen psychiatrischen
Beurteilungen sei die Einholung eines interdisziplinären Gutachtens zur Frage,
ob nach dem 1. Juli 2000 (Zeitpunkt der Leistungseinstellung) noch relevante
Folgen des Schleudertraumas vom 12. Dezember 1998 und wenn ja, in welchem
Ausmass und bis wann vorliegen, unumgänglich.

4.2 Die Beschwerdeführerin ist demgegenüber der Auffassung, der natürliche
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den andauernden Beschwerden sei
aufgrund der ärztlichen Berichte zweifellos gegeben; streitig sei lediglich der
Umfang der Arbeitsfähigkeit. Weil die Unfallkausalität ursprünglich mehrfach
gutachterlich bestätigt worden sei, müsse es für den massgeblichen Zeitpunkt
des Einspracheentscheides genügen, wenn in Arztberichten die andauernden
Beschwerden bestätigt würden. Die vom Unfallversicherer zu verantwortende
Verfahrensverzögerung dürfe nicht damit belohnt werden, dass die natürliche
Kausalität erneut in Frage gestellt werde. Eine versicherte Person sei zwar
verpflichtet, sich einer medizinischen Untersuchung zu unterziehen, soweit
diese notwendig und zumutbar sei; eine solche Notwendigkeit bestehe im
vorliegenden Fall aber nicht. Für die Einholung einer second opinion durch eine
erneute polydisziplinäre Begutachtung biete Art. 43 Abs. 1 ATSG keine
Grundlage. Eine Rückweisung zwecks Klärung des natürlichen Kausalzusammenhangs
von Unfallfolgen erscheine demnach nicht gerechtfertigt.
4.3
4.3.1 Vorab ist auf den Einwand der Beschwerdeführerin einzugehen, das
Vorliegen des natürlichen Kausalzusammenhangs sei seitens der
Beschwerdegegnerin anerkannt. Sie rügt in diesem Zusammenhang, die Vorinstanz
habe den Streitgegenstand in unzulässiger Weise erweitert. Dieser Auffassung
kann nicht beigepflichtet werden. Das kantonale Versicherungsgericht hat den
Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären (Art. 61 lit. c ATSG). Das Vorliegen des
natürlichen Kausalzusammenhangs ist eine Leistungsvoraussetzung. Die Vorinstanz
ist nicht nur berechtigt, sondern sogar verpflichtet zu klären, ob diese
Voraussetzung gegeben ist.
4.3.2 Die Anerkennung der Leistungspflicht durch den Unfallversicherer ist
allerdings in rechtlicher Hinsicht durchaus von Belang. Ist nämlich die
Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen,
entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht erst, wenn der Unfall nach
einiger Zeit überhaupt keine natürliche Ursache des Gesundheitsschadens mehr
darstellt, wenn also letzterer nur noch und ausschliesslich von unfallfremden
Faktoren beherrscht wird. Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche
Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von
unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im
Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich
fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht (BGE 117 V 359 E.
4a S. 360, 369 E. 3a S. 376, 115 V 133 E. 8b S. 142 mit Hinweis). Da es sich
hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die entsprechende
Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher
Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern
beim Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45). Aus dieser Rechtsprechung
lässt sich nun aber keinesfalls ableiten, bei einer einmal anerkannten
Leistungspflicht sei es dem Unfallversicherer verwehrt, in einem späteren
Zeitpunkt neue Abklärungen hinsichtlich des natürlichen Kausalzusammenhangs zu
tätigen. Vielmehr trägt diese Rechtsprechung gerade der Tatsache Rechnung, dass
ein unfallbedingter Gesundheitsschaden im Regelfall abheilt. Dauert eine
gesundheitliche Beeinträchtigung an, ist der Unfallversicherer berechtigt und
letztlich sogar verpflichtet, die allenfalls andauernde ursächliche Bedeutung
des Unfalls zu klären. Die vorgenannte Rechtsprechung beschlägt dabei einzig
die rechtlichen Folgen dieser Abklärung, insofern als dem Unfallversicherer die
Beweislast zugewiesen wird für den Fall, dass ungeklärt bleibt, ob dem Unfall
(noch) eine kausale Bedeutung für den andauernden Gesundheitsschaden zukommt.
Bevor sich aber überhaupt die Frage der Beweislast stellt, ist der Sachverhalt
im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes richtig und vollständig zu klären. Dazu
hat die Vorinstanz die Beschwerdegegnerin verpflichtet; dieses Vorgehen ist
keineswegs zu beanstanden, die verlangte ergänzende Sachverhaltsabklärung
erscheint vielmehr gerade auch mit Blick auf die dargestellte Rechtsprechung
als geboten.
4.4
4.4.1 Es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin eine
Schleudertraumaverletzung erlitten hat. Was den Nachweis des natürlichen
Kausalzusammenhangs zwischen solchen Beschwerden und einem ursächlich in Frage
kommenden Unfall anbelangt, gilt es festzuhalten, das auch bei
Schleudermechanismen der HWS in erster Linie die medizinischen Fakten,
insbesondere die fachärztlichen Erhebungen über Anamnese, Verletzungsfolgen,
unfallfremde Faktoren und Vorzustand sowie die medizinischen Erkenntnisse
hinsichtlich des objektivierbaren Befundes und die Diagnose die massgeblichen
Grundlagen für die Kausalitätsbeurteilung bilden. Das Vorliegen eines
Schleudertraumas wie seine Folgen müssen durch zuverlässige ärztliche Angaben
gesichert sein (E. 4.6 hienach). Trifft dies zu und ist die natürliche
Kausalität - aufgrund fachärztlicher Feststellungen in einem konkreten Fall -
unbestritten, so kann der natürliche Kausalzusammenhang in aller Regel auch aus
rechtlicher Sicht als erstellt gelten (BGE 119 V 335 E. 2b/aa S. 340, 117 V 359
E. 4b S. 360). So verhält es sich hier jedoch nicht. Nach der zutreffenden
Ansicht der Vorinstanz lassen die medizinischen Unterlagen keine abschliessende
Beurteilung der Frage zu, ob zwischen dem Unfallereignis und den
fortbestehenden Gesundheitsschädigungen ein natürlicher Kausalzusammenhang
gegeben ist.
4.4.2 Im Gutachten D.________ vom 14. April 2000 wird zwar die Unfallkausalität
der damals bestehenden Beschwerden bejaht, diese waren jedoch in Besserung
begriffen und begründeten lediglich eine Arbeitsunfähigkeit von 10 % für eine
begrenzte Dauer von sechs Monaten. Es ist deshalb unklar, ob beim heutigen
Beschwerdebild, welches sich in einem sehr viel stärkeren Masse auf die
Arbeitsfähigkeit auswirkt, dem im Jahre 1998 erlittenen Unfall überhaupt noch
eine kausale Bedeutung zukommt, sei dies auch nur im Sinne einer Teilursache.
Im MEDAS Gutachten vom 8. Juni 2001 fällt auf, dass nicht die Hals- und
Nackenbeschwerden, sondern die Kreuzschmerzen als Hauptleiden bezeichnet werden
- Beschwerden, welche nicht zum typischen Beschwerdebild nach einem
Schleudertrauma zu zählen sind. Zur Unfallkausalität dieser Beschwerden äussert
sich das im Auftrag der IV erstellte MEDAS-Gutachten nicht. Die darin an erster
Stelle gestellte Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung weist
auf eine psychische Komponente dieser Beschwerden hin, deren Unfallbedingtheit
nicht geklärt und fraglich erscheint. Soweit beim im Weiteren diagnostizierten
chronifizierten, zervikozephalen, zervikothorakalen und zervikobrachialen
Schmerzsyndrom rechts ein Status nach Autounfall 1998 mit HWS-Distorsionstrauma
angeführt ist, wird damit keine Kausalitätsbeurteilung vorgenommen. Zudem ist
die Auswirkung dieser Diagnose auf die insgesamt auf 50 % geschätzte
Arbeitsunfähigkeit unklar. Zu bedenken ist schliesslich, dass bezüglich der
anscheinend seit dem Unfall bestehenden Nackenbeschwerden keine neueren
rheumatologischen oder neurologischen Untersuchungen vorliegen. Im Regelfall
bilden sich die wegen eines HWS-Schleudertraumas aufgetretenen Beschwerden im
Laufe der Zeit zurück; die im vorliegenden Fall festzustellende
Beschwerdeverstärkung ist zumindest erklärungsbedürftig. Wie die Vorinstanz
deshalb richtig festgehalten hat, muss die Unfallkausalität der nach wie vor
bestehenden Beschwerden vorab auch in somatischer Hinsicht geklärt werden. Ein
psychiatrisches Gutachten allein kann die Frage nach der Unfallkausalität des
im Falle einer Schleudertraumaverletzung eben auch somatische Komponenten
aufweisenden Beschwerdebildes nicht genügend beantworten (E. 4.6 hienach).

4.5 Abklärungsbedarf besteht im Weiteren auch in psychiatrischer Hinsicht. Wie
die Vorinstanz zu Recht darlegt, spielt es für die Wahl der Art der
Adäquanzprüfung eine Rolle, ob, seit wann und wie stark das Beschwerdebild der
Beschwerdeführerin psychisch geprägt ist. Bezüglich dieser für die
Entscheidfindung zentralen Frage liegen unterschiedliche ärztliche
Beurteilungen vor. Die Vorinstanz hat zutreffend und ausführlich dargelegt,
wieso sie weder auf das Aktengutachten von Prof. Dr. med. F.________ vom 3.
August 2005 noch auf das Gutachten von PD Dr. med. I.________ vom 30. August
2006 abstellen kann. Wenn die Beschwerdeführerin dagegen nun vorbringt, das
Gutachten des Dr. med. I.________ erfülle alle an ein Gutachten zu stellenden
Anforderungen, weshalb darauf abzustellen sei, ist ihr entgegenzuhalten, dass
dieses Parteigutachten nicht nur im Widerspruch zu dem Aktengutachten von Prof.
Dr. med. F.________ steht, sondern auch zu gänzlich anderen Schlussfolgerungen
kommt als andere (frühere) psychiatrische Abklärungen. PD Dr. med. I.________
kommt im Gutachten vom 30. August 2006 zum Ergebnis, dass im
Untersuchungszeitpunkt bei der Versicherten keine relevante Symptomatik im
Sinne einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und auch sonst keine
psychiatrische Störung bestand. Auf eine psychische Problematik und eine
Chronifizierungstendenz wies allerdings bereits der (damals) behandelnde Arzt
Dr. med. L.________, FMH Allg. Medizin, im Bericht vom 11. Juli 2000 hin. Im
Bericht der Klinik E.________ vom 2. März 2001 ist von einer vorbestehenden
wesentlichen Psychopathologie die Rede, die aber bis zum Unfall vom 12.
Dezember 1998 kompensiert werden konnte. Im MEDAS Gutachten vom 8. Juni 2001
wird die bereits erwähnte (Haupt-)Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung
gestellt und die (Teil-)Arbeitsunfähigkeit vorwiegend auf die psychiatrischen
Gegebenheiten zurückgeführt. Im Aktengutachten vom 3. August 2005 weist Prof.
Dr. med. F.________ darauf hin, dass keine objektivierbaren, die Symptomatik
erklärenden strukturellen Schäden vorliegen würden; bei der Versicherten liege
eine starke psychogene Fixierung auf ein Lebenskonzept vor, das den Unfall als
Hauptursache ihrer Situation in den Mittelpunkt stelle. Auch wenn es zutrifft,
dass auf das Aktengutachten des Prof. Dr. med. F.________ nicht abschliessend
abgestellt werden darf, ist dieses doch immerhin geeignet, die völlig anderen
Schlussfolgerungen des Gutachters PD Dr. med. I.________ vom 30. August 2006 in
Frage zu stellen, zumal Letzterer sich zwar mit der abweichenden Auffassung des
Gutachters Prof. Dr. med. F.________ auseinandersetzt, aber keine Erklärung
dafür liefert, weshalb sich die früher mehrfach festgestellte psychische
Problematik zurückgebildet haben könnte. Unter den gegebenen Umständen ist es
keineswegs zu beanstanden, wenn die Vorinstanz den Sachverhalt auch in
psychiatrischer Hinsicht als ungenügend abgeklärt und deshalb eine ergänzende -
polydisziplinäre - Begutachtung als notwendig erachtet.

4.6 Im Vordergrund stehen dabei Untersuchungen neurologisch/orthopädischer
(soweit indiziert mit apparativen Mitteln) und psychiatrischer sowie
gegebenenfalls auch neuropsychologischer Fachrichtung. Bei spezifischer
Fragestellung und zum Ausschluss von Differentialdiagnosen sind auch
otoneurologische, ophthalmologische oder andere Untersuchungen angezeigt. Die
Gutachter müssen hiebei über zuverlässige Vorakten verfügen. Dies unterstreicht
nochmals die Wichtigkeit einer sorgfältigen Dokumentierung des
Unfallereignisses und der medizinischen Erstabklärung, aber auch des weiteren
Verlaufes bis zur Begutachtung. Inhaltlich sind überzeugende Aussagen dazu
erforderlich, ob die geklagten Beschwerden überhaupt glaubhaft sind, und
bejahendenfalls, ob für diese Beschwerden trotz Fehlens objektiv ausgewiesener
organischer Unfallfolgen ein beim Unfall erlittenes Schleudertrauma
(Distorsion) der HWS, eine äquivalente Verletzung oder ein Schädel-Hirntrauma
überwiegend wahrscheinlich zumindest eine Teilursache darstellt. Aufgrund der
Besonderheiten der Schleudertrauma-Praxis soll das Gutachten bei gefestigter
Diagnose auch darüber Auskunft geben, ob eine bestehende psychische Problematik
als Teil des für solche Verletzungen typischen, einer Differenzierung kaum
zugänglichen somatisch-psychischen Beschwerdebildes zu betrachten ist, oder
aber ein von diesem zu trennendes, eigenständiges psychisches Leiden darstellt.
Nur wenn in der Expertise überzeugend dargetan wird, dass die psychische
Störung nicht Symptom der Verletzung ist, kann dafür eine andere Ursache
gesehen werden. Der Hinweis auf ungünstige soziale und soziokulturelle
Verhältnisse der versicherten Person und dergleichen genügt nicht. Weiter ist
zu beantworten, inwieweit die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und (mit Blick
auf eine allfällige Berentung) in alternativen Tätigkeiten durch die
festgestellten natürlich unfallkausalen Leiden eingeschränkt ist (erwähntes
Urteil U 394/06, E. 9.4 f. mit Hinweisen). Die Parteien können im
Verwaltungsverfahren ihre diesbezüglichen Standpunkte ergänzend erläutern,
sofern sie sich dazu aufgrund der mit erwähntem Urteil U 394/06 präzisierten
bundesgerichtlichen Praxis veranlasst sehen. Die Beschwerde ist deshalb
abzuweisen.

5.
Das bundesgerichtliche Verfahren ist kostenpflichtig (Art. 65 Abs. 1 und Abs. 4
lit. a BGG). Die Gerichtskosten sind der Beschwerdeführerin als unterliegender
Partei aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 Satz 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau und
dem Bundesamt für Gesundheit schriftlich mitgeteilt.
Luzern, 27. März 2008
Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Ursprung Jancar