Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.548/2007
Zurück zum Index I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 2007
Retour à l'indice I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 2007


Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
8C_548/2007

Urteil vom 5. Mai 2008
I. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichter Lustenberger, Bundesrichterin Leuzinger,
Gerichtsschreiber Krähenbühl.

Parteien
G.________, Beschwerdeführer, vertreten durch die Sozialberatung X.________,

gegen

IV-Stelle Basel-Landschaft, Hauptstrasse 109, 4102 Binningen,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Invalidenversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft vom
8. Juni 2007.

Sachverhalt:

A.
G.________ war bis Ende Februar 2000 als Oberarzt am Spital O.________
beschäftigt, wobei sein Einsatzbereich in den Bereichen Gynäkologie und
Geburtshilfe lag. Auf Grund psychischer Schwierigkeiten gab er seine Tätigkeit
auf und meldete sich am 31. Oktober 2005 unter Hinweis auf seit August 2001
bestehende gesundheitliche Probleme psychischer Art bei der
Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle Basel-Landschaft
liess von Dr. med. A.________, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
ein psychiatrisches Gutachten erstellen, welches dieser am 30. April 2006
erstattete. Dem behandelnden Psychiater Dr. med. W.________, ebenfalls Facharzt
FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte sie das Formular "Arztbericht
für Erwachsene" zu, welches dieser ausgefüllt und mit einer ausführlicheren
Stellungnahme vom 16. Januar 2005 (recte: 2006) versehen zurücksandte. Gestützt
auf diese Unterlagen setzte die IV-Stelle den Invaliditätsgrad auf 58 % fest
und sprach G.________ mit Verfügung vom 13. Oktober 2006 rückwirkend ab 1. Juli
2005 eine halbe Invalidenrente zu.

B.
Die hiegegen erhobene Beschwerde wies das Kantonsgericht Basel-Landschaft,
Abteilung Sozialversicherungsrecht, mit Entscheid vom 8. Juni 2007 ab, wobei
sie abweichend von der IV-Stelle von einem Invaliditätsgrad von lediglich 50 %
ausging.

C.
Hiegegen lässt G.________ Beschwerde erheben und die Gewährung der gesetzlichen
Leistungen, namentlich einer ganzen Invalidenrente beantragen.
Die IV-Stelle und das kantonale Gericht sehen von einer Stellungnahme zur Sache
ab. Das Bundesamt für Sozialversicherungen verzichtet auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:

1.
Die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten (Art. 82 ff. BGG) kann
wegen Rechtsverletzung gemäss Art. 95 und 96 BGG erhoben werden. Das
Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die Vorinstanz
festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Es kann die Sachverhaltsfeststellung
der Vorinstanz nur berichtigen oder ergänzen, wenn sie offensichtlich unrichtig
ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht (Art. 105
Abs. 2 BGG).

2.
Das kantonale Gericht hat die Begriffe der Arbeitsunfähigkeit (Art. 6 ATSG) und
der Invalidität (Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 7 und 8 Abs. 1 ATSG)
sowie die gesetzliche Regelung über den nach Massgabe des Invaliditätsgrades zu
bestimmenden Umfang eines Rentenanspruchs (Art. 28 Abs. 1 IVG) und über die
Invaliditätsbemessung bei Erwerbstätigen nach der Einkommensvergleichsmethode
(Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28 Abs. 2 IVG ) einschliesslich der hiezu
ergangenen Rechtsprechung (BGE 128 V 29 E. 1 S. 30 f. mit Hinweisen) zutreffend
dargelegt, worauf verwiesen wird. Dasselbe gilt hinsichtlich der
invalidenversicherungsrechtlichen Beurteilung psychischer Gesundheitsschäden
(BGE 131 V 49 E. 1.2 S. 50 f. mit Hinweisen). Auf den kantonalen Entscheid
verwiesen werden kann ferner hinsichtlich der Bedeutung ärztlicher
Arbeitsfähigkeitsschätzungen für die Invaliditätsbemessung (BGE 125 V 256 E. 4
S. 261) und der Rechtsprechung zum Beweiswert ärztlicher Auskünfte (BGE 125 V
351 E. 3 S. 352 ff.).

3.
Streitig ist einzig der trotz gesundheitlich bedingter Beeinträchtigung
zumutbarerweise noch realisierbare Verdienst (Invalideneinkommen). Dabei setzt
sich der Beschwerdeführer dagegen zur Wehr, dass die Vorinstanzen von der für
das Jahr 2004 geltenden Tabelle TA 11 der vom Bundesamt für Statistik
periodisch durchgeführten Lohnstrukturerhebung (LSE) ausgegangen sind. Unter
Zubilligung eines 15%igen behinderungsbedingten Abzuges (vgl. BGE 126 V 75 E. 5
S. 78 ff.) ist die IV-Stelle zu einem Invalideneinkommen von Fr. 66'590.-
gelangt, was verglichen mit dem unbestrittenen Verdienst von Fr. 156'683.-, den
der Beschwerdeführer ohne Gesundheitsschaden mutmasslich erzielen würde
(Valideneinkommen), einen Invaliditätsgrad von 58 % und damit einen Anspruch
auf eine halbe Invalidenrente ergab. Das kantonale Gericht erkannte
demgegenüber, dass bei der Bestimmung des Invalideneinkommens kein Anlass für
einen Abzug von den Tabellenlöhnen gemäss LSE bestehe. Sie setzte daher das
Invalideneinkommen auf Fr. 78'341.50 fest, was zu einem Invaliditätsgrad von
lediglich 50 % führte, im Ergebnis aber am Anspruch auf eine halbe
Invalidenrente nichts änderte.

3.1 Unbestrittenermassen ist der Beschwerdeführer nicht mehr in der Lage,
seiner früheren Berufstätigkeit nachzugehen. Eine ärztliche Beschäftigung mit
direktem Patientenkontakt scheidet aus. Hingegen sollte es ihm möglich sein,
seine beruflichen Kenntnisse und Erfahrungen in einem seinem Leiden angepassten
Betätigungsfeld einzusetzen und damit ein Erwerbseinkommen zu generieren. In
Frage kämen laut Bericht des Dr. med. A.________ vom 30. April 2006 etwa
administrative Arbeiten als Arzt in der Verwaltung und für Versicherungen,
wobei auch hier von einer um 50 % reduzierten Leistungsfähigkeit auszugehen
wäre.

3.2 Wie in der Beschwerdeschrift an sich richtig festgehalten wird, stellt die
Frage nach der bei einem Einkommensvergleich gestützt auf die LSE anzuwendenden
Tabelle nach der Rechtsprechung in BGE 132 V 393 eine vom Bundesgericht frei zu
prüfende Rechtsfrage dar (BGE 132 V 393 E. 3.3 S. 399). Als für das
Bundesgericht bereits verbindlich beurteilter Aspekt erscheint hingegen das für
die Wahl einer bestimmten Tabelle der LSE entscheidende Vorhandensein konkret
erforderlicher Voraussetzungen wie etwa einer spezifischen Ausbildung und
weiterer beruflicher Qualifikationen. Die Prüfung solcher bedeutsamer
Gegebenheiten fällt in den Bereich der Sachverhaltserhebung und kann vom
Bundesgericht - soweit eine auf einer Rechtsverletzung beruhende
Sachverhaltsermittlung ausscheidet - grundsätzlich nur noch auf offensichtliche
Unrichtigkeit hin überprüft werden (Art. 97 Abs. 1 sowie und Art. 105 Abs. 2
und - e contrario - 3 BGG). Eine solche liegt hier aber nicht vor und wird in
der Beschwerdeschrift auch nicht geltend gemacht. Die von den Vorinstanzen
beigezogene Tabelle TA 11 weist unter anderem die an Personen mit universitärem
Hochschulabschluss bezahlten Löhne aus. Der Beschwerdeführer als ausgebildeter
Mediziner verfügt über eine solche Ausbildung und kann eine mehrjährige
Berufserfahrung vorweisen. Auch unter Berücksichtigung der Vorbringen in der
Beschwerdeschrift ist unter diesen Umständen nicht einzusehen, inwiefern das
Abstellen auf die Tabelle TA 11 der LSE 2004 bundesrechtswidrig sein sollte.

3.3 Was den vom kantonalen Gericht verweigerten behinderungsbedingten Abzug von
den in der LSE ausgewiesenen Tabellenlöhnen anbelangt, ist zunächst darauf
hinzuweisen, dass die Bestimmung der Höhe eines solchen leidensbedingten
Abzuges dem Ermessen der rechtsanwendenden Behörde anheimgestellt ist, welcher
insoweit ein grosser Spielraum zuzubilligen ist. Ein richterliches Eingreifen
kommt deshalb praktisch nur bei rechtsfehlerhafter Ermessensausübung, also bei
Ermessensmissbrauch sowie Ermessensüber- oder -unterschreitung in Frage (BGE
132 V 387 E. 3.3 S. 399). Selbst wenn man den von der Verwaltung zugestandenen
Abzug von 15 % noch als im zulässigen Rahmen der Ermessensausübung durch die
IV-Stelle liegend betrachten wollte, würde sich an dem auch vom kantonalen
Gericht anerkannten Anspruch auf eine halbe Rente nichts ändern. Eine nähere
Prüfung der Zulässigkeit der vorinstanzlichen Ablehnung jeglichen Abzuges von
den Tabellenlöhnen gemäss LSE erübrigt sich daher.

4.
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die Gerichtskosten vom Beschwerdeführer
als unterliegender Partei zu tragen (Art. 66 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung
Sozialversicherungsrecht, und dem Bundesamt für Sozialversicherungen
schriftlich mitgeteilt.
Luzern, 5. Mai 2008
Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Ursprung Krähenbühl