Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.578/2007
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Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
8C_578/2007

Urteil vom 30. Mai 2008
I. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichterinnen Widmer und Leuzinger,
Gerichtsschreiber Hochuli.

Parteien
H.________, 1972, Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Alex Beeler, Frankenstrasse 3, 6003 Luzern,

gegen

CSS Versicherung AG, Tribschenstrasse 21, 6005 Luzern, Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Unfallversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Luzern vom
21. August 2007.

Sachverhalt:

A.
H.________, geboren 1972, war seit 1. Juni 1998 als Sachbearbeiterin und ab 1.
Juni 2002 als stellvertretende Gruppenleiterin vollzeitlich für die C.________
Versicherung tätig und in dieser Eigenschaft bei der CSS Versicherung AG
(nachfolgend: CSS oder Beschwerdegegnerin) obligatorisch gegen die Folgen von
Unfällen und Berufskrankheiten versichert. Am 26. November 2000 (erster Unfall)
sowie am 23. November 2002 (zweiter Unfall) erlitt sie jeweils ein
Distorsionstrauma der Halswirbelsäule (HWS). Nach dem ersten Unfall war sie ab
10. Februar 2002 wieder voll arbeitsfähig. Nach dem zweiten Unfall war sie
erneut (anfänglich zu 100 % und ab 16. Dezember 2002 in unterschiedlichem
Ausmass) arbeitsunfähig. Anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 2.
Februar 2005 durch den Orthopäden Dr. med. A.________ empfahl dieser weitere
spezialmedizinische Abklärungen, ohne sich zur anhaltenden Arbeitsunfähigkeit
zu äussern. Der Neurologe Dr. med. S.________ berichtete am 30. März 2005, die
Magnetresonanz-Untersuchung vom 24. Februar 2005 habe diskrete degenerative
Veränderungen im Sinne einer Chondrose bei den Halswirbelkörpern 4 bis 7
gezeigt, ohne dass dieser Befund die neuralen Strukturen beeinträchtige. Bei
einzig in der Reklination eingeschränkter HWS-Beweglichkeit sowie
Exacerbationen der Nacken- und Kopfschmerzen durch Kopfbewegungen, körperliche
Belastung und Konzentration vermochte der Neurologe kein signifikantes
myofasziales Zervikalsyndrom nachzuweisen. Nachdem die C.________ Versicherung
das Arbeitsverhältnis mit H.________ per Ende April 2005 gekündigt hatte, fand
letztere mit Arbeitsbeginn am 1. Juni 2005 eine neue Arbeitsstelle am Hauptsitz
der O.________ Versicherung, wo sie im Umfang der subjektiv geschätzten
Restleistungsfähigkeit mit einem Pensum von anfänglich 60 % und von 50 % ab 1.
Oktober 2005 erwerbstätig war.

Die CSS kam nach beiden Unfällen für die Heilbehandlung auf und richtete ein
Taggeld aus. Mit Verfügung vom 13. Mai 2005 stellte sie die erbrachten
gesetzlichen Versicherungsleistungen per 31. Mai 2005 ein und schloss beide
Fälle folgenlos ab. Daran hielt sie mit Einspracheentscheid vom 27. Februar
2006 fest.

B.
Die hiegegen erhobene Beschwerde der H.________ wies das Verwaltungsgericht des
Kantons Luzern, Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, mit Entscheid vom 21.
August 2007 ab.

C.
Mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten lässt H.________ unter
anderem die Aufhebung des angefochtenen Gerichtsentscheides, die weitere
Ausrichtung des auf einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % basierenden Taggeldes ab
31. Mai 2005, die Übernahme der Heilbehandlung ab diesem Datum sowie die
Ausrichtung einer Integritätsentschädigung bei einer unfallbedingten Einbusse
von mindestens 15 % beantragen.

Während die CSS auf Abweisung der Beschwerde schliesst, verzichtet das
Bundesamt für Gesundheit (BAG) auf eine Vernehmlassung.

D.
Mit Eingaben vom 18. und 31. März 2008 äussern sich die Parteien im Hinblick
auf das zwischenzeitlich ergangene Urteil BGE 134 V 109.

Erwägungen:

1.
1.1 Die Beschwerde kann wegen Rechtsverletzung gemäss Art. 95 und Art. 96 BGG
erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106
Abs. 1 BGG). Es ist somit weder an die in der Beschwerde geltend gemachten
Argumente noch an die Erwägungen der Vorinstanz gebunden; es kann eine
Beschwerde aus einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen und es kann
sie mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden Begründung
abweisen (vgl. BGE 130 III 136 E. 1.4 S. 140). Das Bundesgericht prüft
grundsätzlich nur die geltend gemachten Rügen; es ist nicht gehalten, wie eine
erstinstanzliche Behörde alle sich stellenden rechtlichen Fragen zu
untersuchen, wenn diese vor Bundesgericht nicht mehr vorgetragen wurden. Es
kann die Verletzung von Grundrechten und von kantonalem und interkantonalem
Recht nur insofern prüfen, als eine solche Rüge in der Beschwerde vorgebracht
und begründet worden ist (Art. 106 Abs. 2 BGG).

1.2 Im Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von
Geldleistungen der Militär- oder Unfallversicherung ist das Bundesgericht nicht
an die vorinstanzliche Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gebunden
(Art. 97 Abs. 2 und Art. 105 Abs. 3 BGG).

2.
2.1 Die Beschwerdeführerin rügt vorweg, das kantonale Gericht habe den
angefochtenen Entscheid auf einer unvollständigen Aktenlage gefällt. Die
Beschwerdegegnerin habe der Vorinstanz nur die zu ihren Gunsten lautenden
Unterlagen eingereicht. Das Dossier, welches der Versicherten im
Administrativverfahren von der CSS zugestellt worden sei, habe einen grossen
A-4-Ordner umfasst. Aus diesen Akten habe die Beschwerdeführerin in der
vorinstanzlichen Beschwerdeschrift zitiert. Dennoch habe es das kantonale
Gericht unterlassen, die offensichtlich rudimentär und willkürlich
zusammengestellten Gerichtsakten zu ergänzen und die fehlenden Unterlagen bei
der Beschwerdegegnerin einzuverlangen.

2.2 Die Vorinstanz äussert sich vernehmlassungsweise zu dieser letztinstanzlich
erhobenen Rüge nicht. Die CSS beschränkt sich diesbezüglich auf den Hinweis,
sie habe dem kantonalen Gericht nach Massgabe der vorinstanzlichen Aufforderung
vom 29. Mai 2006 mit Vernehmlassung vom 26. Juli 2006 alle sachbezüglichen
Akten eingereicht. Tatsache ist, dass die Vorinstanz dem Bundesgericht mit
Schreiben vom 26. September 2007 von beschwerdegegnerischer Seite einzig ein
Dossier mit den Belegnummern 1-17 zustellte. Dabei dürfte es sich inhaltlich um
dieselben siebzehn Aktenbelege handeln, welche die CSS mit Vernehmlassung vom
26. Juli 2006 beim kantonalen Gericht eingereicht hatte.

3.
3.1 Nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung sind die Gerichte
verpflichtet, die Beweise - ohne Bindung an förmliche Regeln - umfassend,
pflichtgemäss und objektiv zu würdigen und insbesondere die Gründe anzugeben,
warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen.
Sowohl das sozialversicherungsrechtliche Administrativverfahren wie auch der
kantonale Sozialversicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht
(Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben Sozialversicherungsträger
und Sozialversicherungsgericht den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes
wegen festzustellen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die
für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen
hinreichende Klarheit besteht (vgl. Urteil 9C_456/2007 vom 17. März 2008, E.
2.2).

3.2 Der Untersuchungsgrundsatz weist enge Bezüge zum - auf Verwaltungs- und
Gerichtsstufe geltenden - Grundsatz der freien Beweiswürdigung auf und zählt zu
den in Art. 95 BGG erwähnten bundesrechtlichen Vorschriften (Ueli Kieser,
Auswirkungen des Bundesgesetzes über das Bundesgericht auf die
Sozialversicherungsrechtspflege, in: Bernhard Ehrenzeller/Rainer J. Schweizer
[Hrsg.], Die Reorganisation der Bundesrechtspflege - Neuerungen und
Auswirkungen in der Praxis, St. Gallen 2006, S. 460 f.; Urteil 9C_456/2007 vom
17. März 2008, E. 2.2). Führen die im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes von
Amtes wegen vorzunehmenden Abklärungen den Versicherungsträger oder das Gericht
bei umfassender, sorgfältiger, objektiver und inhaltsbezogener Beweiswürdigung
(BGE 132 V 393 E. 4.1 S. 400) zur Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei
als überwiegend wahrscheinlich (BGE 126 V 353 E. 5b S. 360, 125 V 193 E. 2 S.
195, je mit Hinweisen) zu betrachten und es könnten weitere Beweismassnahmen an
diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so liegt im Verzicht auf die
Abnahme weiterer Beweise keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör
(antizipierte Beweiswürdigung; vgl. SVR 2001 IV Nr. 10 S. 27 E. 4 S. 28; zu
Art. 4 Abs. 1 aBV ergangene, weiterhin geltende Rechtsprechung: BGE 124 V 90 E.
4b S. 94, 122 V 157 E. 1d S. 162, je mit Hinweisen). Bleiben jedoch erhebliche
Zweifel an Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen
Tatsachenfeststellung bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit von
zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue wesentliche Erkenntnisse zu
erwarten sind (Urteile 8C_323/2007 vom 25. Februar 2008, E. 3.3, und 8C_364/
2007 vom 19. November 2007, E. 3.2, mit Hinweis).

3.3 Der Untersuchungsgrundsatz findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten
der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2 S. 195, 122 V 157 E. 1a S. 158, je mit
Hinweisen; vgl. BGE 130 I 180 E. 3.2 S. 183). Dieser Grundsatz schliesst die
Beweislast im Sinne einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im
Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine
Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu
Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt
Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es
sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund
einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die
Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261
E. 3b S. 263 mit Hinweisen).

4.
Strittig ist, ob die Beschwerdeführerin - basierend auf dem ersten und/oder
zweiten Unfall - über den vorinstanzlich bestätigten folgenlosen Fallabschluss
per 31. Mai 2005 hinaus weiterhin Anspruch auf Leistungen der obligatorischen
Unfallversicherung hat. Dabei ist zu prüfen, ob die ab 1. Juni 2005 anhaltend
geklagten gesundheitlichen Einschränkungen in einem anspruchsbegründenden
natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang mit einem der genannten oder
beiden Unfällen stehen. Verwaltung und Vorinstanz vertraten die Auffassung, die
in der Folge des ersten Unfalles aufgetretenen Beeinträchtigungen seien vor dem
zweiten Unfall vollständig abgeheilt. Die ab 1. Juni 2005 behandelten
Beschwerden stünden in keinem Kausalzusammenhang mit dem ersten und nicht in
einem adäquat-kausalen Zusammenhang mit dem zweiten Unfall.

4.1 Gemäss einer "nur für internen Gebrauch" bestimmten
Sachverhaltszusammenfassung des zuständigen Sachbearbeiters der CSS
(nachfolgend "Sachverhaltszusammenfassung" genannt [Belegnummer 17, der vom
kantonalen Gericht zugestellten beschwerdegegnerischen Akten]) litt die
Versicherte schon vor dem ersten Unfall an beidseitigen Nackenschmerzen und
Schulterschmerzen links. Diese Tatsache kommt weder im Bericht des Neurologen
Dr. med. S.________ vom 9. Oktober 2003 noch im Bericht des Hausarztes Dr. med.
M.________ vom 13. Dezember 2002 zum Ausdruck. In den vorhandenen Akten findet
sich keine medizinisch nachvollziehbar begründete Beurteilung, welche sich mit
dem unfallfremden Vorzustand der Beschwerdeführerin auseinandersetzt und
überzeugend darlegt, dass nach dem ersten und/oder zweiten Unfall der Status
quo sine vel ante (SVR 2008 UV Nr. 11 S. 34 E. 3.3 S. 35, U 290/06, mit
Hinweisen) mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen) erreicht wurde.
Soweit das kantonale Gericht gestützt auf die - entgegen des angefochtenen
Entscheides (S. 4) nicht bereits ab 27. Juni 2001, sondern erst ab 10. Februar
2002 - wiedererlangte volle Arbeitsfähigkeit implizit davon ausging, auch die
unfallbedingte Heilbehandlung sei gleichzeitig abgeschlossen und die
Versicherte somit wieder beschwerdefrei gewesen, finden sich hiefür in den
offensichtlich unvollständigen Unfallakten keine aussagekräftigen Hinweise. Aus
den neun Monate nach dem zweiten Unfall anlässlich der neurologischen
Untersuchung vom 22. August 2003 geäusserten Angaben der Versicherten gegenüber
Dr. med. S.________ gemäss Bericht vom 9. Oktober 2003, wonach "sie sich von
den Folgen des [ersten] Unfalles erholt" habe, lassen sich keine zuverlässigen
Schlussfolgerungen in Bezug auf eine klare Beantwortung der Tatfrage ziehen, ob
und gegebenenfalls in welchem Zeitpunkt der Status quo sine vel ante nach dem
ersten Unfall mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit erreicht worden sei. Dr. med. M.________ hielt in seinem
Bericht vom 13. Dezember 2002 fest, die Beschwerdeführerin sei "gerade dabei
[gewesen], sich vollständig vom Schleudertrauma aus dem Jahre 2000 zu erholen",
als sie am 23. November 2002 erneut ein Distorsionstrauma der HWS erlitten
habe. Diese Aussage lässt nicht auf ein signifikantes, vollkommen
beschwerdefreies Intervall vor dem zweiten Unfall schliessen. Insofern kann bei
aktueller lückenhafter Aktenlage - entgegen Verwaltung und Vorinstanz - nicht
behauptet werden, im Rahmen der Adäquanzprüfung hinsichtlich des strittigen
folgenlosen Fallabschlusses per 31. Mai 2005 komme dem ersten Unfall überhaupt
keine Bedeutung zu, weshalb auf den Beizug der entsprechenden Akten weitgehend
verzichtet werden könne.

Soweit die CSS mit Einspracheentscheid (S. 5) behauptete, in den medizinischen
Unterlagen fänden sich keine Anhaltspunkte für eine psychische Problematik,
wäre das kantonale Gericht mit Blick auf die Sachverhaltszusammenfassung im
Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes gehalten gewesen, die Beschwerdegegnerin
zur vollständigen Aktenedition aufzufordern. Denn der zuständige Sachbearbeiter
der CSS wies ausdrücklich darauf hin, dass Dr. med. R.________ in seinem
Bericht vom 28. Oktober 2003 eine posttraumatische Anpassungsstörung erwähnt
habe. Dennoch lag auch dieser Bericht nicht bei den beschwerdegegnerischen
Akten.

Aus der genannten Sachverhaltszusammenfassung geht offensichtlich hervor, dass
eine Reihe weiterer entscheidrelevanter Akten von der CSS nicht ediert und von
der Vorinstanz nachträglich nicht einverlangt worden ist. So fehlen unter
anderem nicht nur der zum ersten Unfall erstellte Polizeirapport, der am 21.
Dezember 2000 von Dr. med. M.________ ausgefüllte HWS-Fragebogen und der
Bericht zur eingehenden bildgebenden Untersuchung im Zentrum P.________ vom 21.
Juli 2003 sowie der auf Seite 7 (oben) der vorinstanzlichen Beschwerdeschrift
genannte Bericht des Dr. med. R.________ vom 21. Juni 2004; vielmehr
verzichtete das kantonale Gericht auch darauf, die IV-Akten zu der
offensichtlich im Sommer 2003 erfolgten Anmeldung bei der Invalidenversicherung
beizuziehen. Weiter ist der gesamte schriftliche und/oder mündliche Verkehr
zwischen der Versicherten und der Beschwerdegegnerin im Administrativverfahren
(abgesehen von einem einzigen Schreiben der Beschwerdeführerin an die CSS)
nicht dokumentiert.

4.2 Die in BGE 134 V 109 E. 9 S. 121 ff. präzisierten (erhöhten) Anforderungen
an den Nachweis einer natürlich unfallkausalen Verletzung, welche die Anwendung
der Schleudertrauma-Praxis rechtfertigt, setzen eine sorgfältige und umfassende
Sachverhaltsabklärung (vgl. BGE 134 V 109 E. 9.2 S. 123) voraus. An der zuletzt
in Erwägung 2 des Urteils 8C_42/2007 vom 14. April 2008 bestätigten Praxis,
wonach auf weitere Beweisvorkehren zur natürlichen Kausalität verzichtet werden
kann, wenn die Adäquanz des Kausalzusammenhanges zwischen anhaltend geklagten
Beschwerden und einem hiefür angeblich ursächlichen Unfall in der Tat ohnehin
zu verneinen ist (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 3c; zur Anwendbarkeit dieses
Grundsatzes auch im Rahmen der Schleudertrauma-Praxis vgl. aus jüngerer Zeit
etwa: Urteile U 70/07 vom 31. Januar 2008, E. 5.1, und U 42/07 vom 16. Januar
2008, E. 3.3 mit Hinweisen), hat BGE 134 V 109 (vgl. dortige E. 11) nichts
geändert. Diese Rechtsprechung entbindet jedoch weder den sozialen
Unfallversicherer noch das kantonale Sozialversicherungsgericht (Art. 61 lit. c
ATSG; vgl. hievor E. 3) von der Verpflichtung, den rechtserheblichen
Sachverhalt nach Massgabe des Untersuchungsgrundsatzes (E. 3 hievor)
vollständig und richtig festzustellen (Art. 105 Abs. 2 BGG; Ulrich Meyer,
Basler Kommentar zum Bundesgerichtsgesetz, Basel 2008, N 59 zu Art. 105 BGG),
zumal zahlreiche Angaben in tatsächlicher Hinsicht (z.B. zum Unfallhergang
anhand von Polizeiprotokollen oder anderen geeigneten Unterlagen [vgl. hiezu
BGE 134 V 109 E. 9.2 S. 123]) auch im Rahmen der Adäquanzprüfung (z.B. bei der
Beurteilung der Unfallschwere oder der erlittenen Verletzungen) von erheblicher
Bedeutung sind. Ist - wie hier - nach unfallbedingter Verschlimmerung eines
Vorzustandes die anspruchsaufhebende Tatfrage zu beantworten, ob jede kausale
Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit dahingefallen sei, liegt die
Beweislast beim Unfallversicherer (SVR 2008 UV Nr. 11 S. 34 E. 3.3 S. 35, U 290
/06, mit Hinweisen). Auch in diesem Fall sind der soziale Unfallversicherer und
das kantonale Sozialversicherungsgericht nach Massgabe des
Untersuchungsgrundsatzes und mit Blick auf die zum Nachweis des natürlichen
Kausalzusammenhanges erforderlichen Tatsachenfeststellungen (vgl. BGE 134 V 109
E. 9.2 S. 123) gehalten, zur vollständigen Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts mindestens sämtliche eigenen sachbezüglichen Akten aufzulegen.
Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass nicht nur die Tatfrage des
Nachweises einer natürlich unfallkausalen Verletzung, welche die Anwendung der
Schleudertrauma-Praxis rechtfertigt, und die anspruchsaufhebende Tatfrage nach
dem Erreichen des Status quo sine vel ante, sondern auch die Rechtsfrage der
Adäquanzprüfung eine vollständige und richtige Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts voraussetzen.

4.3 Fehlt es nach aktuellem Aktenstand zumindest teilweise an den zur Prüfung
des adäquaten Kausalzusammenhanges erforderlichen Feststellungen in
tatsächlicher Hinsicht, kann dieser nicht zum Vornherein verneint werden. Daher
steht fest, dass das kantonale Gericht in Missachtung des
Untersuchungsgrundsatzes den rechtserheblichen Sachverhalt offensichtlich
unvollständig festgestellt und somit Bundesrecht (E. 3.2 hievor) verletzt hat.
Die Sache ist daher zur Vervollständigung der Aktenlage und allfälligen
weiteren Sachverhaltsabklärung (insbesondere hinsichtlich der Tatfrage nach dem
Erreichen des Status quo sine vel ante nach dem ersten und nach dem zweiten
Unfall sowie in Bezug auf die Mitberücksichtigung aktenkundiger Hinweise auf
psychogene Beeinträchtigungen) sowie zur anschliessenden Neuentscheidung über
die Beschwerde an die Vorinstanz zurückzuweisen.

5.
Die Gerichtskosten werden der Beschwerdegegnerin als unterliegender Partei
auferlegt (Art. 66 Abs. 1 BGG). Sie hat der Beschwerdeführerin ausserdem eine
Parteientschädigung zu bezahlen (Art. 68 Abs. 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der Entscheid des
Verwaltungsgerichts des Kantons Luzern, Sozialversicherungsrechtliche
Abteilung, vom 21. August 2007 aufgehoben und die Sache an die Vorinstanz
zurückgewiesen wird, damit sie, nach erfolgter Abklärung im Sinne der
Erwägungen, über die Beschwerde neu entscheide.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt.

3.
Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 2500.- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Luzern,
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, und dem Bundesamt für Gesundheit
schriftlich mitgeteilt.
Luzern, 30. Mai 2008
Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Ursprung Hochuli