Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.579/2007
Zurück zum Index I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 2007
Retour à l'indice I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 2007


8C_579/2007

Urteil vom 12. Februar 2008

I. sozialrechtliche Abteilung

Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichterin Leuzinger, Bundesrichter Frésard,
Gerichtsschreiber Holzer.

P. ________, Beschwerdeführer,
vertreten durch Fürsprecher Josef Mock Bosshard, Schwarztorstrasse 7, 3007
Bern,

gegen

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA), Fluhmattstrasse 1, 6004
Luzern, Beschwerdegegnerin.

Unfallversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid
des Kantonalen Versicherungsgerichts Wallis
vom 4. September 2007.

Sachverhalt:

A.
Der 1965 geborene P.________ war als Lastwagen-Chauffeur der X.________ AG
bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen
von Unfällen versichert, als er am 16. September 2003 in Italien in eine
Auffahrkollision verwickelt wurde: Nach einem überraschenden Bremsmanöver
fuhr ein ihm folgender Arbeitskollege mit seinem Lastwagen auf denjenigen des
Versicherten auf. Die SUVA anerkannte ihre Leistungspflicht für die Folgen
dieses Unfalles. Die daraufhin erbrachten gesetzlichen Leistungen stellte sie
mit Verfügung vom 11. April 2005 per 1. Mai 2005 ein, da die anhaltend
geklagten Beschwerden nicht mehr in einem adäquaten Kausalzusammenhang zum
Unfallereignis stünden. Mit Einspracheentscheid vom 7. Februar 2007 hielt die
SUVA an dieser Leistungseinstellung fest.

B.
Die von P.________ hiegegen erhobene Beschwerde wies das Kantonale
Versicherungericht Wallis mit Entscheid vom 4. September 2007 ab.

C.
Mit Beschwerde beantragt P.________, die SUVA sei unter Aufhebung des
Einsprache- und des kantonalen Gerichtsentscheides zu verpflichten, weiterhin
die gesetzlichen Leistungen zu erbringen.
Während die SUVA auf Abweisung der Beschwerde schliesst, verzichtet das
Bundesamt für Gesundheit auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:

1.
1.1 Die Beschwerde kann wegen Rechtsverletzung gemäss Art. 95 und Art. 96 BGG
erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an
(Art. 106 Abs. 1 BGG). Es ist somit weder an die in der Beschwerde geltend
gemachten Argumente noch an die Erwägungen der Vorinstanz gebunden; es kann
eine Beschwerde aus einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen und es
kann sie mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden
Begründung abweisen (vgl. BGE 130 III 136 E. 1.4 S. 140). Das Bundesgericht
prüft grundsätzlich nur die geltend gemachten Rügen; es ist nicht gehalten,
wie eine erstinstanzliche Behörde alle sich stellenden rechtlichen Fragen zu
prüfen, wenn diese vor Bundesgericht nicht mehr vorgetragen wurden. Es kann
die Verletzung von Grundrechten und von kantonalem und interkantonalem Recht
nur insofern prüfen, als eine solche Rüge in der Beschwerde vorgebracht und
begründet worden ist (Art. 106 Abs. 2 BGG).

1.2 Im Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von
Geldleistungen der Militär- oder Unfallversicherung ist das Bundesgericht
nicht an die vorinstanzliche Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts
gebunden (Art. 97 Abs. 2 und Art. 105 Abs. 3 BGG).

2.
Die SUVA hat in ihrem Einspracheentscheid vom 7. Februar 2007 die gesetzliche
Bestimmung über den Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung im
Allgemeinen (Art. 6 Abs. 1 UVG) ebenso zutreffend dargelegt wie die
Rechtsprechung zu dem für die Leistungspflicht des Unfallversicherers
vorausgesetzten natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem
eingetretenen Schaden (BGE 119 V 335 E. 1 S. 337) und der vorausgesetzten
Adäquanz des Kausalzusammenhangs bei psychischen Unfallfolgen (BGE 115 V 133
ff.) sowie bei Folgen eines Unfalles nach Schleudertrauma der Halswirbelsäule
(BGE 117 V 359 ff.) ohne organisch nachweisbare Funktionsausfälle. Darauf
wird verwiesen.

3.
3.1 Wie das kantonale Gericht zutreffend erwogen hat, erlitt der Versicherte
am 16. September 2003 in Italien einen Auffahrunfall mit einem
Schleudertrauma der Halswirbelsäule ohne organisch nachweisbare
Funktionsausfälle. Es kann unbestrittenermassen nicht von einer klaren
Dominanz psychischer Unfallfolgen gesprochen werden. Die Vorinstanz
qualifizierte die Kollision der beiden Lastwagen als höchstens im engeren
Sinn mittelschweren Unfall. Keines der rechtsprechungsgemäss geforderten
Adäquanzkriterien sei in besonders ausgeprägter Weise erfüllt; da zudem
lediglich die Kriterien der Dauerbeschwerden und des Grades und der Dauer der
Arbeitsunfähigkeit gegeben seien, würden die massgeblichen Kriterien auch
nicht in gehäufter und auffälliger Form vorliegen. Die Adäquanz des
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und den andauernd geklagten
Beschwerden sei somit zu verneinen.

3.2 Was der Beschwerdeführer dagegen vorbringt, vermag nicht zu überzeugen.
Bei einer objektiven Betrachtungsweise des augenfälligen Geschehensablauf mit
den sich dabei entwickelnden Kräften (vgl. Urteil U 2/07 von 19. November
2007) kann der Unfall vom 16. September 2003 nicht als schwer oder als
mittelschwer im Grenzbereich zu einem schweren Unfall qualifiziert werden.
Wie die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, werden einfache Auffahrkollisionen
auf ein haltendes Fahrzeug in der Regel als mittelschwerer Unfall im
Grenzbereich zu den leichten Unfällen betrachtet (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236
E. 5.1.2 S. 237 [U 380/04]). Weder die in der biomechanischen Kurzbeurteilung
vom 28. Januar 2005 angegebene kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung
(delta-v) von 10-15 km/h (vgl. Urteil U 441/03 vom 12. Januar 2004, E. 4.1),
noch der Umstand, dass beide beteiligten Fahrzeuge Lastwagen waren, geben zu
einer Qualifikation des Ereignisses als mittelschweren Unfall im Grenzbereich
zu den schweren Unfällen oder gar als schweren Unfall Anlass. Auch aus der
hohen Schadensumme kann nichts abgeleitet werden, ist doch der finanzielle
Schaden bei grossen und wertvollen Fahrzeugen naturgemäss höher. Somit und im
Hinblick darauf, dass der Versicherte nach dem Unfall seine Fahrt mit dem
eigenen Lastwagen fortsetzen konnte, ist die vorinstanzliche Qualifikation
des Unfalles als höchstens mittelschwer im engeren Sinne nicht zu
beanstanden.

3.3 Von den Kriterien, anhand derer die Adäquanz bei mittelschweren Unfällen
zu prüfen ist, erachtete das kantonale Gericht das Kriterium der
Dauerbeschwerden und jenes des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit
für erfüllt. Insoweit der Versicherte geltend macht,  das Kriterium der
langen Dauer der ärztlichen Heilbehandlung liege ebenfalls vor, ist darauf
hinzuweisen, dass sich ab 2005 die Behandlungsmassnahmen auf
Schmerzmedikamente und Physiotherapie beschränkten und stellten somit keine
mit einer gewissen Planmässigkeit auf die Verbesserung des
Gesundheitszustandes gerichtete ärztliche Behandlung mehr dar (vgl. Urteil
U 608/06 vom 25. Oktober 2007, E. 5.4.3). Wie die Vorinstanz zudem zutreffend
erwogen hat, ist eine Behandlungsbedürftigkeit während zwei bis drei Jahren
nach einem Schleudertrauma der Halswirbelsäule noch als im üblichen Rahmen
liegend zu betrachten (Urteil U 365/05 vom 11. Juli 2007, E. 5).

3.4 Somit ist das kantonale Gericht zu Recht davon ausgegangen, dass die
massgeblichen Kriterien nicht in gehäufter und auffälliger Form vorliegen. Da
die beiden erfüllten Kriterien auch nicht besonders ausgeprägt gegeben sind,
ist die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zwischen dem Auffahrunfall vom
16. September 2003 und den über den 1. Mai 2005 anhaltend geklagten
Beschwerden zu verneinen.

4.
Bei diesem Verfahrensausgang sind die Gerichtskosten dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 Satz 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Kantonalen Versicherungsgericht Wallis
und dem Bundesamt für Gesundheit schriftlich mitgeteilt.
Luzern, 12. Februar 2008

Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Ursprung Holzer