Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.606/2007
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
8C_606/2007

Urteil vom 27. August 2008
I. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichterin Widmer, Bundesrichter Lustenberger, Bundesrichterin Leuzinger,
Bundesrichter Frésard,
Gerichtsschreiber Jancar.

Parteien
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA), Fluhmattstrasse 1 6002
Luzern, Beschwerdeführerin,

gegen

Zürich Versicherungs-Gesellschaft, Rechtsdienst, Generaldirektion Schweiz,
Postfach, 8085 Zürich
Beschwerdegegnerin,

Z.________,

Gegenstand
Unfallversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons
Zürich vom 9. August 2007.

Sachverhalt:

A.
Die 1985 geborene Z.________ war seit 1. August 2003 bei der Genossenschaft
X.________, in der Gastronomie angestellt und damit bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch unfallversichert. Am 27. August
2003 stürzte sie während der Arbeit und erlitt am linken Knie ein Hämarthros
und eine Streckblockade bei Plicaruptur, eine subtotale Ruptur des vorderen
Kreuzbandes sowie eine mediale Vorderhornläsion links. Am 29. August und am 22.
Oktober 2003 wurde sie deswegen am linken Knie operiert. Die SUVA erbrachte die
gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld). Auf den 3. Mai 2004
schloss sie den Fall ab, da Z.________ in der angestammten Tätigkeit wieder
voll arbeitsfähig war. Dies blieb unbeanstandet.

Seit Juli 2005 arbeitete Z.________ als Reinigungsangestellte bei der Firma
Y.________ AG und war damit bei der "Zürich" Versicherungs-Gesellschaft
(nachfolgend "Zürich") obligatorisch unfallversichert. Am 2. September 2005 zog
sie sich bei einem Treppensturz eine posttraumatische Streckblockade des
Kniegelenks links bei eingeblutetem Zyklop zu. Am 13. September 2005 wurde sie
deswegen operiert. Die "Zürich" erbrachte die gesetzlichen Leistungen
(Heilbehandlung und Taggeld). Mit Verfügung vom 10. Mai 2006 stellte sie ihre
Leistungen auf den 19. April 2006 ein, da ab diesem Zeitpunkt keine Folgen des
Unfalls vom 2. September 2005 mehr vorhanden gewesen seien (Erreichen des
Status quo sine). Sie wies Z.________ an, sich für eventuelle Behandlungen ab
20. April 2006 an ihre Krankenkasse bzw. an die SUVA zu wenden. Sie stellte die
Verfügung auch diesen Versicherern zu. Die SUVA erhob dagegen Einsprache,
worauf die "Zürich" mit Entscheid vom 26. Oktober 2006 nicht eintrat.

B.
Die hiegegen eingereichte Beschwerde wies das Sozialversicherungsgericht des
Kantons Zürich ab. Weiter ordnete es an, dass die Akten nach Eintritt der
Rechtskraft dieses Entscheides an das Bundesamt für Gesundheit zum Erlass einer
Verfügung gemäss Art. 78a UVG überwiesen werden (Entscheid vom 9. August 2007).

C.
Mit Beschwerde beantragt die SUVA die Aufhebung des kantonalen Entscheides und
des Einspracheentscheides der "Zürich" vom 26. Oktober 2006; ihre Legitimation
zur Erhebung der Einsprache vom 31. Mai/29. August 2006 gegen die Verfügung der
"Zürich" vom 10. Mai 2006 sei festzustellen und diese anzuweisen, die
Einsprache materiell zu behandeln.

Die "Zürich" schliesst auf Beschwerdeabweisung. Das Bundesamt für Gesundheit
(BAG) beantragt die Gutheissung der Beschwerde; das kantonale Gericht habe über
die Kausalitätsfrage zu entscheiden. Z.________ lässt sich nicht vernehmen.

Erwägungen:

1.
Die Voraussetzungen des Beschwerderechts der SUVA nach Art. 89 Abs. 1 BGG sind
erfüllt (vgl. auch E. 9.2 hienach).

2.
Die Beschwerde kann wegen Rechtsverletzung gemäss Art. 95 und Art. 96 BGG
erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106
Abs. 1 BGG). Es ist somit weder an die in der Beschwerde geltend gemachten
Argumente noch an die Erwägungen der Vorinstanz gebunden; es kann eine
Beschwerde aus einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen und es kann
sie mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden Begründung
abweisen (vgl. BGE 130 III 136 E. 1.4 S. 140).
Im Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von Geldleistungen
der Militär- oder Unfallversicherung ist das Bundesgericht nicht an die
vorinstanzliche Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gebunden (Art.
97 Abs. 2 und Art. 105 Abs. 3 BGG).

3.
Die Vorinstanz hat die Bestimmungen über die Eröffnung der Verfügung an einen
anderen Versicherungsträger (Art. 49 Abs. 4 ATSG; vgl. auch Art. 129 UVV in der
bis Ende 2002 gültig gewesenen Fassung) sowie die Erhebung einer Einsprache
(Art. 52 Abs. 1 ATSG) und einer Beschwerde (Art. 56 Abs. 1 und Art. 59 ATSG)
grundsätzlich zutreffend dargelegt. Gleiches gilt betreffend Art. 78a UVG und
die dazu ergangene Rechtsprechung (BGE 127 V 176; 125 V 324 E. 1b S. 327; RKUV
2003 Nr. U 472 S. 38, U 187/02; 2002 Nr. U 469 S. 522 E. 3c, U 417/01). Darauf
wird verwiesen.

4.
Mit Verfügung vom 10. Mai 2006 stellte die "Zürich" ihre Leistungen für
Z.________ auf den 19. April 2006 ein, da ab diesem Zeitpunkt keine Folgen des
Unfalls vom 2. September 2005 mehr vorhanden gewesen seien (Erreichen des
Status quo sine). Sie wies Z.________ an, sich für eventuelle Behandlungen ab
20. April 2006 an ihre Krankenkasse bzw. an die SUVA zu wenden. Streitig und zu
prüfen ist, ob die SUVA berechtigt war, gegen diese Verfügung Einsprache zu
erheben. Die "Zürich" und die Vorinstanz verneinen dies.

5.
5.1 Die Legitimation zur Anfechtung einer Verfügung bzw. eines
Einspracheentscheids durch Beschwerde an das kantonale Gericht richtet sich
nach Art. 59 ATSG. Gemäss dieser Bestimmung ist zur Beschwerde berechtigt, wer
durch die angefochtene Verfügung oder den Einspracheentscheid berührt ist und
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat. Für das -
vorliegend in Frage stehende - Einspracheverfahren nach Art. 52 ATSG gelten
inhaltlich dieselben Legitimationsvoraussetzungen (BGE 132 V 74 E. 3.1 S. 77;
131 V 298 E. 2 S. 299 f.; 130 V 560 E. 3.2 S. 562 f.). Diese waren auch für die
Beschwerdebefugnis im Verfahren vor dem Eidgenössischen Versicherungsgericht
gemäss dem bis Ende 2006 in Kraft gestandenen Art. 103 lit. a OG massgebend
(nicht publ. E. 3.1 des Urteils BGE 134 V 153; BGE 133 V 188 E. 4.1 S. 190 f.;
131 V 298 E. 2 S. 299 f., je mit Hinweisen).

5.2 Erlässt ein Versicherer eine Verfügung, welche die Leistungspflicht eines
anderen Trägers berührt, so hat er auch ihm die Verfügung zu eröffnen. Dieser
kann die gleichen Rechtsmittel ergreifen wie die versicherte Person (Art. 49
Abs. 4 ATSG). Der Begriff des Berührtseins nach dieser Norm stimmt wiederum mit
demjenigen des schutzwürdigen Interesses (an der Aufhebung oder Änderung der
angefochtenen Verfügung) im Sinne von aArt. 103 lit. a OG und damit auch der
übrigen vorerwähnten Normen überein (nicht publ. E. 3.2 des Urteils BGE 134 V
153; BGE 133 V 549 E. 3 S. 551; 132 V 74 E. 3.1 S. 77, je mit Hinweisen).

5.3 Der Entwurf der Kommission des Ständerates zum Gesetz über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts vom 27. September 1990 (BBl 1991 II 186 ff.)
sah in Art. 78 eine dem heutigen Art. 49 Abs. 4 ATSG entsprechende
Verpflichtung der Versicherer vor, eine Verfügung, welche die Leistungspflicht
eines anderen Trägers berührt, diesem zu eröffnen (a.a.O., S. 207). Innerhalb
der Gesetzessystematik war die Norm im Kapitel "Koordinationsregeln" (Art. 69
ff.) am Schluss der Vorschriften über die Leistungskoordination eingeordnet.
Den Zweck, der materiellen Leistungskoordination zu dienen, hat die Bestimmung
durch die letztliche Einordnung bei der Verfügungseröffnung nicht verloren
(Susanne Leuzinger-Naef, Der Wegfall der Unfallkausalität, in: Schaffhauser/
Schlauri [Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2007, St. Gallen 2007, S. 9
ff., 32)

Eine mit dem heutigen Art. 59 ATSG identische Vorschrift fand sich als Art. 65
lit. a des erwähnten Entwurfs (a.a.O., S. 201) im dritten Abschnitt
"Rechtspflegeverfahren" (Art. 62 ff.) des Kapitels "Allgemeine
Verfahrensbestimmungen" (Art. 35 ff.). Die Bestimmung blieb in der Folge
inhaltlich unverändert; einzig der in lit. b des damaligen Art. 65 enthaltene
Hinweis auf die Möglichkeit spezialgesetzlich begründeter
Rechtsmittelbefugnisse wurde durch die nationalrätliche Kommission gestrichen
(nicht publ. E. 3.3 des Urteils BGE 134 V 153; BBl 1999 4622; zum Ganzen Ueli
Kieser, ATSG-Kommentar, Zürich 2003, S. 585, Art. 59 N 1).

6.
Der Entscheid eines Sozialversicherers über einen ihm gegenüber geltend
gemachten Anspruch kann die Leistungspflicht anderer Versicherungsträger im
Wesentlichen auf folgende Arten beeinflussen (vgl. zum Ganzen BGE 134 V 153 E.
4.1 S. 154 f. mit Hinweisen):

6.1 Möglich ist zunächst, dass die Verneinung einer Leistungspflicht des
verfügenden Versicherungsträgers unmittelbar jene des anfechtungswilligen
Trägers begründet. Es liegt in dem Sinne ein negativer Zuständigkeitskonflikt
vor, als derselbe Sachverhalt Ansprüche gegenüber dem einen oder, falls dies zu
verneinen ist, gegenüber dem anderen Träger auslöst.

6.2 Die Anspruchsbeurteilung durch den einen Versicherer kann für den anderen
Träger Bindungswirkung entfalten. Wenn dieser anschliessend über seine eigene
Leistungspflicht zu befinden hat, ist ihm eine selbstständige Prüfung einzelner
Elemente verwehrt und er hat stattdessen - unter Vorbehalt eines unter engen
Voraussetzungen (offensichtliche Unrichtigkeit) zulässigen Abweichens - die
Feststellungen des erstverfügenden Versicherungsträgers (beispielsweise zur
Höhe des Invaliditätsgrades) zu übernehmen.

6.3 In einer dritten Fallgruppe wirkt sich die strittige Verfügung nicht auf
die grundsätzliche materiellrechtliche Leistungspflicht des anfechtungswilligen
Sozialversicherungsträgers aus; sie zeitigt aber diesbezüglich unmittelbare
quantitative Auswirkungen. Diese Variante kommt insbesondere in Frage bei
möglichen Kürzungen wegen Überentschädigung oder bei der Zusprechung einer
Komplementärrente der Unfallversicherung.

6.4 Die vierte Konstellation ist durch eine Vorleistungspflicht des
anfechtenden Sozialversicherungsträgers im Verhältnis zum verfügenden
gekennzeichnet. Dies trifft gemäss Art. 70 ATSG zu für die Krankenversicherung
im Verhältnis zur Unfall-, Militär- und Invalidenversicherung, für die
Arbeitslosenversicherung im Verhältnis zur Kranken-, Unfall- und
Invalidenversicherung, für die Unfall- im Verhältnis zur Militärversicherung
sowie für die Vorsorgeeinrichtungen im Verhältnis zu Unfall- und
Militärversicherung. Der Vorleistungspflicht kann materiellrechtlich entweder
eine nachrangige ausschliessliche Leistungspflicht des anfechtenden
Sozialversicherungsträgers (Prioritätsprinzip) oder eine kumulative
Leistungspflicht beider Versicherer mit Kürzungsmöglichkeit
(Kumulationsprinzip) zugrunde liegen.

7.
7.1 Nach der Rechtsprechung erfüllen Personen sowie grundsätzlich auch
Versicherungsträger oder Behörden, welche nicht Adressaten der Verfügung sind,
die Legitimationsvoraussetzungen nach Art. 52 bzw. Art. 59 ATSG, wenn sie
(kumulativ) einerseits ein tatsächliches, beispielsweise wirtschaftliches
Interesse und andererseits eine hinreichende Beziehungsnähe respektive eine
Betroffenheit von genügender Intensität aufweisen (BGE 133 V 188 E. 4.3.1 S.
192; 130 V 560 E. 3.4 S. 564, mit Hinweisen). Bei der Beurteilung dieser
Voraussetzung wird danach unterschieden, ob das Rechtsmittel gegen eine den
Verfügungsadressaten begünstigende Verfügung gerichtet ist (Drittbeschwerde
"contra Adressat") oder ob es zu dessen Gunsten erhoben werden soll
(Drittbeschwerde "pro Adressat"; BGE 134 V 153 E. 5.1 S. 156 mit Hinweisen).

7.2 Eine Einsprache- bzw. Beschwerdeerhebung "contra Adressat" liegt in casu
nicht vor, da die SUVA verlangt, die "Zürich" habe Z.________ auch nach dem 19.
April 2006 die Leistungen für die Folgen des Unfalls vom 2. September 2005 zu
erbringen (vgl. auch E. 9.2 hienach).

7.3 Eine Legitimation Dritter zur Anfechtung "pro Adressat" kommt, wenn der
Verfügungsadressat selbst kein Rechtsmittel ergreift, ausserhalb förmlicher
gesetzlicher Anerkennung nur in Betracht, wenn sie ein selbstständiges, eigenes
Rechtsschutzinteresse an der Beschwerdeführung für sich in Anspruch nehmen
können (BGE 131 V 300 E. 4, 130 V 564 E. 3.5, je mit Hinweisen). Die
Rechtsprechung hat sich dazu wie folgt geäussert (vgl. zum Ganzen BGE 134 V 153
E. 5.3 S. 157 ff.):
7.3.1 Ohne weiteres bejaht werden die Legitimationsvoraussetzungen, wenn der
einen Anspruch verneinende Entscheid des verfügenden Versicherers unmittelbar
die prinzipielle Leistungspflicht des anfechtungswilligen Trägers begründet (E.
6.1 hiervor). Gegeben ist diese Konstellation insbesondere im Verhältnis
zwischen obligatorischer Unfall- und obligatorischer Krankenpflegeversicherung
bezüglich Heilbehandlungsleistungen (vgl. BGE 126 V 183 ff.), aber
beispielsweise auch zwischen zwei Gemeinwesen, welche über die Zuständigkeit
für die Ausrichtung von Ergänzungsleistungen im Streit liegen (BGE 132 V 74
ff.; diese Konstellation betrifft einen einzigen Versicherungszweig und damit
nicht die durch Art. 49 Abs. 4 ATSG erfasste intersystemische Koordination, ist
jedoch im gleichen Sinn zu beurteilen).
7.3.2 Falls sich der anzufechtende Entscheid nicht auf die grundsätzliche
Leistungspflicht eines Dritten auswirkt, diese jedoch in quantitativer Hinsicht
beeinflusst, ist für die Rechtsmittellegitimation über das daraus resultierende
wirtschaftliche Interesse hinaus erforderlich, dass dem Dritten aus der
angefochtenen Verfügung ein unmittelbarer Nachteil erwächst (BGE 130 V 560 E.
3.5 S. 565; 125 V 339 E. 4a S. 343 mit Hinweisen). Dieses Kriterium wurde in
jüngeren Urteilen wie folgt beurteilt:
7.3.2.1 Mehrere Entscheide befassten sich mit der Rechtsmittellegitimation des
Arbeitgebers zu Gunsten der versicherten Person. Diese wurde verneint in Bezug
auf eine Rente der Invalidenversicherung (BGE 130 V 560 ff.) und eine Rente der
obligatorischen Unfallversicherung (BGE 131 V 298 E. 5.3.3 S. 302 f. und E. 6
S. 303 f.), aber bejaht in Bezug auf das Vorliegen eines Unfalls oder einer
unfallähnlichen Körperschädigung sowie den Anspruch auf Taggelder der
obligatorischen Unfallversicherung (Urteil U 519/06 vom 28. September 2007, E.
5 und 6; vgl. auch BGE 131 V 298 E. 5.3.2 S. 302). Einen entscheidenden
Gesichtspunkt bildete jeweils der typischerweise fehlende oder gegebene
Zusammenhang der konkreten Leistung mit der gesetzlichen
Lohnfortzahlungspflicht nach Art. 324a und 324b OR. Im Sinne eines Argumentes
für eine zurückhaltende Umschreibung der Legitimation trug das Gericht überdies
dem Aspekt des Datenschutzes Rechnung.
7.3.2.2 Auch das Gemeinwesen, welches die versicherte Person durch
wirtschaftliche Sozialhilfe unterstützt, ist nach der Rechtsprechung nicht ohne
weiteres legitimiert, auf dem Rechtsmittelweg die Ausrichtung höherer oder
zusätzlicher Sozialversicherungsleistungen zu beantragen. Darüber hinaus ist
eine unmittelbare und konkrete Betroffenheit oder qualifizierte Beziehungsnähe
zur Streitsache erforderlich. Diese Voraussetzung wurde als erfüllt erachtet in
Bezug auf die Anfechtung eines durch den obligatorischen
Krankenpflegeversicherer verfügten Leistungsaufschubs sowie die Geltendmachung
von Leistungen der Invalidenversicherung und von Ergänzungsleistungen. Sie
wurde verneint hinsichtlich der Geltendmachung von Ansprüchen gegenüber der
Arbeitslosenversicherung sowie der Anfechtung einer IV-Rentenverfügung, welche
nach dem Tod der unterstützten Person ergangen war (BGE 133 V 188 E. 4.4 ff. S.
194 ff., mit Rechtsprechungsübersicht).
7.3.2.3 Die Eigenschaft als Gläubiger der versicherten Person begründet für
sich allein kein schutzwürdiges Interesse (BGE 130 V 560 E. 3.5 S. 565 mit
Hinweisen). An einem solchen fehlt es auch dem Privatversicherer, welcher seine
Leistungen um diejenigen der obligatorischen Unfallversicherung kürzen könnte,
denn der ihm erwachsende Nachteil ergibt sich nicht unmittelbar aus der
Verfügung, sondern stellt eine blosse Reflexwirkung dar (BGE 125 V 339 E. 4d S.
345).
7.3.2.4 Im Urteil U 60/94 vom 28. Oktober 1994, E. 1 (nicht publ. in BGE 120 V
352, aber publ. in RKUV 1995 Nr. U 212 S. 63), wurde unter dem früheren Recht
(aArt. 129 UVV, in Kraft gewesen bis Ende 2002) die Pensionskasse als
legitimiert erachtet, eine durch den obligatorischen Unfallversicherer verfügte
Leistungsablehnung mittels Einsprache und Beschwerde anzufechten. Es begründete
dies mit dem koordinationsrechtlichen Zusammenhang zwischen
Unfallversicherungs- und Berufsvorsorgeleistungen. Später wurde die Frage
jedoch offen gelassen (Urteil U 217/02 vom 29. Oktober 2003, publ. in: RKUV
2004 Nr. U 506 S. 252). Unter der Herrschaft des ATSG wurde im Urteil U 36/05
vom 16. Januar 2006, E. 2.5 (publ. in: RKUV 2006 Nr. U 580 S. 186),
festgehalten, die Vorsorgeeinrichtung sei durch eine Verfügung des
Unfallversicherers, mit welcher dieser seine Leistungen für ein bestimmtes
Ereignis einstellt, im Sinne von Art. 59 ATSG in ihrer Leistungspflicht
berührt. Dieses Urteil bezog sich dabei sowohl auf die Vorleistungspflicht (E.
6.4 hievor) als auch auf die Kürzungsmöglichkeit bei Überentschädigung (E. 6.3
hievor). Der Unfallversicherer, welcher eine Komplementärrente zur
Invalidenrente der Invalidenversicherung ausrichtet und sich damit in einer
vergleichbaren Situation befindet wie ein zur Kürzung wegen Überentschädigung
befugter Versicherungsträger, wurde im Urteil I 249/06 vom 2. August 2007 (HAVE
2007 S. 274) seinerseits als legitimiert angesehen, die revisionsweise
Herabsetzung der (bereits laufenden) IV-Rente anzufechten.

7.4 In der Lehre spricht sich Ueli Kieser (Dritte als Partei im
Sozialversicherungsverfahren, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.],
Sozialversicherungsrechtstagung 2006, St. Gallen 2006, S. 79 ff., 102 f.)
grundsätzlich dafür aus, ein Berührtsein im Sinne von Art. 49 Abs. 4 ATSG
anzunehmen, wenn sich aus der Verneinung der Leistungspflicht des einen
Sozialversicherungszweigs unmittelbar die Vorleistungspflicht eines anderen
ergibt. Massgebend könnten jedoch nur Tatbestände sein, welche eigentliche
Vorleistungen (und nicht nur kumulativ zu erbringende und durch eine
Überentschädigung begrenzte Leistungen) betreffen. Deshalb fällt nach Ansicht
dieses Autors insbesondere die Vorleistungspflicht der Vorsorgeeinrichtungen
nach Art. 70 Abs. 2 lit. d BVG (gemeint: ATSG) nicht in diese Kategorie, da
eine bloss quantitative Auswirkung des anzufechtenden Entscheids
(Kürzungsmöglichkeit) kein Berührtsein nach Art. 49 Abs. 4 ATSG zu begründen
vermöge. Im gleichen Sinne äussert sich auch Stefan A. Dettwiler, BGG - Sicht
des Sozialversicherers, SZS 2007 S. 259 ff., 263 f. Bejaht wird die
Legitimation des vorleistungspflichtigen Versicherers demgegenüber durch
Jean-Louis Duc, Le tiers dans la procédure administrative non contentieuse des
assurances sociales, in: Tanquerel/Bellanger (éd.), Les tiers dans la procédure
administrative, Zürich 2004, S. 125 ff., 139 f. (vgl. auch Susanne
Leuzinger-Naef, Die Leistungskoordination gemäss Art. 63-71 ATSG, in:
Schaffhauser/Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG], St. Gallen 2003, S. 155 ff., 164; BGE 134 V
153 E. 5.4 S. 159 f.).

8.
Z.________ verletzte sich bei einem Unfall vom 27. August 2003 am linken Knie,
wofür die SUVA, bei der sie obligatorisch unfallversichert war, die
gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld) erbrachte. Auf den 3. Mai
2004 schloss die SUVA den Fall ab, da Z.________ in der angestammten Tätigkeit
wieder voll arbeitsfähig war. Dies blieb unbeanstandet. Seit Juli 2005
arbeitete Z.________ als Reinigungsangestellte bei der Firma Y.________ AG und
war damit bei der "Zürich" obligatorisch unfallversichert. Am 2. September 2005
verletzte sie sich bei einem Treppensturz erneut am linken Knie. Aufgrund
dieses Unfalls erbrachte die "Zürich" die gesetzlichen Leistungen
(Heilbehandlung und Taggeld).

Die Verfügung der "Zürich" vom 10. Mai 2006 hat die Ablehnung eines materiellen
Leistungsanspruchs der Z.________ betreffend den Unfall vom 2. September 2005
zum Gegenstand. Die "Zürich" erbrachte Leistungen bis zum 19. April 2006 und
stellte diese auf dieses Datum hin ein, da ab diesem Zeitpunkt keine Folgen des
Unfalls vom 2. September 2005 mehr vorhanden gewesen seien (Erreichen des
Status quo sine). Für allfällig weitere Behandlungen wies sie Z.________ u.a.
an die SUVA. Darin ist eine Leistungsverweigerung der "Zürich" ab dem 20. April
2006 wegen angeblichen Wegfalls der natürlichen Kausalität für die noch
bestehenden gesundheitlichen Beschwerden zu erblicken. Dass solche noch
bestanden, hat die "Zürich" ausdrücklich bestätigt.

9.
Vorliegend stehen grundsätzlich zwei Lösungsmöglichkeiten zur Verfügung:

9.1 Dem durch die leistungsablehnende Verfügung eines Unfallversicherers - in
casu die Verfügung der "Zürich" vom 10. Mai 2006 - betroffenen anderen
Unfallversicherer - vorliegend die SUVA - steht gegen die Verfügung kein
Einsprache- und Beschwerderecht zu; er hat lediglich das Recht, seine
Leistungspflicht ebenfalls zu verneinen, wenn er in der Folge von der
versicherten Person in Anspruch genommen wird. Dies hat negative Folgen: Lässt
die versicherte Person die leistungsablehnende Verfügung des ersten
Unfallversicherers in Rechtskraft erwachsen und wendet sie sich an den zweiten
Unfallversicherer, kann es zu widersprechenden Verfügungen kommen. Verfährt
dieser gleich wie der erste Unfallversicherer, läuft die versicherte Person
Gefahr, von einem Versicherer zum anderen gewiesen zu werden.

9.2 Die andere Lösung geht dahin, die Frage der Leistungspflicht (vgl. E. 8
hievor), vom Gericht entscheiden zu lassen; dies bedeutet, dass der die
leistungsablehnende Verfügung berührte Unfallversicherer zur Anfechtung "pro
Adressat" befugt ist. Dieser Unfallversicherer hat ein selbstständiges, eigenes
Rechtsschutzinteresse an der Einsprache- bzw. Beschwerdeerhebung, da er damit
zu rechnen hat, fortan für die Ausrichtung von Versicherungsleistungen
hinsichtlich der noch bestehenden gesundheitlichen Beschwerden von der
versicherten Person in Anspruch genommen zu werden. Auch wenn diese
Konstellation einen einzigen Versicherungszweig und damit nicht die durch Art.
49 Abs. 4 ATSG erfasste intersystemische Koordination betrifft, ist sie im
gleichen Sinn zu beurteilen (vgl. E. 7.3.1 hievor mit Hinweis auf BGE 132 V
74). Das Gebot des einfachen und raschen Verfahrens (Art. 61 lit. a ATSG) wird
dadurch besser gewahrt als durch die in E. 9.1 hievor skizzierte Lösung. Nach
dem Gesagten war die SUVA zur Einspracheerhebung gegen die Verfügung der
"Zürich" vom 10. Mai 2006 befugt, weshalb diese darauf einzutreten hat.

10.
Weil die SUVA nicht Leistungen im eigenen Namen, sondern zu Gunsten einer
versicherten Person geltend macht, kommt Art. 78a UVG nicht zur Anwendung (BGE
127 V 176 E. 4d S. 181 f.).

11.
Dem Verfahrensausgang entsprechend hat die "Zürich" die Gerichtskosten zu
tragen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Sie fällt nicht unter den Ausnahmetatbestand von
Art. 66 Abs. 4 BGG (vgl. BGE 133 V 642; Urteil 8C_601/2007 vom 10. Januar 2008,
E. 4.1 mit Hinweisen). Als Organisation mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben hat
die in ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegende SUVA keinen Anspruch auf
Parteientschädigung (Art. 68 Abs. 3 BGG; erwähntes Urteil 8C_601/2007, E. 4.2
mit Hinweisen; Seiler/von Werdt/Güngerich, Bundesgerichtsgesetz [BGG], Bern
2007, Art. 68 N 25).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der Entscheid des Sozialversicherungsgerichts
des Kantons Zürich vom 9. August 2007 und der Einspracheentscheid der
Beschwerdegegnerin vom 26. Oktober 2006 werden aufgehoben. Die Sache geht an
die Beschwerdegegnerin zum materiellen Entscheid über die Einsprache der SUVA
gegen die Verfügung vom 10. Mai 2006.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 3000.- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Sozialversicherungsgericht des Kantons
Zürich und dem Bundesamt für Gesundheit schriftlich mitgeteilt.

Luzern, 27. August 2008

Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Ursprung Jancar