Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.623/2007
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
8C_623/2007

Urteil vom 22. August 2008
I. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichterin Widmer,
nebenamtliche Bundesrichterin Buerki Moreni,
Gerichtsschreiber Hochuli.

Parteien
D.________, Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt Rémy Wyssmann, Hauptstrasse 36, 4702 Oensingen,

gegen

AXA Winterthur, Laupenstrasse 19, 3001 Bern, Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Lukas Wyss, Bollwerk 15, 3011 Bern.

Gegenstand
Unfallversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern,
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, vom 6. September 2007.

Sachverhalt:

A.
D.________, geboren 1959, ist Staatsangehörige Kroatiens und heiratete am 9.
November 1992 zum zweiten Mal. Der achtzehn Jahre ältere Ehegatte italienischer
Staatsangehörigkeit brachte zwei Söhne (geboren 1975 und 1979) mit in die Ehe.
D.________ trennte sich 1998 von diesem Ehemann. Im Februar 2003 wurde ihre
zweite Ehe geschieden. Ab 22. Dezember 1995 war sie im Service an der Bar
X.________ tätig, wo sie zuletzt am 14. April 1996 bis ca. 16.00 Uhr arbeitete.
In dieser Eigenschaft war sie bei der Winterthur-Versicherungen (nachfolgend:
Winterthur oder Beschwerdegegnerin) gegen die Folgen von Unfällen versichert.
Am 12. Mai 1996 war sie als Beifahrerin in dem von ihrem Mann gelenkten BMW
528i auf der Autobahn von Mailand Richtung Verona mit einer übersetzten
Geschwindigkeit von ca. 150 km/h (gemäss Angaben des BMW-Lenkers auf der
Schadenanzeige vom 14. Mai 1996) unterwegs, als dieser am Steuer von einer
Staubildung infolge einer Umleitung überrascht wurde, sein Fahrzeug auf dem
nassen neuen Asphaltbelag nicht mehr rechtzeitig abzubremsen vermochte und am
Ende der stehenden Kolonne in das Heck eines Renault Twingo prallte. Durch den
Rückstoss kollidierte der BMW sodann seitlich mit einem Renault 9, welcher
dadurch ins Heck eines Citroën XM stiess und diesen Wagen schliesslich in den
davor stehenden Alfa Romeo 33 schob. Am BMW, welcher an der Front sowie
seitlich beidseits stark beschädigt wurde, und den beiden Renault-Fahrzeugen
entstand laut Schadenanzeige vom 14. Mai 1996 Totalschaden. Die
Fahrzeuginsassen des Citroën berichteten am 8. Oktober 2007 zu Handen des
Rechtsvertreters der Versicherten, dass ein Rettungshelikopter zum
Notfalltransport einer verletzten Person an die Unfallstelle beigezogen worden
sei. Der Renault Twingo sei durch den Aufprall am Heck so stark beschädigt
worden, dass ein allfälliger Mitfahrer in diesem Auto auf der Rücksitzbank den
heftigen Aufprall angesichts der zusammengedrückten hinteren Sitzreihe kaum
überlebt hätte. Weil "es im Spital in T.________ keinen Platz mehr für die
Versicherte gab", wurde sie noch am Unfalltag von einem Kollegen in die Schweiz
nach Hause gefahren (letztinstanzliche Beschwerdeschrift vom 12. Oktober 2007
S. 22). Der am 15. Mai 1996 erstbehandelnde Dr. med. A.________ diagnostizierte
ein Distorsionstrauma der Halswirbelsäule (HWS), fand vom Sicherheitsgurt her
stammende Kontusionsmarken über Sternum und Clavicula rechts, verneinte
Läsionen gestützt auf die von Italien mitgebrachten Röntgenbilder von HWS,
Sternum, Clavicula rechts und Schulter rechts, attestierte eine volle
Arbeitsunfähigkeit und verordnete das Tragen eines Schaumstoffkragens sowie
eine medikamentöse Therapie. Der Unfall führte bei D.________ weder zu einer
Amnesie noch zu Lähmungserscheinungen. Gemäss Angaben des Dr. med. A.________
vom 24. Juni 1996 auf dem Fragebogen bei HWS-Verletzungen litt die Versicherte
nach einer Latenzzeit von 2,5 Stunden an Schwindel, okzipitalen Kopfschmerzen,
beidseitigen Nackenschmerzen, linksseitigen Schulterschmerzen mit Ausstrahlung
in den linken Arm sowie an einer in alle Richtungen eingeschränkten
Beweglichkeit der HWS und an Schlafstörungen. Sowohl ossäre Läsionen wie auch
Luxationen vermochte Dr. med. A.________ anhand der röntgenologischen
Untersuchungsergebnisse auszuschliessen. Bei anfänglich unklarem versicherten
Verdienst erbrachte die Winterthur ein Taggeld und übernahm die Heilbehandlung.
Ab 20. Januar 1997 war die Versicherte nach Einschätzung ihres behandelnden
Arztes wieder zu 50% arbeitsfähig. In der Folge stellte D.________ ab diesem
Zeitpunkt im Ausmass eines Teilzeitpensums von 50% Antrag auf
Arbeitslosenentschädigung. Von der Invalidenversicherung bezog sie ab 1. Mai
1997 bei einem Invaliditätsgrad von 62% eine halbe und mit Wirkung ab 1. Mai
2002 bei einem Invaliditätsgrad von 100% eine ganze Rente.

Am 28. Dezember 2000 verfügte die Winterthur:
"1.- Rückwirkend vom 1. Januar 1999 bis 31. Dezember 2000 besteht ein
Taggeldanspruch von Fr. 15'330.-. Per 31. Dezember 2000 werden die
Taggeldleistungen eingestellt.
2.- Ab 1. Januar 2001 haben Sie Anspruch auf eine monatliche UVG-Normalrente
von Fr. 1'110.-.
3.- Wir sprechen Ihnen eine Integritätsentschädigung von Fr. 19'440.- zu.
4. Die Pflegeleistungen und Kostenvergütungen werden per 31. Dezember 2000
eingestellt."
B. Hiegegen liess die Versicherte einspracheweise im Hauptpunkt das
Rechtsbegehren stellen, "die Verfügung der Winterthur [...] vom 28. Dezember
2000 sei abzuändern, und es [sei] der Einsprecherin eine UVG-Rente nach
Massgabe einer Erwerbsunfähigkeit von mindestens 62% ab 1. Januar 2001
auszurichten."

Nach weiteren Abklärungen hielt die Winterthur mit Einspracheentscheid vom 30.
Januar 2006 fest:
"In Abänderung der Verfügung vom 28. Dezember 2000 wird folgendes entschieden:
1.- Der Unfall vom 12. Mai 1996 führt mit Wirkung ab dem 1. Januar 1999 zu
einer Invalidität. Der Invaliditätsgrad beläuft sich ab dem Beginn des
Rentenanspruchs auf 62% und erhöht sich mit Wirkung ab dem 1. Januar 2002 auf
100%.
2.- Der massgebende versicherte Verdienst für die Berechnung der UVG-Rente
beläuft sich auf den Betrag von Fr. 10'581.-.
3.- Für den Zeitraum vom 1. Januar 1999 bis 30. April 2002 resultiert eine
monatliche Komplementärrente in Höhe von Fr. 298.-.
4.- Ab dem 1. Mai 2002 besteht kein Anspruch mehr auf eine UVG-Rente, weil ab
diesem Zeitpunkt die Renten der Invalidenversicherung den versicherten
Rentenverdienst übersteigen.
5.- Die bisher gewährten Rentenzahlungen werden ab dem 1. März 2006
eingestellt.
6.- Auf eine Rückforderung der zuviel bezahlten Rentenbeträge wird verzichtet."

B.
Dagegen liess D.________ beschwerdeweise im Hauptpunkt beantragen, ihr seien
unter Aufhebung des Einspracheentscheides ab dem Unfalltag "die versicherten
UVG-Leistungen nach Massgabe eines Jahreseinkommens von mindestens CHF
74'216.-, eventualiter von mindestens CHF 33'294.- [bei] einer
Arbeitsunfähigkeit respektive Invalidität von 100% auszurichten". Eventuell sei
die Sache "zur Neubeurteilung und zur Neuverfügung an die Unfallversicherung
zurückzuweisen." Zudem stellte die Versicherte das Rechtsbegehren, "es sei eine
öffentliche Gerichtsverhandlung (Art. 6 Ziff. 1 EMRK) mit Partei- und
Zeugenbefragung durchzuführen."

Mit Zwischenverfügung vom 27. September 2006 drohte das Verwaltungsgericht des
Kantons Bern D.________ unter anderem eine reformatio in peius an und bot ihr
Gelegenheit zum Beschwerderückzug. Die Versicherte hielt an ihrer Beschwerde
fest und ersuchte gleichzeitig um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
(Eingabe vom 15. Januar 2007). Mit einer weiteren Zwischenverfügung vom 22. Mai
2007 lehnte es das kantonale Gericht ab, die Versicherte und/oder die
angebotenen Zeugen anlässlich einer Verhandlung einzuvernehmen. Am 6. September
2007 wies das Verwaltungsgericht des Kantons Bern die Beschwerde ab, hob den
Einspracheentscheid vom 30. Januar 2006 und die Verfügung vom 28. Dezember 2000
auf und stellte fest, dass die Versicherte "über den 1. Januar 1999 hinaus
keinen Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung" habe.

C.
Mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten hält D.________ im
Hauptpunkt unter Aufhebung des kantonalen Gerichtsentscheides an ihren
vorinstanzlichen Anträgen fest. Zudem stellt sie das Rechtsbegehren, ihr "sei
für das kantonale Beschwerdeverfahren eine Parteientschädigung in der Höhe der
eingereichten Kostennote zuzusprechen". Weiter ersucht sie um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege.

Während die AXA Winterthur (als Rechtsnachfolgerin der Winterthur) auf
Abweisung der Beschwerde schliesst, verzichtet das Bundesamt für Gesundheit auf
eine Vernehmlassung.

D.
Mit Verfügungen vom 11. März 2008 erhielten die Parteien letztinstanzlich
Gelegenheit, ihre Vorbringen in Anbetracht des zwischenzeitlich ergangenen, die
so genannte Schleudertrauma-Praxis bei organisch nicht objektiv ausgewiesenen
Beschwerden präzisierenden Urteils BGE 134 V 109 bis zum 10. April 2008 zu
ergänzen. Davon machte die Versicherte mit Eingabe vom 10. April 2008 Gebrauch.
Innert der bis zum 24. April 2008 erstreckten Frist reichte die
Beschwerdegegnerin keine ergänzende Stellungnahme ein.

Erwägungen:

1.
1.1 Die Beschwerde kann wegen Rechtsverletzung gemäss Art. 95 und Art. 96 BGG
erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106
Abs. 1 BGG). Es ist somit weder an die in der Beschwerde geltend gemachten
Argumente noch an die Erwägungen der Vorinstanz gebunden; es kann eine
Beschwerde aus einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen und es kann
sie mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden Begründung
abweisen (vgl. BGE 130 III 136 E. 1.4 S. 140). Das Bundesgericht prüft
grundsätzlich nur die geltend gemachten Rügen; es ist nicht gehalten, wie eine
erstinstanzliche Behörde alle sich stellenden rechtlichen Fragen zu
untersuchen, wenn diese vor Bundesgericht nicht mehr vorgetragen wurden. Es
kann die Verletzung von Grundrechten und von kantonalem und interkantonalem
Recht nur insofern prüfen, als eine solche Rüge in der Beschwerde vorgebracht
und begründet worden ist (Art. 106 Abs. 2 BGG).

1.2 Im Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von
Geldleistungen der Militär- oder Unfallversicherung ist das Bundesgericht nicht
an die vorinstanzliche Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gebunden
(Art. 97 Abs. 2 und Art. 105 Abs. 3 BGG).

2.
Soweit die Beschwerdeführerin im kantonalen Verfahren beantragte, "es sei eine
öffentliche Gerichtsverhandlung (Art. 6 Ziff. 1 EMRK) mit Partei- und
Zeugenbefragung durchzuführen", hat die Vorinstanz in zulässiger antizipierter
Beweiswürdigung (dazu BGE 131 I 153 E. 3 S. 157, 124 V 90 E. 4b S. 94; RKUV
2003 Nr. U 473 S. 50 E. 3.4, U 131/02, mit Hinweisen) auf weitere
Beweismassnahmen verzichtet und den entsprechenden Antrag auf Einvernahme der
Versicherten und der - nicht namentlich bezeichneten - Zeugen zu Recht mit
unangefochten gebliebener verfahrensleitender Verfügung vom 22. Mai 2007
abgewiesen. Was die Beschwerdeführerin hiegegen vorbringt, steht im Widerspruch
zur einschlägigen Praxis (Urteil 9C_559/2007 vom 17. Dezember 2007 E. 1.3; vgl.
auch Urteil 8C_547/2007 vom 19. März 2008 E. 2.2 mit Hinweisen) und ist
unbegründet.

3.
3.1
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur
Rechtsverhältnisse zu überprüfen bzw. zu beurteilen, zu denen die zuständige
Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich - in Form einer Verfügung - Stellung
genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung den beschwerdeweise
weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem
Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und
insoweit keine Verfügung ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1, 125 V 413 E. 1a S.
414, 119 Ib 33 E. 1b S. 36, je mit Hinweisen).
Streitgegenstand im System der nachträglichen Verwaltungsrechtspflege ist das
Rechtsverhältnis, welches - im Rahmen des durch die Verfügung bestimmten
Anfechtungsgegenstandes - den auf Grund der Beschwerdebegehren effektiv
angefochtenen Verfügungsgegenstand bildet. Anfechtungs- und Streitgegenstand
sind danach identisch, wenn die Verwaltungsverfügung insgesamt angefochten
wird; bezieht sich demgegenüber die Beschwerde nur auf einzelne der durch die
Verfügung bestimmten Rechtsverhältnisse, gehören die nicht beanstandeten -
verfügungsweise festgelegten - Rechtsverhältnisse zwar wohl zum Anfechtungs-,
nicht aber zum Streitgegenstand (BGE 131 V 164 E. 2.1 i.f. S. 165 mit Hinweis).

3.2 Im Verhältnis zwischen Verfügung und Einspracheentscheid ist nach Art. 52
ATSG grundsätzlich von einer Parallelität der Gegenstände auszugehen. Anders
verhält es sich freilich, wenn eine Teilrechtskraft der Verfügung eintritt: Da
das Einspracheverfahren, obgleich dem Verwaltungsverfahren zugehörig, Elemente
der streitigen Verwaltungsrechtspflege aufweist, gilt hier das Rügeprinzip (BGE
131 V 407 E. 2.2.1 S. 413 mit Hinweisen). Die Verfügung des
Versicherungsträgers tritt deshalb in Teilrechtskraft, soweit sie unangefochten
bleibt und nicht von Amtes wegen überprüft wird (BGE 119 V 347; Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 152/01 vom 8. Oktober 2003, E. 3).
Dementsprechend ist eine Verfügung, mit der gleichzeitig über den Anspruch auf
Invalidenrente und auf Integritätsentschädigung entschieden wird, bezüglich der
Integritätsentschädigung beschwerdeweise nicht mehr anfechtbar, wenn sich die
Einsprache lediglich auf den Rentenanspruch bezog und hinsichtlich der
Integritätsentschädigung keine Rechtsbegehren gestellt wurden (vgl. BGE 119 V
347 E. 1c S. 351; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 152/01 vom
8. Oktober 2003, E. 3, mit Hinweis).

3.3 Gemäss Einsprache vom 29. Januar 2001 und ergänzender Einsprachebegründung
vom 19. April 2001 steht mit Blick auf das entsprechende Rechtsbegehren fest,
dass die durch einen Rechtsanwalt vertretene Versicherte die ursprüngliche
Verfügung der Winterthur vom 28. Dezember 2000 einzig im Rentenpunkt
angefochten und diesbezüglich mit Wirkung ab 1. Januar 2001 bzw. ab 1. Mai 1997
die Ausrichtung einer Invalidenrente nach UVG basierend auf einer
Erwerbsunfähigkeit von mindestens 62% beantragt hat. Demnach ist die eben
genannte Verfügung insoweit unangefochten in formelle Rechtskraft erwachsen,
als die Winterthur damit der Beschwerdeführerin eine Integritätsentschädigung
von Fr. 19'440.- zugesprochen hat. Der angefochtene Gerichtsentscheid ist
folglich aufzuheben, soweit die Vorinstanz über den massgebenden
Streitgegenstand hinaus in Missachtung der formellen Teilrechtskraft die
Verfügung vom 28. Dezember 2000 auch in Bezug auf die zugesprochene
Integritätsentschädigung aufgehoben hat.

3.4 Andererseits ist das kantonale Gericht auf die Beschwerde der Versicherten
insoweit zu Unrecht eingetreten, als diese im vorinstanzlichen Verfahren (wie
auch letztinstanzlich) unter anderem beantragte, sämtliche UVG-Leistungen -
also auch die Taggeldleistungen - seien rückwirkend ab dem Unfalltag auf der
Basis eines massgebenden Jahreseinkommens von mindestens Fr. 74'216.- bzw. Fr.
33'294.- neu zu bemessen. Da es die Beschwerdeführerin zuvor im
Administrativverfahren unterlassen hatte, mit Einsprache vom 29. Januar 2001
und/oder ergänzender Einsprachebegründung vom 19. April 2001 gegen die
Taggeldbemessung und somit gegen die Dispositiv-Ziffer 1 der Verfügung vom 28.
Dezember 2000 irgend welche Einwände zu erheben bzw. deren Berichtigung zu
beantragen, und weil der Taggeldanspruch ab Unfall bis Ende 1998 nicht
Gegenstand dieser Verfügung gebildet hat, bleibt es in Bezug auf das Taggeld
bis zu einem allfälligen Rentenbeginn oder bis zum folgenlosen Fallabschluss
bei den von der Winterthur erbrachten Leistungen. Auf diesbezüglich
weitergehende Begehren der Versicherten ist mangels eines entsprechenden
Anfechtungsgegenstandes nicht einzutreten.

4.
Während die Winterthur gemäss Einspracheentscheid vom 30. Januar 2006
grundsätzlich den Anspruch auf eine Invalidenrente nach UVG mit Wirkung ab 1.
Januar 1999 bejahte, hob das kantonale Gericht den Einspracheentscheid und die
Verwaltungsverfügung - nach Androhung einer reformatio in peius und Gewährung
der Rückzugsmöglichkeit - auf mit der Feststellung, die Versicherte habe ab 1.
Januar 1999 keinen Anspruch auf Leistungen nach UVG mehr.

Strittig ist, ob die Vorinstanz hinsichtlich des Unfalles vom 12. Mai 1996 zu
Recht jeden Anspruch auf Versicherungsleistungen mit Wirkung ab 1. Januar 1999
verneinte. Dabei ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin ab diesem Zeitpunkt
noch an einer anspruchsbegründenden unfallbedingten Gesundheitsschädigung litt.

5.
5.1 Das kantonale Gericht hat im angefochtenen Entscheid die Bestimmung über
die Leistungspflicht des obligatorischen Unfallversicherers bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten (Art. 6 Abs. 1 UVG) richtig
wiedergegeben. Gleiches gilt für die Grundsätze über den für einen
Leistungsanspruch nebst anderem erforderlichen natürlichen Kausalzusammenhang
zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod;
BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen). Ebenfalls zutreffend dargelegt ist
die Rechtsprechung über den zusätzlich zum natürlichen Kausalzusammenhang
erforderlichen adäquaten Kausalzusammenhang. Danach spielt im
Sozialversicherungsrecht die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus
dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers im
Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da
sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 127
V 102 E. 5b/bb S. 103 mit Hinweisen). Anders verhält es sich bei natürlich
unfallkausalen, aber organisch nicht objektiv ausgewiesenen Beschwerden. Hier
ist bei der Beurteilung der Adäquanz vom augenfälligen Geschehensablauf
auszugehen, und es sind je nachdem weitere unfallbezogene Kriterien
einzubeziehen (BGE 117 V 359 E. 6 S. 366 ff. und 369 E. 4 S. 382 ff., 115 V 133
E. 6 S. 138 ff.). Bei psychischen Fehlentwicklungen nach Unfall werden diese
Adäquanzkriterien unter Ausschluss psychischer Aspekte geprüft (BGE 115 V 133
E. 6c/aa S. 140), während bei Schleudertraumen (BGE 117 V 359 E. 6a S. 367) und
äquivalenten Verletzungen der HWS (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 2) sowie
Schädel-Hirntraumen (BGE 117 V 369 E. 4b S. 383) auf eine Differenzierung
zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet wird (vgl. zum
Ganzen auch BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103 und SVR 2007 UV Nr. 8 S. 27, E. 2
ff., U 277/04, je mit Hinweisen; vgl. dazu aber E. 5.2 hienach).

5.2 Das Bundesgericht hat mit BGE 134 V 109 die Praxis zur Kausalitätsprüfung
bei Unfall mit Schleudertrauma, äquivalenter Verletzung der HWS oder
Schädel-Hirntrauma ohne organisch objektiv ausgewiesene Beschwerden (sog.
Schleudertrauma-Praxis) in mehrfacher Hinsicht präzisiert. Gemäss diesem Urteil
hat der Unfallversicherer den Fall abzuschliessen, wenn von einer Fortsetzung
der ärztlichen Behandlung keine bedeutende, ins Gewicht fallende Besserung des
Gesundheitszustandes mehr zu erwarten ist ( BGE 134 V 109 E. 3 und 4 S. 112
ff.). Sodann ist am Erfordernis einer besonderen Adäquanzprüfung bei Unfällen
mit solchen Verletzungen festzuhalten (BGE 134 V 109 E. 7-9 S. 118 ff.). Auch
besteht keine Veranlassung, die bewährten Grundsätze über die bei dieser
Prüfung vorzunehmende Einteilung der Unfälle nach deren Schweregrad und den
abhängig von der Unfallschwere gegebenenfalls erforderlichen Einbezug weiterer
Kriterien in die Adäquanzbeurteilung zu ändern (BGE 134 V 109 E. 10.1 S. 126).
Das Bundesgericht hat aber die Anforderungen an den Nachweis einer natürlich
unfallkausalen Verletzung, welche die Anwendung der Schleudertrauma-Praxis
rechtfertigt, erhöht (BGE 134 V 109 E. 9 S. 121 ff.) und die adäquanzrelevanten
Kriterien teilweise modifiziert (BGE 134 V 109 E. 10 S. 126 ff.).

6.
6.1 Das kantonale Gericht hat nach einlässlicher Würdigung der medizinischen
Unterlagen im Ergebnis richtig erkannt, dass - spätestens - per Ende 1998 mit
dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit (vgl. auch BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen) keine
organisch objektiv ausgewiesene Unfallfolgen mehr vorhanden waren und von einer
Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des
Gesundheitszustandes (Art. 19 Abs. 1 UVG) mehr zu erwarten war. Die
Beschwerdeführerin bringt zu Recht nichts vor, was an dieser Feststellung in
tatsächlicher Hinsicht etwas zu ändern vermöchte.

6.2 Die Frage nach dem natürlichen Kausalzusammenhang zwischen den ab 1. Januar
1999 anhaltend geklagten, organisch nicht objektiv ausgewiesenen Beschwerden
und dem Unfall vom 12. Mai 1996 braucht nicht abschliessend beantwortet zu
werden, wenn - wie im Folgenden dargelegt - die Adäquanz in der Tat zu
verneinen ist. Denn diesfalls kann praxisgemäss auf weitere Beweisvorkehren zur
natürlichen Kausalität verzichtet werden, woran sich mit BGE 134 V 109 nichts
geändert hat (Urteil 8C_42/2007 vom 14. April 2008, E. 2 mit Hinweisen).

6.3 Bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhanges von organisch nicht
nachweisbaren Unfallfolgeschäden eines Schleudertraumas muss untersucht werden,
ob die zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden
Beeinträchtigungen zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen
Problematik aber ganz in den Hintergrund getreten sind. Trifft dies zu,
gelangen die von der Rechtsprechung in BGE 115 V 133 E. 6 S. 138 ff. zur
Adäquanz von psychischen Unfallfolgen entwickelten Grundsätze zur Anwendung;
andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adäquanz gemäss den in BGE 117 V 359 E.
6a S. 366 f. und 369 E. 4b S. 382 f. festgelegten Kriterien (BGE 134 V 109 E. 6
S. 116 f., Urteil 8C_582/2007 vom 29. April 2008, E. 3.1).

6.4 Es erscheint fraglich, ob die Adäquanz des Kausalzusammenhanges zwischen
den ab 1. Januar 1999 anhaltend geklagten Befindlichkeitsstörungen und dem
Unfall vom 12. Mai 1996 nach der sog. Psycho-Praxis im Sinne von BGE 115 V 133
zu prüfen ist. Zum einen litt die Versicherte anfänglich nach dem Unfall an den
zum typischen Beschwerdebild gehörenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen.
Zum andern finden sich konkrete Hinweise auf eine psychogene Problematik erst
im Bericht des Spitals Y.________ vom 26. Januar 1998, wo die
Beschwerdeführerin vom 27. Oktober bis 21. November 1997 zur stationären
Rehabilitation weilte, nachdem gestützt auf die Ergebnisse der
Magnetresonanz-Untersuchung vom 30. Juni 1997 eine Nervenwurzelkompression -
trotz minimaler Diskusprotrusionen auf Höhe der Halswirbelkörper 5/6 und 6/7 -
hatte ausgeschlossen werden können. Die Frage braucht indessen nicht
beantwortet zu werden, da die Adäquanz auch in Anwendung der - inzwischen mit
BGE 134 V 109 präzisierten - Schleudertrauma-Praxis zu verneinen ist (E. 7 und
8).

7.
Nach eigenen Angaben des den Unfall schuldhaft verursachenden BMW-Lenkers fuhr
dieser mit übersetzter Geschwindigkeit von ca. 150 km/h auf der Autobahn von
Milano Richtung Verona, als er von einer plötzlichen Staubildung überrascht
wurde und sodann nicht mehr rechtzeitig vollständig abzubremsen vermochte. An
seinem Auto entstand Totalschaden. Zudem wurden durch den Aufprall weitere
Fahrzeuge am Ende der Kolonne angeschoben, so dass es zu weiteren drei
Kollisionen kam. Entgegen der Beschwerdeführerin, welche den Unfall vom 12. Mai
1996 unter Hinweis auf angeblich vergleichbare, anhand von Berichten und
Farbfotos aus dem Internet zu Massenkarambolagen und heftigsten
Autobahn-Kollisionen mit in Brand geratenen Fahrzeugen und Todesfolgen "zu
dokumentieren" versuchte, handelt es sich bei der fraglichen Kollision vom 12.
Mai 1996 nach den Schilderungen des BMW-Lenkers gemäss Schadenanzeige vom 14.
Mai 1996 und laut Bericht eines am Unfall beteiligten Ehepaares vom 8. Oktober
2007 um einen vergleichsweise leichten Unfall. Ausgehend vom objektiv
erfassbaren Unfallereignis (BGE 129 V 177 E. 4.1 S. 183 mit Hinweisen) ist hier
gestützt auf die vom BMW-Lenker stammenden "Aussagen der ersten Stunde" (BGE
121 V 45 E. 2a S. 47) auf Grund des augenfälligen Geschehensablaufes mit dem
kantonalen Gericht höchstens von einem mittelschweren Unfall im mittleren
Bereich auszugehen. Die Adäquanz des Kausalzusammenhanges wäre daher zu
bejahen, wenn die nunmehr relevanten modifizierten Kriterien gemäss BGE 134 V
109 E. 10.3 S. 130 gehäuft oder auffallend gegeben wären oder eines der
Kriterien in besonders ausgeprägter Weise vorliegen würde (BGE 117 V 359 E. 6b
S. 367, 369 E. 4c S. 384).

8.
8.1 Das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen
Eindrücklichkeit des Unfalles besteht unverändert weiter (BGE 134 V 109 E.
10.2.1 S. 127; Urteil 8C_402/2007 vom 23. April 2008, E. 5.2.1). Es ist
objektiv zu beurteilen und nicht auf Grund des subjektiven Empfindens bzw.
Angstgefühls der versicherten Person (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 207 E. 3b/cc;
Urteil U 56/07 vom 25. Januar 2008, E. 6.1). Das Kriterium kann hier als
erfüllt betrachtet werden (vgl. auch RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 E. 5.1.2 und
5.2.1, U 380/04), jedoch nicht in besonders ausgeprägter Weise.
8.2
8.2.1 Die Diagnose einer HWS-Distorsion (oder einer anderen, adäquanzrechtlich
gleich zu behandelnden Verletzung) genügt für sich allein nicht zur Bejahung
des Kriteriums der Schwere und besonderen Art der erlittenen Verletzung. Es
bedarf hiezu einer besonderen Schwere der für das Schleudertrauma typischen
Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen
können (SVR 2007 UV Nr. 26 S. 86 E. 5.3, U 339/06; RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236
E. 5.2.3 mit Hinweisen, U 380/04). Diese können beispielsweise in einer beim
Unfall eingenommenen besonderen Körperhaltung und den dadurch bewirkten
Komplikationen bestehen (SVR 2007 UV Nr. 26 S. 86 E. 5.3, U 339/06; RKUV 2003
Nr. U 489 S. 357 E. 4.3 mit Hinweisen, U 193/01). Auch erhebliche Verletzungen,
welche sich die versicherte Person neben dem Schleudertrauma, der äquivalenten
HWS-Verletzung oder dem Schädel-Hirntrauma beim Unfall zugezogen hat, können
bedeutsam sein (BGE 134 V 109 E. 10.2.2 S. 127 mit Hinweisen).
8.2.2 Die Kollision erfolgte in gerader Kopfstellung ohne Kopfanprall.
Abgesehen von einer Prellung über Sternum und Clavicula rechts, welche durch
den Sicherheitsgurt verursacht wurde, hatte der Unfall neben den zum typischen
Beschwerdebild gehörenden Beeinträchtigungen keine weiteren unmittelbaren
Gesundheitsschädigungen zur Folge. Weder der die Beschwerdegegnerin beratende
Chirurg Dr. med. C.________, noch Dr. med. A.________, der frühere Hausarzt der
Versicherten, bejahte mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen den minimalen
Diskusprotrusionen bei C5/6 und C6/7 einerseits und dem Unfall vom 12. Mai 1996
andererseits. In Bezug auf die anhaltend geklagten, organisch nicht objektiv
ausgewiesenen Beschwerden fehlte es im Wesentlichen, wie das kantonale Gericht
unter anderem gestützt auf den Bericht des Spitals Y.________ vom 26. Januar
1998 und das multidisziplinäre Gutachten des Medizinischen Zentrums Z.________
vom 18. Dezember 1998 zutreffend feststellte, nicht nur an einem somatischen
Korrelat; vielmehr fanden sich auch klare Anhaltspunkte für eine erhebliche
Aggravation der gezeigten gesundheitlichen Einschränkungen.
8.2.3 Nach dem Gesagten steht fest, dass das durch den am 15. Mai 1996
erstbehandelnden Dr. med. A.________ einzig diagnostizierte Distorsionstrauma
der HWS mit den in der Folge aufgetretenen, zum typischen Beschwerdebild (BGE
117 V 359 E. 4b S. 360) gehörenden Beeinträchtigungen (BGE 134 V 109 E. 10.2.2
S. 127 mit Hinweisen) das Kriterium der Schwere und besonderen Art der
erlittenen Verletzung nicht erfüllt.
8.3
8.3.1 Für das Kriterium der ärztlichen Behandlung entscheidwesentlich ist, ob
nach dem Unfall bis zum Fallabschluss eine fortgesetzt spezifische, die
versicherte Person belastende Behandlung notwendig war (BGE 134 V 109 E. 10.2.3
S. 128).
8.3.2 Nach der initialen Untersuchung in der Notfallstation des Spitales in
T.________ bedurfte die Beschwerdeführerin am Unfalltag keiner stationären
Hospitalisierung, weil es angeblich gemäss Beschwerdeschrift vom 12. Oktober
2007 (S. 22) in jenem Spital für die Versicherte "keinen Platz mehr [...] gab".
Obwohl sie daraufhin noch am gleichen Tag (der 12. Mai 1996 war ein Sonntag)
von einem Kollegen in die Schweiz nach Hause gefahren wurde, begab sie sich
erst am darauf folgenden Mittwoch (15. Mai 1996) in ärztliche Erstbehandlung zu
Dr. med. A.________. Gemäss Bericht vom 14. Juni 1996 verordnete dieser einzig
einen Schaumstoffkragen sowie die dreimal tägliche Einnahme einer Trancopal
Tablette. Nach einer MRI-Untersuchung der Wirbelsäule vom 24. Juli 1996 und
einer neurologischen Abklärung vom 5. August 1996 beschränkte sich die
Behandlung laut Bericht des Dr. med. A.________ vom 13. Januar 1997 noch auf
Arztkonsultationen alle zwei bis vier Wochen, Analgetika bei Bedarf,
Neuraltherapie und möglichst konservative Massnahmen. Im April 1997 wechselte
die Beschwerdeführerin den behandelnden Arzt und begab sich in Betreuung durch
Dr. med. D.________. Dieser applizierte zwei Injektionen mit Schmerzmitteln,
welche jedoch am Krankheitsbild nichts zu ändern vermochten. Bei einer
konsiliarischen Untersuchung in der Neurologisch-Neurochirurgischen Poliklinik
des Spitals Y.________ konnten die gezeigten gesundheitlichen
Beeinträchtigungen im Sommer 1997 keinem organischen Korrelat zugeordnet und
keine Anzeichen für eine Nervenwurzelkompression gefunden werden. Angesichts
einer Reihe von gravierenden psycho-sozialen Problemen (drei Operationen an der
linken Brust der Versicherten zwischen 1988 und 1997 wegen einem Karzinom, ein
drogensüchtiger Stiefsohn, welcher sich im August 1996 drei Rückenwirbel brach
und der achtzehn Jahre ältere Ehegatte, welcher 1997 zwei Herzinfarkte erlitt)
veranlasste Dr. med. D.________ einen knapp vierwöchigen stationären Aufenthalt
in der Medizinischen Abteilung des Spitals Y.________, damit die
Beschwerdeführerin in dieser Zeit "mehr Distanz zu ihren Problemen gewinnen"
könne. Bei Austritt wurden im Wesentlichen psychotherapeutische Einzelbetreuung
und eine Ehepaartherapie empfohlen bei bereits ausgeschöpften
Behandlungsmöglichkeiten hinsichtlich der unmittelbaren Unfallfolgen. Dr. med.
E.________, welche die Versicherte in der Privatklinik F.________ ab 15.
Oktober 1998 ambulant psychiatrisch behandelte, berichtete am 26. November
1998, die Beschwerdeführerin leide an einer mittelschweren depressiven Episode.
Aufenthalte in ihrer Herkunftsfamilie im ehemaligen Jugoslawien zeigten eine
entlastende und stimmungsmässig stabilisierende Wirkung, weshalb sie aus
fachärztlicher Sicht einen entsprechenden Urlaub unbedingt befürworte. Gemäss
Gutachten des Medizinischen Zentrums Z.________ war einzig von der
psychiatrischen Behandlung eine verbesserte Motivation zur Eingliederung in
eine Tagesstruktur zu erhoffen.
8.3.3 Festzuhalten ist, dass die Verhältnisse bis zum Fallabschluss auf den 31.
Dezember 1998 zu beurteilen sind (vgl. Urteil 8C_252/2007 vom 16. Mai 2008, E.
7.3.3, mit Hinweis). Die nachfolgenden therapeutischen Bemühungen sind somit
nicht relevant. Insgesamt ist das Kriterium der fortgesetzt spezifischen,
belastenden ärztlichen Behandlung mit Blick auf den Zeitraum zwischen Unfall
und Ende 1998 nach dem Gesagten nicht erfüllt. Abgesehen von der knapp
vierwöchigen stationären Rehabilitation im Spital Y.________ waren
unfallbedingt neben der ambulanten Psychotherapie und gelegentlichen
Arztkonsultationen keine belastenden operativen Eingriffe oder sonstige
Hospitalisierungen erforderlich.

8.4 Adäquanzrelevant können nur in der Zeit zwischen dem Unfall und dem
Fallabschluss nach Art. 19 Abs. 1 UVG ohne wesentlichen Unterbruch bestehende
erhebliche Beschwerden sein. Die Erheblichkeit beurteilt sich nach den
glaubhaften Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, welche die verunfallte
Person durch die Beschwerden im Lebensalltag erfährt (BGE 134 V 109 E. 10.2.4
S. 128). Gemäss Gutachten des Medizinischen Zentrums Z.________ litt die
Beschwerdeführerin seit dem Unfall konstant an Nacken- und Kopfschmerzen mit
Ausstrahlung in beide Arme und in den gesamten Rücken bei zunehmend reduzierter
Grundstimmung. Den Besuch eines Fitnesscenters habe sie ebenso schmerzbedingt
abbrechen müssen wie den einzigen Arbeitsversuch als Serviceangestellte. Neben
dem täglichen Einkauf, den Spaziergängen mit dem Hund und dem Besuch eines
religiösen Kurses seien ihr körperliche Arbeiten völlig unmöglich. Bei stark
positiv getesteten Waddellzeichen und einer - ausserhalb der medizinischen
Untersuchungssituation beobachteten - normalen Beweglichkeit des Kopfes und
unauffälligen Gangart ohne Hinken oder Abstützen kann das Kriterium erheblicher
Beschwerden in Anbetracht der aktenkundigen gesundheitlichen Beeinträchtigungen
(E. 6, 8.2.2 und 8.3.2 hievor) als grundsätzlich nur knapp erfüllt angesehen
werden. Dies aber weder auffallend noch in besonders ausgeprägter Form, da es
der Versicherten immer noch möglich blieb, gewisse Aktivitäten auszuüben
(Urteil 8C_252/2007 vom 16. Mai 2008, E. 7.4).

8.5 Das nicht geänderte Kriterium der ärztlichen Fehlbehandlung, welche die
Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat (BGE 134 V 109 E. 10.2.5 S. 129), ist
unbestrittenermassen nicht erfüllt.

8.6 Unverändert beibehalten wird das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs
und der erheblichen Komplikationen (BGE 134 V 109 E. 10.2.6 S. 129). Diese
beiden Teilaspekte müssen nicht kumulativ erfüllt sein (BGE 117 V 359 E. 7b S.
369). Aus der ärztlichen Behandlung und den erheblichen Beschwerden - welche im
Rahmen der spezifischen Adäquanzkriterien (E. 7 i.f. hievor) zu berücksichtigen
sind - darf nicht auf einen schwierigen Heilungsverlauf und/oder erhebliche
Komplikationen geschlossen werden. Es bedarf hiezu besonderer Gründe, welche
die Heilung beeinträchtigt haben. Die Einnahme vieler Medikamente und die
Durchführung verschiedener Therapien genügen nicht zur Bejahung dieses
Kriteriums. Gleiches gilt für den Umstand, dass trotz regelmässiger Therapien
weder eine Beschwerdefreiheit noch eine (vollständige) Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit erreicht werden konnten (Urteile 8C_252/2007 vom 16. Mai
2008, E. 7.6, und 8C_57/2008 vom 16. Mai 2008, E. 9.6.1, je mit Hinweisen). Im
Vergleich mit anderen Fällen von HWS-Distorsionstraumen und äquivalenten
Verletzungen kann vorliegend bis zum Fallabschluss nicht von erheblichen
Komplikationen ausgegangen werden. Hingegen ist insgesamt das Kriterium des
schwierigen Heilungsverlaufs zu bejahen, aber weder auffallend noch besonders
ausgeprägt.
8.7
8.7.1 Was schliesslich das Kriterium der Arbeitsunfähigkeit anbelangt, ist dem
Umstand Rechnung zu tragen, dass bei leichten bis mittelschweren
Schleudertraumen der HWS ein längerer oder gar dauernder Ausstieg aus dem
Arbeitsprozess vom medizinischen Standpunkt aus als eher ungewöhnlich
erscheint. Nicht die Dauer der Arbeitsunfähigkeit ist daher massgebend, sondern
eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit als solche, die zu überwinden die
versicherte Person ernsthafte Anstrengungen unternimmt. Darin liegt der Anreiz
für die versicherte Person, alles daran zu setzen, wieder ganz oder teilweise
arbeitsfähig zu werden. Gelingt es ihr trotz solcher Anstrengungen nicht, ist
ihr dies durch Erfüllung des Kriteriums anzurechnen. Konkret muss ihr Wille
erkennbar sein, sich durch aktive Mitwirkung raschmöglichst wieder optimal in
den Arbeitsprozess einzugliedern. Solche Anstrengungen der versicherten Person
können sich insbesondere in ernsthaften Arbeitsversuchen trotz allfälliger
persönlicher Unannehmlichkeiten manifestieren. Dabei ist auch der persönliche
Einsatz im Rahmen von medizinischen Therapiemassnahmen zu berücksichtigen.
Sodann können Bemühungen um alternative, der gesundheitlichen Einschränkung
besser Rechnung tragende Tätigkeiten ins Gewicht fallen. Nur wer in der Zeit
bis zum Fallabschluss nach Art. 19 Abs. 1 UVG in erheblichem Masse
arbeitsunfähig ist und solche Anstrengungen auszuweisen vermag, kann das
Kriterium erfüllen (BGE 134 V 109 E. 10.2.7 S. 129 mit Hinweisen; Urteil 8C_252
/2007 vom 16. Mai 2008, E. 7.7.1, mit Hinweis).
8.7.2 Soweit die Beschwerdeführerin gemäss Beurteilung ihres behandelnden
Arztes Dr. med. A.________ ab 20. Januar 1997 wieder zu 50% arbeitsfähig war
und sie in diesem Umfang auch einen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung
geltend machte, ist anhand eines einzigen eintägigen Arbeitsversuches als
Servicefachangestellte in der Zeitdauer zwischen Unfall und Oktober 1998
(Gutachten des Medizinischen Zentrums Z.________ S. 5) kein ausreichend konkret
erkennbarer Wille ersichtlich, sich möglichst rasch wieder in den
Arbeitsprozess eingliedern zu wollen. Laut Bericht des Spitals Y.________ vom
26. Januar 1998 waren der Versicherten nach Austritt aus dem dortigen
stationären Aufenthalt - unter Ausklammerung der psychosozialen Problematik -
leichte wechselbelastende oder überwiegend im Sitzen zu verrichtende
Tätigkeiten ohne Überkopfarbeiten theoretisch sogar ohne Einschränkungen
zumutbar. In den Akten finden sich jedoch keine Anhaltspunkte dafür, dass sie
ernsthafte Versuche zur Wiederaufnahme einer leidensangepassten
Erwerbstätigkeit unternommen hätte. Das Kriterium der erheblichen
Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen ist nicht erfüllt.

9.
9.1 Zusammenfassend sind höchstens drei der sieben Kriterien teilweise erfüllt,
jedoch nicht in besonders ausgeprägter oder auffallender Weise (E. 8.1, 8.4 und
8.6 hievor). Dies reicht zur Adäquanzbejahung praxisgemäss nicht aus (E. 7 i.f.
hievor; Urteil 8C_252/2007 vom 16. Mai 2008, E. 8, mit Hinweis). Der
angefochtene Entscheid, mit welchem das kantonale Gericht im Rahmen der
angekündigten reformatio in peius die Adäquanz des Kausalzusammenhanges der ab
1. Januar 1999 anhaltend geklagten Beschwerden und dem Unfall vom 12. Mai 1996
verneint hat, ist somit im Ergebnis nicht zu beanstanden.

9.2 Soweit die Winterthur bereits darüber hinausgehende Versicherungsleistungen
erbracht hat, wird sie bei der möglichen Geltendmachung eines
Rückforderungsanspruchs hinsichtlich allenfalls unrechtmässig bezogener
Leistungen nicht nur die Fristen im Sinne von Art. 25 Abs. 2 ATSG zu beachten,
sondern auch der verspäteten Terminierung im Rahmen des vorinstanzlichen
Entscheides unter dem Gesichtspunkt des Vertrauensschutzes (vgl. BGE 133 V 57
Erw. 6.8 S. 65) Rechnung zu tragen haben (Urteil U 10/06 vom 2. Mai 2007, E.
5).

10.
Die Versicherte unterliegt im Wesentlichen mit ihren im letztinstanzlichen
Verfahren gestellten Anträgen, soweit darauf einzutreten ist, und obsiegt
einzig in der Teilfrage des in formelle Rechtskraft erwachsenen Anspruchs auf
Integritätsentschädigung. Dem Prozessausgang entsprechend sind die
Gerichtskosten der Beschwerdeführerin zu vier Fünfteln und der AXA Winterthur
zu einem Fünftel aufzuerlegen (Art. 65 Abs. 1 und Art. 66 Abs. 1 Satz 1 BGG).
Die unentgeltliche Rechtspflege kann der Versicherten gewährt werden (Art. 64
BGG), da die Bedürftigkeit aktenkundig ist, die Beschwerde nicht als
aussichtslos zu bezeichnen und die Vertretung notwendig war (BGE 125 V 201 E.
4a S. 202 und 371 E. 5b S. 372; Urteil 8C_463/2007 vom 28. April 2008, E. 9,
mit Hinweis). Die Beschwerdeführerin wird der Gerichtskasse Ersatz zu leisten
haben, wenn sie später dazu in der Lage ist (Art. 64 Abs. 4 BGG). Da sie
teilweise obsiegt, steht ihr eine dementsprechend reduzierte
Parteientschädigung zu (Art. 68 Abs. 1 BGG). In diesem Umfang ist ihr Gesuch um
unentgeltliche Verbeiständung gegenstandslos.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Der Entscheid des
Verwaltungsgerichts des Kantons Bern, Sozialversicherungsrechtliche Abteilung,
vom 6. September 2007 wird aufgehoben, soweit damit die gemäss Verfügung der
Beschwerdegegnerin vom 28. Dezember 2000 formell rechtskräftig zugesprochene
Integritätsentschädigung von Fr. 19'440.- aufgehoben wurde. Im Übrigen wird die
Beschwerde abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Der Beschwerdeführerin wird die unentgeltliche Rechtspflege gewährt.

3.
Von den Gerichtskosten von Fr. 500.- werden der Beschwerdeführerin Fr. 400.-
und der Beschwerdegegnerin Fr. 100.- auferlegt. Der Anteil der
Beschwerdeführerin wird vorläufig auf die Gerichtskasse genommen.

4.
Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 500.- zu entschädigen.

5.
Rechtsanwalt Rémy Wyssmann, Oensingen, wird als unentgeltlicher Anwalt der
Beschwerdeführerin bestellt, und es wird ihm für das bundesgerichtliche
Verfahren aus der Gerichtskasse eine Entschädigung von Fr. 2000.- ausgerichtet.

6.
Die Sache wird zur Neuverlegung der Parteientschädigung des vorangegangenen
Verfahrens an das Verwaltungsgericht des Kantons Bern,
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung zurückgewiesen.

7.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Bern,
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, und dem Bundesamt für Gesundheit
schriftlich mitgeteilt.

Luzern, 22. August 2008

Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Ursprung i.V. Lanz