Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.643/2007
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Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
8C_643/2007

Urteil vom 3. Juli 2008
I. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichterin Leuzinger, Bundesrichter Frésard,
Gerichtsschreiber Hochuli.

Parteien
Branchen Versicherung, Irisstrasse 9, 8032 Zürich,
Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt Adelrich Friedli,
Stationsstrasse 66a, 8907 Wettswil,

gegen

K.________,
Beschwerdegegner, vertreten durch Rechtsanwalt Werner Bodenmann, Brühlgasse 39,
9000 St. Gallen.

Gegenstand
Unfallversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 18. September 2007.

Sachverhalt:

A.
K.________, geboren 1966, war seit Mai 1998 in der Produktion der Metzgerei
X.________ AG in Y.________ tätig und in dieser Eigenschaft bei der
Metzger-Versicherungen (heute: Branchen Versicherung; nachfolgend: Branchen
Versicherung oder Beschwerdeführerin) obligatorisch gegen die Folgen von
Unfällen versichert. Am 6. September 2005 quetschte er sich beim Reinigen einer
Fleischabfüllmaschine die rechte Hand ein, wonach es beim heftigen Herausziehen
der Hand zu offenen Endgliedfrakturen an den Fingern III und IV der rechten
Hand kam. Die Branchen Versicherung übernahm die Heilbehandlung und erbrachte
ein Taggeld. Mit Verfügung vom 17. Juli 2006, bestätigt durch
Einspracheentscheid vom 1. Dezember 2006, stellte die Branchen Versicherung
sämtliche Leistungen per 31. Mai 2006 ein und sprach dem Versicherten für die
ihm aus dem Unfall vom 6. September 2005 dauerhaft verbleibende
Beeinträchtigung der gesundheitlichen Unversehrtheit eine
Integritätsentschädigung von Fr. 5'340.- auf der Basis einer
Integritätseinbusse von 5% zu.

B.
Die hiegegen erhobene Beschwerde des K.________ hiess das Versicherungsgericht
des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 18. September 2007 teilweise gut, hob
den Einspracheentscheid vom 1. Dezember 2006 auf und wies die Sache zur
Durchführung ergänzender medizinischer Abklärungen im Sinne der Erwägungen
sowie zur Neuverfügung an die Branchen Versicherung zurück.

C.
Mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten lässt die Branchen
Versicherung beantragen, der angefochtene Gerichtsentscheid sei in Bestätigung
des Einspracheentscheides vom 1. Dezember 2006 aufzuheben und es sei
festzustellen, dass der Versicherte ab Anfang Juni 2006 keinen Anspruch auf
Versicherungsleistungen mehr habe.

Während K.________ auf Abweisung der Beschwerde schliesst, verzichtet das
Bundesamt für Gesundheit auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:

1.
Beim vorinstanzlichen Rückweisungsentscheid handelt es sich in der Terminologie
des BGG um einen Zwischenentscheid. Er kann daher nur unter den Voraussetzungen
von Art. 93 Abs. 1 BGG selbstständig angefochten werden (BGE 133 V 477 E. 4.2
S. 481 f.). Die Zulässigkeit der Beschwerde setzt somit u.a. - alternativ -
voraus, dass der Entscheid einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken
kann (Abs. 1 lit. a) oder dass die Gutheissung der Beschwerde sofort einen
Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder
Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Abs. 1 lit. b).

2.
Ein im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG nicht wieder gutzumachender Nachteil
ist gegeben, wenn er auch mit einem für die Beschwerdeführerin günstigen
Endentscheid nicht behoben werden kann (Urteile 4A_85/2007 vom 11. Juni 2007,
E. 3.1, und 4A_92/2007 vom 8. Juni 2007, E. 2). Die Rückweisung der Sache an
die Vorinstanz zu ergänzender oder weiterer Abklärung und neuer Entscheidung
bewirkt in der Regel keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil (BGE 133 V 477
E. 5.2.1 und 5.2.2 S. 483 sowie Urteil 9C_446/2007 vom 5. Dezember 2007, E. 2
mit Hinweis). Die von der Branchen Versicherung geltend gemachte
Entbehrlichkeit der vom kantonalen Gericht geforderten ergänzenden
medizinischen Abklärung in Form einer erneuten Begutachten der andauernden
somatischen Unfallrestfolgen und der sekundären psychischen Gesundheitsstörung
stellt keinen in einem neuen Beschwerdeverfahren nicht behebbaren rechtlichen
Nachteil dar. Das im vorinstanzlichen Entscheid Angeordnete wird durch
Beschwerde gegen den Endentscheid anfechtbar sein, soweit es sich auf dessen
Inhalt auswirkt (Art. 93 Abs. 3 BGG). Die Eintretensvoraussetzung von Art. 93
Abs. 1 lit. a BGG ist nicht gegeben.

3.
Auch in Bezug auf den Eintretensgrund von Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG ist die
selbstständige Anfechtbarkeit von Zwischenentscheiden aus prozessökonomischen
Gründen eine Ausnahme, die restriktiv zu handhaben ist. Dies umso mehr, als die
Parteien keiner Rechte verlustig gehen, wenn sie einen Zwischenentscheid nicht
selbstständig anfechten, können sie ihn doch mit dem Endentscheid anfechten,
soweit er sich auf dessen Inhalt auswirkt (Art. 93 Abs. 3 BGG).

Das Bundesgericht prüft nach freiem Ermessen, ob die Voraussetzung von Art. 93
Abs. 1 lit. b BGG, dass bei einer Gutheissung der Beschwerde ein bedeutender
Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren erspart werden
kann, erfüllt ist (BGE 133 IV 288 E. 3.2 S. 292; Urteil 9C_446/2007 vom 5.
Dezember 2007, E. 3 mit Hinweisen). Auf Beschwerden gegen vorinstanzliche
Rückweisungsentscheide, mit denen einzig eine ergänzende Sachverhaltsabklärung
angeordnet wird, ist in der Regel nicht einzutreten (Urteile 8C_742/2007 vom 4.
April 2008, E. 3, und 9C_446/2007 vom 5. Dezember 2007, E. 3 mit weiteren
Hinweisen). Die Vorinstanz hat die Beschwerdeführerin angewiesen, eine erneute
Begutachtung der andauernden somatischen Unfallrestfolgen und der sekundären
psychiatrischen Gesundheitsstörungen unter Berücksichtigung der aktenkundig
diskutierten Diagnosen einer Tendovaginitis stenosans und eines Morbus Sudeck
bzw. eines komplexen regionalen Schmerzsyndroms (CPRS) in Auftrag zu geben, um
eine umfassende und abschliessende Beurteilung des massgebenden
Gesundheitsschadens und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit vornehmen
zu können. Gestützt darauf wird die Branchen Versicherung anschliessend die
Anspruchsvoraussetzungen des natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhangs zu
prüfen und sodann über einen allfälligen weiteren Anspruch auf Leistungen nach
UVG (Heilbehandlung, Taggeld, Invalidenrente und Integritätsentschädigung) ab
1. Juni 2006 neu zu verfügen haben. Bei diesen ergänzenden medizinischen
Abklärungen handelt es sich nicht um ein weitläufiges Beweisverfahren mit einem
bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten.

4.
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend hat die Beschwerdeführerin die
Gerichtskosten zu tragen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Dem anwaltlich vertretenen
Beschwerdegegner steht eine Parteientschädigung zu (Art. 68 Abs. 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Die Beschwerdeführerin hat den Beschwerdegegner für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 2500.- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen und dem Bundesamt für Gesundheit schriftlich mitgeteilt.
Luzern, 3. Juli 2008
Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Ursprung Hochuli