Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.653/2007
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Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
8C_653/2007

Urteil vom 28. März 2008
I. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichterinnen Widmer, Leuzinger,
Gerichtsschreiberin Hofer.

Parteien
B.________, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Christian Thöny,
Bahnhofstrasse 8, 7000 Chur,

gegen

Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft, Hohlstrasse 552, 8048 Zürich,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Unfallversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden
vom 11. Juni 2007.

Sachverhalt:

A.
Der 1951 geborene B.________ hatte seit August 1997 ein Teilpensum als Dozent
an der X.________ in Y.________ inne und war in dieser Eigenschaft bei der
Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft (nachstehend: Allianz) gegen Unfälle
versichert. Während eines Aufenthalts in Thailand erlebte er das grosse
Seebeben, welches am 26. Dezember 2004 im Indischen Ozean eine Flutwelle
ausgelöst und weite Küstengebiete schwer in Mitleidenschaft gezogen hatte. Laut
Unfallmeldung vom 18. Oktober 2005, welche auf Veranlassung des
Krankenversicherers des B.________ eingereicht wurde, erlitt dieser infolge der
miterlebten Naturkatastrophe einen psychischen Schock. Beigelegt waren zwei
Arztzeugnisse der Psychiatrischen Klinik des Spitals A.________ vom 12. Juli
und 10. August 2005, gemäss welchen er ab dem 14. April 2005 in Behandlung
stand und vom 25. Juli bis 4. September 2005 vollständig arbeitsunfähig war,
und ein Schreiben des Psychiaters Dr. med. D.________, an die Arbeitgeberin vom
3. Oktober 2005, welcher den Versicherten seit 17. Juni 2005 behandelte,
Erschöpfungssyndrom nach langdauerndem Konflikt am Arbeitsplatz und Symptomatik
einer posttraumatischen Belastungsstörung diagnostizierte und eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit für mindestens 6 bis 9 Monate attestierte. Die Allianz
befragte B.________ am 10. November 2005 zu den Geschehnissen vom 26. Dezember
2004 und zum Heilungsverlauf. Nachdem der Versicherte am 23. November 2005 eine
eigene Sachverhaltsdarstellung eingereicht und seine Standpunkte in weiteren
Schriftenwechseln umfassend dargelegt hatte, wies die Allianz das
Leistungsbegehren mit Verfügung vom 23. März 2006 ab, da den psychischen
Beschwerden kein Unfall im Sinne eines Schreckereignisses zugrunde liege und
auch der adäquate Kausalzusammenhang zu verneinen sei; bezüglich der geltend
gemachten Verletzung im Schulter- und Nackenbereich sei weder ein
Unfallereignis nachgewiesen, noch hätten die Beschwerden zu einer anhaltenden
Behandlungsbedürftigkeit oder zu einer Arbeitsunfähigkeit geführt. Auf
Einsprache des Versicherten hin hielt die Allianz mit Einspracheentscheid vom
11. August 2006 an ihrem Standpunkt fest.

B.
Die von B.________ dagegen erhobene Beschwerde, welcher unter anderem die
Berichte des Dr. med. D.________ vom 8. November 2006 und 12. Februar 2007, der
Kurzbericht des Orthopäden Dr. med. E.________ vom 17. April 2006 und eine
ausführliche Schilderung der Ereignisse vom 26. Dezember 2004 in M._______
durch einen norwegischen Bekannten vom 24. Oktober 2006 beilagen, wies das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden mit Entscheid vom 11. Juni 2007 ab.

C.
Mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten, welcher weitere
Arztberichte beiliegen, lässt B.________ beantragen, die Allianz sei zu
verpflichten, ihm für die Folgen des Unfalls vom 26. Dezember 2004 Leistungen
nach dem Unfallversicherungsgesetz auszurichten; eventuell sei festzustellen,
dass der Unfallbegriff erfüllt sei, und die Sache zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz oder die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

Die Allianz schliesst auf Abweisung der Beschwerde, während das Bundesamt für
Gesundheit auf eine Vernehmlassung verzichtet.

Erwägungen:

1.
Die Beschwerde kann wegen Rechtsverletzung gemäss Art. 95 und Art. 96 BGG
erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106
Abs. 1 BGG). Es ist somit weder an die in der Beschwerde geltend gemachten
Argumente noch an die Erwägungen der Vorinstanz gebunden; es kann eine
Beschwerde aus einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen und es kann
sie mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden Begründung
abweisen (vgl. BGE 130 III 136 E. 1.4 S. 140). Gemäss Art. 42 Abs. 1 BGG ist
die Beschwerde hinreichend zu begründen, andernfalls wird darauf nicht
eingetreten (Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG). Das Bundesgericht prüft grundsätzlich
nur die geltend gemachten Rügen; es ist nicht gehalten, wie eine
erstinstanzliche Behörde alle sich stellenden rechtlichen Fragen zu prüfen,
wenn diese vor Bundesgericht nicht mehr vorgetragen wurden. Es kann die
Verletzung von Grundrechten und von kantonalem und interkantonalem Recht nur
insofern prüfen, als eine solche Rüge in der Beschwerde vorgebracht und
begründet worden ist (Art. 106 Abs. 2 BGG).
Im Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von Geldleistungen
der Militär- oder Unfallversicherung ist das Bundesgericht nicht an die
vorinstanzliche Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gebunden (Art.
97 Abs. 2 und Art. 105 Abs. 3 BGG).

2.
2.1 Der Unfallversicherer hat im Einspracheentscheid vom 11. August 2006, auf
welchen das kantonale Gericht in diesem Punkt ausdrücklich verweist, die
Bestimmungen über den Unfallbegriff (Art. 6 Abs. 1 UVG, Art. 4 ATSG) sowie die
Voraussetzungen, unter welchen ein Schreckereignis den Unfallbegriff erfüllt
(BGE 129 V 177 E. 2.1 S. 179, welche Rechtsprechung nach dem Inkrafttreten des
ATSG am 1. Januar 2003 weiterhin Gültigkeit hat, vgl. RKUV 2004 Nr. U 530 S.
576, U 123/04), zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen.

2.2 Rechtsprechung und Lehre haben schreckbedingte plötzliche Einflüsse auf die
Psyche seit jeher als Einwirkung auf den menschlichen Körper (im Sinne des
geltenden Unfallbegriffes) anerkannt und für ihre unfallversicherungsrechtliche
Behandlung besondere Regeln entwickelt. Danach setzt die Annahme eines Unfalles
voraus, dass es sich um ein aussergewöhnliches Schreckereignis, verbunden mit
einem entsprechenden psychischen Schock, handelt; die seelische Einwirkung muss
durch einen gewaltsamen, in der unmittelbaren Gegenwart der versicherten Person
sich abspielenden Vorfall ausgelöst werden und in ihrer überraschenden
Heftigkeit geeignet sein, auch bei einem gesunden Menschen durch Störung des
seelischen Gleichgewichts typische Angst- und Schreckwirkungen hervorzurufen.
In jüngerer Zeit wurde diese Rechtsprechung bestätigt und dahingehend
präzisiert, dass auch bei Schreckereignissen nicht nur die Reaktion eines
(psychisch) gesunden Menschen als Vergleichsgrösse dienen kann, sondern in
diesem Zusammenhang ebenfalls auf eine "weite Bandbreite" von Versicherten
abzustellen ist. Zugleich hat das Gericht dabei relativierend, unter Bezugnahme
auf den massgeblichen Unfallbegriff, betont, dass sich das Begriffsmerkmal der
Ungewöhnlichkeit definitionsgemäss nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors,
sondern nur auf diesen selber bezieht, weshalb nicht von Belang sein könne,
wenn der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich
zog (BGE 129 V 177 E. 2.1 S. 179 mit Hinweisen).

2.3 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers setzt voraus, dass zwischen
dem Schreckereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod)
ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen
Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der Erfolg
nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur
gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung
ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich,
dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher
Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen
Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person
beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann,
ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177
E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen).

2.4 Die weiter vorausgesetzte Adäquanz des Kausalzusammenhangs zwischen einem
Schreckereignis ohne körperliche Verletzungen und den nachfolgend aufgetretenen
psychischen Störungen beurteilt sich nach der allgemeinen Formel (gewöhnlicher
Lauf der Dinge und allgemeine Lebenserfahrung). Diese Rechtsprechung trägt der
Tatsache Rechnung, dass bei Schreckereignissen - anders als im Rahmen üblicher
Unfälle - die psychische Stresssituation im Vordergrund steht, wogegen dem
somatischen Geschehen keine (entscheidende) Bedeutung beigemessen werden kann.
Aus diesem Grund ist die (analoge) Anwendung der in BGE 115 V 133 entwickelten
Adäquanzkriterien ebenso ungeeignet wie diejenige der so genannten
Schleudertraumapraxis (BGE 117 V 359; vgl. BGE 129 V 177 E. 4.2 S. 184). Nicht
anders verhält es sich, wenn die versicherte Person zwar körperlich verletzt
wird, die somatischen Beeinträchtigungen indessen lediglich von untergeordneter
Bedeutung sind und im Vergleich zum erlittenen psychischen Stress in den
Hintergrund treten. Denn auch in solchen Fällen kommt dem somatischen Geschehen
keine wesentliche Bedeutung zu. Mithin hat die Beurteilung der Adäquanz
zwischen Schreckereignissen, bei welchen die versicherte Person zwar (auch)
körperliche Beeinträchtigungen davonträgt, Letztere indessen nicht entscheidend
ins Gewicht fallen, und psychischen Schäden nach der allgemeinen Adäquanzformel
(gewöhnlicher Lauf der Dinge und allgemeine Lebenserfahrung) zu erfolgen
(Urteile U 2/05 vom 4. August 2005, U 390/04 vom 14. April 2005).

2.5 An den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen psychischen Beschwerden und so
genannten Schreckereignissen werden - im Hinblick auf ihre schwere
Kontrollierbarkeit - hohe Anforderungen gestellt. Nach der Rechtsprechung
besteht die übliche und einigermassen typische Reaktion auf solche Ereignisse
erfahrungsgemäss darin, dass zwar eine Traumatisierung stattfindet, diese aber
vom Opfer in aller Regel innerhalb einiger Wochen oder Monate überwunden wird
(BGE 129 V 177; Urteile U 2/05 vom 4. August 2005 und U 390/04 vom 14. April
2005; vgl. auch David Weiss, Die Qualifikation eines Schreckereignisses als
Unfall nach Art. 4 ATSG, in: SZS 2007 S. 56).

3.
3.1 Streitig und zunächst zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer im Rahmen der
Ereignisse vom 26. Dezember 2004 in Thailand einem aussergewöhnlichen
Schreckereignis im Sinne der erwähnten Rechtsprechung ausgesetzt war und damit
einen Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG erlitten hat. Die Vorinstanz hat dies in
Würdigung der Aussagen des Versicherten anlässlich der Befragung vom 10.
November 2005, seiner Präzisierungen vom 23. November 2005, der Angaben des
behandelnden Psychiaters Dr. med. D.________ vom 3. Oktober 2005 und 8.
November 2006 und der schriftlichen Ausführungen des norwegischen Touristen vom
24. Oktober 2006 im Wesentlichen gestützt auf das vom Schweizerischen
Versicherungsverband herausgegebene Merkblatt zum Seebeben in Südostasien vom
21. Januar 2005 verneint. Dabei hat sie erwogen, der Beschwerdeführer habe die
Flutwelle des Tsunami vom 26. Dezember 2004 nicht unmittelbar selbst gesehen,
weshalb er auch nicht dadurch in Todesangst habe versetzt werden können. Zu
einer solchen sei es auch dann nicht gekommen, als er durch das vorangegangene
Erdbeben im Hotelzimmer aufgeschreckt worden sei, habe er doch unmittelbar
anschliessend seinem norwegischen Kollegen am Telefon erklärt, es sei zwar
Panik ausgebrochen, doch gehe es ihm den Umständen entsprechend gut. Das
Hotelgebäude sei denn auch praktisch unversehrt geblieben. Als während des
späteren Aufenthalts des Versicherten in der Stadt nach Ertönen von Sirenen und
Warnschüssen Panik ausgebrochen sei und die Anwesenden möglichst rasch Rettung
vor der vom Meer her drohenden Gefahr gesucht hätten, habe ebenfalls keine
akute eigene Lebensgefahr bestanden. Gleiches gelte für die nach der
freiwilligen Rückkehr aus dem sicheren Hinterland festgestellten Auswirkungen
der Wassermassen auf Mensch, Tier und Umwelt. Der als Zeuge angerufene
norwegische Tourist habe sich im fraglichen Zeitpunkt nicht in unmittelbarer
Nähe des Versicherten befunden und könne daher keine Angaben derüber machen, ob
dieser die herannahende Flutwelle gesehen hat. Auf den Bericht des behandelnden
Psychiaters könne ebenfalls nicht abgestellt werden, da dieser einseitig auf
den subjektiven Eindrücken und Schilderungen des Versicherten basiere. Da
bereits der Unfallbegriff nicht erfüllt sei, liess die Vorinstanz offen, ob ein
natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem fraglichen Ereignis
und den geltend gemachten somatischen und psychischen Beschwerden bestehe, und
sah von der beantragten Einholung eines psychiatrischen Gutachtens ab.

3.2 Der Beschwerdeführer bestreitet dies unter Hinweis darauf, dass er vorerst
im Zimmer seines Hotels durch ein starkes Erdbeben geweckt und in grosse Ängste
versetzt worden und zwei Stunden später nur knapp der einbrechenden Flutwelle
entkommen sei, nachdem er im letzten Moment auf einen fahrenden Pick-up gezerrt
und in Sicherheit gebracht worden sei. Bei dieser Rettungsaktion habe er den
Kopf angeschlagen und während rund zehn Minuten das Bewusstsein verloren. Wegen
der erlittenen Amnesie seien die ihn bedrängenden Ereignisse aus seinem
Bewusstsein verschwunden, was seine anfängliche Aussage erkläre, er habe die
Welle gar nicht gesehen.

4.
4.1 Dass es sich beim Seebeben, wie es sich am 26. Dezember 2004 im Indischen
Ozean zugetragen und zu einer der grössten bekannten Flutkatastrophen geführt
hat, um ein Geschehen ganz besonderer Art handelte, welches von den Betroffenen
zudem nicht eingeordnet werden konnte, steht ausser Zweifel. Dieses dramatische
und heftige Elementarereignis war wegen der damit verbundenen Todesgefahr bei
von der Flutwelle unmittelbar betroffenen Personen grundsätzlich geeignet, eine
Störung des psychischen Gleichgewichts zu bewirken und die Psyche zumindest
vorübergehend nachhaltig zu beeinflussen (Urteile 8C_30/2007 und U 548/06 vom
20. September 2007; vgl. auch Judith Petermann Büttler, Opfer des Seebebens in
Südostasien: Unfall oder Krankheit ?, in: Schweizerische Ärztezeitung, 2005, S.
398).

4.2 Im Rahmen der rechtlichen Einordnung gilt es, das Geschehnis in seiner
Gesamtheit zu würdigen (RKUV 2005 Nr. U 542 S. 144, U 46/04). Dabei muss sich
die schädigende äussere Einwirkung, um noch als plötzlich erfolgt gelten zu
können, nicht auf einen blossen kurzen Augenblick beschränken. Vielmehr genügt
es, dass es sich um einen einmaligen Vorfall handelt, der sich in einem relativ
kurzen, bestimmt abgegrenzten Zeitraum vollzieht (vgl. BGE 98 V 165 f. sowie
Kieser, ATSG-Kommentar, N 7 zu Art. 4). In diesem Sinne hat das Bundesgericht
in den Urteilen 8C_30/2007 und U 548/06 vom 20. September 2007 das Vorliegen
eines Unfalles aufgrund einer Gesamtwürdigung der Geschehnisse rund um den 26.
Dezember 2004 in Thailand bejaht, obwohl die betroffenen Personen die Flutwelle
nicht direkt gesehen hatten. Ob der Beschwerdeführer, entgegen seinen
ursprünglichen Aussagen vom 10. und 23. November 2005, eine Flutwelle kurz vor
Eintritt der Bewusstlosigkeit nach dem Zerren auf den Pick-up wahrgenommen und
gespeichert hat, durch die Erinnerungslücke aber nicht bewusst abrufen kann,
wie Dr. med. D.________ im Bericht vom 8. November 2006 - an dessen
Aussagekraft und Glaubwürdigkeit das kantonale Gericht erhebliche Zweifel hegte
- ausführt, kann aus den nachfolgenden Gründen offen bleiben.

4.3 Am 26. Dezember 2004 erlebte der Beschwerdeführer zunächst in seinem
Hotelzimmer ein heftiges Erdbeben. Dass er dabei mit dem Schlimmsten rechnete,
zeigt der Umstand, dass er sich unter den Türrahmen des Hotelzimmers stellte
und eine Flucht über den Balkon des ersten Stockwerks in Erwägung zog, falls
das Beben nicht nachlassen würde. Noch am gleichen Vormittag erlebte er einen
noch grösseren Schrecken, als er sich in Küstennähe in der Stadt aufhielt.
Aufgrund der Schilderungen des Versicherten und seines norwegischen Bekannten
gingen dem eigentlichen Schreckereignis schwer zu deutende Erscheinungen wie
Rückzug des Wassers in zuvor nie erlebtem Ausmass, rasches Ansteigen desselben
bis zum Erreichen des Quais mit Fontänen voraus. Das eigentliche
Schlüsselerlebnis war jedoch der Augenblick, als unter den Leuten Panik
ausbrach, Sirenen heulten, Schüsse fielen und alle die Flucht ergriffen, um
höher gelegene Gebiete zu erreichen. Der Beschwerdeführer, der seinen Kollegen
aus den Augen verloren hatte, rannte zur nächstgelegenen ansteigenden Strasse,
wurde dort von Einheimischen, die sich ebenfalls in Sicherheit bringen wollten,
gepackt, und auf die Ladefläche eines Pick-up gezogen, worauf er für kurze Zeit
das Bewusstsein verlor. Das Zerren auf das Fahrzeug unterstrich die Dramatik
der Lage. Die Bilder der verwüsteten Strassen, durch die Wasser wie durch eine
Düse hindurchgeströmt sein muss, lassen es als erstellt erscheinen, dass der
Versicherte nicht nur einem Schreckereignis im Sinne der Rechtsprechung
ausgesetzt war, sondern auch objektiv in Todesgefahr gestanden hat. Das
Vorliegen eines Unfalles ist bei diesen Gegebenheiten zu bejahen.

5.
Während die Vorinstanz die Frage des Vorliegens eines adäquaten
Kausalzusammenhangs aufgrund ihrer Beurteilung nicht zu prüfen hatte, waren die
geschilderten Episoden vom 26. Dezember 2004 nach Auffassung der
Beschwerdegegnerin nicht geeignet, eine psychische Fehlreaktion auszulösen,
weshalb die ab 14. April 2005 einer psychiatrischen Behandlung zugeführte
Gesundheitsstörung und die darauf fussende Arbeitsunfähigkeit ab 25. Juli 2005
in keinem adäquaten Kausalzusammenhang zu den erlebten Ereignissen stünden.
Unter Berücksichtigung des Umstandes, dass der Beschwerdeführer innerhalb
weniger Stunden zweimal in tiefen Schrecken versetzt wurde und nach den
Erfahrungen des Lebens eine solche Kombination, selbst mit Blick auf die im
Zusammenhang mit Schreckereignissen erhöhten Anforderungen, geeignet erscheint,
auch bei einem Gesunden - in Berücksichtigung der weiten Bandbreite von
Versicherten (vgl. BGE 129 V 177; Urteile U 193/06 vom 20. Oktober 2006 und U
548/06 vom 20. September 2007) - psychische Gesundheitsschädigungen
hervorzurufen, die Adäquanz somit zu bejahen wäre, und die Adäquanz von
körperlichen Unfallfolgen bei gegebenem natürlichem Kausalzusammenhang ohne
weiteres zu bejahen ist, kann die Frage, ob somatische und psychische
Gesundheitsschäden in einem natürlichen Kausalzusammenhang zum Geschehen vom
26. Dezember 2004 stehen, nicht unbeurteilt bleiben.

6.
6.1 Was zunächst die somatischen Beschwerden betrifft, gilt es darauf
hinzuweisen, dass solche in der Unfallmeldung vom 18. Oktober 2005 nicht
erwähnt wurden. Bei der Befragung vom 10. November 2005 gab der Versicherte an,
er habe nach der Rückkehr ins Hotel am 26. Dezember 2004 erstmals Schmerzen im
Schulter-, Nacken- und Kopfbereich verspürt, welche er sich möglicherweise beim
Hinaufzerren auf den Pick-up oder bei einem Schlag auf der Ladefläche zugezogen
habe. In diesem Zusammenhang habe er einmal seinen Hausarzt Dr. med. K.________
konsultiert, welcher eine Massagebehandlung angeordnet habe. Dieser teilte der
Beschwerdegegnerin am 19. April 2006 mit, der Versicherte sei nie wegen eines
Unfalles vom 26. Dezember 2004 in seiner Behandlung gestanden. Am 22. April
2005 habe er wegen Verspannungen in der Halswirbelsäule Rückenmassage
verschrieben. Die Beschwerdegegnerin schloss daraus im Einspracheentscheid,
selbst wenn sich der Versicherte die Körperschädigungen bei einem Unfall
zugezogen haben sollte, fehle die für die Leistungspflicht des
Unfallversicherers notwendige Behandlungsbedürftigkeit. Eine solche sei bisher
auch nicht geltend gemacht worden. Die Verletzungen seien zudem nicht von einer
Schwere, welche geeignet wäre, psychische Gesundheitsschäden zu verursachen. Im
vorinstanzlichen Verfahren reichte der Beschwerdeführer einen Bericht des Dr.
med. E.________ von der Klinik L.________ vom 17. April 2006 ein, gemäss
welchem er seit dem 21. März 2006 wegen eines im Zusammenhang mit den
Vorkommnissen vom 26. Dezember 2004 stehenden, persistierenden,
posttraumatischen Schulter-/Armsyndroms in Behandlung stehe. Des Weitern legte
er einen Bericht des Dr. med. T.________ vom 11. Januar 2007 vor, welcher den
Versicherten wegen des Verdachts auf eine Labrumläsion untersuchte, welche bei
der MRI-Untersuchung der Schulter jedoch nicht bestätigt werden konnte. Ebenso
gab er den Bericht der medizinischen Masseurin Frau S.________ vom 7. Dezember
2006 zu den Akten, welche angibt, der Beschwerdeführer habe sie im Januar 2005
aufgesucht. Wegen einer relativ starken Anschwellung im Nacken- und
Schulterbereich mit Hämatomen, welche der Versicherte als Verletzungen bei der
Rettung von der Tsunami Flutwelle bezeichnet habe, habe sie jedoch vorerst
keine Massagen durchführen können. Als die Behandlung in der Folge keine
Besserung gebracht habe, habe sich der Versicherte von Fachärzten untersuchen
lassen. Im letztinstanzlichen Verfahren lässt der Beschwerdeführer die Berichte
des Dr. med. C.________ von der L.________ vom 29. November 2006 über die
MRI-Untersuchung, des Dr. med. E.________ vom 11. Dezember 2006 und der
Uniklinik F.________ vom 2. Juli 2007 einreichen. Inwieweit es sich dabei um
unzulässige, im letztinstanzlichen Verfahren unbeachtliche neue
Tatsachenvorbringen (Art. 99 Abs. 1 BGG; Ulrich Meyer, Basler Kommentar zum
Bundesgerichtsgesetz, Basel 2008, N 6 zu Art. 99 BGG) handelt, kann offen
bleiben. Denn die zur Verfügung stehenden, sehr kurz gehaltenen medizinischen
Unterlagen sind in beweisrechtlicher Hinsicht für die Beurteilung der
streitigen Belange nicht umfassend (vgl. BGE 125 V 351 E. 3a S. 352), weshalb
sich nicht zuverlässig ermitteln lässt, ob auf den 26. Dezember 2004
zurückzuführende, physische Gesundheitsschädigungen vorliegen, welche eine
Leistungspflicht des Unfallversicherers nach sich ziehen könnten. Die Sache ist
daher zu entsprechender Aktenergänzung sowie zum Erlass einer neuen Verfügung
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

6.2 Laut Schreiben des Dr. med. D.________ an die Arbeitgeberin vom 3. Oktober
2005 steht der Beschwerdeführer seit 17. Juni 2005 bei ihm in ambulanter
psychiatrischer Behandlung. Diagnostisch zeige sich das Bild eines
Erschöpfungssyndroms bei lang dauerndem Konflikt mit einem Berufskollegen und
anhaltenden unberechenbaren Grenzverletzungen (Mobbing). Darauf habe sich die
Symptomatik einer posttraumatischen Belastungsstörung mit Schlafstörungen,
Albträumen mit unverarbeiteten Erinnungen des Erlebten und Schmerzen
"gepfropft". Anlässlich der Befragung vom 10. November 2005 gab der Versicherte
an, er habe den Tsunami-Selbsttest ausgefüllt. Wegen der hohen Werte sei ihm
geraten worden, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Erstbehandlung habe
am 14. April 2005 bei Dr. med. G.________ in der Psychiatrischen Klinik des
Spitals A.________ stattgefunden. Am 22. November 2005 teilte Dr. med.
D.________ der Beschwerdegegnerin mit, die Diagnose einer posttraumatischen
Belastungsstörung als Folge der Ereignisse vom 26. Dezember 2004 in Thailand
sei durch ausgedehnte Testabklärungen am Fachzentrum für Katastrophen- und
Wehrpsychiatrie der Universität Zürich gestellt, von der Klinik der
Psychiatrischen Klinik A.________ bestätigt und durch den bisher guten
Behandlungsverlauf erhärtet worden. Aufgrund der Befragung des Versicherten
durch einen Sachbearbeiter der Beschwerdegegnerin vom 10. November 2005 sei es
zu einer Retraumatisierung gekommen, worauf sich der Gesundheitszustand
verschlechtert habe. Dr. med. G.________ bestätigte gegenüber der
Beschwerdegegnerin am 28. März 2006 die Diagnose posttraumatische
Belastungsstörung (ICD-10 F 43.1) und mittelgradig depressive Episode (ICD-10 F
32.1). Die Behandlung der depressiven Episode werde von Dr. med. D.________
durchgeführt. In einem zweiten Schritt könne, falls weiterhin nötig, eine
traumaspezifische Behandlung angeschlossen werden. Ob und allenfalls in welchem
Zeitraum Dr. med. G.________ den Versicherten ebenfalls behandelt hat, geht aus
dem Kurzbericht nicht hervor. Der Arzt äussert sich auch nicht mit
nachvollziehbarer Begründung zur Unfallkausalität. Über die Ergebnisse der
psychiatrischen Untersuchungen an den Kliniken H._______ und A.________ war Dr.
med. G.________ laut seinen Angaben nicht informiert. Diese befinden sich auch
nicht bei den Akten. Die späteren Stellungnahmen des Dr. med. D.________ vom 8.
November 2006 und 12. Februar 2007 sind sehr stark von den Schilderungen des
Versicherten beeinflusst, scheinen diesen aber auch teilweise zu widersprechen.
Sie sind weitgehend auf den Prozessverlauf ausgerichtet, indem der Psychiater
auf Ersuchen des Rechtsvertreters des Versicherten unter anderem auch zum
streitigen Sachverhalt und zur Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin
ausführlich Stellung nimmt. Zudem relativiert der Psychiater den im Schreiben
vom 3. Oktober 2005 von ihm verwendeten Begriff des Erschöpfungssyndroms. Ob
damit ein psychischer Vorzustand gemeint war, was aufgrund der Probleme am
Arbeitsplatz nicht auszuschliessen ist, bleibt mangels gesicherter Angaben zur
Vorgeschichte und den medizinischen Zusammenhängen unklar. Auch ob nach den
Ereignissen vom 26. Dezember 2004 - zumindest im Sinne einer Teilursache - eine
davon unterscheidbare psychische Schädigung von Krankheitswert eintrat, wie
lange sie allenfalls andauerte, ob sie einer Behandlung bedurfte und inwiefern
sie nicht durch zumutbare Willensanstrengung überwindbar war, kann aufgrund der
derzeitigen Aktenlage nicht zuverlässig beurteilt werden. Die Stellungnahme des
Dr. med. D.________ vom 23. Oktober 2007 ist diesbezüglich ebenfalls nicht
schlüssig. Da sich im Rahmen der Beweiswürdigung kein stimmiges und
vollständiges Bild des psychischen Gesundheitszustandes ergibt, welches nach
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit hinreichend Klarheit über
den rechtserheblichen Sachverhalt vermittelt, erweist sich eine umfassende
psychiatrische Begutachtung durch einen mit dem Versicherten bisher nicht
befassten Facharzt als unerlässlich. Die Sache wird deshalb auch aus diesem
Grund an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen, damit sie das Nötige veranlasst
und gestützt darauf neu befindet.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Der Entscheid des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden vom 11. Juni 2007 und der
Einspracheentscheid der Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft vom 11.
August 2006 werden aufgehoben. Die Sache wird an die Allianz Suisse
Versicherungs-Gesellschaft zurückgewiesen, damit sie, nach erfolgter Abklärung
im Sinne der Erwägungen, über den Leistungsanspruch neu verfüge. Im Übrigen
wird die Beschwerde abgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt.

3.
Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 2500.- zu entschädigen.

4.
Die Sache wird zur Neuverlegung der Parteientschädigung des vorangegangenen
Verfahrens an das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden zurückgewiesen.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
und dem Bundesamt für Gesundheit schriftlich mitgeteilt.
Luzern, 28. März 2008
Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Ursprung Hofer