Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.71/2007
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8C_71/2007

Urteil vom 4. Februar 2008

I. sozialrechtliche Abteilung

Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichter Lustenberger, Frésard,
Gerichtsschreiberin Kopp Käch.

C. ________, 1950, Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwältin
Elisabeth Blumer, Quaderstrasse 5, 7000 Chur,

gegen

SWICA Gesundheitsorganisation, Römerstrasse 38, 8400 Winterthur,
Beschwerdegegnerin.

Unfallversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden
vom 16. Januar 2007.

Sachverhalt:

A.
Die 1950 geborene C.________, als gelernte Büroangestellte bei der Allianz
Suisse Versicherungsgesellschaft (nachfolgend: Allianz) gegen Unfälle
versichert, erlitt am 31. Mai 1997 einen Fahrradunfall, bei welchem sie sich
ein schweres Schädel-Hirn-Trauma, eine Orbitadach-Fraktur, multiple
Kontusionsherde und eine Schädelbasisfraktur zuzog. Aufgrund dieses Unfalles
erhält die Versicherte seit dem 1. Juni 2006 von der Allianz ein Taggeld in
der Höhe von 50 %.

Am 3. März 2004 erlitt C.________ einen weiteren Fahrradunfall, bei welchem
sie eine zweitgradig offene Pilon-Tibiale-Luxationsfraktur links sowie eine
laterale Tibiakopfspalt- und Impressionsfraktur links erlitt. Zu diesem
Zeitpunkt war sie bei der SWICA Gesundheitsorganisation (nachfolgend: SWICA)
unfallversichert, welche in der Folge Heilungskosten und Taggeldleistungen
erbrachte. Mit Verfügung vom 26. April 2006 stellte die SWICA ihre Leistungen
per 31. Mai 2006 ein mit der Begründung, die Versicherte sei ab diesem
Zeitpunkt durch den Unfall vom 3. März 2004 in der Arbeitsfähigkeit nicht
mehr eingeschränkt. Daran hielt sie mit Einspracheentscheid vom 28. August
2006 fest.

B.
Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden mit Entscheid vom 16. Januar 2007 ab.

C.
Mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten lässt C.________
beantragen, es sei festzustellen, dass sie aufgrund der beiden Unfälle zu 100
% arbeitsunfähig sei, und die SWICA sei zu verpflichten, ihr ein Taggeld im
Rahmen einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit zu bezahlen.

Die SWICA schliesst auf Abweisung der Beschwerde. Das Bundesamt für
Gesundheit verzichtet auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:

1.
1.1 Die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gegen einen
Entscheid über die Zusprechung oder Verweigerung von Geldleistungen der
Militär- oder Unfallversicherung kann wegen Rechtsverletzung gemäss Art. 95
und Art. 96 BGG sowie wegen unrichtiger oder unvollständiger Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 97 Abs. 2 BGG) erhoben werden. Im
Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von Geldleistungen
der Militär- oder Unfallversicherung ist das Bundesgericht nicht an die
vorinstanzliche Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gebunden
(Art. 105 Abs. 3 BGG).

1.2 Das kantonale Gericht hat die gesetzlichen Bestimmungen und Grundsätze
über den Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung (Art. 6 Abs. 1 UVG),
insbesondere die Rechtsprechung zu dem für die Leistungspflicht
erforderlichen natürlichen (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen) und
adäquaten (BGE 129 V 177 E. 3.2 S. 181 mit Hinweis) Kausalzusammenhang
zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden sowie zum im
Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen) zutreffend
dargelegt. Darauf wird verwiesen.

2.
Streitig und zu prüfen ist, ob die SWICA über den 31. Mai 2006 hinaus eine
Leistungspflicht trifft.

2.1 Die Vorinstanz hat in Würdigung der medizinischen Aktenlage, namentlich
des polydisziplinären Gutachtens der Dres. med. M.________ und E.________ vom
2. März 2006 überzeugend dargelegt, dass die Arbeitsfähigkeit der
Versicherten in einer leidensangepassten Tätigkeit in somatischer Hinsicht
nach dem Datum der Leistungseinstellung per 31. Mai 2006 durch den Unfall vom
3. März 2004 nicht mehr eingeschränkt war. Die leistungsreduzierenden
Beschwerden in psychischer Hinsicht - so das kantonale Gericht - seien auf
den Unfall vom 31. Mai 1997 zurückzuführen, wofür nicht die SWICA, sondern
der vorherige Unfallversicherer (Allianz) leistungspflichtig sei. Deshalb
habe die SWICA zu Recht ihre Leistungen per 31. Mai 2006 eingestellt.

2.2 Die Beschwerdeführerin lässt dagegen im Wesentlichen geltend machen, das
kantonale Gericht habe sich nicht mit dem Bericht des Dr. med. S.________,
Leitender Arzt im Spital A.________ vom 20. Dezember 2006 auseinandergesetzt,
sondern sei in willkürlicher Weise vom Vorrang des Gutachtens der Dres. med.
M.________ und E.________ vom 2. März 2006 ausgegangen.

2.3 Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Das kantonale Gericht hat
überzeugend begründet, weshalb auf das umfassende und schlüssige
polydisziplinäre Gutachten der Dres. med. M.________ und E.________, welches
den Anforderungen der Rechtsprechung (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352) entspricht,
abgestellt werden kann. Der Bericht des Dr. med. S.________ vom 20. Dezember
2006 wurde rund vier Monate nach Erlass des Einspracheentscheides verfasst
und gibt den aktuellen Befund zu diesem Zeitpunkt wieder. Insofern ist er für
die Beurteilung der Situation im massgebenden Zeitpunkt des
Einspracheentscheides (BGE 129 V 167 E. 1 S. 169 mit Hinweis) nicht relevant.
Selbst wenn davon ausgegangen würde, die Äusserungen des Dr. med. S.________
bezögen sich bereits auf den Zeitraum vor Erlass des Einspracheentscheides,
vermögen sie - wie das kantonale Gericht zu Recht darlegt - in ihrer
Knappheit die Schlussfolgerungen des umfassenden polydisziplinären Gutachtens
nicht zu erschüttern oder gar zu widerlegen. So vermerkte Dr. med. S.________
übereinstimmend mit den Dres. med. M.________ und E.________, vorwiegend
stehende/gehende Tätigkeiten seien der Beschwerdeführerin aufgrund der
Kniebeschwerden nicht mehr zumutbar. Er führte jedoch keine Begründung dafür
an, weshalb eine vorwiegend sitzende Bürotätigkeit, welche im
polydisziplinären Gutachten schlüssig begründet als zumutbar erachtet wurde,
nicht möglich sein sollte und äusserte sich gar nicht zu einer möglichen
leidensangepassten Tätigkeit.

2.4 Da somit per 31. Mai 2006 keine die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigende
Folgen des zweiten Unfallereignisses vom 3. März 2004 mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind, hat die
SWICA ihre Leistungen zu Recht auf diesen Zeitpunkt eingestellt.

3.
Die Gerichtskosten werden der Beschwerdeführerin als unterliegender Partei
auferlegt (Art. 66 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden und dem Bundesamt für Gesundheit schriftlich mitgeteilt.

Luzern, 4. Februar 2008

Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Ursprung Kopp Käch