Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.726/2007
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Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
8C_726/2007

Urteil vom 16. Mai 2008
I. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichterinnen Widmer, Leuzinger,
Gerichtsschreiber Grunder.

Parteien
J.________, Beschwerdeführer,

gegen

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA), Fluhmattstrasse 1, 6004
Luzern, Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Unfallversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden
vom 28. August 2007.

Sachverhalt:

A.
Der 1974 geborene J.________ war als Angestellter der Firma X.________ bei der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die
Folgen von Unfällen versichert. Am 22. Juli 2004 stiess er mit seinem Motorrad,
auf dessen Hintersitz seine Freundin sass, auf einer Dorfstrasse in die
linksseitige Front eines herannahenden Personenwagens, dessen Lenker beim
Linksabbiegen das Vortrittsrecht des Versicherten missachtet hatte (Rapport der
Polizei Y.________ vom 9. August 2004). Im gleichentags aufgesuchten
Krankenhaus Z.________ wurde eine Distorsion der Halswirbelsäule (HWS) ohne
radiologisch nachweisbare ossäre Läsionen diagnostiziert (Bericht vom 15.
Oktober 2004). Die SUVA erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung,
Taggeld), welche sie nach umfangreichen medizinischen und beruflichen
Abklärungen mit Verfügung vom 16. Februar 2007 mangels adäquaten
Kausalzusammenhangs per 28. Februar 2007 einstellte; daran hielt sie auf
Einsprache hin fest (Einspracheentscheid vom 26. April 2007).

B.
Die hiegegen eingereichte Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden ab (Entscheid vom 28. August 2007).

C.
J.________ führt Beschwerde ans Bundesgericht und beantragt, unter Aufhebung
des angefochtenen Entscheids sei ihm eine Invalidenrente und eine
Integritätsentschädigung zuzusprechen; zudem sei ein neutrales medizinisches
Gutachten einzuholen.

Die SUVA schliesst auf Abweisung der Beschwerde. Das Bundesamt für Gesundheit
verzichtet auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:

1.
Gemäss Art. 97 Abs. 2 BGG kann jede unrichtige oder unvollständige Feststellung
des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden, wenn sich die Beschwerde
gegen einen Entscheid über die Zusprechung oder Verweigerung von Geldleistungen
der Militär- oder Unfallversicherung richtet. Das Bundesgericht ist dabei nicht
an die Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz gebunden (Art. 105 Abs. 3 BGG).

2.
Prozessthema bildet die Frage, ob der Beschwerdeführer ab dem Zeitpunkt der
Leistungseinstellung per 28. Februar 2007 Anspruch auf Invalidenrente und
Integritätsentschädigung hat.

3.
3.1 Laut Austrittsbericht der Rehaklinik A.________ vom 23. Oktober 2006 (mit
psychosomatischem Konsilium vom 22. Juli 2004 sowie neuropsychologischem
Bericht vom 22. Juli 2004), wo sich der Versicherte vom 13. September bis 6.
Oktober 2006 zur stationären Therapie und Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit aufhielt, litt er aktuell an anhaltenden Nacken- und
Hinterkopfschmerzen mit zeitweiligem Einschlafgefühl in beide Arme, erhöhtem
Schlafbedürfnis, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen sowie
Hörminderung mit Tinnitus.

3.2 Die Vorinstanz kam in eingehender Würdigung der umfangreichen medizinischen
Unterlagen zum Ergebnis, dass der Versicherte seit dem Unfall vom 22. Juli 2004
an den Folgen eines Schleudertraumas der HWS leide. Der natürliche
Kausalzusammenhang mit den geklagten gesundheitlichen Beeinträchtigungen sei zu
bejahen. Nachdem die Ärzte weder klinisch noch radiologisch objektive Befunde
hätten erheben können, welche die persistierenden Beschwerden hinreichend zu
erklären vermöchten, sei weiter der adäquate Kausalzusammenhang zu prüfen.

Der Beschwerdeführer stellt den angefochtenen Entscheid insoweit zu Recht nicht
in Frage. Zu prüfen ist somit im Folgenden der adäquate Kausalzusammenhang
zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden.

4.
4.1 Das Bundesgericht hat in BGE 134 V 109 (Urteil U 394/06 vom 19. Februar
2008) die Praxis zur Kausalitätsprüfung bei Unfall mit Schleudertrauma,
äquivalenter Verletzung der HWS oder Schädel-Hirntrauma ohne organisch objektiv
ausgewiesene Beschwerden (sog. Schleudertrauma-Praxis) in mehrfacher Hinsicht
präzisiert. Am Erfordernis einer besonderen Adäquanzprüfung bei Unfällen mit
solchen Verletzungen wird festgehalten (E. 7-9 S. 118 ff. des erwähnten
Urteils). Die bewährten Grundsätze über die bei dieser Prüfung vorzunehmende
Einteilung der Unfälle nach deren Schweregrad und den abhängig von der
Unfallschwere gegebenenfalls erforderlichen Einbezug weiterer Kriterien in die
Adäquanzbeurteilung sind nicht zu ändern (E. 10.1 S. 126). Das Bundesgericht
hat aber die adäquanzrelevanten Kriterien teilweise modifiziert. Dies betrifft
zunächst das Kriterium der "ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen
Behandlung", das nur dann vorliegt, wenn nach dem Unfall fortgesetzt
spezifische und die versicherte Person belastende ärztliche Behandlung im
Zeitraum bis zum Fallabschluss notwendig gewesen war (E. 10.2.3 S. 128). Weiter
wird für die Erfüllung des Kriteriums "Dauerbeschwerden" vorausgesetzt, dass
diese erheblich sind, was aufgrund glaubhaft geltend gemachter Schmerzen und
nach der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person im Lebensalltag
erfährt, zu beurteilen ist (E. 10.2.4 S. 128 f.). Hinsichtlich des Kriteriums
"Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit" ist nicht die Dauer an sich, sondern
eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit als solche massgeblich, die zu überwinden
die versicherte Person ernsthafte Anstrengungen unternimmt (E. 10.2.7 S. 129).

Zusammenfassend hat das Bundesgericht den Katalog der bisherigen
adäquanzrelevanten Kriterien (BGE 117 V 359 E. 6a S. 367, 369 E. 4b S. 383) in
BGE 134 V 109 wie folgt neu gefasst (E. 10.3 S. 130):

? besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Ein- drücklichkeit des
Unfalls;
? die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
? fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
? erhebliche Beschwerden;
? ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
? schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
? erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengun- gen.
4.2
4.2.1 Das kantonale Gericht erwog, dass der Unfall vom 22. Juli 2004 aufgrund
des augenfälligen Geschehensablaufs und der erlittenen Verletzungen als
mittelschwer einzustufen sei. Von den weiteren, objektiv fassbaren und
unmittelbar mit dem Unfall in Zusammenhang stehenden oder als Folge davon
erscheinenden Umständen, welche als massgebende Kriterien in die
Gesamtwürdigung einzubeziehen seien, lägen allenfalls Dauerbeschwerden vor,
welche für sich allein jedoch die Annahme eines adäquaten Kausalzusammenhangs
nicht rechtfertigten. Daher sei der angefochtene Einspracheentscheid der SUVA
nicht zu beanstanden.
4.2.2 Der Beschwerdeführer bringt im Wesentlichen vor, es handle sich um einen
schweren Unfall. Trotz erheblicher Beschwerden, die seine Belastbarkeit
deutlich herabsetzten, habe er die Arbeit schon 1 1/2 Monate danach wieder zu
50 % aufgenommen. Die vor dem Unfall regelmässig ausgeübten sportlichen
Aktivitäten habe er aufgeben müssen. Seine umfangreichen Anstrengungen, die
unfallbedingten gesundheitlichen Einschränkungen zu verbessern, seien
vergeblich gewesen. Er habe sich sozial zurückgezogen und müsse damit rechnen,
nie mehr vollständig erwerbstätig sein zu können.
4.3
4.3.1 Soweit in der bundesgerichtlichen Beschwerde geltend gemacht wird, im
angefochtenen Entscheid werde das Geschehen beim Unfall vom 22. Juli 2004 nicht
richtig berücksichtigt, ist darauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz von den
Angaben des Versicherten und den Feststellungen der Polizei Y.________ gemäss
Rapport vom 9. August 2004 ausging. Danach versuchte der Versicherte dem
herannahenden, nach links abbiegenden Personenwagenlenker nach rechts
auszuweichen, um eine Frontalkollision zu vermeiden. Das Motorrad stiess in die
linksseitige Front des Automobils, wobei die Freundin vom Hintersitz auf dessen
Motorhaube geworfen und der Versicherte "gegen den Lenker des Motorrads
geschleudert" wurden. Dieser Unfallablauf wird durch die polizeilich
fotografisch dokumentierten Schäden an den Fahrzeugen bestätigt. Das
Krankenhaus Z.________, wo der Versicherte unmittelbar im Anschluss an den
Unfall untersucht wurde, hielt unter der Rubrik "Angaben des Patienten" ein
rechtsseitiges Aufschlagen des Helm-geschützten Kopfes auf der Motorhaube fest
(Bericht vom 15. Oktober 2004; vgl. auch Bericht des Dr. med. C.________,
Spezialarzt für Neurologie, vom 14. September 2005). Die letztinstanzlich
geltend gemachte Version des Unfallablaufs des Beschwerdeführers - welche er
ähnlich bereits einmal gegenüber dem Kreisarzt-Stellvertreter der SUVA (vgl.
Beilage zum Bericht vom 25. August 2005) dargelegt hatte - er sei vom Körper
der Freundin nach vorne katapultiert worden und habe danach den
(Helm-geschützten) Kopf zwischen der Stossstange des Personenwagens und dem
Lenker des Motorrads eingeklemmt, ist aus physikalischer Sicht wenig
wahrscheinlich. Mit der Vorinstanz sind jedenfalls der Beurteilung der Adäquanz
die zeitlich näher beim Unfallgeschehen liegenden Angaben des Versicherten im
Rapport der Polizei Y.________ sowie im Bericht des Krankenhauses Z.________
zugrunde zu legen.
4.3.2
4.3.2.1 Die Vorinstanz hat die Kollision vom 22. Juli 2004 in Berücksichtigung
des Sachverhalts in BGE 117 V 394 sowie unter Hinweis auf die im Urteil U 515/
06 vom 9. August 2007 E. 4.2.3 festgehaltene Kasuistik, welche schwere bzw.
mittelschwere im Grenzbereich zu den schweren Unfällen liegende Ereignisse
dokumentiert, dem mittelschweren Bereich zugeordnet. Diese Einschätzung ist
nicht zu beanstanden. Sie steht in Übereinstimmung mit der Rechtsprechung zu
vergleichbaren Unfällen (vgl. Sachverhalt und die Hinweise in E. 5.2 des
Urteils U 78/07 vom 17. März 2008). Von den weiteren, objektiv fassbaren und
unmittelbar mit dem Unfall in Zusammenhang stehenden oder als Folge davon
erscheinenden Umständen, welche als massgebende Kriterien in die
Gesamtwürdigung einzubeziehen sind, müssten demnach für eine Bejahung des
adäquaten Kausalzusammenhangs entweder ein einzelnes in besonders ausgeprägter
Weise oder aber mehrere in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sein.
4.3.2.2 Der Unfall war weder besonders eindrücklich noch von besonders
dramatischen Umständen begleitet.
4.3.2.3 Gemäss BGE 134 V 109 bestimmt rechtslogisch die Annahme eines
Schleudertraumas der HWS (resp. einer der weiteren, adäquanzrechtlich gleich
behandelten Verletzungen) lediglich, dass die Schleudertrauma-Praxis anzuwenden
ist. Hingegen genügt die Diagnose einer HWS-Distorsion (oder einer anderen,
adäquanzrechtlich gleich zu behandelnden Verletzung) für sich allein nicht zur
Bejahung des Kriteriums der Schwere und besonderen Art der erlittenen
Verletzung. Es bedarf hiezu einer besonderen Schwere der für das
Schleudertrauma typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das
Beschwerdebild beeinflussen können (SVR 2007 UV Nr. 26 S. 86, U 339/06, E. 5.3;
RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236, U 380/04, E. 5.2.3 mit Hinweisen). Diese können
beispielsweise in einer beim Unfall eingenommenen besonderen Körperhaltung und
den dadurch bewirkten Komplikationen bestehen (SVR 2007 UV Nr. 26 S. 86, U 339/
06, E. 5.3; RKUV 2003 Nr. U 489 S. 357, U 193/01, E. 4.3 mit Hinweisen). Auch
erhebliche Verletzungen, welche sich die versicherte Person neben dem
Schleudertrauma, der äquivalenten Verletzung der HWS oder dem
Schädel-Hirntrauma beim Unfall zugezogen hat, können bedeutsam sein (BGE 134 V
109 E. 10.2.2 S. 127 f.). Solche Umstände liegen hier nicht vor. Dass die
HWS-Distorsion nicht besonders schwerwiegend war, ergibt sich ohne weiteres aus
den medizinischen Unterlagen. So hielt Dr. med. B.________, Orthopädische
Chirurgie FMH, im Bericht vom 8. November 2004 fest, einen Monat nach dem
Unfall habe sich eine "erstaunlich gute Beweglichkeit" der HWS gezeigt;
Anzeichen für eine Beeinträchtigung der HWS lägen nicht vor. Diese Befunde sind
in der Folge mehrfach ärztlich bestätigt worden (vgl. Berichte der Klinik
D.________ vom 15. März 2005, des Dr. med. S.________,
Kreisarzt-Stellvertreter, vom 8. Juni und 25. August 2005, des Dr. med.
C.________, Spezialarzt FMH für Neurologie, vom 14. September 2005).
4.3.2.4 Hinsichtlich des Kriteriums der fortgesetzten spezifischen, belastenden
ärztlichen Behandlung ist den Akten zu entnehmen, dass die Ärzte regelmässig
Physiotherapie und Analgesie verordneten. Vom 19. Januar bis 16. Februar 2005
absolvierte der Versicherte in der Klinik D.________, Rheuma- und
Rehabilitationszentrum, ein aktives leistungsorientiertes
Ergonomietrainingsprogramm (vgl. Bericht vom 15. März 2005). Zum Prozedere
hielten die Ärzte fest, der Patient sei in einem Heimprogramm zur Stabilisation
der HWS instruiert worden, das er regelmässig weiterturnen sollte; zur weiteren
Kräftigung und Stabilisation der HWS sei zudem ein regelmässiges Training drei
Mal wöchentlich im Rahmen einer physiotherapeutisch geleiteten Medizinischen
Trainingstherapie zu empfehlen (vgl. hiezu auch Berichte des Dr. med.
S.________, Kreisarzt-Stellvertreter der SUVA, vom 8. Juni und 25. August 2005,
der zudem die Weiterführung der begonnenen osteopathischen Behandlung drei Mal
monatlich befürwortete). Neben diesen Massnahmen leitete der Hausarzt Dr. med.
H.________, Allgemeine Medizin, eine psychiatrisch/psychotherapeutische
Betreuung ein (Bericht vom 22. Juni 2005). Der Versicherte begann zudem eine
kinesiologische Behandlung, deren Kosten die SUVA nicht übernahm (vgl. Notiz
der SUVA betreffend eine Besprechung vom 21. Juli 2005). Dr. med. H.________
hielt in einem "Überweisungsschreiben" vom 16. Januar 2006 an die E.________,
Das Zentrum für Traditionelle Chinesische Medizin, fest, mit den bisherigen
Massnahmen habe eine Arbeitsfähigkeit von 75 % als Beamter erreicht werden
können, der Patient sei damit aber an der Grenze der Belastbarkeit; aufgrund
des Verlaufs und der persistierenden Beschwerden stelle er die Indikation zu
einer Behandlung in traditioneller chinesischer Medizin. Auf ein Gesuch der
E.________ vom 19. Januar 2006 um Kostengutsprache für "10 Sitzungen" hin
teilte die SUVA mit (Schreiben vom 9. Februar 2006), von der Unfallversicherung
seien lediglich zweckmässige Behandlungen gedeckt, die wissenschaftlich
anerkannt und wirtschaftlich sind; "da sich alternative Therapien günstig auf
den Heilverlauf auswirken können, beteiligen wir uns an der (...) verordneten
Serie Akupunktur, Schröpfen, Kräutermedizin ...". Anlässlich einer Besprechung
mit der SUVA (sowie Vertretern der Arbeitgeberin und der
Haftpflichtversicherung) gab der Versicherte an, er habe in den vergangenen
zwei Jahren alles Mögliche versucht, gesund zu werden; aktuell arbeite er zu 50
%; er führe zur Zeit keine Therapie durch. Vom 13. September bis 6. Oktober
2006 erfolgten in der Rehaklinik A.________ stationär "aktive therapeutische
Massnahmen mit physiotherapeutischer Einzelbehandlung, individuellem
Gruppentraining im Trockenen (zweimal täglich) und im Wasser, freiem Schwimmen
mit Schwerpunkt auf Beschwerdelinderung, muskulärer Lockerung und Dehnung der
Nacken- und Schultergürtelmuskulatur, Haltungsinstruktionen, Verbesserung der
HWS-Belastbarkeit und der Gesamtbelastbarkeit, besonders der beruflichen
Belastbarkeit" (Austrittsbericht vom 23. Oktober 2006). Zum weiteren Vorgehen
hielten die Ärzte fest, die Physiotherapie könne ambulant mit Schwerpunkt auf
Ausdauer- und Krafttraining zeitlich limitiert (4 bis 8 Wochen) fortgesetzt
werden.

In Anbetracht dieser Aktenlage ist festzustellen, dass nach dem Unfall vom 22.
Juli 2004 bis zum Fallabschluss am 28. Februar 2007 eine fortgesetzt
spezifische, den Versicherten belastende ärztliche Behandlung notwendig gewesen
war, weshalb dieses Kriterium entgegen der Auffassung der Vorinstanz als
erfüllt zu betrachten ist. An dieser Beurteilung ändert nichts, dass die
Wirksamkeit der neben den wissenschaftlich anerkannten Behandlungen
beanspruchten alternativ- oder komplementärmedizinischen Massnahmen umstritten
ist (vgl. Urteil U 479/05 vom 6. Februar 2007 E. 8.3.3 mit Hinweisen, publ. in:
SVR 2007 Nr. UV 25 S. 81), zumal die SUVA einen möglichen Nutzen im
vorliegenden Fall ausdrücklich bejaht hat. Ferner nahm der Versicherte die vom
Hausarzt eingeleitete psychiatrisch/psychotherapeutische Mitbetreuung gemäss
Bericht des psychosomatischen Konsiliums der Rehaklinik A.________ vom 22. Juli
2006 zwar nur zwei Mal in Anspruch. Unter Berücksichtigung des Umstands, dass
die diagnostizierten psychologischen Faktoren und Verhaltensfaktoren bei
andernorts klassifizierten Krankheiten (ICD-10: F54; vgl. Bericht des
psychosomatischen Konsiliums der Rehaklinik A.________ vom 22. Juli 2006) keine
Leistungseinschränkung in der Berufstätigkeit zu begründen vermögen, konnte
jedoch von einer psychiatrisch/psychotherapeutischen Behandlung keine
spezifische Verbesserung der Beschwerden erwartet werden.
4.3.2.5 Die Vorinstanz hat weiter in Bestätigung des Einspracheentscheids der
SUVA vom 26. April 2007 das Kriterium der geltend gemachten "Dauerbeschwerden"
nicht näher geprüft, weil allein gestützt darauf der adäquate
Kausalzusammenhang nicht bejaht werden könne. Nach BGE 134 V 109 E. 10.2.4 S.
128 ist die Erheblichkeit der Beschwerden im Zeitraum bis Fallabschluss nach
den glaubhaften Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, welche die verunfallte
Person durch die Beschwerden im Lebensalltag erfährt, zu beurteilen.

Aus den Akten ergibt sich, dass der Versicherte in seiner angestammten als auch
in einer vergleichbaren Tätigkeit deutlich eingeschränkt ist (vgl. E. 4.3.2.8
hienach), und er die vor dem Unfall ausgeübten, vielfältigen sportlichen
Aktivitäten (wie Velofahren, Kungfu-Training, Schwimmen) aufgeben musste. Diese
Umstände belegen zusammen mit dem immer wieder geltend gemachten, deutlich
erhöhten Schlafbedürfnis sowie der ärztlich festgestellten sozialen
Rückzugstendenz (vgl. Bericht der Rehaklinik A.________ vom 23. Oktober 2006),
dass der Versicherte in seinem Lebensalltag beschwerdebedingt erheblich
beeinträchtigt ist.
4.3.2.6 Aus der blossen Dauer der ärztlichen Behandlung und der geklagten
Beschwerden - welche im Rahmen der spezifischen Adäquanzkriterien (fortgesetzt
spezifische, belastende ärztliche Behandlung; erhebliche Beschwerden) zu
berücksichtigen sind - darf nicht auf einen schwierigen Heilungsverlauf oder
erhebliche Komplikationen geschlossen werden. Es bedarf hiezu besonderer
Gründe, welche die Genesung beeinträchtigt oder verzögert haben (vgl. Urteil U
479/05 vom 6. Februar 2007 E. 8.5 mit Hinweis, publ. in: SVR 2007 UV Nr. 25 S.
81). Solche Umstände liegen hier nicht vor.
4.3.2.7 Unbestritten ist, dass eine ärztliche Fehlbehandlung nicht vorliegt.
4.3.2.8 Eingehender zu prüfen ist schliesslich aufgrund der Vorbringen in der
bundesgerichtlichen Beschwerde sowie der Akten das Kriterium der erheblichen
Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen. Nach anfänglich günstigem
Heilverlauf nahm der Versicherte die angestammte Berufstätigkeit in der
Zustellung am 7. September 2004 wieder im Umfang von 50 % auf. Die Klinik
D.________ hielt nach einer stationär vom 19. Januar bis 16. Februar 2005
durchgeführten Therapie mit aktivem leistungsorientiertem
Ergonomietrainingsprogramm fest (Bericht vom 15. März 2005 und Ärztliches
Zeugnis vom 16. Februar 2005), der bisher ausgeübte Beruf entspreche einer
mittelschweren Tätigkeit (Gewichtsbelastungen zwischen 20 und 25 kg), welche
der Patient unter Berücksichtigung seiner ergonomischen Leistungsfähigkeit
ganztätig auszuüben vermöge. Ab 17. Februar 2005 sei das Arbeitspensum während
vier Wochen auf 75 %, danach je nach Verlauf und hausärztlicher Beurteilung auf
100 % zu steigern. Auch der Kreisarzt-Stellvertreter ging davon aus, dass der
Versicherte (spätestens in vier Wochen) ein Vollzeitpensum zu erbringen vermöge
(Bericht des Dr. med. S.________ vom 8. Juni 2005). Der Hausarzt bestätigte
jedoch ab 10. Mai 2005 eine hälftige Arbeitsfähigkeit (vgl. Bericht des Dr.
med. H.________ vom 22. Juni 2005), welche aufgrund einer zwischenzeitlich
eingetretenen Besserung der gesundheitlichen Beeinträchtigungen ab 29. August
2005 auf 75 % erhöht werden konnte (vgl. Berichte der Dres. med. C.________ vom
14. September 2005 sowie H.________ vom 16. Januar 2006). Ab 7. April 2006
wurde das Pensum erneut auf 50 % reduziert. Die Rehaklinik A.________ hielt im
Austrittsbericht vom 23. Oktober 2006 fest, die erhobenen Befunde deckten sich
nicht mit denjenigen der Klinik D.________. Der Patient sei maximal imstande,
horizontal mit Lasten bis 10 kg und über Kopf bis 5 kg in zeitlich reduziertem
Umfang zu hantieren. Die Anforderungen im Beruf als Beamter seien zu hoch; es
sei eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % anzunehmen.

Gestützt auf diese Aktenlage ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in
der Arbeitsfähigkeit als Beamter erheblich eingeschränkt ist. Er hat auch
mehrfach ernsthafte Anstrengungen zur Überwindung der Arbeitsunfähigkeit im
Rahmen seiner angestammten Tätigkeit an den Tag gelegt. Die Arbeitgeberin
suchte in Zusammenarbeit mit der SUVA und dem Versicherten, eine seinen
gesundheitlichen Beeinträchtigungen angepasste Tätigkeit innerhalb des
Unternehmens zu verschaffen (vgl. Telefonnotizen der SUVA vom 20. und 27.
Februar, 18. Mai und 27. Juni 2006; Protokoll einer Besprechung vom 24. Juli
2006). Dementsprechend wartete die Invalidenversicherung, bei welcher der
Versicherte zwecks Abklärung der beruflichen Eingliederungsmassnahmen
angemeldet war, zunächst ab. Als der bestehende Arbeitsplatz auch wegen der
bevorstehenden Restrukturierungsmassnahmen der Firma X.________ bedroht war,
begann der Versicherte auch ausserhalb des Unternehmens eine Neuanstellung zu
suchen (vgl. psychosomatisches Konsilium der Rehaklinik A.________ vom 22. Juli
2006; Telefonnotiz der SUVA vom 2. und 9. Februar 2007; Schreiben der Firma
X.________ vom 22. März 2007). Unter diesen Umständen sind ernsthafte
Anstrengungen des Versicherten, die erhebliche Arbeitsunfähigkeit zu
überwinden, ausgewiesen.
4.3.3 Zusammengefasst betrachtet sind drei der massgeblichen Kriterien
(fortgesetzte spezifische, belastende ärztliche Behandlung; erhebliche
Beschwerden; erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen)
in auffallender Weise erfüllt. Dies genügt, um die Adäquanz des
Kausalzusammenhangs zu bejahen. Unter diesen Umständen kann offen bleiben, ob
je eine besondere Ausprägung vorliegt. Der vorinstanzliche Entscheid ist daher
aufzuheben und die Sache zur Prüfung des Anspruchs auf Invalidenrente und
Integritätsentschädigung an die SUVA zurückzuweisen.

5.
Entsprechend dem Ausgang des letztinstanzlichen Verfahrens obsiegt der
Beschwerdeführer auch im kantonalen Prozess. Gemäss Art. 61 lit. g ATSG steht
im daher für die anwaltliche Vertretung eine Parteientschädigung zu.

6.
Das Verfahren ist kostenpflichtig (Art. 66 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
In Gutheissung der Beschwerde werden der Entscheid des Verwaltungsgerichts des
Kantons Graubünden vom 28. August 2007 und der Einspracheentscheid der SUVA vom
26. April 2007 aufgehoben, und die Sache wird an die SUVA zurückgewiesen, damit
sie den Anspruch auf Invalidenrente und Integritätsentschädigung im Sinne der
Erwägungen beurteile.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden der SUVA auferlegt.

3.
Die Sache wird zur Festsetzung einer Parteientschädigung für das vorangegangene
Verfahren an das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden zurückgewiesen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
und dem Bundesamt für Gesundheit schriftlich mitgeteilt.
Luzern, 16. Mai 2008
Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Ursprung Grunder