Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.734/2007
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Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
8C_734/2007

Urteil vom 25. Juni 2008
I. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichter Lustenberger, Frésard,
Gerichtsschreiber Grunder.

Parteien
C.________,
Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Sergio Biondo, Bahnhofplatz 13,
3930 Visp,

gegen

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA), Fluhmattstrasse 1, 6004
Luzern,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Unfallversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Kantonalen Versicherungsgerichts des Wallis
vom
12. Oktober 2007.

Sachverhalt:

A.
Der 1952 geborene C.________ war seit 1. Januar 2003 bei der Firma A.________
SA angestellt und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt
(SUVA) gegen die Folgen von Unfällen versichert. Die Firma A.________
vermittelte den Versicherten im Jahre 2003 als Hilfsmechaniker an ein
Unternehmen, welches im Tunnelbau tätig ist. Am 18. September 2003 stürzte er
aus einer Höhe von ungefähr 5 Metern und zog sich unter anderem eine per- und
subtrochantäre Femur-Mehrfragmentfraktur rechts zu, welche gleichentags im
Spital S.________ chirurgisch versorgt wurde (geschlossene Reposition und
Marknagel-Osteosynthese; vgl. Berichte vom 18. und 27. September sowie 14.
Oktober 2003). Wegen einer sekundären Dislokation mit leichtem Einsinken des
Schenkelhalses und überstehenden Schenkelhalsschrauben wurde eine
Nachreposition notwendig (Operationsbericht des Spital S.________ vom 7.
Oktober 2003; vgl. auch Bericht vom 14. November 2003). Der SUVA-Kreisarzt Dr.
med. P.________, Facharzt FMH für Chirurgie, hielt am 23. Juni 2004 fest, der
Verlauf sei trotz regelmässig durchgeführter Physiotherapie und radiologisch
nachweisbar durchgebauten Frakturen schleppend; es läge zudem eine
Beinlängenverkürzung vor. Auf seine Anordnung hin unterzog sich der Versicherte
in der Klinik R.________ stationär (vom 7. Juli bis 25. August 2004) einer
intensiven Rehabilitation, welche eine Verbesserung der gesundheitlichen
Beeinträchtigungen brachte; dennoch war die Wiederaufnahme des zuletzt
ausgeübten Berufs nicht mehr zumutbar; eine zuverlässige Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit in einer alternativen leichteren Tätigkeit war erst nach
Entfernung des Osteosynthesematerials möglich (Bericht der Klinik R.________
vom 16. September 2004, einschliesslich separaten Stellungnahmen über den
Verlauf der Physiotherapie, der Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit
sowie der Berufsberatung). Dr. med. P.________ überliess (vgl. Bericht vom 16.
November 2004) das weitere medizinische Prozedere Dr. med. I.________,
Chefarzt, - Zentrum X.________, welcher am 14. Februar 2005 das
Osteosynthesematerial entfernte (vgl. auch Bericht dieses Arztes vom 16.
Februar 2005). Anlässlich einer weiteren kreisärztlichen Untersuchung vom 11.
Mai 2005 kam Dr. med. P.________ zum Schluss, aufgrund der objektivierbaren
Befunde könne nach einer Angewöhnungszeit mit progredienter Steigerung der
Belastung wieder eine volle Arbeitsfähigkeit erreicht werden. In den
Stellungnahmen vom 14. Oktober 2004 sowie 2. November 2005 hielt Dr. med.
I.________ fest, der Versicherte sei im zuletzt ausgeübten wie auch im
angestammten Beruf als Autospengler aktuell und auch künftig nicht mehr
arbeitsfähig. Gemäss der Ärztlichen Beurteilung vom 15. Dezember 2005 des Dr.
med. E.________, Facharzt FMH für Chirurgie, SUVA, war hingegen eine leichtere
wechselbelastende Tätigkeit auf ebenem Boden (mit gelegentlichem Tragen von
Gewichten bis 20 kg, unter Vermeidung von Arbeiten, welche in der Hocke zu
verrichten sind und die häufiges Treppensteigen erfordern) ganztägig ohne
Leistungseinschränkung zumutbar. Mit Verfügung vom 25. Oktober 2006 sprach die
SUVA dem Versicherten eine Invalidenrente gestützt auf eine Erwerbsunfähigkeit
von 22 % zu, woran sie auf Einsprache hin festhielt (Einspracheentscheid vom
28. Februar 2007).

B.
Die hiegegen eingereichte Beschwerde, mit welcher eine weitere Stellungnahme
des Dr. med. I.________ vom 29. März 2007 aufgelegt wurde, wies das Kantonale
Versicherungsgericht des Wallis ab (Entscheid vom 12. Oktober 2007).

C.
Mit Beschwerde lässt C.________ insgesamt beantragen, unter Aufhebung des
vorinstanzlichen Entscheids sei die Sache an das kantonale Gericht zur weiteren
Abklärung des medizinischen Sachverhalts und Neubeurteilung zurückzuweisen.

Die SUVA schliesst auf Abweisung der Beschwerde. Das Bundesamt für Gesundheit
verzichtet auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:

1.
Gemäss Art. 97 Abs. 2 BGG kann jede unrichtige oder unvollständige Feststellung
des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden, wenn sich die Beschwerde
gegen einen Entscheid über die Zusprechung oder Verweigerung von Geldleistungen
der Militär- oder Unfallversicherung richtet. Das Bundesgericht ist dabei nicht
an die Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz gebunden (Art. 105 Abs. 3 BGG).

2.
2.1 Das kantonale Gericht kam zum Schluss, zur Beurteilung des
Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit sei auf die Stellungnahme des Dr.
med. E.________ abzustellen. Der medizinische Sachverhalt sei für den Zeitraum
bis zum Erlass des Einspracheentscheids der SUVA genügend abgeklärt. Daran
ändere der im kantonalen Verfahren eingereichte Bericht des Dr. med. I.________
nichts. Hinsichtlich der Bestimmung der hypothetischen Vergleichseinkommen
sowie des Invaliditätsgrades werde mangels substantiierter Einwände in der
kantonalen Beschwerde auf den nicht zu beanstandenden Einspracheentscheid
verwiesen.

2.2 Der Beschwerdeführer bringt im Wesentlichen vor, Dr. med. I.________ habe
eine Beinlängendifferenz von 22 mm, statt der von Dr. med. E.________
angenommenen 15 mm festgestellt. Dadurch würden die erheblichen Beschwerden im
lumbalen Rückenbereich erklärt. Das Ausmass des Gesundheitsschadens sei
insgesamt grösser als die Vorinstanz annehme. Es bestünden nicht zu
unterdrückende Zweifel an der ärztlichen Beurteilung des Dr. med. E.________,
weshalb weitere Abklärungen unumgänglich seien.

3.
3.1
3.1.1 Es steht fest und ist unbestritten, dass aufgrund der beim Unfall vom 18.
September 2003 erlittenen Trümmerfraktur im Bereich des rechten Oberschenkels
eine Beinlängendifferenz mit Beckenschiefstand aufgetreten ist. Dr. med.
I.________ verordnete am 6. Februar 2004 eine Schuheinlage von 8 mm Dicke bei
Beinverkürzung nach pertrochantärer Femurtrümmerfraktur. Gemäss kreisärztlichen
Berichten des Dr. med. P.________ vom 23. Juni und 16. November 2004 stand das
Becken nach Unterlegen eines Plättchens von 2 cm Dicke unter den rechten Fuss
bei durchgestreckten Kniegelenken horizontal und die kompensatorische
rechtskonvexe Skoliose der Lendenwirbelsäule (LWS) glich sich aus. Die
Auswertung der radiologischen Aufnahmen vom 15. Februar 2005 (vgl. Bericht des
- Zentrum X.________ vom 16. Februar 2005) ergab eine Beinverkürzung von ca. 1
cm, wobei der Patient schon im Besitz von Einlagen für die Schuhe war (Bericht
des Dr. med. I.________ vom 16. Februar 2005). Laut Bericht des
SUVA-Kreisarztes vom 11. Mai 2005 stand das Becken nach Unterlegen eines
Plättchens von 1,5 cm horizontal.
3.1.2 In der vorinstanzlich eingereichten Stellungnahme vom 29. März 2007 hält
Dr. med. I.________ fest, entgegen den Angaben im Einspracheentscheid der SUVA
betrage der radiologisch gemessene Beinlängenunterschied 22 mm, wodurch sich
die spondylotischen Veränderungen an der LWS verstärkten. Bereits am 2.
November 2005 hatte er auf eine Konsolidation der Fraktur mit Femurverkürzung
von 22 mm hingewiesen, wobei der Gang mit einer Sohlenkorrektur von 15 mm auf
der rechten Seite ausgeglichen sei. Diese Aussagen stehen nicht in
Übereinstimmung mit dem radiologischen Befund des - Zentrum X.________ vom 15.
Februar 2005 und dessen Auswertung ("im Seitenvergleich minimale Verkürzung des
rechten Femurs erkennbar, wobei der Unterschied ca. 1 cm beträgt"; Bericht vom
16. Februar 2005), welche Dr. med. I.________ nach einer zusätzlichen
klinischen Untersuchung ohne Beanstandung übernahm (vgl. Bericht dieses Arztes
vom 16. Februar 2005). Der Frage, wie es sich damit verhält, muss jedoch nicht
weiter nachgegangen werden. Gestützt auf die medizinischen Akten ist davon
auszugehen, dass die Folgen der Beinlängenverkürzung (Beckenschiefstand;
Skoliose der LWS) mit Schuheinlagen kompensiert werden können. Radiologisch
konnte der von Dr. med. I.________ vermutete (Operationsbericht vom 14. Februar
2005) Rotationsfehler nicht nachgewiesen werden (vgl. Bericht des Dr. med.
I.________ vom 16. Februar 2005). Der von diesem Arzt am 2. November 2005
festgehaltene, damit nicht gänzlich übereinstimmende klinische Befund (spontane
Aussenrotationsstellung des rechten Fusses [50° rechts gegenüber 25° links) war
offenbar ohne Belang. Es lagen hinsichtlich Muskelumfang und Trophik
(Sensibilität) an Beinen und am Gesäss seitengleiche Verhältnisse vor; ebenso
war das Becken praktisch seitengleich beweglich (vgl. Bericht des Dr. med.
P.________ vom 11. Mai 2005). Schliesslich wies der Kreisarzt darauf hin, dass
eine gewisse Diskrepanz zwischen den vom Versicherten geklagten Beschwerden und
den medizinisch feststellbaren Befunden bestand (Bericht vom 11. Mai 2005),
wozu sich Dr. med. I.________ nicht äusserte (vgl. Berichte vom 2. November
2005 und 29. März 2007). Seine Feststellung im Bericht vom 29. März 2007,
wonach die spondylotischen Veränderungen an der LWS auf die vom
Beinlängenunterschied verursachte "Dysbalance" zurückzuführen seien, erscheint
unter diesen Umständen nicht überzeugend. Insgesamt betrachtet ist jedenfalls
nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz auf die mit der medizinischen
Aktenlage übereinstimmenden Ausführungen des Dr. med. E.________ vom 15.
Dezember 2005 abgestellt und von zusätzlichen Abklärungen zum
Gesundheitszustand abgesehen hat.

3.2 Was die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit anbelangt, hat das kantonale
Gericht zutreffend darauf hingewiesen, dass sich Dr. med. I.________ (vgl.
Berichte vom 14. Oktober 2004, 2. November 2005 und 29. März 2007) einzig auf
die bisherigen Tätigkeiten (Maschinenmechaniker; Autospengler) bezieht. Es ist
unbestritten, dass der Beschwerdeführer diese Berufe nicht mehr auszuüben
vermag. Ebensowenig wird in Frage gestellt, dass er beim Treppensteigen,
längeren Gehstrecken sowie Tätigkeiten, welche in der Hocke verrichtet werden
müssen, beeinträchtigt ist. Diesen Einschränkungen hat die Vorinstanz bei der
Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit als einer wesentlichen Voraussetzung für die
Bestimmung des Invalideneinkommens genügend Rechnung getragen.

3.3 Nachdem der Beschwerdeführer auch letztinstanzlich zu Recht nichts gegen
die von der SUVA im Einspracheentscheid vom 28. Februar 2007 ermittelten
hypothetischen Vergleichseinkommen und den gestützt darauf bestimmten
Invaliditätsgrad vorbringt, ist der kantonale Entscheid zu bestätigen.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Kantonalen Versicherungsgericht des Wallis
und dem Bundesamt für Gesundheit schriftlich mitgeteilt.
Luzern, 25. Juni 2008
Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Ursprung Grunder