Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.804/2007
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Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
8C_804/2007

Urteil vom 4. April 2008
I. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichter Lustenberger, Frésard,
Gerichtsschreiber Holzer.

Parteien
H.________, Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Daniel Richter, Beethovenstrasse 11, 8002
Zürich,

gegen

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA), Fluhmattstrasse 1, 6004
Luzern, Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Unfallversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 6. November 2007.

Sachverhalt:

A.
Die 1959 geborene H.________ war als Flight Attendant der A.________ AG bei der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Unfällen
versichert, als sie am 20. August 1995 stolperte und sich eine schwere
Verstauchung des linken grossen Zehens zuzog. Die SUVA anerkannte ihre
Leistungspflicht für die Folgen dieses Ereignisses; die Versicherte konnte ihre
Arbeit noch im gleichen Jahr wieder aufnehmen.
Nach eigenen Angaben erlitt die Versicherte - nunmehr bei der B.________ AG
erwerbstätig - am 21. Juli 2004 einen erneuten Unfall, wobei sie sich den
linken grossen Zehen an einem mit scharfen Kacheln versehenen Vorbau einer
Badewanne blutig schlug. Die Versicherte verzichtete zunächst auf eine
medizinische Behandlung und suchte erst am 15. Dezember 2004 das Spital
X.________ auf, wo eine leichte Grosszehengrundgelenksarthrose links
diagnostiziert wurde. Nachdem sich die Beschwerden ab Mai 2005 verstärkten,
wurde am 13. Juni 2005 in der Klinik Y.________ eine Cheilektomie und eine
Synovektomie links durchgeführt. Mit Schreiben vom 18. November 2005 lehnte die
SUVA ihre Leistungspflicht für die Zehenbeschwerden ab, da diese nicht
überwiegend wahrscheinlich durch einen versicherten Unfall verursacht worden
seien. Mit Verfügung vom 17. März 2006 und Einspracheentscheid vom 10. Januar
2007 hielt die SUVA an ihrer Leistungsablehnung fest.

B.
Die von H.________ hiegegen erhobene Beschwerde wies das Versicherungsgericht
des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 6. November 2007 ab.

C.
Mit Beschwerde beantragt H.________, die SUVA sei unter Aufhebung des
Einsprache- und des kantonalen Gerichtsentscheides zu verpflichten, ihr die
gesetzlichen Leistungen zu erbringen, eventuell sei eine interdisziplinäre
Abklärung zur Kausalität der Fussverletzungen und der durch sie verursachten
Arbeitsunfähigkeit zu veranlassen.
Während die SUVA auf Abweisung der Beschwerde schliesst, verzichtet das
Bundesamt für Gesundheit auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:

1.
1.1 Die Beschwerde kann wegen Rechtsverletzung gemäss Art. 95 und Art. 96 BGG
erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106
Abs. 1 BGG). Es ist somit weder an die in der Beschwerde geltend gemachten
Argumente noch an die Erwägungen der Vorinstanz gebunden; es kann eine
Beschwerde aus einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen und es kann
sie mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden Begründung
abweisen (vgl. BGE 130 III 136 E. 1.4 S. 140). Das Bundesgericht prüft
grundsätzlich nur die geltend gemachten Rügen; es ist nicht gehalten, wie eine
erstinstanzliche Behörde alle sich stellenden rechtlichen Fragen zu prüfen,
wenn diese vor Bundesgericht nicht mehr vorgetragen wurden. Es kann die
Verletzung von Grundrechten und von kantonalem und interkantonalem Recht nur
insofern prüfen, als eine solche Rüge in der Beschwerde vorgebracht und
begründet worden ist (Art. 106 Abs. 2 BGG).

1.2 Im Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von
Geldleistungen der Militär- oder Unfallversicherung ist das Bundesgericht nicht
an die vorinstanzliche Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gebunden
(Art. 97 Abs. 2 und Art. 105 Abs. 3 BGG).

2.
Die SUVA hat in ihrem Einspracheentscheid vom 10. Januar 2007 die Bestimmungen
und Grundsätze über den für ihre Leistungspflicht vorausgesetzen
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Gesundheitsschaden
(Art. 6 Abs. 1 UVG) im Allgemeinen (BGE 119 V 335 E. 1 S. 337 f.) und bei
Rückfällen oder Spätfolgen im Sinne von Art. 11 UVV im Besonderen (BGE 118 V
293 E. 1c. S. 296, RKUV 1997 Nr. U 275 E. 1c S. 191 [U 93/96]) zutreffend
wiedergegeben. Darauf wird verwiesen.
Entgegen den Vorbingen der Beschwerdeführerin ist trotz allfälliger Beweisnot
auch bei Rückfällen und Spätfolgen an der geltenden Praxis (BGE 118 V 293 E. 1c
S. 296 f. mit Hinweisen) festzuhalten, dass eine Leistungspflicht der
Unfallversicherung nur dann besteht, wenn ein natürlicher Kausalzusammenhang
zwischen dem ursprünglichen Unfallereignis und den erneut geklagten Beschwerden
mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit (vgl. dazu BGE 126 V 353 E. 5b S. 360) nachgewiesen ist.

3.
Streitig und zu prüfen ist, ob die ab dem 15. Dezember 2004 aufgetretenen
Fussbeschwerden der Versicherten überwiegend wahrscheinlich mindestens
teilweise auf den Unfall vom 20. August 1995 und/oder auf das Ereignis vom 21.
Juli 2004 zurückzuführen sind.

4.
4.1 Am 20. August 1995 stolperte die Beschwerdeführerin über ein Podest und zog
sich eine Verstauchung des linken grossen Zehen zu. Gemäss den Eintragungen auf
dem Unfallschein war sie daraufhin während eines Monats, bis zum 21. September
1995, arbeitsunfähig. Dr. med. F.________ (FMH für Orthopädische Chirurgie) und
Dr. med. G.________ (FMH für Chirurgie) gehen in ihren Stellungnahmen vom 16.
und vom 19. Juni 2006 davon aus, dass die ab Dezember 2004 aufgetretenen
Fussbeschwerden mindestens teilweise durch dieses Ereignis verursacht wurden,
während die SUVA-Ärzte Dr. med. O.________ (FMH für Orthopädische Chirurgie)
und Dr. med. L.________ (FMH für Orthopädische Chirurgie) in ihren
Stellungnahmen vom 7. März und vom 22. Dezember 2006 einen solchen
Kausalzusammenhang für unwahrscheinlich halten.

4.2 Dr. med. G.________ begründet die Unfallkausalität lediglich damit, dass
die Versicherte vor dem Ereignis vom 20. August 1995 in ihrem linken Fuss
absolut beschwerdefrei gewesen sei und auf dem unmittelbar nach dem Unfall
angefertigten Röntgenbild keine Arthrosezeichen sichtbar seien.
Rechtsprechungsgemäss kann indessen eine gesundheitliche Schädigung nicht schon
deshalb als durch den Unfall verursacht gelten, weil sie nach diesem
aufgetreten ist; anders zu entscheiden würde bedeuten, unzulässigerweise "post
hoc ergo propter hoc" zu schliessen (vgl. dazu BGE 119 V 335 E. 2b/bb S. 341
f.). Dr. med. F.________ begründet die seines Erachtens hohe Wahrscheinlichkeit
eines Kausalzusammenhangs damit, dass die Beschwerdeführerin im Jahre 1995 nach
eigenen Angaben ein erhebliches Kontusionstrauma am Hallux, welches zu einer
posttraumatischen Arbeitsunfähigkeit von mindestens drei Monaten geführt hat,
erlitten habe. Hierzu ist anzumerken, dass sich dieser Arzt einzig auf die
Angaben der Versicherten verlässt; gemäss den vorliegenden Akten betrug die
unmittelbare posttraumatische Arbeitsunfähigkeit im Jahre 1995 lediglich einen
Monat. Wie Dr. med. L.________ nachvollziehbar und überzeugend darlegt, kann
das damalige Trauma nicht besonders ausgeprägt gewesen sein: Die Tätigkeit der
Beschwerdeführerin als Flight Attendant stellte eine sehr intensive, stehende
Tätigkeit dar, so dass der Arbeitsausfall nicht als lange erscheint. Ebenfalls
gegen die Annahme eines besonders schweren Traumas spricht, dass die
Versicherte anschliessend während neun Jahren in ihrer belastenden Tätigkeit
voll arbeitsfähig war.

4.3 Somit vermag weder die Stellungnahme des Dr. med. G.________ noch jene des
Dr. med. F.________ Zweifel an der Einschätzung des Dr. med. L.________ zu
begründen. Vorinstanz und Beschwerdegegnerin sind demnach zu Recht davon
ausgegangen, dass ein Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 20.
August 1995 und den ab Dezember 2004 geklagten Zehenbeschwerden nicht mit dem
massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt ist.

5.
5.1 Am 21. Juli 2004 erlitt die Beschwerdeführerin einen erneuten Unfall, bei
dem sie sich in einem Hotelzimmer den Zehen beim Duschen an einer nach eigenen
Angaben messerscharfen Kante anschlug. Die Versicherte verzichtete auf
medizinische Hilfe und konnte zunächst ihr volles Arbeitspensum aufrecht
erhalten. Am 15. Dezember 2004 suchte sie das Spital X.________ auf; der
leitende Arzt Orthopädie dieser Klinik, Dr. med. U.________, diagnostizierte
daraufhin eine symptomatische, leichte Grosszehengrundgelenksarthrose links,
vereinbar mit Status nach Traumatisierung im Juli 2004. Eine Behandlung mit
Cortison brachte zunächst Besserung, so dass die Beschwerdeführerin bis zum 15.
Mai 2005 wieder voll arbeiten konnte. Aufgrund der daraufhin verstärkt
aufgetretenen Schmerzen wurde am 13. Juni 2005 in der Klinik Y.________ eine
Cheilektomie und eine Synovektomie links durchgeführt.

5.2 Wie die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, kann aus der Diagnose des Dr.
med. U.________, wonach die Arthrose vereinbar mit dem Status nach einer
Traumatisierung im Juli 2004 ist, lediglich abgeleitet werden, dass dieser Arzt
einen Kausalzusammenhang zwischen dieser und den geklagten Beschwerden nicht
ausschliessen kann. Über die Wahrscheinlichkeit eines solchen
Kausalzusammenhanges äussert sich Dr. med. U.________ damit nicht. Auch Dr.
med. L.________ hält es für grundsätzlich denkbar, dass durch Anschlagen des
Zehen mit einer Schnittverletzung ein Hallux rigidus bzw. eine leichte Arthrose
verschlimmert werden könnte. Wie dieser Arzt jedoch nachvollziehbar ausführt,
würde eine solche Traumatisierung kaum eine monatelange volle Arbeitsfähigkeit
als Flight Attendant erlauben, wie sie bei der Beschwerdeführerin nach dem
Unfall vom 21. Juli 2004 vorgelegen hat. Die Unterlagen des Dr. med. F.________
geben zu keiner abweichenden Würdigung Anlass, äussert sich dieser Arzt doch
lediglich zu einem möglichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall im Jahre
1995 und den ab Dezember 2004 aufgetretenen Schmerzen, nicht jedoch zwischen
dem Ereignis vom 21. Juli 2004 und jenen Beschwerden. Ebenso wenig kann der
Ansicht des Dr. med. G.________ gefolgt werden, da dieser Arzt seine
abweichende Meinung im Bericht vom 19. Juni 2006 nicht näher begründet.

5.3 Vorinstanz und Beschwerdegegnerin sind somit zu Recht davon ausgegangen,
dass auch ein Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis vom 21. Juli 2004 und
den ab Dezember 2004 geklagten Zehenbeschwerden nicht mit dem massgeblichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt ist.

6.
Da die Beschwerde abzuweisen ist, sind die Gerichtskosten der unterliegenden
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen und dem Bundesamt für Gesundheit schriftlich mitgeteilt.
Luzern, 4. April 2008

Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Ursprung Holzer