Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.812/2007
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
8C_812/2007

Urteil vom 6. Oktober 2008
I. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichterin Widmer, Bundesrichter Lustenberger,
Gerichtsschreiber Jancar.

Parteien
W.________, Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Ueli Kieser, Ulrichstrasse 14, 8032 Zürich,

gegen

IV-Stelle des Kantons Zürich, Röntgenstrasse 17, 8005 Zürich,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Invalidenversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons
Zürich
vom 31. Oktober 2007.

Sachverhalt:

A.
Der 1984 geborene W.________ begann im Sommer 2000 eine Lehre als
Polymechaniker, die er im Januar 2004 aus psychischen Gründen abbrach. Seit 30.
Mai 2005 war er bei Dr. med. L.________, Spitalfacharzt, FMH Psychiatrie und
Psychotherapie, Integrierte Psychiatrie, Beratungsstelle für Jugendprobleme, in
Behandlung. Am 22. Februar 2006 meldete er sich bei der Invalidenversicherung
zum Leistungsbezug an. In der Folge verlangte er, diese habe die Kosten für
seine Lehre zum Journalisten in der Stiftung X.________ zu übernehmen. Nach
beruflichen und medizinischen Abklärungen verneinte die IV-Stelle des Kantons
Zürich den Anspruch auf berufliche Massnahmen. Dem Versicherten wäre es
zumutbar, die begonnene Polymechaniker-Lehre im geschützten Rahmen
fortzusetzen, wofür er noch rund ein Jahr benötigte. Dies wolle er aber nicht.
Die Kosten der Journalisten-Ausbildung würden nicht übernommen, da dieser Beruf
für den Versicherten nicht angepasst sei (Verfügung vom 1. März 2007). Im März/
April 2007 begann dieser die 3-jährige Journalisten-Lehre in der Stiftung
X.________.

B.
Gegen die Verfügung vom 1. März 2007 reichte der Versicherte beim
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich Beschwerde ein. Replikweise legte
er einen Bericht der Stiftung X.________ vom 11. Juli 2007 sowie eine
Aufstellung über die Kosten der dortigen Journalisten-Ausbildung auf. Mit
Entscheid vom 31. Oktober 2007 wies das kantonale Gericht die Beschwerde ab.

C.
Mit Beschwerde beantragt der Versicherte, in Aufhebung des kantonalen
Entscheides sei die IV-Stelle zu verpflichten, ihm die gesetzlichen Leistungen,
insbesondere berufliche Massnahmen, auszurichten. Ferner verlangt er die
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung für das bundesgerichtliche
Verfahren. Er legt neu unter anderem das Konzept der Stiftung X.________
betreffend "Die dreijährige Journalisten-Lehre" vom September 2005, den
Ausbildungsvertrag vom 30. März 2007 sowie einen ihn betreffenden
Zwischenbericht dieser Stiftung vom Dezember 2007 auf.
Die IV-Stelle schliesst ohne zusätzliche Ausführungen auf Beschwerdeabweisung,
während das Bundesamt für Sozialversicherungen auf eine Vernehmlassung
verzichtet.

Erwägungen:

1.
Die Beschwerde kann wegen Rechtsverletzung gemäss Art. 95 und Art. 96 BGG
erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106
Abs. 1 BGG). Es ist somit weder an die in der Beschwerde geltend gemachten
Argumente noch an die Erwägungen der Vorinstanz gebunden; es kann eine
Beschwerde aus einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen und es kann
sie mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden Begründung
abweisen (vgl. BGE 130 III 136 E. 1.4 S. 140).
Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die
Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Es kann die
Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz von Amtes wegen berichtigen oder
ergänzen, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung
im Sinne von Art. 95 BGG beruht (Art. 105 Abs. 2 BGG) und wenn die Behebung des
Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1
BGG). Dies ist aufgrund der Vorbringen in der Beschwerde zu prüfen. Auch
besteht Bindung an die Parteianträge (Art. 107 Abs. 1 BGG; nicht publ. E. 1.2
und 2.2 des Urteils BGE 133 V 640, veröffentlicht in SVR 2008 AlV Nr. 12 S.
35).

2.
2.1 Die streitige Verfügung datiert vom 1. März 2007, weshalb die am 1. Januar
2008 in Kraft getretenen Änderungen des IVG vom 6. Oktober 2006 und der IVV vom
28. September 2007 (5. IV-Revision) nicht anwendbar sind (BGE 131 V 329 E. 4.6
S. 337).

2.2 Die Vorinstanz hat die Bestimmungen und Grundsätze über die
Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), die Invalidität (Art. 8 Abs. 1 ATSG, Art. 4
Abs. 1 IVG), den Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen im Allgemeinen (Art. 8
Abs. 1 IVG), erstmalige berufliche Ausbildung (Art. 16 Abs. 1 IVG und Abs. 2
lit. b IVG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 1 und 2 IVV) sowie Umschulung (Art.
17. Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 6 Abs. 1 und 2 IVV; vgl. auch BGE 130 V
488) zutreffend dargelegt. Richtig wiedergegeben hat sie auch die
Abgrenzungskriterien zwischen der erstmaligen beruflichen Ausbildung und der
Umschulung (BGE 121 V 186, 118 V 7; AHI 2000 S. 189; vgl. auch BGE 126 V 461;
SVR 2008 IV Nr. 14 S. 41 E. 4.1, I 659/06, 2004 IV Nr. 33 S. 105 E. 4.2, I 301/
02). Gleiches gilt hinsichtlich des Beweiswerts von Arztberichten (BGE 125 V
351 E. 3a S. 352; SVR 2007 UV Nr. 33 S. 111 E. 4.2, U 571/06). Darauf wird
verwiesen.

2.3 Zu ergänzen ist, dass die Eingliederungsmassnahme der erstmaligen
beruflichen Ausbildung (Art. 16 Abs. 1 IVG) den allgemeinen
Anspruchsvoraussetzungen des Art. 8 Abs. 1 IVG unterliegt. Sie hat somit neben
den dort ausdrücklich genannten Erfordernissen der Geeignetheit und
Notwendigkeit auch demjenigen der Angemessenheit (Verhältnismässigkeit im
engeren Sinne) als drittem Teilgehalt des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes zu
genügen. Die versicherte Person hat in der Regel nur Anspruch auf die dem
jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht aber
auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren. Denn das Gesetz
will die Eingliederung lediglich so weit sicherstellen, als diese im Einzelfall
notwendig, aber auch genügend ist. Ferner muss der voraussichtliche Erfolg
einer Eingliederungsmassnahme in einem vernünftigen Verhältnis zu ihren Kosten
stehen. Diese Vorgabe ist Ausdruck des Verhältnismässigkeitsprinzips als
Forderung nach einem angemessenen Verhältnis zwischen Leistungsaufwand und
angestrebtem Eingliederungsziel (BGE 124 V 108 E. 2a S. 110, 121 V 258 E. 2c S.
260; Urteil I 128/07 vom 16. Januar 2008, E. 6.2). Eine Kostenbeteiligung der
Invalidenversicherung setzt demnach voraus, dass die berufliche
Eingliederungsmassnahme in sachlicher, zeitlicher, finanzieller und
persönlicher Hinsicht angemessen ist: Die Massnahme muss daher ein bestimmtes
Mass an Eingliederungswirksamkeit aufweisen, d.h. die versicherte Person muss
in die Lage versetzt werden, wenigstens einen Teil ihres Unterhaltes selbst zu
decken (sachliche Angemessenheit); der Eingliederungserfolg muss sodann von
Dauer sein (zeitliche Angemessenheit) und in einem vernünftigen Verhältnis zu
den Kosten der Massnahme stehen (finanzielle Angemessenheit) und schliesslich
muss die Massnahme der versicherten Person unter Berücksichtigung ihrer
persönlichen Verhältnisse zumutbar sein (persönliche Angemessenheit; zum
Ganzen: BGE 132 V 215 E. 3.2.2 S. 221, 103 V 16 E. 1b, 101 V 43 E. 3d S. 53, je
mit Hinweisen; Urteile I 294/04 vom 11. April 2006, E. 4.3.1, und I 256/02 vom
5. März 2003, E. 3.1). Wird eine zwar grundsätzlich geeignete, zur
Eingliederung aber nicht unerlässliche Ausbildung gewählt, hat die versicherte
Person für die dabei entstehenden Mehrkosten selber aufzukommen. Auch wenn die
subjektiven Neigungen, Fähigkeiten und Begabungen der versicherten Person bei
der primär nach objektiven Gesichtspunkten zu beurteilenden Frage, ob eine
notwendige und geeignete Eingliederungsmassnahme beruflicher Art gegeben ist,
mitzuberücksichtigen sind, ist in erster Linie ausschlaggebend, welche
erwerblichen Möglichkeiten ihr aufgrund einer bestimmten beruflichen
Eingliederungsmassnahme konkret offen stehen (erwähntes Urteil I 256/02, E.
3.2.1 mit Hinweisen).

3.
Die gesetzlichen Definitionen von Invalidität, Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit,
erstmaliger beruflicher Ausbildung, Umschulung usw. sind Rechtsbegriffe. Ob die
Vorinstanz von einem zutreffenden Verständnis dieser Begriffe ausging, ist
Rechtsfrage (BGE 132 V 393 E. 3.1 S. 397; Urteil I 1067/06 vom 25. Februar
2008, E. 3.3). Die ärztliche Feststellung des Gesundheitsschadens
(Befunderhebung), die gestellte Diagnose und die Prognose (Beurteilung der
voraussichtlichen künftigen Entwicklung einer Gesundheitsbeeinträchtigung)
betreffen eine Tatfrage. Gleiches gilt für die ärztlichen Stellungnahmen zum
noch vorhandenen Leistungsvermögen oder (bei psychischen Gesundheitsschäden)
zur Verfügbarkeit von Ressourcen der versicherten Person. In diesem Sinne ist
die aufgrund medizinischer Untersuchungen gerichtlich festgestellte Arbeits(un)
fähigkeit Entscheidung über eine Tatfrage. Soweit hingegen die Beurteilung der
Zumutbarkeit von Arbeitsleistungen auf die allgemeine Lebenserfahrung gestützt
wird, geht es um eine Rechtsfrage (BGE 132 V 393 E. 3.2 S. 398 f.). Die
Beachtung des Untersuchungsgrundsatzes und der Beweiswürdigungsregeln nach Art.
61 lit. c ATSG ist Rechtsfrage. Die konkrete Beweiswürdigung wie auch die
antizipierte Beweiswürdigung (als Teil derselben) betreffen Tatfragen. Unter
diesem Blickwinkel hält ein Verzicht der Vorinstanz auf weitere Beweisvorkehren
aufgrund antizipierter Beweiswürdigung etwa dann nicht stand, wenn die
Sachverhaltsfeststellung unauflösbare Widersprüche enthält (vgl. BGE 124 II 103
E. 1a S. 105; in BGE 126 III 431 nicht publ. E. 4c/bb des Urteils 5P.119/2000
vom 24. Juli 2000) oder wenn eine entscheidwesentliche Tatsache auf
unvollständiger Beweisgrundlage - beispielsweise ohne Beizug des notwendigen
Fachwissens unabhängiger Experten/Expertinnen, obwohl im Einzelfall unabdingbar
- beantwortet wird (vgl. BGE 132 III 83 E. 3.5 S. 88; SVR 2007 IV Nr. 39 S. 132
E. 3.3 f., I 1051/06; Urteil 8C_508/2007 vom 18. Mai 2008, E. 5 mit Hinweisen).

4.
Letztinstanzlich legt der Beschwerdeführer neu unter anderem das Konzept der
Stiftung X.________ betreffend "Die dreijährige Journalisten-Lehre" vom
September 2005, den Ausbildungsvertrag mit dieser Stiftung vom 30. März 2007
sowie einen ihn betreffenden Zwischenbericht dieser Stiftung vom Dezember 2007
auf. Aus dem Letztgenannten geht hervor, dass die im März/April 2007 begonnene
Journalisten-Lehre bis anhin erfolgreich verläuft. Diesbezüglich ist
festzuhalten, dass neue Tatsachen und Beweismittel nur soweit vorgebracht
werden dürfen, als der Entscheid der Vorinstanz dazu Anlass gibt (Art. 99 Abs.
1 BGG). Demnach sind die Parteien grundsätzlich gehalten, alle rechtsrelevanten
Tatsachen und Beweismittel bereits bei den Vorinstanzen zu nennen. Gründe zur
Abweichung von dieser Regel sind vorliegend nicht erkennbar, zumal der
Versicherte nicht darlegt, dass ihm die Beibringung entsprechender Berichte bei
der Vorinstanz, die den Schriftenwechsel erst am 21. September 2007 geschlossen
hatte, prozessual unmöglich und objektiv unzumutbar war (Urteil 8C_463/2007 vom
28. April 2008, E. 6.2.4 mit Hinweisen). Hievon abgesehen könnte der
Versicherte allein gestützt auf diese Berichte der Stiftung X.________ keinen
Anspruch auf Bejahung der Kostengutsprache für die Journalisten-Lehre
erreichen, wie die folgenden Erwägungen zeigen.

5.
Erstellt und unbestritten ist, dass beim Beschwerdeführer wegen seines
psychischen Leidens grundsätzlich eine Invalidität im Sinne von Art. 16 Abs. 1
in Vebindung mit Art. 16 Abs. 2 lit. b IVG vorliegt, da er aus medizinischer
Sicht nur noch in der Lage ist, die in der freien Wirtschaft begonnene und
abgebrochene Ausbildung im geschützten Rahmen zu absolvieren (vgl. Berichte des
Dr. med. L.________ vom 19. September 2006 und 9. Januar 2007 sowie des
Regionalen Ärztlichen Dienstes [RAD] vom 21. April 2006 und 22. Januar 2007; E.
6 hienach). Die IV-Stelle vertrat in der Verfügung vom 1. März 2007 die
Auffassung, es wäre ihm zumutbar, die begonnene Polymechaniker-Lehre im
geschützten Rahmen fortzusetzen, wofür er noch rund ein Jahr benötigen würde.
Der Versicherte verneint dies und verlangt, die IV habe insbesondere die Kosten
für die im März/April 2007 begonnene Ausbildung zum Journalisten im geschützten
Rahmen bei der Stiftung X.________ zu übernehmen.

6.
6.1 Der den Versicherten seit 30. Mai 2005 behandelnde Psychiater Dr. med.
L.________ diagnostizierte im Bericht vom 7. April 2006 den Verdacht auf
schizoide Persönlichkeitsentwicklungsstörung (ICD-10: F60.1), Zustand nach
mittelgradiger depressiver Episode (ICD-10: F32.1) und soziale Phobie vor dem
Hintergrund einer adoleszentären Ablösungskrise. Die Krankheit bestehe seit
März 2002. Seit Juni 2003 sei der Versicherte in der Beratungsstelle für
Jugendliche, Integrierte Psychiatrie, behandelt worden. Zwischen Dezember 2004
und Mai 2005 habe er sich komplett in seiner Wohnung isoliert. Als
Polymechanikerlehrling sei er von Januar 2004 bis 31. März 2006 zu 100 % und
seit 1. April 2006 bis dato zu 75 % arbeitsunfähig. In einem zwischenmenschlich
überschaubaren Umfeld sei er psychisch gut funktionsfähig und in
behinderungsangepasster Tätigkeit seit Oktober 2005 ganztags arbeitsfähig. Im
Bericht vom 19. September 2006 legte Dr. med. L.________ dar, die mittlerweile
erfolgreiche Behandlung der depressiven Störung habe im April 2006 zum
Entschluss geführt, den Versicherten für eine berufliche Massnahme
vorzuschlagen. Der Wechsel der Ausbildungsrichtung und die dringende Empfehlung
für einen geschützten Rahmen begründeten sich in der nunmehr offensichtlich zu
Tage tretenden Persönlichkeitsstörung einer Schizoidie, welche den
bedeutendsten Risikofaktor für einen neuen Rückfall in eine depressive Episode
infolge Überlastung in sich trage. Was letztlich die Wahl des Ausbildungsortes
und der -richtung betreffe, könne gesagt werden, dass der Versicherte klar ein
Talent für Wort und Schrift besitze, das ihm ermögliche, sich in einem
geschützten Ausbildungsrahmen auf das defizitäre Entwicklungsfeld der sozialen
Interaktionen und des zwischenmenschlichen Verhaltens zu konzentrieren. Gerade
in diesem Feld liege bei ihm das eigentlich die Umsetzung des intellektuellen
Potentials behindernde Problem, das, bliebe es unbeachtet, eine stationäre
Behinderung mit schlechter Prognose hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit
darstellte. Er (Dr. med. L.________) bitte um Kostenübernahme der Ausbildung im
geschützten Rahmen in der Stiftung X.________. Im Bericht vom 9. Januar 2007
(der im Wesentlichen seinem Bericht vom 18. Dezember 2006 entspricht) führte
Dr. med. L.________ aus, ein geschützter Rahmen für die Ausbildung des
Versicherten sei unverzichtbar. Der Versicherte habe in der Schnupperwoche in
der Stiftung X.________ das volle Wochenpensum problemlos absolviert. Die
Eignung für die Ausbildung im geschützten Rahmen sei gegeben. Das Berufsprofil
des Journalisten sei laut dem Ausbildungsverantwortlichen in der Stiftung
X.________ durchaus vereinbar mit einer "Arbeit im stillen Kämmerlein".
Fraglich sei, ob der RAD den Beruf des Journalisten mit demjenigen des
Reporters verwechsle. Der Antrag auf den Berufswechsel sei medizinisch
begründet und beruhe nicht auf einer Weigerung des Versicherten, in die
begonnene Ausbildung zurückzukehren. Die fehlende medizinische Notwendigkeit
lasse sich nicht mit der einfachen Formel "Polymechaniker = kein Kundenkontakt
= gut für die Schizoidie" erklären. Die Belastung entstehe gerade in den
interaktionell unübersichtlichen Verhältnissen einer Grossraumwerkstatt mit
einer Kernbeschäftigung, die zwischenmenschlichen Austausch nicht erwarte oder
strukturiere. Die hierdurch entstandene Isolation innerhalb der Werkstattgruppe
habe im Wesentlichen zur schweren depressiven Krise geführt. Der Versicherte
erfülle einige Kriterien der schizoiden Persönlichkeitsstörung ganz deutlich,
gerade aber am Mangel bzw. Nichtgelingen von Kontakten leide er hingegen.
Dieser Umtand habe in direkter Kausalität zur Arbeitsunfähigkeit geführt. Das
bedeute nicht, dass er nicht in der Lage wäre, Kontakte herzustellen oder mit
anderen Menschen zu sprechen. Vielmehr handle es sich um die fehlende Fähigkeit
zum Herstellen einer Ausgewogenheit zwischen Nähe und Distanz, zwischen
Überreizung und Isolation, welche die psychische Behinderung begründe. Für eine
Prävention einer erneuten ursächlich darin begründeten Arbeitsunfähigkeit
würden einerseits der geschützte Rahmen und anderseits ein Wechsel der
Ausbildung zu einer Tätigkeit mit integrierten zwischenmenschlichen
Interaktionen benötigt. Begleiteter und überschaubarer zwischenmenschlicher
Kontakt am Ausbildungsort seien für den Versicherten unabdingbar.

6.2 Der RAD (Dres. med. H.________ und B.________) führte in der
Akten-Stellungnahme vom 24. November 2006 aus, laut Bericht der Stiftung
X.________ vom 4. Oktober 2006 habe der Versicherte dort eine Schnupperwoche
verbracht und zeige sich motiviert und geeignet für eine Journalisten-Lehre.
Sein Psychiater Dr. med. L.________ (Bericht vom 19. September 2006)
unterstütze diesen Berufswunsch. Die depressive Störung sei erfolgreich
behandelt. Die Notwendigkeit eines geschütztes Rahmens begründe Dr. med.
L.________ mit der Gefahr des Rückfalls in eine depressive Episode bei
schizoider Persönlichkeitsstörung. Weiter legte der RAD dar, die Notwendigkeit
eines Berufswechsels könne nicht als medizinisch ausgewiesen erachtet werden.
Das Eingliederungsziel Journalismus sei gerade aufgrund der Angaben des Dr.
med. L.________ "...Unfähigkeit, sich im mitmenschlichen Umfeld adäquat zu
verhalten und Kontakte zu knüpfen und zu pflegen..." eher nicht als medizinisch
nachvollziehbar einzustufen. In der Akten-Stellungnahme vom 22. Januar 2007 gab
der RAD (Dr. med. H.________) an, das Ressourcenprofil des Versicherten
enthalte keine Tätigkeiten, die mit einer erhöhten Frequenz an interpersonellen
Kontakten einhergingen. In der Stellungnahme vom 24. November 2006 sei der RAD
davon ausgegangen, dass es sich beim Berufsbild des Journalisten eher um eine
Tätigkeit mit zahlreichen interpersonellen Kontakten handle. Ob dies nicht der
Fall sein sollte, wie Dr. med. L.________ mitteile, bleibe dahingestellt, könne
vom RAD aber nicht anders bewertet werden als bislang. Dass es sich beim
Berufsbild des Journalisten um eine dem Krankheitsbild einer schizoiden
Persönlichkeitsstörung angepasste Tätigkeit handeln sollte, könne jedenfalls
nicht nachvollzogen werden. Ein geschützter Rahmen könne beim Versicherten als
angezeigt gelten. Laut Akten-Notiz vom 23. Januar 2007 führte der RAD (Dr. med.
H.________) aus, dem Versicherten könnten aufgrund seiner soziopathischen
Störung nur Tätigkeiten zugemutet werden, die nicht mit vermehrten
interpersonellen Kontakten einhergingen. Die Häufigkeit sozialer Kontakte sei
der limitierende Faktor. Ob die begonnene Polymechaniker-Lehre unter diesem
Gesichtspunkt zumutbar sei, sei mit der Berufsberatung zu klären. Sie dürfte
jedenfalls mit weniger sozialen Anforderungen verbunden sein als der
Journalisten-Beruf.

7.
7.1 Die Vorinstanz hat erwogen, es sei nicht ersichtlich, wieso ein
Berufswechsel vom Polymechaniker zum Journalisten notwendig und geeignet sei.
Die Bedingungen der Vermeidung eines Ausbildungsplatzes in einer
Grossraumwerkstatt und des von Dr. med. L.________ vorausgesetzten begleiteten
und überschaubaren zwischenmenschlichen Kontaktes am Arbeitsplatz könnten durch
den Lehrabschluss als Polymechaniker im von der IV-Stelle gewährten geschützten
Rahmen vollumfänglich erfüllt werden. Aus medizinischer Sicht sei kein Grund
ersichtlich, weshalb dem Versicherten diese Arbeit an sich - in einem
Kleinbetrieb - nicht zumutbar sein soll. Die Journalisten-Arbeit sei eher
geprägt von Kommunikation und sozialem Umgang mit Personen zur Verbreitung von
Informationen und Meinungen durch Massenmedien. Der Aufgabenbereich des
Journalisten sei daher mit der Unfähigkeit des Versicherten, sich im
mitmenschlichen Umfeld adäquat zu verhalten, eher nicht vereinbar, weshalb die
Eingliederungswirksamkeit eher bezweifelt werden müsse. Auch angesichts der
Kosten erscheine eine Ausbildung zum Journalisten nicht als einfach und
zweckmässig. Die vom Versicherten vorgebrachten Anliegen, weshalb diese
Tätigkeit für ihn besser sei als diejenige des Polymechanikers, beruhten im
Wesentlichen nicht auf gesundheitlichen Anforderungen, sondern auf der Neigung
zum Journalisten-Beruf. Seine Ausführungen und diejenigen des Dr. med.
L.________ machten den gewünschten Berufswechsel zwar verständlich, änderten
aber nichts daran, dass ein solcher infolge Invalidität notwendig sein müsse.

7.2 Der Versicherte macht gestützt auf die Berichte des Dr. med. L.________ im
Wesentlichen geltend, der Berufswechsel sei infolge Invalidität notwendig. Die
Journalisten-Lehre im geschützten Rahmen sei ihm medizinischerseits zumutbar,
geeignet, erforderlich und eingliederungswirksam, wie sich auch aus den
Berichten des Sozialdienstes und der Stiftung X.________ ergebe. Der
angestrebte Erfolg stehe in vernünftigem Verhältnis zu den Kosten, weshalb die
Massnahme einfach und zweckmässig sei. Die Vorinstanz habe den Beruf des
Journalisten willkürlich ausgelegt. Geistig gezielte Arbeit in Wort und Schrift
sei ihm nebst absichtsvoller Interaktion und Auseinandersetzung mit anderen
Menschen sehr gut möglich, fördere seine Arbeitsfähigkeit durch Konzentration
auf realistischen Umweltbezug. Das Zitat des RAD und der Vorinstanz aus dem
Akteneintrag des Berufsberaters, der Versicherte wolle "etwas Bedeutendes
schaffen" und "die Welt des Metalligen" sei nichts für ihn, sei aus dem Kontext
genommen und tendenziös. Es entstehe der Eindruck, er wolle auf Kosten der IV
seinen künstlerischen Neigungen und keiner rechten Arbeit nachgehen. Dem sei
entgegenzuhalten, dass ihm der IV-Berufsberater die Ausbildung in der
Journalistenwerkstatt der Stiftung X.________ zunächst vorgeschlagen habe, was
in den Akten vorenthalten werde.

8.
8.1 Den Erwägungen der Vorinstanz (E. 7.1 hievor) ist beizupflichten. In
Übereinstimmung mit der Einschätzung der RAD-Ärzte (E. 6.2 hievor) hat sie zu
Recht erkannt, dass die Geeignetheit und Notwendigkeit eines Berufswechsels zum
Journalisten beim Beschwerdeführer aufgrund seiner psychischen Beeinträchtigung
mit den damit verbundenen Schwierigkeiten im Umgang mit Menschen medizinisch
nicht begründet ist. Denn dieser Beruf ist in der Regel geprägt von
Kommunikation und damit Kontakten mit Menschen.

8.2 Der Versicherte erhebt keine Rügen, welche die Sachverhaltsfeststellungen
der Vorinstanz betreffend sein Leistungsvermögen bzw. seinen Ressourcen in
psychischer Hinsicht (vgl. E. 3 hievor) als offensichtlich unrichtig oder auf
einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruhend erscheinen lassen.
Die Ausführungen des Dr. med. L.________ im Bericht vom 9. Januar 2007 sind
widersprüchlich. Einerseits gibt er darin an, der Versicherte benötige einen
Wechsel zu einer Tätigkeit mit integrierten zwischenmenschlichen Interaktionen.
Andererseits legt er zum Eingliederungsziel des Journalisten dar, das
Berufsprofil sei durchaus vereinbar mit einer "Arbeit im stillen Kämmerlein".
Es frage sich, ob der RAD den Beruf des Journalisten mit dem des Reporters
verwechsle. "Kontakte zu knüpfen und zu pflegen...", womit der RAD seine
Ablehnung begründe, seien nicht Tätigkeiten des Journalisten. In diesem Lichte
sind die Angaben des Dr. med. L.________ letztlich unklar hinsichtlich der
Frage, ob für den Versicherten aufgrund seiner psychischen Beeinträchtigung ein
Beruf mit vermehrten sozialen Kontakten geeignet und notwendig ist. In diesem
Sinne fehlt auch eine Stellungnahme des Dr. med. L.________ zur Frage, wie die
Arbeitsfähigkeit des Versicherten als Journalist prognostisch einzuschätzen
ist, wenn er sich nach Abschluss der in geschütztem Rahmen erfolgenden
Ausbildung auf dem freien Arbeitsmarkt zu bewähren hat. Im Weiteren ist
festzuhalten, dass es zahlreiche Metallwerkstätten unterschiedlichster
Ausrichtung mit dem von Dr. med. L.________ geforderten überschaubaren
zwischenmenschlichem Kontakt gibt, wo der Versicherte das letzte Lehrjahr im
von der IV-Stelle anerkannten geschütztem Rahmen hätte absolvieren können. Wenn
die Journalisten-Ausbildung mit seinem Talent für Wort und Schrift sowie seiner
Abneigung gegen die Welt des "Metalligen" begründet wird, kann dies unter den
gegebenen Umständen nicht zu Lasten der IV gehen. Schliesslich ist hinsichtlich
der Angaben des Dr. med. L.________ auch zu berücksichtigen, dass behandelnde
Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung in Zweifelsfällen
mitunter eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc S.
353; Urteil I 294/04 vom 11. April 2006, E. 4.3.3 mit Hinweis). Nach dem
Gesagten kann seiner Auffassung, die vom Beschwerdeführer in Angriff genommene
Journalisten-Ausbildung sei eine notwendige und geeignete
Eingliederungsmassnahme, nicht gefolgt werden.

9.
Zu prüfen ist schliesslich, ob die Journalisten-Ausbildung in der Stiftung
X.________ in einem vernünftigen Verhältnis zu ihren Kosten steht (vgl. E. 2.3
hievor).
Im Rahmen einer Eingliederungsmassnahme hätte der Versicherte das vierte
Lehrjahr als Polymechaniker in geschütztem Rahmen nach Angaben der IV-Stelle
für rund Fr. 48'000.- inkl. Taggeld abschliessen können. Die Kosten für die
begonnene dreijährige Journalisten-Ausbildung in der Stiftung X.________
belaufen sich im Externat auf rund Fr. 130'000.- und im Internat auf Fr.
216'000.-. Diese zusätzlichen Kosten der Journalisten-Ausbildung von mindestens
rund Fr. 80'000.- können unter den gegebenen Umständen - selbst in
Berücksichtigung der noch langen Aktivitätsdauer des Versicherten - nicht als
angemessen angesehen werden.

10.
Der unterliegende Versicherte hat die Gerichtskosten zu tragen (Art. 66 Abs. 1
BGG). Die unentgeltliche Rechtspflege kann ihm gewährt werden, da die
Bedürftigkeit aktenkundig ist, die Beschwerde nicht von vornherein als
aussichtslos zu bezeichnen und die Vertretung notwendig war (Art. 64 BGG; BGE
125 V 371 E. 5b S. 372; Urteil 8C_252/2007 vom 16. Mai 2008, E. 9). Er wird der
Gerichtskasse Ersatz zu leisten haben, wenn er später dazu in der Lage ist
(Art. 64 Abs. 4 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Dem Beschwerdeführer wird die unentgeltliche Rechtspflege gewährt.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden dem Beschwerdeführer auferlegt, indes
vorläufig auf die Gerichtskasse genommen.

4.
Rechtsanwalt Dr. Ueli Kieser, Zürich, wird als unentgeltlicher Anwalt des
Beschwerdeführers bestellt, und es wird ihm für das bundesgerichtliche
Verfahren aus der Gerichtskasse eine Entschädigung von Fr. 2'500.-
ausgerichtet.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Sozialversicherungsgericht des Kantons
Zürich, der Ausgleichskasse des Kantons Zürich und dem Bundesamt für
Sozialversicherungen schriftlich mitgeteilt.

Luzern, 6. Oktober 2008

Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Ursprung Jancar