Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 8C.8/2007
Zurück zum Index I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 2007
Retour à l'indice I. Sozialrechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 2007


8C_8/2007

Urteil vom 15. Januar 2008

I. sozialrechtliche Abteilung

Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Bundesrichterin Leuzinger, Bundesrichter Frésard,
Gerichtsschreiber Lanz.

S. ________, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwältin Carmen
Hool-Helfenstein, Kantonsstrasse 96, 6048 Horw,

gegen

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA), Fluhmattstrasse 1, 6004
Luzern, Beschwerdegegnerin.

Unfallversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Luzern vom
3. Januar 2007.

Sachverhalt:

A.
Der 1964 geborene S.________ war als Isoleur im Lüftungsbereich in der Firma
A.________ AG tätig und dadurch bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen Unfallfolgen
versichert. Am 14. Dezember 1999 prallte der von ihm gelenkte VW-Bus auf der
Autobahn mit einer Geschwindigkeit von ca. 90 km/h frontal in ein
Lastwagenrad, welches sich von einem Anhängerzug gelöst hatte. Der wegen
sofortigen Kopf- und Nackenschmerzen gleichentags aufgesuchte Dr. med.
B.________, Allgemeine Medizin FMH, diagnostizierte mit Bericht vom 27.
Dezember 1999 ein rechtsbetontes posttraumatisches Cervicalsyndrom und
bestätigte eine volle Arbeitsunfähigkeit. Im Laufe der folgenden Abklärungen
wurde auf eine beim Unfall erlittene Distorsion der Halswirbelsäule (HWS) bei
vorbestehender Protrusion der Disci intervertebrales C4/5, C5/6 und C6/7
befunden (u.a. kreisärztlicher Untersuchungsbericht vom 14. Februar 2000).
Trotz verschiedener Therapiemassnahmen und zweier Rehabilitationsaufenthalte
(vom 19. Juli bis 16. August 2000 und vom 30. April bis 8. Juni 2001) in der
Rehaklinik E.________ persistierten gesundheitliche Beschwerden. Mehrere
Arbeitsversuche scheiterten. Nach weiteren Abklärungen zum medizinischen
Sachverhalt und zum Unfallhergang eröffnete die SUVA dem Versicherten mit
Verfügung vom 14. Januar 2005, es würden die gesetzlichen Leistungen auf den
31. Januar 2005 hin eingestellt und über diesen Zeitpunkt hinaus keine
Versicherungsleistungen mehr erbracht. Zur Begründung wurde ausgeführt, es
lägen keine behandlungsbedürftigen organischen Unfallfolgen mehr vor; die
noch bestehenden Beschwerden seien psychogener Natur und stünden nicht in
einem rechtserheblichen Zusammenhang zum Unfall vom 14. Dezember 1999. Daran
hielt die SUVA auf die von S.________ und seinem Krankenversicherer erhobenen
Einsprachen hin fest (Einspracheentscheid vom 1. Juni 2005).

B.
Die von S.________ hiegegen geführte Beschwerde wies das Verwaltungsgericht
des Kantons Luzern mit Entscheid vom 3. Januar 2007 ab.

C.
S.________ lässt Beschwerde führen mit dem Rechtsbegehren, in Aufhebung von
Einsprache- und kantonalem Gerichtsentscheid sei die SUVA zu verpflichten,
über den 31. Januar 2005 hinaus Leistungen zu erbringen.

Die SUVA beantragt die Abweisung der Beschwerde, ohne sich weiter zur Sache
zu äussern. Das Bundesamt für Gesundheit verzichtet auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:

1.
Weil die angefochtene Entscheidung nach dem Datum des Inkrafttretens des
Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG, SR 173.110), dem 1. Januar 2007
(AS 2006, 1242) ergangen ist, untersteht die Beschwerde dem neuen Recht (Art.
132 Abs. 1 BGG).

2.
Streitig ist der Anspruch auf Leistungen der obligatorischen
Unfallversicherung aus dem Verkehrsunfall vom 14. Dezember 1999 über den
31. Januar 2005 hinaus.

Die für die Beurteilung massgeblichen Rechtsgrundlagen sind im angefochtenen
Entscheid, auf welchen verwiesen wird, zutreffend dargestellt. Es betrifft
dies namentlich den für einen Leistungsanspruch vorausgesetzten natürlichen
und adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem eingetretenen
Schaden im Allgemeinen (BGE 129 V 177 E. 3.1 und 3.2 S. 181) sowie bei
psychischen Fehlentwicklungen nach Unfall (BGE 115 V 133) und bei
Schleudertraumen der HWS ohne organisch objektiv ausgewiesene Unfallfolgen
(BGE 117 V 359; vgl. auch RKUV 2000 Nr. U 359 S. 29 und SVR 1995 UV Nr. 23 S.
67 zu den dem HWS-Schleudertrauma äquivalenten Verletzungsmechanismen) im
Besonderen mit den sich stellenden Beweisfragen. Zu ergänzen ist, dass für
die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs eine Teilursächlichkeit des
Unfalls genügt (BGE 123 V 43 E. 2b S. 45 mit Hinweis, 121 V 326 E. 2e S. 329
mit Hinweisen). An diesen Grundsätzen hat sich mit dem In-Kraft-Treten des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
am 1. Januar 2003 nichts geändert.

3.
Das kantonale Gericht hat zunächst erkannt, die bestehenden gesundheitlichen
Beeinträchtigungen liessen sich nicht mit einem organischen Substrat im Sinne
einer unfallbedingten strukturellen Veränderung erklären. Diese Beurteilung
beruht auf einer sorgfältigen Würdigung der medizinischen Akten und ist nicht
zu beanstanden. Soweit der Versicherte unter Hinweis auf das neurologische
Gutachten des Universitätsspitals X.________ (USX) vom 21. November 2002 (mit
Ergänzung vom 30. April 2003) und die fachärztliche Beurteilung des Prof. Dr.
med. N.________, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation, vom 12. August
2003 Abweichendes geltend machen lässt, kann ihm nicht gefolgt werden. Wie
die Vorinstanz richtig erkannt hat, ist mit den in diesen und den weiteren
medizinischen Akten erwähnten klinisch fassbaren Symptomen keine organisch
objektiv ausgewiesene Unfallfolge beschrieben, welche die persistierenden
Beschwerden zu erklären vermöchte. Zuverlässige Hinweise auf eine solche
Unfallfolge haben sich bei den zahlreichen, auch mit bildgebenden Verfahren
durchgeführten Untersuchungen nicht ergeben. Es fanden sich zwar
Veränderungen an der HWS. Diese sind indessen entweder (degenerativ bedingt)
vorbestehend oder deutlich nach dem Unfall vom 14. Dezember 1999 aufgetreten
und wurden mit Recht als unfallfremd beurteilt.

4.
4.1 Das kantonale Gericht hat im Weiteren erwogen, es sei zwar eine beim
Unfall vom 14. Dezember 1999 erlittene HWS-Distorsion diagnostiziert worden.
Dennoch könne nicht auf ein Schleudertrauma oder eine äquivalente Verletzung
der HWS geschlossen werden. Denn rechtsprechungsgemäss müsse das für
derartige Verletzungen typische bunte Beschwerdebild innerhalb von 24 bis 72
Stunden nach dem Unfall auftreten. Dies sei hier nicht der Fall, da zunächst
nur Nacken- und Kopfschmerzen bestanden hätten. Sei nicht von einer solchen
Verletzung auszugehen, fehle es an einem natürlichen Kausalzusammenhang
zwischen den bestehenden Beschwerden und dem Unfall. Der überdies
erforderliche adäquate Kausalzusammenhang sei daher nicht nach der
Schleudertrauma-Praxis, sondern gemäss den bei psychischen Fehlentwicklungen
nach Unfall geltenden Grundsätzen zu prüfen.

Zutreffend ist, dass der natürliche Kausalzusammenhang zwischen organisch
nicht (hinreichend) erklärbaren Beschwerden und einem Unfall in der Regel
bejaht wird, wenn ein HWS-Schleudertrauma (oder ein äquivalenter
Verletzungsmechanismus; RKUV 2000 Nr. U 359 S. 29; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67
E. 2) diagnostiziert ist und ein für diese Verletzung typisches
Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen,
Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche
Ermüdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression,
Wesensveränderungen usw. vorliegt (BGE 117 V 359 E. 4b S. 360). Ebenfalls
richtig ist, dass für die Annahme einer solchen Verletzung das Auftreten
bestimmten Beschwerden innerhalb von 24 bis höchstens 72 Stunden nach dem
Unfall vorausgesetzt wird. Entgegen dem angefochtenen Entscheid kann aber
nicht verlangt werden, dass innerhalb der umschriebenen Latenzzeit das
gesamte typische Beschwerdebild in Erscheinung tritt. Entsprechendes lässt
sich auch dem vom kantonalen Gericht hiezu erwähnten, in RKUV 2000 Nr. U 359
S. 29 veröffentlichten Entscheid des (damaligen) Eidgenössischen
Versicherungsgerichts (seit 1. Januar 2007: Bundesgericht) nicht entnehmen.
Verlangt wurde dort (einzig) das Auftreten von Beschwerden und medizinischen
Befunden in der Halsregion oder an der HWS innerhalb der genannten Latenzzeit
(RKUV 2000 Nr. U 359 S. 29 E. 5e). Diesen Grundsatz bestätigte das
Bundesgericht in einem jüngst ergangenen Urteil, indem bekräftigt wurde, dass
sich die Latenzzeit von maximal 72 Stunden auf Beschwerden in der Halsregion
und an der HWS und nicht auf die weiteren zum typischen Beschwerdebild eines
Schleudertraumas gehörenden Beschwerden bezieht (SVR 2007 UV Nr. 23 S. 75 E.
5 mit Hinweisen, U 215/05).

Vorliegend traten gleich nach dem Unfall unbestrittenermassen Beschwerden im
Nackenbereich auf, weshalb sich ein natürlich unfallkausales
HWS-Schleudertrauma resp. ein äquivalenter Verletzungsmechanismus nicht mit
der Begründung der mangelnden Beschwerden innerhalb der besagten Latenzzeit
verneinen lässt.

4.2 Die Diagnose einer beim Unfall erlittenen HWS-Distorsion ist ebenfalls
als gesichert zu betrachten. Die SUVA hat indessen bereits im
Einspracheentscheid vom 1. Juni 2005 die Auffassung vertreten, das bunte
Beschwerdebild sei nicht in genügender Ausprägung aufgetreten, um eine der
Verletzungen, welche der Schleudertrauma-Praxis zugrunde liegen, annehmen zu
können.

Aus den Akten ergibt sie hiezu Folgendes: Von den für typisch erachteten
Beschwerden werden in den ersten medizinischen Berichten nach dem Unfall
nebst Nackenbeschwerden Kopfschmerzen genannt. Gemäss Untersuchungsbericht
des Neurologen Dr. med. Z.________ vom 23. Mai 2000 gab der Versicherte
sodann an, er leide an einem "Trümmel", wenn er am Morgen zu rasch aufstehe,
sei bei Schmerzen vergesslicher geworden und werde auch vermehrt aggressiv.
Dr. med. Z.________ interpretierte zudem das Verhalten des Beschwerdeführers
als möglicherweise subdepressiv. Im kreisärztlichen Untersuchungsbericht vom
3. Juli 2000 wird ein gelegentlicher Schwindel erwähnt. Gemäss dem am 25.
August 2000 erstatteten Austrittsbericht der Rehaklinik E.________, in der
sich der Beschwerdeführer vom 19. Juli bis 16. August 2000 aufgehalten hatte,
bestanden nebst Nacken- und Kopfbeschwerden ein zeitweiliger lageunabhängiger
Schwankschwindel, Störungen des Frischzeitgedächtnisses und der Konzentration
sowie eine erhöhte Lärm- und Lichtempfindlichkeit; die neuropsychologische
Abklärung ergab leichte bis mittelschwere kognitive und affektive
Auffälligkeiten, die psychosomatische Abklärung eine Anpassungsstörung mit
depressiver Reaktion. Anlässlich der in der Folge durchgeführten
neurootologischen Untersuchungen konnten die subjektiven Schwindelbeschwerden
objektiviert werden. Es wurde deswegen eine Beschränkung auf sitzende
Arbeiten bestätigt (Untersuchungsbericht Dr. med. G.________, Abteilung
Arbeitsmedizin der SUVA, vom 18. Dezember 2000).

Zu den initialen Nackenschmerzen sind somit weite Teile des typischen bunten
Beschwerdebildes mit der hiefür üblichen Verstrickung somatischer und
psychischer Komponenten hinzugekommen. Unter diesen Umständen ist entgegen
der Vorinstanz davon auszugehen, dass der Versicherte beim Unfall vom
14. Dezember 1999 eine HWS-Verletzung erlitten hat, welche für die danach
aufgetretenen Beschwerden zumindest teilweise natürlich kausal ist und die
Anwendung der Schleudertrauma-Praxis bei der Adäquanzprüfung rechtfertigt.
Anders wäre allenfalls zu entscheiden, wenn die bestehende psychische
Problematik gegenüber den somatisch imponierenden Beschwerden schon kurz nach
dem Unfall resp. im gesamten Verlauf eindeutig dominiert hätte (BGE 123 V 98;
RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437, U 164/01, 2001 Nr. U 412 S. 79, U 96/00). Dies
trifft nach Lage der Akten nicht zu (vgl. unter anderem neurologisches
USX-Gutachten vom 21. November 2001). Die psychische Problematik kann zudem
nicht zuverlässig als ausserhalb der Symptome der Distorsionsverletzung
stehende, selbstständige sekundäre Gesundheitsschädigung betrachtet werden
(SVR 2007 UV Nr. 8 S. 27, U 277/04).

4.3 In Bezug auf die hier streitige Leistungspflicht ab 1. Februar 2005 ist
zunächst zu prüfen, ob sich hinsichtlich der natürlich kausalen Unfallfolgen
etwas Wesentliches geändert hat. Danach bestimmt sich namentlich auch, ob der
adäquate Kausalzusammenhang bei den persistierenden Beschwerden ebenfalls
nach der Schleudertrauma-Praxis zu prüfen ist.
Um dies zu verneinen, müsste mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein, dass der beim Unfall vom 14. Dezember
1999 erlittenen HWS-Distorsion keinerlei natürlich ursächliche Bedeutung mehr
für die noch bestehenden Beschwerden zukommt.

Dieser Nachweis ist aufgrund der Akten nicht erbracht. Zwar trat nebst den
vorbestandenen degenerativen Veränderungen an der HWS neu eine - mit
MRI-Untersuchung vom 24. April 2002 festgestellte - Herniation auf Höhe C3/C4
auf, welche ihrerseits für Beschwerden verantwortlich gemacht und am 12.
Februar 2004 erfolglos mittels einer Facettengelenkinfiltration behandelt
wurde. Sodann klang der Schwindel mit der Zeit weitgehend ab und konnte eine
fast vollständige Normalisierung der vestibulären Funktionsstörung
konstatiert werden (neurootologischer Untersuchungsbericht des Dr. med.
G.________ vom 11. Oktober 2002; neurologisches USX-Gutachten vom 21.
November 2002). Es kann aber trotz dieser Entwicklung nicht zuverlässig
gesagt werden, die beim Unfall erlittene HWS-Distorsion habe keine auch nur
teilursächliche Bedeutung mehr für die ab 1. Februar 2005 noch bestandenen
Beschwerden. Entsprechendes lässt sich auch nicht daraus ableiten, dass sich
die psychische Problematik insofern verschlimmert hat, als nunmehr von Angst
und depressive Störung gemischt bei Somatisierungstendenz mit
Chronifizierungsgefahr ausgegangen wird (Austrittsbericht der Rehaklinik
E.________ vom 27. Juni 2001 nach der erneuten Hospitalisation vom 30. April
bis 8. Juni 2001; Berichte der seit März 2001 behandelnden Psychiaterin vom
12. Juni und 20. November 2002 sowie 26. Oktober 2005).

Bleibt es nach dem Gesagten bei einer mindestens teilursächlichen Bedeutung
der beim Unfall vom 14. Dezember 1999 erlittenen HWS-Verletzung für die
persistierenden Beschwerden, beurteilt sich der adäquate Kausalzusammenhang
hiefür entgegen SUVA und Vorinstanz nach der Schleudertrauma-Praxis. Dies ist
insofern relevant, weil nach dieser Praxis, anders als im Falle einer
psychischen Fehlentwicklung nach Unfall, bei der Prüfung der abhängig von der
Unfallschwere in die Adäquanzbeurteilung einzubeziehenden unfallbezogenen
Kriterien auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen
Komponenten verzichtet wird, weil es hier nicht entscheidend ist, ob
Beschwerden eher als organischer und/oder psychischer Natur beurteilt werden
(BGE 117 V 359 E. 6a S. 367).

5.
Für die Adäquanzbeurteilung ist an das (objektiv erfassbare) Unfallereignis
anzuknüpfen (BGE 117 V 359 E. 6a S. 366 f.). Dieses ist aufgrund des
augenfälligen Geschehensablaufes im mittleren Bereich und hier eher im
Grenzbereich zu den leichten als zu den schweren Unfällen einzuordnen.

Von den weiteren, objektiv fassbaren und unmittelbar mit dem Unfall in
Zusammenhang stehenden oder als Folge davon erscheinenden Umständen, welche
als massgebende Kriterien in die Gesamtwürdigung einzubeziehen sind (BGE 117
V 359 E. 6a S. 367), müssten demnach für eine Bejahung des adäquaten
Kausalzusammenhanges entweder ein einzelnes in besonders ausgeprägter Weise
oder aber mehrere in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sein (BGE 117
V 359 E. 6b S. 367 f.).

Besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit
des Unfalls liegen nicht vor. Nicht gegeben ist auch das Kriterium der
Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen. Anders verhält es
sich beim Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung:
Aus den Akten ergibt sich, dass eine regelmässige und zielgerichtete
Behandlung unfallbedingter Beschwerden erfolgt ist, welche die bei
Schleudertraumen und äquivalenten Verletzungen der HWS üblichen zwei bis drei
Jahre Dauer (SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81, U 479/05, E. 8.3.3; RKUV 2005 Nr. U
549 S. 236, U 380/04, E. 5.2.4, je mit Hinweisen) deutlich übertrifft. Das
Kriterium ist daher erfüllt. Gleiches gilt mit Blick auf die über den
gesamten Zeitraum andauernden, intensiven Beschwerden für das Kriterium der
Dauerbeschwerden (SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81, U 479/05, E. 8.4; RKUV 2005 Nr. U
549 S. 236, U 380/04, E. 5.2.6). Das Kriterium von Grad und Dauer der
Arbeitsunfähigkeit kann aufgrund der ausgewiesenen mehrjährigen vollen
Beeinträchtigung, welche nur von kurzen und jeweils gesundheitsbedingt wieder
beendeten Arbeitsversuchen unterbrochen wurde, ebenfalls bejaht werden (vgl.
die in RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544, U 56/00, exemplarisch aufgeführten
Präjudizien). Da zumindest die Kriterien der Dauer der ärztlichen Behandlung
und der Dauerbeschwerden auch in ausgeprägter Weise vorliegen, ist der
adäquate Kausalzusammenhang zu bejahen, ohne dass die weiteren Kriterien
(ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen) noch geprüft
werden müssten. SUVA und Vorinstanz haben einen weiteren Leistungsanspruch
somit zu Unrecht mit der Begründung der fehlenden Kausalität verneint, was
zur Gutheissung der Beschwerde führt.

6.
Dem Prozessausgang entsprechend hat die SUVA die Gerichtskosten zu tragen
(Art. 66 Abs. 1 BGG; zur Kostenpflicht des Unfallversicherers: noch nicht in
der Amtlichen Sammlung veröffentlichtes Urteil 8C_158/2007 vom 13. November
2007, E. 5) und dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung auszurichten
(Art. 68 Abs. 1 und 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der Entscheid des Verwaltungsgerichts des
Kantons Luzern, Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, vom 3. Januar 2007
und der Einspracheentscheid der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt
(SUVA) vom 1. Juni 2005 werden aufgehoben.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt.

3.
Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 2500.- zu entschädigen.

4.
Die Sache wird zur Neuverlegung der Parteientschädigung des vorangegangenen
Verfahrens an das Verwaltungsgericht des Kantons Luzern,
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, zurückgewiesen.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Luzern,
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, und dem Bundesamt für Gesundheit
schriftlich mitgeteilt.

Luzern, 15. Januar 2008

Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

i.V. Leuzinger Lanz