Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.146/2008
Zurück zum Index II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 2008
Retour à l'indice II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 2008


Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
5A_146/2008/don

Urteil vom 11. April 2008
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichter Meyer, Bundesrichterin Hohl,
Gerichtsschreiber Schett.

Parteien
X.________,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Fürsprecher Patrick Lafranchi,

gegen
Kantonsgericht Freiburg.

Gegenstand
Unentgeltliche Rechtspflege in einem Arrestverfahren,

Beschwerde gegen das Urteil des Kantonsgerichts Freiburg, II.
Zivilappellationshof, vom 28. Januar 2008.

Sachverhalt:

A.
Mit Vertrag vom 24. Dezember 1991 überliess X.________ (im Folgenden:
Beschwerdeführer) seiner Ehefrau Y.________ schenkungshalber die Liegenschaft
Nr. xxx, GBl. Y.________ enterbte in ihrem Testament vom 2. MaI 2007 ihren
Ehemann unter Hinweis auf Art. 480 ZGB. Y.________ starb am 6. Mai 2007.
Am 18. Juli 2007 ersuchte die Bank A.________ den Zivilgerichtspräsidenten von
Z.________, die erwähnte Liegenschaft bis zum Betrag von Fr. 10'162'103.-- mit
Arrest zu belegen. Mit Urteil vom 19. Juli 2007 wies der Gerichtspräsident das
Arrestgesuch ab.

B.
Dagegen reichte die Bank A.________ am 3. August 2007 beim Kantonsgericht des
Kantons Freiburg (II. Zivilappellationshof) Berufung ein. Das Gesuch des
Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege im Berufungsverfahren wurde
vom Kantonsgericht am 15. November 2007 mangels Bedürftigkeit abgewiesen.
Mit Eingabe vom 13. Dezember 2007 hat der Beschwerdeführer ein neues Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege eingereicht. Mit Entscheid vom 28. Januar 2008 wies
das Kantonsgericht das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege vom 13. Dezember
ab.

C.
Mit Eingabe vom 4. März 2008 hat der Beschwerdeführer die Sache an das
Bundesgericht weitergezogen. Er beantragt, der angefochtene Entscheid sei
aufzuheben, und es sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen.
Letzteres Begehren stellt er auch für das bundesgerichtliche Verfahren.
Vernehmlassungen wurden nicht eingeholt.

Erwägungen:

1.
Der Entscheid betreffend die Verweigerung der unentgeltlichen Rechtspflege in
einem Verfahren nach Schuldbetreibung und Konkurs ist ein Zwischenentscheid in
einer Zivilsache gemäss Art. 72 Abs. 2 lit. a BGG (Urteil 5A_108/2007, E. 1.2),
der einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken kann (Art. 93 Abs. 1
lit. a BGG; BGE 129 I 129 E. 1.1). Das Begehren um unentgeltliche Rechtspflege
wird für ein Arrestverfahren im Sinne von Art. 271 ff. SchKG verlangt. Die
Beschwerde in Zivilsachen ist zulässig, sofern der Streitwert nach Art. 74 Abs.
1 lit. b BGG erreicht ist, was vorliegend offensichtlich zutrifft. Auf die
rechtzeitig (Art. 100 Abs. 1 BGG) gegen einen letztinstanzlichen Entscheid
(Art. 75 Abs. 1 BGG) eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten.

2.
Das Kantonsgericht hat sich bei der Ablehnung des Armenrechtsgesuchs auf Art. 2
Abs. 1 URPG und auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu Art. 29 Abs. 3 BV
gestützt und erwogen, dass das Begehren aussichtslos sei.

2.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, Art. 2 Abs. 1 URPG wiederhole das
verfassungsmässige Recht auf unentgeltliche Rechtspflege gemäss Art. 29 Abs. 3
BV, weshalb vorliegend einzig zu prüfen ist, ob der angefochtene Entscheid vor
der Verfassung Stand hält. Gemäss Art. 29 Abs. 3 BV hat jede Person, die nicht
über die erforderlichen Mittel verfügt, Anspruch auf unentgeltliche
Rechtspflege, wenn ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint; sie hat
auch Anspruch auf einen unentgeltlichen Rechtsbeistand, soweit es zur Wahrung
ihrer Rechte notwendig ist. Das Bundesgericht prüft frei, ob der durch die
Bundesverfassung garantierte Anspruch verletzt wurde, während seine Kognition
in Bezug auf die tatsächlichen Feststellungen der kantonalen Behörde auf
Willkür beschränkt ist (BGE 129 I 129 E. 2.1 S. 133).

2.2 Angesichts der heiklen Rechtsfragen, die sich im Arrestverfahren stellen
können, kann die unentgeltliche Rechtspflege in diesem Bereich nicht aus
Prinzip ausgeschlossen werden (Betrand Reeb, Les mesures provisoires dans la
procédure de poursuite, in: ZSR 1997 II, S. 481).
Im vorliegenden Fall ist zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer im
Berufungsverfahren, in welchem die Bank B.________ eine Arrestbewilligung zu
erreichen versucht, Erfolgschancen eingeräumt werden können.

3.
3.1 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind Rechtsbegehren
aussichtslos, bei denen die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die
Verlustgefahren und daher kaum als ernsthaft bezeichnet werden können.
Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel
verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde.
Ein Begehren gilt nicht als aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und
Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als
diese (BGE 129 I 129 E. 2.3.1 S. 135/136). Das ist nach den Verhältnissen zur
Zeit zu beurteilen, zu der das Gesuch gestellt wurde (BGE 129 I 129 E. 2.3.1 S.
136) und aufgrund einer bloss summarischen Prüfung (BGE 88 I 144 S. 145; vgl.
auch BGE 124 I 304 E. 4a S. 308/309 und 133 III 614 E. 5).

3.2 Nach Auffassung des Kantonsgerichts hat die Gläubigerin glaubhaft gemacht,
dass der Beschwerdeführer - wenigstens teilweise - einen Anspruch auf die
unverteilte Erbschaft (inklusive Liegenschaft GBl. Nr. xxx) seiner Ehefrau (im
Umfang seines Pflichtteils) verfüge, den er oder seine Gläubiger mittels
Herabsetzungsklage durchsetzen könnten (Art. 524 ZGB), da die (gänzliche)
Enterbung ungültig sei (Art. 480 ZGB). Die Vorinstanz hat festgestellt, dass
eine fällige und durch einen Verlustschein beurkundete Forderung vorliege. Des
Weitern sei nicht ersichtlich, dass die Forderung pfandgesichert wäre. Somit
erscheine das Rechtsbegehren des Gesuchstellers, der in der Hauptsache auf
Abweisung der Berufung und Bestätigung der Verweigerung des Arrest schliesse,
aussichtslos.

3.3 Gemäss Art. 272 Abs. 1 Ziff. 3 hat der Gläubiger glaubhaft zu machen, dass
Vermögensgegenstände vorhanden sind, die dem Schuldner gehören. Die zu
verarrestierenden Gegenstände müssen wirklich dem Schuldner gehören, weil
dieser prinzipiell nur Verpflichtungen mit Bezug auf Vermögenswerte eingehen
kann, die ihm gehören (BGE 105 III 107 E. 3 S. 112). Dennoch hat der
Gesetzgeber mit der Annahme von Art. 272 Abs. 1 Ziff. 3 SchKG gewollt, dass -
wie unter der Herrschaft des früheren Rechts - der Gläubiger Vermögenswerte im
Besitze eines Dritten verarrestieren kann, wenn er glaubhaft macht, dass diese
in Wirklichkeit dem Schuldner gehören. Dies ist insbesondere dann der Fall,
wenn der Dritte für vom Schuldner eingegangene Verpflichtungen verantwortlich
ist, weil er mit ihm eine wirtschaftliche Einheit bildet (principe de la
transparence; Durchgriff; vgl. BGE 126 III 95 E. 4a; 105 III 107 E. 3a S. 112;
102 III 365). Mit Bezug auf die Pfändung - oder Verarrestierung - eines auf den
Namen des Schuldners eingetragenen Grundstücks (Art. 10 VZG) hat das
Bundesgericht befunden, dass die verlangte Glaubhaftmachung des unrichtigen
Grundbucheintrags gemäss Art. 10 Abs. 1 Ziff. 3 VZG, und daraus folgend, dass
der Beweis, das Grundstück gehöre in Wirklichkeit dem Schuldner, in einem
weiten Sinne ausgelegt werden müsse (BGE 117 III 29 E. 3 S. 31; 114 III 88 E.
3a S. 90): Er ist namentlich dann gegeben, wenn der Schuldner eine Liegenschaft
veräussert hat, die nach den Umständen eine Rückerstattung gemäss Art. 285 ff.
SchKG rechtfertigt, wobei der Gläubiger nur die Anfechtbarkeit der Handlung
glaubhaft machen muss (BGE 114 III 88 E. 3a). Im vorliegenden Fall fehlt es von
vornherein an der einjährigen Verdachtsfrist des Art. 286 Abs. 1 SchKG, da der
Beschwerdeführer die Liegenschaft seiner Ehefrau bereits am 24. Dezember 1991
schenkungshalber übertragen hatte.
Jedoch kann im Rahmen der Prüfung der Erfolgsaussichten gleich vorgegangen
werden, wo der pflichtteilsberechtigte Erbe enterbt und damit sein den
Gläubigern als Sicherheit dienender Pflichtteil entzogen wurde, aber glaubhaft
gemacht wird, dass die Bedingungen für eine Enterbung nicht erfüllt sind (Art.
480 ZGB) und die Gläubiger mit einer Herabsetzungsklage gegen die begünstigten
Erben nach Art. 524 Abs. 2 ZGB Erfolg haben werden. Der Pflichtteil des
enterbten Erben kann nicht gepfändet werden, bevor über die von den Gläubigern
gegenüber dem Schuldner angestrengte Klage auf Ungültigkeit der Enterbung
entschieden worden ist, weil sonst Rechte derjenigen Gläubiger verletzt würden,
die im Besitze eines Verlustscheins sind (BGE 52 III 22 S. 24/25); dem steht
jedoch nicht entgegen, dass der Pflichtteil verarrestiert wird, räumt doch der
Arrest dem Arrestgläubiger kein Vorrecht ein und verhindert nicht, dass die
Vermögenswerte anderer Gläubiger gepfändet oder verarrestiert werden (Art. 281
Abs. 1 und 3 SchKG; BGE 116 III 111 E. 3a und b). Denn der Arrest ist eine
dringliche Sicherungsmassnahme mit dem Zweck, zu verhindern, dass der Schuldner
seine Vermögenswerte in der hängigen oder künftigen Betreibung seinem Gläubiger
entzieht (BGE 116 III 111 E. 3a; 107 III 33 E. 2). Der Richter entscheidet
aufgrund blosser Glaubhaftmachung der Tatsachen; er hat die Frage nicht
definitiv zu beurteilen, wer Inhaber der Vermögenswerte ist, für welche der
Arrest begehrt worden ist.
Daraus folgt, dass die Auffassung des Kantonsgerichts nicht zu beanstanden ist,
aufgrund der Vorbringen des Gesuchstellers fehlten die Erfolgsaussichten, habe
er doch bezüglich der unverteilten Erbschaft seiner Ehefrau und namentlich auch
der Liegenschaft zumindest Anspruch auf seinen Pflichtteil. Der
Beschwerdeführer stellt übrigens nicht in Frage, dass die Bedingungen für eine
Enterbung nicht erfüllt seien. Er führt lediglich aus, mit der Annahme, der
Beschwerdeführer habe zumindest Anspruch auf den Pflichtteil, habe die
Vorinstanz den erbrechtlichen Grundsatz des favor testamenti verletzt. Dabei
übersieht er jedoch, dass sein Gläubiger die Herabsetzung verlangen kann, wenn
er selbst auf eine Anfechtung verzichtet (Art. 524 Abs. 2 ZGB). Mit dem
Hinweis, seine Erbberechtigung sei ungewiss, räumt er selbst ein, dass eine
Herabsetzung möglich sein könnte. Dass die Schlussfolgerung der Vorinstanz auf
einer "Prognose" mit Bezug auf den Prozessausgang beruht und nicht auf der
Glaubhaftmachung einer Tatsache, ist nicht zu beanstanden.

3.4 Hält der angefochtene Entscheid, dass die Erfolgsaussichten für das
Berufungsverfahren als gering angesehen werden müssen, vor der Verfassung Stand
(Art. 29 Abs. 3 BV), ist die Frage, ob der Beschwerdeführer auch bedürftig im
Sinne dieser Bestimmung sei, nicht zu prüfen.

4.
Nach dem Ausgeführten muss die Beschwerde abgewiesen werden. Der
Beschwerdeführer hat für das bundesgerichtliche Verfahren das Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege gestellt. Dem Begehren kann nicht entsprochen
werden, da die Beschwerde von vornherein keine Aussicht auf Erfolg haben konnte
(Art. 64 Abs. 1 BGG). Der Beschwerdeführer wird daher kostenpflichtig (Art. 66
Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 800.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht Freiburg, II.
Zivilappellationshof, schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 11. April 2008
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Raselli Schett