Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.20/2008
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 1/2}
5A_20/2008/don

Urteil vom 30. September 2008
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichterin Escher, Bundesrichterin Hohl, Bundesrichter Marazzi,
Bundesrichterin Jacquemoud-Rossari,
Gerichtsschreiber Levante.

Parteien
SAirLines in Nachlassliquidation,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch die Liquidatoren Karl Wüthrich und Dr. Roger Giroud,

gegen

1. Staat Belgien, vertreten durch Bruno Tuybens, Secrétaire d'Etat des
Entreprises publiques, Adjoint au Ministre du Budget,
2. Société Fédérale de Participations et d'Investissement SA,
3. S.A. Zephyr-Fin,
Beschwerdegegner,
alle drei vertreten durch Rechtsanwälte Dr. Michel Haymann und Dr. Peter Baldi.

Gegenstand
Kollokation/Sistierung,

Beschwerde gegen den Beschluss des Kassations-
gericht des Kantons Zürich vom 15. November 2007 und den Beschluss des
Obergericht des Kantons Zürich vom 2. März 2007.

Sachverhalt:

A.
Am 8. August 2006 erhoben der Staat Belgien, die Société Fédérale de
Participations et d'Investissement SA und die S.A. Zephyr-Fin (Kläger) beim
Bezirksgericht Zürich, Einzelrichter im beschleunigten Verfahren, Klage gemäss
Art. 250 Abs. 1 SchKG gegen die Masse der SAirLines in Nachlassliquidation
(Beklagte) und verlangten die Kollokation von verschiedenen Forderungen (als
Schadenersatz u.a. für Vertragsverletzungen). Die Kläger stellten u.a. den
Antrag, die Kollokationsklage sei bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen
Urteils der Cour d'Appel de Bruxelles zu sistieren. Mit Verfügung vom 29.
September 2006 sistierte der Einzelrichter den Kollokationsprozess.

B.
Gegen die Verfügung des Einzelrichters rekurrierte die Beklagte an das
Obergericht des Kantons Zürich mit dem Antrag, die Sistierung sei aufzuheben.
Mit Beschluss vom 2. März 2007 wies das Obergericht den Rekurs ab. Die Beklagte
focht den Beschluss des Obergerichts beim Kassationsgericht des Kantons Zürich
an, welches die Nichtigkeitsbeschwerde mit Zirkulationsbeschluss vom 15.
November 2007 abwies.

C.
Mit Eingabe vom 7. Januar 2008 führt die Beklagte (Beschwerdeführerin)
Beschwerde in Zivilsachen gegen die Beschlüsse des Kassationsgerichts und des
Obergerichts. Sie beantragt dem Bundesgericht, die beiden Beschlüsse und die
auf Antrag der Kläger (Beschwerdegegner) ergangene Sistierung des
Kollokationsprozesses seien aufzuheben.
Die Beschwerdegegner beantragen die Abweisung bzw. das Nichteintreten auf die
Beschwerden. Das Kassationsgericht und das Obergericht haben auf eine
Stellungnahme verzichtet.

Erwägungen:

1.
1.1 Angefochten ist ein Entscheid des Kassationsgerichts als letzter kantonaler
Instanz über eine Ansprüche des Bundeszivilrechts betreffende Kollokationsklage
im Nachlassvertrag mit Vermögensabtretung (Art. 321 Abs. 1 i.V.m. Art. 250 Abs.
1 SchKG). Dieser Entscheid unterliegt der Beschwerde in Zivilsachen (Art. 72
ff. BGG). Soweit die Beschwerdeführerin Rügen vorbringt, welche das
Kassationsgericht nicht oder mit engerer Kognition als das Bundesgericht
geprüft hat, ist die Anfechtung des Beschlusses des Obergerichts möglich (Art.
100 Abs. 6 BGG); insoweit sind die Rügen gegen den obergerichtlichen Beschluss
umfassend zu prüfen.

1.2 Im Kollokationsprozess ergibt sich der Streitwert aus der Differenz
zwischen der Dividende nach der angefochtenen und der beanspruchten Kollokation
(BGE 82 III 94 S. 95). Nach den Angaben in den angefochtenen Entscheiden liegt
die mutmasslich zu erwartende Dividende bei mindestens 0,4 %, d.h. im Fall,
dass alle noch strittigen Forderungen im Kollokationsplan anerkannt würden,
entfielen auf die Forderungen der Beschwerdegegner ca. 3 Mio. Franken. Das
Streitwerterfordernis ist damit erfüllt (Art. 74 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 51
Abs. 1 lit. c BGG).

1.3 Bei den angefochtenen Beschlüssen handelt es sich nicht um das Verfahren
abschliessende Entscheide (Art. 90 BGG), sondern um Zwischenentscheide i.S.v.
Art. 93 BGG, gegen welche die Beschwerde in Zivilsachen - abgesehen vom hier
nicht gegebenen Ausnahmefall gemäss Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG - nur zulässig
ist, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art.
93 Abs. 1 lit. a BGG). Für den Begriff des nicht wieder gutzumachenden
Nachteils ist Art. 87 Abs. 2 OG und die hierzu ergangene Rechtsprechung
heranzuziehen (BGE 133 III 629 E. 2.3 S. 632). Danach ist bei einer Beschwerde
gegen die Suspendierung eines Verfahrens vom Erfordernis eines weiteren, nicht
wieder gutzumachenden Nachteils abzusehen, wenn - wie hier - eine
ungerechtfertigte Verfahrensverzögerung bzw. Rechtsverweigerung geltend gemacht
wird (BGE 120 III 144 E. 1b S. 144). Die Beschlüsse des Kassations- und
Obergerichts können daher mit Beschwerde in Zivilsachen grundsätzlich
angefochten werden.

1.4 Entscheide über die Einstellung des Verfahrens stellen nicht zwangsläufig
vorsorgliche Massnahmen im Sinne von Art. 98 BGG dar. Mit der Suspendierung des
Verfahrens aus dem Grund, dass das belgische Urteil verbindlich für Vorfragen
des Kollokationsurteils sei, haben die kantonalen Instanzen im Grunde keine
bloss prozessuale Massnahme getroffen (vgl. Botschaft zum BGG, BBl 2001 4336
Ziff. 4.1.4.2), sondern wird über die materielle Rechtskraft entschieden (vgl.
BGE 126 III 327 E. 1c S. 329). Es rechtfertigt sich daher, die vorliegende
Verfahrenseinstellung als definitive und nicht als vorsorgliche Massnahme im
Sinne von Art. 98 BGG zu betrachten.

1.5 Mit der Beschwerde nach Art. 72 ff. BGG kann u.a. die Verletzung von
Bundesrecht und Völkerrecht gerügt werden (Art. 95 BGG). Soweit die Vorbringen
der Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegner im von den kantonalen Instanzen
verbindlich festgestellten Sachverhalt keine Stütze finden (Art. 105 Abs. 1
BGG), kann darauf nicht eingetreten werden. Die Feststellung des Sachverhalts
kann nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer
Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht und die Behebung des Mangels
für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1 BGG).
Dabei bedeutet "offensichtlich unrichtig" willkürlich (BGE 133 II 249 E. 1.2.2
S. 252).

1.6 In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, inwiefern der
angefochtene Akt Recht verletzt (Art. 42 Abs. 2 BGG). Die Verletzung von
Grundrechten und kantonalem Recht prüft das Bundesgericht nur insofern, als
eine solche Rüge in der Beschwerde vorgebracht und begründet worden ist (Art.
106 Abs. 2 BGG; BGE 133 III 638 E. 2 S. 639).

2.
Das Obergericht hat die Frage der Sistierung zunächst unter staatsvertraglichen
Aspekten geprüft und ist dabei zum Schluss gelangt, dass Art. 22 LugÜ nicht
unmittelbar zur Anwendung komme. Zur Begründung hielt es fest, die im Sinne von
Art. 22 LugÜ zusammenhängenden Verfahren müssten als solche sachlich in den
Anwendungsbereich des LugÜ fallen, was für die Kollokationsklage nicht
zutreffe. Demzufolge hat das Obergericht die Frage der Sistierung
ausschliesslich nach dem kantonalen Prozessrecht geprüft. Es hat gefolgert, die
Voraussetzungen einer Sistierung des Kollokationsprozesses gemäss § 53a ZPO/ZH
seien erfüllt. Das Kassationsgericht ist im Wesentlichen von der Begründung des
Obergerichts ausgegangen und ebenfalls zum Ergebnis gelangt, dass vor dem
Hintergrund des laufenden belgischen Zivilverfahrens zureichende Gründe im
Sinne von § 53a ZOP/ZH bestehen, um den Kollokationsprozess zu sistieren.

3.
Die Forderungen, welche im von den Beschwerdegegnern angehobenen
Kollokationsprozess zur Diskussion stehen, sind Gegenstand eines in Belgien
hängigen Prozesses, welcher am 3. Juli 2001 - schon vor der Bewilligung der
provisorischen Nachlassstundung über die SAirLines vom 5. Oktober 2001 -
eingeleitet worden ist. Beim Nachlassvertrag mit Vermögensabtretung gelten für
die Kollokation der Gläubiger die Vorschriften des Konkursverfahrens (Art. 321
Abs. 2 SchKG). Umstritten ist, ob der Kollokationsrichter den
Kollokationsprozess im Hinblick auf den Ausgang des Zivilprozesses in Belgien
sistieren darf.

3.1 Die kantonalen Instanzen haben die Sistierung auf § 53a ZPO/ZH gestützt,
wonach ein Verfahren aus zureichenden Gründen eingestellt werden kann. Nach der
kantonalen Praxis ist ein zureichender Grund für die einstweilige
Verfahrenseinstellung schon dann gegeben, wenn der Ausgang eines Verfahrens
voraussichtlich eine bedeutende Vereinfachung des Verfahrens bringt (Frank/
Sträuli/Messmer, Kommentar zur zürcherischen Zivilprozessordnung, 3. Aufl.
1997, N. 2 zu § 53a); es genügen Gründe der Zweckmässigkeit (ZR 1985 Nr. 48 S.
121).

3.2 Die Beschwerdeführerin rügt zunächst, dass eine Sistierung des
Kollokationsprozesses mit den bundesrechtlichen Bestimmungen über das
beschleunigte Verfahren nicht vereinbar sei bzw. die Anwendung von § 53a ZPO/ZH
gegen den Vorrang des Bundesrechts (Art. 49 Abs. 1 BV) verstosse. Das
Kassationsgericht hat eine Verletzung von Art. 25 Ziff. 1 SchKG frei geprüft,
auch wenn es die Zulässigkeit der Rüge offen gelassen hat. Es hat festgehalten,
dass Art. 25 Ziff. 1 SchKG die Behandlung des Kollokationsstreites im
beschleunigten Verfahren vorschreibe, indessen daraus kein Verbot der
Sistierung des Kollokationsprozesses abgeleitet werden könne.

Der Kollokationsprozess ist im beschleunigten Verfahren zu führen (Art. 250
Abs. 3 SchKG). Art. 25 Ziff. 1 SchKG setzt den Rahmen für die kantonale
Prozessgesetzgebung, wonach die Parteien auf kurze Frist zu laden sind. Zudem
soll der Prozess - im Sinne einer Ordnungsvorschrift - binnen sechs Monaten
seit Anhebung der Klage durch Haupturteil der letzten kantonalen Instanz
erledigt sein (Brunner/Reutter, Kollokations- und Widerspruchsklagen nach
SchKG, 2. Aufl. Bern 2002, S. 52). Daraus kann - wie das Kassationsgericht zu
Recht erwogen hat - nicht abgeleitet werden, dass Art. 25 Ziff. 1 SchKG die
Sistierung eines Prozesses ausschliesse, wenn das kantonale Recht mit Bezug auf
die Prozessleitung keine weiteren Anordnungen trifft. Nach der ZPO/ZH kommen in
Bezug auf die Prozessleitung vollumfänglich die Bestimmungen des ordentlichen
Verfahrens zur Anwendung (BRUNNER/REUTTER, a.a.O., S. 53), mithin auch § 53a
ZPO/ZH betreffend die Sistierung von Verfahren. Insofern ist die Beschwerde
unbegründet.

3.3 Die Beschwerdeführerin wirft den kantonalen Instanzen weiter
Rechtsverzögerung im Sinne von Art. 29 Abs. 1 BV vor, weil sie zu Unrecht eine
in materiellrechtlicher Hinsicht präjudizierende Wirkung des endgültigen
belgischen Urteils annehmen und insoweit in unzulässiger Weise einen Grund zur
Sistierung des Kollokationsprozess sehen. Das Obergericht ist in der Tat davon
ausgegangen, dass das eigentliche Kollokationsverfahren erst durchgeführt
werde, wenn das bereits pendente Zivilverfahren beendet sei. Das
Kassationsgericht hat die Zulässigkeit der Sistierung mit Bezug auf Art. 207
SchKG und Art. 63 KOV geprüft und festgehalten, dass nicht einzusehen sei,
weshalb ein rechtskräftiges, anerkennungsfähiges ausländisches Urteil
hinsichtlich einer Konkursforderung in materieller Hinsicht für den hiesigen
Kollokationsrichter nicht ebenso verbindlich sein sollte wie das Urteil eines
schweizerischen Zivilrichters.
3.3.1 Das Kassationsgericht verkennt (wie das Obergericht), dass nach Ausbruch
des Zwangsvollstreckungsverfahrens nicht der Zivilrichter mit Bezug auf die
Kollokation verbindlich über einen noch im Prozess liegenden Anspruch
entscheidet. Ein im Zeitpunkt der Konkurseröffnung hängiger Prozess über
Kollokationsforderungen wird im Fall, dass der Prozess fortgeführt wird (Art.
63 Abs. 3 KOV), zum Kollokationsprozess gemäss Art. 250 SchKG, mithin der
Zivilrichter zum Kollokationsrichter und das Urteil zum Kollokationsurteil (BGE
133 III 386 E. 4.1 S. 388 mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung ist Art. 63
KOV, der wohl der Prozessökonomie dient, aber seine gesetzliche Grundlage in
Art. 207 SchKG hat, auf im Ausland hängige Prozesse grundsätzlich nicht
anwendbar (BGE 130 III 769 E. 3.2.3 S. 773, mit Hinweis auf die gegensätzlichen
Lehrmeinungen in E. 3.2.1); sodann wurde die Vormerkung streitiger Forderungen
im Kollokationsplan beim in Belgien hängigen Prozess verneint (BGE 133 III
386). Die Überlegung des Kassationsgerichts läuft indessen darauf hinaus, dass
der belgische Richter für den schweizerischen Kollokationsrichter verbindlich
über den Bestand der Forderung entscheiden könne.
3.3.2 Die Beschwerdeführerin bestreitet diese Verbindlichkeit zu Recht. Wenn
die Forderung nicht pro memoria vorgemerkt bzw. vormerkbar ist, so kommt es,
was die Teilnahme der Forderung im schweizerischen Konkurs betrifft, einzig auf
den Ausgang eines allfälligen Kollokationsprozesses und nicht auf denjenigen
des pendenten Auslandprozesses an (Hierholzer, in: Basler Kommentar zum
Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs, N. 76 zu Art. 247). Zu diesem
Ergebnis ist das Bundesgericht in BGE 130 III 769 gelangt, wenn es (in E. 3.2
S. 774) festgehalten hat, dass die Hängigkeit des ausländischen Prozesses weder
die hoheitliche Kompetenz der schweizerischen Konkursverwaltung (Art. 245
SchKG) zu beschneiden, noch deren Kollokationsverfügung der Anfechtung vor dem
schweizerischen Kollokationsrichter zu entziehen vermag, zumal der belgische
Richter gemäss Sachverhaltsfeststellungen keine Einstellung des Prozesses
vorgenommen hat bzw. sich (erwartungsgemäss) nicht dem schweizerischen
Konkursrecht unterzogen hat (Hierholzer, a.a.O., N. 76 zu Art. 247). Folglich
gilt für den Kollokationsstreit (BGE 133 III 386 E. 4.3.3 S. 390) wie für
andere betreibungsrechtlichen Zwischenstreitigkeiten in einem in der Schweiz
durchgeführten Zwangsvollstreckungsverfahren, dass alle in dessen Verlauf
auftauchenden, mit ihm zusammenhängenden Rechtsfragen im Streitfall
ausschliesslich von den in der Schweiz örtlich zuständigen Behörden
(Aufsichtsbehörden und Gerichte) zu beurteilen sind (Amonn, Zur Frage des
Gerichtsstandes für die paulianische Anfechtung, in: Festschrift Walder, Zürich
1994, S. 431 f., mit Bezug auf den Kollokationsstreit).
3.3.3 Weiter wendet die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang ein, das
Kassationsgericht habe die Frage, ob das belgische Urteil in der Schweiz
anerkannt werden könne, übergangen. In der Lehre wird darauf hingewiesen, dass
aus schweizerischer Sicht - wie erwähnt (E. 3.3.1) - ein nach Ausbruch des
Zwangsvollstreckungsverfahrens fortgeführter Prozess zum Kollokationsprozess
gemäss Art. 250 SchKG und das Urteil zum Kollokationsurteil wird, dessen
Anerkennung jedoch in Frage steht (BRACONI, La collocation des créances en
droit international suisse de la faillite, Diss. Zürich 2005, S. 151). Die
Anerkennbarkeit eines ausländischen Urteils als Kollokationsurteil muss in der
Tat verneint werden (vgl. D. STAEHELIN, Die Anerkennung ausländischer Konkurse
und Nachlassverträge in der Schweiz [Art. 166 ff. IPRG], Diss. Basel 1989, S.
162). Mit Bezug auf das Lugano-Übereinkommen ergibt sich aus dem
Territorialitätsprinzip, dass der Richter in der Schweiz für die
Kollokationsklage - wegen der verfahrens- bzw. vollstreckungsrechtlichen Natur
der Auseinandersetzung - international zwingend zuständig ist (BGE 133 III 386
E. 4.3.2 und 4.3.3 S. 389 ff. mit Hinweisen; vgl. Jaques, in: Commentaire
Romand, Poursuite et faillite, N. 26 zu Art. 250; Amonn, a.a.O., mit Bezugnahme
auf den Kollokationsstreit sowie das LugÜ). Das Abkommen zwischen der Schweiz
und Belgien über die Anerkennung und Vollstreckung von gerichtlichen
Entscheidungen und Schiedssprüchen vom 29. April 1959 (SR 0.276.191.721) ist
nicht anwendbar auf Entscheidungen in "Konkurs- und Nachlassvertragssachen"
(Art. 1 Abs. 2 des Abkommens). Darunter fallen Entscheidungen, welche - wie
Kollokationsurteile - in ihrer rechtlichen Wirksamkeit auf das hängige
Vollstreckungsverfahren beschränkt bleiben (BGE 129 III 681 E. 4.2 S. 686,
betreffend den gleichlautenden Ausschluss in den meisten bilateralen
Anerkennungs- und Vollstreckungsverträgen). Schliesslich fällt die Anerkennung
nach den allgemeinen Bestimmungen gemäss Art. 25 ff. IPRG ausser Betracht, weil
diese nur für Zivilsachen gelten; dazu gehören betreibungsrechtliche
Streitigkeiten mit Reflexwirkungen auf das materielle Recht (wie
Kollokationssachen) nicht, da sie vollstreckungsrechtlicher Natur sind (BGE 129
III 683 E. 5.2 S. 687).
3.3.4 Entgegen der Auffassung der kantonalen Instanzen ist demnach mangels
einer gesetzlichen Grundlage das in Belgien ergehende Urteil hinsichtlich der
Konkursforderungen in materieller Hinsicht für den schweizerischen
Kollokationsrichter nicht verbindlich. Insoweit kann es für die Sistierung des
Kollokationsprozesses nicht ausschlaggebend sein.

3.4 Nach kantonalem Recht (§ 53a ZPO/ZH) setzt die Sistierung allerdings nicht
voraus, dass der Ausgang des einen Verfahrens von der Anerkennung des Urteils
eines anderen Verfahrens bzw. hier der Ausgang des Kollokationsverfahrens von
der Anerkennung des belgischen Entscheides abhängig ist. Der
Kollokationsrichter hat - dies ergibt sich bereits aus seiner
Prozessleitungsbefugnis - grundsätzlich das Recht, den Kollokationsprozess
auszusetzen, um den Ausgang eines anderen Verfahrens abzuwarten, das für die
Beurteilung des Streitgegenstandes Material liefern könnte (vgl. HABSCHEID,
Schweizerisches Zivilprozess- und Gerichtsorganisationsrecht, 2. Aufl. Basel
1990, Rz. 152, betreffend Zivilprozess und Strafverfahren). Im Fall, in dem der
Zivilrichter an die Beurteilung von Vorfragen durch einen anderen Richter (wie
den Strafrichter) nicht gebunden ist, bleibt die Sistierung zwar möglich,
jedoch wird sie auf seltenste Ausnahmen beschränkt (FRANK/STRÄULI/ MESSMER,
a.a.O., sowie Ergänzungsband, N. 3 ff. zu § 53). Ebenso gilt nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts, dass die Einstellung eines Verfahrens die
Ausnahme sein soll und demzufolge im Zweifelsfall das verfassungsmässige
Beschleunigungsgebot (Art. 29 Abs. 1 BV) entgegenstehenden Interessen vorgeht
(Urteil 1P.178/1995 vom 28. Juli 1995, E. 2, Pra 1996 Nr. 141 S. 471). Dieses
Interesse wird von der Beschwerdeführerin in Bezug auf die vorliegende
Sistierung in Frage gestellt und ist im Folgenden zu prüfen.
3.4.1 Das Kassationsgericht hat in diesem Zusammenhang (wie das Obergericht)
festgehalten, dass der in Belgien bereits vor zweiter Instanz pendente
Zivilprozess aller Voraussicht nach rascher erledigt sein dürfte als der hier
vor erster Instanz im Anfangsstadium hängige Kollokationsprozess. Im Weiteren
gehe es bei der Beurteilung des Bestandes der Forderungen um die Anwendung
belgischen Rechts, was bei Verfahren in komplexen Fällen besonders aufwändig
sei; zudem sei bei den belgischen Gerichten erhöhte Beweisnähe gegeben.
3.4.2 Die Beschwerdeführerin rügt zu Recht, dass diese Umstände die Sistierung
nicht zu rechtfertigen vermögen. Die Anwendung belgischen Rechts in - wie hier
vorliegenden - komplexen Verhältnissen kann zwar für die Sistierung sprechen.
Ebenso könnten die Beweismittel aus dem belgischen Verfahren den
Kollokationsprozess vereinfachen. Allerdings ändert die Annahme, dass der
belgische Prozess wohl früher als das Kollokationsverfahren in der Schweiz
beendet sein werde, nichts daran, dass in Belgien bis zur Durchführung der
Hauptverhandlung, Verkündung des zweitinstanzlichen Urteils und dessen
Ausfertigung noch viele Monate, wenn nicht Jahre vergehen dürften, insbesondere
wenn es zu einem Rechtsmittelverfahren vor dem belgischen Höchstgericht kommen
sollte. Gegen die Sistierung zum gegenwärtigen Zeitpunkt spricht im Weiteren,
dass der Kollokationsrichter materielle SchKG-Bestimmungen (wie Ansprüche aus
Art. 285 ff. SchKG, welche einredeweise vorgebracht werden können) anzuwenden
hat (Brunner/Reutter, a.a.O., S. 62). Es ist nicht ausgeschlossen, dass der
Kollokationsrichter zuerst prüft, ob die Anwendung von materiellen
SchKG-Bestimmungen zur gänzlichen oder teilweisen Abweisung der
Kollokationsklage führt. Ist dies der Fall, könnte er die Klage vollständig
oder durch Teilurteil abweisen. Ob die Berufung auf materielle
SchKG-Bestimmungen erfolgreich ist, ist nicht jetzt zu entscheiden. Vor diesem
Hintergrund ist mit dem Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Beurteilung
der Streitsache innert angemessener Frist (Art. 29 Abs. 1 BV) nicht vereinbar,
den Kollokationsprozess für viele Monate, eventuell Jahre einzustellen. Die
Beschwerde gegen die Beschlüsse, mit welchem die Sistierung bestätigt wurde,
ist begründet.

4.
Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde gutzuheissen. Bei diesem
Verfahrensausgang werden die Beschwerdegegner gemeinsam kostenpflichtig (Art.
66 Abs. 1 und 5 BGG). Dagegen schulden sie der nicht anwaltlich vertretenen
Beschwerdeführerin keine Parteientschädigung (Art. 68 Abs. 1 BGG; BGE 125 II
518 E. 5b S. 519 f.).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde in Zivilsachen wird gutgeheissen. Der Beschluss des
Kassationsgerichts des Kantons Zürich vom 15. November 2007 und der Beschluss
des Obergerichts des Kantons Zürich vom 2. März 2007 werden aufgehoben. Die
einstweilige Sistierung des Kollokationsprozesses wird aufgehoben.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 10'000.-- werden den Beschwerdegegnern gemeinsam
auferlegt.

3.
Eine Parteientschädigung ist nicht zu sprechen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kassationsgericht des Kantons Zürich
sowie dem Obergericht des Kantons Zürich schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 30. September 2008
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Raselli Levante