Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.277/2008
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
5A_277/2008/bnm

Urteil vom 21. Oktober 2008
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichterin Escher, Bundesrichterin Hohl,
Bundesrichter Marazzi,
Bundesrichterin Jacquemoud-Rossari
Gerichtsschreiberin Gut.

Parteien
X.________ AG,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Benno P. Hafner,

gegen

Z.________ AG,
Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Fürsprecher Hans Ulrich Kobel,

Konkursamt A.________.

Gegenstand
Konkurseröffnung ohne vorgängige Betreibung,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Zug, Justizkommission,
vom 18. April 2008.

Sachverhalt:

A.
Die Z.________ AG klagte am 25. Mai 2007 beim Kantonsgericht Zug gegen die
X.________ AG und verlangte die Bezahlung von Fr. 37'448.10 zuzüglich Zinsen.

B.
B.a Am 8. Februar 2008 eröffnete der Einzelrichter des Kantonsgerichts Zug über
die X.________ AG auf entsprechendes Begehren der Z.________ AG gestützt auf
Art. 190 Abs. 1 Ziff. 1 SchKG ohne vorgängige Betreibung den Konkurs.
B.b Gegen die Konkurseröffnung erhob die X.________ AG am 21. Februar 2008
Beschwerde bei der Justizkommission des Obergerichts des Kantons Zug und
verlangte gestützt auf Art. 194 Abs. 1 i.V.m. Art. 174 Abs. 2 Ziff. 2 SchKG die
Aufhebung der Konkurseröffnung. Zudem beantragte sie die Erteilung der
Suspensivwirkung der Beschwerde und eventualiter eine Fristansetzung, um ihre
Beschwerdeschrift mit Ausführungen zum Konkursgrund gemäss Art. 190 Abs. 1
Ziff. 1 SchKG zu ergänzen.

Mit Präsidialverfügung vom 25. Februar 2008 wurde der Beschwerde die
aufschiebende Wirkung zuerkannt.

Am 18. April 2008 hat die Justizkommission des Obergerichts die Beschwerde
abgewiesen und das Datum der Konkurseröffnung neu auf den 18. April 2008
festgesetzt.

C.
C.a Die X.________ AG (fortan: Beschwerdeführerin) ist am 29. April 2008 mit
Beschwerde in Zivilsachen an das Bundesgericht gelangt. Sie rügt eine
Verletzung von Art. 174 Abs. 2 Ziff. 2 SchKG und beantragt die Aufhebung des
obergerichtlichen Urteils und der Konkurseröffnung. Eventualiter sei die Sache
zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zudem stellt sie den
prozessualen Antrag, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu
erteilen.
C.b Mit Präsidialverfügung vom 15. Mai 2008 hat der Präsident der II.
zivilrechtlichen Abteilung der Beschwerde die aufschiebende Wirkung gewährt.

C.c Die X.________ AG (fortan: Beschwerdegegnerin) schliesst in ihrer
Vernehmlassung auf Abweisung der Beschwerde.

Die Justizkommission des Obergerichts stellt Antrag auf Abweisung der
Beschwerde unter Hinweis auf den angefochtenen Entscheid.

Erwägungen:

1.
1.1 Gegen ein letztinstanzlich ergangenes Konkurserkenntnis ist die Beschwerde
in Zivilsachen ohne Bindung an einen Streitwert gegeben (Art. 72 Abs. 2 lit. a,
Art. 74 Abs. 2 lit. d, Art. 75 Abs. 1 BGG; BGE 133 III 687 E. 1.2 S. 689).

1.2 Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die
Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Neue Tatsachen und
Beweismittel dürfen nur so weit vorgebracht werden, als erst der angefochtene
Entscheid dazu Anlass gibt (Art. 99 Abs. 1 BGG). In der Beschwerde ist
darzutun, inwiefern die erwähnte Voraussetzung für das nachträgliche Vorbringen
von Tatsachen und Beweismitteln erfüllt sein soll. Die blosse Behauptung, erst
der angefochtene Entscheid habe Anlass zur Nachreichung von Dokumenten gegeben,
ist dabei unzureichend (BGE 133 III 393 E. 3 S. 395).

2.
Über die Beschwerdeführerin wurde der Konkurs eröffnet, weil sie "betrügerische
Handlungen zum Nachteil der Gläubiger begangen oder zu begehen versucht" haben
soll (Art. 190 Abs. 1 Ziff. 1 SchKG). Eine derartige, ohne vorgängige
Betreibung erfolgte Konkurseröffnung unterliegt der Weiterziehung im Sinne von
Art. 174 SchKG (Art. 194 Abs. 1 SchKG; Urteil 5P.80/2005 vom 15. April 2005 E.
3.2).

Der Entscheid des Konkursgerichts kann gemäss Art. 174 Abs. 1 SchKG innert zehn
Tagen nach seiner Eröffnung an das obere Gericht weitergezogen werden. Die
Parteien können dabei neue Tatsachen geltend machen, wenn diese vor dem
erstinstanzlichen Entscheid eingetreten sind. Das obere Gericht kann die
Konkurseröffnung gemäss Art. 174 Abs. 2 SchKG aufheben, wenn der Schuldner mit
der Einlegung des Rechtsmittels seine Zahlungsfähigkeit glaubhaft macht und
durch Urkunden beweist, dass inzwischen die Schuld, einschliesslich der Zinsen
und Kosten, getilgt ist (Ziff. 1) oder der geschuldete Betrag beim oberen
Gericht zuhanden des Gläubigers hinterlegt ist (Ziff. 2) oder der Gläubiger auf
die Durchführung des Konkurses verzichtet (Ziff. 3).

2.1 Zum kantonalen Beschwerdeverfahren hat die Justizkommission des
Obergerichts festgestellt, die Beschwerdeführerin berufe sich einzig auf die
Hinterlegung des von der Beschwerdegegnerin geltend gemachten
Forderungsbetrages sowie das "aufgrund von neuesten Bildvermittlungen im
Kunsthandel" bestehende Bankguthaben von über Fr. 400'000.-- per 20. Februar
2008. Gestützt darauf mache sie geltend, sie sei durchaus in der Lage, allen
ihren Forderungen nachzukommen, inklusive derjenigen der Beschwerdegegnerin,
sollten sie denn zu Recht bestehen. Sie sei daher weder überschuldet noch
illiquid, womit kein Konkursgrund vorliege. Sie habe sich hingegen mit keinem
Wort mit dem ihr vorgeworfenen Konkursgrund der Vornahme von betrügerischen
Handlungen zum Nachteile der Gläubiger im Sinne von Art. 190 Abs. 1 Ziff. 1
SchKG auseinandergesetzt.

Die Beschwerdeführerin ficht diese Feststellung nicht an, bestreitet nun aber
vor Bundesgericht den angenommenen Konkursgrund der Vornahme von betrügerischen
Handlungen zum Nachteile der Gläubiger und versucht, ihre Vorbringen mit
Beweismitteln zu untermauern. Ihre Vorbringen sind neu und in Anbetracht der
unangefochtenen Feststellungen zum Verfahren unzulässig.

2.2 Streitpunkt ist, was unter einer rechtsgenüglichen Hinterlegung im Sinne
von Art. 174 Abs. 2 Ziff. 2 SchKG zu verstehen ist.

Die Justizkommission des Obergerichts hat die Aufhebung der Konkurseröffnung
verweigert, weil die Beschwerdeführerin den geschuldeten Betrag nicht
vorbehaltlos und deshalb nicht im Sinne von Art. 174 Abs. 2 Ziff. 2 SchKG
rechtsgültig hinterlegt habe. Sie hat daher nicht weiter geprüft, ob die
Beschwerdeführerin ihre Zahlungsfähigkeit glaubhaft gemacht hat.

Sollte die Vorinstanz die Streitfrage in Verletzung von Bundesrecht beantwortet
und die Beschwerdeführerin den geschuldeten Betrag gültig hinterlegt haben,
müsste die Sache zur Beurteilung der Zahlungsfähigkeit an die Justizkommission
des Obergerichts zurückgewiesen werden. Es ist nicht Sache des Bundesgerichts,
Tatsachenfeststellungen zu Fragen zu treffen, die das Obergericht offen
gelassen hat (BGE 134 III 379 E. 1.3 S. 384).

2.2.1 Die Beschwerdeführerin hat die Aushändigung des hinterlegten
Forderungsbetrages an die Beschwerdegegnerin vom Ausgang des beim
Kantonsgericht hängigen Zivilprozesses oder von einem gerichtlich genehmigten
Vergleich abhängig gemacht, mit welchem über den Bestand der strittigen, zur
Konkurseröffnung Anlass gebenden Forderung entschieden werden soll.

Sie ist der Ansicht, ihre Hinterlegung erfülle die Voraussetzung zur
Konkursabwendung und rügt eine Verletzung von Art. 174 Abs. 2 Ziff. 2 SchKG, da
die Justizkommission des Obergerichts einzig eine vom Ausgang des
Weiterziehungsverfahrens abhängige und damit vorbehaltlose Hinterlegung als
zulässigen Konkursaufhebungsgrund erachtet.

Es stellt sich somit die Frage, ob die Hinterlegung im Sinne von Art. 174 Abs.
2 Ziff. 2 SchKG vorbehaltlos erfolgen muss oder ob die Aushändigung des
hinterlegten Betrages vom Ausgang eines weiteren Prozesses, mit welchem über
die strittige Forderung entschieden wird, abhängig gemacht werden kann.

2.2.2 In Gesetz und Literatur werden verschiedene Arten von Hinterlegungen
unterschieden: Die Hinterlegung als Erfüllung, die Hinterlegung als
Erfüllungssurrogat, die Hinterlegung als Sicherheitsleistung, die Sequestration
gemäss Art. 480 OR und die Aufbewahrung von Sachen aufgrund eines gewöhnlichen
Hinterlegungsvertrages gemäss Art. 472 ff. OR (vgl. ROLF H. WEBER, Berner
Kommentar, 2005, N. 47-53 zu Art. 92 OR; RENÉ BUSSIEN, Die gerichtliche
Hinterlegung nach Zürcher Zivilprozessrecht, Diss. ZH 1981, S. 63 ff., mit
Hinweisen).

Die Justizkommission des Obergerichts betrachtet Art. 174 Abs. 2 Ziff. 2 SchKG
als "Hinterlegung als Erfüllung", und somit als eine andere Form der Tilgung
(Art. 174 Abs. 2 Ziff. 1 SchKG), während die Beschwerdeführerin diese
Hinterlegung als blosse Sicherheitsleistung verstehen will.

Im Unterschied zur Hinterlegung als Sicherheitsleistung wird bei der
Hinterlegung als Erfüllung der Schuldner durch seine Hinterlegung befreit.
Seine Schuldpflicht geht folglich unter. Die Hinterlegung ist diesfalls mit
einer Erfüllung identisch. Der Unterschied liegt lediglich in der Abwicklung.
Der Untergang der Obligation bringt auch sämtliche Nebenrechte zum Erlöschen.
Im Unterschied zur Hinterlegung als Erfüllungssurrogat ist dem Schuldner die
Rücknahme der hinterlegten Sache nicht mehr möglich und die Abgabe einer
Annahmeerklärung durch den Gläubiger nicht erforderlich. Bei der
Sicherheitshinterlegung hingegen soll die Obligation durch die Hinterlegung
gerade nicht erfüllt werden. Der Schuldner möchte eine Erfüllung vermeiden, bis
der Streit um die Gläubigerrechte geklärt ist. Er möchte daher die Leistung an
den Gläubiger vorerst nur sicherstellen (RENÉ BUSSIEN, a.a.O., S. 64 ff.).

2.2.3 Ist die Hinterlegung gemäss Art. 174 Abs. 2 Ziff. 2 SchKG als
"Hinterlegung als Erfüllung" im oben ausgeführten Sinn zu verstehen, wird der
Gläubiger mit Konkursaufhebung befriedigt. Die Hinterlegung stellt die Leistung
nicht nur vorerst sicher, sondern bewirkt die Erfüllung der Schuld.

Da der Schuldner bei der ordentlichen Konkursbetreibung mit vorgängigem
Einleitungsverfahren kein berechtigtes und schützenswertes Interesse daran hat,
die Aushändigung des hinterlegten Forderungsbetrages vom Ausgang eines weiteren
Prozesses abhängig zu machen bzw. den Forderungsbetrag lediglich
sicherzustellen, muss die Hinterlegung gemäss Art. 174 Abs. 2 Ziff. 2 SchKG als
Hinterlegung als Erfüllung verstanden werden. Der Schuldner wurde im
Einleitungs- und Fortsetzungsverfahren wiederholt auf seine Zahlungspflicht
aufmerksam gemacht und hatte die Möglichkeit, die betreffende Forderung durch
Rechtsvorschlag zu bestreiten bzw. mit Aberkennungsklage oder einer negativen
Feststellungsklage (Art. 85 und 85a SchKG) gerichtlich überprüfen zu lassen.
Vor diesem Hintergrund muss mit Aufhebung der Konkurseröffnung gemäss Art. 174
Abs. 2 Ziff. 2 SchKG die in Betreibung gesetzte Forderung vollstreckt bzw. der
Schuldner befriedigt werden. Der Unterschied zwischen Tilgung der Schuld (Art.
174 Abs. 2 Ziff. 1 SchKG) und Hinterlage (Ziff. 2) liegt nur in der Abwicklung.

Möchte der Schuldner den Weiterzug der Konkurseröffnung primär auf Art. 174
Abs. 1 SchKG stützen und unter Vorweisung einer Urkunde geltend machen, er habe
die Schuld vor Konkurseröffnung bereits getilgt, jedoch für den Eventualfall,
dass das obere Gericht ihm nicht Recht gibt, gemäss Art. 174 Abs. 2 Ziff. 2
SchKG zusätzlich den Forderungsbetrag hinterlegen und seine Zahlungsfähigkeit
darlegen, um den Konkurs notfalls auf diese Weise abzuwenden, wäre die
Aushändigung des hinterlegten Forderungsbetrages lediglich vom Ausgang dieses
Weiterziehungsverfahrens gemäss Art. 174 SchKG und nicht von einem zusätzlichen
Prozess abhängig. Die Erfüllung durch Hinterlegung wäre hier als bedingt zu
verstehen. Bedingt für den Fall, dass der Konkurs nicht bereits im Sinne von
Art. 174 Abs. 1 SchKG aufgrund Tatsachen aufgehoben wird, die bereits vor dem
erstinstanzlichen Entscheid eingetreten sind.

2.2.4 Anders verhält es sich beim Spezialfall der Konkurseröffnung ohne
vorgängige Betreibung gemäss Art. 190 SchKG. Hier hat der Schuldner unter
Umständen ein berechtigtes Interesse daran, die Aushändigung der hinterlegten
Forderungssumme vom Ausgang eines weiteren Prozesses abhängig zu machen, sei
es, weil die zur Konkurseröffnung Anlass gebende Forderung strittig ist, sei
es, weil eine Ungewissheit darüber besteht, welcher Person die Forderung
zusteht.

Art. 190 SchKG ermöglicht es dem Gläubiger, beim Konkursrichter den Konkurs
über einen Schuldner zu beantragen, ohne gegen diesen vorgängig eine Betreibung
eingeleitet zu haben. Über diese Konkurseröffnung entscheidet der
Konkursrichter lediglich in einem summarischen Verfahren (Art. 25 Ziff. 2 lit.
a SchKG), wobei seiner Verfügung nur betreibungsrechtliche Wirkung zukommt. Der
Schuldner wurde bei der Konkurseröffnung ohne vorgängige Betreibung weder
wiederholt auf seine Zahlungspflicht hingewiesen noch hatte er die Möglichkeit,
den Bestand der zur Konkurseröffnung Anlass gebenden Forderung durch
Rechtsvorschlag zu bestreiten oder in einem ordentlichen Gerichtsverfahren
vorgängig überprüfen zu lassen.

Könnte ein zahlungsfähiger Schuldner bei der Konkurseröffnung ohne vorgängige
Betreibung die Erfüllung nicht vom Ausgang des weiteren Prozesses abhängig
machen, würde dem Gläubiger der hinterlegte Forderungsbetrag mit
Konkursaufhebung ausgehändigt. Dem Gläubiger würde der hinterlegte Betrag somit
zufallen, ohne dass vorgängig die Forderung in einem ordentlichen Prozess
jemals überprüft worden wäre. Dem Schuldner bliebe einzig die Möglichkeit, den
bezahlten Betrag allenfalls mittels Klage aus ungerechtfertigter Bereicherung
(Art. 62 ff. OR) oder einer Rückforderungsklage (Art. 86 SchKG analog; BERNHARD
BODMER, in: Kommentar zum Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs, Basel
1998, N. 12 zu Art. 86 SchKG) zurückzuverlangen. Ist die Forderung - wie im
vorliegenden Fall - strittig und ist aus diesem Grund ein Zivilprozess zur
Abklärung des Bestandes dieser Forderung hängig, wäre dieses Ergebnis stossend
und aus prozessökonomischen Gründen nicht vertretbar. Der Gläubiger hat
diesfalls ein berechtigtes Interesse, seine Erfüllung bzw. die Aushändigung des
gemäss Art. 174 Abs. 2 Ziff. 2 SchKG hinterlegten Betrages an den Gläubiger vom
Ausgang des hängigen Zivilprozesses abhängig zu machen. Eine solche
Hinterlegung muss daher ausnahmsweise, für den Spezialfall der Konkurseröffnung
ohne vorgängige Betreibung, zulässig sein. Denn die Weiterziehung gemäss Art.
174 SchKG ist auf die Konkurseröffnung mit vorgängiger Betreibung zugeschnitten
und es erscheint angemessen - betreffend die Voraussetzungen des
Weiterziehungsrechts und des Weiterziehungsverfahrens bei einer
Konkurseröffnung ohne vorgängige Betreibung - Art. 174 SchKG nur sinngemäss,
unter Berücksichtigung der einzelnen Verfahren, anzuwenden (vgl. dazu MAGDALENA
RUTZ, Weiterziehung des Konkursdekretes, in: Schuldbetreibung und Konkurs im
Wandel: Festschrift 75 Jahre Konferenz der Betreibungs- und Konkursbeamten der
Schweiz, Basel 2000, S. 349). Die Rechtsnatur der Hinterlegung ändert sich
durch die Zulassung dieser Ausnahme nicht. Es handelt sich auch hierbei um eine
Hinterlegung als Erfüllung, jedoch ist die Erfüllung als bedingt zu betrachten.
Sie wird vom Ausgang des anderen Verfahrens abhängig gemacht.

Diese Lösung ist mit dem Zweck der Konkurseröffnung ohne vorgängige Betreibung
gemäss Art. 190 SchKG durchaus vereinbar. Der Spezialfall der Konkurseröffnung
ohne vorgängige Betreibung rechtfertigt sich ausschliesslich aus Gründen des
Schutzes von Gläubigerinteressen, sofern diese als gefährdet erscheinen. Der
Zweck der Norm ist somit ein Rechtsbehelf des Gläubigers bei
Vermögensgefährdung (ALEXANDER BRUNNER, in: Kommentar zum Bundesgesetz über
Schuldbetreibung und Konkurs, Basel 1998, N. 2 zu Art. 190 SchKG). Hinterlegt
nun aber der Schuldner die strittige Forderungssumme und macht er im Rahmen von
Art. 174 Abs. 2 Ziff. 2 SchKG die Aushändigung des Betrages an den Gläubiger
vom Ausgang des hängigen Zivilprozesses abhängig, so tritt die Bedingung für
die Aushändigung ein, falls der Zivilrichter zugunsten des Gläubigers
entscheidet, und dieser wird somit befriedigt. Die Erfüllung ist damit
gesichert und erfolgt unabhängig vom Konkurs. Die Gläubigerinteressen werden
dadurch genügend gewahrt.

Weiter verfolgt der gesetzgeberische Entscheid, die in Art. 174 Abs. 2 SchKG
aufgeführten echten Noven zuzulassen, den Zweck, unnötige Konkurse zu
verhindern. Es entspricht nicht der Intention des Gesetzgebers, über einen
zahlungsfähigen Schuldner, trotz Hinterlegung, den Konkurs durchzuführen, weil
er die Aushändigung des strittigen Forderungsbetrages an den Gläubiger
zusätzlich vom Ausgang eines hängigen Zivilverfahrens abhängig gemacht hat, mit
welchem dem Schuldner erstmals die Möglichkeit eröffnet wird, den
materiellrechtlichen Bestand der Forderung abklären zu lassen. Die Durchführung
eines derartigen Konkurses wäre unnötig.
2.2.5 Nach dem Gesagten kann der Schuldner bei der Hinterlegung gemäss Art. 174
Abs. 2 Ziff. 2 SchKG die Erfüllung der Schuld bzw. die Aushändigung des
hinterlegten Forderungsbetrages an den Gläubiger ausnahmsweise vom Ausgang
eines weiteren Prozesses abhängig machen. Ein berechtigtes Interesse zu diesem
Vorgehen hat der Schuldner, über den der Konkurs ohne vorgängige Betreibung
eröffnet worden ist, wenn die zur Konkurseröffnung Anlass gebende Forderung
strittig bzw. der Bestand dieser Forderung nie in einem ordentlichen Verfahren
überprüft worden ist.

Die geleistete Hinterlegung der Beschwerdeführerin stellt somit einen
zulässigen Konkursaufhebungsgrund gemäss Art. 174 Abs. 2 Ziff. 2 SchKG dar,
soweit sie die Aushändigung des hinterlegten Betrages lediglich vom Ausgang des
beim Kantonsgericht hängigen Zivilprozesses oder einem gerichtlich genehmigten
Vergleich abhängig macht.
2.2.6 Jedoch geht weder aus dem Urteil des Obergerichts noch aus der Beschwerde
klar hervor, ob die Beschwerdeführerin darüber hinaus die Aushändigung des
hinterlegten Betrages an die Beschwerdegegnerin kumulativ von ihrer
zusätzlichen Zustimmung abhängig machen wollte. Eine solche zusätzliche
Bedingung wäre unzulässig.

Das Obergericht wiederholt in Erwägung 1 seines Urteils vom 18. April 2008 den
Wortlaut der Beschwerdeschrift der Beschwerdeführerin vom 21. Februar 2008
(Ziff. 10 S. 6), wonach über den hinterlegten Betrag "nur auf ihre Anweisung
und im Einvernehmen des angerufenen Gerichts, sei es durch definitives
rechtskräftiges Urteil oder infolge eines allfälligen Vergleichs zwischen den
Parteien, der gerichtlich zu genehmigen sei, verfügt werden könne". In Erwägung
3.2 stellt das Obergericht hingegen fest, dass die Zulässigkeit der Auszahlung
"von der Zustimmung der Beschwerdeführerin oder vom Ausgang des pendenten
Forderungsprozesses beim Kantonsgericht Zug abhänge". Die Beschwerdeführerin
übernimmt später in ihrer Beschwerde an das Bundesgericht vom 29. April 2008
(Ziff. 10 S. 7) die Formulierung des obergerichtlichen Urteils, wonach die
Aushändigung des hinterlegten Betrages "von der Zustimmung der
Beschwerdeführerin oder vom Ausgang des pendenten Forderungsprozesses beim
Kantonsgericht Zug abhängen soll".

Die Unklarheit, ob die Aushändigung lediglich vom Prozessausgang oder darüber
hinaus von einer zusätzlichen Zustimmung der Beschwerdeführerin abhängen soll,
ergibt sich insbesondere daraus, dass das Obergericht und die
Beschwerdeführerin das Wort "und" und das Wort "oder" in entscheidenden
Textpassagen nicht konsequent verwenden, jedoch "und" in der Regel für eine
kumulative Voraussetzung, "oder" aber für eine alternative Voraussetzung steht.

Wie die Formulierung der Beschwerdeführerin zu verstehen ist, muss durch
Auslegung ermittelt werden, wobei bei jeder rechtsgeschäftlichen Erklärung in
erster Linie auf den wirklichen Willen des Erklärenden abzustellen ist (Art. 18
Abs. 1 OR analog). Bei der Auslegung einer Willenserklärung bildet der Wortlaut
lediglich die Grundlage, nicht aber die Grenze der Auslegung. Darüber hinaus
beurteilt sich der Sinn der Äusserung auch nach dem Zusammenhang, in welchem
sie steht und nach den gesamten Umständen, unter denen sie abgegeben worden ist
(vgl. BGE 132 III 24 E. 4 S. 27 f. mit Hinweisen).

3.
Über den Hauptantrag der Beschwerdeführerin kann nicht entschieden werden, da
die dafür erforderlichen tatsächlichen Feststellungen fehlen. Die Vorinstanz
hat demnach zu beurteilen, ob die Beschwerdeführerin die Aushändigung des
hinterlegten Forderungsbetrages an die Beschwerdegegnerin kumulativ von einer
zusätzlichen Zustimmung abhängig gemacht hat. Sollte die Aushändigung trotz
rechtskräftigem, zur Zahlung verpflichtendem Urteil bzw. gerichtlichem
Vergleich von einer zusätzlichen Zustimmung der Beschwerdeführerin abhängig
gemacht werden, so wäre die Beschwerde abzuweisen. Eine solche zusätzliche
Bedingung ist unzulässig, denn diesfalls müsste die Beschwerdegegnerin bei
Verweigerung der Zustimmung eine Klage auf Abgabe einer Willenserklärung
anstrengen. Ist die Zustimmung hingegen nicht im kumulativen Sinne zu
verstehen, muss die Vorinstanz weiter prüfen, ob die zusätzliche Voraussetzung
der glaubhaften Geltendmachung der Zahlungsfähigkeit vorliegt.

Entsprechend ist die Beschwerde in Zivilsachen gutzuheissen, soweit darauf
eingetreten werden kann. Das Urteil des Obergerichts des Kantons Zug vom 18.
April 2008 ist aufzuheben und die Streitsache gestützt auf Art. 107 Abs. 2 BGG
zur weiteren Abklärung und neuer Entscheidung im Sinne der Erwägungen an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Die Beschwerdeführerin dringt nur mit ihrem
Eventualantrag auf Rückweisung der Sache zu neuer Entscheidung durch, während
die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde beantragt hat. Vor diesem
Hintergrund sind die Gerichtskosten von den Parteien je hälftig zu tragen (Art.
66 Abs. 1 BGG) und die Parteikosten wettzuschlagen (Art. 68 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf einzutreten ist und Ziff. 1-4
des Urteils der Justizkommission des Obergerichts des Kantons Zug werden
aufgehoben.

2.
Die Sache wird an die Justizkommission des Obergerichts des Kantons Zug zur
neuen Entscheidung im Sinne der Erwägungen zurückgewiesen.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- werden den Parteien je hälftig auferlegt.

4.
Die Parteikosten werden wettgeschlagen.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien und der Justizkommission des Obergerichts des
Kantons Zug, Justizkommission, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 21. Oktober 2008
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Raselli Gut