Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.329/2008
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
5A_329/2008/don

Urteil vom 6. August 2008
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichter Meyer, Bundesrichterin Hohl,
Gerichtsschreiber Schett.

Parteien
X.-Y.________,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Marco Möhr,

gegen

Y.-X.________,
Beschwerdegegner,
vertreten durch Rechtsanwalt Pius Fryberg.

Gegenstand
Nebenfolgen der Ehescheidung,

Beschwerde gegen das Urteil des Kantonsgerichts von Graubünden, Zivilkammer,
vom 10. Dezember 2007.

Sachverhalt:

A.
A.a X.-Y.________ (geb. im 1970 in Walddinixeen, Niederlande) und Y.-X.________
(geb. im 1967 in Thusis) heirateten am 14. Juli 1995 in A.________. Sie sind
Eltern der Kinder B.________ (geb. im 1995), C.________ (geb. im 1997) und
D.________ (geb. im 1999).
A.b Auf den 1. März 2003 zog X.-Y.________ (im Folgenden: Beschwerdeführerin)
aus der ehelichen Wohnung in F.________ nach E.________. Mit Entscheid vom 14.
April 2003 bewilligte der Bezirksgerichtspräsident Z.________ das
Getrenntleben. Das Scheidungsverfahren wurde am 2. November 2005 anhängig
gemacht. Mit Urteil vom 20. Juni 2007 schied das Bezirksgericht Z.________ die
Ehe der Parteien. Die Kinder wurden unter die alleinige elterliche Sorge der
Mutter gestellt. Dem Vater wurde ein Besuchsrecht eingeräumt, und er wurde
verpflichtet, bis zur Mündigkeit der Kinder einen monatlichen Unterhaltsbeitrag
von je Fr. 580.-- zu bezahlen. Der Beschwerdegegner wurde zudem verurteilt, der
Beschwerdeführerin Fr. 59'546.-- aus Güterrecht zu bezahlen (Ziff. 5). Die
Vereinbarung über die hälftige Teilung der zwischen Eheschluss bis am 30. Juni
2007 geäufneten Vorsorgeguthaben wurde gerichtlich genehmigt. Die
Freizügigkeitsstiftung des Beschwerdegegners wurde angewiesen, dem
Freizügigkeitskonto der Beschwerdeführerin Fr. 22'250.05 zu überweisen (Ziff.
6). Die Kosten des Bezirksgerichts Z.________ im Betrag von Fr. 17'210.--
wurden zu 2/5, ausmachend Fr. 6'884.--, der Beschwerdeführerin und zu 3/5,
ausmachend Fr. 10'326.--, dem Beschwerdegegner auferlegt, welcher
aussergerichtlich zu einer Entschädigung von Fr. 7'700.-- an die
Beschwerdeführerin verpflichtet wurde.

B.
Die vom Beschwerdegegner dagegen eingereichte Berufung wurde vom Kantonsgericht
von Graubünden mit Urteil vom 10. Dezember 2007 teilweise gutgeheissen (Ziff.
1). Mit dem gerichtlichen Vergleich vom 10. Dezember 2007 wurde das
Besuchsrecht mit geringfügigen Änderungen neu geregelt (Ziff. 2). Die
Beschwerdeführerin wurde verpflichtet, dem Beschwerdegegner Fr. 9'600.20 zu
bezahlen (Ziff. 4). Die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens von insgesamt
Fr. 17'210.-- wurden hälftig den Parteien auferlegt, und die ausseramtlichen
Kosten wurden wettgeschlagen (Ziff. 6a). Die Kosten des Berufungsverfahrens von
insgesamt Fr. 6'448.-- wurden den Parteien ebenfalls hälftig auferlegt und die
ausseramtlichen Kosten wurden wettgeschlagen (Ziff. 6b).

C.
Mit Eingabe vom 19. Mai 2008 hat die Beschwerdeführerin die Sache an das
Bundesgericht weitergezogen. Sie beantragt, das angefochtene Urteil sei
bezüglich der Ziff. 1, 4 und 6 aufzuheben. Der Beschwerdegegner sei zu
verpflichten, ihr den Betrag von Fr. 37'023.61 zu bezahlen. Die Kosten des
Bezirksgerichts Z.________ von Fr. 17'210.-- seien zu 2/5 der
Beschwerdeführerin und zu 3/5 dem Beschwerdegegner aufzuerlegen, der zudem die
Beschwerdeführerin für das bezirksgerichtliche Verfahren mit Fr. 7'700.-- zu
entschädigen habe. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 6'448.-- seien
dem Beschwerdegegner aufzuerlegen, der zudem die Beschwerdeführerin für das
vorinstanzliche Verfahren mit Fr. 2'000.-- zu entschädigen habe. Sodann ersucht
die Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege.
Es wurden keine Vernehmlassungen eingeholt.

Erwägungen:

1.
1.1 Anlass zur vorliegenden Beschwerde bilden die vermögensrechtlichen Folgen
der Scheidung. Diese können beim Bundesgericht mit Beschwerde in Zivilsachen
beanstandet werden, zumal der erforderliche Streitwert von Fr. 30'000.-- klar
überschritten wird (Art. 72 Abs. 1, Art. 74 Abs. 1 lit. b BGG). Der
angefochtene Entscheid ist letztinstanzlich ergangen (Art. 75 Abs. 1 BGG),
sodass auf die fristgerecht erhobene Beschwerde eingetreten werden kann (Art.
100 Abs. 2 lit. a BGG).

1.2 Mit der Beschwerde kann insbesondere die Verletzung von Bundesrecht,
Völkerrecht und kantonaler verfassungsmässiger Rechte geltend gemacht werden
(Art. 95 BGG). Die Feststellung des Sachverhaltes kann nur gerügt werden, wenn
sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von
Art. 95 BGG beruht und die Behebung des Mangels für den Ausgang des Verfahrens
entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1 BGG). Eine "offensichtlich unrichtige
Feststellung des Sachverhalts" entspricht der willkürlichen
Sachverhaltsfeststellung (Botschaft, BBl 2001 IV 4338; BGE 133 II 249 E. 1.2.2
S. 252; 133 III 393 E. 7.1 S. 398). Dabei genügt es aber nicht, einen von den
tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz abweichenden Sachverhalt zu
behaupten. Vielmehr ist in der Beschwerdeschrift im Einzelnen darzulegen,
inwiefern diese willkürlich bzw. unter Verletzung einer verfahrensrechtlichen
Verfassungsvorschrift zustande gekommen sein sollen (BGE 133 II 249 E. 1.4.3 S.
255). Eine materielle Rechtsverweigerung ist nicht schon dann gegeben, wenn
eine andere Lösung ebenfalls vertretbar oder gar zutreffender erschiene,
sondern nur dann, wenn das Ergebnis schlechterdings mit vernünftigen Gründen
nicht zu vertreten ist (BGE 124 IV 86 E. 2a mit Hinweisen; 120 Ia 369 E. 3a S.
373).

1.3 Von vornherein nicht eingetreten werden kann auf die nicht näher
begründeten Anträge auf Abänderung der kantonalen Kostenregelungen sowie der
zugesprochenen Parteientschädigungen.

2.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, das Kantonsgericht habe zu Unrecht die
gegenüber ihrem Vater bestehende Darlehensschuld von Fr. 40'000.-- auf Fr.
22'500.-- gekürzt.

2.1 Die Vorinstanz führt dazu - zusammengefasst - aus, bei den Akten lägen in
diesem Zusammenhang zwei schriftliche Bestätigungen des Vaters der
Beschwerdeführerin. Das Schreiben vom 18. April 2005 laute: "Hiermit bestätige
ich, dass Frau X.-Y.________ (1970), wohnhaft in E.________, Schweiz, für die
Einrichtung ihrer Wohnung, Anschaffung eines Autos und allgemeine
Lebensunterhaltskosten, mir folgenden Betrag für die Jahre 2003 und 2004
schuldet: Total: 40'000.--." Mit E-Mail vom 9. Februar 2006 habe der Vater
sodann erklärt: "Mit diesem Schreiben bestätige ich, G.________, wohnhaft in
Niederlande, dass X.-Y.________ mir Fr. 40'000.-- schuldet. Diese Schuld hat
schon bestanden vor 5. Juni 2003 und besteht heute immer noch in der Form eines
Darlehens." Diese schriftlichen Erklärungen seien nicht verfasst worden, um den
Zeugenbeweis zu umgehen, denn G.________ sei als Zeuge angeboten worden,
weshalb seine schriftlichen Erklärungen zu beachten seien. Weil diese jedoch
vom Vater der Ehefrau stammten, seien seine Bestätigungen kritisch zu würdigen.
Die Beschwerdeführerin stütze sich in diesem Zusammenhang auch auf die
Steuererklärung 2004. Darin werde eine Schuld von ihr in der Höhe von Fr.
40'000.-- gegenüber ihrem Vater aufgeführt. Wie bereits dargelegt, gelte für
die Ausscheidung von Errungenschaft und Eigengut dem Bestand nach bei
Errungenschaftsbeteiligung nach Art. 207 Abs. 1 ZGB der Zeitpunkt der Auflösung
des Güterstandes. Bei gerichtlicher Anordnung der Gütertrennung werde die
Auflösung des Güterstandes auf den Tag zurückbezogen, an dem das Begehren
eingereicht worden sei (Art. 204 Abs. 2 ZPO). Massgebend sei hier somit der 5.
Juni 2003. Aus den Akten ergebe sich nicht, wann die verschiedenen Beiträge des
Vaters von total Fr. 40'000.-- ausgerichtet worden seien bzw. ob ein Teil schon
vor dem 5. Juni 2003 an die Tochter überwiesen worden sei. Diesbezüglich lasse
sich auch nichts aus der Steuererklärung 2004 ableiten, da diese das Jahr 2004
betreffe, das hier nicht mehr in Betracht falle. Für das Jahr 2003 liege keine
Steuererklärung bei den Akten. In der Bestätigung vom 9. Februar 2006 halte
G.________ zwar fest, dass die Schuld von Fr. 40'000.-- schon vor dem 5. Juni
2003 bestanden habe und heute immer noch bestehe. Die Bestätigung vom 9.
Februar 2006 sei erst nach der Prozesseingabe vom 23. November 2006 und der
Prozessantwort vom 23. Januar 2007 erfolgt. Darum erstaune es nicht, dass der
Vater nachträglich die Schuld auf die Zeit vor dem 5. Juni 2003 verlegt habe.
Dabei mache er im Gegensatz zu seiner früheren Bestätigung keine Angaben
darüber, wozu denn dieses Geld der Tochter gedient haben solle. Die Bestätigung
vom 9. Februar 2006 erscheine mithin unglaubwürdig, weshalb darauf nicht
abgestellt werden könne. Wie sich die Fr. 40'000.-- gemäss Bestätigung vom 18.
April 2005 für die Zeit 2003/ 2004 auf die Zeitspanne Januar bis 4. Juni 2003
einerseits und 5. Juni 2003 bis 31. Dezember 2004 andererseits aufteilten, sei
weder dargelegt worden, noch lasse sich dies den Akten entnehmen. Ausgewiesen
sei lediglich, dass der Vater für die Tochter das Auto Toyota RAV 4 GX bezahlt
habe. Die Geldüberweisung von Fr. 22'500.-- sei am 21. Februar 2003 und damit
vor dem 5. Juni 2003 und auch vor dem Verlassen der ehelichen Wohnung am 1.
März 2003 erfolgt. Weitere Belege seien den Akten nicht zu entnehmen.
Insbesondere liessen die Belege aus dem Jahre 1992 und 1993, womit die Ehefrau
beweisen wolle, dass ihr Vater ihre Ausbildung mitfinanziert habe, nicht den
Schluss zu, dass in der hier interessierenden Zeitspanne (14. Juli 1995 bis 5.
Juni 2003) ebenfalls Gelder im Umfang von Fr. 40'000.-- zwischen Vater und
Tochter geflossen seien. Ausgewiesen sei nach dem Gesagten lediglich der Betrag
von Fr. 22'500.--.

2.2 Die Beschwerdeführerin trägt dagegen vor, die zwei Bestätigungen ergänzten
sich und bildeten gewissermassen eine Einheit. In der ersten werde der
Verwendungszweck der Fr. 40'000.-- kurz umschrieben. Weil diese Bestätigung
nicht nur als Beweismittel für das laufende Scheidungsverfahren gedient habe,
sondern auch für die Steuererklärungen 2003 und insbesondere für jene von 2004,
habe eben festgehalten werden müssen, dass diese Schuld auch im Jahre 2004
(genauer am 31. Dezember 2004) bestanden habe. Nur so sei der Abzug der
Schulden bei der Ermittlung des steuerbaren Vermögens möglich gewesen. Mit der
zweiten Bestätigung sei der Nachweis erbracht worden, dass die Schuld von Fr.
40'000.-- nicht verteilt über die beiden Jahre 2003 und 2004 entstanden sei,
sondern bereits am massgebenden 5. Juni 2003 vollumfänglich bestanden habe.
Die Beschwerdeführerin beruft sich dabei insbesondere auf Art. 95 lit. a und
Art. 97 Abs. 1 BGG sowie auf Art. 8 ZGB. Nach den verbindlichen Feststellungen
(Art. 97 Abs. 1 BGG) der Vorinstanz hat die Beschwerdeführerin die
Steuererklärung für das Jahr 2003 nicht eingereicht. Dem Kantonsgericht wird
diesbezüglich nicht explizit vorgeworfen, der Sachverhalt sei offensichtlich
unrichtig (Art. 105 Abs. 1 und 2 BGG), d.h. nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung willkürlich festgestellt worden (E. 1.2 hiervor). Dass die
beiden Bestätigungen des Vaters von der Vorinstanz mit einer gewissen
Zurückhaltung kritisch gewürdigt wurden, ist nicht zu beanstanden. Insbesondere
die zweite Bestätigung, die erst verfasst wurde, nachdem sich Tochter und Vater
um die Bedeutung des Zeitpunkts vom 5. Juni 2003 bewusst wurden, durfte das
Kantonsgericht als unglaubwürdig bezeichnen. An dieser Schlussfolgerung würde
sich auch nichts ändern, wenn der Vater seine Angabe auch noch als Zeuge hätte
bestätigen können. Denn Art. 8 ZGB schliesst die vorweggenommene
Beweiswürdigung nicht aus (BGE 114 II 289 E. 2a S. 291). Eine beschränkte
Beweisabnahme verletzt Art. 8 ZGB daher nicht, wenn der Richter schon nach
deren Ergebnis von der Sachdarstellung einer Partei überzeugt ist, gegenteilige
Behauptungen also für unbewiesen hält. Die zweite Bestätigung durfte vom
Kantonsgericht als beweisuntauglich angesehen und die Zeugeneinvernahme in
antizipierter Beweiswürdigung abgelehnt werden. Der Vater hat das Darlehen für
die Einrichtung der Wohnung, Anschaffung eines Autos und allgemeine
Lebensunterhaltskosten für die Jahre 2003 und 2004 gegeben. Nachgewiesen ist
einzig, dass der Vater das Auto im Betrag von Fr. 22'500.-- für die Tochter vor
dem 5. Juni 2003 finanziert hat. Die Beschwerdeführerin wäre beweismässig
möglicherweise besser gestellt gewesen, wenn sie die Steuererklärung für das
Jahr 2003 eingereicht hätte. Bei dieser Sachlage ist es nicht willkürlich, vom
Darlehen von Fr. 40'000.-- für die Zeit vor dem 5. Juni 2003 nur den genannten
Betrag für das Auto anzuerkennen. Daraus folgt, dass die Vorinstanz kein
Bundesrecht verletzt hat, wenn sie den Vorschlag der Beschwerdeführerin auf Fr.
14'139.65 beziffert hat.

3.
Ferner wirft die Beschwerdeführerin dem Kantonsgericht in verschiedener
Hinsicht vor, Bundesrecht verletzt zu haben, weil es die Leistungen des
Beschwerdegegners von Fr. 39'554.-- in den Jahren 1991 bis 1995 für die
Ausbildung der Beschwerdeführerin zur Physiotherapeutin als Darlehen und nicht
als Schenkung qualifiziert habe.

3.1 Im angefochtenen Urteil wird ausgeführt, die Parteien hätten am 14. Juli
1995 geheiratet und bereits vorher zusammen in F.________ gewohnt. Die
Ausbildung der Berufungsklägerin habe vier Jahre gedauert, d.h. ab den
Sommerferien 1991 bis zu den Sommerferien 1995 (46 Monate). Die
Beschwerdeführerin habe während ihres Studiums ein Praktikum in H.________
absolviert, wobei dieses gemäss ihren eigenen Aussagen ein Jahr und gemäss
denjenigen des Ehemannes ein halbes Jahr gedauert haben soll. Ausgewiesen sei
jedoch nur ein Praktikum von vier Monaten (September 1994 bis Ende 1994), wobei
sie netto Fr. 2'774.--, d.h. Fr. 693.50 pro Monat verdient habe. Gemäss den
Ausführungen der Beschwerdeführerin hätten ihre Eltern im Wesentlichen ihre
Ausbildung finanziert. Ausgewiesen seien dabei Überweisungen ihres Vaters
während der Ausbildungszeit im Betrag von Fr. 25'995.--, mithin Fr. 565.-- pro
Monat. Von diesem Betrag alleine könne die Beschwerdeführerin nicht den
Lebensunterhalt bestritten und die Schulkosten beglichen haben. Der
Beschwergegner behaupte, er habe Fr. 39'554.-- als Darlehen für die Ausbildung
der Beschwerdeführerin aufgewendet. Den in den Akten befindlichen
"Postbüchlein" könnten Überweisungen an die Akademie für Physiotherapie in
I.________ im Gesamtbetrag von Fr. 41'700.-- entnommen werden, wobei der
Beschwerdegegner Fr. 39'554.-- geltend mache. Von welchem Konto dieses Geld
abgehoben worden sei, könne den Akten nicht entnommen werden. Die vier
"Postbüchlein" lauteten alle auf den Namen "Y.-X.________" und befänden sich im
Besitz des Beschwerdegegners. Die Ehefrau selbst habe im fraglichen Zeitraum
(rund vier Jahre) lediglich während ihres Praktikums ein Einkommen von Fr.
2'774.-- erzielt. Nebeneinkünfte für gewisse Reinigungsarbeiten seien von der
Ehefrau nicht nachgewiesen worden. Zudem hätten ihre Eltern während der
Ausbildung Fr. 25'195.-- und eine weitere Zahlung von Fr. 2774.--, insgesamt
Fr. 28'769.-- geleistet. Diese Summe reiche nun bei Weitem nicht aus, um den
Lebensunterhalt und die Schulkosten während rund vier Jahren zu finanzieren.
Bei dieser Sachlage müssten die geltend gemachten Fr. 39'554.-- vom
Beschwerdegegner stammen. Dass die Gelder geflossen seien, sei anhand der
"Postbüchlein" nachgewiesen. Die Tatsache, dass alle "Postbüchlein" auf den
Namen "Y.-X.________", somit auf den Namen beider Ehegatten lauteten, lasse in
diesem Falle nicht die Vermutung zu, dass die Beschwerdeführerin selbst ihre
Schulden beglichen habe, zumal sie nachgewiesenermassen in diesem Zeitraum
nicht über genügend Mittel verfügt habe, um Lebensunterhalt und Schulkosten zu
bezahlen. Es stehe somit fest, dass der Beschwerdegegner Fr. 39'500.-- an die
Ausbildung der Beschwerdeführerin bezahlt habe.
3.2
3.2.1 Die Beschwerdeführerin bringt vor, es sei fraglich, ob das
Scheidungsgericht für die Beurteilung dieser Forderung überhaupt zuständig sei.
Der Verweis des Kantonsgerichts auf BGE 111 II 401 E. 4b und BGE 109 Ia 53 ff.
vermöge nicht zu überzeugen. Es kann offen gelassen werden, ob dieser Einwand
den Begründungsanforderungen von Art. 42 Abs. 2 BGG genügt (BGE 133 IV 286 E.
1.4; 116 II 745 E. 3), denn er ist unbegründet. Nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts können im Rahmen der güterrechtlichen Auseinandersetzung auch
vorehelich eingegangene Verträge berücksichtigt werden (BGE 109 II 92
betreffend einen Liegenschaftskauf der Brautleute vor Eheabschluss), wenn ein
Zusammenhang mit der ehelichen Gemeinschaft besteht, was vorliegend der Fall
ist. Das gilt auch für voreheliche (bzw. vor dem Güterstand angefallene)
Ausbildungskosten (Hausheer/Reusser/ Geiser, Berner Kommentar, N. 22 zu Art.
209 ZGB, S. 744).
3.2.2 Es trifft zu, dass der Ehemann die Beweislast für die Forderung trägt.
Die Vorinstanz ist nicht von Beweislosigkeit ausgegangen, sondern hat den
Beweis für die Forderung als erbracht erachtet. Bei dieser Sachlage ist die
Berufung auf Art. 8 ZGB gegenstandslos, und es stellt sich nur die Frage, ob
die Beweiswürdigung willkürlich erfolgt ist und damit Art. 97 Abs. 1 BGG
verletzt.
Die Beschwerdeführerin rügt, der Beschwerdegegner habe am 29. April 1994 einen
Golf GTI für Fr. 22'180.-- gekauft; für dieses Eigengut könne er
vereinbarungsgemäss als "Surrogat" das bei der Scheidung vorhandene Auto
behalten. Zusätzlich habe er bei der Heirat am 14. Juli 1995 auf zwei
Bankkonten Fr. 9'461.12 und Fr. 18'378.65 ausgewiesen, die ihm das
Kantonsgericht zutreffend als Eigengut zugewiesen habe. Da die Bankguthaben und
das Auto zusammen einen Vermögenswert von rund Fr. 50'000.-- darstellten, hätte
sich die Vorinstanz die Frage stellen müssen, wie denn der Beschwerdegegner in
der Lage gewesen sei, an die Ausbildungskosten der Beschwerdeführerin noch rund
Fr. 40'000.-- zu bezahlen. Die Beschwerdeführerin legt nicht dar, dass sie
dieses Argument schon vor Kantonsgericht frist- und prozesskonform angeführt
hat. Dieses Vorbringen stellt deshalb eine unzulässige Ergänzung zum
Sachverhalt dar, weil nicht substantiiert gerügt wird, dieser sei
offensichtlich falsch, d.h. willkürlich festgestellt worden (Art. 105 Abs. 1
und 2 BGG; E. 1.2 hiervor). Das Gleiche gilt auch für den Hinweis, da die
Überweisungen in bar erfolgt seien, hätte der Beschwerdegegner beispielsweise
durch Bankauszüge belegen und glaubhaft machen können, dass das Geld für die
Überweisungen von ihm gestammt habe.
Der Sachverhalt ist von der Vorinstanz nicht willkürlich festgestellt worden.
Sie hat die Einkommensverhältnisse der Beschwerdeführerin während der
Ausbildungszeit und die Unterstützung durch ihre Eltern sowie auf der anderen
Seite die Lebens- und Ausbildungskosten der Beschwerdeführerin gewürdigt und
ist zum Schluss gelangt, dass sie diese Kosten unmöglich allein mit eigenen
Mitteln und denjenigen der Eltern habe bestreiten können. Gestützt auf diese
Schlussfolgerung kommt - entgegen der Meinung der Beschwerdeführerin - der
Tatsache, dass die "Postbüchlein" nicht bloss auf den Namen "Y.________"
lauteten, keine Bedeutung zu, denn die Führung desselben während des
Konkubinats unter dem Doppelnamen "Y.-X.________" ist nichts Aussergwöhnliches.
Hat die Beschwerdeführerin nicht nachzuweisen vermocht, dass sie während der
Ausbildungszeit über genügend Geld verfügte, um Lebensunterhalt- und
Schulkosten bezahlen zu können, hält das Resultat der Beweiswürdigung vor der
Verfassung stand.

3.3 Schliesslich stellt sich die Frage, ob es sich bei diesem
Ausbildungsbeitrag des Ehemannes vor der Heirat um ein Darlehen gehandelt hat
oder um eine Schenkung. Das Kantonsgericht hat dazu ausgeführt, es sei nicht
anzunehmen, dass ein damals rund 25-jähriger Mann seiner Freundin einen Betrag
von fast Fr. 40'000.-- habe schenken wollen. Entscheidend sei, was die Parteien
im damaligen Zeitpunkt gewollt hätten. Als die Beschwerdeführerin ihre
Ausbildung begonnen habe, hätten die Parteien nicht ausschliessen können, dass
die Beziehung (vor der Heirat) scheitern könnte. In diesem Fall hätte der
Ehemann den geleisteten Betrag sicher wieder zurückerstattet haben wollen.
Dasselbe gelte auch für den Fall der Scheidung. Es sei daher von einem Darlehen
und nicht von einer Schenkung auszugehen.
Die Beschwerdeführerin meint, das Kantonsgericht verneine die Schenkungsabsicht
zu Unrecht. Sie räumt ein, dass zwar für die Zeit zu Beginn der
Physiotherapieausbildung und noch einige Zeit danach die Ausführungen des
Kantonsgerichts geteilt werden könnten. Im Laufe der Jahre sei die Beziehung
aber immer stärker geworden, habe zur Heirat am 14. Juli 1995 und zur Geburt
des Sohnes B.________ im 1995, also nur wenige Monate nach der Heirat, geführt.
Es habe sich letzlich um eine Investition in die gemeinsame eheliche Zukunft
gehandelt.
Es ist fraglich, ob das Kantonsgericht die fehlende Schenkungsabsicht im Sinne
einer Tatsache festgestellt hat, welche das Bundesgericht nur auf Willkür
überprüfen kann, oder ob es Schlussfolgerungen aus der allgemeinen
Lebenserfahrung gezogen hat, an welche das Bundesgericht nicht gebunden ist
(BGE 132 III 715 E. 2.3). Auch wenn Letzteres der Fall wäre, ist der
angefochtene Entscheid in diesem Punkt nicht zu beanstanden. Selbst wenn der
Aspekt der zukünftigen ehelichen Solidaridät in der letzten Zeit der Ausbildung
eine wesentliche Rolle gespielt hat, werden Schenkungen zwischen Ehegatten auch
bei bewusst unentgeltlichen Leistungen nicht vermutet (BGE 96 II 1 ff.; Steck,
in: FamKommentar Scheidung, Hrsg. Ingeborg Schwenzer, Bern 2005, N. 2 zu Art.
206 ZGB, S. 723). Vielmehr ist mit der Vorinstanz anzunehmen, dass der Ehemann
seine Investition in die Ausbildung der Beschwerdeführerin damals wieder
zurückerstattet haben wollte, wenn es zu keiner Heirat kommen würde. Gleiches
gilt im Scheidungsfall.

4.
Nach dem Ausgeführten ist die Beschwerde in Zivilsachen abzuweisen, soweit
darauf einzutreten ist. Die Beschwerdeführerin wird damit kostenpflichtig (Art.
66 Abs. 1 BGG). Sie hat ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gestellt,
welchem entsprochen werden kann, da die Voraussetzungen hierfür gemäss Art. 64
Abs. 1 und 2 BGG erfüllt sind. Eine Parteientschädigung an den Beschwerdegegner
ist nicht zuzusprechen, da er nicht zur Vernehmlassung eingeladen worden ist.

5.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtspflege wird
gutgeheissen, und Rechtsanwalt Dr. Marco Möhr, Chur, wird zu ihrem
unentgeltlichen Rechtsbeistand bestellt.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt,
indes vorläufig auf die Gerichtskasse genommen.

4.
Rechtsanwalt Dr. Marco Möhr wird aus der Bundesgerichtskasse eine
Parteientschädigung von Fr. 1'500.-- zugesprochen.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht von Graubünden,
Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 6. August 2008

Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Raselli Schett