Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.384/2008
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
5A_384/2008/bnm

Urteil vom 21. Oktober 2008
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichter Meyer,
Bundesrichterin Jacquemoud-Rossari,
Gerichtsschreiber von Roten.

Parteien
B.________ (Ehefrau),
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Cornel Wehrli,

gegen

K.________ (Ehemann),
Beschwerdegegner,
vertreten durch Fürsprecher Dr. Andreas Edelmann,

Gegenstand
Ehescheidung; nachehelicher Unterhalt,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau, Zivilgericht,
2. Kammer, vom 24. April 2008.

Sachverhalt:

A.
K.________ (Ehemann), Jahrgang 1953, und B.________ (Ehefrau), Jahrgang 1960,
lernten sich 1989 in Thailand kennen und heirateten am xxxx 1993 in G.________.
Ihre Ehe blieb kinderlos. Die Ehefrau hat eine voreheliche Tochter, Jahrgang
1983, die ab 1999 bei den Ehegatten in der Schweiz lebte. Vor ihrer Heirat
arbeitete die Ehefrau, die eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen hatte,
als Buchhalterin in einem Hotel in Thailand. Während der ersten Ehejahre
besorgte sie den Haushalt. Ab 1998 war sie teilzeitlich und ab 2000
vollzeitlich in verschiedenen Bereichen erwerbstätig (Gastronomie, Reinigung,
Abpackerei und Kioskbetrieb). Auf Grund gesundheitlicher Schwierigkeiten ab 1.
Juni 2002 musste die Ehefrau ihr Arbeitspensum herabsetzen. Sie erhielt mit
Wirkung ab 1. Juni 2003 eine halbe Invalidenrente zuerkannt. Der Ehemann war
während der ganzen Ehe vollzeitlich berufstätig (Fahrdienstleiter bei den SBB).
Die Ehegatten trennten sich Mitte 2001. Das Getrenntleben musste gerichtlich
geregelt werden. Der Ehemann reichte am 16. Februar 2005 das Gesuch um
Scheidung auf gemeinsames Begehren ein. Streitig blieb insbesondere der
Anspruch der Ehefrau auf nachehelichen Unterhalt.

B.
Das Bezirksgericht G.________ schied die Ehe und verpflichtete den Ehemann, der
Ehefrau an deren persönlichen Unterhalt ab Rechtskraft der Scheidung bis und
mit März 2010 monatlich einen Betrag von Fr. 1'500.-- zu bezahlen. Den
(indexierten) Unterhaltsbeiträgen lagen Nettoeinkommen von Fr. 6'647.--
(Ehemann) und Fr. 1'671.-- (Ehefrau) zugrunde (Urteil vom 6. März 2007). Soweit
sie den Unterhalt betraf, wies das Obergericht des Kantons Aargau die
Appellation der Ehefrau ab (Dispositiv-Ziffer 2 des Urteils vom 24. April
2008).

C.
Dem Bundesgericht beantragt die Ehefrau, den Ehemann zur Zahlung eines
Unterhaltsbeitrags von monatlich Fr. 2'500.-- ab Rechtskraft des
Scheidungsurteils bis Januar 2018 (Pensionierung des Ehemannes) zu
verpflichten, eventualiter die Sache zur neuen Beurteilung an das Obergericht
zurückzuweisen. Sie ersucht um unentgeltliche Rechtspflege für das
bundesgerichtliche Verfahren. Der Ehemann schliesst auf Abweisung der
Beschwerde. Das Obergericht hat die Akten eingereicht, auf eine Vernehmlassung
aber verzichtet.

Erwägungen:

1.
Die Beschwerde nach Art. 72 ff. BGG gegen das kantonal letztinstanzliche Urteil
über den Anspruch auf nachehelichen Unterhalt (Art. 125 ZGB) ist zulässig.

2.
Zur Bestimmung des gebührenden Unterhalts hat das Obergericht festgehalten, die
Dauer des tatsächlichen Zusammenlebens von acht Jahren zusammen mit der
Entwurzelung der Ehefrau aus ihrer Heimat lasse die Ehe der Parteien als
lebensprägend erscheinen (E. 5.2 S. 11 ff.). Abzustellen sei auf den vor der
Trennung gelebten Standard, zu dem die Parteien indessen keine konkreten
Angaben machten. Es wäre in erster Linie Sache der Beschwerdeführerin gewesen,
ihren konkreten Lebensbedarf darzutun. Das Obergericht hat deshalb den
monatlichen Bedarf der Beschwerdeführerin errechnet (Fr. 3'000.--), diesen
Betrag dem gebührenden Unterhalt gleichgesetzt und festgehalten, die
Beschwerdeführerin vermöge ihren Unterhalt mit dem zuletzt erzielten
monatlichen Einkommen von Fr. 3'430.-- zu decken. Dass die Beschwerdeführerin
heute nur mehr über monatliche Einnahmen von Fr. 1'671.-- verfüge (IV-Rente und
Teilzeitarbeit), bleibe unbeachtlich, weil die Erwerbseinbusse nicht ehebedingt
sei. Ebenso wenig ehebedingt sei deshalb die infolge mangelnder
Leistungsfähigkeit entstehende Vorsorgelücke. Vermöge die Beschwerdeführerin
für ihren Unterhalt selbst aufzukommen, bestehe kein Unterhaltsanspruch. Da der
Beschwerdegegner das bezirksgerichtliche Urteil nicht angefochten habe, bleibe
es bei seiner Verpflichtung zur Zahlung von monatlichen Beiträgen von Fr.
1'500.-- bis und mit März 2010 (E. 5.3 S. 16 ff. des angefochtenen Urteils).

3.
Der Beschwerdegegner wendet ein, das Obergericht sei zu Unrecht von einer
lebensprägenden Ehe ausgegangen, zumal die Beschwerdeführerin sich persönlich
und wirtschaftlich so gut habe integrieren können, dass ihr der Umzug in die
Schweiz - auch nach der Trennung gegenüber ihrer wirtschaftlichen Situation vor
der Heirat in Thailand - keinerlei Nachteile gebracht habe (S. 3 f. Bst. A/a
der Vernehmlassung).

3.1 Gemäss Art. 125 Abs. 1 ZGB besteht Anspruch auf nachehelichen Unterhalt
("einen angemessenen Beitrag"), soweit einem Ehegatten nicht zuzumuten ist, für
den ihm gebührenden Unterhalt unter Einschluss einer angemessenen
Altersvorsorge selbst aufzukommen. Welcher Unterhalt "gebührend" ist, bestimmt
sich daran, ob die Ehe lebensprägend war oder nicht. Letzterenfalls, was
regelmässig bei sog. Kurzehen (d.h. Ehen, die weniger als fünf Jahre gedauert
haben) zutrifft, sind die vorehelichen wirtschaftlichen Verhältnisse
massgebend. Von einer Lebensprägung ist demgegenüber auszugehen, wenn die Ehe
lange (d.h. in der Regel mehr als zehn Jahre) gedauert hat, wenn aus ihr Kinder
hervorgegangen sind oder wenn der ansprechende Ehegatte mit der Heirat aus
seinem bisherigen Kulturkreis entwurzelt worden ist; diesfalls wird angenommen,
dass das Vertrauen auf den Weiterbestand der bisherigen, frei vereinbarten
Aufgabenteilung objektiv schutzwürdig ist, und der unterhaltsberechtigte Teil
hat grundsätzlich Anspruch auf Fortsetzung des zuletzt gemeinsam gelebten
Standards. Bei einer Ehedauer zwischen fünf und zehn Jahren spielt keine
eigentliche Vermutung; vielmehr kommt es darauf an, ob die gelebten Umstände
die Lebensverhältnisse der Ehegatten nachhaltig geprägt haben oder nicht
(Urteil 5C.169/2006 vom 13. September 2006 E. 2.4, in: Fampra.ch 2007 S. 147).

3.2 Die Ehe der Parteien von acht Jahren Dauer (Eheschliessung: Juni 1993;
Trennung: Mitte 2001) ist weder als typische Kurzehe anzusehen noch spielt bei
ihr grundsätzlich die Vermutung der Lebensprägung. Sie blieb zwar kinderlos,
doch ist die Ehefrau aus Thailand in die Schweiz übersiedelt und damit ihrem
Kulturkreis entwurzelt worden. Sie hat ihre bisherige Erwerbstätigkeit während
der ersten fünf Jahre in der Schweiz aufgegeben bzw. mangels Sprachkenntnissen
nicht weiterführen können und erst später in Bereichen wie Gastronomie,
Reinigung, Abpackerei und Kioskbetrieb gearbeitet, die ihrer kaufmännischen
Ausbildung und dem in Thailand ausgeübten Beruf einer Buchhalterin in einem
Hotelbetrieb nicht entsprochen haben. Ihr voreheliches Kind ist zu ihr aus
Thailand in die Schweiz gezogen, lebt hier seit bald zehn Jahren und absolviert
Schule und Lehre. Die massgebenden Lebensverhältnisse stimmen - abgesehen von
der mehr als doppelt so langen Ehedauer - weitgehend mit den im Urteil 5C.149/
2004 vom 6. Oktober 2004 beurteilten überein, wo das Bundesgericht eine
kinderlose Ehe von drei Jahren Dauer als lebensprägend anerkannte, namentlich
weil die Ehefrau ihren Kulturkreis (Brasilien) verlassen hatte, um zum Ehemann
in die Schweiz zu ziehen und hier ein neues Leben anzufangen, und weil sie ihre
Kinder aus erster Ehe im Einverständnis mit dem Ehemann hatte nachkommen
lassen. Eine rein wirtschaftliche Betrachtungsweise hat das Bundesgericht dort
abgelehnt und ist - so wie sie heute vom Beschwerdegegner vorgetragen wird -
auch hier abzulehnen. Vielmehr hat das Obergericht annehmen dürfen, die Heirat
habe den Lebensplan der Beschwerdeführerin derart verändert, dass ihr die
Rückkehr zu den wirtschaftlichen, aber insbesondere auch persönlichen
Verhältnissen vor der Ehe nicht zuzumuten sei (vgl. das zit. Urteil 5C.149/2004
E. 4.3-4.5, in: Fampra.ch 2005 S. 354 ff.).

3.3 Ist somit von einer lebensprägenden Ehe auszugehen, bemisst sich der
gebührende Unterhalt an dem in der Ehe zuletzt gemeinsam gelebten Standard
(zuzüglich scheidungsbedingter Mehrkosten), auf dessen Fortführung bei
genügenden Mitteln beide Teile Anspruch haben, der aber gleichzeitig auch die
Obergrenze des gebührenden Unterhalts bildet (BGE 134 III 145 E. 4 S. 146).

4.
Das Obergericht hat den gebührenden Unterhalt konkret berechnet und dabei auf
das erweiterte und um 20 % erhöhte Existenzminimum abgestellt, weil die
Beschwerdeführerin ihren konkreten Lebensbedarf und weitere Ausgabenpositionen
nicht dargetan habe (E. 5.3.2 und E. 5.3.2.1 S. 17 f. des angefochtenen
Urteils). Die Beschwerdeführerin rügt willkürliche Sachverhaltsfeststellungen
und Verletzungen von Bundesrecht und stellt ihre eigene Berechnung des
gebührenden Unterhalts vor (S. 3 ff. Bst. A Ziff. 1-5 und S. 8 f. Bst. B der
Beschwerdeschrift). Der Beschwerdegegner beruft sich auf die Verbindlichkeit
des obergerichtlichen Beweisergebnisses und wendet ein, die Vorbringen der
Beschwerdeführerin seien unzulässig und deren Willkürrügen unbegründet (S. 4
ff. Bst. A/b-e und Bst. B der Vernehmlassung).

4.1 Das Obergericht hat die vorausgegangenen Eheschutzurteile beigezogen, es
aber abgelehnt, auf die darin enthaltenen Feststellungen und
Unterhaltsberechnungen abzustellen. Die dagegen gerichteten Rügen sind
unbegründet. Die im Rahmen von Eheschutzmassnahmen oder von vorsorglichen
Massnahmen während des Scheidungsverfahrens geleisteten Unterhaltsbeiträge
können nicht einfach dem gebührenden Unterhalt nach Art. 125 ZGB gleich gesetzt
werden. Das Scheidungsgericht ist an derart festgelegte oder von den Parteien
vereinbarte Unterhaltsbeiträge nicht gebunden und vielmehr befugt und auf
Bestreitung hin auch verpflichtet, die Faktoren neu zu prüfen und
festzustellen, die den nachehelichen Unterhalt bestimmen sollen. Die
Entscheidungsbefugnis des Scheidungsgerichts ergibt sich ohne weiteres aus der
beschränkten Rechtskraft der im summarischen Verfahren als vorsorgliche
Massnahmen oder Eheschutzmassnahmen ergangenen Entscheide gegenüber dem im
ordentlichen Verfahren zu fällenden Scheidungsurteil (Urteil 5A_257/2007 vom 6.
August 2007 E. 3.2.2, in: Fampra.ch 2007 S. 941 f.).

4.2 Die Beschwerdeführerin wendet ein, der massgebliche Lebensstandard hätte
nach der Methode der Notbedarfsrechnung mit Überschussverteilung ermittelt
werden müssen, weil während der Ehe keinerlei Ersparnisse gebildet worden
seien, abgesehen von monatlichen Prämien (Fr. 135.--) für eine
Lebensversicherung. Das gemeinsame Einkommen beider Ehegatten von über Fr.
10'000.-- pro Monat nach Abzug des Bedarfs der gesamten Familie von Fr.
4'195.20 ergebe einen Überschuss, an dem sie beteiligt sei. Der ihr gebührende
Unterhalt im Sinne von Art. 125 ZGB entspreche damit maximal ihrem aktuellen
Notbedarf zuzüglich Überschussanteil. Auch der Unterhaltsbeitrag könne deshalb
auf Grund der aktuellen wirtschaftlichen Verhältnisse nach der gleichen Methode
berechnet werden. Die Einwände gegen die konkrete Berechnung des Obergerichts
erweisen sich indessen als unbegründet:
4.2.1 In tatsächlicher Hinsicht steht unangefochten fest, dass im Haushalt der
Parteien ab 1999 auch die Tochter der Beschwerdeführerin gelebt hat. Der
Grundbedarf und die Auslagen der vorehelichen Tochter dürfen nun aber nicht
einfach im Familienbedarf eingerechnet werden. Gemäss Art. 278 Abs. 2 ZGB hat
jeder Ehegatte dem andern in der Erfüllung der Unterhaltspflicht gegenüber
vorehelichen Kindern in angemessener Weise beizustehen. Der Beschwerdegegner
ist gegenüber der vorehelichen Tochter der Beschwerdeführerin damit nicht
unterhaltspflichtig, sondern gegenüber der Beschwerdeführerin
beistandspflichtig. Er kann verlangen, dass die Beschwerdeführerin als
leibliche Mutter zur Deckung des Barbedarfs ihrer vorehelichen Tochter zuerst
eigene Mittel einsetzt, Kindesvermögen anzehrt oder um Unterstützung von
Verwandten oder um Sozialhilfe nachsucht (Urteil 5C.218/2005 vom 27. Oktober
2005 E. 3.1, in: Fampra.ch 2006 S. 162 f.). Über ausreichende eigene Mittel hat
die ab 1998 erwerbstätige Beschwerdeführerin verfügt. Wie sie ihr Einkommen
verwendet hat oder ob der Beschwerdegegner aus seinem Einkommen auch sämtliche
Barkosten der Stieftochter gedeckt hat, ist nicht festgestellt. Es kann deshalb
nicht einfach angenommen werden, das Gesamteinkommen beider Ehegatten habe zur
Bestreitung ihrer Lebenshaltung gedient. Je nach konkreter Regelung der
Unterhaltsleistungen verfälscht die Notbedarfsrechnung mit Überschussverteilung
die Ermittlung der tatsächlichen Lebenshaltung, die sich die Ehegatten zuletzt
gemeinsam geleistet haben. In tatsächlicher Hinsicht kann ergänzt werden (Art.
105 Abs. 2 BGG), dass die Parteien an ihrer Befragung vor Bezirksgericht
Aussagen zur Verwendung ihrer Mittel gemacht haben. Dem Protokoll der
Verhandlung vom 29. Juni 2006 (act. 88 ff.) lässt sich entnehmen, dass die
Beschwerdeführerin vor und während der Ehe ihre in Thailand lebende Familie
finanziell unterstützt und ab 2000 vollzeitlich gearbeitet hat, um ihre Tochter
finanziell zu unterstützen. Damit stimmt die Aussage des Beschwerdegegners
überein, dass er alle Rechnungen und Einkäufe bezahlt habe, während sie das
verdiente Geld für sich brauchen konnte. Auch mit Rücksicht auf diese Aussagen
an der Parteibefragung kann nicht ungeprüft davon ausgegangen werden, das
gesamte Einkommen der Ehegatten sei zur Deckung ihrer gemeinsamen Lebenshaltung
verwendet worden.
4.2.2 Abgesehen von den fehlenden Feststellungen zur Verwendung der
finanziellen Mittel während der Ehe, steht in tatsächlicher Hinsicht weiter
fest, dass die Beschwerdeführerin ab 1998 teilzeitlich gearbeitet hat und erst
ab 2000 einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit nachgegangen ist, die sie aus
gesundheitlichen Gründen knapp zwei Jahre später wieder auf ein Teilzeitpensum
herabsetzen musste (E. 5.2.2.1 S. 12 f. des angefochtenen Urteils). Bei derart
schwankendem Einkommen kann der Lebenshaltung während der Ehe nicht das zuletzt
erzielte Einkommen zugrunde gelegt werden, das kurz vor Trennung zufällig und
auch nur vorübergehend einen Höchstwert erreicht hat. Es müsste vielmehr von
einem Durchschnittswert ausgegangen werden. Die Berechnung der
Überschussverteilung wird verfälscht, wenn die Beschwerdeführerin mit dem
zuletzt erzielten eigenen Einkommen von monatlich Fr. 3'430.-- rechnet statt
mit einem durchschnittlichen Einkommen zwischen Fr. 1'500.-- und Fr. 2'000.--,
das ihr auf Grund ihres Gesundheitszustandes tatsächlich möglich und auch
zumutbar gewesen sein dürfte.
4.2.3 Methodisch braucht sich das Obergericht nichts vorwerfen zu lassen. Aus
den dargelegten Gründen erscheint die Methode der Notbedarfsrechnung mit
Überschussverteilung hier nicht als geeignet zur Ermittlung der massgebenden
Lebenshaltung. Es verletzt deshalb kein Bundesrecht, dass das Obergericht den
Standard während der Ehe und - unter Berücksichtigung der seit der Trennung
eingetretenen Veränderungen - den gebührenden Unterhalt im Sinne von Art. 125
ZGB konkret berechnet hat. Das Bundesrecht schreibt keine bestimmte Methode
vor, wie der nacheheliche Unterhalt festzulegen ist (BGE 128 III 411 E. 3.2.2
S. 414). Neben Quotenregel oder Notbedarfsrechnung mit Überschussverteilung ist
das vom Obergericht angewendete sog. einstufig-konkrete Vorgehen zulässig und
anerkannt. Dabei wird der gebührende Unterhalt direkt anhand der tatsächlichen
Lebenshaltung unter Berücksichtigung der trennungsbedingten Mehrkosten
berechnet (Urteil 5C.308/2005 vom 12. April 2006 E. 3.3; vgl. Urteil 5C.271/
2005 vom 23. März 2006 E. 9.5, in: Fampra.ch 2006 S. 722 f.).

4.3 Die konkrete Bemessung ihres Lebensbedarfs und die dabei berücksichtigten
Aufwandpositionen ficht die Beschwerdeführerin nicht an. Sie beschränkt sich
darauf, den obergerichtlichen Zahlen die von ihr in die Abrechnung eingesetzten
Beträge gegenüberzustellen und vermag damit weder ausnahmsweise zulässige
Sachverhaltsrügen noch Bundesrechtsverletzungen formell ausreichend zu
begründen (vgl. BGE 134 II 244 E. 2 S. 245 f.). Auszugehen ist deshalb von
einem gebührenden Unterhalt im Betrag von rund Fr. 3'000.-- monatlich.
Hinzuzurechen sind monatlich Fr. 220.-- für auswärtige Verpflegung, falls eine
vollzeitliche Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin anzunehmen ist.

5.
Die Eigenversorgung eines jeden Ehegatten hat nach Art. 125 ZGB gegenüber
allfälligen Unterhaltsleistungen des anderen Ehegatten den Vorrang. Streitig
ist, ob die Erwerbseinbusse der Beschwerdeführerin zufolge Invalidität als sog.
ehebedingter Nachteil zu berücksichtigen ist. Das Obergericht und der
Beschwerdegegner verneinen die Frage. Die Beschwerdeführerin stellt sich auf
den gegenteiligen Standpunkt (S. 8 Bst. A Ziff. 6 der Beschwerdeschrift).

5.1 In tatsächlicher Hinsicht steht unangefochten fest, dass die
Beschwerdeführerin vor der Trennung Mitte 2001 vollzeitlich erwerbstätig
gewesen ist und zuletzt ein monatliches Einkommen von Fr. 3'428.-- erzielt hat
(E. 5.3.2.1 Abs. 1 S. 18). Erstellt ist, dass die Beschwerdeführerin seit 1.
Juni 2002 in ihrer Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt ist und mit Wirkung
ab 1. Juni 2003 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente hat (E. 4.2.2 S. 9). Das
Einkommen der Beschwerdeführerin (IV-Rente und teilzeitliche Erwerbstätigkeit)
beträgt heute Fr. 1'671.-- monatlich (E. 5.3.2.1 Abs. 2 S. 18 des angefochtenen
Urteils). Dass die Beschwerdeführerin in weitergehendem Umfang erwerbstätig
sein könnte, als sie es tatsächlich ist, hat das Bezirksgericht ausdrücklich
verneint (E. 2.2 S. 6) und ist vor Obergericht offenbar nicht geltend gemacht
worden. Darauf bezogene Vorbringen fehlen auch im bundesgerichtlichen
Beschwerdeverfahren. Auszugehen ist somit von den tatsächlichen Einnahmen der
Beschwerdeführerin von Fr. 1'671.-- monatlich.

5.2 Das Obergericht hat dafürgehalten, der Beschwerdegegner könne einerseits
deshalb nicht zu einem Solidargemeinschaftsunterhalt verpflichtet werden, weil
die kinderlose Ehe der Parteien nur drei Jahre gedauert habe und zwischen der
Gesundheit der Beschwerdeführerin und der Ehe kein Bezug bestehe. Andererseits
komme hinzu, dass die Teilinvalidität erst nach Aufhebung des gemeinsamen
Haushaltes eingetreten sei. Aus diesen Gründen hat das Obergericht angenommen,
die Erwerbseinbusse sei nicht ehebedingt und ausser Betracht zu lassen (vgl. E.
5.2.2.1 S. 13/14 und E. 5.3.2.1 S. 18 des angefochtenen Urteils).
5.2.1 Nacheheliche Solidarität ist Folge und Verpflichtung einer
lebensprägenden Ehe, und lebensprägend ist eine Ehe, wenn sie - aus welchen
Gründen auch immer - Vertrauenspositionen geschaffen hat, die auch nach der
Scheidung nicht enttäuscht werden dürfen (E. 3.1 hiervor). Ist die Ehe hier als
lebensprägend anzusprechen (E. 3.2 hiervor), wird der Gesundheitszustand
ungeachtet der Ehebedingtheit seiner Beeinträchtigung berücksichtigt (Urteil
5C.169/2006 vom 13. September 2006 E. 2.6, in: Fampra.ch 2007 S. 148 f.). Die
gegenteilige Auffassung trifft nicht zu.
5.2.2 Keine Rolle spielt, in welchem Zeitpunkt während der lebensprägenden Ehe
die Beeinträchtigung in der Gesundheit eintritt, solange dies vor dem Urteil
über die Scheidung geschieht. Bei der Beurteilung, ob ein Unterhaltsbeitrag zu
leisten sei und gegebenenfalls in welcher Höhe und wie lange (Art. 125 Abs. 2
ZGB), unterscheidet die Rechtsprechung nicht danach, ob sich die Gesundheit
eines Ehegatten vor oder nach Aufnahme des Getrenntlebens verschlechtert hat
(z.B. BGE 130 III 537 S. 538 und E. 3.4 S. 544: Trennung im Mai 1995,
Teilinvalidität ab Dezember 1999 und Scheidungsurteil vom 26. November 2002).
Handelt es sich hier um eine während der Ehe eingetretene Verschlechterung des
Gesundheitszustandes, ist sie als Faktor bei der Beurteilung von Anspruch und
Umfang des nachehelichen Unterhalts (Art. 125 Abs. 2 Ziff. 4 ZGB) zu
berücksichtigen. Unter diesen Umständen kann dahingestellt bleiben, wie es sich
mit der nachehelichen Solidarität im Falle einer vorehelichen Beeinträchtigung
der Gesundheit verhält (vgl. Urteil 5C.51/2003 vom 5. März 2003 E. 3, in:
Fampra.ch 2003 S. 676 f.).
5.2.3 Ein ausnahmsweises Abweichen vom Scheidungszeitpunkt soll damit freilich
nicht ausgeschlossen sein, muss aber begründet werden. Eine sachliche
Begründung fehlt im vorliegenden Fall. Das Obergericht verweist lediglich auf
die bereits erfolgte Trennung der Ehegatten Mitte 2001, als ab 1. Juni 2002 die
schwere gesundheitliche Beeinträchtigung auf Seiten der Beschwerdeführerin
eingetreten ist. Gestützt auf die kantonalen Urteile betreffend Eheschutz kann
diesbezüglich ergänzt werden (Art. 105 Abs. 2 BGG), dass sich die Ehegatten
damals nicht im Hinblick auf eine unausweichliche Scheidung getrennt hatten. Es
steht vielmehr fest, dass das Getrenntleben nur bis und mit 31. Juli 2002
bewilligt wurde, weil die Parteien gemeinsam eine Ehetherapie durchführen
wollten (E. 3 S. 6 des Urteils des Bezirksgerichts vom 16. Oktober 2001) bzw.
eine bloss vorübergehende Aufhebung des gemeinsamen Haushalts eine Verbesserung
der persönlichen Beziehungen bewirken könnte (E. 2d S. 9 des obergerichtlichen
Urteils vom 8. April 2002). Im Zeitpunkt, in dem die Verschlechterung des
Gesundheitszustandes eintrat, stand das Scheitern der Ehe somit nicht fest.
Eine Ausnahme von den vorstehenden Grundsätzen rechtfertigte sich deshalb
nicht.

5.3 Für die Erwerbseinbusse der Beschwerdeführerin infolge Teilinvalidität hat
der Beschwerdegegner auf Grund seiner nachehelichen Solidarität nach dem
Gesagten einzustehen. Mit ihrem monatlichen Einkommen von Fr. 1'671.-- vermag
die Beschwerdeführerin ihre Lebenshaltungskosten von rund Fr. 3'000.-- nicht zu
decken. Sie hat deshalb einen Anspruch gegen den Beschwerdegegner auf
nachehelichen Unterhalt. Der Fehlbetrag beträgt rund Fr. 1'350.--. Nach der
zutreffenden Annahme des Obergerichts sind die Kosten für auswärtige
Verpflegung (Fr. 220.--) nicht zu berücksichtigen, da der Beschwerdegegner für
die Erwerbseinbusse der Beschwerdeführerin einstehen muss und es nicht so zu
halten ist, als ob die Beschwerdeführerin (hypothetisch) ihrer vor der Trennung
ausgeübten (vollzeitlichen) Erwerbstätigkeit nachginge (vgl. E. 4.3 hiervor).

6.
Neben der Deckung des laufenden Bedarfs besteht unter den gesetzlichen
Voraussetzungen zusätzlich ein Anspruch auf einen Beitrag an eine angemessene
Altersvorsorge (sog. Vorsorgeunterhalt) als Teil des gebührenden Unterhalts im
Sinne von Art. 125 Abs. 1 ZGB. Das Obergericht hat den geltend gemachten Betrag
von monatlich Fr. 300.-- nicht berücksichtigt mit der Begründung, dass die
Vorsorgelücke nicht ehebedingt sein könne, wenn bereits die Erwerbseinbusse
infolge Teilinvalidität nicht ehebedingt sei (E. 5.3.2.2 S. 19 des
angefochtenen Urteils). Da die Ehebedingtheit hier keine Rolle spielt (E. 5
hiervor), ist die Frage nach dem Vorsorgeunterhalt zu prüfen. Die
Beschwerdeführerin fordert unter diesem Titel einen Beitrag von monatlich Fr.
300.--, ohne ihn näher zu beziffern. Sie hat diesen Betrag offenkundig aus der
nicht veröffentlichten Rechtsprechung des Bundesgerichts abgeleitet, wo die
Zusprechung von monatlich Fr. 300.-- als Vorsorgeunterhalt in vergleichbaren
Verhältnissen nicht beanstandet wurde (Urteil 5C.138/2006 vom 18. Juli 2006 E.
6). Der Betrag erscheint mit Rücksicht auf die massgebende Lebenshaltung (rund
Fr. 3'000.--) und die Eigenmittel der Beschwerdeführerin (Fr. 1'671.--) nicht
als unangemessen. Der Beschwerdegegner äussert sich zur Höhe des geltend
gemachten Betrages nicht.

7.
Geschuldet ist im Sinne von Art. 125 ZGB ein angemessener Beitrag. Der
Beschwerdeführerin fehlen zur Deckung des Unterhaltsbedarfs monatlich Fr.
1'350.-- und zur Füllung der Vorsorgelücke monatlich Fr. 300.--. Den
aufgerundeten Betrag von monatlich insgesamt Fr. 1'700.-- vermag der
Beschwerdegegner mit einem Einkommen von Fr. 6'647.-- und Lebenshaltungskosten
(einschliesslich Steuern) von rund Fr. 3'600.-- ohne weiteres zu tragen. Der
Beitrag ist antragsgemäss bis zum Eintritt des Beschwerdegegners in die
AHV-Berechtigung (Januar 2018) zu befristen, da keine Anhaltspunkte dafür
bestehen, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin wieder
verbessern und ihr künftig ein höheres Einkommen angerechnet werden könnte
(vgl. E. 5.1 hiervor). Indexklausel und Feststellung der massgebenden
Einkommensverhältnisse gemäss bezirksgerichtlichem Urteil sind bereits vor
Obergericht unangefochten geblieben.

8.
Die Beschwerdeführerin obsiegt mit ihren Begehren teilweise, so dass es sich
rechtfertigt, dem Beschwerdegegner 2/3 der Gerichtskosten aufzuerlegen und ihn
zu einer entsprechend herabgesetzten Parteientschädigung zu verpflichten (Art.
66 Abs. 1 und Art. 68 Abs. 1 und 2 BGG). Soweit es nicht gegenstandslos
geworden ist, kann das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege gutgeheissen werden. Die Voraussetzungen dazu sind
erfüllt (Art. 64 BGG). Über die Kosten und Entschädigungen des kantonalen
Verfahrens wird das Obergericht neu zu befinden haben (Art. 67 und Art. 68 Abs.
5 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen, und die Dispositiv-Ziffern 2, 4 und
5 des Urteils des Obergerichts des Kantons Aargau vom 24. April 2008 werden
aufgehoben. Dispositiv-Ziffer 2 des obergerichtlichen Urteils wird geändert wie
folgt:

2.
In teilweiser Gutheissung der Appellation wird Dispositiv-Ziffer 2 des Urteils
des Gerichtspräsidiums G.________ vom 6. März 2007 aufgehoben und durch
folgende Bestimmung ersetzt:

2.
Der Gesuchsteller wird verpflichtet, der Gesuchstellerin an ihren persönlichen
Unterhalt ab Rechtskraft der Scheidung bis und mit Januar 2018 monatlich
vorschüssig einen Betrag von Fr. 1'700.-- zu bezahlen.

2.
Der Beschwerdeführerin wird die unentgeltliche Rechtspflege gewährt, soweit ihr
Gesuch nicht gegenstandslos geworden ist.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 3'000.-- werden zu zwei Dritteln dem
Beschwerdegegner und zu einem Drittel der Beschwerdeführerin auferlegt, deren
Anteil indes vorläufig auf die Gerichtskasse genommen wird.

4.
Der Beschwerdegegner hat die Beschwerdeführerin für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 1'500.-- zu entschädigen.

5.
Rechtsanwalt Cornel Wehrli wird als unentgeltlicher Anwalt der
Beschwerdeführerin bestellt, und es wird ihm für das bundesgerichtliche
Verfahren aus der Gerichtskasse eine Entschädigung von Fr. 1'500.--
ausgerichtet.

6.
Die Sache wird zur Neuverlegung der Kosten des vorangegangenen Verfahrens an
das Obergericht zurückgewiesen.

7.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Aargau,
Zivilgericht, 2. Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 21. Oktober 2008
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Raselli von Roten