Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.43/2008
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Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
5A_43/2008/don

Urteil vom 15. Mai 2008
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichterin Escher, Bundesrichter Marazzi,
Gerichtsschreiber Levante.

Parteien
X.________,
Beschwerdeführer,

gegen

Y.________,
Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Rechtsanwältin Marie-Christine Müller Leu.

Gegenstand
Abänderung eines Scheidungsurteils,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Solothurn,
Zivilkammer, vom 11. Dezember 2007.

Sachverhalt:

A.
Mit Urteil vom 5. Juli 2005 des Gemeindegerichts von Z.________, Serbien, wurde
die Ehe von X.________ und Y.________, Staatsangehörige von Serbien-Montenegro
bzw. Bundesrepublik Jugoslawien, geschieden und der gemeinsame Sohn A.________,
geb. im 2001, unter die gemeinsame elterliche Sorge gestellt. Weiter wurde
bestimmt, dass sich A.________ in den ersten 15 Tagen des Monats unter der
Obhut seiner Mutter und die zweiten 15 Tagen unter der Obhut seines Vaters
aufhalten soll. Das serbische Gericht hat keine Unterhaltsregelungen getroffen.

Am 12. Oktober leitete Y.________ beim Richteramt Olten-Gösgen eine Klage auf
Abänderung und Ergänzung des serbischen Scheidungsurteils ein. Mit Urteil vom
15. Februar 2007 teilte das Amtsgericht Olten-Gösgen die elterliche Sorge für
A.________ der Mutter zu, gewährte dem Vater ein Besuchs- und Ferienrecht und
ordnete eine Erziehungsbeistandschaft betreffend das Besuchsrecht an. Weiter
verpflichtete es den Vater zu Unterhaltsbeiträgen zugunsten des Kindes. Das
Begehren um Zusprechung von Unterhaltsbeiträgen an Y.________ wurde abgewiesen.

B.
Gegen das Urteil des Amtsgerichts erhob X.________ Appellation betreffend die
Zuteilung der elterlichen Sorge für A.________ und die Besuchs- und
Ferienrechtsregelung. Y.________ appellierte betreffend die Unterhaltsbeiträge
zugunsten des Kindes.

Mit Urteil vom 11. Dezember 2007 bestätigte das Obergericht, Zivilkammer, des
Kantons Solothurn die Zuteilung der elterlichen Sorge für A.________ an die
Mutter. Ebenso bestätigte es die vom Amtsgericht getroffene Besuchs- und
Ferienrechtsregelung und die Errichtung der Erziehungsbeistandschaft. Weiter
verpflichtete des den Vater zu Unterhaltsbeiträgen zugunsten des Kindes von Fr.
750.-- pro Monat.

C.
Mit Eingabe vom 15. Januar 2008 führt X.________ "Nichtigkeitsbeschwerde" und
beantragt dem Bundesgericht sinngemäss, das Urteil des Obergerichts aufzuheben.
Weiter ersucht er um unentgeltliche Rechtspflege.

Es sind keine Vernehmlassungen eingeholt worden.

Erwägungen:

1.
1.1 Mit dem angefochtenen Urteil werden die elterlichen Rechte und Pflichten
(elterliche Sorge, persönlicher Verkehr, Unterhalt) als Folgen der Scheidung
geregelt, so dass es sich um einen Entscheid in Zivilsachen handelt (Art. 72
Abs. 1 BGG). Streitpunkt vor Bundesgericht ist u.a. die elterliche Sorge,
weshalb eine nicht vermögensrechtliche Streitigkeit vorliegt. Gegen den
Entscheid einer letzten kantonalen Instanz (Art. 75 Abs. 1 BGG) ist die
Beschwerde in Zivilsachen grundsätzlich zulässig und die Eingabe ist als solche
entgegenzunehmen.

1.2 Rechtsschriften haben die Begehren und deren Begründung zu enthalten (Art.
42 Abs. 1 BGG). Aus der Eingabe des Beschwerdeführers geht hervor, dass er in
der Sache sinngemäss verlangt, es sei auf die Klage auf Abänderung und
Ergänzung des serbischen Scheidungsurteils mangels Zuständigkeit des
Amtsgerichts Olten-Gösgen nicht einzutreten; eventualiter sei ihm die
elterliche Sorge zuzuteilen und hierzu das Kind anzuhören.

1.3 Weiter hat die Beschwerde nach Art. 72 ff. BGG eine Begründung zu
enthalten, in welcher in gedrängter Form dargelegt wird, inwiefern der
angefochtene Entscheid Recht verletzt (Art. 42 Abs. 1 und 2 BGG). Auf die
Vorbringen des Beschwerdeführers ist nur soweit einzutreten, als sie den
Begründungsanforderungen genügen.

1.4 Mit der Beschwerde nach Art. 72 ff. BGG kann u.a. die Verletzung von
Bundesrecht und Völkerrecht gerügt werden (Art. 95 BGG). Die Feststellung des
Sachverhalts kann nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder
auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht und die Behebung des
Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1
BGG). Dabei bedeutet "offensichtlich unrichtig" willkürlich (BGE 133 II 249 E.
1.2.2 S. 252).

Entgegen der Darstellung des Beschwerdeführers hat das Obergericht in Bezug auf
den Vorwurf von häuslicher Gewalt nicht festgestellt, dass er die
Beschwerdegegnerin tatsächlich geschlagen habe, so dass die entsprechende
Bestreitung ins Leere geht. Das Gleiche gilt für die Vorbringen betreffend
SMS-Mitteilungen, deren Urheberschaft das Obergericht bereits als bestritten
bezeichnet hat. Soweit der Beschwerdeführer sich gegen Tatsachenfeststellungen
des Obergerichts wendet, ohne eine Rüge im Sinne von Art. 97 BGG hinreichend
darzulegen, können seine Ausführungen nicht berücksichtigt werden.

2.
Der Beschwerdeführer macht geltend, dass Wohn- und Aufenthaltsort von
A.________ nicht Olten, sondern Welschenrohr sei, und daher das Amtsgericht
Thal-Gäu, und nicht das Amtsgericht Olten-Gösgen zuständig sei, um über die
Kinderbelange zu entscheiden.

2.1 In internationalen Sachverhalten sind gemäss Art. 1 MSA - in sinngemässer
Anwendung (Art. 85 Abs. 2 IPRG), da die Republik Serbien nicht Vertragsstaat
ist - zur Regelung der Kinderbelange (BGE 126 III 298 E. 2a/bb S. 302; 132 III
586 E. 2.2.1 S. 590) grundsätzlich die Gerichte des Staates zuständig, in dem
ein Minderjähriger seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat (internationale
Zuständigkeit). Nach der Lehre ist die interne bzw. örtliche Zuständigkeit in
erster Linie ebenfalls am Ort des gewöhnlichen Aufenthalts des Kindes gegeben,
sofern die Regelung der Kinderbelange nicht Nebenfolge eines Prozesses ist,
dessen interne Zuständigkeit sich nach anderen, z.B. scheidungsrechtlichen
(Art. 59 IPRG) Regeln richtet (Bucher, L'enfant en droit international privé,
Genf 2003, Rz. 328).

2.2 Der Beschwerdeführer stellt nicht in Frage, dass der gewöhnliche Aufenthalt
von A.________ in der Schweiz liegt und die schweizerischen Gerichte zuständig
sind, über die Zuteilung der elterliche Sorge zu entscheiden. Aus dem
angefochtenen Urteil geht nicht hervor, dass die interne bzw. örtliche
Zuständigkeit zur Beurteilung der Kinderbelange Streitgegenstand war. Das
Obergericht hat in diesem Zusammenhang festgehalten, dass A.________
insbesondere bei Klageeinreichung als damals 4½-jähriger unbestrittenermassen
bei seiner Mutter in Olten war. Die Vorbringen des Beschwerdeführers laufen auf
die Einrede der fehlenden (örtlichen) Zuständigkeit des Amtsgerichts
Olten-Gösgen und den Antrag hinaus, es sei das Amtsgericht Thal-Gäu zuständig
zu erklären. Dass dieses Begehren bereits vor der Vorinstanz vorgebracht worden
sei, behauptet der Beschwerdeführer nicht. Insoweit liegt ein neues Begehren im
Sinne von Art. 99 Abs. 2 BGG vor, welches unzulässig ist, und kann auf die
Beschwerde nicht eingetreten werden. Ebenso wenig ist der Einwand zulässig, nur
das Amtsgericht Thal-Gäu sei für vorsorgliche Massnahmen zuständig, zumal diese
nicht Gegenstand des angefochtenen Entscheides sind.

3.
Im kantonalen Verfahren war unstrittig, dass die vom serbischen Gericht
ausgesprochene gemeinsame elterliche Sorge anerkennbar und diese Anordnung in
Anwendung schweizerischen Rechts abzuändern ist. Der Beschwerdeführer wirft dem
Obergericht vor, die Regeln über die Sorgerechtszuteilung verletzt zu haben,
wenn es A.________ in die elterliche Sorge der Beschwerdegegnerin gegeben hat.

3.1 Gemäss Art. 133 Abs. 1 und 2 ZGB hat das Gericht namentlich die elterliche
Sorge einem Elternteil zuzuteilen und dabei alle für das Kindeswohl
massgebenden Umstände zu berücksichtigen. Auf die Meinung der Kinder ist,
soweit tunlich, Rücksicht zu nehmen (vgl. Art. 144 ZGB). Im Übrigen sind für
die Zuteilung die vom Bundesgericht in der langjährigen Rechtsprechung zum
früheren Art. 156 ZGB umschriebenen Kriterien wegleitend. Entscheidend ist das
Kindeswohl. Die Interessen der Eltern haben in den Hintergrund zu treten (vgl.
BGE 115 II 206 E. 4a S. 209, 317 E. 2 S. 319; 117 II 353 E. 3 S. 354 f.). Den
Bedürfnissen der Kinder ist gemäss ihrem Alter, ihren Neigungen und ihrem
Anspruch auf elterliche Fürsorglichkeit, Zuwendung und Erziehung bestmöglich zu
entsprechen. Als massgebliche Gesichtspunkte stehen dabei im Vordergrund die
persönlichen Beziehungen der Eltern zu den Kindern, ihre erzieherischen
Fähigkeiten und ihre Bereitschaft, die Kinder in eigener Obhut zu haben und sie
weitgehend persönlich zu betreuen und zu pflegen. Auch dem Bedürfnis der Kinder
nach der für eine harmonische Entfaltung in körperlicher, seelischer und
geistiger Hinsicht notwendigen Stabilität der Verhältnisse ist Rechnung zu
tragen (BGE 114 II 200 E. 3 S. 201 f.; 112 II 381 E. 3 S. 382 f.). Das
letztgenannte Kriterium erhält bei ungefähr gleicher Erziehungs- und
Betreuungsfähigkeit besonderes Gewicht (BGE 115 II 206 E. 4a S. 209). Bei der
Beurteilung steht den kantonalen Behörden, welche die Parteien und die
Verhältnisse besser kennen als das Bundesgericht, ein erhebliches Ermessen zu.
Das Bundesgericht greift nur ein, wenn einschlägige Kriterien grundlos ausser
Betracht geblieben oder offenkundig falsch gewichtet worden sind, oder wenn die
Zuteilung auf Überlegungen abgestützt worden ist, die unter dem Gesichtswinkel
des Kindeswohls bedeutungslos sind oder gegen die dargelegten
bundesgerichtlichen Grundsätze verstossen (BGE 117 II 353 E. 3 S. 355; 115 II
317 E. 2 S. 319).

3.2 Das Obergericht hat sich im Wesentlichen auf die umfassenden Berichte vom
2. Juni 2006 und 29. September 2006 der Familienberatung Olten-Gösgen
(B.________, dipl. Sozialarbeiterin FH) und die Anhörung der Parteien gestützt.
Ferner erwähnt es den Bericht des Belgrader Instituts für mentalen Schutz,
Abteilung für Ehe und Familie, vom 24. Dezember 2004, in welchem die Zuteilung
an die Mutter empfohlen wurde. Die Vorinstanz ist zum Ergebnis gelangt, dass
sich beide Elternteile um das Wohl von A.________ sorgen. Das 6¾ Jahre alte
Kind benötige noch umfassende Betreuung, und die Mutter habe die Möglichkeit
und den Willen, diese leisten. Der Vater habe hingegen Schwierigkeiten, seinen
Sohn während der Arbeitszeiten zu betreuen. Der Umstand, dass sich der
Beschwerdeführer wiederverheiratet und eine Tochter habe und seine Ehefrau
nicht erwerbstätig sei, spreche nicht automatisch für die Zuteilung des
Sorgerechts für A.________. Der Beschwerdeführer habe vor Obergericht die im
Familienbericht wiedergegebene latente Drohung, er werde "selber handeln" im
Fall, dass die Schweizer Behörden nicht seinem Wunsch entsprechen würden,
bestätigt, indem er u.a. in Serbien ein neues Verfahren in der Sache anhängig
gemacht habe. Der Beschwerdeführer sehe an der Beschwerdegegnerin nicht eine
einzige positive Seite im Bezug auf die Betreuung von A.________. Im Gegensatz
dazu betone die Beschwerdegegnerin die Wichtigkeit, dass A.________ auch zu
seinem Vater, den er liebe, eine gute Beziehung haben könne. Das Obergericht
hat erwogen, dass auf Seiten der Mutter die Bereitschaft, dem Kind den Kontakt
zum anderen Elternteil zu ermöglichen, grösser sei. Es hat geschlossen, dass
unter Berücksichtigung der gesamten Umstände die elterliche Sorge der
Beschwerdegegnerin zuzuteilen sei.
3.2.1 Das Obergericht geht von der Erziehungsfähigkeit beider Parteien aus.
Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, die Vorinstanz habe das Kriterium
der Stabilität der Verhältnisse bei der Frage der Zuteilung der elterlichen
Sorge falsch angewendet, geht sein Einwand fehl. Entgegen der Darstellung des
Beschwerdeführers hat das Obergericht die Stabilität seiner Verhältnisse nicht
in Frage gestellt. Im Übrigen ist das sinngemässe Vorbringen des
Beschwerdeführers, wonach das Kind bei ihm auf stabile Verhältnisse treffen
würde, unbehelflich, weil dies allein die Zuteilung der elterlichen Sorge nicht
zu rechtfertigen vermag. Mit seinen weiteren Vorbringen vermag der
Beschwerdeführer nicht darzulegen, inwiefern die Vorinstanz die Stabilität der
Verhältnisse auf Seiten der Beschwerdegegnerin verkannt hat. Seine
tatsächlichen Ausführungen (wonach u.a. die Beschwerdegegnerin schwanger sei
und mit ihrem jetzigen Verlobten in Serbien lebe, wo sie ein Haus baue und
ohnehin besser integriert sei) finden im angefochtenen Entscheid keine Stütze
und können nicht berücksichtigt werden (Art. 105 Abs. 1 BGG). Inwiefern der
Umstand, dass die Beschwerdegegnerin Sozialhilfe empfange, für die Stabilität
ihrer Verhältnisse von Bedeutung und von der Vorinstanz zu Unrecht ausser Acht
gelassen worden sei, setzt der Beschwerdeführer nicht auseinander. Sodann
wendet er sich gegen die vom Obergericht festgestellte Tatsache, dass
A.________ im Zeitraum der Einreichung der Klage bei der Beschwerdegegnerin
gewesen sei. Dass das Kind in Wirklichkeit bei ihm gewesen sei, stellt eine
unzulässige Kritik an Sachverhaltsfeststellungen im angefochtenen Entscheid
dar.
3.2.2 Aus den Erwägungen im angefochtenen Entscheid geht hervor, dass das
Obergericht für die Zuteilung des Sorgerechts in entscheidender Weise darauf
abgestellt hat, dass der Beschwerdeführer an der Beschwerdegegnerin keine
einzige positive Seite bezüglich der Betreuung von A.________ sieht. Die
Vorinstanz hat sich dabei auf die Parteibefragung und den Familienbericht
gestützt und festgestellt, dass der Beschwerdeführer von der Beschwerdegegnerin
nicht allzuviel hält, ihr sogar die Erziehungsfähigkeiten abspricht und die
Mutter selbst im Beisein des Kindes abwehrt.

Nach der Rechtsprechung gilt die Bereitschaft eines Elternteils, mit dem
anderen in Kinderbelangen zusammenzuarbeiten, als ein entscheiderheblicher
Gesichtspunkt, gerade wenn die Erziehungsfähigkeit beider Elternteile gegeben
ist (vgl. BGE 115 II 206 E. 4b S. 210). Dazu gehört, dass der die Obhut
innehabende Elternteil den Kontakt des Kindes zum andern Elternteil nicht
negativ beeinflusst, sondern fördert (vgl. BGE 115 II 317 E. 3 S. 320), denn
für die Entwicklung und Identität des Kindes ist seine Beziehung zu beiden
Elternteilen wichtig (BGE 130 III 585 E. 2.2.2 S. 590). Vorliegend hat das
Obergericht erkannt, dass die Haltung des Beschwerdeführers für die
Obhutszuteilung erheblich ist, zumal weder die Erziehungsfähigkeit der Parteien
noch die Stabilität von deren Verhältnissen in Frage stehen. Wenn die
Vorinstanz im Wesentlichen darauf abgestellt hat, dass der Beschwerdeführer
nicht wirklich in der Lage sei, den Paarkonflikt von der Elternrolle zu
unterscheiden, kann nicht davon gesprochen werden, dass sie unerhebliche
Umstände berücksichtigt oder erhebliche Umstände ausser Acht gelassen habe. Vor
diesem Hintergrund stellt der Schluss des Obergerichts, A.________ sei in die
elterliche Sorge der Mutter zu geben, keine Bundesrechtsverletzung dar.

4.
Weiter rügt der Beschwerdeführer, dass die elterliche Sorge für A.________ der
Beschwerdegegnerin zugeteilt worden sei, ohne auf die Sichtweise des Kindes
Rücksicht zu nehmen, obwohl dieses älter als sechs Jahre sei. Sinngemäss macht
der Beschwerdeführer geltend, das Kind sei zu Unrecht im kantonalen Verfahren
nicht persönlich angehört worden.

4.1 Art. 144 Abs. 2 ZGB bestimmt, dass bei Anordnungen über Kinder diese in
geeigneter Weise durch das Gericht oder durch eine beauftragte Drittperson
persönlich anzuhören sind, soweit nicht ihr Alter oder andere wichtige Gründe
dagegen sprechen. Diese Norm findet auf alle gerichtlichen Verfahren Anwendung,
in denen Kinderbelange zu regeln sind. Das Bundesgericht hat im Sinn einer
Richtlinie festgehalten, dass die Kinderanhörung grundsätzlich ab dem
vollendeten sechsten Altersjahr möglich ist (BGE 131 III 553 E. 1). Dieses
Schwellenalter, ab dem eine Anhörung grundsätzlich in Frage kommt, ist jedoch
zu unterscheiden von der kinderpsychologischen Erkenntnis, dass formallogische
Denkoperationen erst ab ungefähr elf bis dreizehn Jahren möglich sind und auch
die sprachliche Differenzierungs- und Abstraktionsfähigkeit erst ab diesem
Alter entwickelt ist (vgl. Felder/ Nufer, Die Anhörung des Kindes aus
kinderpsychologischer Sicht, in: Vom alten zum neuen Scheidungsrecht, Bern
1999, Rz. 4.131). Vor diesem Alter geht es bei der Kinderanhörung einzig darum,
dass sich das urteilende Gericht ein persönliches Bild machen kann und über ein
zusätzliches Element bei der Sachverhaltsfeststellung und Entscheidfindung
verfügt (vgl. Bräm, Die Anhörung des Kindes im neuen Scheidungsrecht, in: AJP
1999, S. 1569; Schweighauser, in: FamKommentar Scheidung, N. 7 zu Art. 144
ZGB). Soweit jedoch das Kind seinen Anspruch nicht selbst wahrnehmen kann,
setzt seine Anhörung einen entsprechenden Antrag einer Verfahrenspartei voraus;
diesfalls ist das Gericht zur Anhörung verpflichtet, weil sie als Pflichtrecht
ausgestaltet ist (Urteil 5C.209/2005 vom 23. September 2005, E. 3, Pra 2006 Nr.
17 S. 124 f.).

4.2 Im Zeitpunkt des Urteils des Amtsgerichts war A.________ noch nicht sechs
Jahre alt und hatte das für eine persönliche Anhörung massgebende
Schwellenalter noch nicht erreicht. Anhaltspunkte, welche im konkreten Fall die
Anhörung des Kindes dennoch aufgedrängt hätten und übergangen worden sind (vgl.
BGE 131 III 553 E. 1.2.3 S. 557), macht der Beschwerdeführer nicht geltend und
sind im Übrigen nicht ersichtlich. Insoweit ist nicht zu beanstanden, wenn das
Obergericht keinen Anlass gesehen hat, eine persönliche Anhörung des noch nicht
6-jährigen A.________ durch das Amtsgericht zu thematisieren. Im Zeitpunkt des
obergerichtlichen Entscheides hatte A.________ das Schwellenalter zwar
überschritten. Im Alter von 6¾ Jahren kann er indessen seinen Anspruch auf
Anhörung nicht selbst wahrnehmen und der Beschwerdeführer bringt nicht vor,
dass im kantonalen Verfahren ein Antrag auf Anhörung von A.________ gestellt
und übergangen worden sei. Das Obergericht durfte insoweit ohne Verletzung von
Bundesrecht von einer Anhörung des Kindes absehen.

4.3 Soweit der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang allenfalls sinngemäss
kritisiert, das Obergericht habe den Sachverhalt nicht hinreichend abgeklärt,
sind seine Vorbringen unbehelflich. Wohl stellt die Anhörung des Kindes auch
ein Mittel zur Sachverhaltsfeststellung dar (vgl. E. 4.1), welche nach Art. 145
ZGB von Amtes wegen zu erfolgen hat (vgl. dazu BGE 128 III 411 E. 3.2.1 S.
412), und kann die Anhörung urteilsunfähiger Kinder erforderlich sein, weil
sich daraus Hinweise auf die Eltern-Kind-Beziehung ergeben können (vgl.
Rumo-Jungo, Die Anhörung des Kindes unter besonderer Berücksichtigung
verfahrensrechtlicher Fragen, AJP 1999, S. 1579 und 1581 f.).

Das Obergericht hat den für die Zuteilung des Sorgerechts erheblichen
Sachverhalt anhand der Anhörung der Eltern (Art. 144 Abs. 1 ZGB) erforscht und
gestützt auf die zur Sorgerechtsfrage erstellten Berichte der Familienberatung
Olten-Gösgen differenzierte Feststellungen zur Eltern-Kind-Beziehung getroffen,
was der Beschwerdeführer selber nicht in Frage stellt. Er legt nicht dar, dass
er im kantonalen Verfahren in hinreichender Weise seiner Mitwirkungspflicht
nachgekommen sei (vgl. BGE 128 III 411 E. 3.2.1 S. 412) und Vorbringen
übergangen worden seien, welche die Anhörung von A.________ erforderlich
gemacht hätten, um weitere entscheiderhebliche Hinweise auf die
Eltern-Kind-Beziehung zu erlangen. Im Weiteren sind das Interesse an einer
eingehenden Sachverhaltsfeststellung und die Gründe, von der Anhörung des
Kindes abzusehen, gegeneinander abzuwägen (vgl. Reusser, Die Stellung der
Kinder im neuen Scheidungsrecht, in: Vom alten zum neuen Scheidungsrecht, Bern
1999, Rz. 4.85). A.________ wurde von der Sozialarbeiterin B.________ in deren
Bericht anlässlich der Hausbesuche als verunsichert wirkendes Kind
wahrgenommen, und von der Kinderpsychiaterin Dr. C.________ wird A.________
ebenfalls als eher ängstlich und unsicher beschrieben. Auf diese Hausbesuche
und die Gespräche mit der Kinderpsychiaterin hat das Obergericht Bezug
genommen. Der Beschwerdeführer übergeht, dass für die Vorinstanz Anhaltspunkte
bestanden haben, um von der Anhörung von A.________ abzusehen, auch wenn er die
Altersschwelle während des Appellationsverfahrens um einige Monate
überschritten hat. In der Beschwerdeschrift wird nicht dargelegt, inwiefern das
Obergericht sein Ermessen (Art. 4 ZGB) verletzt bzw. den Begriff der "wichtigen
Gründe" im Sinne von Art. 144 Abs. 2 ZGB verkannt habe, wenn es von der
Anhörung abgesehen hat. Insoweit kann auf die Beschwerde mangels hinreichender
Begründung nicht eingetreten werden (Art. 42 Abs. 2 BGG).

5.
Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde unbegründet und abzuweisen, soweit
darauf überhaupt eingetreten werden kann. Bei diesem Verfahrensausgang wird der
Beschwerdeführer kostenpflichtig (Art. 66 Abs. 1 BGG). Die Voraussetzungen, um
dem nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer die unentgeltliche
Rechtspflege zu gewähren, sind gegeben (Art. 64 Abs. 1 BGG). Eine
Parteientschädigung entfällt, da keine Vernehmlassung eingeholt worden ist und
der Beschwerdegegnerin keine Kosten entstanden sind.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde in Zivilsachen wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege wird
gutgeheissen.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 1'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt,
indes vorläufig auf die Gerichtskasse genommen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Solothurn,
Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 15. Mai 2008
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Raselli Levante