Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.444/2008
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
5A_444/2008 /zga

Urteil vom 14. August 2008
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichter Meyer, Bundesrichterin Hohl,
Gerichtsschreiber von Roten.

Parteien
X.________ (Ehemann),
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin Sandra Mäder,

gegen

Y.________ (Ehefrau),
Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Roland Metzger.

Gegenstand
Eheschutz (Obhutszuteilung),

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts
des Kantons Aargau, Zivilgericht, 5. Kammer,
vom 2. Juni 2008.

Sachverhalt:

A.
X.________ (Ehemann), Jahrgang 1964, und Y.________ (Ehefrau), Jahrgang 1969,
heirateten am 21. März 1994 und wurden Eltern des Sohnes S.________, geboren am
***1994, und der Tochter T.________, geboren am ***1999. Die Familie lebte
zuletzt gemeinsam in F.________. Der Ehemann führt daselbst einen Hotel- und
Restaurantbetrieb, in dem die Ehefrau mitarbeitete. Am 2. November 2006
verliess die Ehefrau mit der Tochter die eheliche Wohnung. Sie blieb zunächst
in F.________, nahm dann aber ab Juli 2007 ihren Wohnsitz in W.________.

B.
Auf Gesuch der Ehefrau regelte das Gerichtspräsidium P.________ das
Getrenntleben der Ehegatten. Es stellte die beiden Kinder im Sinne einer
vorläufigen Massnahme unter die Obhut ihres Vaters, räumte der Kindsmutter ein
Besuchs- und Ferienrecht ein und legte die Unterhaltsbeiträge fest (Urteil vom
9. Juli 2007). Die Ehefrau erhob dagegen Beschwerde und verlangte insbesondere
die Zuteilung der Obhut über die Tochter. Das Obergericht des Kantons Aargau
hiess die Beschwerde teilweise gut. Es beliess den Sohn unter der Obhut des
Vaters, stellte die Tochter hingegen unter die Obhut der Mutter, räumte beiden
Elternteilen je ein Besuchs- und Ferienrecht ein und legte die
Unterhaltsbeiträge neu fest (Urteil vom 2. Juni 2008).

C.
Der Ehemann beantragt dem Bundesgericht, das obergerichtliche Urteil aufzuheben
und das Urteil des Gerichtspräsidiums P.________ zu bestätigen, eventuell die
Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Es sei
festzustellen, dass der Beschwerde Suspensiveffekt zukomme. Im Sinne einer
vorsorglichen Massnahme sei ihm die Obhut über die Tochter zu belassen. Der
Beschwerdeführer ersucht um unentgeltliche Rechtspflege für das
bundesgerichtliche Verfahren. Das Obergericht hat auf eine Stellungnahme zum
Gesuch um aufschiebende Wirkung verzichtet, während die Beschwerdegegnerin auf
Abweisung schliesst. Der Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung zuerkannt
(Präsidialverfügung vom 28. Juli 2008). Am 8. August 2008 stellte die
Beschwerdegegnerin ein Gesuch, der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu
entziehen und ihr die Obhut über die Tochter im Sinne einer vorsorglichen
Massnahme superprovisorisch zuzuweisen mit der Begründung, das Mädchen sei nach
seiner Rückkehr aus den Ferien in Thailand bei der Beschwerdegegnerin geblieben
und werde wegen Verdachts auf sexuelle Übergriffe durch den Bruder vom Kinder-
und Jugendpsychiatrischen Dienst im Kantonsspital untersucht bzw. betreut. Auf
die Anordnung superprovisorischer Massnahmen wurde verzichtet
(Instruktionsrichterverfügungen vom 11. August 2008). Der Beschwerdeführer
beantragt die Abweisung des Gesuchs und verlangt, das Kantonsspital anzuweisen,
ihm die Tochter mit nach Hause zu geben, und der Beschwerdegegnerin den Kontakt
mit ihrer Tochter bis auf Weiteres zu verbieten. Das Obergericht hat auf eine
Stellungnahme verzichtet. Es sind die Akten, in der Sache aber keine
Vernehmlassungen eingeholt worden.

Erwägungen:

1.
Die Obhut über die Kinder wurde im Rahmen des kantonalen Eheschutzverfahrens
endgültig zugeteilt und nicht bloss im Sinne einer vorläufigen Massnahme (E. 1
S. 7 des angefochtenen Urteils), wie es im erstinstanzlichen Urteilsdispositiv
unrichtig heisst, dessen Bestätigung der Beschwerdeführer beantragt. In diesem
Sinne ist sein Antrag zu verstehen. Dass der Beschwerdeführer in der Begründung
nur auf die Obhutszuteilung eingeht, genügt für die Aufhebung des Urteils
insgesamt, da von der Obhutszuteilung abhängt, welcher Elternteil gegenüber
welchem Kind besuchsberechtigt und allenfalls unterhaltspflichtig ist und
inwieweit die Beschwerdegegnerin durch Betreuungspflichten an der eigenen
Erwerbstätigkeit gehindert ist. Der kantonal letztinstanzliche
Eheschutzentscheid unterliegt der Beschwerde gemäss Art. 72 ff. BGG. Die
Beschwerdegründe sind auf die Verletzung verfassungsmässiger Rechte beschränkt
(Art. 98 BGG; BGE 133 III 393 Nr. 47). Für die - eventualiter erhobene (S. 4
Ziff. 6 der Beschwerdeschrift) - subsidiäre Verfassungsbeschwerde bleibt kein
Raum (Art. 113 BGG). Ein Interesse an der Feststellung eines gesetzlichen
Suspensiveffektes neben dem beurteilten Gesuch um vorsorgliche Massnahmen mit
gleicher Wirkung ist weder ersichtlich noch dargetan (vgl. S. 14 f. Ziff. 5 der
Beschwerdeschrift), so dass darauf nicht einzutreten ist. Mit diesen
Vorbehalten kann auf die Beschwerde eingetreten werden. Weitere formelle
Einzelfragen sind im Sachzusammenhang zu erörtern.

2.
Eine Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör und der in
Kinderbelangen geltenden Untersuchungsmaxime erblickt der Beschwerdeführer
darin, dass das Obergericht die Beweisabnahme auf die Einholung eines Berichts
bei der Vormundschaftsbehörde beschränkt und auf seine Eingaben und Beweise
nicht eingegangen sei (S. 5 ff. Ziff. 3 der Beschwerdeschrift).

2.1 Der Einwand des Beschwerdeführers, die Kinder seien nie selbst zur
Situation befragt worden, trifft nicht zu. Gemäss den obergerichtlichen
Feststellungen zum Verfahren wurde der Knabe am 6. Juni 2007 und das Mädchen am
28. Juni 2007 angehört (E. 2.3 und E. 2.4 S. 4 des angefochtenen Urteils). Es
kann ergänzt werden, dass das Gerichtspräsidium Kinderbriefe versendet und
Kinderantwortbriefe erhalten hat (act. 36 f. und act. 47 f.). Laut Protokoll
haben sich der Knabe und das Mädchen - altersentsprechend - vor Gericht auf
Befragen zu ihrer Situation geäussert (act. 56 f. und act. 78 des
Bezirksgerichts). Das Obergericht hat zusätzlich einen Bericht bei der
Vormundschaftsbehörde eingeholt. Laut Amtsbericht vom 31. Januar 2008 (S. 3 f.)
haben Abklärungsgespräche mit den Kindern stattgefunden; deren Haltung und
Wünsche werden im Zusammenhang mit der Besuchsregelung beschrieben. Das
Obergericht hat die Vorschriften über die Anhörung der Kinder somit erfüllt
(vgl. BGE 131 III 409 E. 4.4 S. 412 ff. und 553 E. 1.1 S. 553 ff.). Zu einer
Wiederholung hat auf Grund der Verhältnisse kein sachlicher Grund bestanden
(vgl. Urteil 5C.19/2002 vom 15. Oktober 2002, E. 2.1, in: FamPra.ch 2003 S. 446
/447).

2.2 Im Eheschutzverfahren geht es darum, möglichst rasch eine optimale
Situation für die Kinder zu schaffen. Langwierige Abklärungen, etwa durch
Gutachten, sollten auch im Streitfall nicht die Regel sein, sondern nur
angeordnet werden, wenn besondere Umstände vorliegen (Urteile 5P.17/2003 vom
25. Februar 2003, E. 4.1, und 5P.157/2003 vom 30. Juni 2003, E. 3 und E. 4.4,
in: FamPra.ch 2003 S. 704 und S. 952 f.). Die gegenteiligen Vorbringen des
Beschwerdeführers treffen nicht zu, wonach der eingeholte Amtsbericht den
Anforderungen an ein gerichtliches Gutachten genügen müsse. Eines
Gerichtsgutachtens bedarf es nicht zwingend, und der Amtsbericht ist als
eigenes Beweismittel zuzulassen. In Kinderbelangen gilt der Freibeweis (BGE 122
I 53 E. 4a S. 55). Soweit sich das Obergericht gestützt auf die abgenommenen
Beweismittel bereits eine Überzeugung hat bilden können, verletzt seine
Weigerung, zusätzlich beantragte Beweismittel abzunehmen und eine
Beweisverhandlung durchzuführen (E. 2.1 S. 8 des angefochtenen Urteils), weder
den verfassungsmässigen Beweisanspruch (Art. 29 Abs. 2 BV; vgl. BGE 134 I 140
E. 5.3 S. 148) noch den Untersuchungsgrundsatz (Art. 145 Abs. 1 ZGB; vgl. BGE
130 III 734 E. 2.2.3 S. 735). Die (vorweggenommene) Beweiswürdigung kann das
Bundesgericht nur auf Willkür hin überprüfen (Art. 9 BV; vgl. zum Begriff: BGE
134 V 53 E. 4.3 S. 62).

2.3 Zum Amtsbericht hat der Beschwerdeführer am 25. April 2008 und am 7. Mai
2008 schriftlich Stellung genommen. Er bemängelt, das Obergericht habe sich mit
seinen Eingaben und Beweisen nicht auseinandergesetzt. Von einem Übersehen kann
indessen keine Rede sein. Das Obergericht hat die beiden Eingaben ausdrücklich
erwähnt (E. 3.7 S. 7) und ist darauf in der Beurteilung der Obhutszuteilung
eingegangen (z.B. E. 3.5.2 S. 15 des angefochtenen Urteils mit Hinweis auf ein
der Eingabe vom 25. April 2008 beigelegtes E-Mail). Dass sich das Obergericht
nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandergesetzt und nicht
jedes einzelne Vorbringen widerlegt hat, verletzt den Anspruch auf rechtliches
Gehör nicht. Das Obergericht durfte sich vielmehr auf die wesentlichen,
entscheidtragenden Punkte beschränken, so dass sich der Beschwerdeführer - wie
hier - über die Tragweite des Urteils Rechenschaft geben und es in voller
Kenntnis der Sache an das Bundesgericht weiterziehen konnte. Eine Verletzung
der verfassungsmässigen Prüfungs- und Begründungspflicht liegt nicht vor (Art.
29 Abs. 2 BV; BGE 134 I 83 E. 4.1 S. 88).

3.
Der Beschwerdeführer räumt ein, dass das Obergericht die Zuteilung der Obhut
nach zutreffenden Kriterien beurteilt hat, rügt deren Anwendung im konkreten
Einzelfall hingegen als willkürlich (S. 7 ff. Ziff. 4 der Beschwerdeschrift).

3.1 Für die Zuteilung der Obhut an einen Elternteil im Eheschutzverfahren (Art.
176 Abs. 3 ZGB) gelten grundsätzlich die gleichen Kriterien wie im
Scheidungsfall. Nach der Rechtsprechung hat das Wohl des Kindes Vorrang vor
allen anderen Überlegungen, insbesondere vor den Wünschen der Eltern. Vorab
muss deren Erziehungsfähigkeit geklärt werden. Ist sie bei beiden Elternteilen
gegeben, sind vor allem Kleinkinder und grundschulpflichtige Kinder demjenigen
Elternteil zuzuteilen, der die Möglichkeit hat und dazu bereit ist, sie
persönlich zu betreuen. Erfüllen beide Elternteile diese Voraussetzung ungefähr
in gleicher Weise, kann die Stabilität der örtlichen und familiären
Verhältnisse ausschlaggebend sein. Schliesslich ist - je nach Alter der Kinder
- ihrem eindeutigen Wunsch Rechnung zu tragen. Diesen Kriterien lassen sich die
weiteren Gesichtspunkte zuordnen, so die Bereitschaft eines Elternteils, mit
dem andern in Kinderbelangen zusammenzuarbeiten, der Grundsatz, Geschwister
nach Möglichkeit nicht zu trennen, oder die Forderung, dass eine Zuteilung der
Obhut von einer persönlichen Bindung und echter Zuneigung getragen sein sollte.
Bei der Beurteilung der für die Obhutszuteilung massgebenden Kriterien verfügt
das Sachgericht über einen grossen Spielraum des Ermessens. Auf
Willkürbeschwerde hin (vgl. Art. 98 BGG) kann das Bundesgericht deshalb nur
eingreifen, wenn das Sachgericht grundlos von in Lehre und Rechtsprechung
anerkannten Grundsätzen abgegangen ist, wenn es Gesichtspunkte berücksichtigt
hat, die keine Rolle hätten spielen dürfen, oder wenn es umgekehrt
rechtserhebliche Umstände ausser Acht gelassen hat. Der Ermessensentscheid muss
sich als im Ergebnis offensichtlich unbillig, als in stossender Weise ungerecht
erweisen (Urteile 5P.507/2006 vom 5. April 2007, E. 4.2, und 5P.17/2003 vom 25.
Februar 2003, E. 4.1, in: FamPra.ch 2003 S. 703 f.; vgl. Lötscher/Wullschleger,
Aus der Praxis des Einzelgerichts in Familiensachen Basel-Stadt, BJM 2008 S. 1
ff., S. 11 f., mit Hinweisen auf die zitierte Rechtsprechung).

3.2 Das Obergericht ist davon ausgegangen, es fehlten ernst zu nehmende
Indizien dafür, dass einer der Parteien die Erziehungsfähigkeit von vornherein
abginge (E. 3.5.1 S. 13 f. des angefochtenen Urteils). Der Beschwerdeführer
bestreitet die Erziehungsfähigkeit der Beschwerdegegnerin. Er wirft ihr vor,
sie beanspruche die Obhut aus eigensüchtigen Motiven und behandle ihre Tochter
nicht wie ein neunjähriges Mädchen, sondern sehe in ihr eine Freundin und
Beraterin. Mit ihrem Wegzug nach W.________ und damit der Trennung des Kindes
von Vater und Bruder habe die Beschwerdegegnerin gegen die Interessen des
Kindes verstossen (S. 9 f. Ziff. 4.2 der Beschwerdeschrift). Die Darstellung
widerspricht der obergerichtlichen Annahme, der Beschwerdeführer habe
ausdrücklich bestätigt, dass die Beschwerdegegnerin eine gute Mutter sei (mit
Hinweis auf act. 24 des Bezirksgerichts: "liebevolle Mutter"). Sie weicht vom
Befund des Amtsberichts ab, der nichts enthält, was gegen die
Erziehungsfähigkeit der Beschwerdegegnerin spräche, und bestätigt, dass sogar
aus der Sicht der Mutter des Beschwerdeführers die Beziehung zwischen Mutter
und Tochter als sehr innig beschrieben werden könne (S. 4). Mit seinen
Vorbringen vermag der Beschwerdeführer Willkür nicht aufzuzeigen. Es fällt
zudem auf, dass an der Erziehungsfähigkeit der Beschwerdegegnerin ab der
Trennung im November 2006 bis Ende Juni 2007 offenbar nichts auszusetzen war
und ihr gemäss Begehren des Beschwerdeführers in der Klageantwort vom 30. April
2007 auch die Obhut über die Tochter zugeteilt werden sollte (act. 20 des
Bezirksgerichts) und dass all die Mängel in der Erziehungsfähigkeit erst mit
dem Wohnsitzwechsel der Beschwerdegegnerin nach dem rund vierzig Kilometer
entfernten W.________ aufgetreten sind. Der Vortrag des Beschwerdeführers
durfte insoweit als teilweise widersprüchlich angesehen werden. Insgesamt
erscheint die Würdigung des Obergerichts, die Erziehungsfähigkeit der
Beschwerdegegnerin sei derjenigen des Beschwerdeführers gleichwertig, nicht als
willkürlich.

3.3 Für entscheidend hat das Obergericht die Tatsache angesehen, dass die
Möglichkeit, das Mädchen persönlich zu betreuen, auf Seiten der
Beschwerdegegnerin ungleich besser sei als beim Beschwerdeführer (E. 3.5.2 S.
14 f. des angefochtenen Urteils). Der Beschwerdeführer wiederholt seine
Vorbringen im kantonalen Verfahren, wonach er auf Grund seiner zeitlichen
Verfügbarkeit die Betreuung der Kinder umfassend gewährleisten könne. Die
Beschwerdegegnerin habe lediglich angegeben, sie werde teilzeitlich zu 50 %
erwerbstätig sein, schweige sich aber darüber aus, wie sie die zeitliche
Betreuung auf Grund der unregelmässigen Arbeitszeiten im Servicebereich
sicherstellen wolle. Die Beschwerdegegnerin habe ein Betreuungskonzept nie
vorgeschlagen oder auch nur angedeutet (S. 10 ff. Ziff. 4.3 der
Beschwerdeschrift).

Das Obergericht hat anerkannt, dass der Beschwerdeführer nach der
Obhutszuteilung bewusst betriebliche Veränderungen vorgenommen habe, um für die
Kinder genügend Zeit zu haben. Indessen sei nicht einmal behauptet, so hat das
Obergericht festgehalten, dass der Beschwerdeführer heute - im Gegensatz zu
früher - an gewissen Abenden oder am Wochenende überhaupt nicht arbeite.
Vielmehr werde nur ausgeführt, der Beschwerdeführer habe heute anders als
früher für seine beiden Kinder jederzeit offene Ohren und schicke sie nicht
mehr sofort aus der Küche oder weg vom Buffet. Er habe zudem seinen Sohn
angehalten, der Schwester bei den Hausaufgaben zu helfen und sich um sie zu
kümmern. Die obergerichtlichen Feststellungen werden durch die zitierten Belege
gestützt, nämlich durch das E-Mail des Beschwerdeführers an seine
Rechtsvertreterin vom 26. März 2008 einerseits und durch den Amtsbericht
andererseits, wonach das Mädchen nicht den Ansprechpartner im Beschwerdeführer
vermisst, sondern die gemeinsamen Aktivitäten mit ihm (S. 2). Mehr als seine
zeitliche Verfügbarkeit behauptet der Beschwerdeführer auch hier nicht. Dass er
seinen Kindern im Alltag begegnet (z.B. gemeinsame Mahlzeiten und Gespräche)
und dass die Kinder ihn immer ansprechen können, wenn sie etwas von ihm wollen,
belegt keine persönliche Betreuung, in der der Beschwerdeführer auf die Kinder
zugeht und gemeinsam mit den Kindern die Freizeit am Abend, an schulfreien
Nachmittagen oder an Wochenenden aktiv gestaltet. Blosse Erreichbarkeit oder
bestenfalls Anwesenheit im Alltag ist kein Betreuungskonzept. Unter
Willkürgesichtspunkten kann deshalb die Annahme nicht beanstandet werden, die
Kinder blieben sich heute wie früher oft selbst überlassen.

Laut Amtsbericht kann das Mädchen mit seiner Mutter viel gemeinsam unternehmen.
Die Tochter geniesst es danach, "dass die Mutter viel Zeit für sie hat und sie
viel Spass miteinander haben" (S. 3). Die persönliche Betreuung durch die
Mutter durfte zudem als besser gewährleistet angesehen werden, ist doch die
Beschwerdegegnerin nur teilzeitlich zu 50 % erwerbstätig, während der
Beschwerdeführer trotz Entlastungsmassnahmen weiterhin vollamtlich einen Hotel-
und Restaurantbetrieb führt. Willkürfrei erweist sich deshalb auch der
obergerichtliche Schluss, dass die Betreuungsmöglichkeiten der
Beschwerdegegnerin als ungleich besser als diejenigen des Beschwerdeführers zu
werten seien.

3.4 Das Obergericht hat dafürgehalten, zu Gunsten einer Obhut beim
Beschwerdeführer spreche an sich, dass auf diese Weise das persönliche und
schulische Umfeld weitgehend unverändert erhalten bleiben könne (Grundsatz der
Stabilität und Kontinuität). Allerdings sei zu beachten, dass das Mädchen -
anders als sein Bruder - offenbar seine Freizeit noch wenig mit Freundinnen,
sondern vorwiegend zu Hause mit Lesen, Musikmachen und Fernsehen verbringe (E.
3.5.2 S. 14 des angefochtenen Urteils mit Hinweis auf den Amtsbericht).
Inwiefern diese Abwägung willkürlich sein könnte, vermag der Beschwerdeführer
nicht nachvollziehbar aufzuzeigen. Es leuchtet ein, dass für ein Kind, das auf
Grund der Berufstätigkeit der Eltern oft allein war und eher auf sich selbst
bezogene Freizeitbeschäftigungen gefunden hat, das soziale Umfeld wenig
bedeutsam ist und zumindest nicht im Vordergrund der Interessen steht. Dass der
Wechsel der Schule nicht für die Obhutszuteilung an die Beschwerdegegnerin
spricht, hat das Obergericht erkannt, mit der gegebenen Begründung aber
willkürfrei als weniger wichtig bezeichnen dürfen. Stichhaltiges wendet der
Beschwerdeführer dagegen nicht ein (S. 12 f. Ziff. 4.4 der Beschwerdeschrift).

3.5 Zu Gunsten einer Obhutszuteilung an den Beschwerdeführer hat das
Obergericht weiter die sog. Bindungstoleranz erwähnt. Der Beschwerdeführer habe
ein grosszügiges Besuchsrecht der Beschwerdegegnerin respektiert bzw. das
gerichtlich festgesetzte Besuchsrecht sogar ausgeweitet. Andererseits könne
eine stärkere emotionale Beziehung des Mädchens an seine Mutter als ausgewiesen
gelten (E. 3.5.2 S. 14 des angefochtenen Urteils mit Hinweis auf den
Amtsbericht). Mit Bezug auf die Bindungstoleranz hat das Obergericht einen
klaren Vorteil des Beschwerdeführers bejaht. Dass es dabei nicht in allen
Einzelheiten ausgeführt hat, wie sich der Beschwerdeführer bemüht, die Wünsche
von Mutter und Tochter zu berücksichtigen und auch deren Kontakte zum Sohn zu
unterstützen, verletzt den Anspruch auf rechtliches Gehör nicht (E. 2.3
hiervor). Ausführungen des Beschwerdeführers zur festgestellten emotionalen
Bindung fehlen in der Beschwerdeschrift (S. 13 f. Ziff. 4.5 der
Beschwerdeschrift). Es kann ergänzt werden, dass der Amtsbericht im
Zusammenhang mit der emotionalen Bindung weiterfährt, das Mädchen habe bei
verschiedenen Anlässen offen den Wunsch geäussert, mehr Zeit mit der Mutter
verbringen zu können. Es "wolle bei der Mutter wohnen und dann jede Woche den
Vater besuchen" (S. 4). Diesen Zuteilungswunsch eines neunjährigen Kindes in
die Beurteilung mit einzubeziehen, hätte der Willkürprüfung ebenfalls
standgehalten (vgl. Urteil 5P.204/2002 vom 6. August 2002, E. 3.4,
zusammengefasst in: FamPra.ch 2002 S. 850).

3.6 Schliesslich ist das Obergericht auf das Problem eingegangen, dass die
Obhutszuteilung des Mädchens an die Beschwerdegegnerin eine Trennung der
Geschwister bedeutete. Es hat diese Trennung hingenommen, weil der Knabe fast
fünf Jahre älter sei als das Mädchen und die Geschwister offenbar kaum
gemeinsame Freizeitaktivitäten pflegten, sondern im Wesentlichen der Knabe -
auf Anweisung des Beschwerdeführers - dem Mädchen bei den Hausaufgaben helfe
(E. 3.5.2 S. 15 des angefochtenen Urteils mit Hinweis auf den Amtsbericht).

Der Beschwerdeführer bestreitet, dass die beiden Geschwister keine gemeinsamen
Freizeitaktivitäten pflegten. Er unterstreicht, dass die Beziehung der
Geschwister offensichtlich fest und innig sei (S. 8 f. Ziff. 4.1 der
Beschwerdeschrift). Die Feststellungen des Obergerichts zu den
unterschiedlichen Freizeitaktivitäten lassen sich auf den Amtsbericht stützen
(S. 3: Freizeitgestaltung, soziale Kontakte) und stossen sich auch nicht an
Gesetzen der Logik oder Erfahrungssätzen, dass sich ein Mädchen von neun Jahren
für andere Dinge interessiert (Geigenspiel, Lieder, Bücher, Fernsehen, Tanzen,
Unternehmungen mit der Mutter u.ä.) als ein vierzehnjähriger Knabe (katholische
Jugendgruppe, Ausgang mit gleichaltrigen Freunden, Fussball, Mithilfe im
väterlichen Betrieb u.v.a.m.). Dass die beiden Kinder in naher Zukunft
gemeinsam in der Messe ministrieren wollen, belegt das Gegenteil und Willkür
nicht. Worauf der Beschwerdeführer seine tatsächlichen Vorbringen über
gemeinsame Aktivitäten der Kinder stützt, zeigt er zudem nicht auf (Art. 106
Abs. 2 BGG; BGE 133 III 585 E. 4.1 S. 588 f.).

Ist nach dem Gesagten von unterschiedlichen Bedürfnissen der Kinder und
insbesondere von verschiedenen emotionalen Bindungen und Wünschen (E. 3.5
soeben) auszugehen, durften die Geschwister willkürfrei getrennt und der Obhut
je eines Elternteils unterstellt werden. Entgegen der Annahme des
Beschwerdeführers (S. 8 f. Ziff. 4.1) verbietet Bundesrecht eine derartige
Obhutszuteilung nicht grundsätzlich (Urteil 5P.507/2006 vom 5. April 2007, E.
4.5, zusammengefasst in: Rumo-Jungo, Entwicklungen im Familienrecht, SJZ 104/
2008 S. 145 ff., S. 149).

3.7 Entgegen der Darstellung des Beschwerdeführers (S. 8 Ziff. 4.1) hat das
Obergericht sämtliche entscheiderheblichen Kriterien erwähnt und gegeneinander
abgewogen. Seine Würdigung und die daherige Obhutszuteilung im Interesse der
Kinder kann insgesamt nicht als willkürlich bezeichnet werden.

4.
Aus den dargelegten Gründen muss die Beschwerde abgewiesen werden, soweit
darauf einzutreten ist. Mit dem Entscheid in der Sache werden die Gesuche
beider Parteien betreffend Entzug der aufschiebenden Wirkung und Anordnung
vorsorglicher Massnahmen gegenstandslos.

5.
Bei diesem Verfahrensausgang wird der Beschwerdeführer kostenpflichtig (Art. 66
Abs. 1 BGG). Da die Beschwerdegegnerin mit ihrem Antrag auf Abweisung des
Gesuchs um aufschiebende Wirkung nicht durchgedrungen ist, steht ihr für die
entsprechende Vernehmlassung keine Entschädigung zu. In der Sache selbst ist
keine Vernehmlassung eingeholt worden und somit auch keine Entschädigung
geschuldet (vgl. Art. 68 Abs. 1 BGG). Mit Bezug auf die gegenstandslos
gewordenen Gesuche der Beschwerdegegnerin um Entzug der aufschiebenden Wirkung
und des Beschwerdeführers um Anordnung vorsorglicher Massnahmen rechtfertigt
sich keine gesonderte Kosten- und Entschädigungsregelung, zumal beide Parteien
ihre Anträge mit seit dem Urteil neu eingetretenen Tatsachen und erstellten
Beweismitteln und damit unzulässigen echten Noven begründen (vgl. Art. 99 Abs.
1 BGG; BGE 133 IV 342 E. 2 S. 343 f.; 134 IV 97 E. 5.1.3 S. 103). Der
Beschwerdeführer ersucht um unentgeltliche Rechtspflege. Deren Voraussetzungen
sind erfüllt, so dass dem Gesuch entsprochen werden kann (Art. 64 Abs. 1-4
BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gesuche der Parteien betreffend Entzug der aufschiebenden Wirkung und
Anordnung vorsorglicher Massnahmen werden als gegenstandslos geworden
abgeschrieben.

3.
Dem Beschwerdeführer wird die unentgeltliche Rechtspflege gewährt.

4.
Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt,
indes vorläufig auf die Gerichtskasse genommen.

5.
Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.

6.
Rechtsanwältin Sandra Mäder wird als unentgeltliche Anwältin des
Beschwerdeführers bestellt, und es wird ihr für das bundesgerichtliche
Verfahren aus der Gerichtskasse eine Entschädigung von Fr. 2'000.--
ausgerichtet.

7.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Aargau,
Zivilgericht, 5. Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 14. August 2008

Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Raselli von Roten