Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.498/2008
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
5A_498/2008/don

Urteil vom 19. November 2008
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichterin Escher, Bundesrichter Meyer,
Gerichtsschreiber von Roten.

Parteien
1. X.________,
vertreten durch Rechtsanwalt R.________,
2. R.________,
Beschwerdeführer,

gegen

Vormundschaftsbehörde V.________.

Gegenstand
Vertretungsbeistandschaft,

Beschwerde gegen den Entscheid des Obergerichts des Kantons Aargau, Kammer für
Vormundschaftswesen, vom 24. Juni 2008.

Sachverhalt:

A.
X.________, Jahrgang 1986, hielt sich als Asylbewerber im Asylbewerberzentrum
in V.________ auf, als er am 15. Juni 2004 durch einen Mitbewohner mit drei
Messerstichen verletzt wurde. Er bevollmächtigte Rechtsanwalt R.________ am 10.
September 2004 zur Verfolgung allfälliger Ansprüche im Straf- und
Zivilverfahren. Nach Abweisung seines Asylgesuchs wurde X.________ aus der
Schweiz ausgewiesen. Der seitherige Aufenthalt ist unbekannt. Gestützt auf die
ihm erteilte Vollmacht machte Rechtsanwalt R.________ für X.________ auch
Opferhilfeansprüche geltend. Im Rahmen der Anfechtung zweier Verfügungen des
kantonalen Sozialdienstes forderten das Verwaltungsgericht und der
Regierungsrat des Kantons Aargau Rechtsanwalt R.________ auf, bis spätestens
31. Mai 2007 eine Vollmacht von X.________ einzureichen.

B.
Rechtsanwalt R.________ ersuchte die Vormundschaftsbehörde V.________ am 30.
April 2007, für den im Ausland abwesenden X.________ eine Vollmacht zur
Vertretung der Opferhilfeansprüche zu erteilen, eventualiter zu diesem Zweck
einen Vertretungsbeistand einzusetzen. Die Vormundschaftsbehörde entsprach dem
Gesuch, errichtete eine Vertretungsbeistandschaft und ernannte Rechtsanwalt
R.________ als Vertretungsbeistand mit der Aufgabe, die Opferhilfeansprüche von
X.________ gegenüber dem Staat zu vertreten (Beschluss vom 7. Mai 2007).

C.
C.a Am 16. Mai 2007 schritt das Präsidium der Kammer für Vormundschaftswesen am
Obergericht des Kantons Aargau aufsichtsrechtlich von Amtes wegen ein und wies
die Vormundschaftsbehörde V.________ an, ihren Beschluss vom 7. Mai 2007
umgehend ersatzlos aufzuheben. Mit Eingabe vom 11. Juni 2007 beanstandete
Rechtsanwalt R.________ die Weisung.
C.b Am 18. Juni 2007 hob die Vormundschaftsbehörde V.________ die
Vertretungsbeistandschaft sofort und ersatzlos auf. Rechtsanwalt R.________
erhob dagegen beim Bezirksamt B.________ Beschwerde. Das Bezirksamt leitete die
Beschwerdeschrift vom 29. Juni 2007 zuständigkeitshalber der Kammer für
Vormundschaftswesen zwecks Erledigung zu.
C.c Gegen die bezirksamtliche Überweisungsverfügung vom 3. Juli 2007 erhob
Rechtsanwalt R.________ am 13. Juli 2007 Beschwerde an die Kammer für
Vormundschaftswesen.

D.
Die Kammer für Vormundschaftswesen entschied am 24. Juni 2008 in der Besetzung
mit den Oberrichtern L.________, präsidierendes Mitglied, M.________ und
N.________, Ersatzmitglied, und Gerichtsschreiberin H.________. Die Kammer für
Vormundschaftswesen trat auf die Beschwerde gegen die bezirksamtliche
Überweisungsverfügung vom 3. Juli 2007 nicht ein (Dispositiv-Ziff. 1),
bestätigte die aufsichtsrechtliche Anordnung des Präsidiums der Kammer vom 16.
Mai 2007 (Dispositiv-Ziff. 2), wies die Beschwerde gegen den Beschluss der
Vormundschaftsbehörde vom 18. Juni 2007, die Vertretungsbeistandschaft
aufzuheben, ab (Dispositiv-Ziff. 3) und schrieb das Begehren um aufschiebende
Wirkung als gegenstandslos geworden von der Kontrolle ab (Dispositiv-Ziff. 4).
Es wurden weder Verfahrenskosten erhoben noch Parteikosten zugesprochen
(Dispositiv-Ziff. 5). Das Begehren um unentgeltliche Rechtspflege für
X.________ wies die Kammer ab, soweit es nicht gegenstandslos war
(Dispositiv-Ziff. 6 des Entscheids vom 24. Juni 2008).

E.
Dem Bundesgericht beantragt Rechtsanwalt R.________ im Namen von X.________
(fortan: Beschwerdeführer 1) und in seiner Funktion als Vertretungsbeistand
(hiernach: Beschwerdeführer 2), den Entscheid der Kammer für
Vormundschaftswesen sowie die Entscheide des Bezirksamtes und der
Vormundschaftsbehörde aufzuheben und die Vertretungsbeistandschaft zu
bestätigen. Er ersucht, dem Beschwerdeführer 1 die unentgeltliche Rechtspflege
zu gewähren, der Beschwerde die aufschiebende Wirkung rückwirkend zu erteilen
und hinsichtlich eines allfälligen Ablehnungsbegehrens die vorgesehene
Gerichtsschreiberin des Spruchkörpers bekanntzugeben. Weiter stellt er mehrere
Beweisanträge. Die Namensbekanntgabe wurde für gegenstandslos erklärt, weil
keine Gerichtsschreiberin mit den beschriebenen Eigenschaften der II.
zivilrechtliche Abteilung des Bundesgerichts angehört (Präsidialverfügung vom
31. Juli 2008). Das Obergericht hat die Akten zugestellt, auf Vernehmlassungen
zum Gesuch um aufschiebende Wirkung und in der Sache aber verzichtet. Der
Präsident der II. zivilrechtlichen Abteilung hat die vorsorgliche
Massnahmenverfügung vom 31. Juli 2008 bestätigt, wonach der Beschwerde von
Rechtsanwalt R.________ vom 29. Juni 2007 an das Bezirksamt betreffend den
Beschluss der Vormundschaftsbehörde vom 18. Juni 2007 rückwirkend die
aufschiebende Wirkung zuerkannt wird (Verfügung vom 15. August 2008).

Erwägungen:

1.
Das Bundesgericht hat sich mit der Beschwerdesache bereits zwei Mal befasst,
und zwar betreffend Ausstand von Mitgliedern der obergerichtlichen Kammer für
Vormundschaftswesen (Urteil 5A_532/2007 vom 8. April 2008) und betreffend
Organisation der vormundschaftlichen Aufsichtsbehörden (Urteil 5A_213/2008 vom
20. Juni 2008). Gegenstand des Verfahrens ist die Aufhebung einer
Vertretungsbeistandschaft und damit eine Zivilsache im Sinne von Art. 72 Abs. 2
lit. b Ziff. 5 und 6 BGG. Für eine Entgegennahme der Eingabe als subsidiäre
Verfassungsbeschwerde (S. 25 Ziff. 9 der Beschwerdeschrift) bleibt insoweit
kein Raum (Art. 113 BGG). Die weiteren Zulässigkeitsvoraussetzungen sind
erfüllt (vgl. E. 1 S. 5 des Urteils 5A_532/2007), wobei auf formelle
Einzelfragen im Sachzusammenhang einzugehen sein wird. Auf die Beschwerde
gemäss Art. 72 ff. BGG kann eingetreten werden.

2.
Mit seinem Urteil 5A_532/2007 vom 8. April 2008 hat das Bundesgericht den
ersten Entscheid der Kammer für Vormundschaftswesen vom 30. Juli 2007
aufgehoben, weil daran Oberrichter K.________ als Präsident und
Gerichtsschreiberin G.________ mitgewirkt hatten, die wegen Vorbefassung in den
Ausstand hätten treten müssen (E. 2.5 S. 7 und E. 4 S. 9). Streitig ist, ob die
am ersten Entscheid ebenfalls mitwirkenden Oberrichter L.________ und
M.________ in der Sache nochmals entscheiden und damit am heute angefochtenen
Entscheid mitwirken durften. Die Beschwerdeführer machen Ausstandsgründe
geltend und rügen die Verletzung von Verfassungsbestimmungen (S. 7 ff. Ziff. 2
der Beschwerdeschrift).

2.1 Die Beschwerdeführer haben die Ablehnung aller, auch eventueller Mitglieder
der Kammer für Vormundschaftswesen und damit der Oberrichter L._______ und
M.________ bereits in ihrer Eingabe vom 29. Juni 2007 verlangt und unter
Hinweis darauf ihr Ablehnungsbegehren mit Schreiben vom 29. April 2008 im
Neubeurteilungsverfahren erneuert. Das Bundesgericht hat dargelegt, die
obergerichtliche Zurückweisung könne nicht beanstandet werden, was das
Ablehnungsbegehren der Beschwerdeführer vom 29. Juni 2007 anbetreffe. Die
Beschwerdeführer hätten darin den Ausstand sämtlicher Mitglieder und
Ersatzmitglieder der Kammer für Vormundschaftswesen, einschliesslich der
Gerichtsschreiberin, auf Grund unbewiesener Behauptungen und haltloser
Unterstellungen verlangt. Dieses Ablehnungsbegehren habe unter
verfassungsrechtlichen Gesichtspunkten als offensichtlich unbegründet oder gar
rechtsmissbräuchlich für unzulässig erklärt werden dürfen (E. 3 S. 8 des
Urteils 5A_532/2007). Entgegen der Annahme der Beschwerdeführer liegt nicht
bloss ein "obiter dictum" vor. Die obergerichtliche Zurückweisung des
Ablehnungsbegehren vom 29. Juni 2007 hat das Bundesgericht nicht beanstandet,
so dass das Obergericht im Neubeurteilungsverfahren darüber nicht nochmals zu
entscheiden hatte (E. I/1.2.1 S. 8 f. des angefochtenen Entscheids). Es hat
genügt, auf die Erwägung des Bundesgerichts zu verweisen (vgl. BGE 133 III 201
E. 4.2 S. 208; 132 II 305 E. 4.2 S. 318/319). Die Frage, ob über das
Ablehnungsbegehren vom 29. Juni 2007 die Kammer für Vormundschaftswesen oder
die Verwaltungskommission hätte entscheiden müssen, wird damit gegenstandslos
und ist nicht zu prüfen (vgl. BGE 131 I 153 E. 1.2 S. 157; 131 II 649 E. 3.1 S.
651).

2.2 Ihr Ablehnungsbegehren begründen die Beschwerdeführer damit, dass die
Oberrichter L.________ und M.________ nach der Aufhebung des ersten Entscheids
in der gleichen Sache ein zweites Mal nicht mehr frei und unbefangen urteilen
könnten. Da das Bundesgericht den ersten Entscheid zudem bloss wegen formeller
Mängel kassiert und keine materielle Beurteilung vorgenommen habe, an die die
Kammer für Vormundschaftswesen gebunden gewesen wäre, hätten sich die
abgelehnten Oberrichter im Neubeurteilungsverfahren in den Ausstand begeben
müssen. Der angefochtene Entscheid belege denn auch die Vorbefassung, laute er
doch praktisch wörtlich gleich wie der erste, in unzulässiger Besetzung
gefällte Entscheid.

Nach der Rechtsprechung darf von einem Gerichtsmitglied erwartet werden, dass
es die Streitsache auch nach Aufhebung des Entscheids objektiv und unparteiisch
behandelt, zumal es sich dabei an die Auffassung der Rechtsmittelinstanz zu
halten hat (BGE 131 I 113 E. 3.6 S. 120). Der letzte Halbsatz bedeutet
lediglich eine Zusatzbegründung und keine Änderung der bisherigen
Rechtsprechung, wonach sich nach bloss kassatorischem Entscheid wegen
Verfahrensmängeln das gleiche Sachgericht mit der selben Streitsache nochmals
befassen darf (BGE 113 Ia 407 E. 2b S. 410; 117 Ia 157 E. 2b S. 162).
Entscheidend ist, dass in der gleichen Funktion und Funktionsstufe am gleichen
Verfahren weitergearbeitet wird. Besondere Umstände, die eine gegenteilige
Beurteilung nahelegten, sind hier weder ersichtlich noch dargetan und liegen
namentlich nicht darin, dass die Kammer für Vormundschaftswesen im zweiten
Entscheid mit gleichem Ergebnis und gleicher Begründung die Begehren abgewiesen
hat. Sie darf im Neubeurteilungsverfahren ihre früheren Tatsachenfeststellungen
und Urteilsmotive wiederaufnehmen, soweit diese - wie im Folgenden zu zeigen
sein wird - noch schlüssig und objektiv begründet sind (vgl. Egli/ KURZ, La
garantie du juge indépendant et impartial dans la jurisprudence récente,
Recueil de jurisprudence neuchâteloise, RJN 1990 S. 9 ff., S. 20; seither:
Urteil 4P.51/2001 vom 25. April 2001 E. 3b/bb S. 11).

Das erneuerte Ablehnungsbegehren erweist sich somit als unbegründet. Dass die
angerufenen kantonalen Bestimmungen über die Minimalgarantien der
Bundesverfassung hinausgingen, legen die Beschwerdeführer nicht dar. Die Rügen
der willkürlichen Anwendung kantonalen Rechts haben insoweit keine
selbstständige Bedeutung (BGE 131 I 113 E. 3.2 und 3.3 S. 115 f.).

2.3 Eine formelle Rechtsverweigerung erblicken die Beschwerdeführer
schliesslich darin, dass sie die soeben verneinte Vorbefassung mit Schreiben
vom 29. April 2008 gerügt hätten, die Kammer für Vormundschaftswesen darauf
aber mit keinem Wort eingegangen sei. Die Kammer für Vormundschaftswesen hat
das betreffende Schreiben nicht übersehen, sondern ausdrücklich erwähnt (Ziff.
10 S. 7 und E. I/1.2 S. 8), indessen festgehalten, sie habe ihren Entscheid
durch ihre vom Ausschluss nicht betroffenen Mitglieder unter Mitwirkung des
Ersatzmitglieds und der Ersatzgerichtsschreiberin zu treffen (E. I/1.1 S. 8 des
angefochtenen Entscheids). Sie ist dabei zwar nicht eigens auf den fraglichen
Ausstandsgrund eingegangen, doch war sie dazu unter verfassungsrechtlichem
Blickwinkel auch nicht verpflichtet. Die aus Art. 29 Abs. 2 BV abgeleitete
Prüfungs- und Begründungspflicht gebietet ihr nicht, dass sie sich mit allen
Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen
ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid
wesentlichen Punkte beschränken. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass
sich der Betroffene - wie hier die Beschwerdeführer - über die Tragweite des
Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die
höhere Instanz weiterziehen kann (BGE 134 I 83 E. 4.1 S. 88). Die
Verfassungsrüge erweist sich ebenfalls als unbegründet.

3.
In der Sache selbst hat die Kammer für Vormundschaftswesen die Aufhebung der
Vertretungsbeistandschaft als gerechtfertigt angesehen, weil die
schweizerischen Vormundschaftsbehörden für den im Ausland mit unbekanntem
Aufenthalt abwesenden Beschwerdeführer 1 nicht zuständig seien und weil die
gesetzlichen Voraussetzungen für die Anordnung einer Vertretungsbeistandschaft
nicht erfüllt seien (E. II/1 S. 10 ff. des angefochtenen Entscheids). Die
Beschwerdeführer wenden ein, die internationale Zuständigkeit sei wegen
Dringlichkeit der Angelegenheit gegeben und die Kammer für Vormundschaftswesen
verkenne in offensichtlicher Weise das Wesen der Vertretungsbeistandschaft. Die
Vorbringen stützen sich auf ein Kurzgutachten (S. 14 ff. Ziff. 3 der
Beschwerdeschrift und Beschwerde-Beilage Nr. 6).

3.1 Auf Ansuchen eines Beteiligten oder von Amtes wegen ernennt die
Vormundschaftsbehörde gemäss Art. 392 ZGB einen Beistand, "wenn eine mündige
Person in einer dringenden Angelegenheit infolge von Krankheit, Abwesenheit od.
dgl. weder selbst zu handeln, noch einen Vertreter zu bezeichnen vermag" (Ziff.
1). Vorausgesetzt ist ein Vertretungsbedürfnis, das vorliegt, wenn die
betroffene Person faktisch am Handeln gehindert ist, aber auch wenn sie auf
Grund einer Überforderung die dringende Angelegenheit nicht in einer ihren
wohlverstandenen Interessen dienenden Art und Weise wahrzunehmen vermag, oder
wenn die Person nicht in der Lage ist, einen Vertreter zu bezeichnen, sei es
wiederum infolge äusserer Hindernisse oder sei es aus Mangel an Einsicht (BGE
111 II 10 E. 3 S. 13 ff. mit Beispielen und Hinweisen).

3.2 In tatsächlicher Hinsicht steht fest, dass der Beschwerdeführer 1 am 15.
Juni 2004 im Asylbewerberzentrum durch einen Mitbewohner mit drei Messerstichen
verletzt wurde und am 10. September 2004 den Beschwerdeführer 2 zur Verfolgung
allfälliger Ansprüche im Straf- und Zivilverfahren bevollmächtigt hat (Bst. A
hiervor). Für eine Urteilsunfähigkeit des Beschwerdeführers 1 oder sonst einen
Schwächezustand sind Anhaltspunkte weder behauptet noch ersichtlich. Nach der
Darstellung der Beschwerdeführer erfolgte die Zuweisung des Beschwerdeführers 1
an den Beschwerdeführer 2 bzw. dessen Partnerinnen/ Mitarbeiterinnen in der
Anwaltskanzlei durch die kantonale Opferhilfestelle (S. 15 ff. Ziff. 3c der
Beschwerdeschrift). Der Beschwerdeführer 1 hat sich nach entsprechender
Aufklärung durch die Opferhilfestelle an den Beschwerdeführer 2 gewendet und
ihm eine Anwaltsvollmacht ausgestellt. Er ist seit Abweisung seines Asylgesuchs
unbekannten Aufenthalts und hat sich beim Beschwerdeführer 2 offenbar nicht
mehr gemeldet. Das Verhalten des Beschwerdeführers 1 gestattet willkürfrei den
Schluss, dass ihm die Verfolgung und die Durchsetzung seiner angeblichen
Opferhilfeansprüche gleichgültig oder zumindest keine wichtigen Anliegen sind.
Andernfalls hätte er sich wenigstens beim Beschwerdeführer 2 als seinem
bevollmächtigten Rechtsvertreter über den Stand der Sache informiert. Er hat
seiner Obliegenheit, sich korrekt auf das Verfahren vorzubereiten und ernsthaft
zu verhandeln, nicht genügt (vgl. BAUMANN, Zürcher Kommentar, 1995/98, N. 494b
zu Art. 2 ZGB mit Hinweisen). Unter diesen Umständen aber durfte die
Verbeiständung abgelehnt werden. Es ist nicht Aufgabe des Staates dort
einzugreifen, wo sich der Schutzbedürftige - wie hier - selber helfen könnte,
wenn er nur wollte. Die Beistandschaft hat nicht die Interessen derer zu
wahren, die für sich selber sorgen können, dies aber unterlassen (vgl. PFANDER,
Die Beistandschaft nach Art. 392 und 393 ZGB, Diss. Bern 1932, S. 18; SCHNYDER/
MURER, Berner Kommentar, 1984, N. 46 zu Art. 392, N. 60 zu Art. 393, S. 924,
und N. 25 zu Art. 394 ZGB, mit Hinweisen).

3.3 Aus den dargelegten Gründen verletzt die Annahme der Kammer für
Vormundschaftswesen kein Bundesrecht, dass es am volljährigen und
handlungsfähigen Beschwerdeführer 1 gewesen wäre, sich um die Durchsetzung
seiner allfälligen Opferhilfeansprüche zu kümmern bzw. einen Rechtsanwalt damit
zu beauftragen und mit der dafür nötigen Vollmacht auszustatten, und dass eine
diesbezügliche Unterlassung nicht auf dem Weg einer Vertretungsbeistandschaft
behoben werden könne (E. II/1.3.2 S. 14 des angefochtenen Entscheids). Die
weiteren Ausführungen im angefochtenen Entscheid, die der Beschwerdeführer 2
als unberechtigte Vorwürfe empfindet, haben keinen Einfluss auf das Ergebnis
und sind nicht rechtserheblich, so dass der diesbezüglich gerügte
Beweisführungsanspruch nicht verletzt sein kann (BGE 133 III 189 E. 5.2.2 S.
195). Fehlen die gesetzlichen Voraussetzungen einer Vertretungsbeistandschaft,
kann es auf die internationale Zuständigkeit zur Anordnung vermögensbezogener
vormundschaftlicher Massnahmen nicht mehr ankommen, so dass dahingestellt
bleiben kann, ob die Zweitbegründung betreffend Zuständigkeit der Überprüfung
standhielte (BGE 133 III 221 E. 7 S. 228). Die Beschwerde gegen die Aufhebung
der Vertretungsbeistandschaft muss insgesamt abgewiesen werden, soweit darauf
eingetreten werden kann.

4.
Gegen den Ablauf des gesamten Verfahrens vor den vormundschaftlichen Behörden
(Bst. C hiervor) erheben die Beschwerdeführer mehrere Verfassungsrügen. Im
Einzelnen ergibt sich Folgendes:

4.1 Am 16. Mai 2007 schritt das Präsidium der obergerichtlichen Kammer für
Vormundschaftswesen aufsichtsrechtlich von Amtes wegen ein und wies die
Vormundschaftsbehörde an, ihren Beschluss vom 7. Mai 2007 umgehend ersatzlos
aufzuheben (Bst. C/a hiervor). Die Beschwerdeführer rügen, die
aufsichtsrechtliche Weisung sei nicht von der Kammer für Vormundschaftswesen in
ordentlicher Dreierbesetzung ausgegangen, sondern vom Präsidium der Kammer,
unterzeichnet zudem einzig durch die Gerichtsschreiberin (S. 20 Ziff. 4). Die
gesetzlichen Voraussetzungen für einen Widerruf oder eine Wiedererwägung seien
zudem nicht erfüllt gewesen und auch nicht geprüft worden (S. 23 f. Ziff. 7 der
Beschwerdeschrift).
4.1.1 Ob kantonale Zuständigkeits- und Formvorschriften willkürlich angewendet
wurden, kann dahingestellt bleiben. Die Kammer für Vormundschaftswesen hat die
Weisung ihres Präsidiums vom 16. Mai 2007 ausdrücklich bestätigt
(Dispositiv-Ziff. 2 des angefochtenen Entscheids). Die angeblichen formellen
Mängel sind damit behoben (vgl. BGE 134 III 289 E. 2.3 S. 291 f.). An der
Beurteilung der Willkürrügen besteht kein Interesse (vgl. BGE 131 I 153 E. 1.2
S. 157; 131 II 649 E. 3.1 S. 651).
4.1.2 Die Kammer für Vormundschaftswesen ist auf die Ausführungen bezüglich
Rechtskraft, Wiedererwägung und Widerruf des Beschlusses über die Anordnung der
Vertretungsbeistandschaft eingegangen und hat deren fehlende Stichhaltigkeit
begründet (E. II/2.1 S. 15 des angefochtenen Entscheids). Die Beschwerdeführer
sind in der Lage gewesen, den Entscheid sachgerecht anzufechten. Die
verfassungsmässige Prüfungs- und Begründungspflicht kann deshalb nicht verletzt
sein (E. 2.3 hiervor).
4.1.3 Die Abweisung des Einwands kann nicht beanstandet werden. Teilweise
liegen Zirkelschlüsse vor, wenn die Beschwerdeführer behaupten, der
aufsichtsrechtlich und von Amtes wegen angeordnete Widerruf sei unzulässig,
weil am Einschreiten der Kammer für Vormundschaftswesen kein öffentliches
Interesse bestanden habe und die Aufhebung der Vertretungsbeistandschaft
sachlich unrichtig sei. Gemäss dem angerufenen § 26 des kantonalen Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; SAR 271.100) können Verfügungen und
Entscheide, die der Rechtslage oder den sachlichen Erfordernissen nicht
entsprechen, durch die erlassende Behörde oder die Aufsichtsbehörde abgeändert
oder aufgehoben werden, wenn wichtige öffentliche Interessen es erfordern. Die
Aufsicht in Vormundschaftssachen dient stets (auch) öffentlichen Interessen,
indem sie bezweckt, die ordnungsgemässe Durchführung der vormundschaftlichen
Massnahmen und das korrekte Funktionieren der unteren Behörden sicherzustellen
(vgl. Geiser, Basler Kommentar, 2006, N. 2 vor Art. 420-425 ZGB), und dass die
aufsichtsrechtliche Weisung, die Vertretungsbeistandschaft aufzuheben,
rechtsfehlerhaft wäre, kann nicht gesagt werden (E. 3 hiervor). Die
Voraussetzungen eines Widerrufs nach § 26 VRPG durften insoweit willkürfrei als
erfüllt betrachtet werden (Art. 9 BV; vgl. zum Begriff: BGE 134 I 140 E. 5.4 S.
148; 134 II 124 E. 4.1 S. 133). Im Übrigen hat die Kammer für
Vormundschaftswesen als Aufsichtsbehörde die Anordnung der
Vertretungsbeistandschaft nicht selber widerrufen, sondern lediglich eine
aufsichtsrechtliche Weisung erteilt. Die Änderung des Entscheids ist durch die
Vormundschaftsbehörde erfolgt und im Rechtsmittelverfahren überprüft worden,
wie das auch vorgesehen ist (vgl. Botschaft zur Änderung des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches (Erwachsenenschutz, Personenrecht und Kindesrecht), BBl. 2006
7001, S. 7074).

4.2 Am 18. Juni 2007 hob die Vormundschaftsbehörde die
Vertretungsbeistandschaft sofort und ersatzlos auf (Bst. C/b hiervor). Die
Beschwerdeführer rügen, es sei ihnen die Akteneinsicht verweigert worden (S. 24
Ziff. 8 der Beschwerdeschrift). Mit Schreiben vom 11. Juni 2007 an die
Vormundschaftsbehörde hat der Beschwerdeführer 2 im Hinblick auf die Aufhebung
der Vertretungsbeistandschaft darum ersucht, ihm Einsicht in die vollständigen
Akten zu gewähren. In seinem Beschluss vom 18. Juni 2007 hat die
Vormundschaftsbehörde festgehalten, sie habe aufsichtsrechtlich die Weisung
erhalten, die Vertretungsbeistandschaft aufzuheben, und der Beschwerdeführer 2
sei über die Sachlage informiert worden und habe die Weisung vom 16. Mai 2007
als Kopie zugestellt erhalten. Entgegen ihrer Behauptung haben die
Beschwerdeführer damit Akteneinsicht erhalten. Es ist auch nicht
nachvollziehbar, welche weiteren Akten ausser der Weisung vom 16. Mai 2007 der
oberen kantonalen Aufsichtsbehörde als Entscheidungsgrundlage für die
angewiesene Vormundschaftsbehörde bestehen sollen oder bestanden haben könnten,
abgesehen von der Eingabe des Beschwerdeführers 2 vom 11. Juni 2007 mit
Beilagen. Gegenteiliges lässt sich den kantonalen Akten nicht entnehmen, die
dem Bundesgericht eingereicht wurden (grauer Aktenumschlag). Dass die Kammer
für Vormundschaftswesen keine Verletzung von Verfahrensgarantien festgestellt
hat, kann deshalb nicht beanstandet werden (vgl. HAEFLIGER, Alle Schweizer sind
vor dem Gesetze gleich, Bern 1985, S. 146; ALBERTINI, Der verfassungsmässige
Anspruch auf rechtliches Gehör im Verwaltungsverfahren des modernen Staates,
Diss. Bern 1999, Druck 2000, S. 228, je mit Hinweis).

4.3 Gegen den Beschluss der Vormundschaftsbehörde vom 18. Juni 2007, die
Vertretungsbeistandschaft aufzuheben, gelangte der Beschwerdeführer 2 an das
Bezirksamt, das seine Beschwerdeschrift vom 29. Juni 2007 zuständigkeitshalber
der Kammer für Vormundschaftswesen zwecks Erledigung zuleitete. Gegen die
bezirksamtliche Überweisungsverfügung vom 3. Juli 2007 erhob der
Beschwerdeführer 2 am 13. Juli 2007 Beschwerde an die Kammer für
Vormundschaftswesen (Bst. C/c hiervor), die darauf nicht eintrat und in der
Sache urteilte (Dispositiv-Ziff. 1-3 des angefochtenen Entscheids).
Verfassungsverletzungen erblicken die Beschwerdeführer darin, dass der
Instanzenzug von der Vormundschaftsbehörde über das Bezirksamt an die Kammer
für Vormundschaftswesen nicht gewährleistet worden sei. Die Kammer für
Vormundschaftswesen hätte die Beschwerde gegen die Überweisungsverfügung
gutheissen müssen und in der Sache selber nicht entscheiden dürfen (S. 20 ff.
Ziff. 4 der Beschwerdeschrift).
4.3.1 In seinem Urteil 5A_213/2008 vom 20. Juni 2008 hat sich das Bundesgericht
bereits zur aargauischen Behördenorganisation geäussert (E. 2.2 S. 6). Danach
sieht das Einführungsgesetz zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch und
Partnerschaftsgesetz (EG ZGB; SAR 210.100) in § 59 vor, dass vormundschaftliche
Aufsichtsbehörde das Bezirksamt und Aufsichtsbehörde zweiter Instanz eine
Kammer des Obergerichts ist (Abs. 4) und dass für das Verfahren vor den
Aufsichtsbehörden sinngemäss die Bestimmungen des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, insbesondere diejenigen über die
Verwaltungsgerichtsbeschwerden gelten (Abs. 5). Gemäss § 2 Abs. 2 können mit
Beschwerde angefochten werden Verfügungen der Vormundschaftsbehörde beim
Bezirksamt (lit. a) und Verfügungen des Bezirksamtes in Vormundschaftssachen
beim Obergericht (lit. c). Das kantonale Recht sieht damit einen Instanzenzug
von einer unteren an eine obere Aufsichtsbehörde vor. Gemäss § 7 VRPG überweist
die Behörde, die ihre Zuständigkeit verneint, die Sache unverzüglich unter
Mitteilung an die Beteiligten derjenigen Behörde, die sie als zuständig
erachtet. Die Verfügung des Bezirksamtes, die Beschwerde zuständigkeitshalber
der Kammer für Vormundschaftswesen zuzuleiten, beruht entgegen der Annahme der
Beschwerdeführer damit auf einer gesetzlichen Grundlage (vgl. E. 3.1 S. 7 des
Urteils 5A_213/2008). Eine andere Frage ist hingegen, ob die Überweisung
zulässig war und die Kammer für Vormundschaftswesen in der Beschwerdesache
selbst entscheiden durfte oder ob der Instanzenzug hätte eingehalten werden
müssen.
4.3.2 In seinem Urteil 5A_213/2008 vom 20. Juni 2008 hat das Bundesgericht
daran erinnert, dass im Verfahren vor den vormundschaftlichen Aufsichtsbehörden
innert kurzer Frist eine materiell möglichst richtige Entscheidung zu fällen
ist und dass das Verfahren deshalb wenig förmlich ist, in der Regel zu einem
reformatorischen und nicht bloss kassatorischen Entscheid führt und
grundsätzlich auch eine Kompetenzattraktion zu Gunsten der mit dem
Sachentscheid befassten Behörde gestattet (E. 3.2 S. 8). Die
Kompetenzattraktion bewirkt eine Kompetenzausweitung, indem eine
Rechtspflegeinstanz (hier: die obere Aufsichtsbehörde) teilweise die
Zuständigkeit einer anderen Justizbehörde (hier: der unteren Aufsichtsbehörde)
an sich zieht. Sie soll die Ausnahme bleiben, weil die Betroffenen einen
grundsätzlichen Anspruch darauf haben, dass der gesetzliche Instanzenzug
eingehalten wird. Zulässig ist sie in Dringlichkeitsfällen (vgl. Schnyder/
Murer, a.a.O., N. 64 f. zu Art. 361 ZGB), aus Gründen der Prozessökonomie (vgl.
Geiser, a.a.O., N. 24 Abs. 2 zu Art. 420 ZGB) und zur Vermeidung
widersprüchlicher Urteile (vgl. Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2.A. Bern
1983, S. 95 f.).
4.3.3 Die Kammer für Vormundschaftswesen hat die Voraussetzungen für eine
Kompetenzattraktion als erfüllt betrachtet. Sie ist davon ausgegangen, der
Beschwerdeweg mache in Fallkonstellationen wie der vorliegenden, wo die
Vormundschaftsbehörde gemäss Weisungen der oberen kantonalen Aufsichtsbehörde
gehandelt habe, keinen Sinn, unterliege doch auch die untere Aufsichtsbehörde
der Aufsicht der oberen Aufsichtsbehörde und sei daher nicht befugt, deren
Weisung bzw. den darauf gestützten Vollziehungsentscheid der
Vormundschaftsbehörde zu überprüfen oder gar abzuändern (E. I/2.2 S. 9 des
angefochtenen Entscheids). Die Beurteilung kann im Ergebnis nicht beanstandet
werden, verwirklicht den Grundsatz der Verfahrensökonomie und vermeidet
widersprüchliche Entscheide der verschiedenen Aufsichtsbehörden. Denn Weisungen
an unterstellte Behörden sind verbindlich und können mit der Androhung von
Ungehorsamsstrafe nach Art. 292 StGB verbunden werden (vgl. Geiser, a.a.O., N.
9 vor Art. 420-425 ZGB; Schnyder, Zur Vormundschaftsbeschwerde nach Art. 420
ZGB, ZVW 57/2002 S. 75 ff., S. 91; für ein Beispiel: Schnyder/Murer, a.a.O., N.
61 zu Art. 388 ZGB). Es wäre deshalb auf eine leere Formalität hinausgelaufen,
hätte die Kammer für Vormundschaftswesen die Überweisungsverfügung aufgehoben,
die Sache mit vorgegebenem Ergebnis zur Beurteilung an das Bezirksamt
zurückgewiesen und anschliessend auf erneute Beschwerde hin endlich in der
Sache selbst entschieden. Der eingeschlagene Verfahrensweg verletzt kein
Bundesrecht.

5.
Schliesslich rügen die Beschwerdeführer als formelle und materielle
Rechtsverweigerung, dass die Kammer für Vormundschaftswesen das Vorliegen einer
Beschwerde des Beschwerdeführers 1 verneint und dem Beschwerdeführer 1 die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung durch den Beschwerdeführer 2 verweigert
habe (S. 22 f. Ziff. 5 und 6 der Beschwerdeschrift).

5.1 Gegenstand des Verfahrens ist die Anordnung vormundschaftlicher Massnahmen
als Ersatz für die fehlende oder ungenügende Bevollmächtigung des
Beschwerdeführers 2 zur Vertretung des Beschwerdeführers 1 vor kantonalen
Behörden. Die Kammer für Vormundschaftswesen durfte deshalb nicht mangels
Vollmacht auf die Beschwerde nicht eintreten. Die Eintretensfrage ist selber
Beschwerdegrund, so dass das Verfahren durch Sach- und nicht durch
Prozessentscheid beendet wird (vgl. BGE 118 Ia 236 E. 3a S. 239/240; 100 III 19
E. 1 S. 21; 99 III 4 E. 5 S. 8). Die Kammer für Vormundschaftswesen hat
folgerichtig festgehalten, die Beschwerde, die der Beschwerdeführer 2 im Namen
des Beschwerdeführers 1 ohne dessen Vollmacht zur Bewirkung der aufgehobenen
Vertretungsbeistandschaft für diesen eingereicht habe, könne nicht wegen dessen
fehlender Vollmacht zur Beschwerdeführung durch Nichteintretensentscheid
erledigt werden, sondern sei als Beschwerde des Beschwerdeführers 2 als
Beschwerdeführer für den Beschwerdeführer 1 zu beurteilen (E. I/3.2 S. 10 des
angefochtenen Entscheids). Mit Blick darauf erweist sich die Rüge als nicht
nachvollziehbar, die Kammer für Vormundschaftswesen habe das Vorliegen einer
Beschwerde des Beschwerdeführers 1 verneint. Die Erwägung entzieht sich der
Auslegung nicht, dass eine Beschwerde des Beschwerdeführers 2 für den
Beschwerdeführer 1 vorgelegen hat.

5.2 Richtig ist, dass der Beschwerdeführer 1 im Rubrum des Entscheids nicht
förmlich unter dem Titel "Beschwerdeführer" aufgeführt wurde, sondern lediglich
unter der Rubrik "Betreff". Gleichwohl hat die Kammer für Vormundschaftswesen
den Beschwerdeführer 1 formell als Partei behandelt, hätte sie doch andernfalls
nicht über die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege an den
Beschwerdeführer 1 entschieden. Die mangelhafte Parteibezeichnung schadet nicht
(vgl. BGE 130 III 550 E. 2.1.3 S 553; 131 I 57 E. 2.2 S. 63).

5.3 Die Kammer für Vormundschaftswesen hat dem Beschwerdeführer 1 die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung durch den Beschwerdeführer 2 verweigert,
weil der Beschwerdeführer 1 den Beschwerdeführer 2 nicht durch Anwaltsvollmacht
mit der Beschwerdeführung beauftragt habe (E. II/3.2.2 S. 17 des angefochtenen
Entscheids). Sie hat damit offenkundig die Erfolgsaussichten der
Beschwerdeanträge verneinen wollen. Denn Gegenstand des Verfahrens war, ob als
Ersatz für die fehlende oder ungenügende Bevollmächtigung des Beschwerdeführers
2 zur Vertretung des Beschwerdeführers 1 vormundschaftliche Massnahmen
anzuordnen seien. Die Frage wurde verneint, so dass die Beschwerde abzuweisen
war und dem Beschwerdeführer 2 die Vollmacht zur Vertretung des
Beschwerdeführers 1 fehlte. Mit Blick auf den Verfahrensausgang ("nicht durch
Anwaltsvollmacht mit der Beschwerdeführung beauftragt") hat die Kammer für
Vormundschaftswesen das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege für den
Beschwerdeführer 1 abgewiesen. Inwiefern die Beurteilung der Erfolgsaussichten
ihrer Beschwerde verfassungswidrig sein könnte, legen die Beschwerdeführer
nicht dar (Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 134 I 83 E. 3.2 S. 88).

6.
Beweiserhebungen fallen im Verfahren der Beschwerde nach Art. 72 ff. BGG nur in
Betracht, wenn der im angefochtenen Entscheid festgestellte Sachverhalt, der
dem bundesgerichtlichen Urteil zugrunde zu legen ist (Art. 105 Abs. 1 BGG),
offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art.
95 beruht (Art. 105 Abs. 2 BGG; vgl. Botschaft zur Totalrevision der
Bundesrechtspflege, BBl 2001 4202, S. 4344). Diese Voraussetzungen sind hier
nicht erfüllt, so dass die Beweisanträge der Beschwerdeführer und die
Beschwerde auch in diesem Punkt abzuweisen sind.

7.
Aus den dargelegten Gründen muss die Beschwerde abgewiesen werden, soweit
darauf einzutreten ist. Die Beschwerdeführer werden damit unter solidarischer
Haftbarkeit kostenpflichtig (Art. 66 Abs. 1 und 5 BGG). Dem Gesuch des
Beschwerdeführers 1 um unentgeltliche Rechtspflege kann nicht entsprochen
werden. Die Beschwerdeführer haben zwar viele Rügen erhoben und grossen Aufwand
betrieben, doch verdeutlichen die vorstehenden Erwägungen, dass die gestellten
Rechtsbegehren von Beginn an keinen Erfolg haben konnten (vgl. Art. 64 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Das Gesuch des Beschwerdeführers 1 um unentgeltliche Rechtspflege wird
abgewiesen.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- werden den Beschwerdeführern unter
solidarischer Haftbarkeit für den ganzen Betrag auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Aargau, Kammer
für Vormundschaftswesen, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 19. November 2008
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Raselli von Roten