Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.530/2008
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
5A_530/2008

Urteil vom 22. Oktober 2009
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Hohl, Präsidentin,
Bundesrichterin Escher, Bundesrichter L. Meyer,
Bundesrichter Marazzi, Bundesrichter von Werdt,
Gerichtsschreiber Levante.

Parteien
Bank X.________ S.p.A., vertreten durch Rechtsanwälte Dr. Thomas Müller und
Pascal Schmid,
Beschwerdeführerin,

gegen

Y.________, vertreten durch Rechtsanwalt Peter M. Studer,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Vollstreckbarerklärung von ausländischen vorsorglichen Massnahmen (Art. 31
LugÜ),

Beschwerde gegen den Beschluss des Obergerichts des Kantons Zürich, II.
Zivilkammer, vom 10. Juli 2008 (NL070150/U).

Sachverhalt:

A.
A.a Am 25. April 2007 ordnete die Einzelrichterin des Tribunale Ordinario von
Lodi/Italien gestützt auf Art. 671 (Sequestro conservativo) und Art. 669sexies
(Procedimento) des italienischen Codice di procedura civile (it.CPC) auf
Begehren der Bank X.________ S.p.A. die sofortige vorbeugende Verarrestierung
der beweglichen und/oder unbeweglichen Gegenstände, die Y.________ gehören,
oder der Beträge und/oder Dinge, welche diesem geschuldet sind, unter
Einschluss derjenigen, die in seinem Eigentum stehen und am 1. September 2005
in einen Vermögenskomplex überführt wurden, bis zum Betrag von 400 Mio. Euro
an. Mit diesem Vorgehen bezweckt die Bank X.________ zivilrechtliche Ansprüche
gegen Y.________ infolge wirtschaftskrimineller Handlungen zu sichern.
A.b Mit Eingabe vom 1. November 2007 stellte die Bank X.________ bei der
Einzelrichterin im summarischen Verfahren des Bezirksgerichts Zürich das
Begehren, es sei der Sequestro conservativo des Tribunale Ordinario von Lodi
vom 25. April 2007 nach Art. 31 ff. LugÜ für vollstreckbar zu erklären. Weiter
sei ihr (bei Vollstreckbarerklärung) als Sicherungsmassnahme gestützt auf Art.
39 Abs. 2 LugÜ für eine Forderung von Fr. 33'488'000.-- nebst Zins der Arrest
zu bewilligen. Für den Fall, dass die Vollstreckbarkeit nicht erklärt werde,
verlangte die Bank X.________, gegen Y.________ einen Arrestbefehl gestützt auf
Art. 271 Abs. 1 Ziffern 1 und 4 SchKG (mangelnder fester Wohnsitz bzw.
ausländischer Wohnsitz des Schuldners) zu erlassen.
A.c Die Einzelrichterin wies das Begehren um Anerkennung des Sequestro
conservativo mit Verfügung vom 9. November 2007 ab. Zur Begründung der
fehlenden Vollstreckbarkeit nach Art. 31 LugÜ hielt die Einzelrichterin im
Wesentlichen fest, dass der Sequestro conservativo vom 25. April 2007 nach
italienischem Recht nicht mehr wirksam bzw. vollstreckbar sei, weil er nicht
innert 30 Tagen nach Ausfällung zur Vollstreckung gebracht worden sei. Mangels
Vollstreckbarerklärung wurde kein Arrest als Sicherungsmassnahme gestützt auf
Art. 39 Abs. 2 LugÜ angeordnet.
A.d Der Eventualantrag, einen Arrest gestützt auf Art. 271 Abs. 1 Ziffern 1 und
4 SchKG zu erlassen, wurde von der Einzelrichterin in ein separates Verfahren
verwiesen.

B.
Gegen die Verfügung der Einzelrichterin vom 9. November 2007 erhob die Bank
X.________ Rekurs. Das Obergericht des Kantons Zürich, II. Zivilkammer, wies
das Rechtsmittel und den Antrag auf Vollstreckbarerklärung mit Anordnung der
anbegehrten Sicherungsmassnahme mit Beschluss vom 10. Juli 2008 ab.

C.
Mit Eingabe vom 13. August 2008 führt die Bank X.________ Beschwerde in
Zivilsachen gegen den Beschluss des Obergerichts vom 10. Juli 2008. Die
Beschwerdeführerin beantragt dem Bundesgericht, den angefochtenen Beschluss
aufzuheben und den Sequestro conservativo des Tribunale Ordinario von Lodi vom
25. April 2007 gestützt auf Art. 31 ff. LugÜ für vollstreckbar zu erklären.
Eventualiter sei die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz
zurückzuweisen.
Y.________ (Beschwerdegegner) beantragt die Abweisung der Beschwerde. Das
Obergericht hat auf eine Vernehmlassung verzichtet.

D.
Das Kassationsgericht des Kantons Zürich trat auf die von der Bank X.________
(ebenfalls) am 13. August 2008 erhobene Nichtigkeitsbeschwerde mit Beschluss
vom 20. April 2009 nicht ein.

Erwägungen:

1.
1.1 Angefochten ist der Beschluss des Obergerichts, mit welchem der Rekurs
gegen die Verweigerung der Anerkennung des Sequestro conservativo des Tribunale
Ordinario von Lodi vom 25. April 2007 gestützt auf Art. 31 ff. LugÜ abgewiesen
wurde. Gegen die Entscheidung, die über den in Art. 40 LugÜ vorgesehenen
Rechtsbehelf ergangen ist, findet in der Schweiz nur eine Beschwerde an das
Bundesgericht statt (Art. 41 LugÜ; Erklärung der Schweiz vom 12. Dezember 2006,
AS 2007 1339); dies ist die Beschwerde in Zivilsachen (Art. 72 Abs. 2 lit. b
Ziff. 1 BGG).

1.2 Das Kassationsgericht hat die Nichtigkeitsbeschwerde als unzulässig
erachtet, weil gegen Entscheide über den Rechtsbehelf nach LugÜ ausschliesslich
die Beschwerde an das Bundesgericht möglich und ein weiteres kantonales
Rechtsmittel ausgeschlossen ist. Beim angefochtenen Beschluss des Obergerichts
handelt es sich um einen Entscheid der gemäss LugÜ (Art. 40 Abs. 1, Art. 41
LugÜ) sowie BGG vorgesehenen Vorinstanz (Art. 75 Abs. 1 BGG), der das Verfahren
abschliesst (Art. 90 BGG). In der vorliegenden vermögensrechtlichen
Angelegenheit ist die Streitwertgrenze offensichtlich erreicht und die
Beschwerdeführerin ohne weiteres beschwerdeberechtigt (Art. 74 Abs. 1 lit. b,
Art. 76 Abs. 1 BGG). Die innert 30 Tagen seit der (am 14. Juli 2008 erfolgten)
Zustellung des Beschlusses erhobene Beschwerde (Art. 100 Abs. 1 BGG) ist
grundsätzlich zulässig.

1.3 Die Beschwerdegründe sind beschränkt, wenn es sich beim angefochtenen
Entscheid um eine vorsorgliche Massnahme handelt, wogegen nur die Rüge der
Verletzung verfassungsmässiger Rechte zulässig ist (Art. 98 BGG). Vorsorgliche
Massnahmen im Sinne von Art. 98 BGG sind einstweilige Verfügungen (BGE 133 III
399 E. 1.5 S. 400; Botschaft vom 28. Februar 2001 zur Totalrevision der
Bundesrechtspflege, BBl 2001 S. 4336 Ziff. 4.1.4.2).
1.3.1 Gegenstand des angefochtenen Entscheides ist die Vollstreckbarerklärung
nach Art. 31 Abs. 1 LugÜ. Durch die Anerkennung eines ausländischen Urteils
wird grundsätzlich die Gleichstellung mit einem inländischen Urteil bewirkt,
und mit der Vollstreckbarerklärung kommt dem ausländischen Urteil zusätzlich
die Qualität eines Vollstreckungstitels im Inland zu. Die Vollstreckbarkeit
eines Urteils im Urteilsstaat wird - im Gegensatz zu den anderen
Urteilswirkungen - nicht automatisch auf die Schweiz erstreckt, sondern durch
Vollstreckbarerklärung begründet (vgl. Urteil 5P.253/2001 vom 13. September
2001 E. 2a; STAEHELIN, in: Dasser/Oberhammer [Hrsg.], Kommentar zum
Lugano-Übereinkommen, 2008, N. 2 zu Art. 31; DONZALLAZ, La Convention de
Lugano, Bd. II, 1997, Rz 1859; vgl. SCHWANDER, Einführung in das internationale
Privatrecht, Erster Band: Allgemeiner Teil, 3. Aufl. 2000, Rz 697; MEIER,
Internationales Zivilprozessrecht und Zwangsvollstreckungsrecht, 2. Aufl. 2005,
S. 43/44).
1.3.2 Die Vollstreckbarerklärung eines ausländischen Urteils ist keine
einstweilige Verfügung. Der Exequaturrichter befindet in keiner Art über den
Bestand einer Forderung, sondern über die Frage, ob das ausländische Urteil zur
Zwangsvollstreckung zugelassen werden kann (BGE 118 Ia 118 E. 1b S. 122). In
seiner Funktion ist das Exequaturverfahren mit der Rechtsöffnung verwandt,
obschon diese an sich bereits ein Teil der durch das Exequatur erst noch zu
bewilligenden Vollstreckung ist (Amonn/Walther, Grundriss des
Schuldbetreibungs- und Konkursrechts, 8. Aufl. 2008, § 19 Rz 27). Die
Vollstreckbarerklärung muss aber nicht vorfrageweise im Rechtsöffnungsverfahren
(Art. 81 Abs. 3 SchKG), sondern kann auch - wie hier - im speziellen
(Exequatur-) Verfahren erfolgen (vgl. BGE 135 III 324 E. 3 S. 326). In
Anbetracht der Rechtsnatur der Vollstreckbarerklärung rechtfertigt sich, gegen
das selbständige Exequatur - wie bei der Rechtsöffnung (BGE 133 III 399 E. 1.5
S. 400) - die Beschwerdegründe nicht einzuschränken, sondern die allgemeinen
Beschwerdegründe zuzulassen (Art. 95-97 BGG), unabhängig davon, ob der
ausländische Entscheid einstweiligen Charakter hat oder nicht.

1.4 Mit der Beschwerde in Zivilsachen kann vorliegend die Verletzung von u.a.
Bundesrecht einschliesslich Bundesverfassungsrecht sowie von Völkerrecht gerügt
werden (Art. 95 lit. a u. b BGG). Da der vorliegende Entscheid eine
vermögensrechtliche Streitsache betrifft, kann nicht gerügt werden, das nach
dem schweizerischen internationalen Privatrecht massgebende ausländische Recht
sei nicht richtig angewendet worden (Art. 96 lit. b BGG), sondern ist nur die
Rüge der Verletzung des Willkürverbotes (Art. 9 BV) möglich (BGE 133 III 446 E.
3.1).

1.5 In der Beschwerdebegründung ist in gedrängter Form darzulegen, inwiefern
der angefochtene Akt Recht verletzt (Art. 42 Abs. 2 BGG). Die Verletzung von
verfassungsmässigen Rechten ist in der Beschwerdeschrift vorzubringen und zu
begründen (Art. 106 Abs. 2 BGG), wobei das Rügeprinzip gilt (BGE 133 III 589 E.
2 S. 591).

2.
2.1 Das Obergericht hat angenommen, dass der Sequestro conservativo des
Tribunale Ordinario von Lodi vom 25. April 2007 grundsätzlich eine nach dem
LugÜ anerkennbare Entscheidung sei. Im konkreten Fall könne diese in der
Schweiz jedoch nicht vollstreckbar erklärt werden, weil sie in Italien nicht
vollstreckbar sei. Nach Art. 675 it.CPC verliere die betreffende Massnahme ihre
Wirksamkeit, wenn sie nicht innert 30 Tagen seit ihrer Ausfällung vollzogen
werde. Diese Frist sei durch das Begehren um Exequatur vom 1. November 2007
beim Bezirksgericht Zürich nicht gewahrt worden. Ob die (im Sequestro
conservativo angesetzte) Verhandlung vom 29. Mai 2007 vor der Einzelrichterin
des Tribunale Ordinario von Lodi oder deren Entscheid vom 12. Juli 2007 sich
auf den Fristenlauf ausgewirkt habe, brauche nicht geprüft zu werden. Daran
ändere nichts, dass der Beschwerdegegner keinen Antrag auf Suspendierung der
Vollstreckbarkeit gestellt habe. Die Beschwerdeführerin mache zwar geltend,
dass sie bereits am 27. April 2007 in Italien um Vollstreckung des Sequestro
conservativo ersucht habe und dies (unter Hinweis auf das von der
Beschwerdeführerin vorgelegte Gutachten von Prof. A.________ vom 21. November
2007) zur Fristwahrung nach Art. 675 it.CPC genüge. Ein Bestätigungsverfahren
zur Überprüfung der einstweiligen Massnahme sei jedoch nicht durchgeführt
werden. Aus den angeblichen Vollstreckungen vom 18. und 25. Oktober 2007 könne
die Beschwerdeführerin nichts für sich ableiten, da der Zeitpunkt des
Vollstreckungsbegehrens massgebend sei. Da der umstrittene Sequestro
conservativo vom 25. April 2007 nach Art. 675 it.CPC nicht mehr vollstreckbar
sei, fehle die Voraussetzung nach Art. 31 LugÜ zur Vollstreckbarerklärung in
der Schweiz.

2.2 Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung des LugÜ, weil das Obergericht
die Vorfrage, ob der Sequestro conservativo vom 25. April 2007 vollstreckbar
sei, entgegen der einschlägigen Normen des italienischen Prozessrechts verneint
habe. Die Voraussetzungen zur Vollstreckbarkeit gemäss it.CPC seien unter
Hinweis auf das Gutachten A.________ im Einzelnen dargelegt worden. Die
Beschwerdeführerin macht (unter Hinweis auf das neue Gutachten B.________)
geltend, dass die Auslegung des it.CPC durch das Obergericht willkürlich und
die Vorinstanz vom Gutachten A.________ in unhaltbarer und aktenwidriger Weise
abgewichen sei. Das Obergericht habe ihren Gehörsanspruch verletzt, wenn es
sich über ihre Vorbringen bzw. das Gutachten A.________ hinweggesetzt habe.

3.
3.1 Gemäss Art. 31 Abs. 1 LugÜ werden die in einem Vertragsstaat ergangenen
Entscheidungen, die in diesem Staat vollstreckbar sind, in einem anderen
Vertragsstaat vollstreckt, wenn sie dort auf Antrag eines Berechtigten für
vollstreckbar erklärt worden sind. Anlass zur Beschwerde gibt der Sequestro
conservativo nach Art. 671 it.CPC, welcher am 25. April 2007 von der
Einzelrichterin des Tribunale Ordinario von Lodi/Italien erlassen wurde.
Streitpunkt ist die von der Beschwerdeführerin anbegehrte
Vollstreckbarerklärung in der Schweiz.
3.1.1 Vorliegend steht die Anwendbarkeit des LugÜ nicht in Frage. Die
Beschwerdeführerin hat die Vollstreckbarerklärung eines gerichtlichen
Entscheides verlangt, welcher in Italien - als einem Vertragsstaat - zur
Geltendmachung von zivilrechtlichen Ansprüchen, mithin in einer Zivil- und
Handelssache gemäss Art. 1 Abs. 1 LugÜ ergangen ist (vgl. DASSER, in: Dasser/
Oberhammer [Hrsg.], Kommentar zum Lugano-Übereinkommen, 2008, N. 33 und 36 zu
Art. 1).
3.1.2 Der Sequestro conservativo gemäss Art. 671 it.CPC stellt eine Anordnung
des Gerichts dar, mit welcher einer Partei vor oder während des ordentlichen
Prozesses vorläufiger Rechtsschutz gewährt wird (SATTA/PUNZI, Diritto
processuale civile, 13. Aufl., Padua 2000, S. 780 f., 810 f.; CARPI/TARUFFO,
Commentario breve al Codice di procedura civile, 5. Aufl. 2006, N. 1 zu Art.
671). Es ist unstrittig, dass der Sequestro conservativo als vorsorgliche
Massnahme eine Entscheidung im Sinne von Art. 25 LugÜ darstellt, die
vollstreckt werden kann (vgl. STAEHELIN, a.a.O., N. 13 ff., 16 zu Art. 31);
dies wurde in der kantonalen Praxis bereits zu Recht erkannt (vgl. BGE 131 III
660 S. 661). Es steht weiter nicht in Frage, dass dem Beschwerdegegner bei
Erlass der vorsorglichen Massnahme das rechtliche Gehör gewährt wurde (vgl. BGE
129 III 631 ff.); das Obergericht hat bestätigt, dass das Begehren um
Vollstreckbarerklärung nach der (am 29. Mai 2007 erfolgten) Anhörung des
Beschwerdegegners durch das Tribunale Ordinario von Lodi verlangt wurde. Ebenso
wenig sind Sachverhalte umstritten, welche die Anerkennung ausschliessen (Art.
34 Abs. 2 bzw. Art. 27 f. LugÜ), oder sich gegen die Zustellung der
Entscheidung richten (Art. 47 Ziff. 1 LugÜ).
3.1.3 Umstritten ist einzig, ob der Sequestro conservativo vom 25. April 2007
in Italien vollstreckbar ist. Gemäss Art. 47 Abs. 1 LugÜ kann sich die
Vollstreckbarkeit entweder aus der Entscheidung selbst, aus einer
Vollstreckbarkeitsbescheinigung des Gerichts oder aus den Gesetzen des
Urteilsstaates ergeben (STAEHELIN, a.a.O., N. 22 zu Art. 31; NAEGELI, in:
Dasser/Oberhammer [Hrsg.], Kommentar zum Lugano-Übereinkommen, 2008, N. 9 zu
Art. 47).

3.2 Das Obergericht hat die Auffassung der Erstinstanz und der
Beschwerdeführerin geteilt, dass Art. 675 it.CPC massgebend ist. Nach dieser
Bestimmung verliert der Sequestro conservativo seine Wirksamkeit, wenn er nicht
innerhalb von 30 Tagen seit seiner Ausfällung vollzogen wird. Diese Frist
erachtet das Obergericht im konkreten Fall als nicht gewahrt.
Die Beschwerdeführerin hält demgegenüber fest, sie habe vor dem Obergericht (in
der ergänzenden Rekursbegründung) unter Hinweis auf das Gutachten A.________
und die einschlägigen Bestimmungen insbesondere dargelegt, dass der Sequestro
conservativo vom 25. April 2007 vollstreckbar sei, weil bereits am 27. April
2007 die Vollstreckung der Massnahme verlangt und diese (nach Verhandlung vom
29. Mai 2007) am 12. Juli 2007 vom Tribunale Ordinario von Lodi bestätigt und
weiter innert angesetzter Frist am 26. Oktober 2007 beim gleichen Gericht das
Hauptsacheverfahren eingeleitet worden sei. Die Beschwerdeführerin wirft dem
Obergericht vor, sich darüber und über die einschlägigen italienischen
Vorschriften betreffend Vollstreckbarkeit trotz des ihm vorgelegten Gutachtens
A.________ hinweggesetzt zu haben.

3.3 Zu prüfen ist vorab die Rüge der Beschwerdeführerin, ihre Vorbringen,
insbesondere das Privatgutachten A.________ seien in Verletzung ihres
Gehörsanspruchs übergangen worden.
3.3.1 Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV) verlangt, dass
die Behörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und
ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt. Die Behörde darf
sich in ihrem Entscheid auf die wesentlichen Gesichtspunkte und Leitlinien
beschränken und braucht sich nicht mit jedem sachverhaltlichen oder rechtlichen
Einwand auseinanderzusetzen (vgl. BGE 126 III 97 E. 2b S. 102; 130 II 530 E.
4.3 S. 540; STEINMANN, in: Die schweizerische Bundesverfassung, St. Galler
Kommentar, 2. Aufl. 2008, N. 27 zu Art. 29). Nach konstanter Rechtsprechung des
Bundesgerichts ist Parteigutachten nicht die Qualität von Beweismitteln,
sondern von blossen Parteibehauptungen beizumessen (BGE 132 III 83 E. 3.6 S.
88; 127 I 73 E. 3f/bb S. 82; 97 I 320 E. 3 S. 325).
3.3.2 Das Obergericht hat festgehalten, dass die Beschwerdeführerin geltend
mache, bereits am 27. April 2007 - also innerhalb von 30 Tagen seit der
Ausfällung - um Vollstreckung des Sequestro conservativo ersucht zu haben, und
dass am 24. Mai 2007 die Verhandlung vor dem Vollstreckungsrichter
stattgefunden habe. Es hat auch ausgeführt, dass gemäss Gutachten A.________
das blosse Vollzugsbegehren innert 30 Tagen zur Aufrechterhaltung der
Wirksamkeit genüge, und ist zum Schluss gekommen, dass dies "mit der in der
älteren Literatur beschriebenen Praxis" im Einklang steht (wobei auf den
Kommentar von CARPI/COLESANTI/TARUFFO zum it.CPC aus dem Jahre 1984 hingewiesen
wird).
Die Beschwerdeführerin hat im Gutachten A.________ unter Berücksichtigung der
Änderungen des it.CPC von 1990 (Gesetz Nr. 353/1990) die Voraussetzungen
dargelegt, damit der Sequestro conservativo seine Wirksamkeit nicht verliert
(Arrestvollzug innert 30 Tagen nach Erlass, Anhebung der Klage zur Sache innert
Frist, keine Einstellung des Sachverfahrens, keine Aufhebung der einstweiligen
Massnahmen durch den Instruktionsrichter im Sachverfahren; Art. 669octies ff.
it.CPC). Sie hat in ihrer Eingabe an das Obergericht vom 18. Dezember 2007
anhand des Gutachtens A.________ mit Bezug auf das konkrete Begehren um
Vollstreckbarerklärung ausgeführt, dass die Voraussetzungen erfüllt seien. Das
Obergericht führt jedoch mit keinem Wort aus, dass die Parteivorbringen bzw.
das Gutachten A.________ falsch, ungenügend oder nicht rechtserheblich seien
oder die Konsultation einer aktuellen Kommentierung zu einem anderen Schluss
führe. Insoweit fehlt es insgesamt an einer Begründung für das Ergebnis der
Vorinstanz, dass die Frist von Art. 675 it.CPC nicht eingehalten und der
Sequestro conservativo vom 25. April 2007 nicht wirksam sein soll. Es wird auch
nicht gesagt, die Vorbringen der Beschwerdeführerin, wonach der
Beschwerdegegner keinen Antrag auf Suspendierung der Vollstreckbarkeit des
Sequestro conservativo gestellt habe, unzutreffend seien. Insoweit ist nicht
haltbar, wenn das Obergericht die tatsächlichen Vorbringen und rechtlichen
Schlussfolgerungen der Beschwerdeführerin zum Vollstreckungsbegehren vom 27.
April 2007 überhaupt nicht in die Entscheidfindung einbezogen hat, sondern es
fehlt die Überlegung, wieso die Frist nach Art. 675 it.CPC nicht gewahrt sein
soll.
3.3.3 Weiter hat das Obergericht erwogen, dass das Bestätigungsverfahren, das
zur Überprüfung der einstweiligen Massnahmen diente, im Jahre 1990 aufgehoben
worden sei. Zu diesem Bestätigungsverfahren habe sich das Gutachten A.________
nicht geäussert; zudem habe die Beschwerdeführerin weder geltend gemacht, dass
ein Bestätigungsverfahren durchgeführt worden sei, noch seien Anhaltspunkte für
die Durchführung in den Akten ersichtlich.
Es ist zu Recht unbestritten, dass mit dem Gesetz Nr. 353/1990 das separate
Bestätigungsverfahren gemäss Art. 680 ff. it.CPC (Convalida) aufgehoben und
durch ein neues System - die Kontrolle durch Bestätigung im Hauptverfahren -
ersetzt wurde (vgl. SATTA/PUNZI, a.a.O., S. 814, S. 791; CARPI/TARUFFI, a.a.O.,
N. 3 zu Art. 669octies). Dass es das separate Bestätigungsverfahren nach der
Gesetzesänderung im Jahre 1990 nicht mehr gibt, wird im Urteil selber
festgehalten. Unter diesen Umständen kann das Obergericht der
Beschwerdeführerin - wie diese zu Recht rügt - jedoch nicht vorhalten, sich zum
Bestätigungsverfahren nicht geäussert zu haben, und gleichzeitig mit keinem
Wort auf ihre Vorbringen zur aktuellen Rechtslage eingehen. In der Tat hat die
Beschwerdeführerin vor dem Obergericht (unter Angabe von Belegen) vorgebracht,
fristgemäss das Hauptverfahren eingeleitet zu haben, um die Wirksamkeit des
Sequestro conservativo aufrechtzuerhalten. Wenn das Obergericht sich über diese
sachverhaltlich und rechtlich erheblichen Vorbringen hinweggesetzt hat, ist
dies mit dem Gehörsanspruch der Beschwerdeführerin nicht vereinbar.
3.3.4 Das Obergericht hat weiter erwogen, die Beschwerdeführerin könne aus dem
Umstand, dass am 18. und 25. Oktober 2007 weitere Vollstreckungen des Sequestro
conservativo vom 25. April 2007 erfolgt seien, nichts für sich ableiten, weil
das erste Vollstreckungsbegehren innert 30 Tagen gestellt werden müsse und die
Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt, in dem die Vollstreckungsbegehren gestellt
wurden, nichts gesagt habe und im Gutachten A.________ von zeitlich
unbegrenzten Vollstreckungsbegehren nicht die Rede sei. Das Fristerfordernis
von Art. 675 it.CPC sei auch unter diesem Blickwinkel ausser Acht gelassen
worden.
Die Beschwerdeführerin bestreitet, vor dem Obergericht vorgebracht zu haben,
dass gemäss Gutachten A.________ weitere Vollstreckungsbegehren "zeitlich
unbegrenzt" möglich seien. Tatsächlich wird im betreffenden Gutachten
ausgeführt, dass auch nach Ablauf der Frist von 30 Tagen weitere
Vollzugsbegehren und Vollzüge (bis spätestens zum Zeitpunkt der Beweisaufnahme)
möglich sind, sofern nur der erste Vollzug innerhalb von 30 Tagen nach Erlass
der Massnahme eingeleitet worden ist. Die Beschwerdeführerin hat im Einzelnen
dargelegt, dass die Prosequierung durch die Einleitung des Hauptverfahrens in
Italien erfolgt sei. Dass die Beschwerdeführerin bereits am 27. April 2007 -
also innerhalb von 30 Tagen seit der Ausfällung - um Vollstreckung des
Sequestro conservativo ersucht habe und dass gemäss Gutachten A.________ das
blosse Vollzugsbegehren innert 30 Tagen zur Aufrechterhaltung der Wirksamkeit
genüge, hat das Obergericht selber festgehalten. Wenn die Vorinstanz auf die
Vorbringen der Beschwerdeführerin, welche sich auf diese Rechtslage und die
weiteren Voraussetzungen der Wirksamkeit beruft, nicht eingegangen ist und sich
auf die Aussage beschränkt, durch die Eingabe vom 1. November 2007 (an das
Bezirksgericht Zürich) sei die Frist von Art. 675 it.CPC nicht gewahrt, hat sie
den verfassungsmässigen Anspruch der Beschwerdeführerin auf ernsthafte und
sorgfältige Prüfung ihrer Vorbringen - und damit das rechtliche Gehör -
verletzt.

3.4 Nach dem Dargelegten fehlen im angefochtenen Beschluss an entscheidender
Stelle die Überlegungen, von denen sich das Obergericht leiten liess, um die
Vollstreckbarerklärung zu verweigern. In wesentlichen Gesichtspunkten hat das
Obergericht die in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht erheblichen
Vorbringen der Beschwerdeführerin übergangen. Ihre Rüge einer Verletzung von
Art. 29 Abs. 2 BV ist begründet.

4.
Aus diesen Gründen ist die Beschwerde gutzuheissen und das angefochtene Urteil
aufzuheben. Die Sache ist zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Ob das Obergericht zur verfassungskonformen Behandlung der
Vorbringen der Beschwerdeführerin - wie diese meint - Gelegenheit zu einer
weiteren Stellungnahme zu geben oder ein gerichtliches Gutachten anzuordnen
hat, muss vom Bundesgericht nicht entschieden werden.

5.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Beschwerdegegner kosten- und
entschädigungspflichtig (Art. 66 Abs. 1, Art. 68 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde in Zivilsachen wird gutgeheissen, und der Beschluss des
Obergerichts des Kantons Zürich, II. Zivilkammer, vom 10. Juli 2008 wird
aufgehoben. Die Sache wird zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz
zurückgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 30'000.-- werden dem Beschwerdegegner auferlegt.

3.
Der Beschwerdegegner hat die Beschwerdeführerin für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 30'000.-- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Obergericht des Kantons Zürich, II.
Zivilkammer, und dem Kassationsgericht des Kantons Zürich schriftlich
mitgeteilt.

Lausanne, 22. Oktober 2009

Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Hohl Levante